Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Lemontree » Do 26. Mai 2016, 17:01

Hallo, ich habe mich nun durch viele Themen-Foren gelesen und konnte mich nicht entscheiden, wo mein Thema am besten rein gehört, deshalb schreibe ich es hier _Mij_ ...da es eine Mischung aus den Themen Liebe/Kinder/Alltag/Familie usw ist.

Kurz zu mir: 29 Jahre, weiblich, Partnerin eines Normal-Sensiblen, Mutti einer 3 Jährigen - eher höher sensibel dosiert ;-)
Ich selbst weiß seit etwa 3 Jahren, dass ich eine "von euch" bin. Habe mich so mögen gelernt und finde mich nun auch recht annehmbar so. Mein Partner lernte mich kennen, da wusste ich nichts von Hochsensibilität und passte mich meiner Umgebung immer an. So auch ihm. Das war für beide wunderbar - vorerst. Große Liebe, Große Dramen, Große Leidenschaft - die ganze Palette. Seit ich nun aber mehr zu mir gefunden habe, habe ich mich natürlich auch verändert. Zu meiner Veränderung kam, dass wir viel Schlimmes mussten in den letzten Jahren, es schweißte uns zusammen, nahm uns aber auch die letzte Kraft und somit begann sich unsere Beziehung im Gesamten zu verändern - ich könnte jetzt alle "Baustellen" aufzählen, aber das mag ja keiner lesen so lang - und es ist auch nicht wichtig, WAS für Probleme da sind, sondern DASS sie mittlerweile den Familienalltag bestimmen und die Stimmung oft ins Resignieren kippt. Seit einem Jahr führe ich einen inneren Kampf ums Aufgeben und Weitermachen - und er auch.

Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht bereits alle möglichen Szenarien durchgespielt hätte: Trennung (aber freundschaftliches Verhältnis - welches wirklich gegeben wäre!), Zusammen bleiben - aber getrennte Wohnungen (mein Favorit), Zusammen bleiben im selben Haushalt - aber ständige Stimmungsschwankungen/Schwankungen auf dem Liebesbarometer, die unsere Tochter mitbekommt.

Ich habe in all den Szenarien immer zuerst meine Tochter im Kopf - wie kommt sie mit all dem klar? Wird sie mit einer Trennung fertig? Wäre es zu egoistisch von mir, sie einer Trennung auszusetzen - nur damit ich endlich "Ruhe habe"? Sollte ich nicht selbstloser sein, meinem Kind zu liebe und wieder beginnen, mich anzupassen? Denn immer dann läuft alles super bei uns - dann macht das Familienleben allen Spaß, dann sind wir ein unschlagbares Team...immer wenn ich mich anpasse. Aber ich merke, dass ich dann sehr oft in Tagträume falle, in denen ich mich danach sehne, in einer Partnerschaft zu sein, in der ich mit oder gerade wegen der Hochsensibilität geschätzt werde von meinem Partner. Ich möchte mich eigentlich nicht mehr anpassen.
Meine Tochter und mein Partner (also ihr Papa) haben ein wundervolles Verhältnis. Er ist ein klasse Papa, obwohl er nie einen hatte. Er ist rührend und sie liebt ihn sehr. Auch als Mann in einer Beziehung ist er sehr adrett und ein wirklich guter Fang - er ist treu und immer aufrichtig. Nur überfordere ich ihn regelmäßig mit meiner Art. Ich scheine offensichtlich die falsche Frau für ihn zu sein. Das schmerzt, denn ich liebe ihn.

