Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rosenquartz4 » Di 22. Mär 2016, 14:50

Momentan habe ich das Problem zu überlegen, in wie weit muss man sich anpassen im Leben und in wie weit sollte man sein Leben (von dem ich erstmal ausgehe das ich nur das eine habe) selber leben kann und soll. Um mal ein banales Beispiel zu nennen: Ich möchte mir schon länger ein Tattoo stechen lassen. Nun bin ich schon seit längerer Zeit aus dem Alter raus, in dem man das im allgemeinen machen lässt icon_winkle
ausserdem möchte ich eines das man so ziemlich immer sieht. Soll ich das machen? Habt ihr Tattoo? Warum? Haben sie eine besondere Bedeutung?
Ich möchte gerne durch die Welt reisen, andere Orte sehen, Menschen und Kulturen kennen lernen, aus dem "immer Gleichen" raus da ich ja nur dieses eine Leben habe und vermutlich so ziemlich in der Mitte meines Lebens bin. Wo tretet ihr aus dem raus was "man" tut um euer eigenes Ding zu machen? Wo nehmt ihr euch die Freiheit einfach hochsensibel zu sein, ohne große Erklärung oder sich doch anzupassen und über die eigenen Grenzen zu gehen weil das eben "normal" ist?
Ich freue mich auf eure Antworten und über Austausch! :-: _rosegirl_
Rosenquartz4
 

Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Steffee » Di 22. Mär 2016, 17:57

Wenn du dir ein Tattoo stechen lassen willst, dann tue es doch! Wenn das dein Wunsch ist, dann erfüll ihn dir! Ist doch egal, was andere denken oder sagen können, solange du dich selbst damit wohlfühlst und es dich glücklich macht, ist doch nichts falsches dran. Ebenso zu reisen - mach es! Nichts hält dich auf und nichts sollte dich auch daran hindern!

Ich lerne das auch gerade, einfach das zu tun, was ich will und nicht das, was andere für richtig halten. Z.b. im Regen raus zu gehen, in den Wald, wenn ich seltsamerweise das Bedürfnis danach habe. Egal, wenn meine Eltern mir sagen, ich sei verrückt, egal wenn ich mir ne Erkältung hole - ich bin volljährig und es ist meine eigene Verantwortung, nicht ihre! - egal, was andere denken könnten, wenn sie mich da draußen an einem Baum mitten im Schnee sitzen sehen, während sie das warme Haus aufsuchen. Wenn ich das Bedürfnis danach habe, dann tue ich es halt. Es sollte nur nicht unüberlegt oder wagheilsig sein, das, was man tun möchte oder vor hat, Man sollte denke ich, immer wissen und sich immer Bewusst machen, was man da eigentlich tut und abwägen, ob es wirklich gut für einen ist. Aber sollange es einen wirklich glücklich macht, ist es doch in Ordnung, egal wie verrückt es auch ist. Oder nicht?

Gruß Steffee :)
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Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rosenquartz4 » Di 22. Mär 2016, 19:54

Liebe Steffe,
vielen dank für deine Antwort. Ja, eigentlich weiß ich ja das man tun sollte was man möchte. Ich bin auch immer gut darin anderen zu sagen was gut ist oder wäre. Geht es um mich selber, ist das ne ganz andere Hausnummer. Ich weiß auch immer ganz gut wie man andere motiviert, wie man ihnen sagt was ihnen gut tut. Selber für mich hab ich das Gefühl eher kleiner zu werden, als zu wachsen.
Als ich jünger war, konnte ich damit irgendwie besser umgehen.
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Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rauhnacht » Di 22. Mär 2016, 20:52

Ich stimme Steffee vollkommen zu,

es nützt nichts sich zu verstellen oder ein Leben zu leben das nicht das eigene ist. Wenn du es schaffst bei den wichtigen Dingen über deinen eigenen Schatten zu springen tut dir das sehr gut!
Habe das mit dem Reisen am Anfang auch als abwegig erachtet und hab davor zurückgeschreckt und jetzt war ich schon in vielen tollen Ländern :)

Im Alltag schaue ich, dass ich immer mal wieder Sachen mache die mich etwas rausreißen aus dem Trott. Manchmal geh ich mitten in der Nacht raus zum fotografieren oder mit meinen Freunden in völlig abwegige Bars. Und dann versuche ich (leider aufgrund des Geldes immer weniger) ins Ausland zu gehen.

