Wenn wir erwachsen werden...

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon Nicky » Mo 20. Dez 2010, 12:53

Hallo ihr Lieben,

ich habe neulich mal so überlegt, wie fundamental die Einflüsse unserer Eltern- auch in Beziehungsfragen- auf unser Erwachsenendasein sind.
Man sucht sich ja teilweise sogar Partner, die einem Elternteil ähneln.
Bei mir ist es leider so, dass mein Vater psychisch krank ist, und einen Kontrollzwang hat.
Meine Mutter musste viele Dinge heimlich erledigen, und hat mir schon sehr früh vorgelebt, dass es "normal" ist so zu leben.
Mittlerweile ist es bei mir so, dass ich selbst auch schon anfange, eigentlich banale Dinge vor meinem Partner zu verheimlichen oder einfach zu machen ohne drüber zu sprechen.
Ich weiß dass es falsch ist und es ist auch nicht das was ich will, aber es steckt ganz tief in mir drin- manchmal passiert das sogar unbewusst.
Wenn mein Freund mich nach etwas fragt, dass ich mir gekauft habe z.B., dann zucke ich teilweise richtig zusammen, weil ich immer im Unterbewusstsein meine Eltern vor mir sehe.

Habt ihr auch solche "Leichen im Keller"?

Liebe Grüße

Nicky
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In jedem von uns steckt die Macht, sein Leben so zu gestalten wie man es sich wünscht!
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon Morfie » Mo 20. Dez 2010, 21:31

Leichen? Bei mir gammelt ein ganzer Freidhof im Keller vor sich hin _yessa_ .

Ich ertappe mich immer wieder dabei, das ich Züge meiner Mutter, die ich gehasst habe wie die Pest, übernommen habe oder das ich bei meinem Mann Züge meines Vaters wiederentdecke. Wir können uns nicht von dem Einfluss, den unsere Eltern schon früh auf uns ausgeübt haben, befreien.

Zumindest empfinde ich das so.

LG, Kirsten
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon eigenART » Mo 20. Dez 2010, 22:42

Doch, man kann sich von diesem Einfluss befreien ... der erste Schritt ist doch schonmal die Erkenntnis, woher so manche Muster kommen _yessa_
Mit Kellerleichen kenn ich mich bestens aus (allerdings hab ich auch Jahre für die Entsorgung gebraucht) icon_winkle
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon DrKatZe » Do 15. Sep 2011, 19:42

Der Einfluss der Eltern und der engen Familie ist wirklich sehr groß auf das weitere eigene Leben und Verhalten. Entweder es wirkt sich durch anerkennende Vorbildhaltung positiv aus und man übernimmt gern Züge des Elternteils oder beider Eltern oder man lehnt sie strikt ab und versucht sich nicht so zu verhalten wie sie. Wobei letzteres wohl sehr schwer ist. Denn schließlich entdeckt man ja doch wieder Verhaltensweisen an sich selbst, die an die Eltern erinnern oder erkennt sie eben im Partner wieder.

Ich glaube, von den drei Mädchen, die meine Mutter geboren und groß gezogen hat, bin ich diejenige, die ihr am ähnlichsten ist. Ich habe eine sehr enge und innige Bindung zu ihr gehabt, ist sie jetzt zwar auch noch, nur nicht mehr so abhängig. Ich sehe ihr auch sehr ähnlich. Jeder, der mich sieht und später meine Mutter, erkennt uns sofoert als zusammengehörig. Auf Familienfesten merke ich ganz besonders im Umgang mit meinen Schwestern und Nichten, wie ähnlich ich meiner Mutter bin. Ich lache ähnlich wie sie, bewege mich ähnlich wie sie, handle sogar ähnlich. Manchmal nervt mich das, weil ich schon meine eigene Chefin sein will, andererseits ist es auch ganz witzig diese Gemeinsamkeiten zu erkennen. Und schließlich wird mir immer wieder klar, dass ja in all diesen Ähnlichkeiten ein großer Teil ich selbst stecke.
Gib mir Kraft, zu verändern, was ich verändern kann, und die Gelassenheit, geschehen zu lassen, was ich nicht verändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. .Seneca.