Nun stehe ich also vor der Frage - ob ich zurück in die Phase des Anpassens gehe und somit meine mir so wichtige Familie erhalte oder ob ich den Ausbruch aus meinem Goldenen Käfig wage, mich weiterhin entwickle aber auch meine Familie entzweie. Auch wenn die beiden noch immer engen Kontakt hätten, würde ich meinem Partner und meiner Tochter ein Stück weit deren Welt zum Einsturz bringen. Mit welcher Erklärung?
Ich meine Frauen, die Gewalt erfahren und es schaffen, sich zu trennen, sind Heldinnen. Frauen, die Betrogen werden und sich trennen, sind nur zu gut zu verstehen. Frauen, die schlecht behandelt werden, und sich trennen, haben das Recht dazu. (Gleiches gilt natürlich auch für Männer.) Aber welche Begründung liefere ich meiner Tochter später? ...weil ich hochsensibel bin, dein Papa es nicht ist...weil ich mich nach einer Partnerschaft sehnte, in der ich mich verstanden fühle...weil ich im Grunde mit dir alleine lebend mehr Harmonie in meinem Leben habe...

Das erscheint mir heute sehr egoistisch und macht mich auch traurig, weil ich es im Grunde mit meinem Gewissen nicht vereinbaren könnte, einen lieben, treuen Mann zu verlassen, nur weil er meiner Hochsensibilität hilflos gegenüber steht und somit sehr wahrscheinlich einen Kompromiss finden werde, der mich im innersten nicht befriedigen wird. Aber vielleicht ehrt es auch einen Menschen, dass er selbstlos ist und man findet darin sein Glück.

Andererseits verabscheue ich es, einem Kind vorzuleben, dass man immer die Zähne zusammen beißen muss und nie aufgeben darf. Ich möchte meiner Tochter keine Welt "vorspielen" in der ich nicht meinen Platz habe...ich möchte ihr mit auf den Weg geben, dass man sehr wohl das machen kann, wonach sich das Herz sehnt.

Befand sich jemand in so einer Situation und hat Denkanstöße für mich? Ein anderer Blickwinkel kann hilfreich sein.
Lemontree
 

Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Lemontree » Do 26. Mai 2016, 17:04

P.S. ... die Überschrift habe ich gewählt, weil ich natürlich seit dieser misslichen Lage komplett überreizt und überfordert bin mit mir selber. Können sicher einige hier verstehen, was ich damit meine. Gedanken kreisen, verzweigen sich, ufern aus. Komplette Ratlosigkeit paart sich mit "ach ist schon nicht so schlimm" ...Alles in Allem eine sehr turbulente Zeit.
Lemontree
 

Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Klickklack » Do 26. Mai 2016, 17:55

Hallo Lemontree,
ich kann Dich sehr gut verstehen, ich lebe seit 23 Jahren mit einem normal sensiblen Mann zusammen. Mir geht es oft sehr ähnlich wie Dir. Passe ich mich an , geht alles soweit gut, aber immer klappt das nicht. Mein Mann weiss nichts von meiner Hochsensibilät, er würde es sowieso wieder nur als mein "Psychogeschwafel" abtun.
Deine Sehnsucht ist in meinen Augen völlig normal, mir gehts genauso.
Mittlerweile klappt es zwischen uns eigentlich garnicht mehr, bin nur noch meinen Kindern zuliebe , bei ihm. Die Liebe geht daran , dass du zurücksteckst , irgendwann kaputt.
Habe mittlerweile eine liebe Freundin , die auch zu " uns" zählt , Sie gibt mir das Verständnis, das mir so lange gefehlt hat.
Jetzt bin ich eigentlich so weit, zu sagen , ich muss gehen um endlich wieder richtig glücklich zu sein.
Dir zu raten zu gehen, will ich nicht, aber deiner Tochter steht eine glückliche Mutter zu, oder?
Wichtig sind immer die Kinder, aber wenn Sie ihren Dad jederzeit sehen kann, glaube ich, das Sie es irgendwann verstehen wird. Besonders, da Du ja selbst schreibst, dass Sie wahrscheinlich auch hochsensibel ist.
Mach nicht den selben Fehler, den ich seit vielen Jahren mache, man bleibt dabei auf der Strecke .
Schreib mir doch, würde mich ganz gern noch weiter mit Dir unterhalten.

