Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon Sylvie » Sa 15. Sep 2012, 09:31

Hallo liebe HSPler,

gestern hatte ich den Mut es meinem Freund zu erzählen, dass ich hochsensibel bin. Er war gelangweilt, hatte ich den Eindruck, vermutlich weil ich öfter mit so selbstreflektierten Erkenntnissen über mich und meine Gefühlswelt um die Ecke komme. Er selbst ist meiner Ansicht nach eher niedersensibel - tja, Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. _%_ Hat mich richtig geärgert! Als ich ihn fragte, ob es ihn nicht interessiert, hat er es verneint. Aber wie ich nun lernen durfte, ist eine unserer Fähigkeiten intuitiv DAS wahrzunehmen, was er eben nicht ausspricht. Und sein gelangweilt-sein ist mir quasi ins Gesicht gesprungen! Grrrr.... wie habt ihr Euch damit geoutet und wie haben andere es empfunden? Ich habe das Gefühl er nimmt es nicht ernst und das verletzt mich und macht mich wieder wütend. Meine Eltern und Familie würden ebenso reagieren, da bin ich mir sicher... Ich bin ein wenig ratlos und befürchte, dass es bei anderen als Ausrede ankommt, dass ich mich so oft zurückziehen muss und so oft müde bin etc. _nüxweiss_
Sylvie
 

Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon Anke » Sa 15. Sep 2012, 10:53

Hallo Silvie,

zunächst einmal ein herzliches sm_06 für Dich! Mit dieser Erfahrung der Reaktion des direkten Umfelds stehst Du leider nicht alleine da...

ich habe mal die Threads rausgesucht, die sich mit der gleichen bzw. mit einer ähnlichen Frage beschäftigen. Vielleicht bekommst Du neben den Antworten hier auch dort die eine oder andere Anregung _thum_

Mit Freunden über HS sprechen

Mit anderen darüber reden

Wie erklärt man einem Normalo was es heisst HSP zu sein

Wer weiß das ihr HSP seid?


Schöne Grüße

Anke
Anke
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Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon Sylvie » Sa 15. Sep 2012, 14:52

Liebe Anke,

vielen Dank - vielleicht hätte ich doch erst einmal suchen sollen. Aber auf der anderen Seite brennen in mir seit der Erkenntnis so viele Fragen und ich habe so ein großes Bedürfnis darüber sprechen zu wollen, dass mir nur lesen gerade nicht ausreicht. Puhhh... schwer auszuhalten gerade! ;-)
Sylvie
 

Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon Anya » Sa 15. Sep 2012, 20:14

Hallo Sylvie,

tja, ich teile Deine schlechten Erfahrungen. Reaktionen von ansonsten sehr an Therapie, Selbsterkenntnisgruppen, gesundheitspräventiven Maßnahmen interessierten Freundinnen waren ablehnend.Ich solle nicht so überspannt tun (Kreisch!!!wo sind hier die entsprechenden smilies?), ich solle mich nicht so anstellen- jeder ist mal müde, das gibt es doch gar nicht, den Begriff hast Du Dir jetzt doch ausgedacht ...Im Übrigen schildere ich hier ausnahmslos die Reaktionen von akademisch gebildeten Menschen. Schlimm auch: trink ein Glas Wein- das beruhigt Dich dannn schon.Graus oh Graus.
Ganz toll der Rat meiner (hm leider damals) besten Freundin: ich finde, Du solltest mindestens 6 Wochen stationär Therapie machen. (Dazu nur so viel: sie hat vor 8 Wochen den Kontakt zu mir vorerst (!) eingestellt, ohne Begründung,nur mit der Bemerkung:ICH melde mich...)
Der einzige Mensch (neben meiner Tochter, was ich an anderer Stelle ausführlich schrieb ..sie auch HSP)ist ein Arbeitskollege mit dem ich unsere Gaben ohne Worte teile. Wir sind oft abseits der restlichen Kollegen, also gehen zu anderen Zeiten essen oder rauchen, reden aber schweigen auch zusammen.Er erzählt mir von seinen Wochenenden, die er meistens alleine verbringt ...etc.Die Pausenzeiten mit ihm sind eine Oase.)Weder er noch ich spfrechen HSP jedoch an- zwischenuns ist das auch unnötig, es ist klar. Diese Beziehung gefällt mir sehr (ich denke ihm auch). Mal Nichts erklären, keine erregten Reaktionen auf Berichte aus meinem oft sehr von Alleinsein geprägtem Leben.Alleine, das mir erspart bleibt HSP zu benennen ist eine wahre Freude. Ich suche jetzt eine Gruppe an meinem Wohnort. Ich möchte mich nicht weiter im niedrigsensiblen Gebiet erklären.
Falscher Rückzug? Was meinst Du/Ihr?
Liebe Grüße.
Anya
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Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon dadiweb » Sa 15. Sep 2012, 20:46