Ich bin verantwortlich für das, was ich sage. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was du verstehst.
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon Nicky » Fr 16. Sep 2011, 16:22

Hallo ihr Lieben,

ich habe jetzt wieder bemerkt, wie sehr man doch auch im Erwachsenenalter an seinem Elternhaus hängt.

Meine Mutter hat sich am Mittwoch von meinem Vater getrennt und für mich brach eine Welt zusammen. Obwohl ich mich eigentlich darauf vorbereiten konnte, war es doch so für mich, als wenn etwas in mir gestorben ist. Meine Kindheit vermutlich. Obwohl ich ja beide Eltern noch habe, sie nur getrennt leben, sind sie doch nicht mehr die schutzbietende Einheit, bei der ich mich verkriechen konnte, wenn die Welt mir zuviel wird.

Ich bin jetzt 24, habe selbst eine 7 jährige Beziehung hinter mir und lebe seit ebenfalls 7 Jahren alleine- und doch: Mein Elternhaus war mein Dach, unter dem ich Schutz fand wenn es in meinem Leben geregnet hat.
Nun ist mein Dach zur Hälfte weg, und ich muss ein neues Dach aus eigener Kraft bauen.

Liebe Grüße

Nicky
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon DrKatZe » Sa 17. Sep 2011, 08:55

Liebe Nicky,

_knüddel_ wie gern würde ich dich jetzt in den Arm nehmen und tröstlich wiegen. Es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung machen musst. Ich hoffe sehr und wünsche dir von ganzem Herzen, dass du schnell einen Weg für dich findest, ein neues schönes Dach sowohl für dich über deiner Mutter als auch fir dich über deinem Vater errichten zu können. Bitte beide um Hilfe dabei. Geh mit ihnen ins Gespräch. Versuche nicht, es allein zu schaffen. Du bist ein Teil deiner beiden Eltern. Das werden sie auch wissen und spüren. Lass sie Teil haben an deinem Schmerz.

Alles erdenklich Gute wünsche ich dir. _knüddel_
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon Terrylein » Sa 17. Sep 2011, 09:12

Hallo Ihr lieben,
ich kann euch alle gut verstehen, ich bin meiner Mutter auch so ähnlich und manchmal hasse ich mich dafür. Andererseits waren auch meine Eltern immer meine Zuflucht, gerade auch weil meine Mama mich am besten kennt.
Ich denke aber wenn man sich dieser Sachen bewusst ist kann man soweit es einem möglich ist daran arbeiten, einfach mal kurz drüber nachgedacht bevor man wie gewohnt reagiert und fragen ist das wirklich so wie ich das machen will? Dann mache ich es öfters auch schon mal anders, bin mir aber trotzdem oft unsicher danach.
Liebe Nicky ich kann dich gut verstehen, wenn auf einmal ein Zufluchtsort weg ist ist das wie allein sein. Meine Eltern leben noch zusammen aber sie sind von hier aus dem Ruhrpott nach Bayern gezogen. Ich mag diese Situation nicht mit deiner Vergleichen weil das ist echt schlimm, aber ich kann dich so gut verstehen weil auch mein Zufluchtsort auf einmal weg war. Fühl dich gedrückt.
Terrylein
 

Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon bumblebee » So 22. Jan 2012, 23:41

