Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Weltfremder » Di 27. Aug 2019, 22:46

Hallo,

ich habe hier ja schon etwas rumgestöbert und war dann doch etwas verwundert,um nicht zu sagen, enttäuscht, dass gerade in der Pubertät HSPs sich kaum von anderen abheben, oder halt nur manche. Ich selbst bin ja wohl auch Asperger, was bei mir im Vordergrund steht, und bei uns Autisten ist die Pubertät schon sehr anders als bei den Normalos, weswegen ich die Normalos seitdem auch kaum noch verstehe, noch weniger als vorher schon. Bei Asperger-Autisten findet die psychische Pubertät kaum statt oder nicht sichtbar. Also diese typischen negativen Verhaltensweisen von Pubertierenden kommen bei Aspergern kaum vor. Streit mit meinen Eltern hatte ich z.B. im selben Maße wie auch schon mit 10 oder 11, da hat es keine wirkliche Steigerung gegeben. Vielleicht haben sich dafür andere mit ihren Eltern bis zur Pubertät blendend verstanden und während der Pubertät dann gar nicht mehr? Auch solche Sachen wie Ausgehen, Trinken, Disko oder sogar Drogen nehmen sind nicht die Regel bei uns. Die meisten Autisten machen sowas nicht. Allerdings ist es glaube ich nicht allein hormonell bedingt, sondern hängt vom Umfeld ab. Die Autisten, die trotz allem einen Freundeskreis haben, passen sich eher an und machen dann auch bei solchen Sachen mit, allein schon aus Gruppendruck usw. Man wird ja stark beeinflusst von den Menschen, mit denen man zu tun hat. Man wird ihnen immer ähnlicher. Das ist auch bei HSPs so, denke ich. Also wenn jemand eher so der Einzelgänger ist, dann verhält und entwickelt er sich in der Jugend logischerweise anders, denn viele Sachen, die da so typischerweise ablaufen, werden ja in Gruppen erlebt, in Cliquen usw., und wer solche Kontakte nicht hat, bei dem fällt das weg oder kommt später. Es soll ja auch Leute geben, die erst später einen draufmachen, wo die wilden Jahre in den Zwanzigern eintreten, ich habe vor kurzem gelesen, manche sollen dann in den Wechseljahren plötzlich aufdrehen, und dann ihre recht brave Jugend ausgleichen. Kann ich mir für mich persönlich nicht so richtig vorstellen. Also wahrscheinlich liegt es daran, dass HSPs meist doch ein paar Freunde haben und dann in diesem pubertären Strudel mitgerissen werden. Vielleicht ist das so zu erklären.

Was z.B. bei mir auch nicht war, ist dieses bewusste, offene Rebellieren gegen die Eltern. Ich hatte, wie ich andeutete, auch schon vor der Pubertät eine kritische Distanz zu ihnen. Auf jeden Fall sind wir uns nicht mehr so nah wie früher, das ist also bei mir ähnlich gelaufen wie anderen, im Endeffekt. Rebelliert habe ich auch eher so innerlich, habe mich von der ganzen Welt zunehmend distanziert und abgegrenzt, und übernahm auch weltanschaulich und politisch kontroverse Ansichten, die nicht gut ankommen, auch bei anderen Jugendlichen nicht. Auch eine Art von Rebellion. Das alles ist bis heute so, bin jetzt 19 und fühle mich auch noch nicht so 100% erwachsen.

Was mich in der Pubertät störte, war zunehmend so ziemlich alles. Ich sagte ja schon, dass ich vorher schon sozial isoliert war, aber so mit 11,12,13 fand ich einige Mitschüler etc. schon noch nett und hätte mir theoretisch eine Freundschaft vorstellen können. Dann in der Pubertät war ich ziemlich entsetzt, wie sich die Leute gehen ließen, gerade von den netteren Leuten hätte ich anderes erwartet. Die Distanz zwischen mir und anderen wurde ungemein größer, Gemeinsamkeiten gab es kaum noch. Ich wusste auch nicht, was ich mit denen zusammen machen könnte, die machten ganz andere Sachen als ich und das meiste davon fand ich auch nicht gut. Zumal ich in der Zeit auch besonders gläubig wurde. Ich denke, die Pubertät ist für Leute, die ihren Glauben währenddessen nicht verlieren oder sogar währenddessen zu ihm finden, eine sehr schwierige Zeit, wenn man sich so anschaut, was andere da auf einmal für Sachen machen, oben hatte ich es ja schon angesprochen. Ich fand auch einfach das Verhalten untereinander besonders schlimm, es war davor schon nicht reibungslos, aber, wie Jungen sich während der Pubertät verhalten, finde ich einfach furchtbar. Sowas von rauhbeinig und grobschlächtig, gingen mit Freunden um wie ich mit Feinden nicht umgehen würde. Ich war selbstredend noch mehr außen vor als früher schon und es gab auch besonders viel Mobbing in der Zeit, nicht nur mir gegenüber. In der 10. Klasse wurde das Verhalten etwas besser, aber nicht viel, und es war mit ein Grund , wieso ich die Oberstufe nicht mehr gemacht habe. War sehr belastend und anstrengend für mich mit diesen Pubertierenden, naja, da ich auf dem Gymnasium war, habe ich es noch einigermaßen überstanden. Nur, was sehr schade ist, seitdem gibt es kaum noch Leute, mit denen ich überhaupt was zu tun haben wollte, weil selbst die netteren Leute ganz anders geworden sind als ich. Das ist sehr schade, und ich weiß nicht, ob das sich noch mal ändert. Also ich stehe seitdem sehr alleine da, es hat sich auch familiär ergeben, dass sich Kontakte mit Verwandten verringerten. Wenn ich heute auf meine Kindheit zurückblicke, sagen wir, auf die Zeit bis ca. 13-14, war es zwar durchwachsen, aber eigentlich nicht so schlecht. Seitdem gab es kaum noch Lichtblicke in meinem Leben. Dass man in der Pubertät kaum noch Freunde hat, soll bei Aspergern oft so sein, weil sich die Interessen verlagern usw., die Schnittmenge nimmt massiv ab. Weiß nicht, ob das bei HSPs auch so ist. Bei manchen wohl schon, hier im Form habe auch schon Leute geäußert, dass sie mit Jugendlichen nicht so zurecht kommen. Es ist auch einfach diese ganze Art, die Jugendliche und junge Erwachsene so an sich haben, die ich nicht abkann, da waren Kinder anders, selbst Jungen. .... (Fortsetzung)
Weltfremder
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 60
Registriert: So 9. Jun 2019, 18:29