Bei mir war eigentlich niemand überrascht.. der Ausdruck "zu zart besaitet" läuft mir eh schon seit frühester Kinheit überallhin nach _12_

Was mich eher nervt, ist es das einige Leute in meinem Umfeld nicht verstehen wollen, dass das keine Krankheit an sich ist.. sondern das meine "Probleme" , von den Panikattacken bis zu den Depressionen, daraus stammen, dass ich halt eben mit der Übersensibilität nicht richtig umgegangen bin bis jetzt (und sie auch nicht). Die typische Reaktion in den letzten Wochen, seit ich versuche, mich bewusst zurückzuziehen wenn es mir zu viel wird, und nicht die Zähne zusammenbeisse und weiter leide, ist "bist du sicher, dass du nicht wieder auf die Medikamente gehen solltest?". Ich bin den meisten halt sympathischer und problemloser wenn ruhiggestellt.. aber auch ohne das zu unterstellen, Normalos sind sich halt sicher, dass es einfach gesünder ist, so zu sein wie sie, und sie meinen das in guter Absicht.
dadiweb
 

Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon Sylvie » Sa 15. Sep 2012, 21:13

Liebe Anya,

das klingt für mich traurig, was du schreibst. Traurig, weil du bis auf deinen Kollegen anscheinend keinen Menschen in deinem Leben hast, dem du dich öffnen kannst bzw. so sein kannst, wie du bist. Es klingt auch so, als hättest du die Nase voll davon ein HSP zu sein bzw. dich dauernd erklären zu müssen. Ich kann verstehen, dass du dich dann von diesen unsensiblen Menschen distanzieren möchtest. Falscher Rückzug ist das für mich nicht. Denn so sehe ich das in meinem Leben auch seit einiger Zeit, auch bevor ich wusste, was mit mir los ist. Ich habe begonnen, die Energieräuber (und in die Kategorie packe ich jetzt mal die von dir beschriebene Sorte Mensch) auszusortieren. Natürlich bleiben schlussendlich nicht mehr viele Menschen übrig, die mich so akzeptieren, wie ich bin und mich nicht leer saugen. Noch dazu ist meine Familie leider auch sehr, sehr belastend und die kann und will ich nicht wegschieben (aber zum Glück wohne ich mittlerweile am anderen Ende von D. _thum_ ). Aber anders als du bin ich ungern allein - im Gegenteil: ich brauche viel sozialen Kontakt, ansonsten gehe ich ein wie eine Butterblume. _J(_

Ich habe darüber nachgedacht und mich entschlossen, dass ich meiner Familie nichts davon erzählen werde, da es keinem gut tun würde. Meine Mutter würde sich wie immer unnötig um mich sorgen und ich hätte mal wieder ein schlechtes Gewissen ihr diese Sorgen zu bereiten. Mein Vater und meine Geschwister würden mir einen Vogel zeigen. Meinem Partner erzähle ich davon, auch wenn er es anscheinend etwas belächelt, er wird es schon noch merken. _yessa_ Meinen engsten Freunden erzähle ich auch davon - die werden es verstehen, denke ich. Eine davon ist ja selbst ein HSP, denn wir haben den Test zusammen gemacht. War lustig! _biggthump_up und bei der anderen vermute ich das auch! Die muss den Test noch machen.

@dadiweb, in welchen Situationen musst du dich zurückziehen? Ich habe heute einige Situationen bei mir beobachtet. _grin_
Sylvie
 

Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon dadiweb » Sa 15. Sep 2012, 21:31

Sylvie hat geschrieben:
@dadiweb, in welchen Situationen musst du dich zurückziehen? Ich habe heute einige Situationen bei mir beobachtet. _grin_


Da gibt es viele.. aber im familiären Umfeld ist es meistens entweder zu viel lauted Durcheinanderreden (wir haben jeden Sonntag Familienessen, und sind immer mindestens 10 Leute, davon wenigstens 4 Kinder..) oder emotiv geladene Diskussionen. Ich habe ein "krankhaftes Harmoniebedürfnis" (O-Ton meine Familie) und werde halb wahnsinnig wenn alle sich fieses Zeug an den Kopf schmeissen (das sie zu 99% gar nicht meinen, aber manchmal diskutieren Normalos halt einfach der Freude am Diskutieren wegen und achten da nicht so auf Feinheiten ..) Wenn die Spannung oder die Lautstärke steigt, hau ich ab. Und alle sind sich auf einmal wieder einig, dass die Dagmar doch einfach zu empfindlich ist.. _violent4_
dadiweb
 

Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon chlorophyll » Sa 15. Sep 2012, 23:42

Das ich hochsensibel bin spielt für meine Mitmenschen keine Rolle, deshalb würde ich da auch niemals mit jemandem drüber reden. Ich kann nicht erwarten eine Extrawurst zu bekommen. Der Informationsgehalt von „hey ich bin hochsensibel“ ist für jemanden, der nicht hochsensibel ist gleich null und verwirrt die Menschen nur egal wie nahe sie einem stehen da sowieso niemand nachvollziehen kann wie HS ist. Im schlimmsten Fall macht man sich einfach nur lächerlich, speziell wenn die Umgebung sowieso schon davon überzeugt ist das man gern über sich selbst nachdenkt. Das wird dann schnell als Marotte abgetan und man rutscht direkt ein paar Punkte in der internen Zurechnungsfähigkeitsskala der Mitmenschen ab.
chlorophyll
 

Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon streunerin » So 16. Sep 2012, 08:32

dadiweb hat geschrieben:
Da gibt es viele.. aber im familiären Umfeld ist es meistens entweder zu viel lauted Durcheinanderreden (wir haben jeden Sonntag Familienessen, und sind immer mindestens 10 Leute, davon wenigstens 4 Kinder..) oder emotiv geladene Diskussionen. Ich habe ein "krankhaftes Harmoniebedürfnis" (O-Ton meine Familie) und werde halb wahnsinnig wenn alle sich fieses Zeug an den Kopf schmeissen (das sie zu 99% gar nicht meinen, aber manchmal diskutieren Normalos halt einfach der Freude am Diskutieren wegen und achten da nicht so auf Feinheiten ..) Wenn die Spannung oder die Lautstärke steigt, hau ich ab. Und alle sind sich auf einmal wieder einig, dass die Dagmar doch einfach zu empfindlich ist.. _violent4_



Liebe Dagmar,

Du sprichst mir aus allertiefster Seele. Familienfeste waren für mich seit ich denken kann eine einzige Qual. Ganz
besonders schlimm fand ich das Getratsche bevor alle eintrafen und das selbige nach dem Fest. Meine Eltern taten dies ruecksichtslos in meiner Gegenwart. Sie zogen einzelne Personen durch den Kakao, wie sie angezogen waren, was für Geschenke sie dabei hatten und dann ging es oft in die Tiefe, ganze Lebensgeschichten, die ich längst auswendig kannte, wurden immer wieder ausgepackt und mit angeblich neuen Aspekten verziert.
Ich litt als Kind unsäglich, wenn ich den betreffenden Personen dann gegenüber stand wurde ich rot und brachte kein vernünftiges Wort mehr raus. Dann hieß es ich sei komisch. Oft hatte ich so große Angst vor dem Eintreffen bestimmter Personen, dass ich mich in meinem Zimmer verkroch, manchmal war es so schlimm, dass ich mit Übelkeit und Herzrasen zu kämpfen hatte.
Ich bin das schwarze Schaf in meiner Familie. Ein Glück hatte ich die Kraft den Kontakt abzubrechen, aber leicht war es nicht.

Aktuell erfuhr ich, dass meine Mutter im sterben liegt und mich enterbt hat. Auf ihren Wunsch hin war ich vor vielen Jahren beim Notar und setzte das Testament meiner Grosseltern ausser Kraft, sie hatten mich als Alleinerbin eingesetzt und damit waren meine zwei Halbgeschwister vom Erbe ausgeschlossen, was ich ungerecht fand.
Nun habe ich wieder den altbekannten Druck am Hals und den Schmerz in der Magengrube. Es geht mir nicht um materielle Dinge, ich bin finanziell sehr gut abgesichert, es ist die Zurückweisung die mir sehr weh tut, aber das interessiert in meiner Familie niemand.

Liebe Grüße
Streunerin
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(Stefan Zweig 1881 - 1942)
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Re: Wie habt ihr es Euren Lieben erzählt??

Beitragvon Cassy5 » So 16. Sep 2012, 10:03

Also ich wollte am Anfang jedem, der mir wichtig ist erklären/erzählen das ich hs bin. Ganz einfach weil ich finde, dass dinge viel realer werden wenn man sie jemandem erzählt, so sind sie nicht nur im eigenen Kopf. Doch bei mir kam so ungefähr die selbe Situation wie bei dir. Einmal wurde ich ausgelacht , aber ernstgenommen wurde ich nie. Nun ja, ich weiß nicht mher wer es war der das neulich hier mal geschrieben hatte, aber ich fand es ziemlich weise. Dieser jemand hat geschrieben: Es ist nicht wichtig das die Leute wissen, dass wir hs sind. Sie müssen nur mit unserem Verhalten klar kommen.

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