Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Moondream » Mi 10. Jul 2019, 14:09

Orphée hat geschrieben:Die Ebene, um die es mir geht, ist... Wie wir im einzelnen mit den Informationen, die an uns herangetragen werden, umgehen können, gerade auch in Anbetracht der Sensibilität unserer eigenen Persönlichkeit. Unser Leben findet in dieser jetzigen Zeitspanne, mit den Gegebenheiten dieser Gegenwart statt. Da ist es schon von vorneherrein, wie es unter anderen Rauhnacht auch beschrieb, wichtig auszusortieren, was wir beeinflussen können und was nicht. Von Menschen gemachte Taten und die Art wie Nachrichten fließen... das können wir nicht beeinflussen, aber wie wir damit umgehen schon.


Richtig, wir können diese Taten (zumal nachdem sie begangen wurden) und die Art in der die Medien diese Nachrichten verbreiten nicht beeinflussen. Das ist ein Fakt. Was wir aber machen können ist über diese Dinge zu reflektieren und vielleicht mit den Menschen in unserer Nähe darüber zu reden. Und auch da sind meiner Erfahrung nach viele, auch weniger sensible Menschen, von diesen Nachrichten durchaus erschüttert und verängstigt. Ich zumindest versuche das des öfteren, und meist haben wir dann alle etwas davon. Wir sehen das wir mit unseren Ängsten und unserer Betroffenheit nicht alleine sind. Ich finde, das es eigentlich das schlimmst ei st, mit seinen Ängsten, seiner Btroffenhei, Ohnmach, Wut bezüglich solcher Gerwalttaten allein zu sein und allein zu bleiben. Denn dann brennt isch das in unserer Seele fest und schaukelt sich mit der Zeit sogar noch auf.
Das schwierigste daran ist für uns alle vielleich einfach jemanden zu finden, mit dem wir vertrauensvoll darüber reden können. Aber da kann sicher auch das Forum hier helfen, wenn man neimanden in seine runmittelbaren Nähe hat.

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Trotzdem oder besser - gerade deshalb (?!) sehe ich es nicht so, dass die „Welt nun mal ist, wie sie ist.“


Ich denke schon sie ist, wie sie ist. Ich würde das aber erweitern:

Die Welt ist im Moment so wie sie ist, aber sie wird sein was wir daraus machen.

Und da muß ich Anima recht geben, Resignation und Abkapselung ist der schlechtere Weg, denke ich. Ich muß mich zwar von manchen Dingen in der realen Welt abgrenzen und eine gewisse Distanz schaffen, damit sie mich nicht erdrücken. Aber ich sollte mich dennoch mit ihnen auch auseinandersetzen. Eben um mit der realen Welt klarzukommen.

Orphée hat geschrieben:Wie unsicher diese Welt nun im Vergleich zu früheren ist, ist vermutlich irrelevant und fällt wohl auch in die Kategorie... "Nicht zu beeinflussen"


Ich glaube sogar, das sie im vergleich zu früher in fast allen Dingen sicherer geworden ist. Nicht so sicher wie ich es mir wünschen würde, sicher, aber in den letzten Jahrhunderten und vor allem Jahrzehnten sehe ich da schon eine gewaltige Entwicklung in die richtige Richtung. Im Moment sehe ich diese Entwicklung aber auch gefährdet. Und da müssen wir vielleicht alle auch etwas tun um diese positiven Dinge zu erhalten.

DesdiNova87 hat geschrieben:Die Verantwortung liegt einzig und allein bei den Tätern und das muss auch so benannt werden.

Genauso sehe ich das auch. Jeder ist nun einmal für seien eigenen Taten voll verantwortlich, es sei denn, es liegt nachweislich eine verminderte Schuldfähigkeit vor. Sich von der Gruppendynamik anstacheln zu lassen ist für mich jedoch keine Entschuldigung für irgend etwas. Das allein kann für mich eine Schuld niemals relativieren oder verringern. Ebesowenig Drogen oder Alkohol.

Orphée hat geschrieben:Selbst Songtexte können sehr politisch, rechts, links sein und Nachrichten enthalten.


