Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Beitragvon Dieter73 » So 26. Feb 2012, 14:42

Hallo! Heiße Dieter in bin neu hier!

Diesen, oder einen ähnlichen Satz, könnte ich auch in meinem beruflichen Umfeld sagen. Bin jetzt ca. 8 Wochen auf meiner neuen Arbeitstelle.
Arbeite als Messebaumonteur und versuche mit den neuen Eindrücken und den Leuten zurecht zukommen. Denke viel nach, ob Alles soweit ok. geht mit meiner Arbeit, mit meinem Verhalten gegenüber den Kollegen. Wie geht es Euch in neuen Situationen? Ich bewundere Andere, die scheinbar locker in Etwas reingehen und sich (scheinbar) keinen Kopf machen. Naja, vielleicht reden sie auch nicht darüber. Geht es Euch auch so, daß Ihr "mehr" mit den zwischenmenschlichen Dingen zu tun habt, als mit der Arbeit an sich? ......Wie soll ich das erklären? Die Arbeitabläufe laufen eher oberflächlig ab und mit den Gedanken bin ich oft bei den zwischenmenschlichen Dingen. Wie sind meine Kollegen? Was für Charaktäre haben sie? Wie gehen wir miteinander um? Wie gehen sie mit sich um? "Und das auch noch als Mann und in so einem Job!" icon_winkle
Mit wem komme ich gut aus, mit wem nicht? Wie verhalte ich mich gegenüber dem Chef? Manchmal habe ich den Eindruck, ich könnte mehr über die Eigenheiten der Kollegen sagen, als über die Arbeit an sich. Da ich früher schon einmal in einem ähnlichen Bereich gearbeitet habe, komme ich arbeitsmäßig recht gut klar, merke aber oft, daß Diese so nebenher läuft. Kann es sein, daß man sich nur auf eine Sache richtig konzentriern kann, entweder auf die Oberfläche, oder auf die tieferen Schichten? Bisher läuft es ganz gut, glaube ich, aber Unsicherheiten sind halt da. Zum Teil sicherlich normal für einen Neuen, aber es kommt mir auch so vor als würde ich mir zuviele Gedanken machen. Ich möchte halt die Arbeit gut machen, aber auch den Platz in der Gruppe finden und am liebsten nicht den Platz des Sonderlings. Das führt aber dazu, das ich mich weniger zeige. Möcht´ meine Stärken besser zur Geltung bringen und mehr zeigen, was ich zu "bieten" habe.Ich hab´halt bedenken, daß diese Stärken nicht so gefragt sind. Finde Gruppensituationen schon recht anstrengend, so das ich mich aus der Dynamik manchmal ausschliesen muss, um mich ruhig zu halten, aber gleichzeitig will ich ja zeigen, daß ich dazu gehören möchte. Bin nicht so laut, wie die Anderen, aber dieses "Laute" scheint Ihnen gerade als Ausdruck der Verbundenheit zu dienen. Wir sind eine kleine Firma, in der sich die Kollegen auch aus dem privaten Bereich kennen. Alle gehen recht kumpelhaft miteinander um, frotzeln viel miteinander, machen sie gegenseitig humorvoll an, wenn der Eine, oder der Andere "Mist" gebaut hat. Naja und bin häufig dabei, Alles einzuschätzen. Was ist Spaß, was nicht? Als Neuer ist man eh´ schon zurückhaltener und manchmal ist es schwierig das gesunde Maß zu finden, zwischen zurück-frotzeln und vorsichtig sein, um nicht "dumm" aufzufallen. Am liebsten bin ich eh´eher ruhiger, weil "Sprüche" klopfen nicht so mein Ding ist, außer ich bin sehr entspannt, was bei soviel Input manchmal schwierig ist. Dann kommt auch bei mir der Humor durch. Wieviel Anpassung ist gut, ohne mich zu leugnen? Wenn die Anderen vom Karneval erzählen, oder vom Fußball, oder vom letzten Saufgelage, dann tue ich mich schwer damit, meine Interessen zu zeigen (Spazieren gehen, ruhige u. intensive Gespräche führen, lesen, nachdenken etc., Dinge aufzudröseln, wie jetzt). Wiedermal das Gefühl "anders" zu sein, was halt das reinkommen schwerer macht. Ich glaube aber, daß es bisher nicht unangenehm aufgefallen ist, aber an mir nagt das schon ein wenig.
Wie geht Ihr mit solchen, oder ähnlichen Situationen um? LG Dieter
Dieter73
 

Re: Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Beitragvon wind-und-wellen » So 26. Feb 2012, 15:40

Hallo Dieter!

Lieben Dank, dass du uns an deinen Gedanken teilhaben lässt.

Ob du dir zuviel Gedanken machst? Vielleicht ja, vielleicht nein - vielleicht ist das aber auch für dich normal. Belasten dich denn diese Gedanken?

Hochsensible Menschen neigen dazu, sich über alles Mögliche Gedanken zu machen. Zählst du dich zu diesen Menschen, die auf manchens sensibler reagieren als andere?

Mir geht es so ähnlich wie dir - ich mache mir auch sehr oft Gedanken darüber, wie ich auf andere wirken könnte. Mir ist es auch nicht egal, dass ich meine Arbeit "irgendwie" verrichte. Mir sind andere Menschen auch nicht einfach so egal. Solange ich mich in diesen Gedanken nicht verliere, ist das für mich ok. Es ist nun mal eine Eigenschaft von mir, sehr gewissenhaft zu sein. _flöwer_

Da ich eher introvertiert bin, schaue ich mir neue Menschen und neue Umgebungen erst mal an. Beobachte, was ich wahrnehme. Und überlege dann, wie ich damit umgehe.

Edit: P.S.: Die Sache mit dem "Sonderling" ist mir noch durch den Kopf gegangen. Hochsensible Menschen nehmen häufig die Stellung des "Sonderlings" ein, weil sie aus der Perspektiven von normal sensiblen Menschen vielleicht wirklich etwas "sonderbar" sind. Ist halt die Frage, ob man selbst mit dieser Rolle umgehen könnte. Mir persönlich macht es nicht oder nicht viel aus, am Rande einer Gruppe zu sein, weil ich es mein ganzes Leben schon nicht anders kenne. Kürzlich habe ich allerdings in einem Buch zu HS und Beruf gelesen, dass es für hochsensible Menschen, die eben nicht gleich diesen Stempel des Sonderlings aufgedrückt bekommen haben wollen (was ja auch irgendwie verständlich ist!), hilfreich sein kann, wenn sie sich einen Strategieplan überlegen. Dass sie beispielsweise Small-Talk betreiben, einige oberflächliche Infos zu sich preisgeben, die sie preisgeben wollen und können. So dass sie also für die neue Umgebung nicht mehr ganz so wie ein unbeschriebenes Blatt sind, nicht ganz so "geheimnisvoll".

Das Buch heißt übrigens: Sensibel kompetent - zart besaitet und erfolgreich im Beruf. Dr. Marianne Skarics. Festland-Verlag (2007)

Edit: P.P.S: Sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren können. Ob das geht? Ja und Nein. Man kann sich sicherlich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren - parallel dazu ist aber auch die eigene Aufmerksamkeit auf diese Dinge verteilt. Aber wenn man das gewohnt ist, achtsam und aufmerksam mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, dann geht das auch. Es erfordert allerdings ein hohes Maß an Achtsamkeit und Aufmerksamkeit - und Training! Und die Frage, ob es Sinn macht, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren. ;)
Liebe Grüße von wind-und-wellen

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Re: Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Beitragvon Dieter73 » So 26. Feb 2012, 18:42

Ja ich neige dazu, mir viele Gedanken zu machen. Vielleicht sollte ich die Sache mit dem Beruf, versuchen ruhiger anzugehen und drauf vertrauen, das es schon gut geht. Danke für den Buchtip. Eigentlich war ich schon immer der Sonderling: In der Familie, in der Schule, im Beruf. Es hat lange gedauert mich zu erkennen und zu akzeptieren und manchmal fählt es mir Heute noch schwer. Als Mann ist es glaube ich noch schwieriger mit dem HSP, gerade unter anderen Männern. In unserer Firma gibt es meiner Meinung nach noch einen HSP-Mann, über den die Anderen sagen, er sei "anders". Ich sehe Ähnlichkeiten zwischen seinem Verhalten und meinem. Ich weiß aber nicht, ob Ihm das bewußt ist und er "mauert" sehr stark, so daß es schwierig ist an Ihn ranzukommen. Vielleicht sollte ich mir das aber auch nicht zur Aufgabe machen und auch da die Zeit für sich arbeiten lassen. Dank dir Wind-und-Wellen
Dieter73
 

