Wie wart ihr als Kinder?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Der Koala » Do 26. Okt 2017, 01:41

Hey,
Ich bin zu später Stunde noch wach und kann (wieder) nicht schlafen.
Deswegen würde mich interessieren, wie ihr selbst als Babys und Kinder wart.
(Falls es den Thread woanders schon gibt, tut es mir leid -die Suchfunktion zeigt mir immer nur das was ich nicht finden will)

Eure Eltern haben euch bestimmt einiges erzählt, was eure Kindheit angeht.

Meine Eltern haben gesagt, ich war ein sehr ruhiges und pflegeleichtes Kind und Baby. Hab nur geweint wenn ich schmerzen hatte, hab keine Szenen gemacht, viel geschlafen und war sehr leicht abzulenken.
War in dem Sinne auch eine gute große Schwester weil ich so im zarten Alter von 2 Jahren meine Schwester Durch meine beruhigt habe wenn wir länger Auto gefahren sind und so.
Die Schulzeit war ähnlich. Still und Ruhig, aber nie schüchtern und sehr leicht ablenkbar (daher wohl dir ADS 'fehldiagnose')

Bin gespannt wie es bei euch und euren Geschwistern war

Gute Nacht,
Koala
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Träumerle » Do 26. Okt 2017, 15:37

Hallo Koala :-)

ich konnte letzte Nacht auch nicht so gut schlafen...

Interessantes Thema vorneweg, alles, was mit der eigenen Kindheit zu tun hat, erforsche ich sehr gerne.

Mein früheres Ich war definitiv etwas anders als das heutige, aber auch in meiner Kindheit machte ich mehrere Phasen durch, in denen ich mich immer wieder veränderte und weiterentwickelte. Als Baby und kleines Kind war ich laut Erzählungen so wie du, ich habe auch kaum mal geweint, was für HSP's eher ungewöhnlich ist. Ich wurde lange gestillt und wie sich später herausstellte auch sehr lange auf Schnuller und Windel angewiesen. Warum auch immer war ich strikt gegen den Toilettengang und konnte richtig panisch werden, wenn ich mal musste. Aber sonst war ich sehr unproblematisch. Die ersten vier Jahre verbrachte ich als Einzelkind und war vollkommen zufrieden damit. Das war natürlich die Zeit, wo ich besonders sensibel auf sämtliche Eindrücke reagiert habe. Wenn man noch so klein ist, also zwischen 2 und 4 Jahren, lernt man, seine Umwelt zu erforschen und das wahrgenommene auch aufzunehmen. Deshalb auch die ganzen wertvollen Erinnerungen an all die Dinge, die ich in meiner Kindheit gesehen, gehört und erlebt habe.

Probleme kamen auf, als ich meinen ersten Tag im Kindergarten hatte. Als meine Mutter wieder gegangen war, brach ich in Tränen aus. Die erste bewusste "Trennung" von ihr konnte ich schlecht bis gar nicht verkraften. Während die anderen Kinder also munter gespielt haben, musste ich die ganze Zeit von der Erzieherin getröstet werden. Das weiß ich sogar aus eigener Erinnerung. Jedoch wurde es besser und nach einem Jahr wechselte ich auf einen regulären Kindergarten für Montag bis Freitag. Dort stellte sich heraus, dass ich sozial und pädagogisch zurück war und auch die Kinder teilweise "angegriffen" habe. Kneifen, Hauen und solche Sachen. Das hörte aber auch irgendwann auf und nach einiger Zeit hatte ich einen ersten Freund gefunden. Beziehungsweise eine erste Freundin. Schon damals war ich viel mehr auf Mädchen fokussiert, die Jungs waren mir zu wild, vielleicht auch nicht ganz geheuer. Bei Mädchen fühlte ich mich wohler, das hat sich bis heute bewährt. Irgendwann hat es auch mit zwei, drei Jungs geklappt und ich war dann auch gut in die Gruppe integriert worden. Oft haben wir nur unsere Fantasie benutzt und "Abenteuer erlebt". So erinnere ich mich noch, wie wir so getan haben, als würde der Kindergarten brennen oder uns ein Mützenmonster jagen (das wollte alle unsere Mützen klauen). Das war stets mit viel Spannung verbunden. Ebenfalls machte sich mein, für die Verhältnisse eines Kindergartenkindes, hoher IQ bemerkbar. Laut damaligen Unterlagen betrug der, im Vergleich zu durchschnittlichen Gleichaltrigen, 124. Ich brachte mir selber Lesen, Schreiben und Rechnen bei. Sogar ein Tagebuch führte ich für ein gutes Jahr lang. Mit fünf konnte ich das alles bereits besser als so mancher Erstklässler und wurde oft von den Kindern darum gebeten, ihnen Bücher vorzulesen. Auch habe ich mit einer Erzieherin gerne Galgenraten gespielt und war teilweise prima darin. Ich wurde erst mit sieben eingeschult, da meine sozialen Fähigkeiten noch nicht so gut waren.

