Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsversuch

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon Erdbert » Di 12. Feb 2019, 11:48

Parzival hat geschrieben:
Das kann sich ein Stück weit erst in einer zweiten Stufe verändern, wenn Menschen mit so einem traumaähnlichen Hintergrund anfangen, sich bewusster mit ihrer Verletzlichkeit zu beschäftigen und darauf einzugehen. Meiner eigenen, momentanen Erfahrung nach ist es da vorrangig, dass man lernt, ganz bewusst für seine eigenen Bedürfnisse einzutreten und sich selbst gegen jede Ansprüche, die einem nicht gut tun, abzugrenzen. Denn genau das haben solche Menschen offenbar kaum gelernt, anders als Menschen ohne solche schwierigen Kindheits- oder Jugenderfahrungen. Es gehört ja an sich zur „normalen“ Entwicklung, dass man schon im Laufe der Kindheit und noch mehr als Jugendlicher lernt, sich selbst durchzusetzen und dafür – ggf. auch erstmal trotzig oder pubertär-aufsässig - zu sorgen, dass die eigenen Wünschen ausreichend von seiner Umgebung berücksichtigt werden. Wenn aber die Kindheit oder Jugend von belastenden Erfahrungen überschattet ist, ist diese normale Entwicklung gebremst oder fällt ganz aus. Man lernt, dass man v.a. unauffällig bleiben muss und bekommt aufgrund der eigenen zunehmenden Empfindsamkeit – eben der Empfindsamkeit eines Kindes, die man mangels eigener Weiterentwicklung auch Erwachsener noch weiterträgt – vermittelt, dass man „zu sensibel“ sei und keine falschen Ansprüche stellen dürfe.
Eine Besserung der eigenen Situation kann so meiner Erfahrung nach nur erreicht werden, wenn man sich von diesen falschen Einschränkungen versucht zu befreien und voll und ganz für seine eigenen Bedürfnisse, auch wenn sie noch so „empfindsam“ sind, einzustehen. Das wird allerdings zum einen zu Konflikten mit der Umwelt führen, die das bislang ja nicht gewohnt war, und zum anderen ist es wohl unvermeidlich, dass man die eigenen Ansprüche zunächst oft auch eher schroff, unvermittelt oder sogar unfreundlich bis aggressiv äußert. Das eigene Gespür dafür ist ja kaum mehr Vorhanden und muss erst einmal wieder geweckt werden. Es ist aber wohl nötig und heilsam, hier möglichst wenig sich zu bremsen und gleich wieder die alten Filter wirksam werden zu lassen, denn sonst ist es wohl schwer zu lernen, überhaupt für sich ausreichend einzustehen.

ein tolles, sehr reflektiertes thema mit persönlichen beschreibungen und einem interessanten fachthema ins persönliche gekoppelt, auch sehr nachvollziehbar beschrieben.

was du über schroffheit, pubertär und aufsässig in stufe 2 schreibst ist mir auch schon aufgefallen. es schreiben erwachsene über die schlimme welt der normalos oder nicht-leidende hsp in einem stil, der mich an die mittelstufe der schule erinnert. es wird die gesellschaft angeprangert, der konsum und die menschliche gier sowie das übliche schubladendenken und fühlt sich dabei scheinbar besonders weltkritisch. so richtig genau scheint man sich damit gar nicht beschäftigt zu haben weil fast alles, was normal ist, schlechtgeredet wird, was wohl daran liegt, dass man vom einem extrem ins andere schliddert und dabei ein mittelmass auf der strecke bleibt. dabei wünschen sich so viele hsp doch eigentlich nur das eine, das normal sein? sehr widersprüchlich, aber auch hier im text sehr gut beschrieben. auch die stufe 1 erkenne ich in den vielen texten des forums wieder.
Erdbert
Neuling
 
Beiträge: 30
Registriert: Di 29. Jan 2019, 19:42

Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon Source » Di 12. Feb 2019, 17:16

Das was Parzival oben schreibt, finde ich sehr reflektiert und sehr wohlwollend formuliert. Vor allem finde ich es auch aus meiner persönlichen Erfahrung nachvollziehbar, wenn er schreibt, dass das Äußern eigener Bedürfnisse (m. E. trifft das auf viele Positionierungen zu) zunächst bei den Mitmenschen auf Widerstand stößt, weil sie das Vertreten eines eigenen Standpunkts bis dahin nicht gewohnt sind. Und er ermutigt dazu, dennoch weiter für sich einzustehen, auch, wenn es "Gegenwind" gibt. Da scheint jemand zu schreiben, der Verständnis für die Situation von traumtisierten Menschen aufbringt.

Vor diesem Hintergrund verwundert es mich, dass du, Erdbert, deine Beobachtungen zu HSP mit Parzivals Überlegungen gleichsetzt. Deine Bemerkungen zu "schroffheit, pubertär und aufsässig" erwecken nicht den Eindruck, dass du versuchst zu verstehen, warum HSP sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Dass HSP alles "Normale" schlecht reden und dennoch ja eigentlich nur "normal sein" wollen, wird der Komplexität des Themas und aller hier partizipierenden Personen mit Sicherheit nicht gerecht.
Source
Full Member
 
Beiträge: 210
Registriert: So 8. Okt 2017, 15:10

Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon Erdbert » Do 14. Feb 2019, 15:01

Parzival hat geschrieben: ggf. auch erstmal trotzig oder pubertär-aufsässig - zu sorgen, dass die eigenen Wünschen ausreichend von seiner Umgebung berücksichtigt werden.

Parzival hat geschrieben:Das wird allerdings zum einen zu Konflikten mit der Umwelt führen, die das bislang ja nicht gewohnt war, und zum anderen ist es wohl unvermeidlich, dass man die eigenen Ansprüche zunächst oft auch eher schroff, unvermittelt oder sogar unfreundlich bis aggressiv äußert.

gefettete hervorhebungen durch mich.

ich nehme mir das recht, mich von trotzigen, pubertär-aufsässigen, unfreundlichen und aggressiven menschen abzugrenzen weil sie mich nicht weiter bringen. es ist mir egal, ob traumatisiert, mit oder ohne HS oder nicht-traumatisiert. warum sollte ein normaler HSP oder ein "normalo" die launen traumatisierter einzelner aushalten sofern er nicht mal fachexperte ist sondern nur laie? ich bin nicht verantwortlich für die traumatisierung anderer und wenn mir die gefetteten verhaltensweisen begegnen, muss ich gar nichts aushalten oder verständnis haben, denn wäre verantwortungsumkehrung. es gibt bekanntlich einige traumatisierte menschen, die ihren mitmenschen das leben zur hölle machen weil triangulierung muster so tief verwurzelt sind dass sie gar nicht mehr merken, wie sie sich selbst ins soziale abseits befördern. ob es nun arbeitskollegen, familie oder bekannte sind - man muss sich diese launen nicht gefallen lassen und jeder hat das recht, sich zu distanzieren oder dieses thema zu benennen.

zu traumatisierung und HSP sind mir keine kausalen zusammenhänge bekannt. das ist ein weiterer grund, warum ich nicht begreife dass man für schlechtes benehmen traumatisierter leute verständnis haben sollte.

dieser thread ist bis vor kurzem noch ohne triangulierung ausgekommen und nun geht es schon in richtung sippenhaft.
Erdbert
Neuling
 
Beiträge: 30
Registriert: Di 29. Jan 2019, 19:42

Vorherige


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron