Unkraut - moralisches Problem

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Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Lampe » Do 8. Nov 2018, 20:06

Hi,

in meinem Blumenkasten und meinen 3 Blumentöpfen auf dem Balkon wächst eigentlich nur noch Unkraut. Mit "Unkraut" meine ich Pflanzen, die keine Blüten tragen und quasi nur noch Hasenfutter sind (große grüne Blätter zum Knabbern). Während des Sommers hat sich das Unkraut dort angesiedelt. Ursprünglich hatte ich dieses Frühjahr in diesen Behältnissen Wildblumensamen gesät, die Wildblumen sind aber zu 99% verblüht. Das Unkraut wuchert, es nimmt den kompletten Platz in diesen Behältnissen ein.

Soll ich den Inhalt in meinem Blumenkasten und in den 3 Blumentöpfen spätestens am Ende des anstehenden Winters in den Biomüll schmeißen (also die Blumenerde und die darin wachsenden Pflanzen), damit ich darin im nächsten Frühjahr wieder Wildblumen säen kann? Ich möchte nämlich etwas gegen das Insektensterben tun.

Wenn ich den Inhalt des Blumenkastens und der 3 Blumentöpfe wegschmeiße, bringe ich das darin enthaltene Unkraut um. Das stellt mich vor ein moralisches Problem.

Was meint Ihr dazu?

Außerdem muss ich den Gummibaum, der in meinem Wohnzimmer steht, in diesem Winter abschneiden, also kürzen, weil er so lang geworden ist, dass er von innen gegen die geschlossene Balkontürscheibe drückt. Auch dieses Unterfangen stellt mich vor ein moralisches Problem, weil ich dem Gummibaum keine Schmerzen oder Ähnliches bereiten will. Es muss aber leider sein, ach je.

LG

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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Velvet » Fr 9. Nov 2018, 05:59

Lampe hat geschrieben:
Soll ich den Inhalt in meinem Blumenkasten und in den 3 Blumentöpfen spätestens am Ende des anstehenden Winters in den Biomüll schmeißen (also die Blumenerde und die darin wachsenden Pflanzen), damit ich darin im nächsten Frühjahr wieder Wildblumen säen kann? Ich möchte nämlich etwas gegen das Insektensterben tun.

Wenn ich den Inhalt des Blumenkastens und der 3 Blumentöpfe wegschmeiße, bringe ich das darin enthaltene Unkraut um. Das stellt mich vor ein moralisches Problem.

Was meint Ihr dazu?


Hi, Lampe, vielleicht kannst du die obere Erdschicht samt "Unkrautpflanzen" abtragen und irgendwo draußen an einem Wiesenrand oder Gebüsch "aussetzen"? Im Blumenkasten wird dir das sicher sowieso erfrieren den Winter über. Draußen hat es die Möglichkeit, im Frühjahr wieder neu auszutreiben. Dann hast du getan, was du konntest und auch wieder Platz, im neuen Jahr Blumen für die Insekten zu säen.

Außerdem muss ich den Gummibaum, der in meinem Wohnzimmer steht, in diesem Winter abschneiden, also kürzen, weil er so lang geworden ist, dass er von innen gegen die geschlossene Balkontürscheibe drückt. Auch dieses Unterfangen stellt mich vor ein moralisches Problem, weil ich dem Gummibaum keine Schmerzen oder Ähnliches bereiten will. Es muss aber leider sein, ach je.


Zu sowas muss ich mich auch immer wieder überwinden. Ich tröste mich aber damit, dass in der Natur ja auch ständig etwas abgefressen oder abgebrochen wird. Und es der Gesundheit der Pflanze dient, wenn sie sich auf weniger, dafür aber kräftigeren Wuchs beschränken kann. Sie wird dir die neue Frisur nicht übel nehmen, da bin ich mir sicher ;).

Viele Grüße
Velvet
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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Lampe » Fr 9. Nov 2018, 06:18

Hi Velvet,

Velvet hat geschrieben:vielleicht kannst du die obere Erdschicht samt "Unkrautpflanzen" abtragen und irgendwo draußen an einem Wiesenrand oder Gebüsch "aussetzen"?


Diese Lösung hatte ich bereits in diesem Frühjahr umgesetzt, mit dem Inhalten meines Blumenkastens vom letzten Jahr. Das funktioniert nicht, weil hier in der Siedlung die Gärtner regelmäßig alles wegmachen, was als Unkraut angesehen wird. Deswegen macht es z. B. auch keinen Sinn, auf den Rasen- und sonstigen Erdflächen in dieser Siedlung Wildblumen zu säen, die werden von den Gärtnern weggemacht.