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon jules1976 » Do 29. Aug 2019, 07:54

Moin Weltfremder!

Deine Beiträge werden zwar alle von mir gelesen, ich kann mich aber nicht mehr erinnern, ob Du erwähnt hattest, ob Dein Asperger-Autismus eine ärztlich bestätigte Diagnose ist oder eine Vermutung Deinerseits?

Es gibt dazu ja gute Programme und Therapien in denen erlernt werden kann, mit anderen Menschen zurecht zu kommen.

Pubertät an sich ist ja nicht Schlechtes, die Rebellion muss einfach sein und trägt zum Erwachsen werden bei - zudem kommen Umbauproßesse im Gehirn, die für den pubertierenden schwierig sind uns er für sein Verhalten dann manchmal auch nix kann.

Mit freundlichen Grüßen jules1976
Respekt elefant2
Benutzeravatar
jules1976
Administrator
 
Beiträge: 5727
Registriert: Mi 23. Mai 2012, 10:56

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 31. Aug 2019, 09:11

Ja, also das mit den „Umbauprozessen“ im jugendlichen Gehirn finde ich auch ganz schön interessant!

So ist ja bekannt, dass das Frontalhirn u. a. für höher entwickelte kognitive Funktionen zuständig ist wie: längerfristiges Planen, Impuls- und Handlungskontrolle oder auch die Risikoeinschätzung bei Entscheidungen.

Neuen Erkenntnissen aus den Neurowissenschaften zufolge soll nun die Entwicklung speziell dieser kognitiven Fähigkeiten beim Heranwachsenden zeitverzögert verlaufen - im Verhältnis zu den emotionalen Anteilen (des limbischen Systems), welche sich schneller entwickeln.
Grob gesagt bewirkt dieses anatomisch begründete Ungleichgewicht beim Jugendlichen, dass kurzfristige Belohnungsaspekte und Emotionen stärker seine Handlungen beeinflussen als rationale Entscheidungs- und Selbstregulationsprozesse (bis die Hirnreifung weiter voranschreitet - unter hoffentlich günstigen Bedingungen).

Wie sich das Ganze bei hochsensiblen Jugendlichen darstellt, wurde meines Wissens bislang nicht untersucht. Könnte man also gerne spekulieren, Weltfremder. icon_winkle
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 955
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Träumerle » Sa 31. Aug 2019, 13:16

Moin auch von mir.

Weltfremder hat geschrieben:ich habe hier ja schon etwas rumgestöbert und war dann doch etwas verwundert,um nicht zu sagen, enttäuscht, dass gerade in der Pubertät HSPs sich kaum von anderen abheben, oder halt nur manche.


Da muss ich dir stark widersprechen. Ich weiß ja nicht, welche Beiträge von wem du gelesen hast, aber weder mich noch irgendein anderes jugendliches Mitglied dieses Forums würde ich als "zur Masse dazugehörend" bezeichnen. Meine Erfahrung ist, dass diese Menschen sich genauso anders unter Gleichaltrigen fühlen wie ich und somit auch wie du. Kannst du mir sagen, an welchen Stellen dieser Eindruck bei dir aufgekommen ist? Das würde mich nämlich ganz schön interessieren. Auch unter hochsensiblen Jugendlichen gibt es natürlich verschiedene Charaktere und Arten, mit seiner Pubertät umzugehen, aber was alle (zumindest die hier angemeldeten) gemeinsam haben, ist die Ablehnung vieler jugendlicher Werte. Du magst vielleicht der einzige jugendliche Asperger-Autist hier sein - vielleicht deshalb diese Vermutung - aber das heißt nicht, dass alle Jugendlichen hier typische Vertreter ihrer Generation sind. Wie hattest du denn jugendliche HSP's erwartet? "Abheben" ist ja auch noch mal so ein böses Wort, ich würde es einfach "anders als die anderen" nennen, wobei es da bestimmt noch passendere Bezeichnungen für gibt. Tut mir leid, aber ich empfinde deine Einschätzung eher als Vorurteil.

Dass ich kein Asperger-Autist bin, hatte ich neulich im Ehrlichkeits-Thread schon erwähnt, trotzdem beschreibst du die Pubertät eines solchen ziemlich genauso, wie ich meine auch wahrnehme. Natürlich gewinne ich viele Erkenntnisse, reflektiere viel und habe mich in den letzten paar Jahren auch etwas verändert (worüber ich ganz schön froh bin), doch was Bedürfnisse, äußere Verhaltensmuster, Meinungen und Aktivitäten angeht, drifte ich von den anderen enorm weit weg. Auch dieses Gefühl, Teil davon zu sein, fehlt bei mir und überhaupt sind meine Erfahrungen mit Menschen meines Alters ziemlich durchwachsen, wenn man von Begegnungen im Forum absieht. Von meiner HS zu erfahren hat meiner Pubertät einen entscheidenden Stups gegeben und ich wurde nochmals skeptischer anderen Jugendlichen gegenüber und mir wurde auch noch mal bewusst, wie sehr ich mich vom Strom unterscheide. Und wie du sagst: Mit der Zeit gehen Interessen und Hobbies immer weiter auseinander. Ich weiß nicht, wie es gelaufen wäre, wenn ich von meiner HS nie, bzw. erst nach meiner Pubertät erfahren hätte. Dazu komme ich jetzt.

