Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Orphée » Mo 8. Jul 2019, 12:41

Hallo Ihr!


Was folgt, ist wohl nicht sonderlich schön, also wer gerade keine Lust hat sich mit einem schweren Thema auseinanderzusetzen, sollte nun vielleicht lieber aussteigen.
Womöglich kann es aber auch hilfreicht und aufbaund werden... ?



Die Welt ist, wie sie ist.


Vorab: Habe es schon mal geschafft eine ganze Weile keine Nachrichten zu schauen, da ich bemerkte, dass es mich trotz allem Interesse daran, dann doch und unterm Strich zu sehr belastet. Natürlicherweise handeln Nachrichten fast ausschließlich von Missständen und sie zu schauen, ist sicher für das eigene individuelle Leben nicht zwingend notwendig. Allerdings sind wir doch alle auch mit einer naturgegebenen Neugierde für unseren Lebensraum ausgestattet, was ja nun wirklich auch durchaus legitim ist.


Was ist passiert...
Heute Morgen hatte ich noch kurz bevor ich zu einem Termin musste den Fernseher angemacht und Nachrichten geschaut. Unter anderem dann diese Meldung:
5 Jugendliche vergewaltigen am Freitag eine junge Frau. Sie locken sie in einen Teil eines Parks in ein Gebüsch, schlugen sie sehr brutal und vergewaltigen sie. Zwei der Jugendlichen sind 12 Jahre alt, die drei anderen 14 Jahre alt. (Die zwei 12-jährigen werden gleich wieder frei gelassen und die beiden 14-jährigen am nächsten Tag, weil sie nicht schuldfähig sind.)


Persönliche Reaktion...

ich muss nun die ganze Zeit an die junge Frau denken...

Sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich, aber seit letzten Freitag hat sie eine andere Version ihrer Zukunft zu leben. Die Version ihres Lebens, die sie verdient hat, wurde ihr genommen. Einfach genommen... obwohl sie nichts falsch gemacht hat. Diese Tat wird sie für den Rest ihres Lebens zeichnen und sie wird nie mehr dieselbe sein, auch das wurde ihr genommen. Das Leid, das sie gerade wohl ertragen muss, tut mir sehr weh. Wenn sie in dieser Welt nicht mal Kindern vertrauen kann, wie kann sie dann überhaupt je wieder vertrauen zu andern Menschen haben? Wie geht es ihr? Wie wird ihr geholfen? Wird nun alles erdenklich mögliche getan, um ihr zu helfen?? Bekommt sie genug Unterstützung?? Wissen die fünf Kinder, was sie da angestellt haben??? Werden sie es jemals bereuen??? Aber selbst wenn, wird es der Frau natürlich nicht helfen. Was treibt die Jungen dazu, das zu tun? Wie fühlen sich wohl andere Frauen, die diese Nachricht heute mitbekommen haben? Wird sie das nun noch mehr einschränken sich frei zu bewegen, als es vielleicht ohnehin schon der Fall ist? Muss wieder an die Junge Frau denken. Denke an das Grundgesetz, Artikel 1, Absatz 1 und anschließend wieder an die junge Frau. Ich muss daran denken, dass ich nun wirklich keine Nachrichten mehr schauen darf und anschließend wieder die junge Frau. Ich muss daran denken, dass diese Dinge so oder in ähnlicher Form vermutlich tausende mal am Tag passieren und frage mich, was das über uns Menschen aussagt? Denke wieder an die junge Frau und ob ihr wohl ausreichend Hilfe zur Seite steht.


Ich verstehe diese Welt oft nicht.


Nun frage ich im Besondern die von euch, die selbst recht sensibel sind und möchte gerne wissen, wie ihr mit all dieser Unvollkommenheit umgeht und euch abgrenzt? Schafft ihr das? Schaut ihr denn Nachrichten?




Trotzdem,
Liebe Grüße in die Runde!
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 8. Jul 2019, 14:31

Hi Orphée,

als ich den Titel zu deinem Thema gelesen habe, dachte ich komischerweise zuerst an meine eigene Unvollkommenheit. Und begann schon mal darüber nachzugrübeln, bevor ich deinen Text gelesen habe.

Aber nach dem Lesen: du meinst die Unvollkommenheit der Welt.

Wie damit umgehen? Ich könnte mir fast vorstellen, dass dies eine Frage für den Philosophie-Bereich wäre, weil soooo schwer zu beantworten …

Soll man die Augen vor dem Unrecht, das geschieht und wogegen man nichts machen kann, verschließen, um sich und seine innere Ausgeglichenheit zu schützen? – Bis zu einem gewissen Grad würde ich das bejahen. All der Schrecken, der auf der Welt geschieht, erscheint mir auch manchmal so übermächtig, dass ich schlaflose Nächte verbringe und von grässlichen Bildern geplagt werde. Da muss ich dann auch immer wieder von runterkommen und ziehe mich zeitweise zurück.