Oder sich mit Mißständänden und Dingen die falsch laufen auseinandersetzten und die Zuhörer auf diese Dinge stoßen.
Das hier passt eventuell gut zum Thema, wenn auch musikalisch vielleicht nicht jedermanns Geschmack (GrenDay/BangBang) :
https://www.youtube.com/watch?v=mg5Bp_Gzs0s
Das ist aus der verstörenden und verqueren Sichtweise eines Atttentäters geschrieben.
Laut dem Frontmann Billie Joe Armstrong geht es in dem Lied um „die Kultur der Massenschießereien, die in Amerika zusammen mit narzisstischen sozialen Medien auftreten“. Außerdem behauptet er: „Da passiert diese Art von Raserei, aber es wird heutzutage auch gefilmt und wir stehen unter Beobachtung. Für mich ist das verdreht. (Quelle: Wikipedia)

LG
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon DesdiNova87 » Mi 10. Jul 2019, 20:50

Moondream hat geschrieben:Genauso sehe ich das auch. Jeder ist nun einmal für seien eigenen Taten voll verantwortlich, es sei denn, es liegt nachweislich eine verminderte Schuldfähigkeit vor. Sich von der Gruppendynamik anstacheln zu lassen ist für mich jedoch keine Entschuldigung für irgend etwas. Das allein kann für mich eine Schuld niemals relativieren oder verringern. Ebesowenig Drogen oder Alkohol.


Heute haben sie in der Zeitung (Rheinische Post) sogar noch einen draufgesetzt. An derselben Stelle im überregionalen Teil, wo gestern auch das Zitat von der Oberärztin zu finden war, fand sich heute gleich ein ganzer Artikel, in welchem Verständnis für die Täter geheuchelt wurde, Überschrift "Im Sog der Gruppe"...

Sowas ärgert mich wirklich sehr! Wie Anima schon schrieb, diese Reaktionen, wie z.B. jetzt mein Ärger auf solche Berichterstattung ist ganz natürlich und muss auch so gefühlt werden, es zeigt letztendlich nur das man lebendig ist und sich nicht betäubt oder isoliert. Damit umzugehen ist die Herausforderung, aber das Leben ist halt nicht immer nur einfach.

Jedenfalls kann ich diese Relativierungsversuche mit der uns das Verhalten von Tätern erklärt werden soll, echt nicht mehr hören s_032

Ich war selbst als Jugendlicher bei vielen Jugendfreizeiten mit dabei, später auch als Betreuer. Nur weil da Jugendliche in Gruppen unterwegs waren, teils mit schwerer Kindheit und teils auch unter Alkoholeinfluss, ist es deshalb doch lange nicht zu solch gravierenden Straftaten gegen das Leben anderer Menschen gekommen.

Bezeichnend auch, dass die Täterfamilien die nun angebotene "Hilfe" des Jugendamtes abgelehnt haben, laut Berichterstattung durch die Gegensprechanlage, also nicht mal zur Tür bequemt. Die Mitarbeiter vom Jugendamt machen sich doch total zum Affen, kein Wunder das der Staat nicht ernst genommen wird.

Sorry, aber da musste ich jetzt mal Dampf ablassen, denke es geht wohl nicht nur mir so.


Moondream hat geschrieben:Oder sich mit Mißständänden und Dingen die falsch laufen auseinandersetzten und die Zuhörer auf diese Dinge stoßen.
Das hier passt eventuell gut zum Thema, wenn auch musikalisch vielleicht nicht jedermanns Geschmack (GrenDay/BangBang) :
https://www.youtube.com/watch?v=mg5Bp_Gzs0s
Das ist aus der verstörenden und verqueren Sichtweise eines Atttentäters geschrieben.
Laut dem Frontmann Billie Joe Armstrong geht es in dem Lied um „die Kultur der Massenschießereien, die in Amerika zusammen mit narzisstischen sozialen Medien auftreten“. Außerdem behauptet er: „Da passiert diese Art von Raserei, aber es wird heutzutage auch gefilmt und wir stehen unter Beobachtung. Für mich ist das verdreht. (Quelle: Wikipedia)