GLG und fühl dich mal ganz fest gedrückt

Klickklack
Klickklack
 

Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon spirit&soul » Do 26. Mai 2016, 18:41

Kinder haben ein Gespür für Disharmonie und wenn das ungelöst im Raum steht, dnn hat es langfristige Folgen.
Einem kleinen Kind ist es meines Wissens nach völlig wurscht, ob die Eltern einen Ehering tragen, miteinander ins Bett gehen oder dauernd aufeinander hocken. Wenn Ihr es schafft, Eurer Tochter wirklich Familie und Eltern mit jeder Menge Elternzeit für das Kind zu sein und Eure Elternrolle in gegenseitiger Wertschätzung und Sympathie füreinander ausfüllt, dann wird es an Eurem Lebensmodell sicherlich nicht kranken. Ich glaube, das ewige Hin und Her und die innere Zerrissenheit sind eher ein "ungesunder" Status und das für alle, wobei sich ein Kind noch am meisten hilflos fühlt und daher ruhige, feste und annehmbare Entscheidungen braucht. Möglicherweise wäre eine Paartherapie mit Schwerpunkt Elternschaft und Sicherheit für das Kind eine gute erste Entscheidung. Es ist vor allem wichtig herauszufinden, was wirklich gut für die Tochter ist. Dies als Inspiration mit allen guten Wünschen von spirit&soul
spirit&soul
 

Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Golbin » Do 26. Mai 2016, 23:33

Hallo Lemontree,

ich habe deinen Text drei Mal gelesen. Ich bleibe jedes Mal am selben Abschnitt hängen: "Meine Tochter und mein Partner (also ihr Papa) haben ein wundervolles Verhältnis... denn ich liebe ihn." Für mich beschreibt dieser Abschnitt ein fast ideales Bild einer Familie. Um diesem Abschnitt herum beschreibst du eine Welt, die die nicht glücklich macht. Ich sehe einen Widerspruch. Ich kann ihn mit deinem Text nicht auflösen.

Meine Idee dazu besteht aus zwei Teilen. Die eine Hälfte reflektiert mit Fragen, die andere nennt ein paar Eckpunkte, die MIR wichtig wären.

Zunächst einmal frage ich mich und nun dich, was dein ZIel mit deinem Posting ist. Möchtest du uns deine Situation einfach nur mitteilen, dir "die Seele vom Leib schreiben"? Möchtest du Ratschläge? Möchtest du Empfindungen von uns als Leser?
Einhergehend ist die Frage nach deinem Ziel. Möchtest du Bestätigung? Zweifel? Aussagen wie du dich verhalten sollst? Klarheit über deine Gedanken?

Da ich all dies nicht weiß, schreibe ich einfach einmal auf, was mir durch den Kopf geht. Das folgende sind meine Gedanken: Wenn der Partner so ideal ist, wie du in dem zitierten Abschnitt schreibst, dann müsste alles ok sein. Das ist es nicht. Wieso denkt eine Frau an einen Weggang aus einer solchen Situation? EIne weiterer Gedanke: Es ist nicht der Partner. Es sind nicht diese Umstände. Dort kanalisieren sich Ungereimtheiten im Leben von Lemontree. Aber woher kommen sie? Du schreibst von vielen Baustellen. Zu vielen? Eine Art Weltschmerz, die sich in deinem kleinen Kosmos manifestiert? Mein Abschlussgedanke: Wenn der Partner so ideal ist, würde ich es mir sehr gründlich überlegen, ob ich mich von ihm trenne.

Weg von meinen Gedanken hin zu MEINEM Weg in der Situation. Ich würde die Widersprüche auflösen wollen, die Quelle der Überforderung finden wollen. Erst dann wäre für mich gewiss, die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn es möglich ist für dich, würde ich deinen Partner miteinbeziehen, deine Gedanken mit ihm teilen. Gemeinsam mögt ihr mehr erkennen.