Allerdings: Auf der anderen Seite lebe ich doch auch nicht nur in meinem eigenen Wolkenkuckucksheim, wo ich auf mich achten muss, es mir leicht und fröhlich und halbwegs komfortabel einrichten kann.

Das Unrecht, oder wenn man so will „das Böse“ im Menschen, ist bittere Realität, so finde ich das.

So will ich mich nicht abstumpfen, abgrenzen, ablenken gegen das Leid, z. B. dieser von dir beschriebenen jungen Frau.

- Auch wenn es ihr rein gar nichts bringt, dass mich so was schmerzt.
- Auch wenn es mir nichts bringt, dass mich so was schmerzt (im Gegenteil, es fühlt sich ja schlecht an).
- Auch wenn mich das nicht zu einem moralisch besseren und "vollkommeneren" Menschen macht, nur weil ich an der „Unvollkommenheit“ der Welt verzweifle.
- Auch wenn das doch „nur“ eine schlimme Geschichte von Millionen Boshaftigkeiten und Dummheiten auf diesem Planeten sei.
- Und auch wenn (wie an anderer Stelle bemerkt) die Fakten für sich sprechen, dass es nicht stimmt, dass alles so wie gefühlt, nur immer schlimmer und schlimmer wird.

Meine Philosophie ist, dass alle/s miteinander verbunden ist/sind – und daraus zwangsläufig das Mit-Leiden als elementares Gefühl entsteht. Und dass es womöglich häufig mehr Mühe bereitet, den inneren (oder äußeren) Stacheldraht hoch zu ziehen, als dieses Gefühl in mir einfach so zu akzeptieren.

Liebe Grüße! :-)
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon DesdiNova87 » Mo 8. Jul 2019, 15:25

Hi Orphée,

ich habe gestern auch von dieser schrecklichen Gewalttat gelesen. Ich glaube ich bin inzwischen in der Hinsicht schon ein bisschen abgestumpft, einfach weil dauernd schreckliches passiert. Es gehört bei der Menschheit leider dazu. Zumindest kann ich aus meinem Geschichtsstudium und meinen bisherigen Lebenserfahrungen keinen anderen Schluß ziehen.

Gestern habe ich mir z.B. etwas zur Befreiung von Dachau durchgelesen. Es ist total unvorstellbar, dass diese Erzählungen und Bilder sich nahe München zugetragen haben, aber es ist so passiert. Der Schrecken ist unendlich und unbeschreibbar.

Das ist sicher nochmal eine andere Stufe als diese primitiven Gewalttaten, wie zuletzt die Vergewaltigung in Mühlheim, was der Sache nicht ihren Schrecken nimmt. Ich habe mal bei Nietzsche was dazu gelesen, das ging in die Richtung, dass solche Gewalttaten noch die Handschrift unserer archaischen Vergangenheit als Steinzeit-Menschen zutage bringen. Menschen die so etwas tun, sind noch auf einer früheren Entwicklungsstufe stehen geblieben bzw. diese Entwicklungsstufe tritt wieder hervor.

Ich finde diese Erklärung macht schon Sinn und deshalb ist es für weit entwickelte Menschen wie uns auch so unvorstellbar und erschreckend, dass andere Menschen solche Taten ausführen. Ich bin daher der Meinung der durchschnittliche, moderne Mensch hat mit solchen Subjekten nicht viel gemein.

Was die Gesetzeslage in Deutschland dazu angeht, da erwarte ich schon lange nicht mehr viel von. Man hat immer wieder das Gefühl, das in Deutschland Täterschutz vor Opferschutz kommt. Oft bekommen Menschen sogar noch viel mehr Probleme, wenn sie sich (erfolgreich) verteidigen. Diese Mentalität in Deutschland kotzt mich auch einfach nur noch an, und es nicht meine Sichtweise.

Ich beschäftige mich grundsätzlich viel mit dem was in der Welt passiert. Einige Dinge haben mich besonders schockiert, u.a. das Massaker im Bataclan. Dort ist es auch zu Folterungen gekommen, in den englischen und französischen Medien war davon zu lesen, in den deutschen Medien nicht. Gestandene Polizeibeamte konnten den Anblick nicht ertragen, als sie die Szenerie vorfanden. Junge Leute die arglos ein Konzert besuchten, erwartete die Hölle auf Erden. Oder die Amokläufer in London, die mit Messern mordend umhergezogen sind, einen arglosen Passanten nach dem anderen getötet haben.

Besonders schlimm finde ich auch, was in den Kriegen passiert. Die amerikanische Bombe, die im Irak den Luftschutzbunker gefüllt mit Zivilisten getroffen hat, welcher fälschlicherweise für ein militärisches Ziel gehalten wurde. Die tausenden Kurden, die von Saddam mit Giftgas getötet wurden usw..