Danke, den Song kannte ich noch gar nicht. Ich kenne aber den Song "Having a Blast" von Green Day, da ist der Titel auch Programm, geht um die Sicht eines Amokläufers. Der Song ist allerdings von 1994, manche Dinge ändern sich wohl nicht so schnell, leider. Der Song ist aber ziemlich gut, reinhören lohnt sich will ich meinen:
https://www.youtube.com/watch?v=C7eXT6qKjmY

LG DesdiNova87
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Orphée » So 14. Jul 2019, 08:37

Hallo Träumerle,

noch dazu...

Träumerle hat geschrieben:...Aber wenn es danach ginge, dürften wir vermutlich keinen einzigen glücklichen Moment in unserem Leben genießen, denn pausenlos geschieht Leid auf der Welt, und das in den vielfältigsten Arten.

Ja, es passiert viel Leid. Aber man muss natürlich auch anerkennen, dass sehr viel schönes, wundervolles und auch gütiges durch Menschen geschieht. Denke unterm Strich überwiegt das ganz deutlich.:-) Nachrichten transportieren diese Dinge nur leider nicht.

Danke für deine Worte.



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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Orphée » So 14. Jul 2019, 08:46

Hallo Anima!


Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Soll man die Augen vor dem Unrecht, das geschieht und wogegen man nichts machen kann, verschließen, um sich und seine innere Ausgeglichenheit zu schützen? – Bis zu einem gewissen Grad würde ich das bejahen.

Wo ziehst du da die Grenze?



Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Ups, Orphée, da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. – Ich versuche, es zum besseren Verständnis zu berichtigen:

Mir ging es tatsächlich um die Akzeptanz meiner Empfindungen bei schlechten/schlimmen Nachrichten (und nicht um die Akzeptanz der Welt oder dieser Nachrichten), also: um die Akzeptanz meiner Gefühle wie Mitleid (z. B. gegenüber Opfern) und auch Wut (z. B. auf Täter) und auch Angst (z. B. bei globalen Bedrohungen) und auch Hilflosigkeit (z. B. angesichts der enormen Masse an täglichen Informationsfluten). - Ich finde für mich diese Gefühle berechtigt und nicht falsch, auch wenn sie mir nicht nur "gut tun", deshalb "Akzeptanz".

Hatte es verstanden, trotzdem dann etwas Falsches daraus gemacht. Es war eigentlich nicht missverständlich. icon_winkle

Denke unter anderem darüber nach... ob ich diese negativen Meldungen und die damit einhergehenden emotionalen Folgen einfach zulassen sollte, mich also bewusst dafür entscheiden, dass eben ab und zu mal wehtun wird.




Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Trotzdem oder besser - gerade deshalb (?!) sehe ich es nicht so, dass die „Welt nun mal ist, wie sie ist.“
Denn:

1. Glaube ich den Satz nicht, weil mir bewusst ist, dass der „Ist“-Schein zu oft trügen kann.

2. Ist die Welt eben gerade nicht wie sie ist, sondern immer in Entwicklung und sie verändert sich, und desgleichen auch die Menschen, die in ihr leben. (Siehe dazu ja auch dein v. Schirach-Zitat.)

3. Resignation ist ohnehin nicht so ganz mein Ding, ehrlich gesagt.

"Die Welt" ist unterm Strich... Natur, Tier und Mensch. Die ersten beiden sind natürlich nicht diejenigen, die in ihrem Wirken Sorgen bereiten. Und der Mensch... der ist nun mal per Definition nicht gut oder schlecht, sondern der Mensch ist der Mensch. Wenn ich also schreibe... "Die Welt ist, wie sie ist", dann ist das eine Anerkennung der gegenwärtigen vom Menschen gemachten Realität und ich meine damit denke ich dasselbe wie du, wenn du schreibst:
„Das Unrecht, oder wenn man so will „das Böse“ im Menschen, ist bittere Realität, so finde ich das."

Kommt das hin?