In meiner Klasse habe ich die Beobachtung gemacht, dass unwissende HSP's an ihrer Jugend ziemlich festhalten und das normale Teenagerdasein mit ihrer HS (von der sie ja nichts ahnen) irgendwie zu verknüpfen versuchen. In meinen Augen ein ziemliches Kunststück, zu dem ich nie in der Lage wäre. Ein solches Doppelleben würde ich als unglaublich anstrengend empfinden, aber ich glaube nicht, dass sie ihre Pubertät im Keim ersticken würden, würde man sie über HS aufklären. Wie du schon vermutest: Da stecken ganz sicher Einflüsse der Gesellschaft und des Freundeskreises dahinter und wenn HSP's in ihrer Jugend Anschluss finden, so glaube ich, kann sich das auf ihre Entwicklung auswirken, muss aber nicht. Zugegeben, beschränkt sich meine Beobachtung da auf eine bis zwei Personen, aber ich bin immer wieder erstaunt, dass es scheinbar irgendwie doch möglich ist, als HSP einen so in den Kontrast passenden Teenie abzugeben. Kann mir vorstellen, dass Vieles bei denen hinter den Kulissen geschieht und man das nicht so mitbekommt, wenn man diese Person nur in der Schule erlebt.

Also ich habe einen Asperger-Autisten in der Klasse und der ist eigentlich eher für Partys und auch für Alkohol. Doch da glaube ich, hast du Recht, Ausnahmen bestätigen die Regel. Ohnehin scheint er in seinem Verhalten ziemlich anders als du. Interessant, dass es sogar unter dieser Gruppe Unterschiede gibt, was zeigt, das letzten Endes jeder Mensch ein Individuum ist. :-) Was du im Folgenden schreibst, würde damit einhergehen - seine Freunde sind da sicherlich ein beeinflussender Faktor. Ich habe von Autisten auch dieses stereotypische Bild im Kopf, dass diese sich in der Pubertät der wilden aktiven Gesellschaft gegenüber eher verschließen, stundenlang in Mathebüchern schmökern oder komplexe Listen anlegen. Wie sehr das auf dich zutrifft, würde ich jetzt nicht beurteilen können, aber deine Kombination aus HS und Asperger-Autismus trifft man bestimmt nicht alle Tage an. Nur so aus Interesse: Hast du auch Kontakt zu anderen Asperger-Autisten, wie beispielsweise über ein Internetforum?

[…]
Zuletzt geändert von Träumerle am Sa 31. Aug 2019, 13:24, insgesamt 2-mal geändert.
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
_____________
(Ich bin männlich...)
Träumerle
Hero Member
 
Beiträge: 993
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 17:22

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Träumerle » Sa 31. Aug 2019, 13:16

[...]

Die Eltern sind für viele Jugendliche ja ein ziemlich wunder Punkt und spätestens dann werden ihre Aussagen und Regeln nicht mehr für das Nonplusultra gehalten. Wie man damit dann umgeht, liegt bei einem selbst. Meine Eltern finde ich auch manchmal etwas nervig, aber da würde ich sagen, liegt es wohl an uns allen, inklusive meiner HS, dass ich das so auffasse. Ich suche ja auch nicht die Konfrontation, sondern ziehe mich immer zurück. Ein richtiges auf Gegenseitigkeit beruhendes Streitgespräch mit meinen Eltern, aber auch mit anderen Verwandten, ist etwas, was ich in meiner gesamten Pubertät noch nie erlebt habe. Bei anderen Jugendlichen erkenne ich eine ganz klare Rebellion, wenn überhaupt lehne ich mal einen Ratschlag oder so etwas ab, bin aber der Meinung, dass das nichts Pubertätsbedingtes, sondern Teil meines Charakters ist. Klar kann man sagen, dass es auch als Rebellieren gilt, das Leben so zu gestalten, wie es einem selbst gefällt, den anderen nicht, fällt für mich aber eher unter Selbstverwirklichung - etwas ganz Normales. Und wenn man verschiedener Meinung ist, kann man dagegen auch nichts machen. icon_winkle Ich bin 17 und kenne deine Gefühle bezüglich des Nicht-Erwachsen-Fühlens nur zu gut, obwohl ich schon so reif bin, kann ich es gar nicht wahrhaben, biologisch so nah am Erwachsenen zu stehen.

Das von dir beschriebene Alter war auch ein ganz schwieriges bei mir, in dem ich bereits zu spüren bekam, dass mit den anderen nicht gut Kirschen essen wäre. Freundschafts-technisch war es eine ziemlich stürmische Phase, mit dem Ergebnis, dass ich mich am Ende bloß isolierte - wie du - und mich damit abfinden musste, dass ich mindestens solange ich ein Jugendlicher bin zum Eremiten tendiere. Doch selbst in Gesellschaft anderer (Jungs) hatte ich mich auch nie so richtig dazugehörig empfunden - selbst wenn man dachte, das sei ein Freund - ich sah mich immer als außen vor, ohne erklären zu können, warum. Lange hat mich das Wort "Freundschaft" auch eher wütend gestimmt. Soll heißen, dass ich meine ganze Pubertät über nur neben den anderen her gelebt habe und nie Teil einer Clique war, was mich im Gegenzug vor den jugendlichen Einflüssen bewahrt hat. Theoretisch könnte man mich als Beispiel nehmen, wenn man wissen möchte, wie sich die Pubertät entwickelt, wenn man diese alleine durchsteht. Denn in meiner Pubertät gibt es so gesehen nur mich: Unabhängig von den anderen und deshalb nicht von äußeren Einflüssen zurechtgeformt. Heraus komme ich als Individuum, mit all seinen Stärken, Schwächen und Andersartigkeiten. :-)

Mich würde es brennend interessieren, wie sich die Jugend entwickeln würde, wenn jeder so eine Pubertät hätte wie wir. Ob sich dann wohl jeder so sehr zu sich selbst entfaltet?

Aber ja, diesen Umgang untereinander fand und finde ich nach wie vor sehr schlimm, wenn ich sehe, wie vermeintliche Freunde sich behandeln. Und selbst, wenn man nicht miteinander befreundet ist, gibt einem das nicht das Recht, sich im gar asozialen Raum zu bewegen. Man hat den Eindruck, manche Freundschaften führen zur gegenseitigen Verblödung, während andere, gerade die unter Mädchen wenigstens auch mal Spaß, gute Gespräche und vor allem Emotionen mit sich bringen. Du schilderst ja lediglich, wie es bei den Jungs ist, aber die Sicht der Mädchen ist auch noch mal spannend, denn die machen es in vielerlei Hinsicht ganz anders. Mit Jungs kam ich auch nie so richtig klar, einfach eine ganz andere, für mich fremdartige Mentalität. Doch ehrlich gesagt kamen auch viele Jungs mit mir nicht klar und da vergeht einem natürlich irgendwann die Lust am eigenen Geschlecht. Mit den meisten Mädchen geht das schon besser. In meiner Klasse mache ich einfach das Beste draus und bin eben immer sehr nett zu den anderen, was von vielen auch erkannt und geschätzt wird, sodass ich mir keine Sorgen machen muss, Opfer einer Schulhofschlägerei zu werden. Nettigkeit hat ja viele Facetten, denn oberflächlich betrachtet können viele Jugendliche schon nett und anständig sein, nur unter Gleichgesinnten wird es dann wohl ein wenig verdrängt.

Ich verstehe, was du mit der Art der jungen Leute meinst. Das ist in meinen Augen eine einzige Mentalität ohne großen Raum für Abweichungen von dieser. Wer sich damit nicht identifizieren kann, hat Pech gehabt und gilt als Außenseiter. Dennoch habe ich inzwischen festgestellt, dass doch nicht 100 % der Jugend zu diesem Kreis gehört und das gibt ja schon mal etwas Hoffnung. Weißt du, vielleicht kommen diese Leute irgendwann auch zur Vernunft und ärgern sich im Nachhinein über ihre Pubertät schwarz, da sie sich so lange an andere angepasst und Dinge getan haben, die ihnen dann sehr unangenehm sind. Allen HSP's in unserem Alter wünsche ich einfach eine schnelle Aufklärung über ihr Phänomen und dass sie davon profitieren können, sowie sich selbst treu bleiben. Denn unter vielen Jugendlichen gelten Verhaltensweisen, die HS mit sich zieht, bereits als "gestört" oder Ähnliches und man muss eigentlich schon ein ziemlich harter Typ sein, um mit denen mitzuhalten. Aber gut, jeder so, wie er das für richtig hält. icon_winkle

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Pubertät verläuft bei vielen HSP's doch deutlich anders und das ist gut so. Gegen den Strom zu schwimmen ist, wenn man im Teenageralter ist, als HSP genauso schwer, wie mit dem Strom.

Vielen Dank für deinen Thread - er regt zu endlosen Gedankengängen an. :-)

Liebe Grüße,
Träumerle
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
_____________
(Ich bin männlich...)
Träumerle
Hero Member
 
Beiträge: 993
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 17:22

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon DesdiNova87 » Sa 31. Aug 2019, 14:23

Meine Pubertät als HSP lässt sich ganz gut folgendermaßen zusammenfassen:

Sex, Drugs & Rock'n'Roll _grinsevil_

Aufgrund meiner erhöhten Sensibilität hatte ich viel Spaß an diesen Dingen gefunden.

Ich habe auch ordentlich rebelliert und bin sogar mal von zu Hause abgehauen. Blöderweise hatte ein Kollege meine Eltern informiert und sie haben mich noch in derselben Nacht wieder nach Hause geholt _läch_

Habe trotzdem alles gut auf die Kette bekommen, Abi und Führerschein gemacht, nebenbei noch gearbeitet, usw.. Das meiste davon konnte ich, dank meines annährend fotografischen Gedächtnisses und meiner schnellen Auffassungsgabe, mehr oder weniger "nebenbei" erledigen und trotzdem das Leben richtig genießen, mit Freundin und Clique.

Das soll nicht heißen, dass es nicht auch schwere Phasen in meiner Jugend gab, so hatte ich ca. ein Jahr lang schwere Akne, die dann, so plötzlich wie sie gekommen war, aber auch wieder ohne bleibende Narben verschwunden ist, trotz anders lautender Prognose. Die Zeit mit der Akne hatte mir dafür Klarheit gebracht, wer wirklich zu mir hält und welche Freundschaften eher oberflächlich waren. Heute sehe ich es ein bisschen als eine Art Prüfung, die mir zeigen sollte, dass man Menschen nicht nach dem Äußeren beurteilen sollte.

Was ich so an meiner Schule und im Freundeskreis beobachten konnte, einen wie auch immer gearteten Mainstream, wie er hier mehrmals erwähnt wurde, gibt es so meiner Erfahrung nach, nicht. Dafür sind Menschen, auch im jugendlichen Alter, zu unterschiedlich.