In solchen Fällen halte ich es für hilfreich, Gedanken zu Papier zu bringen. Ich gebe dir einige Fragen als Anregung. Ob du sie dir beantworten möchtest, entschiedest allein du. Ebenso, ob es dir weiterhilft.

- Was kann ich tun, damit es mir in meiner Familie besser geht?
- Du schreibst, du liebst deinen Partner? Was schätzt du an ihm?
- Welche Baustellen habe ich? Was ist die Ursache jeder Baustelle?
- Welche Vorteile hätte eine Trennung? Welche Nachteile, was gebe ich auf?
und weil du es als spezielles Problem schilderst:
- Wie drückt sich meine HS aus? Wie belastet das meinen Partner? Was kann ich tun, damit mein Partner es als Unterstützung denn als Belastung empfindet?

Auch hier kurz ein Hinweis, den ich immer gebe, wenn ich zum ersten Mal zu einem Menschen über seine persönlichen Dinge schreibe: Wenn du dir die Fragen beantwortest, gehören die Antworten allein dir. Ich erwarte nicht, dass du sie hier postest, nur weil die Fragen hier gestellt wurden. Manche empfinden da eine Verpflchtung, die nicht existiert und und nicht existieren darf. Wenn du dich entscheidest, un etwas mitzuteilen, dann nur "aus freien Stücken".

Noch ein letztes: Ich bin HS und sehr lange mit einer nicht-HS Frau verheiratet. WIr haben drei Kinder, alle HS. Die Kombination HS/nicht HS allein ein Grund für das Scheitern einer Beziehung. Das kann ich dir aus eigener Erfahrung versichern.

Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg zum Wieder-glücklich-werden.
Wolfgang
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Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Elektra » Sa 28. Mai 2016, 03:05

Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen!
Ich frage mich aber auch, wie Dein Partner darauf reagieren würde, wenn Du ihm Deine Situation erklären würdest?

Diesen Anpassungszwang kenne ich auch zu gut, auch das Gefühl, dass es anders eigentlich nicht geht. Aber das ist Quatsch!!! Wenn man sich mal überlegt, was andere einem selbst alles zumuten (natürlich ohne das sich darüber bewusst sind) und was man alles anstandslos akzeptiert, ohne die zwischenmenschliche Beziehung auch nur in Frage zu stellen. Warum sollte man den anderen nicht auch mal etwas zumuten dürfen? Man sollte sich immer mal wieder bewusst machen, was es heißt ein Team zu sein. Es heißt, dass jeder die gleichen Rechte hat. Schwierig ist dabei nur, dass sich die Umgebung so daran gewöhnt hat, dass man sich anpasst. Wenn man dann mal etwas ausbricht, fühlen sich die Leute oft vor den Kopf gestoßen, weil sie dieses Verhalten nicht von einem kennen. Da wäre es von Vorteil ein gewisses Feintuning einzubauen, aber das ist leider nicht immer möglich. Alleine schon deshalb ist es so wichtig, ein offenes Gespräch zu suchen und wenigstens zu versuchen, sich deutlich zu machen. Das all dieses Verhalten einen Grund hat.
Du schreibst, dass Du Deinen Partner oft überforderst, nicht zu ihm passt. Aber was ist mit deinen Bedürfnissen? Wie passt er zu Dir?

Bezüglich der Gründe, die es legitimieren seinen Partner zu verlassen, lass Dich da bitte nicht von Klischees verleiten. Es gibt immer plakative Gründe etwas zu tun aber es gibt auch immer nuancierte Gründe dafür. Egal welcher Grund vorliegt, wenn er Dich unglücklich macht, Dich in Deinem Leben massiv einschränkt und das auf Dauer, dann ist er Grund genug etwas zu ändern. Die äußeren Umstände zählen nicht!

