Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon Lunatic447 » Sa 31. Mai 2014, 03:43

Hallo ihr komischen Leute :)

Was glaubt ihr, wie viel Sensibilität ihr in euch tragt? Mich... erschüttert schon so mancher Film. Oder nur der Gedanke an eine Emotion.
Oft denke ich, niemand fühlt wie ich. Es ist für mich unvorstellbar, dass jemand empfindet wie ich.
Ein kurzer Wind, ein kleiner Hauch eines Tons (akustisch erschüttert meine Empfindlichkeit.
Geht es noch jemandem so? (Ganz ohne Alkohol!)

Gruß,
Martin
Lunatic447
 

Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon Retrospektiva » Sa 31. Mai 2014, 05:09

Hallo, Du Eigenartiger! U72(

Bei mir sind es Blicke...
Ein Blick in die Augen meines Gegenübers lässt mich mit aller Gewalt dessen Befindlichkeit spüren...
Innerhalb eines Sekundenbruchteils...
Ich habe lange Zeit Blickkontakt vermieden, ich musste zuerst an Stärke gewinnen.
Heute kann ich manchen Blicken gut standhalten.
Weil ich gern bis an meine äußersten Grenzen gehe würfelt es mich ab und zu aber ganz arg...
Das Leid, den Schmerz, die Leere des anderen nehme ich in mir auf und lass all das dann durch meine Augen wieder los... Will meinen ich weine dann äußerst bittere Tränen.
Daß ich auch das Glück, die Liebe und die vielen anderen positiven Dinge sehen kann, hält mich aufrecht, hat mich aufblicken lassen und gibt mir die Kraft, die für diese Gabe von Nöten ist...

Mit Berührungen verhält es sich ähnlich, wenngleich nicht in dieser Intensität...

Ich grüße ganz lieb in den Morgen hinein! (Selbstverständlich alkoholfrei!)
_Mij_
Ich kann nur sein, was ich bin...
Retrospektiva
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon Sora » Sa 31. Mai 2014, 20:51

Jep, Blicke sind für mich auch immer heftig. Musste auch ganz langsam lernen, den Menschen in die Augen zu sehen. Ich fand es schon immer sehr unhöflich und aggressiv. Genauso wie ein Lächeln, bei dem man die Zähne sieht. Das ist keine liebevolle Mimik, das ist eine Drohung. Darum hasse ich es auch selber, Zähne zu zeigen, außer ich bin wirklich sauer. Das ist ein bisschen wölfisches Verhalten quasi.

Ansonsten bin ich gar nicht sicher... Also natürlich erlebt man das eigene Fühlen und die eigene Empfindlichkeit sehr stark und überwältigend. Aufgrund dessen hatte ich oft das Gefühl in die Borderline-Thematik reinzufallen, von wegen unkontrollierbare Gefühle, Stimmungsschwankungen usw. Aber eigentlich ist es etwas ganz normales, das einfach zu mir dazu gehört und nicht therapiert werden muss/kann.
In manchen Momenten sind Trigger sehr sehr stark. Wenn ich ein Buch ohne Happy End lese, beispielsweise, dann beschäftigt mich das ewig, es macht mich tottraurig. Als Autor weiß ich zwar um die Hintergründe, also warum man solche Enden schreibt und dass alles letztlich nur Fiktion ist. Aber dennoch ist es immer ein Verlust, stärker noch als wenn ich das Buch einfach nur zu Ende lese - was mich auch oft schwer mitnimmt.

Gestern früh fiel mir passend zu dem Thema ein Satz ein, der für mich sehr beispielhaft für das Empfinden von HS ist.
"Etwas zu trinken, kann neu, fremd oder verstörend sein."
Etwas so banales wie ein Getränk birgt so viele Reize - Geschmack, Konsistenz, Farbe, Härte/ Weichheit des Wassers. Und dann ist da der Prozess des Trinkens. Ich setze zum Beispiel die Flasche an den Mund - wie fühlt sich die Öffung der Flasche an meinen Lippen an? Wie sieht es für einen anderen Menschen aus, wenn ich das Wasser so in meinen Mund hineingleiten lasse oder sogar hineinsauge? Wie umspült die Flüssigkeit die Zunge, ist sie kalt oder warm? Es gibt so viele Aspekte, die beim Prozess des Trinkens einen Reiz darstellen und mir durch den Kopf gehen. Darum ist es manchmal einfach nur aufregend, manchmal bin ich skeptisch, ob ich wirklich etwas trinken will - selbst wenn ich Durst habe. Und manchmal - vor allem bei Getränken mit Kohlensäure - schrecke ich regelrecht davor zurück, aus Angst, wieder diese Bläschen auf der Zunge zu spüren, die wahnsinnig weh tun können. Es fühlt sich an wie tausend Nadelstiche...

Man kann über so Kleinigkeiten unheimlich viel nachdenken und ich tue das auch. Warum setze ich erst den linken Fuß vor, warum nicht den rechten? Und wie setze ich ihn auf, wie fühlt sich der Fußboden an usw. Ich bin nicht sicher, ob ein normalsensibler Mensch in der Lage ist, sich selbst in so hohem Maß zu reflektieren und über Alternativen nachzudenken. Aus meiner Sicht jedenfalls ist das ein "Charakterzug", den ich an mir sehr zu schätzen gelernt habe.
Anders sein kann auch bedeuten,
sich nicht jedes Mal zu häuten,
wenn der Wind sich einmal dreht,
schmerzhaft ins Gesicht dir weht;
nach dem eignen Weg zu suchen,
auch einmal für andre bluten,
nicht die Augen zu verschließen
und den Gegenwind genießen!

~ Eric Fish ~
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon ray » Sa 31. Mai 2014, 20:58

Eben beim Naschen von Mozartkugeln festgestellt: ich pflege zuweilen Sensibilität gegenüber Staniolverpackungen ... 647&/ So schöne glänzende Farben und Bilder, die möchte ich beim auspacken nicht beschädigen und streiche sie dann ganz glatt. Gut, danach werden sie natürlich auch weggeworfen, aber irgendwie schon symptomatisch, oder? _läch_
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon Piny » Sa 31. Mai 2014, 22:42

Ich reagiere vor allem auf Töne. Auf den Tonfall, wie jemand mit mir spricht, auf Musik oder auf diverse andere Töne. Z.B. werde ich bei Amselgezwitscher immer an meine Kindheit erinnnert, was mich dann melanchonisch werden lässt. Und wenn ich einen Spatzenschwarm höre, werde ich an einen anderen Teil meiner Kindheit erinnert, der mich dann an frische Landluft und Abenteuerliche Spiele erinnert. Bei Filmen nimmt mich die Musik immer total mit. Actionfilme kann ich z.B. überhaupt nicht leiden, weil die für mich einfach nervenraubend und oberflächlich sind.
Piny
 

Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon 1753 » So 1. Jun 2014, 19:20

ray hat geschrieben:Eben beim Naschen von Mozartkugeln festgestellt: ich pflege zuweilen Sensibilität gegenüber Staniolverpackungen ... 647&/ So schöne glänzende Farben und Bilder, die möchte ich beim auspacken nicht beschädigen und streiche sie dann ganz glatt. Gut, danach werden sie natürlich auch weggeworfen, aber irgendwie schon symptomatisch, oder? _läch_


-Schk_
Wie toll! Kennst du diese Bierflaschen, wo dieses Staniolpapier um den Flaschenhals bis nach oben gezogen ist? Ich mache immer den Flaschendeckel weg und versuche, das restliche Staniolpapier ohne es kaputt zu machen oder anzureißen von der Flasche entfernt bekomme. Dann falte ich es sehr behutsam auf, so dass es seinen ursprünglichen Zustand erreicht :-)))
big_rofl1
Ich finde es gerade so lustig, dass ich nicht die einzige bin, die so was macht...
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. (Antoine de Saint-Exupéry)
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon ray » So 1. Jun 2014, 20:28

1753 hat geschrieben: Kennst du diese Bierflaschen, wo dieses Staniolpapier um den Flaschenhals bis nach oben gezogen ist? Ich mache immer den Flaschendeckel weg und versuche, das restliche Staniolpapier ohne es kaputt zu machen oder anzureißen von der Flasche entfernt bekomme. Dann falte ich es sehr behutsam auf, so dass es seinen ursprünglichen Zustand erreicht :-)))


Jaaa, das hab ich auch schon gemacht! freüde _läch_ _bia_
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon 1753 » So 1. Jun 2014, 21:08

Na dann Prost! icon_pidu

Wieso gibts hier eigentlich soviele Säufer-Smileys?!? ;-)

(Sorry dafür, dass ich so sehr vom Thema ablenke ;-))) )
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon ray » So 1. Jun 2014, 21:49

Ach ja, nochwas:

Ich ertrage es nicht diese Telefonverarschungs-Sketche im Radio zu hören. Da muss ich immer abschalten oder nen anderen Sender suchen.
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Re: Wie viel Sensibilität könnt ihr fühlen?

Beitragvon Carizard » So 1. Jun 2014, 23:06

Ich meide beispielsweise jeden Tag morgens und abends, mich umzuziehen, weil ich das Gefühl hasse, wenn ich ein Oberteil über den Kopf streife. Dieses Scheuern und, je nach Stoff, leichte elektrisieren halte ich kaum aus. Darum lasse ich bis abends direkt vor dem Schlafengehen meine Klamotten vom Tag an, obwohl andere vielleicht gemütlicher wären und überwinde mich schließlich nur, weil ich ja nicht damit ins Bett gehen will.

Meine Lippen sind offenbar auch besonders hitzeempfindlich. Während andere bei Getränken längst drauf los schlürfen, kann ich nicht trinken, weil es mir immer noch viel zu heiß ist. Die leichteste Berührung des heißen Getränks tut weh und ich frage mich, wie die anderen das nur trinken können. Tja, dann warte ich eben einfach noch ein bisschen...

Ach, und 1753, du hast Recht, wir haben hier tatsächlich sehr viele Säufer-Smileys. Den hier icon_pidu sogar doppelt.

Lieben Gruß

Carizard
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