Und jeden Tag geht es weiter, im Jemen, in Syrien...unser Land liefert trotz anderslautender Verheissung immer noch Waffen an Saudi-Arabien, die im Jemen Marktplätze bombardieren. AKK würde gerne Bundeswehrsoldaten nach Syrien schicken, ohne ein UN-Mandat zu haben. Es passiert alles um uns herum und ich finde es nicht in Ordnung die Augen davor zu verschliessen. Trotzdem wählen die meisten meiner Landsleute immer noch genau diese Menschen und bestätigen sie so in ihrem Tun. Nicht das es eine sinnvolle Alternative gibt aktuell, aber meine Unterstützung bekommen diese Parteien sicher nicht.

Man kann dann auch nicht erwarten, dass der Schrecken vor unserer Haustür halt macht.

Ich bin sehr vorsichtig geworden Videos oder Bilder anzuklicken, besonders wenn dort "WARNING: GRAPHIC CONTENT" o.ä. dabei steht. Wenn ich es einmal gesehen habe, bekomme ich es nicht mehr aus meinem Kopf raus. In der Hinsicht, also visuell, grenze ich mich sehr ab, weil mir das ganz und gar nicht gut bekommt. Ich will aber trotzdem informiert bleiben und auch schlimme Sachen nicht einfach ignorieren.

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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Träumerle » Mo 8. Jul 2019, 16:51

Hallo Orphée,

da ich gerade eh nicht sonderlich gut drauf bin, "passt" dein Thema eigentlich und ich habe mir auch ein paar Gedanken darüber gemacht.

Solche Hiobsbotschaften, die unsere Medien tagtäglich überfluten, verschlagen mir jedes Mal die Sprache und ich bin nie imstande dazu, diese Geschichten mit Worten beschreiben zu können. Wie ich mich dabei fühle, kann ich dann auch nie sagen - dann versagen meine Ausdrucksformen komplett und ich weiß schlichtweg nie, wohin mit dieser Information. Doch eines ist mir klar: Ich bin selten überrascht, wenn ich mal so etwas höre oder lese. Sowas ist (leider) nichts Einmaliges, sondern passiert so viele Male am Tag und natürlich schaffen es immer genau diese negativen Meldungen in die Öffentlichkeit. Für mich gilt: Je mehr ich mich darüber informiere, lese, Bilder sehe, desto größer wird die Gefahr, dass ich mir dann so viele Gedanken mache wie du. Daher lasse ich es meist einfach bleiben und distanziere mich von vielen Nachrichtenmeldungen. Für mich persönlich bringt das nichts; man hört oder liest über Gräueltaten und kann dann noch nicht mal etwas dagegen tun. In Gesprächen über das aktuelle Weltgeschehen kann ich dann nicht mitreden, aber darauf lege ich keinen Wert.

Aber wenn es danach ginge, dürften wir vermutlich keinen einzigen glücklichen Moment in unserem Leben genießen, denn pausenlos geschieht Leid auf der Welt, und das in den vielfältigsten Arten. Der von dir geschilderte Fall ist das Bruchstück eines Bruchstücks. Trotzdem ist es natürlich ein Unterschied, ob man von einer furchtbaren Meldung gehört hat oder nicht. Meiner Meinung nach ist es okay, sich vor den Nachrichten zu verschließen, aber es muss eine Begründung dahinterstecken, und zwar eine sinnvolle. Wer meint, das ginge ihm alles am A.... vorbei, erntet bei seinen Mitmenschen doch gleich weniger Sympathie.
Es ist menschlich, Mitleid zu haben, die einen verspüren es intensiver als die anderen, doch jegliche kalte Reaktion ist bei mir unten durch. Wie nah man diese Dinge an sich heranlässt, sollte jedem selbst überlassen sein, solange er eine angemessene Meinung zu Geschichten wie diesen hat.

Zu der Vergewaltigung selbst: Die junge Frau ist sicher traumatisiert, steht unter Schock, aber sie (und alle anderen Opfer) können sich neben ihrer Familie auch an Seelsorger und Psychologen wenden, die helfen, das Geschehnis zu verarbeiten. Denn das ist sehr wohl möglich und ein normales Leben ließe sich dann auch wieder führen.
Ein weiteres Mal schäme ich mich, zu dieser Generation zu gehören... die Täter könnten meine kleinen Brüder sein und es wäre nicht das erste Mal, dass eine solche Tat von Menschen dieses Alters begangen wird. Kinder können grausam sein und es ist unfassbar, dass sie von unserem Gesetz übermäßig beheiligt und beschützt werden. Da bin ich ganz bei DesdiNova, selbst wenn ein erwachsener Mensch eine wirklich abscheuliche Tat begeht, kommt er nicht selten mit einer Haftstrafe davon, deren Jahre man an einer Hand abzählen kann. Das kann es doch nicht sein. Hierzulande müsste da so Einiges verschärft werden, sonst lernen die Täter ja nichts.
Dasselbe gilt für Kinder und Jugendliche, die von mir aus auch mal eine saftige Strafe erhalten können. Es ist doch egal, wie alt diese Menschen sind, entscheidend ist das, was sie angestellt haben, und dafür sollen sie auch bestraft werden. Muss ja nicht gleich Gefängnis sein, Sozialdienst oder etwas in der Art tut's auch. Aber dass die alle einfach so davongekommen sind, regt mich genauso auf, wie dich/euch.

