Übers Nicht Aushalten

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon Stimmungsaufhellerin » Di 20. Aug 2013, 20:59

Danke Anna!

Darauf werde ich mal achten und vielleicht auch versuchen, nicht soviel weiterzudenken und schneller zu entscheiden.
Ich glaube, wenn ich alles Für und Wider abwäge, bin ich schon wieder nur Kopf!

_wol_
Glücklich ist, wer vergisst,
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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon AnnaK » Di 20. Aug 2013, 21:09

Also ich bin auch eher Kopfmensch, wäge alles Für und Wider ständig ab, nur das ich mit der Zeit festgestellt habe, dass meine erste Eingebung meist die, ich sag mal, Angebrachteste ist... wobei ich mich halt auch öfters mal im Pro/Contra, was resultiert aus, wenn usw. verliere, allerdings eher bei Kleinigkeiten. Wenns um Ernste Dinge geht, hab ich das besser raus.

Beispiel:
Als ich 14 war wollt sich ein guter Freund von mir umbringen, ist bei meiner Cousine gewesen (die auch mit ihm befreundet war), hat ihr nen Brief gegeben, indem stand, dass sie ihn nicht vor 17:30 Uhr öffnen soll. Sie rief mich an, hat gefragt, was sie machen soll. Ich hab ihr gesagt sie soll ihn aufmachen. Plötzlich schreit sie ins Telefon "der will sich umbringen". Da musst ich nicht nachdenken, hab ihr gesagt, sie soll ihrer Mutter bescheid sagen und die beiden sollen sofort kommen, weil ich wusste, dass er als Nächstes bei mir sein würde. Als er kam, waren beide schon da und meine Tante hat ihn sofort festgehalten. Da musste ich nicht nachdenken.
Man kann sich wohl in einer Idee irren, man kann sich aber nicht mit dem Herzen irren. Fjodor Michailowitsch Dostojewski

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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon Elektra » Fr 1. Nov 2013, 15:41

Puh das ist auch ne harte Nummer! Ich glaube solche Erlebnisse vergisst man nich so schnell.
In solchen Situationen reagiert das Hirn ganz anders. Notfälle lassen mich auch immer sehr schnell total rational entscheiden. Man weiss einfach das man keine Zeit hat zum abwägen. Ich glaube wir wissen unbewusst genau wieviel Zeit wir haben um eine Entscheidung zu treffen.
Der Sensible hat es immer schwerer im Leben - dafür lernt er auch mehr.
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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon ja » Di 24. Feb 2015, 10:25

_Mij_
*hochschieb*



Und wieder einmal ist eine meiner baustellen das aushalten – seufz!
Um achtsamer mit meinen ansprüchen und verhaltensweisen umgehen zu können hole ich den thread mal wieder hoch.
So kann ich einfacher darin stöbern,
_angel4_
Ja.
weniger ist mehr

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+ ja ist im März 2017 nach langer schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen +
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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon little_mouse » Mi 11. Mär 2015, 18:18

Oh ja, das leidige Thema des Aushaltens ... Ist momentan auch sehr akut bei mir. Vor allem gegenüber meinem Partner fällt mir das stark auf. Er ist ein sehr unternehmungslustiger Mensch, der sich schnell langweilt und lieber Aktion als Ruhe hat (Ja, das ist teilweise mehr als schwierig mit uns beiden). Da er demnach viel mehr unternehmen will als ich, muss ich leider oft "nein" zu seinen Vorschlägen sagen - und sei es nur ein kurzer Einkauf im Supermarkt. Vor einigen Monaten hätte ich immer schön "ja und amen" gesagt, nur um keinen Streit zu verursachen oder negativ aufzufallen. Heute sage ich immer öfter "nein", wenn ich merke, dass ich wirklich nicht mit will. Und mittlerweile fragt er auch nicht mehr so oft bzw. nur nach solchen Aktivitäten, von denen er weiß, dass ich die auch mache(n kann).

Im Allgemeinen tue ich mir schwer meine eigenen Grenzen zu schützen. Ich weiß auch noch nicht so recht, wo meine Grenzen liegen, da bin ich gerade auf der Suche... Aber das ist sehr wichtig für uns Hochsensible. Denn die meisten anderen Menschen habe eine andere Schmerztoleranz was das Aushalten und das Überschreiten von Grenzen geht. Wir müssen viel besser für uns sorgen und dürfen uns nicht selbst dadurch kaputt machen, dass wir uns - den anderen zuliebe - selbst durch irgendetwas quälen. Das möchte keiner, auch die anderen nicht. Wenn man zum Beispiel unzufrieden am Arbeitsplatz ist, würde ich immer sagen, dass man den Arbeitsplatz wechselt. Ansonsten wird man auf Dauer krank. Auch eine unzufriedene oder krankmachende Beziehung würde ich lieber beenden, wenn kein Ausweg und keine Besserung in Sicht ist.