Denke da tickt jeder von uns anders und muss seine eigenen "Auszeiten" finden. Schau doch mal was für dich funktioniert, wenn das mit dem Reisen dich interessiert dann probiers erstmal im Kleinen aus und steiger dich dann. Man ist nie zu "alt" für etwas, das wird dir von der Gesellschaft vorgeschrieben aber machen kannst du was du willst :)
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Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rosenquartz4 » Di 22. Mär 2016, 22:29

Hach ihr lieben, ich weiß das ja alles. Ich war schon so viel unterwegs, in so vielen Ländern. Letztes Jahr in Afrika, eine ganze Zeit in Australien, dieses Jahr geht es weiter. Es geht glaube ich auch weniger um mich persönlich als um die Umstände. Mein Mann tickt fast völlig anders als ich. Zudem kommt dazu das wir viele Kinder haben und man da nicht einfach so weg kann. Selbst im Alltag ist das einfach schwer. Ausserdem reichen die "freien" Vormittage nicht um genug Luft zu holen. Da ist so viel zu tun was eben getan werden MUSS.
Früher konnte ich die HS wirklich richtig geniessen. Habe getan wonach mir war, fühlte mich freier.
Ich versuche auf jeden Fall meine Kinder so zu erziehen das sie nicht viel drauf geben was andere finden sondern das sie auf sich und ihr Herz hören. Leider habe ich das ab einem gewissen Punkt nicht mehr getan.
Ich wollte immer frei sein mit meiner Familie. Das ich Kinder möchte war nie eine Frage und um jedes einzelne mussten wir kämpfen. Aber ich wollte immer aus diesem Schulsystem raus, wollte nicht, dass sie zur Schule müssen. Aber das wäre ein neues Thema. Nun hadere ich damit das ich das nicht durchgesetzt habe, das ich nicht dafür gekämpft habe das wir das durchziehen. Nun gut, jetzt muss ich damit leben und finde es nur schrecklich, das ich nicht den Arsch in der Hose hatte, ihnen das zu ersparen.
Sorry für das Ausschweifen, musste mal raus.
Es ist glaube ich bei mir dieses Ding: Du hast nicht alles versucht und getan obwohl es ginge, obwohl du nur dieses eine Leben hast. Versteht mich da jemand?
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Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rauhnacht » Di 22. Mär 2016, 23:13

Die Schule wird deinen Kindern guttun. Wenn die da ins richtige Umfeld kommen werden sie gute Erfahrungen machen wie das später im Leben läuft. Gerade als HSP ist es wichtig nicht nur in Watte gepackt zu werden, das böse Erwachen kommst sonst später im Leben (sieh das jetzt nicht als Kritik an deiner Erziehung, so sehe ich das in jedem Fall :) ). Die Schulzeit besteht nicht aus nur schlechten Erfahrungen sondern auch in guten und erfüllenden, die Kinder finden Freunde (vielleicht aucht fürs Leben) und lernen sich selbst besser kennen.

Das was du so beschreibst ist soetwas wie "Lebensperfektionismus". Du kannst auch nicht alles machen und schaffen, manchmal zeigt es sich ja auch erst Jahre später, dass etwas so besser war.
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Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rosenquartz4 » Di 22. Mär 2016, 23:55

Meine Kinder sind bis auf eines bereits in der Schule, 2 auf der weiterführenden Schule. Ich weiß also wovon ich spreche. Und ich bin der Meinung das Kinder denen es als Kindern gut ging, es als Erwachsene wesentlich einfacher haben Im Leben. Natürlich haben sie es im Elternhaus gut aber ich bin nicht Verfechter der Meinung "Nur die Harten kommen in den Garten". Nein, man muss nicht als Kind gemobbt worden sein oder andere negative Erfahrungen in der Schule gemacht haben um sich selbst kennen zu lernen. Oder um möglichst früh zu wissen das das Leben eben hart ist. Das eine Kind kommt mit Schule super zurecht, das andere eben nicht, und für beides muss es meiner Meinung nach Lösungen geben. Wir als HSler möchten ja auch genauso akzeptiert werden wie die nicht HSler es werden. Nur weil man nicht die Meinung der Masse teilt, heisst das nicht das das nicht auch ok ist. Jedes Kind, jeder Mensch braucht etwas anderes.
Das mit dem Perfektionismus werde ich nochmal eingehender für mich beleuchten. Danke für den Denkanstoß.
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Re: Wie geht ihr mit eurem "anders" sein um?

Beitragvon Rauhnacht » Do 24. Mär 2016, 09:25

Ich habe ebenfalls schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht, aber ohne Schule hätte ich meine besten Freunde die ich bis heute habe niemals kennengelernt. Und gegen später dann zum Großteil positive und angenehme Erfahrungen.
Das mit dem "in Watte packen" habe ich nicht so krass gemeint, dass das Kind sich durchkämpfen soll auch wenn es starke Probleme hat. Solche extrem negativen Erfahrungen wie Mobbing sollte es natürlich nicht durchstehen müssen das ist ganz klar. Aber zu lernen wie andere Menschen funktionieren ist nicht schlecht...


Im Rest stimme ich dir vollkommen zu, gerade als HSP müsste man bei Problemen eine Möglichkeit haben HSP etc. ausweichen zu können. Vielleicht eine Privatschule? Da sind normalerweise normalere Kinder als auf staatlichen Schulen und die Klassen sind nicht so arg überfüllt.
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