Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon CoyoteKisses » Di 10. Mär 2015, 22:34

Hallo!
Ich bin neu im Forum und entschuldige mich wenn es schon so ein ähnliches Thema hier gibt!

Ich wollte euch fragen, wie offen ihr mit eurer Hochsensibilität umgeht?
Meine Wahrnehmung prägt sich sehr aufs Gehör aus, weswegen ich sehr schreckhaft bin und bei Geräuschen sehr extrem reagiere, was öfter mal Lacher in der Schule mit sich zieht ... (ist halt nicht normal das jemand extrem zusammenzuckt nur weil jemand hustet _läch_ )
Bisher weiß "nur" mein Freund und meine Mutter davon, sie war diejenige die mich mit diesem Thema vertraut gemacht hat.
Weiß euer Freundeskreis davon? Ab und zu denke ich es würde einiges Einfacher machen, wenn ich zum Beispiel nicht auf einen Geburtstag mit will.

Ich würde sehr gerne mal wissen wie sehr eure Mitmenschen darüber "bescheid wissen", da ich gar keine Ahnung habe bei wem es "normal" ist sowas zu erzählen :'D Mir ist das ganze auch immer noch etwas unangenehm...

Habt noch einen wundervollen Tag,
Marie
CoyoteKisses
 

Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon Logi » Di 10. Mär 2015, 23:27

Hallo Marie und wilkommen :-)

Ich denke, ein offener Umgang damit ist sehr wichtig. Einerseits für dich, da es der erste Schritt dahin ist sich selbst und seine „Andersartikeit“ zu akzeptieren. Andererseits für deine Mitmenschen, damit diese verstehen können, warum du „übertrieben“ sensibel auf deine Umwelt reagierst. Das hilft ihnen selbst wiederum angemessen mit dir umzugehen.

Da du aber noch etwas jünger zu sein scheinst, würde ich zur angemessenen Vorsicht raten sich schon als HSP einzustufen. In der Regel ist es ratsam sich erst einmal selbst verstehen zu lernen und zu entdecken, bevor man sich voreilig in eine Schublade steckt. Ich denke, den Fehler machen selbst viele ältere HSP, dass sie sich zu sehr mit diesem Begriff identifizieren.

Viele Grüße,
Logi
Logi
 

Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon little_mouse » Mi 11. Mär 2015, 11:33

Hallo Marie.

Ich weiß erst seit knapp einem Jahr von meiner Hochsensibilität. Diese Zeit habe ich auch gebraucht, um mich erst einmal selbst mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe mich selbst nochmal neu kennen gelernt, habe meine Vergangenheit reflektiert und mir Gedanken darüber gemacht, wie es in der Zukunft weitergehen wird. Die ersten Personen, denen ich von meiner Veranlagung erzählt habe, waren ebenfalls mein Freund, meine Eltern und meine Schwester. Mittlerweile fange ich langsam an, auch meinen engsten Freunden zu erklären, warum ich so bin wie ich bin. Das ist natürlich sehr wichtig, damit sie mich besser verstehen und nicht denken, dass sich meine Reaktionen gegen sie persönlich richten.

Seit wann weißt du von deiner Hochsensibilität? Ich stimme Logi zu, dass du vielleicht erst einmal Zeit brauchst, um die neue Erkenntnis sacken zu lassen und dich selbst erst einmal ein Stück besser kennen zu lernen und dich mit deiner Veranlagung zurecht zu finden. Wenn du das schon getan hast, kannst du - wenn du ein gutes Gefühl dabei hast - langsam anfangen deinen engsten Freunden von deiner Hochsensibilität zu erzählen. Du wirst merken, dass dir ein Stein vom Herzen fällt und du dich endlich nicht mehr anpassen und verstellen musst. Jedem musst du natürlich nicht von deiner Veranlagung erzählen, nur den Menschen, denen du absolut vertrauen kannst.

Ich wünsche dir alles Gute auf diesem Weg!
Jasmin
little_mouse
 

Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon CoyoteKisses » Mi 11. Mär 2015, 19:08

Vielen lieben Dank für eure Antworten! :)

Ich werde jetzt bald 19 und habe erst vor einem knappen halben Jahr das erste mal was von Hochsensibilität gelesen. Von daher ist das ganze bei mir noch recht "frisch" ;)
Ich denke auch, dass ich erstmal noch Zeit brauch, um mich komplett auf dieses neue Thema einzulassen (wobei mir dieses tolle Forum bestimmt helfen wird ;) ) und ich stimme euch auch zu, dass es wohl wichtig ist es nach und nach seinem engen Freundeskreis etc. zu erzählen.
CoyoteKisses
 

Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon Zora93 » Do 12. Mär 2015, 17:51

Ich (w, 21) weiß nun seit ca. einem Dreiviertel Jahr von meiner Hochsensibilität und habe es nur meinen Eltern und meiner Cousine und einer sehr guten Freundin erzählt. Teilweise bereue ich es etwas, weil so manche Reaktion nicht so ausgefallen ist, wie ich es mir gewünscht hätte und mir das manchmal noch nachläuft; aber auch das sollte ich eben akzeptieren. Deshalb habe ich mittlerweile für mich herausgefunden, dass ich es nicht noch weiteren Freunden erzählen mag, sondern vielmehr einfach zeige, wie ich bin. Um ein Beispiel zu nennen: Statt zu sagen, dass ich hochsensibel bin, sage ich lieber, mir ist es hier zu laut/ ich mag keine Menschenmassen etc.. Damit zeige ich einfach, wie ich bin und was ich fühle ohne diesen Begriff und mich erklären zu müssen. Mir geht es damit sehr gut, vor allem, weil ich früher schlechter sagen konnte, was ich mag/ nicht mag.
Zora93
 

Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon Susa » Fr 13. Mär 2015, 12:23

Zora93 hat geschrieben:Deshalb habe ich mittlerweile für mich herausgefunden, dass ich es nicht noch weiteren Freunden erzählen mag, sondern vielmehr einfach zeige, wie ich bin. Um ein Beispiel zu nennen: Statt zu sagen, dass ich hochsensibel bin, sage ich lieber, mir ist es hier zu laut/ ich mag keine Menschenmassen etc.. Damit zeige ich einfach, wie ich bin und was ich fühle ohne diesen Begriff und mich erklären zu müssen. Mir geht es damit sehr gut, vor allem, weil ich früher schlechter sagen konnte, was ich mag/ nicht mag.


das finde ich eine gute Lösung, hab mit der Variante auch gute Erfahrungen gemacht. Denn ich denke, das Thema Hochsensibilität lässt sich nicht einfach mal so erklären. Ist ein sehr komplexes Thema, und ich denke mir, für diejenigen, die es nicht so interessiert und sich in die Thematik einfühlen können, klingt es dann schnell nach "Geschwafel". Da lieber einfach sagen, mir ist es hier zu laut/ hektisch/ .... , das spart lange Erklärungen und ist für viele nachvollziehbarer.
Ich hab versucht, es meinem Freund zu erklären, aber er konnte auch nicht viel damit anfangen. Aber wenn ich ihm sage, ich will heute nicht mit zu dem und dem Treffen, mir wird es zu viel, kann er das ehrr nachvollziehen. Weil er ja einfach auch weiß, dass ich schnell durchhänge.
Bei meiner Familie hab ich das auch angesprochen, aber hauptsächlich deswegen, weil wohl 4 von 6 ebenso ticken. Dss war toll, da gemeinsam gewissen Situation unter einem anderen Licht zu betrachten.
Bücher müssen schwer sein, weil die ganze Welt in ihnen steckt. (Cornelia Funke: "Tintenherz")
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Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon derya » Do 2. Jul 2015, 15:59

Ich gehe nicht offen mit meiner HSP-Eigenschaft um, sage dann aber wie Zora, dass es mir irgendwo zu laut ist, ich keine Menschenmassen mag, mich die grelle Sonne stört oder so etwas in der Art.

Auf der Arbeit halte ich mich da total bedeckt und bei meiner schnell verurteilenden und abwertenden Familie auch.
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Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon Equilibrium » Fr 3. Jul 2015, 06:00

Sehr offen, ich zeige mich wie ich bin und ich mache damit gute Erfahrungen. In welcher Form ich das tue variiert je nach Mensch und Situation. Mal zeige ich es, mal liegt der Fokus auf der Empathie, mal auf allgemeiner Hochsensibilität, mal auf meinem Weltempfinden und manchmal lass ich all das auch bleiben und spreche nicht davon.
Es gehört zu mir, es prägt meine Art zu fühlen, zu denken und zu sein. Oft wissen Andere solche Dinge bereits, aber sie haben dafür keine Erklärung also bleibt ein Gefühl von "anders" oder "komisch" zurück. Darüber zu sprechen weckt Verständnis, bietet eine Erklärung für das undefinierte Empfinden.

Was Logi schreibt, finde ich gut. Du solltest dich selbst damit sicher fühlen, dich verstanden haben, dann kannst du es angemessen kommunizieren. Was fühlt sich für dich Stimmig an?
Findet euch selbst, seid ihr selbst, folgt euren eigenen Eingebungen und Impulsen, nichts und niemand anderem. Zerstört alle Bilder, die ihr euch von euch selbst, von den anderen und von den Rollen der Geschlechter gemacht habt, und vertraut dem Wildwuchs eurer eigenen Natur.
Safi Nidiaye


-->Ich bin hier nicht mehr aktiv. Du darfst mir jedoch gern eine Email schreiben. Ich bin offen für Austausch über das Nichtalltägliche.
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Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon katrin.blume » Fr 3. Jul 2015, 19:21

Meine Erfahrung ist, dass viele Menschen mit dem Begriff Hochsensibilität nichts anfangen können. Oder es nicht ernst nehmen bzw. es ins Lächerliche ziehen. Darum überlege ich gut, wem ich davon erzähle. Wenn man ein sehr gutes Selbstbewusstsein hat, kann man sicherlich total locker damit umgehen und dazu stehen. Doch ich mache mich ungern verletzlich. Für mich ist so etwas schon ein wenig persönlicher. Natürlich merken es auch viele Leute im Umgang mit mir, wenn ich auf Geräusche, Gerüche oder Bemerkungen empfindlicher als andere Menschen reagiere.
"Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es.
Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft.
Beginne es jetzt." (J.W. von Goethe)
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Re: Wie offen geht ihr mit eurer Hochsensibilität um?

Beitragvon Golbin » Fr 3. Jul 2015, 22:53

Hallo

ich erzähle es offen, wenn sich eine Gelegenheit gibt. ES gibt positive Rückmeldung, aber auch Unverständnis. Letzteres ist weniger Unhöflichkeit oder Ablehnung, sondern basiert darauf, dass sich viele Menschen nicht vorstellen können, wie das ist, HS zu sein. Manchmal sende ich denen den folgenden Link auf einen Comic zu:
http://www.mycomics.de/comic-pages/5117 ... 1/mode/1up

Auch wenn er HS pauschal darstellt, macht er die Grundzüge gut verständlich. Was ich auch schon an Reaktonen hatte, war, dass man solche Menschen kenne. Dann kommt es durchaus zu tieferen Gesprächen.

Was für mich immer wieder bei all diesen Mitteilung ist, immer daran denken, dass Nicht-HSPs eben nicht aus eigener Erfahrung wissen können, wie das ist, wenn man so empfindet und wahrnimmt.

Gute Nacht
Wolfgang
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Toleranz ist zu akzeptieren, dass dieselbe Welt für uns unterschiedlich ist.
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