Im Alter zwischen fünf und acht Jahren veränderte sich mein Wesen. Plötzlich konnte ich auch mal sehr laut sein und wurde manchmal zur regelrechten Quasselstrippe. Ich vermute, wenn ich so darüber nachdenke, dass wohl die Kindergartenkinder mich unterbewusst beeinflusst haben. Meine lebhafte und manchmal auch ungeduldige Art konnte jedoch nicht mein Empfinden zerstören. Und auch nicht meine lebhafte Fantasie. Ich war unbeschwert, ich war frei, manchmal konnte ich aber auch streiken, wenn mir was nicht passte. Das Verrückteste ist, dass ich in dieser Zeit extrem glücklich war und sie heute noch als die schönste Zeit in meinem Leben bezeichne. Ich verhielt mich damals auch schon eher introvertiert. Alleine spielen - super gerne. Und das teilweise stundenlang. Ich habe mich damals noch sehr um meine kleine Schwester gekümmert, die geboren wurde, als ich drei war. Als sie selber drei war, fing die Geschwisterrivalität an und besteht heute noch. Sie war zu stark auf mich fixiert, wollte immerzu in mein Zimmer oder sonst wie mit mir spielen und da war ich sehr streng. Wenn ich mich von ihr zu strak bedrängt fühlte, gab es Streit. Da sie damals noch so wehrlos war, fand ich es nicht so nervig, wie heute.

In der Grundschule machte ich mir meine gute Lernfähigkeit sehr zum Vorteil. Einerseits gut für das Zeugnis, andererseits kamen regelmäßig Klassenkameraden auf mich zu, wenn sie bei einer Aufgabe Hilfe brauchten. So war ich also gut zu gebrauchen und baute mir dort auch einen wechselhaften Freundeskreis auf, der Jungs und Mädchen beinhaltete. Während der Grundschulzeit wurde ich auch wieder ruhiger und merkte auch meine zunehmende Vernunft. In meiner Kindheit war eher wenig los. Hier und da ein paar Hobbys, sonst war ich viel zu Hause. War auch super so. Verabredungen mit Freunden waren eher selten, aber sie waren da. Schnell entdeckte ich das Schreiben von Geschichten für mich. Komplett freiwillig saß ich als Siebenjähriger am Computer und schrieb Geschichten mit einer Länge von mehreren Seiten, die ich dann vor meiner Klasse vorgelesen habe. Würde ich heutzutage natürlich nicht machen. Aber da erkannte ich meine Kreativität und Einfallsreichtum. Ich hatte schon mit acht hundert Word-Dokumente erstellt, besitze diese immer noch. Beim Schreiben fühlte ich mich in Harmonie mit mir selbst.

Fortsetzung folgt.
Zuletzt geändert von Träumerle am Do 26. Okt 2017, 15:38, insgesamt 1-mal geändert.
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da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
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Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Träumerle » Do 26. Okt 2017, 15:37

Sensibel war ich schon damals, ist etwas komisch, das zu sagen, weil ich ja das Wort noch nicht kannte und es deswegen nicht so mitbekommen habe. Auf jeden Fall hatte ich von klein auf ein intensives Wahrnehmungsvermögen.