Bei alltäglichen Situationen, wie das Bus- und Bahnfahren oder die Familienfeier "muss" man leider durch. Aber wie ja schon geschrieben hat:
Doch da muss ich durch. Also mache ich das, jedoch nicht ohne mir im Vorfeld zu überlegen mit was ich mich danach belohnen werde und dieses dann auch umzusetzen.

Belohnen tut gut und hilft auch, die unangenehme Situation zu überstehen.

Ich denke, es ist ein langer Lernprozess, dass man seine Grenzen kennt und weiß, wann das Aushalten zu viel wird, wann es sich lohnt, wann es sein muss, wann es überflüssig und sinnlos ist. Man muss viele Erfahrungen sammeln, den Kontakt zu sich selbst und seinem Körper (als wunderbarer Signalgeber, wenn es einem zu viel wird) wieder aufbauen und ehrlich zu sich selbst und zu anderen sein.

_flöwer_
little_mouse
 

Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon Baum » Do 12. Mär 2015, 09:40

Ach, darüber kann ich auch ein Lied singen...

Was ich alles nicht oder nur bedingt aushalte könnte echt schon ein Buch füllen:

- Dauerhafte Temperaturen außerhalb meines Wohlfühlbereiches
- Zugluft (wo andere noch nicht mal was merken)
- Trubel (z.B. auf einer Party hab ich i.d.R. nach gut 2-3 Stunden keine Lust mehr)
- Hunger (ganz schlimm, besonders in der Arbeit wenn "unbedingt" noch was fertig gemacht werden "muss")
- Zu viel Essen (All-you-can-Eat oder auch Mehrgängemenüs sind mir ein Graus, weil ich einfach ein "Wenig-dafür-Öffter-Esser" bin)
- Durst
- Grelles Licht oder grelle Farben (Meine alte Realschule wurde umgebaut und jeder Gang ist in einer anderen Farbe gestrichen - knallgelb, knallorgange, knallgrün... da würde ich durchdrehen!)
- Leise Dauergeräusche (Uhrticken, Lüftergeräusche aller Art, das Rauschen der Fußbodenheizung)
- Zu viel Helligkeit beim Schlafen (Radiowecker musste ich abkleben)
- Schlechte Luft beim Schlafen
- Geräusche beim Schlafen

Genauso kann ich mich an Situationen die mir nicht behagen kaum anpassen. Beim neuen Arbeitsplatz zu sagen "Ach da gewöhnst du dich schon dran!" funktioniert kaum. Auch in der Wohnung, die bis auf den fehlenden Balkon eigentlich sehr schön ist und in der wir schon seit fast 5 Jahren wohnen fühle ich mich nicht 100%ig wohl - das 6-Parteien-Haus ist sehr hellhörig und ich höre auch Geräusche die 2 Etagen unter uns sind und natürlich stören mich diese.

Ich wurde auch schon total oft angelabert, dass ich mich nicht so anstellen sollte und dass das doch alles so toll und lustig wäre. Auch würde ich mich in Watte packen, zimperlich sein, überempfindlich sein, eine Spaßbremse sein und langweilig wäre ich auch noch.
Einmal waren wir beim Paintball - wollten das mal ausprobieren und hatten mit ein paar Studiumskollegen die Möglichkeit mitzufahren. Es war schrecklich - so ein besch*** Sport! Ich hatte, obwohl wir für 3 Stunden gebucht hatten, nach 20 Minuten schon keine Lust mehr. Viel zu wild, der Boden total rutschig, alles von den Farbbällchen total verschmiert und es stank abartig. Ich wurde dann von einem erfahrenen Mitspieler, die darüberhinaus noch halbautomatische Waffen hatten, voll umgecheckt. Ich habe dann versucht trotzdem durchzuhalten, schließlich habe ich dafür bezahlt! Aber irgendwann gings dann nicht mehr und ich hab mein Zeug abgegeben.
Die nervige Disskussion die das nach sich gezogen hat. "Hey, jetzt sei halt nicht so. Das macht doch Spaß!" Super nervig. Mein Freund hat dann, obwohl er sich deutlich ergeben hat von so einer Farbkugel am Hals getroffen was eine über 3 Wochen anhaltende, entzündete Stelle nach sich gezogen hat. Als er sein Zeug abgegeben hatte sind wir heimgefahren.
Aber dann bist du gleich langweilig und ein Spaßverderber. Genauso wenn du nix trinken magst. Ich vertrage Alkohol nicht gut - merke schon geringste Mengen an einem unangenehmen Kribbeln in den Gliedmaßen. "Komm, das ist so ein guter Wein. Der ist schon 15 Jahre alt! Sowas kannst du doch nicht schlechtwerden lassen!" "DOCH!"

Immer Diskussionen, Ankorrigieren, Rechtfertigung, "Verbesserungsvorschläge" usw. Ich bin das sowas von Leid!
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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon derKleine » Do 12. Mär 2015, 10:02

Ich stelle auch fest, dass es viele Dinge gibt, die ich immer weniger aushalten kann. Dinge, die anderen Leuten kaum was ausmachen, und wo man sich über meine Empfindlichkeit wundert.