Autisten, ob Asperger oder nicht, kenne ich mehrere, die lassen sich ebenfalls nicht in Kategorien wie im Eingangspost geschildert zusammenfassen, sondern unterscheiden sich in mannigfaltiger Hinsicht voneinander. Gilt zumindest für die, die ich bisher kennen lernen durfte.

LG DesdiNova87
~ Keep a green tree in your heart and perhaps a singing bird will come. ~
Benutzeravatar
DesdiNova87
Hero Member
 
Beiträge: 545
Registriert: Di 6. Jun 2017, 22:45

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Weltfremder » Mo 2. Sep 2019, 02:38

Träumerle hat geschrieben:Ich weiß ja nicht, welche Beiträge von wem du gelesen hast, aber weder mich noch irgendein anderes jugendliches Mitglied dieses Forums würde ich als "zur Masse dazugehörend" bezeichnen. [...]


Du, Träumerle, warst ja auch eher mit dem "nur manche" gemeint. In vielen anderen Beiträgen finden sich nämlich Anhaltspunkte, dass bei den betreffenden Leuten die Pubertät "normal" verlaufen ist. Wir beide sind hier auch sowieso fast die einzigen aktiven Teenager. Leute hier, die schon älter sind beschreiben ihre Jugend nicht so, dass sie ganz isoliert waren usw., allenfalls teilisoliert. So, wie du und ich es empfinden, scheint es spezifisch auf die isolierten Leute zuzutreffen. Typische HSPs hatte ich mir generell so vorgestellt, dass sie sich stärker vom Rest der Gesellschaft unterscheiden, also ähnlich stark wie Asperger. Ich persönlich würde doch schon von abheben sprechen, denn das ist ganz klar meine Wertung, also, dass nicht wir, sondern die anderen das Problem sind und es besser wäre, wenn es mehr von unserer Sorte (HSPs, Asperger usw.) geben würde.

Träumerle hat geschrieben:Dass ich kein Asperger-Autist bin, hatte ich neulich im Ehrlichkeits-Thread schon erwähnt, trotzdem beschreibst du die Pubertät eines solchen ziemlich genauso, wie ich meine auch wahrnehme. [...] Und wie du sagst: Mit der Zeit gehen Interessen und Hobbies immer weiter auseinander. Ich weiß nicht, wie es gelaufen wäre, wenn ich von meiner HS nie, bzw. erst nach meiner Pubertät erfahren hätte.


Wie gesagt, demzufolge muss wohl die Isolation die bedeutendste Rolle spielen, also man entwickelt sich dadurch anders, egal ob man jetzt Autist oder was auch immer ist oder sogar ein ziemlich Normaler.
Deine geäußerten Erfahrungen und Empfindungen teile ich praktisch alle.

Träumerle hat geschrieben:In meiner Klasse habe ich die Beobachtung gemacht, dass unwissende HSP's an ihrer Jugend ziemlich festhalten. [...] Wie du schon vermutest: Da stecken ganz sicher Einflüsse der Gesellschaft und des Freundeskreises dahinter und wenn HSP's in ihrer Jugend Anschluss finden, so glaube ich, kann sich das auf ihre Entwicklung auswirken, muss aber nicht.[...]

Nein, so ein Doppelleben könnte ich auch nicht führen. Aber gibt es denn bei euch so viele HSPs in der Klasse?

Träumerle hat geschrieben:Also ich habe einen Asperger-Autisten in der Klasse und der ist eigentlich eher für Partys und auch für Alkohol. Doch da glaube ich, hast du Recht, Ausnahmen bestätigen die Regel. Ohnehin scheint er in seinem Verhalten ziemlich anders als du. Interessant, dass es sogar unter dieser Gruppe Unterschiede gibt, was zeigt, das letzten Endes jeder Mensch ein Individuum ist. :-) Was du im Folgenden schreibst, würde damit einhergehen - seine Freunde sind da sicherlich ein beeinflussender Faktor. Ich habe von Autisten auch dieses stereotypische Bild im Kopf, dass diese sich in der Pubertät der wilden aktiven Gesellschaft gegenüber eher verschließen, stundenlang in Mathebüchern schmökern oder komplexe Listen anlegen. Wie sehr das auf dich zutrifft, würde ich jetzt nicht beurteilen können, aber deine Kombination aus HS und Asperger-Autismus trifft man bestimmt nicht alle Tage an. Nur so aus Interesse: Hast du auch Kontakt zu anderen Asperger-Autisten, wie beispielsweise über ein Internetforum?


Ah, interessant. Ich wollte sowieso mal etwas in deinem persönlichen Thread schreiben und wollte auch was zu dem Asperger-Autisten fragen, den du dort erwähnt hast, bin aber noch nicht dazu gekommen. Was genau meinst du damit, dass er sich in seinem Verhalten von mir unterscheidet? Ich denke mal, wenn er Freunde hat und sich noch dazu für Parties usw. interessiert, kann er allenfalls leicht von Autismus betroffen sein. Die treibende Kraft ist wahrscheinlich der Freundeskreis. Ich habe schon oft beobachtet, dass Menschen den Menschen immer ähnlicher werden, mit denen sie viel und lange Zeit zu tun haben. Sie können aber auch wieder anders werden, wenn sie mit einer anderen Sorte von Leuten zu tun haben. Das befremdet mich, aber ich kann mich auch nicht ganz davon frei sprechen. Hätte ich nicht schon in der Grundschule den Anschluss komplett verloren, wäre ich womöglich auch anders geworden als ich es heute bin. Da fallen mir z.B. auch zwei Leute ein, die mich in bestimmten Zeiten gemobbt haben, unter Einfluss mir feindselig gesonnener Freunde, und später, als die andere Freunde hatten, waren die auf einmal ziemlich nett zu mir. Das hat mich sehr gewundert. Allerdings geht es auch anders rum, und das ist mir ziemlich unheimlich. Die Menschen sollten mal individueller sein und sich nicht so stark von anderen beeinflussen lassen.