Dann kam auf der weiterführenden Schule, dem Gymnasium, die Wende. Die problematische Klasse akzeptierte mich teilweise gar nicht, wobei man sagen muss, dass sie mich auch innerlich sehr geformt hat. Ich wurde so wie sie und wurde unglücklich. Die Folge war ein Burn-Out mit zwölf Jahren. Könnte auch eine kleine Depression gewesen sein. Jedenfalls war das die dunkle Zeit meines Lebens und möchte darauf auch nicht weiter eingehen. Als ich aus dieser blöden Phase herauskam, wurde ich auch wieder liebenswerter und zu dem, was ich heute bin. Immer noch aber habe ich Schwierigkeiten, mit anderen in meinem Alter auszukommen, gemeint sind die männlichen Wesen in erster Linie. Denn ich kann mich schlecht behaupten, Wissen reicht da nicht aus. Meine ungewöhnlichen Interessen und die Ablehnung des Verhaltens und der Hobbies der heutigen Jugend sind ein Grund dafür. Es fehlt mir auch an Durchsetzungsvermögen und Stärke. Als ich eines Tages auf den Begriff "introvertiert" und ein weiteres Jahr später auf "hochsensibel" stieß, wusste ich: "Das bin ich!"

Heute bin ich ein umgänglicher, ruhiger, verträumter und hilfsbereiter Mensch, der sich oft an die Kindertage erinnert.

Liebe Grüße,
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Der Koala » Do 26. Okt 2017, 17:07

Selber das Lesen beibringen finde ich eine beachtliche Leistung!
Ich Habs in der ersten Klasse gelernt und war seitdem nicht mehr zu bremsen. Hab auch während dem Unterricht unter dem Tisch gelesen, wurde da aber meistens von meinen Freunden verpetzt.
Ich hatte als Kind viele Freunde aber irgendwie hielt sich das nie länger als 2 Jahre.
Ist auch heute noch so. 2 Jahre und dann kann ich mit den Leuten kaum noch was anfangen.

Die Depression hat bei mir mit 13 angefangen und erst mit 18 hab ich mich zum Arzt getraut.
Sich vorzustellen dass ich 5 Jahre meines Lebens mit Depressionen verschwendet habe...

Zum Thema weinen: mich verwundert es immer wieder, wenn ich lese dass hsp sehr schnell weinen können. Als wäre das eine Art pflichtsympftom der hs.
Ich hab nie gelernt zu weinen und erst jetzt lerne ich das, fällt mir aber immer noch schwer.
Ob ich stärker fühle wie andere, kann ich nicht sagen, aber was das ausdrücken angeht bin ich definitiv unfähig. Nur schriftlich funktioniert es manchmal.
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Krümelkeks » Mo 6. Nov 2017, 00:24

Der Koala hat geschrieben:Zum Thema weinen: mich verwundert es immer wieder, wenn ich lese dass hsp sehr schnell weinen können. Als wäre das eine Art pflichtsympftom der hs.
Ich hab nie gelernt zu weinen und erst jetzt lerne ich das, fällt mir aber immer noch schwer.


Mich würde sehr interessieren wie der Satz "Ich habe nie gelernt zu weinen" gemeint ist. Meinst du damit, dass dir niemand je beigebracht hat, dass weinen okay ist? Oder meinst du das anders? Ich frage, weil ich eigentlich immer der Meinung war, dass Weinen eine natürliche Reaktion ist, die allerhöchstens "abtrainiert" werden kann - also durch solche Sätze wie "Jetzt heul hier mal nicht so rum." oder "Ein Indianer kennt keinen Schmerz." Ich fände es wirklich interessant zu wissen, wie genau du das mit dem "nie gelernt zu weinen" meinst. :)

Zur Ausgangsfrage: Ich war als Kind sehr ruhig und schüchtern. Ich habe viel gelesen und wenig gesagt und wenn dann sehr leise. So richtig ausgelassen sein konnte ich nur unter Menschen, die ich gut kannte. Das muss auf fremde Menschen (und vor allem fremde Kinder) etwas komisch gewirkt haben, deshalb hatte ich auch nie viele Freunde. Gelacht hab ich trotzdem schon immer gerne. Und im Kreise der Familie konnte es auch mal passieren, dass ich extreme Wutanfälle bekam. Ich denke aber heute nicht, dass es daran lag, dass ich irgendwie verwöhnt war oder so. Ich kann mich nämlich noch genau dran erinnern, wie ich mich damals gefühlt habe - unverstanden, verraten, nicht ernst genommen. Diese Gefühle waren bei mir sehr heftig und deswegen bin ich bei sowas häufig ausgerastet. Zumal meine Eltern nie mit Verständnis reagiert haben, sondern mich immer gleich zurück angeschrien haben. Was ich ihnen aber heute nicht verüble. Ich glaube, in so einer Situation ruhig zu bleiben, ist wirklich schwierig. Auf jeden Fall kenne ich solche Gefühle auch von heute noch und auch heute kann ich ganz schön ausrasten, aber ich kann es besser kontrollieren (zumindest ein wenig^^).
Ich bin zwar heute etwas redseliger und mutiger gegenüber fremden Leuten, aber eine gewisse Angst vor ihnen ist geblieben. Wenn ich mir aber ansehe, wie ich vor 5 Jahren war und wie ich heute bin, so habe ich schon sehr viele Fortschritte gemacht. Und ich hoffe, dass diese jetzt nicht zum Stillstand kommen. :)
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon sickandtired » Fr 10. Nov 2017, 21:41