Resignation wäre es, wenn man irgend eine Art positiven Einfluss auf das Verhindern solcher Taten hätte, dann aber vorzeitig aufgeben würde darauf hin zu wirken. Tatsächlich würde ich mich mit dem abgrenzen von Nachrichten aber nur selbst schützen wollen. Das ist doch legitim und eben keine Resignation. Wie siehst du oder seht ihr das??

Unsere vergangene und auch zu erwartende Entwicklung erkenne ich ja an, aber mein/unser Leben findet nun mal in dieser jetzigen Zeitspanne, mit den Gegebenheiten der Gegenwart statt und hierfür suche ich einen persönlichen Umgang. Finde mich aktuell in Träumerles Weg, sich vor Nachrichten eher zu verschließen genauso wieder, wie in deinem, sie zuzulassen und mit den gefühlten Folgen zu leben.


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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Orphée » So 14. Jul 2019, 08:57

Hallo Moondream!

Moondream hat geschrieben:
Rauhnacht hat geschrieben:Wir haben weit weniger Morde und Straftaten als früher und trotzdem kommt es einem nach mehr vor, nachdem die Medien jeden Vorfall intensiv auseinandernehmen. An solchen Geschehnissen kann ich nichts ändern, sie bringen mich nicht weiter - ich würde mich dadurch ohne Grund schlecht fühlen.

Das versuche ich mir auch immer wieder bewußt zu machen. Aber darin steckt eben auch ein riesiger Widerspruch. Auch wenn die Welt nachweisbar immer sicherer wird, es immer weniger Straftaten gibt (auf logisch rationaler Ebene nachweis- und nachvollziehbar), empfinden viele Menschen doch auf emotionaler Seite das genaue Gegenteil. Scheinbar wir die Welt immer gefährlichter, unwirtlicher und grausamer.
Woran liegt es, das Realität und Empfinden scheinbar immer weiter auseinandergeraten?
Ehrlich gesagt, habe ich dafür für mich noch keine befriedigende Erklärung gefunden.

Geht mir genauso.

Ein Gedanke...
die Menschen sind vielleicht auch überfordert mit der heutigen Informationsflut und überfordert damit zu differenzieren. Ich meine... wir stoßen vielleicht mittlerweile an Grenzen unserer Aufnahmefähigkeit, auch in Anbetracht des zum Teil stressigen Alltags. Informationen fließen sehr schnell heute, viele nutzen Nachrichten-Apps, soziale Medien, bekommen die Meldungen zum Teil in Echtzeit auf's Handy, vermutlich leider auch nicht immer populismusfrei bzw. frei von Stimmungsmache. Dann werden obendrein wegen mangelnder Zeit durch Stress im Alltag Nachrichten/Überschriften nur noch überflogen und es bleibt keine Zeit zum sorgfältigen schlussfolgern, was dann alles zur Folge hat, dass beispielsweise die Angst bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen größer ist, als die bei einem Autounfall das Leben zu verlieren. Tatsächlich ist das Risiko im Straßenverkehr ums Leben zu kommen aber um ein vielfaches höher, aber wenn jeder Verkehrstote von den Medien mit der Aufmerksamkeit behandelt werden würde, wie Terroropfer, würde es vermutlich jede Sendezeit sprengen. Auf welchen Gegebenheiten unsere Aufmerksamkeit liegt, ist eben auch sehr beeinflusst von der Nachrichtenerstattung, was also auch zur Folge hat, dass die gefühlte Situation oft nicht der realistischen entspricht und Risiken falsch eingeschätzt werden.



Moondream hat geschrieben:
Orphée hat geschrieben:Die Ebene, um die es mir geht, ist... Wie wir im einzelnen mit den Informationen, die an uns herangetragen werden, umgehen können, gerade auch in Anbetracht der Sensibilität unserer eigenen Persönlichkeit. Unser Leben findet in dieser jetzigen Zeitspanne, mit den Gegebenheiten dieser Gegenwart statt. Da ist es schon von vorneherrein, wie es unter anderen Rauhnacht auch beschrieb, wichtig auszusortieren, was wir beeinflussen können und was nicht. Von Menschen gemachte Taten und die Art wie Nachrichten fließen... das können wir nicht beeinflussen, aber wie wir damit umgehen schon.