Hey Nicky, auch wenn der Thread schon etwas älter ist, möchte ich was dazu beisteuern. Und zwar brauchst du keine Angst zu haben. Man kann auch anders werden. Psychisch kommt man auch zu einem gewissen Teil eher nach der Mutter, das habe ich mal in einem neurobiologischem Fachartikel gelesen. Dafür, dass man aber auch nicht nach ihr unbedingt kommen muss, kann ich mich als Beweis hinstellen. Ich merke wohl oft auch gewisse Veranlagungen, die ich von ihr übernommen habe, die nicht unbedingt zu meinem Vorteil sind. Aber daneben nehme ich auch die Weitergaben wahr, für die ich sie liebe und die auch mir gut tun. Natürlich formt einen die Umgebung auch immer mit. Aber gerade wir HSP haben die Chance zu erkennen, wie uns geschieht und vermeintlichen Schicksalen entgegenzuwirken. Zudem können wir gleichgut Gefahr laufen, bei unseren ganzen Gedanken, uns in eine negative Selbstprophezeihung zu stürzen. Das bedeutet, dass man Dinge bewirkt, denen man entgegenwirken will, weil man sich zusehr darauf konzentriert, dass sie eintreten. Wie, wenn man bei entgegenkommendem Fernlicht nicht in die Scheinwerfer, sondern rechts an den Straßenrand gucken soll. Dass du deinen Freund gefragt hast, was er sich gekauft hat, ist gesunde Neugier. Hab deswegen keine Sorgen.
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Re: Wenn wir erwachsen werden...

Beitragvon ellen71 » Mo 23. Jan 2012, 10:07

Nicky hat geschrieben:Hallo ihr Lieben,

ich habe neulich mal so überlegt, wie fundamental die Einflüsse unserer Eltern- auch in Beziehungsfragen- auf unser Erwachsenendasein sind.
Man sucht sich ja teilweise sogar Partner, die einem Elternteil ähneln.
Bei mir ist es leider so, dass mein Vater psychisch krank ist, und einen Kontrollzwang hat.
Meine Mutter musste viele Dinge heimlich erledigen, und hat mir schon sehr früh vorgelebt, dass es "normal" ist so zu leben.
Mittlerweile ist es bei mir so, dass ich selbst auch schon anfange, eigentlich banale Dinge vor meinem Partner zu verheimlichen oder einfach zu machen ohne drüber zu sprechen.
Ich weiß dass es falsch ist und es ist auch nicht das was ich will, aber es steckt ganz tief in mir drin- manchmal passiert das sogar unbewusst.
Wenn mein Freund mich nach etwas fragt, dass ich mir gekauft habe z.B., dann zucke ich teilweise richtig zusammen, weil ich immer im Unterbewusstsein meine Eltern vor mir sehe.

Habt ihr auch solche "Leichen im Keller"?

Liebe Grüße

Nicky


Ich hatte auch einen Vater mit ausgeprägtem Kontrollzwang. Gerade Männer, die eher autoritär veranlagt sind, neigen zu dieser Eigenschaft.
Mein Mann hat das auch in Ansätzen ...
Ich hatte mir aber geschworen, nie so zu agieren wie meine Mutter (Vermeidungs-Haltung), weil dadurch immer mehr Zwänge entstehen. Das ist, als ob man in einem Socken steckt, den man selbst immer enger strickt. Irgendwann kann man dann selbst nicht mehr atmen. big_haekeln

Ich gehe den Weg der größtmöglichen Gelassenheit und Offenheit. Natürlich muss man nicht ALLES dem Partner anvertrauen. Jeder hat seine kleinen Geheimnisse. Aber alles, was die Beziehung direkt betrifft, wird offen und klar auf den Tisch gelegt. Das ist bei meinem Mann auch nötig, weil er zur ängstlichen Eifersucht neigt. Daher sage ich ihm immer ganz klar, wie, wo, was, wann.
Er hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einer Frau gemacht, die ihn ausgenutzt und betrogen hat. Da es mir ähnlich ergangen ist, kann ich die Gefühle, die man da hat, gut nachvollziehen.

Er weiß mittlerweile, dass er sich 100%ig auf mich verlassen kann. Dass das, was ich sage, immer ehrlich ist und ich nicht mit irgendwelchen Ausreden oder Heucheleien agiere.
Wir haben uns mit dem Kennenlernen Zeit gelassen und so sind wir langsam zusammen gewachsen. Heute haben wir eine enge Bindung.
Wünsche allen einen schönen Herbst! Ozapft is!
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ellen71
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