Was dieses Leid aber immer etwas weglächelt ist Solidarität. Für mich ist Solidarität mit das Rührendste, was es übehaupt gibt und wenn in einem Land eine große Katastrophe geschieht und daraufhin andere Länder ihr Mitgefühl ausdrücken - in welcher Form auch immer - bewegt es mich fast schon mehr als das eigentliche Ereignis und macht das Ganze für meine Gefühle wieder etwas wett. Zu sehen, dass andere Menschen oder Nationen ihre ernsthafte emotionale Unterstützung und Beileid ausdrücken, macht mich innerlich glücklich und zeigt, dass es auf der Welt auch anders zugeht. Und das Schönste: Wir alle können selbst ein Teil davon sein.

HSP's würde ich grundsätzlich eher vom tieferen Befassen mit den Nachrichten abraten. Wie gesagt heißt das nicht, dass es einem egal ist, was da passiert, sondern viel eher, dass man das Leid nicht erträgt. So gesehen also auch eine Art der Empathie. Ich komme jedenfalls gut zurecht mit meiner Art und Weise und wenn ich doch mal etwas mitbekomme, reichen mir meist die Überschriften, um sich halbwegs davon zu distanzieren. Dann können mich Probleme und Sorgen von Menschen, die ich kenne, wiederum deutlich stärker mitnehmen und runterziehen. Das alleine ist schon schlimm genug.

Solidarische Grüße,
Träumerle

Nachtrag: Gerade zufällig auf einen weiteren Artikel dazu gestoßen. Die Täter stammen aus Bulgarien und sind tatsächlich nicht weiter bestraft worden. Zudem ist das Opfer auch noch geistig behindert. *seufz*
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
_____________
(Ich bin männlich...)
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Rauhnacht » Di 9. Jul 2019, 06:15

Nachrichten schauen nein, lesen dafür ja. Und die unwichtigen Nachrichten, welche mich persönlich nicht weiterbringen sondern nur runterziehen lass ich weg. Sobald Donald Trump drübersteht les ich maximal die Artikelbeschreibung und dann ist gut. Ich kann durch meine Wählerstimme nicht beeinflussen, dass er Präsident ist, ihn nicht abwählen oder wegdemonstrieren. Wenn in der Überschrift Vergewaltigung/Mord usw. steht lass ich die Finger davon. Wir haben weit weniger Morde und Straftaten als früher und trotzdem kommt es einem nach mehr vor, nachdem die Medien jeden Vorfall intensiv auseinandernehmen. An solchen Geschehnissen kann ich nichts ändern, sie bringen mich nicht weiter - ich würde mich dadurch ohne Grund schlecht fühlen.
Artikel über Dinge, an denen ich etwas ändern kann (z.B. Plastik verschmutzt die Welt - ich schränke als Folge meinen Konsum ein) und die mich als Person wachsen lassen lese ich sehr gerne.
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Moondream » Di 9. Jul 2019, 08:16

Hallo Orphee,

was du da anschneidest ist ein doch recht komplexes Thema, über das ich selbst auch oft nachdenken muß und wie Anima schrieb, vielleicht auch etwas für das Philosophie Forum.

Rauhnacht hat geschrieben:Wir haben weit weniger Morde und Straftaten als früher und trotzdem kommt es einem nach mehr vor, nachdem die Medien jeden Vorfall intensiv auseinandernehmen. An solchen Geschehnissen kann ich nichts ändern, sie bringen mich nicht weiter - ich würde mich dadurch ohne Grund schlecht fühlen.

Das versuche ich mir auch immer wieder bewußt zu machen. Aber darin steckt eben auch ein riesiger Widerspruch. Auch wenn die Welt nachweisbar immer sicherer wird, es immer weniger Straftaten gibt (auf logisch rationaler Ebene nachweis- und nachvollziehbar), empfinden viele Menschen doch auf emotionaler Seite das genaue Gegenteil. Scheinbar wir die Welt immer gefährlichter, unwirtlicher und grausamer.
Woran liegt es, das Realität und Empfinden scheinbar immer weiter auseinandergeraten?
Ehrlich gesagt, habe ich dafür für mich noch keine befriedigende Erklärung gefunden.