Ich habe in Online-Netzwerken und Communities mit den meisten Personen bisher ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht wie im real life. Ich gucke auf Youtube manchmal Autismus-Videos und habe dort autistische Kanäle abonniert. Leider ist auch die Schnittmenge mit anderen Autisten begrenzt, man hat zwar oft sehr ähnliche Erfahrungen gemacht, aber man hat nicht zwangsläufig gemeinsame Interessen oder ähnliche Ansichten. Ich habe ja auch deswegen keine Freunde, weil ich mit niemandem genug Gemeinsamkeiten sehe, für mich muss halt fast alles passen. Das ideale wäre ein anderer Asperger, der ebenfalls Christ (und in der selben Ausrichtung wie ich) und noch dazu in meinem Alter ist Da sucht man die Nadel im Heuhaufen. Wenn einer nämlich nur Asperger oder nur Christ wäre, würden sich die Gemeinsamkeiten wohl halt auf diese jeweiligen Sachen beschränken und das wäre mir zu wenig. Ich kann halt auch keine Gespräche aufrechterhalten, ich kann höchstens fachsimpeln über Politik, Musik und Religion, aber dazu habe ich niemanden, und wenn er nicht ähnliche Meinungen hätte wie ich, wäre das schnell ein Streit und kein Gespräch mehr. Also muss ich mich mit meinen inneren Monologen begnügen, leider. [*]
Weltfremder
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 60
Registriert: So 9. Jun 2019, 18:29

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Weltfremder » Mo 2. Sep 2019, 04:39

Träumerle hat geschrieben:Die Eltern sind für viele Jugendliche ja ein ziemlich wunder Punkt [...] Ich bin 17 und kenne deine Gefühle bezüglich des Nicht-Erwachsen-Fühlens nur zu gut, obwohl ich schon so reif bin, kann ich es gar nicht wahrhaben, biologisch so nah am Erwachsenen zu stehen.


Ja, ich denke, dass Eltern einen nerven, kann immer auftreten, nicht nur in der Pubertät. Ich suche auch manchmal die Konfrontation, aber relativ konstruktiv, nur kann man mit meinen Eltern gar nicht gut reden, mein Vater ist richtig stur und beratungsresistent. Er geht fast schon auf die 70 zu und hat immer mehr Marotten. Leider kann man mit meinen Eltern wirklich nicht mehr viel anfangen, weswegen ich fast immer allein bin, auch daheim. Ich fühle mich halt noch nicht so, weil es für mich irgendwie ungewohnt ist und ich natürlich auch so manches verpasst habe, was die für die Adoleszenz sozusagen obligatorisch ist. Ich bin gewissermaßen noch auf dem Stand eines 12- oder 13-jährigen, psychosozial. Und ich tue mich auch mit der Rolle eines Erwachsenen schwer, mir geht das alles zu schnell, zumal meine Eltern schon so alt sind und ich mich womöglich mittelfristig um sie kümmern muss.

Träumerle hat geschrieben:Das von dir beschriebene Alter war auch ein ganz schwieriges bei mir, in dem ich bereits zu spüren bekam, dass mit den anderen nicht gut Kirschen essen wäre. Freundschafts-technisch war es eine ziemlich stürmische Phase, mit dem Ergebnis, dass ich mich am Ende bloß isolierte - wie du - und mich damit abfinden musste, dass ich mindestens solange ich ein Jugendlicher bin zum Eremiten tendiere.


Ich glaube, du hast dich ja erst später isoliert, oder wann war das bei dir?

Träumerle hat geschrieben:Doch selbst in Gesellschaft anderer (Jungs) hatte ich mich auch nie so richtig dazugehörig empfunden [...]Denn in meiner Pubertät gibt es so gesehen nur mich: Unabhängig von den anderen und deshalb nicht von äußeren Einflüssen zurechtgeformt. Heraus komme ich als Individuum, mit all seinen Stärken, Schwächen und Andersartigkeiten. :-)

Ich kann auch mit Freundschaft generell nicht so viel anfangen. Ich verstehe nicht, wieso es als selbstverständlich angesehen wird, solche zu haben, oder sogar sehr viele davon. Auf dieser Welt gibt es doch eh kaum richtige Freundschaften. In der Pubertät gibt es eigentlich eher solche Zusammenrottungen (Cliquen) als wirkliche Freundschaften. Ich hätte lieber ein paar einzelne Freundschaften gehabt, wenn überhaupt. Auf diese jugendlichen Einflüsse konnte ich getrost verzichten, davon bekam ich in der Schule noch genug mit, das war schon an der Grenze des Erträglichen. Da war es für mich eine Erholung, bei meiner Oma zu sein, denn die war sowas von anti-jugendlich, bei ihr war man fern von diesen Einflüssen, ich glaube, sie wusste z.B. noch nicht mal, was Rap überhaupt ist oder dass es den überhaupt gibt. _reschpekt_

Träumerle hat geschrieben:Mich würde es brennend interessieren, wie sich die Jugend entwickeln würde, wenn jeder so eine Pubertät hätte wie wir. Ob sich dann wohl jeder so sehr zu sich selbst entfaltet?