Dazu gehören z.B.:
- meine unbefriedigende Arbeitssituation, die einige für mich schwer erträgliche Aspekte beinhaltet, z.B. die Zwänge zum Unterordnen, zum Stillsitzen ohne freie Entscheidungsmöglichkeiten, zum erzwungenen Zusammengedrängtsein mit mehreren Menschen in einem kleinen Büro. Die uninteressante Tätigkeit, das hässliche Siebzigerjahre-Gebäude, das dunkle Büro im Keller, usw.

- das Zusammensein mit unempathischen und lauten Menschen, z.B. auf Partys. Früher fühlte ich mich immer verpflichtet, zu solchen Einladungen zu gehen, obwohl diese Partys jedesmal eine Qual für mich waren. Inzwischen werde ich kaum noch eingeladen, und wenn doch, dann sage ich meistens ab.

- zu viel Essen (hat Baum genannt, trifft auf mich auch zu): ganz schlimm finde ich All-you-can-eat-Büffets, denn die führen bei mir dazu, dass ich fast zwangsläufig zu viel esse. Hinterher geht es mir stundenlang total schlecht...

- schlechte, stickige Luft. Ich bin zuhause ständig am Lüften, weil ich sonst das Gefühl habe, dass die Luft verbraucht ist.

- viele Arten von (gesellschaftlichen) Zwängen und sonstiger zwischenmenschlicher Enge. Ich habe da ein erhöhtes Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Zu dem erwähnten Paintball: ich finde es auch ziemlich schrecklich, würde wohl unter allen Umständen versuchen, so einer Veranstaltung zu entkommen. So ähnlich ergeht es mir auch mit vielen anderen "spaßigen" Gruppenunternehmungen, wie z.B. ein Fußball-Match mit Kollegen, ein Abend auf einer Kart-Bahn, etc.

Trotzdem bin ich eigentlich nicht ungesellig, aber ich mag am liebsten ruhige Menschen um mich haben, mit denen man gute Gespräche führen kann.
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Re: Übers Nicht Aushalten

Beitragvon Baum » Fr 13. Mär 2015, 15:54

Ich kann Dinge auch einige Zeit aushalten - aber halt nicht lange bzw. besser ist es wenn ich einen definierten Endpunkt hab. Obwohl mein Freund das nicht besonders mag haben wir ausgemacht, dass wir uns nach 2,5-3h unterhalten wies mir geht. Aber eigentlich geh ich eh nur noch auf Partys wo ich mich dann zum Schlafen in einen Nebenraum legen kann. Zum Glück habe ich auch einige Leute in meinem Umfeld die da tolerant sind.
Mein Freund und ich profitieren beide davon: Er kann was trinken und sich länger amüsieren, ich kann mich hinlegen und ihn dann heimfahren. Ich finde das ist ein fairer Deal.

So wilde Freizeitaktivitäten mag ich auch nicht mehr – früher war das anders. Go-Kart-Fahren war ich auch schon mal, das war mir zu wild. Da wurde ich auch voll angerempelt und bedrängt. Dieses dauernde Konkurenzdenken, Wettkampf, immer muss man gewinnen… bist du nicht erster, bis du ein Versager.

Ich bin auch durchaus gesellig, aber bitte alles mit Maß. Ich gehe gerne mit Freunden Essen, mach mal nen Spieleabend oder geh auch gern raus in die Natur (übers Geocachen haben wir ein paar echt nette Leute kennengelernt). Am Abend bin ich aber immer gerne daheim und ich hasse es auch, wenn Unternehmungen die unter Tags stattfinden noch durch „Ach, wir könnten doch noch ins Bräustüberl gehen!“ unnötig in die Länge gezogen werden (geht man dann nicht mit ist man gleich wieder langweilig!).

Ich habe nicht grundsätzlich Probleme mit Unterordnung oder Autoritäten. Ich weiß dass das jetzt total eingebildet klingt, aber die Autorität muss sich meinen Respekt erst verdienen – da braucht nicht jeder herkommen und denken dass er mir jetzt zu sagen hat wies läuft. Auch der Ton und die Art spielen eine wichtige Rolle.
Ich kann es auch aushalten mal wo stillzusitzen. Da kommt mir mein Job zum Glück sehr entgegen… sitzende und bewegte Tätigkeit halten sich so ziemlich die Waage.
Ich glaube auch schon langsam, dass es bei mir nicht an meinem derzeitigen Job liegt. Eher an dem Gesammtsystem – von dem ich der Meinung bin dass es irgendwie immer verrückter wird. Ich glaube ich würde in so gut wie jedem herkömmlichen Job irgendwie Probleme bekommen. Ich habe schon fast das Gefühl, dass ich irgendwie eine Nische finden muss, in der ich so sein kann wie ich bin. Da ich mich aber erst noch am Anfang der Reise zu mir selbst befinde, wird das wohl noch ein wenig dauern…
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