Ein Wichtiger Punkt ist sicher das was Rauhnacht schreibt. Die Medien stürzen sich mittlwerweile auf jeden Vorfall und schlachten ihn medial soweit aus, wie es nur irgend geht. Solche, sehr traurigen und schrecklichen Vorfälle, wie der den du beschreibst und der für dich ein Anlaß war diesen Tread zu starten, gab es leider schon immer, und früher wahrschinlich auch häufiger als heute. Allerdings haben diese es früher (ich spreche da von meiner Jugendzeit vor über 30 Jahren und auch noch weiter zurück), wenn überhaupt, dann vielleicht bis in den Lokalteil der Zeitung geschafft. Heute werden sie bundesweit oder sogar darüber hinaus medial ausgeschlachtet und in alle häßlichen Einzelheiten zerlegt. Damals wurde auch eher sachlich und neutral über solche Dinge berichtet, so daß sich der Leser/Zuhörer/Zuschauer selbst damit auseinandersetzen musste und sich seine Meinung dazu bilden konnte. Heute hingegen wird das Ganze sehr emotional und oft auch dramtisiert vermarktet, wahrschinlich um sich über die emotionale Schiene einen Spitzenplatz bei der Vermarktung der 'News' zu sichern.
Ich fand es zum Beispiele ganz schrecklich, das der Amoklauf in München 2016 von einigen (Privat-) Nachrichtensendern fast wie ein Sportereignis live übertragen wurde und stundenlang als einziges Thema (nur mit kurzen Werbeunterbrechungen, versteht sich) dort zu finden war. Man wurde dann von allen Seite mit diesen Informationen in einem Maße überhäuft, das nur schwer zu ertragen ist.
Aber irgendwie scheinen viel Menschen auch Gefallen daran zu finden, das Leid anderer zu sehen, vielleicht um sich dann selber besser zu fühlen, weil es sie selbst nicht betrifft? Ich weiß es nicht, abe ich empfinde diese Entwiclung als falsch.
Ich wünsche mir oft, das auch solche Nachrichten einfach auch wieder mit mehr Sachlichkeit und Augenmaß vermittelt werden, denn ich möchte mich nicht vor der Welt und der Realität verschließen, aber die Art und Weise, wie darüber oft berichtet wird, und wie das Leid der Betroffenen oft medial vermarktet wird, stößt mich ab und macht mich traurig.

Trotzdem schaue/lese ich auch weiter Nachrichten, wenn es zu schlimm wird schalte ich dann um/ab oder verlasse den Raum/die Website. Aber ich möchte mich davon nicht abhalten lassen am Geschehen in der Welt teilzuhaben. Selbstisolation ist, für mich zumindest, keine Option.


Orphée hat geschrieben:Die Welt ist, wie sie ist.

Orphée hat geschrieben:Ich verstehe diese Welt oft nicht.


Ich glaube das beides gehört zusammen und es gibt vielleicht mehr Menschen als du denkst, die die Welt wie sie sich heute darstellt nicht verstehen. Mir geht es auch oft so und ich denke schon seit meiner frühen Jugend darüber nach, wie die Welt denn eigentlich sein sollte.
Denn auch wenn die Welt so ist, wie sie ist, heißt das nicht, das das immer so sein muß.
Die Welt kann ( und sollte vielleicht auch) verändert werden.

Und ein Punkt, wie ich für mich damit umgehe: Ich projiziere solche Dinge in eine (persistente) Fantasiewelt, die ich schon in meiner Kindeheit aufgebaut habe, und seither beständig weiterentwickle. Dort mache ich mir eigentlich schon seit meiner Jungend Gedanken, wie denn eine zukünftige, bessere (ideale?) Welt aussehen könnte. Dort kann ich solche Dinge verarbeiten, aus verschiedenen Gesichtspunkten beleuchten, Alternativen und Lösungen finden mit denen man die Welt verbessern könnte. Ich bezeichne das gern als eine emotionale Sandbox. Ist weiß nicht, ob das eine gute Lösung ist. Für mich aber irgendwie schon, da ich eigentlich nie jemanden hatte, mit dem ich mich wirklich offen über meine Gefühle, Ideen, Träume und Ängste austauschen konte. Natürlich ist das Gnaze damit auch sehr subjektiv, da ich dort natürlich primär meine eignen Wünsche und Vorstellungen mit einarbeite. Und vielleicht sind die Ideen in manchen Punkten auch schwer zu greifen und nicht immer mit aktuellen Lebens- und Moralvorstellungen der Mehrheit vereinbar. Aber es ist, für mich, eine interessante Idee und manchmal würde ich nur zu gern wissen, ob das auch funktionieren könnte und unsere Welt dadurch vielleich besser und friedvoller sein könnte. Deshalb habe ich (primär für mich) auch angefangen, darüber zu schreiben. Das Ganze wäre jetzt hier zu umfassend und auch nicht wirklich themenbezogen, aber wenn jemand Lust hat, mit darüber zu philsophieren und nachzudenken wie eine zukünftige (noch bessere) Welt aussehen könnte, kann mir gern eine PN schreiben.

LG
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon DesdiNova87 » Di 9. Jul 2019, 11:43

Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, schon gibt es erste Versuche die Tat zu relativieren. So ist heute folgendes Zitat von Silke Breuksch, Oberärztin der LVR-Klinik Viersen, in der RP (Rheinische Post) zu lesen:

Mit Blick auf die Vergewaltigung sagt Breuksch: "In einer Gruppe tut man manchmal Dinge, die man so nicht alleine tun würde."
(Autoren des Artikels Dalkowski, Kess und Marinov)

Es wird direkt wieder versucht Verständnis für die Täter aufzubringen und Entschuldigungen für so eine bestialische Tat zu finden. Das Opfer wird dadurch verhöhnt. Und die Medien drucken so eine Aussage auch noch, so nach dem Motto "es ist alles ganz normal, gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen".

Zumal das Argument an sich schon überhaupt keinen Sinn ergibt. Es gibt so viele Einzeltäter die auch schlimme Verbrechen begehen. Einer der Täter war wegen sexueller Taten vorbestraft, hat er die auch in der Gruppe begangen? Die Tat schlicht auf eine Gruppendynamik zurückzuführen, so macht die gute Frau es sich ja wohl sehr einfach. Dann dürften Menschen ja gar nicht mehr in Gruppen unterwegs sein, wenn dann so welche Taten als Konsequenz passieren sollten. Was für ein Unsinn!

Die Verantwortung liegt einzig und allein bei den Tätern und das muss auch so benannt werden.


Rauhnacht hat geschrieben:Sobald Donald Trump drübersteht les ich maximal die Artikelbeschreibung und dann ist gut. Ich kann durch meine Wählerstimme nicht beeinflussen, dass er Präsident ist, ihn nicht abwählen oder wegdemonstrieren.


Das Gefühl kenne ich gut, acht Jahre unter Obama waren auch kein Zuckerschlecken #bäh#


Moondream hat geschrieben:Die Medien stürzen sich mittlwerweile auf jeden Vorfall und schlachten ihn medial soweit aus, wie es nur irgend geht.


Ich sehe auch bei den Medien in vielen Fällen eine Mitschuld. Besonders ist mir der Anschlag von Christchurch in der Hinsicht in Erinnerung geblieben. Dort hatten wir einen Täter, der sich bewusst inszeniert hat, sich selbst gefilmt hat und die Tat live gestreamt hat. Schnell kam danach die Kritik auf, dass Facebook das Video nicht schnell genug gelöscht hat und auch andere es weiterverbreiteten. Und ganz vorne mit dabei konnte man auf jeder Nachrichtenseite Standbilder von dem Video sehen, die den Täter in Montur zeigten, so wie er sich halt inszenieren wollte. In solchen Fällen müssen die Medien auch mal Rückgrat zeigen und dann dieses vom Täter selbst verbreitete Material nicht auch noch nutzen, um den Täter "berühmt" zu machen. Genau dadurch kommt es ja zu weiteren Taten, Trittbrettfahrern, die auch mit einem großen Knall aus dem Leben gehen wollen. Sie können sich der Berichterstattung und ihren paar Minuten Sendezeit sicher sein...

Moondream hat geschrieben:Ich fand es zum Beispiele ganz schrecklich, das der Amoklauf in München 2016 von einigen (Privat-) Nachrichtensendern fast wie ein Sportereignis live übertragen wurde und stundenlang als einziges Thema (nur mit kurzen Werbeunterbrechungen, versteht sich) dort zu finden war. Man wurde dann von allen Seite mit diesen Informationen in einem Maße überhäuft, das nur schwer zu ertragen ist.


Ja, das ging mir auch so. Dort wurde auch ganz enorm eine Panik geschürt, da zuerst von vielen Schützen berichtet wurde. Und dann muss man sich vor Augen halten, dass es schon Ende der 80er die Zäsur gegeben hat, durch die Berichterstattung über die Geiselnehmer von Gladbeck. Die Medien hatten die Polizeiarbeit behindert und haben die Geiselnehmer zu Vertretern einer Gegenkultur stilisiert. Danach hatten sie sich ja selbst auferlegt, fortan nicht mehr so zu berichten. Es scheint sich nicht viel geändert zu haben.

Kennt einer von euch eigentlich Marianne Bachmeier? Sie hat in den frühen 80ern den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschossen, weil sie nicht wollte, dass er noch mehr Lügen über ihre tote Tochter verbreitet (der Mörder hatte dem kleinen Mädchen eine Mitschuld beireden wollen), Deutschlands bekanntester Fall von Selbstjustiz. Dafür musste sie 6 Jahre ins Gefängnis, wurde aber nach 3 Jahren schon wieder entlassen.
https://www.sueddeutsche.de/panorama/selbstjustiz-marianne-bachmeier-die-rache-einer-mutter-1.285988

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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Orphée » Di 9. Jul 2019, 11:58

Hallo Ihr!

Vielen Dank für eure Einblicke! Habe sie alle sorgfältig und gerne gelesen. Bemerke wie sich gerade durch eure Eindrücke die Dinge in mir entwickeln und vorangetrieben werden. Hoffe es geht anderen auch so;) Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich der Umgang damit ist... und umso unterschiedlicher die Eindrücke, umso größer natürlich der mögliche Erfolg beim Finden des eigenen Umgangs damit, denn da habe ich meinen persönlichen noch nicht gefunden. Aber womöglich kommen ja auch noch Eindrücke dazu!?... ;)

Mit Unvollkommenheit meine ich übrigens und natürlich die der Menschen, denn darüber hinaus kann ich keine erkennen.

Die Ebene, um die es mir geht, ist... Wie wir im einzelnen mit den Informationen, die an uns herangetragen werden, umgehen können, gerade auch in Anbetracht der Sensibilität unserer eigenen Persönlichkeit. Unser Leben findet in dieser jetzigen Zeitspanne, mit den Gegebenheiten dieser Gegenwart statt. Da ist es schon von vorneherrein, wie es unter anderen Rauhnacht auch beschrieb, wichtig auszusortieren, was wir beeinflussen können und was nicht. Von Menschen gemachte Taten und die Art wie Nachrichten fließen... das können wir nicht beeinflussen, aber wie wir damit umgehen schon. Nachrichten fließen über das Fernsehen, der Zeitungen, dem Internet oder auch über Arbeitskollegen und Freunde. Selbst Songtexte können sehr politisch, rechts, links sein und Nachrichten enthalten. Das ist natürlich insgesamt ein dickes Feld, aber vielleicht schaffen wir es, es übersichtlicher zu machen;) Nachrichten aus den sozialen Medien sind ja allerdings und bekanntermaßen mit Vorsicht zu genießen. Wenn man sich nicht sicher sein kann, dass hinter ihnen eine redaktionelle Entscheidungsfindung über das "ob" und "wie" gestanden hat, auch in Anbetracht von Ethik und Moral, sollte man wohl lieber die Finger davon lassen.

Auf was aber genau begründet sich eigentlich unsere Neugierde auf Nachrichten? Hinterfrage ich nun einfach mal;) Ich meine... davon ausgehend, dass sie meist nun mal negativer Natur sind und unser Unwohlsein dadurch ja eher fördern würden, überwiegen unterm Strich ja vielleicht die negativen Folgen für die eigenen Befindlichkeiten. Der ursprüngliche informelle Aspekt über die Dinge, die wir im Großen und Ganzen ja eh nicht ändern können, scheint die Sache eventuell dann schlicht nicht wert zu sein.




Wie unsicher diese Welt nun im Vergleich zu früheren ist, ist vermutlich irrelevant und fällt wohl auch in die Kategorie... "Nicht zu beeinflussen"



Noch ein paar persönliche Eindrücke und Reaktionen, weil ich unter andern beim grübeln daran denken musste und da ich glaube wir sollten öfters auch über Gefühle schreiben, um die Anteilnahme an solchen Dingen besser zu verstehen...

- Mein erster gelesener Roman(Schuldlos schuldig, von Susan Sloan), ein sehr guter Roman, beginnt mit einer brutalen Vergewaltigung, die der Ausgangspunkt der Geschichte ist. Ich war darauf so nicht wirklich vorbereitet und weiß nicht, ob ich das Buch je hätte lesen wollen, wenn ich es gewusst hätte. Es flossen natürlich reichlich Tränen und ich musste diese Passage mehrfach unterbrechen, um wieder Luft zu holen... aber nicht nur im physischen Sinne.
Das war ein negatives Extrem, das mir eingefallen war.

Schicksale nehmen mich sehr sehr überdurchschnittlich mit. Aber Bücher suchen wir uns ja bewusst aus, haben vorher Bewertungen oder den Klappentext gelesen, nicht wie so manche Nachricht, die unvorbereitet auf uns einprasselt.

- Das Tagebuch von Anne Frank beispielsweise will ich längst und unbedingt mal lesen. Da geht es natürlich nicht nur um Heiterkeit, aber auch dafür entscheidet man sich dann ja bewusst.

- Die Terroranschläge in Paris beispielsweise haben mich damals ganz enorm und weit überdurchschnittlich mitgenommen, trotzdem aber war es für mich persönlich so derart relevant und wichtig, dass ich mich sicher nicht hätte abgrenzen wollen gegenüber einer solchen Nachricht. Außerdem rührt mich ebenso wie Träumerle, die Anteilnahme und Solidarität der Welt mit den Opfern. In so einem Moment spüre ich recht intensiv, was das Wort Menschlichkeit bedeutet, denn es fühlt sich echt und wahrhaftig an.


So, wieder zurück...

Mögliche Wege, um mit Nachrichten umzugehen:

- Sich von Nachrichten gänzlichst fernzuhalten, sich in Watte zu packen und sein Leben so gut es geht in einer Seifenblase zu verbringen. Das ist durchaus auch verlockend, wenn man es zu Ende denkt und einen negativen Teil des reellen Lebens einfach hinter sich lässt. Könnte klappen.

- Nachrichten gänzlichst zuzulassen, wie es unter andern Anima beschrieb und „dieses Gefühl in mir einfach so zu akzeptieren".
Es also schlicht zu akzeptieren, dass nicht alles Friede-Freude-Sonnenschein ist und zu lernen die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. Die Welt ist, wie sie ist.

- Oder etwas zwischendrin, eine Art Mittelweg, wie ihn Rauhnacht für sich gefunden hat und auszusieben.



Der Mensch ist in seiner ursprünglichen Art ein wildes Wesen, das muss man sich immer wieder vor Augen führen. Ein Wesen, dass sich über viele Jahrtausende und zum Teil ja auch erfolgreich zivilisiert hat, aber es braucht doch ein Mindestmaß an Dichte von Dingen, wie... gute Erziehung, stabiles Elternhaus, gute Bildung, stabile Verhältnisse im Umfeld usw. um diesen Grad an zivilisierten Verhalten gewährleisten zu können. Ansonsten sind wir eben leider näher an unserm Ursprung und leider auch recht instabil.


All das sind nur vorläufige Gedankengänge, nichts davon ist in Stein gemeißelt und darf nach belieben verbessert oder erweitert werden... ;)


So.. mir qualmt der Kopf.


Liebe Grüße an Alle
Zuletzt geändert von Orphée am Di 9. Jul 2019, 12:20, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Orphée » Di 9. Jul 2019, 12:06

Möchte, weil es gerade so gut zu meinem letzten Absatz passt, noch ein Zitat abladen...

„Wir müssen verstehen, wie wir wurden, wer wir sind. Und was wir wieder verlieren können. Als sich unser Bewusstsein entwickelte, sprach ja nichts dafür, dass wir einmal nach anderen Prinzipien handeln würden, als unsere Vorfahren. Aber wir gaben uns selbst Gesetze, wir erschufen eine Ethik, die nicht den Stärkeren bevorzugt, sondern den Schwächeren schützt. Das ist es, was uns im höchsten Sinn menschlich macht: die Achtung vor unserem Nebenmenschen."

Ferdinand von Schirach


(Ein beeindruckend sensibler Autor. Ich mag ihn sehr.)
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Re: Unvollkommenheit... Wie geht ihr damit um?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 9. Jul 2019, 22:02

Orphée hat geschrieben:Nachrichten gänzlichst zuzulassen, wie es unter andern Anima beschrieb und „dieses Gefühl in mir einfach so zu akzeptieren".
Es also schlicht zu akzeptieren, dass nicht alles Friede-Freude-Sonnenschein ist und zu lernen die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. Die Welt ist, wie sie ist.

Ups, Orphée, da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. – Ich versuche, es zum besseren Verständnis zu berichtigen:

Mir ging es tatsächlich um die Akzeptanz meiner Empfindungen bei schlechten/schlimmen Nachrichten (und nicht um die Akzeptanz der Welt oder dieser Nachrichten), also: um die Akzeptanz meiner Gefühle wie Mitleid (z. B. gegenüber Opfern) und auch Wut (z. B. auf Täter) und auch Angst (z. B. bei globalen Bedrohungen) und auch Hilflosigkeit (z. B. angesichts der enormen Masse an täglichen Informationsfluten). - Ich finde für mich diese Gefühle berechtigt und nicht falsch, auch wenn sie mir nicht nur "gut tun", deshalb "Akzeptanz".

Denn, ähnlich wie auch Moondream geschrieben hat, ich will mich vom Geschehen auf der Welt und in der Zeit, in der ich nun mal lebe, nicht abschotten oder abkoppeln, nur um mein eigenes „Friede-Freude-Sonnenschein“-Leben zu haben. (Auch wenn ich, wie ich geschrieben hatte, mich bisweilen und zwischendurch von jeglichem Input komplett zurückziehen muss.)

Trotzdem oder besser - gerade deshalb (?!) sehe ich es nicht so, dass die „Welt nun mal ist, wie sie ist.“
Denn:

1. Glaube ich den Satz nicht, weil mir bewusst ist, dass der „Ist“-Schein zu oft trügen kann.

2. Ist die Welt eben gerade nicht wie sie ist, sondern immer in Entwicklung und sie verändert sich, und desgleichen auch die Menschen, die in ihr leben. (Siehe dazu ja auch dein v. Schirach-Zitat.)

3. Resignation ist ohnehin nicht so ganz mein Ding, ehrlich gesagt.

Danke für den interessanten Thread! :-)
Anima
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