Richtig, wir können diese Taten (zumal nachdem sie begangen wurden) und die Art in der die Medien diese Nachrichten verbreiten nicht beeinflussen. Das ist ein Fakt. Was wir aber machen können ist über diese Dinge zu reflektieren und vielleicht mit den Menschen in unserer Nähe darüber zu reden. Und auch da sind meiner Erfahrung nach viele, auch weniger sensible Menschen, von diesen Nachrichten durchaus erschüttert und verängstigt. Ich zumindest versuche das des öfteren, und meist haben wir dann alle etwas davon. Wir sehen das wir mit unseren Ängsten und unserer Betroffenheit nicht alleine sind. Ich finde, das es eigentlich das schlimmst ei st, mit seinen Ängsten, seiner Btroffenhei, Ohnmach, Wut bezüglich solcher Gerwalttaten allein zu sein und allein zu bleiben. Denn dann brennt isch das in unserer Seele fest und schaukelt sich mit der Zeit sogar noch auf

Ja... das stimmt und ist sicher die größte Hilfe, ein Austausch mit vertrauten Personen.



Moondream hat geschrieben:Das schwierigste daran ist für uns alle vielleich einfach jemanden zu finden, mit dem wir vertrauensvoll darüber reden können. Aber da kann sicher auch das Forum hier helfen, wenn man neimanden in seine runmittelbaren Nähe hat.

Ebenfalls ja... das tut es. :-)



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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 15. Jul 2019, 08:57

Hallo Orphée,
hallo zusammen,
Orphée hat geschrieben:
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Soll man die Augen vor dem Unrecht, das geschieht und wogegen man nichts machen kann, verschließen, um sich und seine innere Ausgeglichenheit zu schützen? – Bis zu einem gewissen Grad würde ich das bejahen.

Wo ziehst du da die Grenze?

Das ist eine sehr berechtigte Frage, und ich habe mir fast gedacht, dass sie gestellt wird, weil ich sie mir ja auch selbst stelle. icon_winkle

O. k., meine Grenzen: Du hast in deiner Antwort an Moondream ja auch von der Informationsflut, die über unsereins täglich hinwegbrandet, geschrieben. Tatsächlich bin ich damit auch oft total überfordert und habe mir Strategien überlegt, damit umzugehen. Ich habe (bis jetzt) vier gefunden:

- Zum einen hilft mir sehr, dass ich in meinem Hinterkopf weiß, dass ein medialer Hype um jede Nachricht herumgebaut ist, so dass ich davon schon mal mindestens die Hälfte an Impact abziehe.

- Ich mag immer mal bei für mich interessanten Meldungen weiter recherchieren, aber auch das geht nur begrenzt, dafür picke ich mir dann halt nur die aller-wichtigsten raus; der Rest wird aussortiert. (Nur nebenbei: z. B. Sport-Nachrichten interessieren mich null! _pff_ )

- Und weiterhin weiß ich auch, dass es für mich Grenzen gibt, schlimme Nachrichten allein aushalten zu müssen.
Deshalb:
Moondream hat geschrieben:Was wir aber machen können ist über diese Dinge zu reflektieren und vielleicht mit den Menschen in unserer Nähe darüber zu reden.

Ja, das finde ich auch oft hilfreich, mit anderen über meine und deren Gefühle zu reden, wenn mich/uns bestimmte Nachrichten erschüttern: je nachdem gibt es Entlastung, weil jemand anderes ähnlich empfindet, oder es können auch neue Informationen von anderen hinzukommen, oder man kann zusammen nachdenken, was da überhaupt vor sich geht und vielleicht auch Erkenntnisse daraus gewinnen.

- Und schließlich:
Orphée hat geschrieben:Denke unter anderem darüber nach... ob ich diese negativen Meldungen und die damit einhergehenden emotionalen Folgen einfach zulassen sollte, mich also bewusst dafür entscheiden, dass eben ab und zu mal wehtun wird.