Re: Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Beitragvon wind-und-wellen » So 26. Feb 2012, 19:19

Ich kann mir das gut vorstellen, dass Männer und HS ein Thema ist, welches sehr "heikel" ist, weil es ja nach unseren Wertvorstellungen hier in Zentraleuropa irgendwie nicht so ganz zusammen passt. Wie "sollte" der Mann sein? Naja, stark, mutig, irgendwie hart... Keine Ahnung, wie so die "Rollenanforderungen" sind. ;) Aber Sensibilität aus Männersicht ist wohl "nicht so" gefragt. ;) (Dann wohl eher aus Frauensicht :))

Nun gut, du "musst" es ja niemandem auf die Nase binden, dass du in mancher Hinsicht sensibler bist.

Vielleicht ist es so, wenn dir dieser auch etwas "andere" Arbeitskollege irgendwann über den Weg läuft - vielleicht fallen dir dann die richtigen Worte ein, mit denen du ihn erreichen kannst, hinter seinen Mauern. :)
Liebe Grüße von wind-und-wellen

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Re: Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Beitragvon Dieter73 » So 26. Feb 2012, 23:58

Danke! Morgen gehe ich schon wieder gelassener hin! Man(n) kann ja auch versuchen sich mit seiner weichen Art einzubringen, ohne zu aufdringlich, oder gar fordernd zu sein. Veilleicht lockert sich manches mit der Zeit. Es macht anderen Männern auch manchmal "Angst", wenn ein Kollege nicht konkurenzmässig unterwegs ist und eher unterstüzend. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen und das braucht eben Zeit. "Wie geht es Dir?", bekommt man als Mann von anderen Männern auf der Arbeit wohl (immer noch) eher seltener gefragt. Ich möchte aber zusehen, selbstwewußt zu meiner Art zu stehen, ohne allzu sehr die "Spielregeln" unter Männern zu missachten, daß würde auf Dauer nach Hinten losgehen. Langsam, immer mal wieder auch was Friedfertiges einpflechten, ohne Angst vor Ablehnung! Vielleicht melden sich ja auch noch hier ein paar Männer zu diesem Thema, würde mich freuen. LG Dieter
Dieter73
 

Re: Umgang mit neuer Umgebung und Menschen!?

Beitragvon Mizar » Sa 3. Mär 2012, 22:21

Ich weiß nicht ob es dir hilft, schließlich bin ich ein Mädchen und auch erst 17, aber das was du da beschrieben hast kenne ich haargenau so von mir in der Schule. Die Klasse kenne ich jetzt, so wie sie im Moment ist, schon seit 2,5 Jahren, aber ich schaue mir die anderen Leute immernoch genau an. Versuche dahinterzukommen, wie sie denken und fühlen und überlege genau wie du ständig, wie ich mich am besten verhalten sollte.
Manchmal habe ich den Eindruck, ich könnte mehr über die Eigenheiten der Kollegen sagen, als über die Arbeit an sich.

Auch das kenne ich nur zu gut _läch_

Ich denke allerdings ZU viel, wie ich oft merke, denn ich komme so nicht an die anderen ran und bleibe immer irgendwie außen vor. Aber selbst wenn ich das ändern will, klappt das nicht so ganz, weil ich genau wie du (wenn ich das jetzt richtig verstanden habe) so meine probleme damit habe, einzuschätzen, was jetzt spaß ist und was ernst gemeint ist. Genauso bin ich auch immer eher der zurückhaltende Typ und hab eben nicht immer so schlagfertige Antworten parat, wie ich es gerne hätte... _gruebel_

Da wäre wind-und-wellens ratschlag wirklich ganz sinnvoll auszuprobieren, glaube ich:

Kürzlich habe ich allerdings in einem Buch zu HS und Beruf gelesen, dass es für hochsensible Menschen, die eben nicht gleich diesen Stempel des Sonderlings aufgedrückt bekommen haben wollen (was ja auch irgendwie verständlich ist!), hilfreich sein kann, wenn sie sich einen Strategieplan überlegen. Dass sie beispielsweise Small-Talk betreiben, einige oberflächliche Infos zu sich preisgeben, die sie preisgeben wollen und können. So dass sie also für die neue Umgebung nicht mehr ganz so wie ein unbeschriebenes Blatt sind, nicht ganz so "geheimnisvoll".


Lg, Mizar
Mizar
 



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