Nabend,

als Baby und Kleinkind war ich laut meiner Mama ungewöhnlich brav und ruhig, hab total schnell alleine und durchgehend geschlafen, nicht viel geschrien oder geweint.

In meiner eigenen Erimnerung war ich im Kindergarten die totale Diktatorin ^^. Ich war nicht böse oder sowas zu den anderen Kids, aber die haben alle nach meiner Pfeiffe getanzt und ich war schwer beliebt und immer im Mittelpunkt.

Ab der Volksschule wurde ich zur totalen Einzelgängerin. Das Schräge ist, ich LIEBTE das Alleinesein und wollte auch gar keine Freunde haben. Erst als mir von allen Seiten quasi gesagt wurde, das sei nicht normal wollte ich mich anpassen und ließ mir also sozusagen einreden ich sollte Freunde wollen. Äääh ja...hat eh nicht geklappt.

Jugendzeit totale Katastrophe. Jahrelanges Mobbing plus traumatische Erlebnisse.

Tja, so viel dazu...find das ne total spannende Fragestellung btw.
Es grüßt euch
sick
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Black Cat Coffee » Sa 11. Nov 2017, 23:31

Hallo ihr,

als Kind war ich sehr ängstlich und introvertiert. Viele der Ängste habe ich bis heute, aber in abgeschwächter Form. Laute Geräusche und Geräusche an der Hörschwelle, Vergrößerungen (große Schatten oder durch ein Vergrößerungsglas), Insekten, keinen festen Boden unter den Füßen zu haben (habe deswegen nie Fahrradfahren gelernt und bin auch nie Bäume hochgeklettert), telefonieren und natürlich die Dunkelheit, genauer gesagt, etwas wahrzunehmen, was nicht da ist. Vielleicht habe ich ja als Kleinkind ein hypnagoges Erlebnis gehabt, was mich sehr erschreckt hat? Bis zum Alter von 6 habe ich grundsätzlich mit meiner Mutter in einem Bett geschlafen, und im Alter von 6 bis 9 kam ich jede Nacht zu ihr. _müh_

Außerdem habe ich erst angefangen, sprechen zu lernen und bin dann verstummt. Als ich 2 war, hat mich meine Familie mal belauscht, wie ich alleine in einem Zimmer ein Gedicht vor mich hinflüsterte. Bald darauf habe ich mit dem Sprechen angefangen, aber nicht in Kleinkindersprache, sondern direkt richtig. Mit 4,5 habe ich festgestellt, dass ich lesen kann und habe dann auch direkt angefangen, still für mich zu lesen, sodass manche Kinder mir nicht geglaubt haben, dass ich lesen kann. Jedenfalls war ich ab da ein Bücherwurm.

Seltsamerweise hatte ich nie eine Fragephase. Wenn mir etwas nicht klar war, habe ich mir die Antwort selbst gedacht. Machmal sind dadurch wirre Bilder in meinem Kopf entstanden. _läch_

Bei den Kindern im Kindergarten hat mich ihre Ellenbogenmentalität und ihre Unberechenbarkeit sehr abgeschreckt. Vielleicht war das der Grund, warum ich mit meinen sozialen Fähigkeiten meinen Altersgenossen hinterherhinkte. Später im Schulalter wurde der Unterschied zu den anderen immer größer und ich bekam die Diagnose "Emotionale Störung des Sozialverhaltens", außerdem "Entwicklungsstörungen der Sprache und der Motorik", weil ich ja so spät angefangen habe zu sprechen und sehr ungeschickt war. Außerdem habe ich in der Schule kaum geredet. Ich frage mich, ob das selektiver Mutismus war. Ich war nicht einfach zu schüchtern, sondern es war nichts in mir drin, was ich hätte ausdrücken können. Weil ich so wenig geredet habe und eine eingeschränkte Mimik, Gestik und Intonation hatte/habe(?) wurde ich von der 6. bis zur 8. Klasse gemobbt.

Große und kleine Veränderungen (Umzüge, neue Klassenstufen, Jahreszeitenwechsel, neue Lebensabschnitte) fand ich übrigens sehr spannend. Das Festhalten an Liebgewonnenem kannte ich als Kind nicht. Daher habe ich mich als 6-jährige riesig gefreut, als wir aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gezogen sind. Das war für mich quasi ein Abenteuer im geschützten Umfeld, da die ganze Familie mitkam. Ich dachte zwar immer gerne an meine frühe Kindheit in Kasachstan zurück, Heimweh hatte ich aber nie. Da mir klar war, dass es an anderen Orten eben anders ist, hatte ich keinen Kulturschock oder dergleichen. Ich habe sowieso noch über so vieles auf der Welt gestaunt, da war es egal, ob ich dort über alles staune oder hier. Das konnte ich bisher noch niemandem begreiflich machen, weil alle davon ausgehen, der Wechsel hätte mir schwerfallen und ich hätte doch zumindest einen kleinen Kulturschock haben müssen. _%_

Der Schulstoff ist mir zumindest in den Sprachen, Mathe und den Naturwissenschaften sehr leicht gefallen. Das habe ich genutzt, um möglichst schnell mit den Hausaufgaben fertig zu werden und mehr Freizeit zu haben (also spielen, lesen und träumen). Wenn mir etwas nicht auf Anhieb leicht gefallen ist, habe ich dies bald hingeschmissen, weil ich keine Zeit mit Dingen verschwenden wollte, für die ich scheinbar zu unbegabt war. Deswegen und aus meiner Vorliebe für Veränderungen habe ich nicht gelernt, eine Tätigkeit/Hobby/... längere Zeit durchzuhalten, sondern fange dauernd etwas Neues an, ohne die vorherigen Vorhaben zu Ende zu bringen.

Soviel zu meiner Kindheit.

Liebe Grüße
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon monchichi » So 11. Feb 2018, 14:17

Ich habe sehr viel geschrien als Baby. Im Kleinkindalter habe ich mich immer beim spielen zurückgezogen und wollte alleine sein. Die Schulzeit war der blanke Horror für mich. Wurde immer gemobbt wegen meines Namens und meines Gewichts (war sehr dünn damals, aber keine Essstörung) und außerdem war ich extrem schüchtern. Nur eine Freundin hatte ich damals. Meine Eltern sind dann auch noch ständig umgezogen und ich musste die Schule öfter wechseln. Und ich weiß noch, das ich in der Schule total verträumt war und mich null konzentrieren konnte. Bin oft nach dem Unterricht weinend zu Hause angekommen, weil ich wieder gemobbt wurde.
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon Intro » Di 13. Feb 2018, 15:58

Damals wunderte ich mich, wenn andere Kinder ihr Spielzeug zerstörten oder die eigenen Tapeten bekritzelten und abrissen. Ich habe nie verstanden, warum die schönen Playmobiltiere geworfen und zerbrochen wurden oder wenn wild gebrüllt und rumgekloppt wurde. Das habe ich nur notgedrungen getan, wenn es zur Verteidigung diente. Toben war für mich sehr ok, hatte auch einen großen Bewegungsdrang, war fast immer draußen, aber Schubsen und Gerangel war mir ebenso ein Graus wie dieses Unterdöppen im Schwimmbad. Mir würde zwar auch unterstellt, dass ich (mein eigenes) Spielzeug zerstörte, aber das war nur aus Forschungsdrang. Damals habe ich Puppen in der Werkstatt meine Opas aufgeschnitten, da ich den Klappmechanismus der Augen oder das Brummen vom Teddy verstehen wollte. Das geschah natürlich heimlich und ich betrieb viel Aufwand, die "Leichen" unauffällig verschwinden zu lassen. Hat leider nicht immer geklappt. #bäh#
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Re: Wie wart ihr als Kinder?

Beitragvon feol » Mi 14. Feb 2018, 03:15

Interessant - sehr unterschiedliche Kindheitsgeschichten hier. Aber bei einigen erkenne ich Muster die auch auf mich zutreffen.

Mir wurde erzaehlt, dass ich ein Schreibaby gewesen waere. Man habe den Eindruck gehabt, dass ich nach der Geburt sehr unzufrieden war mit dem Geborensein.
Ich habe nur Erinnerungen an einige sehr wenige intensive Erlebnisse aus frueherer Kindheit. Das waren vor allem Streits meiner Eltern, die Hitze und brennende Sonne waehrend eines Urlaubs, die Panik waehrend der Tschernobylereignisse (in Deutschland wohlgemerkt), die aggressive Stimmung bei politischen Veranstaltungen in die meine Eltern involviert waren.

Im Kinderladen war ich sehr ruhig, habe oft alleine gespielt oder phasenweise mit einem einzigen Freund (dann immer die gleiche Person). In meiner Erinnerung bin ich am liebsten jeden Tag der gleichen Routine beim Spielen nachgegangen (mit Baukloetzen). Zu dem Zeitpunkt habe ich mich noch nicht als Aussenseiter gefuehlt, ich habe die anderen Kinder bei ihren Gruppensachen eher mit Staunen beobachtet, hatte aber nicht das Beduerfnis involviert zu sein.
Auch zu Hause war ich viel alleine, konnte mich stundenlang selber beschaeftigen, im Garten spielen, meine Kreativitaet ausleben, insbesondere mit Lego. Aber zunehmend wurde das von meinen Eltern als nicht normal befunden. Ich wurde wiederholt unter Druck gesetzt, mir in der Nachbarschaft Freunde zu suchen. Fuer mich war das eine Tortur, allein ohne eigene Motivation und Einladung bei anderen, die mir fremd waren, klingeln zu muessen. Ich konnte mit den anderen Kindern kaum was anfangen. Die haben meistens nur Fussball gespielt, was mich absolut langweilte. Zeitweise hatte ich immer mal einzelne Spielkameraden, eher Kameradinnen, mit denen ich mich gut beschaeftigen konnte. Aber ich fuehlte mich auch ohne diese sehr ausgefuellt.

Mit der Einschulung ging es dann gen Hoelle. Wenn ich heute ein Foto von mir waehrend der Einschulung betrachte, spricht mein damaliger Gesichtsausdruck Baende bzgl. der sich ankuendigenden Situation. Gleichwohl war die Grundschulzeit noch halbwegs idyllisch. Laut Lehrern war ich stets zu ruhig und vertraeumt. Trotz einiger Anpassungsprobleme hatte ich einige wenige Freunde, die den Schulalltag ertraeglich machten. Es wurde fuer sonderbar befunden, dass ich bei vielen Gelegenheiten meine Abneigung gegen den allseits beliebten Sommer und dessen Sommersonne kundtat (ich liebe Draussensein und Natur, aber nicht Hitze und Verbrennen). In den hoeheren Schulformen ging es dann aggressiver zu. Ich habe versucht mich unauffaellig zu verhalten. Allerdings habe ich dabei irgendwas ausgestrahlt, das Mitschueler und Lehrer ganz besonders provozierte. Ich wurde zunehmend zum Aussenseiter und teilweise gemobbt. Die pubertaere Phase war dann der Horror fuer mich. Vermutlich hat mich nur ein Schulwechesel ans berufliche Gymnasium gerettet, wo die Schueler etwas aelter und ausgeglichener waren. Gewisse Muster und Aengste aus der Kindheit und Schulzeit haben sich eingebrannt und wirkten noch waehrend des Studiums und teilweise bis heute nach.

Bzgl. Lernfaehigkeit waehrend der Kindheit (und auch heute) denke ich, dass ich grosse Probleme habe, die Dinge so nachzuvollziehen, wie sie typischerweise aufbereitet und vermittelt werden. Was fuer alle klar war, war fuer mich stets unklar. Ich musste und muss Sachen immer in meiner Welt in meiner Weise ergruenden. Das dauert mitunter etwas. In der Schule war ich schlecht in Mathe, spaeter habe ich unter anderem reine Mathematik studiert.
feol
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