So wie Du erzählst, habe ich den Eindruck Du machst das alles hauptsächlich mit Dir alleine aus. Das kann es Dir unglaublich schwer machen. Vielleicht gibt es ja jemanden in Deinem Umfeld, dem Du Dich anvertrauen kannst. Sich einmal auszusprechen kann viel im Kopf verändern. Solange man nur für sich denkt, gehen die Gedanken im Kreis. Erst wenn man sie ausspricht, können sie einen Weg finden. So ist meine Erfahrung.

Ich wünsche Dir, dass Du und Deine Familie einen Weg finden könnt, der für Euch alle gut ist, denn an Zuneigung und Liebe scheint es ja bei Euch nicht zu mangeln. Und da wo dies gegeben ist, gibt es auch gute Chancen einen gemeinsamen Weg zu finden.
Der Sensible hat es immer schwerer im Leben - dafür lernt er auch mehr.
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Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Lemontree » Do 2. Jun 2016, 08:54

Guten Morgen,
vielen Dank für eure Antworten. Ich versuche mal einiges zu beantworten…jedoch nicht an einen einzelnen direkt gerichtet sondern allgemein. Ich habe die vorgeschlagenen Fragen bereits aufgeschrieben und sie mir selbst beantwortet…da ich auch ein Freund davon, Dinge aufs Papier zu bringen um sie dann besser sehen zu können. Es waren sogar exakt die gleichen Fragen, welche ihr mir vorgeschlagen habt. Und ich kam damals bereits zu dem Entschluss, dass etwas nicht passt. Aber ich konnte mich nur schlecht dazu durchringen, es klar zu sehen. Ich wollte es nicht sehen. Denn mir war es immer sehr wichtig eine heile Familie zu haben… aber nun ist es mir auch wichtig, dass ich zudem auch ich selbst sein kann. Und da beides in der jetzigen Konstellation offensichtlich nicht harmonisiert befand ich mich dann in der oben geschilderten Situation.
Ich habe nun mit einer lieben Freundin gesprochen und auch eure Worte nachwirken lassen. Vor allem hat mir der Ansatz sehr weiter geholfen, dass es einem Kind „egal“ wäre, ob Mama und Papa sich küssen, das Bett teilen, eine Liebesbeziehung führen…sondern, dass es für Kinder viel wichtiger ist, dass die Eltern im Team auftreten – im Elternteam. Und ich denke, dass sollte bei uns zu schaffen sein. Wenn wir unserem Kind also weiterhin ausreichend und ehrliche gemeinsame Elternzeit einräumen, dann hoffe ich, dass meine Tochter über die Tatsache, dass Mama und Papa getrennt wohnen werden, hinweg kommt.
Ich habe also innerlich die Entscheidung getroffen, dass ich mit einer Trennung zwar erstmal traurig sein werde, aber auf lange Sicht wird es das Richtige sein. Und wenn nicht, dann habe ich zumindest in dem Moment das getan, was ich für richtig hielt. Es ist keine Entscheidung, die über Nacht getroffen wurde – ich lebe seit einem Jahr mit diesen Gedanken und kämpfe wirklich seit einem Jahr um meine Beziehung. Da mein Partner keine Paartherapie möchte, werde ich alleine zu einer gehen – die nette Dame sagte, dass ich auch alleine kommen könne. Sie begleiten auch eine Trennung.
Was mich noch sehr sehr verunsichert, meine Entscheidung umzusetzen ist die Tatsache, dass meine Tochter in 3 ½ Monaten einen großen neuen Lebensabschnitt hat und in die Kita kommt… ich befürchte, dass zwei derart große Ereignisse in ihrem Leben innerhalb eines viertel Jahres zu viel sind. Ich kann sie überhaupt nicht einschätzen – was das angeht. Ob sie für die Kita-Eingewöhnung ein sicheres Umfeld zu Hause benötigt. Deshalb ist meine Überlegung, mit der Trennung zumindest so lange zu warten, bis mein Kind sich in der Kita eingelebt hat…
Lemontree
 

Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon MaryBo1968 » Do 2. Jun 2016, 09:17

Hallo Lemontree,

ich möchte nochmal auf das eingehen was "spirit+soul" geschrieben hat.
Kinder spüren diese Spannungen und neigen dazu so etwas negativ auf sich zu beziehen,
meist ohne sich zu äußern und zu fragen was da nicht stimmt.
Du schreibst ja auch dass deine Tochter sensibel wäre. Kinder haben ja sowieso feinere Antennen
und wenn es so ist das deine Tochter HS ist, dann ist es umso wichtiger ihr behutsam zu erklären
dass Du dich so wie es ist, nicht wohl fühlst und dass es dir dabei nicht gut geht.
Wenn sie dann dazu die Gewissheit hat dass sie Eure Liebe und den Halt nicht verliert,
dann kann sie auch mit einer Trennung fertig werden.
Das mit dem Elternteam passt ganz gut, denke ich. Wichtig ist dass ihr für sie da seid und sie den Rückhalt hat den sie braucht.

Hast Du deinem Partner gesagt, dass Du ihn liebst aber so nicht weiter machen kannst weil Du darunter leidest?
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MaryBo1968
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Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon Lemontree » Do 2. Jun 2016, 09:50

Ja, das habe ich ihm gesagt. Auch er liebt mich. Jedoch macht auch ihn diese angespannte Situation zwischen uns sehr fertig. Er möchte keine Paarberatung, keine Gespräche mehr über unsere Probleme/Baustellen mit mir...er möchte "dass ich endlich die Dinge, die ihn an mir stören in den Griff bekomme und würde es auch wieder laufen"...
Lemontree
 

Re: Überfordert mit mir selber - Familienkrise.

Beitragvon ceridwen » Do 2. Jun 2016, 11:23

Hallo Lemontree,

Deine Situation kommt mir bekannt vor. Mit dem Unterschied, das ich vier Kinder habe. Einen Nicht HS Partner. Mein grosser Sohn ist 16 auch HS und kann im Moment gar nicht mit seinem Stiefvater.
Im Prinzip sind meine Gedanken zu dieser seit Jahren genau wie bei dir. Und trotzdem lebe ich noch in der Patnerschaft. Mir ist aufgefallen, das das was die Männer dir gegenüber an Verhalten zeigen wird dich in anderer Form an anderen Orten evtl. wieder begegnen. Bei mir war es so. Es ist für mich grausam zu sehen, wie sich der Mann, der mir mal Schutz gegeben hat, mir mein Sein vorwirft, wie es andere getan haben. Also stellt sich mur die Frage: was ist es was ich in mir lösen sollte, um meinen Frieden zu finden.
Deine Idee zur Paarttherapie, auch allein, finde ich gut und bestimmt hilfreich.
Paartherapie ist bei uns auch nicht mehr angesagt. Mit anderen Therapien hatte ich auch keine Erfolge. Und privates Coaching bei Aurum Cordis z.B. kann ich mir nicht leisten.
Es ist wohl immer ein grausames Spiel von den Gedanken, die immer jeden Weg abchecken, abwegen, bewerten und wieder verwerfen, weil es eine nicht zu 100% zufriedenstellende Lösung ist.
Ich weiss nicht, ob ich helfen konnte. Nur meine Erfahrungen aus ähnlicher Situation im Beginn erzählen.
Es kommt ja immer auf beide Partner an. Und wer sagt, wie eine Partnerschaft zu sein hat? Wenn es für alle o.k. ist, kann eine räumliche Trennung Entspannung bringen. Das heisst ja nicht, das ihr zwangsläufig eure Partnerschaft aufgeben müsst.
Ich wünsche dir für dich und alle deiner kleinen Familie Respekt und Liebe für einander.
ceridwen
 



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