Ja, ich glaube, das hätte positive Einflüsse. Allerdings wäre es nicht umsetzbar. Da müsste jeder so aufwachsen wie z.B. Adlige früher, mit Hauslehrer usw. Aber meist war es dann so, dass diese ihre Pubertät dann im Militärdienst oder in schlagenden Studentenverbindungen smecht nachgeholt haben, auch nicht besser, eher schlimmer. Immerhin sind die meisten Jugendlichen, zumindest die auf Gymnasien, relativ friedlich, also man kann sich gegenseitig aus dem Weg gehen.

Träumerle hat geschrieben:Aber ja, diesen Umgang untereinander fand und finde ich nach wie vor sehr schlimm, wenn ich sehe, wie vermeintliche Freunde sich behandeln. Und selbst, wenn man nicht miteinander befreundet ist, gibt einem das nicht das Recht, sich im gar asozialen Raum zu bewegen. Man hat den Eindruck, manche Freundschaften führen zur gegenseitigen Verblödung[...]


Oh ja, das kann man laut sagen, es werden intelligente Leute durch Freunde sehr verblödet und allgemein verdorben.

während andere, gerade die unter Mädchen wenigstens auch mal Spaß, gute Gespräche und vor allem Emotionen mit sich bringen. Du schilderst ja lediglich, wie es bei den Jungs ist,[...] Nettigkeit hat ja viele Facetten, denn oberflächlich betrachtet können viele Jugendliche schon nett und anständig sein, nur unter Gleichgesinnten wird es dann wohl ein wenig verdrängt.

Naja, mit manchen Jungs kam ich schon oberflächlich klar, wenigstens in der Schule, aber für eine Freundschaft hätte es nicht ausgereicht. Ich kam mit fast allen Mädchen oberflächlich klar, aber eben auch nicht mehr als das. Ich war auch meistens nett. Jugendliche gehen mit Erwachsenen teilweise anders um, aber viele Leute sind einfach grundsätzlich unfreundlich. Du bist ja auf so einer Art Gesamtschule, wenn ich das richtig verstanden habe, kommen dort Schulhofschlägereien vor? Bei uns gab es sowas gar nicht, kenne es nur vom Hörensagen.
Weltfremder
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 60
Registriert: So 9. Jun 2019, 18:29

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon Weltfremder » Mo 2. Sep 2019, 05:01

Träumerle hat geschrieben:Ich verstehe, was du mit der Art der jungen Leute meinst. Das ist in meinen Augen eine einzige Mentalität ohne großen Raum für Abweichungen von dieser. [...] Aber gut, jeder so, wie er das für richtig hält. icon_winkle


Ich finde, dass zunehmend auch unter Erwachsenen so eine Art Einheitsmentalität herrscht, die sich von Jugendlichen kaum unterscheidet, vor allem unter jüngeren Erwachsenen ist das so.
Viele Erwachsene sehen ihre Jugend später kritisch, trotzdem können sie diese nicht mehr ausradieren. Ich würde sagen, es gibt in der Jugendzeit mehr schlimme Leute als vorher und nachher. Ich sagte ja schon, auch die netteren Jungs schockierten mich manchmal mit ihrem Verhalten. Und die, davor schon übel waren, werden dementsprechend noch schlimmer. Und dann kleben halt diese ganzen Leute in solchen Cliquen intensiv zusammen und haben gegenseitig negativen Einfluss aufeinander. Da bevorzuge ich doch lieber mein Einzelgängerdasein, es war für mich das geringere Übel. Leute, die etwas anders sind, habe ich immer mal wieder gesehen, die waren aber z.B. in anderen Klassenstufen, und ich kann ja kaum auf andere Leute zugehen, also ergab sich keinerlei Kontakt, ich habe sie höchstens in der Pause beobachtet. Ich fiel halt auch überall auf, und galt nicht nur in der Grundschule, sondern auch später am Gymnasium wohl bei vielen als Sonderling, Looser, Opfer, Außenseiter oder was auch immer, es hat auch nie jemand aus anderen Klassen richtig Kontakt zu mir gesucht, und in der 5. Klasse hatte ich mich wegen meiner Erfahrungen in der Grundschule gleich abgekapselt.

Vielleicht sollte man HSP als Behinderung anerkennen?




Noch ein Nachtrag von mir, der praktisch noch zu meinem Eröffnungsbeitrag gehört:

Also man kann sagen, in der Pubertät fühlte ich mich sehr fremd und hatte kaum noch Kontakte, und wollte auch keine, war von anderen frustriert.
Dass ich keine Kinder möchte, hatte ich ja schon mal erwähnt, ein Grund dafür ist die Pubertät. Mit kleinen Kindern würde ich vielleicht noch klarkommen, aber wenn die richtig anfangen zu pubertieren, wäre ich mit meinem Latein am Ende, weil ich es ja selber auch gar nicht nachvollziehen könnte, war ja ein sehr untypischer Jugendlicher. Wären die Kinder so wie ich (z.B. auch Asperger), hätten sie auch die gleichen Probleme wie ich damals, also auch keine tolle Situation. Und ich halte ja auch nervlich und allgemein nicht viel aus, das wäre eine jahrelange enorme Belastung bis die mal wieder vernünftiger werden. Ich würde sie auch christlich erziehen wollen und hätte daher eine besondere Erwartungshaltung an sie, was die bewusste Entscheidung für den Glauben und moralisches Verhalten angeht. Oft schlagen ja selbst Teenager über die Stränge icon_pidu _bash_ _dans_ big_smoke , die ursprünglich religiös waren, und finden vielleicht erst in späteren Jahren wieder zum Glauben zurück.

Die Pubertät ist schon eine ziemlich unangenehme Zeit für alle Beteiligten. Ein Mal hat mir gereicht.