Aber ich sehe das zwischenzeitlich so: Wenn ich Hasen hätte, würden die das Unkraut ja auch wegfuttern, und dann wäre es ja auch tot. Also kann ich es auch in den Biomüll werfen.

Zum Gummibaumschneiden:

Velvet hat geschrieben:Zu sowas muss ich mich auch immer wieder überwinden. Ich tröste mich aber damit, dass in der Natur ja auch ständig etwas abgefressen oder abgebrochen wird. Und es der Gesundheit der Pflanze dient, wenn sie sich auf weniger, dafür aber kräftigeren Wuchs beschränken kann. Sie wird dir die neue Frisur nicht übel nehmen, da bin ich mir sicher ;).


Danke für Deine aufmunternden Worte. OK, dann werde ich beim Gummibaumabschneiden ein weniger schlechtes Gewissen haben, hoffe ich jedenfalls ;-)

LG

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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Velvet » Fr 9. Nov 2018, 07:10

Lampe hat geschrieben:
Diese Lösung hatte ich bereits in diesem Frühjahr umgesetzt, mit dem Inhalten meines Blumenkastens vom letzten Jahr. Das funktioniert nicht, weil hier in der Siedlung die Gärtner regelmäßig alles wegmachen, was als Unkraut angesehen wird. Deswegen macht es z. B. auch keinen Sinn, auf den Rasen- und sonstigen Erdflächen in dieser Siedlung Wildblumen zu säen, die werden von den Gärtnern weggemacht.


Jaja, Ordnung muss sein, sonst überwältigt uns die Natur eines Tages noch ;).

Lampe hat geschrieben:Aber ich sehe das zwischenzeitlich so: Wenn ich Hasen hätte, würden die das Unkraut ja auch wegfuttern, und dann wäre es ja auch tot. Also kann ich es auch in den Biomüll werfen.


Dann hast du ja deine Antwort schon und eh nur die Wahl zwischen tot, tot oder tot ;)


Lampe hat geschrieben:Danke für Deine aufmunternden Worte. OK, dann werde ich beim Gummibaumabschneiden ein weniger schlechtes Gewissen haben, hoffe ich jedenfalls ;-)


Nur Mut. Die treiben auch sehr schnell an den Schnittstellen wieder neu aus und sind da gar nicht nachtragend. Natur eben :)
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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon hs_positiv » Mo 12. Nov 2018, 21:39

Du könntest vom GB auch Stecklinge entnehmen. Dazu müsstest du den Baum zwar auch verletzen, aber kannst die Ableger zunächst in Wasser stellen und dann gucken, wie und ob du sprießenden Wurzeln umtopfst/einpflanzt.
Zum Verschenken freuen sich die Empfänger über eine so pflegeleichte altmodische Pflanze vielleicht sogar.
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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Lampe » Di 13. Nov 2018, 05:31

Hi,

Velvet hat geschrieben:Jaja, Ordnung muss sein, sonst überwältigt uns die Natur eines Tages noch ;).


Schuld an dieser Einstellung ist das Christentum bzw. die Bibel, denn in ihr steht, dass der Mensch sich die Erde untertan machen möge.

Gegen die deutsche Einstellung, dass überall Ordnung herrschen muss (also kein Unkraut wachsen darf), ist kein Unkraut gewachsen ;-)

hs_positiv hat geschrieben:Du könntest vom GB auch Stecklinge entnehmen. Dazu müsstest du den Baum zwar auch verletzen, aber kannst die Ableger zunächst in Wasser stellen und dann gucken, wie und ob du sprießenden Wurzeln umtopfst/einpflanzt.
Zum Verschenken freuen sich die Empfänger über eine so pflegeleichte altmodische Pflanze vielleicht sogar.


Ich weiß, dass ich aus den einzelnen Blättern neue Gummibäume ziehen könnte, aber ich will das gar nicht. Meine Mutter hatte mir diesen Gummibaum, als er noch aus einem einzigen Blatt bestand, zum Geburtstag geschenkt, dabei wollte und will ich keine Pflanzen in meiner Wohnung.

LG

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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon hs_positiv » Di 13. Nov 2018, 08:56

Lampe hat geschrieben:Wenn ich den Inhalt des Blumenkastens und der 3 Blumentöpfe wegschmeiße, bringe ich das darin enthaltene Unkraut um. Das stellt mich vor ein moralisches Problem.

Was meint Ihr dazu?


In GB gibt es eine riesige forensische Datenbank mit Bodenproben bzw. Mikroorganismen. Bei einem Waldspaziergang oder Umtopfen zerstört man unzählige Lebewesen. Nur was tut man, um es zu vermeiden und kann man dahingehend seine Gedanken beeinflussen und ist es nicht das gleiche moralische Problem?

Was möchtest du besprechen, vielleicht ob HS eher zu Kognitiver Dissonanz neigen und geht es um Lösungsvorschläge oder um die üblichen Vermeidungsstrategien, die wir Menschen anwenden?

Die "deutsche" Ordnung ist doch klasse. Bei meinen Nachbarn im Keller liegt alles durcheinander und man tritt auf Gegenstände, worunter sich Tierchen verkrabbeln. Die sind dann tot. Bei mir im Keller sehe ich auf dem aufgeräumten Boden sofort, wo ich hintrete und töte damit weniger Krabbeltierchen wie Kellerasseln etc.
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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Lampe » Di 13. Nov 2018, 10:54

hs_positiv hat geschrieben:In GB gibt es eine riesige forensische Datenbank mit Bodenproben bzw. Mikroorganismen.


Was meinst Du mit der Abkürzung "GB"? Großbritannien?

hs_positiv hat geschrieben:Bei einem Waldspaziergang oder Umtopfen zerstört man unzählige Lebewesen. Nur was tut man, um es zu vermeiden und kann man dahingehend seine Gedanken beeinflussen und ist es nicht das gleiche moralische Problem?


Stimmt, da hast Du Recht.

hs_positiv hat geschrieben:Was möchtest du besprechen, vielleicht ob HS eher zu Kognitiver Dissonanz neigen und geht es um Lösungsvorschläge oder um die üblichen Vermeidungsstrategien, die wir Menschen anwenden?


Ich weiß gar nicht, was kognitive Dissonanz ist.

Nein, ich wollte einfach mein moralisches bzw. "moralisches" Problem hier erörtern.

hs_positiv hat geschrieben:Die "deutsche" Ordnung ist doch klasse. Bei meinen Nachbarn im Keller liegt alles durcheinander und man tritt auf Gegenstände, worunter sich Tierchen verkrabbeln. Die sind dann tot. Bei mir im Keller sehe ich auf dem aufgeräumten Boden sofort, wo ich hintrete und töte damit weniger Krabbeltierchen wie Kellerasseln etc.


So kann man es auch sehen ;-)

LG

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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon hs_positiv » Di 13. Nov 2018, 12:16

Lampe hat geschrieben:Was meinst Du mit der Abkürzung "GB"? Großbritannien?
_yessa_
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Re: Unkraut - moralisches Problem

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 13. Nov 2018, 20:30

Lampe hat geschrieben:Ich weiß gar nicht, was kognitive Dissonanz ist.

Nein, ich wollte einfach mein moralisches bzw. "moralisches" Problem hier erörtern.


Hallo Lampe, :-)

(und danke fürs Stichwort, hs_positiv)

„kognitive Dissonanz“ ist sozusagen eines meiner Steckenpferde, weil ich das seeehr oft erlebe.
Deshalb kurz, was ich darunter verstehe:

Das ist ein meistens recht unbehaglicher, angespannter Gefühlszustand, weil man nämlich gleichzeitig zwei gegensätzliche, teils auch unvereinbare, Vorstellungen oder Wünsche oder auch Werte hat.
Oder eben auch genauso was wie ein moralisches Dilemma, wie du es geschildert hast.

Dieser Zustand, der sich schlecht anfühlt, strebt natürlich danach, aufgelöst zu werden. – Und das kann man als Mensch durch diverse Strategien bewerkstelligen: z. B. Verleugnung, Schönreden oder auch Verdrängung einer Seite des inneren Konflikts - bis hin sogar zu einer grundsätzlichen Vereinfachung seines Weltbildes, in dem möglichst wenig Dissonanzen mehr vorkommen.

Jedenfalls wie ich es für mich festgestellt habe, muss ich das wohl immer wieder aushalten, nämlich mich für eine Seite eines Dilemmas zu entscheiden, und dabei genau zu wissen, dass ich mich dann trotzdem damit nicht nur gut fühlen werde.

(Zu deinem Beispiel: Ich bin ja Vegetarier, von daher muss man für mich zum Glück keine Tiere töten, aber ich muss trotzdem Pflanzen essen, und die muss man dann eben doch ihres Lebens berauben …)

Ich behaupte mal: je bewusster man auf sein Handeln in dieser in sich so widersprüchlichen, komplexen Welt blickt, desto mehr kognitive Dissonanzen wird man erleben, so quasi als Naturgesetz. _gruebel_

Und als weitere Schlussfolgerung: einfache Wahrheiten, die sich gut anfühlen, sind mir von daher ehrlich gesagt nahezu immer von vorneherein suspekt.

Kannst du damit für dein hier genanntes moralisches Problem was anfangen? - Wenn nicht: Dissonanzen willkommen, kann immer was dazulernen. U72(

Schönen Abend!
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