Genau, dadurch, um die „Unvollkommenheit“/„bittere Realität“ und auch um meine teils heftigen Gefühlsreaktionen darauf, bereits vorab zu wissen, fühle ich mich innerlich schon mal etwas besser vorbereitet und gewappnet, als wenn es mich eiskalt erwischt.

Jetzt gerne noch dazu:

Orphée hat geschrieben:Resignation wäre es, wenn man irgend eine Art positiven Einfluss auf das Verhindern solcher Taten hätte, dann aber vorzeitig aufgeben würde darauf hin zu wirken. Tatsächlich würde ich mich mit dem abgrenzen von Nachrichten aber nur selbst schützen wollen. Das ist doch legitim und eben keine Resignation. Wie siehst du oder seht ihr das??

Selbstverständlich ist es legitim, sich zu schützen.
Ich gebe nur meine ureigene Sichtweise/Umgang wieder. :-)

Deiner Definition einer resignativen Haltung (nämlich eine Kontrolle, die man eigentlich hätte, nicht wahrzunehmen und vorzeitig abzudrehen) stimme ich völlig zu. - Darüber hinaus könnte ich mir allerdings vorstellen, dass eine Abkehr vom Weltgeschehen bedeuten würde, dass ich tatsächlich doch auch resigniere, denn ich würde mich nicht damit beschäftigen wollen, nach dem Motto: „ich kann ja eh nix machen, will ich auch nix wissen“.
So ist das aber bei mir nicht. „Die Welt (– und damit stimmen wir hier überein: die menschliche Welt –) ist wie sie ist“ reicht mir persönlich deshalb nicht, weil ich weiter dahinter schauen und mich auch mit dieser Menschen-Welt beschäftigen, auseinandersetzen und Fragen an sie stellen möchte (trotz der zum Teil sehr ungemütlichen Antworten und unguten Gefühle, die dabei aufkommen können).

Dir und allen hier einen schönen Tag! :-)
Anima
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Moondream » Mi 17. Jul 2019, 15:34

Hallo Orphée,

Orphée hat geschrieben:Ein Gedanke...
die Menschen sind vielleicht auch überfordert mit der heutigen Informationsflut und überfordert damit zu differenzieren.


Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denke ich. Ich bin selbst im Bereich der Informationtechnik zuhause aber ich habe manchmal den Eindruck das die enorme Entwicklung von Informationstechnologie und Informationemenge die meisten Menschen mittlerweile überfordert. Irgendwie kann die (biologische) Evoultion mit der (technischen) Revolution nicht mehr in allen Punkten mithalten.
Wäre vielleicht auch gar kein Problem, wenn man ein wenig der technischen Revolution nutzen würde, um die Informationsflut sinnvoll zu kanalisieren. Sie wird aber eher genutzt um uns immer schneller mit immer mehr Information und Unterhaltung zu überfrachten.

Orphée hat geschrieben:Dann werden obendrein wegen mangelnder Zeit durch Stress im Alltag Nachrichten/Überschriften nur noch überflogen und es bleibt keine Zeit zum sorgfältigen schlussfolgern, was dann alles zur Folge hat, dass beispielsweise die Angst bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen größer ist, als die bei einem Autounfall das Leben zu verlieren. Tatsächlich ist das Risiko im Straßenverkehr ums Leben zu kommen aber um ein vielfaches höher, aber wenn jeder Verkehrstote von den Medien mit der Aufmerksamkeit behandelt werden würde, wie Terroropfer, würde es vermutlich jede Sendezeit sprengen. Auf welchen Gegebenheiten unsere Aufmerksamkeit liegt, ist eben auch sehr beeinflusst von der Nachrichtenerstattung, was also auch zur Folge hat, dass die gefühlte Situation oft nicht der realistischen entspricht und Risiken falsch eingeschätzt werden.