Wie war denn eure Pubertät, wie fandet ihr sie ? Findet ihr euch hier teilweise wieder in meinem Gesagten ? Wie groß war der Unterschied zwischen euch und den Normalos? Habt ihr euch als Person verändert? Wie fandet ihr andere Gleichaltrige damals und wie findet ihr Jugendliche generell? Wenn ihr Kinder habt, wie kamt ihr mit ihnen zurecht, während sie pubertierten?

Und falls ihr religiös seid oder ward: Hat sich eurer Glaube durch die Pubertät verändert? Verschwand er- dauerhaft oder vorübergehend? Oder entwickelte er sich in eine andere Richtung? Oder bleib er konstant?
Weltfremder
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 60
Registriert: So 9. Jun 2019, 18:29

Re: Wie sind HSPs als Jugendliche? Pubertät wie bei allen?

Beitragvon DesdiNova87 » Mo 2. Sep 2019, 14:10

@Träumerle, @Weltfremder,

Ihr schreibt ja beide davon, dass ihr speziell bei anderen Jungs Probleme habt Anschluss zu finden, bzw. findet wenig Gemeinsamkeiten bei Vertretern eures Geschlechts.

Dazu möchte ich gerne folgende Erlebnisse schildern, welche ich im Studium gemacht habe, in der Hoffnung, dass ihr vielleicht einen anderen Blickwinkel dazu gewinnt:

Direkt nach dem Abi habe ich in an der FH meiner Heimatstadt das Studium einer Ingenieurwissenschaft begonnen. Relativ schnell habe ich gemerkt, dass es nicht so ganz das richtige für mich war, aus mehreren Gründen, die hier nicht alle aufgeführt werden müssen.

Jedenfalls war mein Studiengang extrem männer-dominiert, wir waren so 55 Männer und 5 Frauen. Alles in allem war der Studiengang ähnlich wie in der Schule organisiert.

Mit dem Großteil der anderen Jungs konnte ich da auch überhaupt nichts anfangen, mit den Frauen aber ebenso wenig. Sie waren alle sehr technisch interessiert, und die Gesprächsthemen drehten sich größtenteils um getunte Autos und Landmaschinen. Rückblickend war ich da aber selbst auch etwas oberflächlich und habe mir nicht die Zeit genommen, die Leute wirklich kennen zu lernen.

Ich habe mich dann dort auch ziemlich wie ein Fremdkörper gefühlt, was sicher dazu beigetragen hat, dass ich dieses Studium schnell wieder beendet habe. Erwähnenswert ist trotzdem, dass ich zwei meiner besten Freunde dort kennen lernte, und diese Freundschaft hält bis heute an (inzwischen über 10 Jahre) und wir sehen uns regelmäßig.

Nach einer kurzen Zeit der Neuorientierung (u.a. freiwilliges Praktikum im sozialen Bereich) habe ich dann ein wirkliches Interessenstudium an der Universität einer etwas weiter entfernten Großstadt begonnen, mit den Fächern Geschichtswissenschaft und Anglistik. Zu dem Zeitpunkt bin ich dann auch zu Hause ausgezogen, ich war 22 Jahre alt.

Irgendwas hat mich immer in die große, weite Welt gezogen, und so hatte ich dann mein "Abenteuer" auch bekommen. Ganz alleine in die fremde Großstadt, das war für mich jedenfalls ein großes Abenteur, andere mögen es anders empfinden.

Worauf ich hinaus will, die Uni dort war als Campus-Uni mit über 20.000 Studierenden eine ganz andere Liga als die FH mit ca. 1.000 Studenten an meinem Heimatort. Auch das ganze Flair war total verschieden, man spürte an der Uni richtig diesen Freigeist und eine Aufbruchstimmung, was in Teilen auch seltsame Blüten trieb, so sind mir direkt einige Studenten aufgefallen, die Barfuß umherliefen. Für einen Kleinstädter wie mich also schon ein regelrechter Kulturschock.

Aber dort habe ich mich zum ersten Mal so richtig unter meinesgleichen gefühlt. Meine Studiengänge waren leicht Frauen-dominiert, aber es gab (und gibt) auch eben unzählige Jungs/Männer, die sich z.B. für Literatur oder Linguistik interessieren. Im Gegensatz zur FH, stellte man sich seinen Kurse selbst zusammen und konnte sogar in andere Fakultäten hereinschnuppern und Kurse belegen. Man hat wirklich ohne Unterlass neue, interessante Leute kennen gelernt.
Die Zeit an der Uni wird für mich immer unvergesslich bleiben, die ganzen Eindrücke und Erfahrungen die ich dort sammeln durfte, haben sicherlich mein weiteres Leben entschieden beeinflusst. Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich immer nur in meiner Kleinstadt geblieben wäre.

Ich will damit keinesfalls Kleinstädte irgendwie schlecht machen, im Gegenteil, ich lebe heute wieder in meiner Heimatstadt und bin sehr glücklich damit. Die Verbindungen und Freundschaften zu den anderen Stationen meines jungen Lebens bestehen aber weiterhin und bereichern mein Leben; ich empfinde es so, dass mein Horizont dadurch erweitert ist und bleibt, wofür ich sehr dankbar bin.

Was ich also zusammenfassend rüberbringen will, es kommt wirklich auch immer auf das Umfeld an. Ihr seht wie unterschiedlich meine Erfahrungen mit Jungs/Männern an der technisch geprägten FH im Vergleich zu der weltoffenen Uni gewesen sind. Ich kann euch nur ermutigen, selbst in die Welt hinauszugehen und eure eigenen Erfahrungen zu sammeln, man ist nur einmal jung.

LG DesdiNova87
~ Keep a green tree in your heart and perhaps a singing bird will come. ~
Benutzeravatar
DesdiNova87
Hero Member
 
Beiträge: 545
Registriert: Di 6. Jun 2017, 22:45

Nächste


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron