Völlige Überreizung im Kopf

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon Einsame1 » Sa 15. Okt 2016, 15:25

Hallo ihr Lieben!

Kennt ihr das, wenn zuviel Negative Dinge durch negative Menschen auf euch einströmen, so dass ihr teilweise gar nicht mehr klar denken könnt. Ich merke einfach (wohl durch zuviel schlechte Erfahrungen, Überlastung) wie oft mir die Situation entgleiten und ich nicht mehr ruhig und ausgeglichen denken kann. Spüre förmlich wie der Adrenalinpegel hoch geht. Teilweise war ich schon in der Stadt oder am Bahnhof fühlte mich wie traumatisiert, konnte nicht mehr klar denken. Alles um mich herum fühlte sich wie verschwommen an.
Wenn ich mit dem Arzt darüber rede, kann der mir auch nicht wirklich weiter helfen.
Warscheinlich hängt es auch damit zusammen, dass ich nach wie vor keine richtiges Schutzsystem in mir habe, alles wie ein Schwamm aufsaugen und schlecht Dinge so gut wie gar nicht abhaken kann. Kaue oftmals viel zu lange auf einzelnen Gedanken herum wie z.B. was hat denjenigen dazu gebracht mich so scheiße zu behandeln oder wie meinten die das oder was soll dieser schäbige Tonfall jetzt etc.. Ich kann ja nicht die anderen ändern, nur mich selbst, dennoch genau deshalb ziehe ich mich oft zurück, weil die meisten Menschen in meiner Umgebung einfach vom Verhalten her scheiße sind. Ich weiß allerdings auch nicht, wie ich aus diesem Umfeld von heute auf Morgen ausbrechen kann.
Es muß ja Mittel und Wege geben sich zu schützen.
Lieben Gruß
Einsame1
 

Re: Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon Sonnenblumenmädchen » Sa 15. Okt 2016, 18:41

Huhu !

Mir geht es da ziemlich ähnlich wie dir und mich belastet es auch sehr.
Ich fühl mich fast ausschließlich nur noch wie in Watte gebauscht, als würde ich neben mir stehen.
Es ist einfach anstrengend wenn man sich von negativen Menschen/Dingen/Atmosphären/... nicht ausreichend abgrenzen kann. Irgendwie schleppt man es dauerhaft mit sich rum und ist konstant angespannt, so geht es mir zumindest.
Ich würde dir so gerne weiterhelfen aber habe selbst noch nicht den perfekten Lösungsweg gefunden.
Vielleicht gibt es irgendein Hobby wo du etwas zur Ruhe kommen kannst, bei mir sind es zum Beispiel Sport und kreative Beschäftigungen wie zeichnen/malen, dabei kann ich zumindest teilweise den Kopf etwas frei bekommen bis mich die Gedanken wieder einholen.
Ich denke längerfristig sollte man versuchen sich ein überwiegend positives Umfeld aufzubauen, aber das ist leichter gesagt als getan, ich weiß.

Fühl dich gedrückt !

Liebe Grüße
Sonnenblumenmädchen
 

Re: Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon Moneypenny » Sa 15. Okt 2016, 19:16

Hallo Einsame1 _girliecat_
ja, ich weiß genau, was Du meinst. Mir ging/geht es genauso.
Stadt, Fußgängerzone, Bahnhof, viele laute Menschen, die kreuz und quer rennen oder in geschlossenen Räumen zu laut und gleichzeitig quasseln, lösen bei mir so ein Abkopplungsgefühl aus. Ich bin zwar mittendrin, aber irgendwie geistig nicht mehr ganz anwesend. So als stülpt sich eine Glaskuppel über mich.
Negative Stimmung, fadenscheinige Äußerungen, unfaire Bemerkungen, unterschwellige Kritik, also alles so hintenrum und destruktiv oder Rumgemoser an meiner Person usw. lassen meine Gedanken kreisen bis in die Nacht hinein. Obwohl totmüde, hören die Gedanken nicht auf.
Ich hatte dieses Jahr zwei neue Arbeitstellen begonnen, die erste musste ich beenden, da extrem ungesund für mich, die zweite wurde mir kurz vor Ende der Probezeit aus betrieblichen Gründen gekündigt. In beiden Einarbeitungsphasen, die man ja immer hat, wenn man neu ist, bin ich kopfmäßig nie zur Ruhe gekommen. Oft fragte ich mich, ob ich nichts vergessen habe, warum war der/die so komisch heute, lag es an mir?
Zwei Tage nach der letzten Kündigung ging es mir schlagartig besser. Seit dem schlafe ich meistens gut, bin viel ruhiger geworden und kann mich auch mal wieder an etwas erfreuen.
Daraus gelernt habe ich, dass beide Jobs Gift für mich waren (viel Telefon, Kundenverkehr, tausend Sachen gleichzeitig machen) und ich nun versuche, eine etwas ruhigere Arbeit zu finden (wird schwer).
In dieser stressigen Zeit habe ich abends im Bett versucht mir bewusst schöne Erinnerungen und Bilder ins Gedächtnis zu holen. Manchmal hat es geklappt _yessa_
Ich denke, das A und O für uns HSP ist, wann immer es geht, sich kleine Auszeiten zu nehmen. Mittags mal um die (ruhigen) vier Ecken zu gehen oder auf eine Bank abseits vom Trubel zu setzen. Mir hilft auch, sanfte Musik mit Kopfhörern zu hören, wenn mir der Zivilisationslärm zuviel wird. Abends keine Psycho-Thriller o. ä. schauen, wobei ich mich gut bei Action-Filmen ablenken kann U72(
Stadt, volle Straßen und Kaufhäuser, laute Gaststätten auf ein Minimum beschränken, so meine Strategie 647&/
Ich weiß nicht, was für Dich in Frage kommt und es muss ja auch nicht alles zu 100 % klappen, aber ich denke, Du verstehst, wie ich das meine.

Gruß
Moneypenny
Moneypenny
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Re: Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon Einsame1 » Sa 15. Okt 2016, 19:24

Hallo ihr beiden,

vielen Dank für eure Antwort. Dachte schon ich stehe alleine damit da. Was du beschreibst Moneypenny kenne ich 1:1 und das blöde ist das man im Laufe der Zeit schon zuviele Arbeitsstellen hatte, was die wenigsten verstehen. Sogar meine eine Freundin versteht nicht warum ich jetzt evtl. in einem anderen Bereich anfange zu arbeiten. Ich meinte nur zu ihr, ich bin froh wenn ich überhaupt etwas finde und es dann zu meinem Glück nicht zu stressig sein wird.Gerade in der heutigen Zeit ist es schwierig die passende Stelle zu finden. Dieses ewige alles gleichzeitig machen bringt mich völlig durcheinander im Kopf, auch dieses ständige unterbrechen wenn man sich gerade versucht auf eine Sache zu konzentrieren. Es ist dieser Zeitgeist der mich mal wieder einfach nur ankotzt. Dennoch muss es einen Weg für jeden einzelnen geben, davon bin ich immer noch überzeugt.
Einsame1
 

Re: Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon MaryContrary » Do 27. Okt 2016, 19:28

Hallo Ihr! Kenne das auch sehr gut. Manchmal passiert mir das bei erzwungenen Gruppenveranstaltungen. Irgendwann merke ich, wie sich dieses wattige Gefühl um mich ausbreitet, ich kann mich nicht mehr auf einzelne Gespräche fokussieren sondern höre gleichzeitg mehreren Gruppen bei der Unterhaltung zu und versuche vergeblich, mich irgendwo einzuklinken, oder ich sage mal hier was, mal da, was manchmal auch komisch rüberkommt... U72(
Irgendwann verstumme ich dann, habe Kopfschmerzen und will nur noch nach Hause. Dort bimmelt mein Kopf noch ein paar Stunden weiter und oft komm ich am selben Tag gar nicht mehr zur Ruhe. Dann wars halt mal wieder zu viel...
Du musst nicht tanzen, aber beweg dein Herz
Wir sind Helden
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Re: Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon kranich » Sa 29. Okt 2016, 06:32

Ich habe ein interessants Buch zu dem Thema gefunden:

Die Macht der Kränkung von Reinhard Haller

https://www.amazon.de/Die-Macht-Kränkung-Reinhard-Haller/dp/3711000789/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8


LG
kranich
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Re: Völlige Überreizung im Kopf

Beitragvon Einsame1 » Mo 31. Okt 2016, 17:25

Hallo Kranich,

danke. Das Buch "ab heute kränkt mich niemand mehr" von Doris Wolf finde ich auch empfehlenswert.

Wünsche euch einen schönen, erholsamen Abend (bei mir ist es wieder so weit, der Kopp brummt)

Alles Liebe
Einsame1
 



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