Genau das versuche ich den Menschen um mich herum immer wieder nahezubringen. Ja, es gibt eine reale Terrorgefahr, vor allem allerdings in Asien, dem nahen und mittleren Osten und Afrika. Das daraus entstehende objektive Risiko für den Einzelnen ist gegenüber den übrigen Lebensrisken mit denen wir täglich umgehen müssen (Unfälle, Krankheiten, Risiken durch falsche Ernährung, passivrauchen, Umweltverschmutzung, ja selbst Feinstaub und Stickoxide u.s.w.) verschwindend gering, vor allem hier in Europa und Deutschland. Nur nehmen wir das durch die tendenzöse und sensationslüsterne Berichterstattung oft völlig verzerrt wahr.

Hier ein paar interessante Links zum Thema:

https://www.watson.ch/international/medien/637142575-beim-essen-zu-ersticken-ist-wahrscheinlicher-als-beim-terror-anschlag-zu-sterben
https://www.watson.ch/!98245920
https://www.spektrum.de/news/immer-weniger-gewalt-in-der-welt/1559618

Orphée hat geschrieben:Ja... das stimmt und ist sicher die größte Hilfe, ein Austausch mit vertrauten Personen.

Richtig. Nichts ist schlimmer als mit seinen Ängsten (die fast jeder Mensch bei solchen Nachrichten hat, sofern er nicht komplett empathielos ist), allein gelassen zu werden und nicht darüber reden zu können. Unreflektierte Ängste können selbstverstärkend sein und wie ein mentaler Käfig wirken. Im schlimmsten Fall komme ich dann da aus eigener Kraft nicht wieder raus.

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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon WaldWizz » So 28. Jul 2019, 13:15

DesdiNova87 hat geschrieben:Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, schon gibt es erste Versuche die Tat zu relativieren. So ist heute folgendes Zitat von Silke Breuksch, Oberärztin der LVR-Klinik Viersen, in der RP (Rheinische Post) zu lesen:

Mit Blick auf die Vergewaltigung sagt Breuksch: "In einer Gruppe tut man manchmal Dinge, die man so nicht alleine tun würde."
(Autoren des Artikels Dalkowski, Kess und Marinov)

Es wird direkt wieder versucht Verständnis für die Täter aufzubringen und Entschuldigungen für so eine bestialische Tat zu finden. Das Opfer wird dadurch verhöhnt. Und die Medien drucken so eine Aussage auch noch, so nach dem Motto "es ist alles ganz normal, gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen".

Zumal das Argument an sich schon überhaupt keinen Sinn ergibt. Es gibt so viele Einzeltäter die auch schlimme Verbrechen begehen. Einer der Täter war wegen sexueller Taten vorbestraft, hat er die auch in der Gruppe begangen? Die Tat schlicht auf eine Gruppendynamik zurückzuführen, so macht die gute Frau es sich ja wohl sehr einfach. Dann dürften Menschen ja gar nicht mehr in Gruppen unterwegs sein, wenn dann so welche Taten als Konsequenz passieren sollten. Was für ein Unsinn!

Die Verantwortung liegt einzig und allein bei den Tätern und das muss auch so benannt werden.



Solche Aussagen würde ich gerne im Gesamtzusammenhang lesen. Es kann sein, dass sie noch mehr dazu gesagt hat, das das Ganze dann nicht relativierend rüberkommt. Rein inhaltlich hat sie mit ihrer Aussage Recht, denn Gruppendynamiken sind gut erforscht und werden oft unterschätzt. So auch bei Notsituationen, wenn jemand Hilfe bracht. Je mehr Menschen es mitbekommen, desto weniger wird geholfen. Auch diese Dynamik wird zumeist unterschätzt und wenn man es nicht im Kontext sieht, kommt sehr schnell der Verdacht auf, dass das alles schlechte Menschen (oder schlechte Medien) sind, die da nicht helfen.
Vielleicht hatte die Ärztin ja ein Seminar zu Gruppendynamiken oder über gewaltbereite Jugendliche und erklärt es damit sachlich?
Wenn man mal an das Milgram-Experiment denkt, wenn Einzelne oder in diesem Fall Gruppen Dynamiken unterliegen, so kann das alles mit sehr vielen Faktoren zusammenhängen, die wir hier (noch) gar nicht kennen. Klar dürfte sein, dass die Jugendlichen und Kinder emotional verwahrlost sind und dadurch Gruppendynamiken eher greifen.
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