Zu sich selbst stehen

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Zu sich selbst stehen

Beitragvon Nicky » So 4. Sep 2011, 02:21

Hallo ihr Lieben,

ich hatte heute ein Erlebnis, was für mich wieder eine schwierige Prüfung dargestellt hat.

Ich war auf einer Geburtstagsfeier des Vaters eines Freundes. Ich fühlte mich dort sehr wohl, weil die Söhne des Gastgebers, meine Freunde sind.
Wie ich schon öfter geschrieben habe, gehe ich ja nebenbei einer künstlerischen Tätigkeit nach, und stehe auch dazu. Seit meiner Trennung sowieso. Denn ich habe mich sieben Jahre dazu hinreißen lassen, immer den Erwartungen anderer entsprechen zu wollen.
Ich habe, weil ich Lust dazu hatte, meine Haare teilweise pink gefärbt, um meine Lebenslust und die bunte Vielfalt meiner Gefühlswelt auszudrücken.

Heute bin ich das erste Mal auf massive Ablehnung gestoßen.
Einer der Gäste auf der Feier-ein älterer Herr, der 32 Jahre älter ist als ich- hat mich auf's übelste beschimpft, dass ich wohl alles von meinen Eltern in den Allerwertesten gestopft bekommen würde, und gar nicht wüsste, was es bedeutet, für sein Geld arbeiten zu gehen.
Der kennt mich gar nicht, hat mich dort zum allerersten Mal gesehen.

Ich bin nun in eine Zwickmühle, wie ich das verarbeiten soll. Einerseits beschäftigt es mich, denn ich finde es sehr kränkend. Immerhin würde ich ja auch nicht so über jemanden urteilen, der ein anderes Leben führt als man selbst. Ich habe mich auch auf der gleichen Ebene, die ein sehr niedriges Niveau hatte, gewehrt. Doch ich denke, dass es falsch war. Eigentlich hätte ich ihm wahrscheinlich ins Gesicht lachen müssen. Aber ich wahr irgendwie auch sprachlos, weil der mich mit seinem Gequatsche so dermaßen "überfallen" hat.

Ich kenne das ja eigentlich schon, für meine musikalische Tätigkeit belächelt und nicht ernst genommen zu werden, aber es verletzt einen doch immer wieder im ersten Augenblick. Aber in einem solchen Maß beleidigt zu werden, ist neu für mich. Ich versuche nun, die ganze Sache an mich rankommen zu lassen, aber es fällt mir schwer.
Ich weiß auch, dass ich damit leben muss, wenn ich tatsächlich irgendwann mal ein künstlerisches Leben führen sollte, aber ich würde trotzdem gerne wissen, wie ihr mit solchen Dingen umgeht!

Vielen Dank für eure Antworten!

Liebe Grüße

Nicky
Das Leben ist nie festgefahren.
In jedem von uns steckt die Macht, sein Leben so zu gestalten wie man es sich wünscht!
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon ja » So 4. Sep 2011, 10:17

Puh liebe nicky,

was für eine unangenehme situation!
_knüddel_




Konkret kann ich natürlich nichts dazu sagen,
jedoch habe ich überlegt wie ich mit vergleichbar miesen situationen umgehe
und bin auf zwei punkte gekommen, zum einen „perspektivwechsel“ und zum anderen „standing“.

Der „perspektivwechsel“:
habe ich so benannt, da wenn ein mensch so unangemessen ausflippt,
hat das definitiv nix mit mir zu tun (!!!),
vielmehr hängt er in seinem film (in dem von dir beschrieben fall hätte ich wahrscheinlich gedacht der wollte als junger mann bestimmt auch musik machen und hatte nicht den mut den lebensweg zugehen – jetzt ist er vor neid und missgunst zerfressen und bedauert sich selbst)

also man selbst/ das eigene handeln ist quasi nur das „stichwort“ und der andere setzt ein ...



das „standing“
da geht es mir darum „sich seiner selbst bewusst“ zusein.
wenn ich voll güte und milde bei mir bin habe ich ein festes fundament.
Und dann machen mir die „stürme des lebens“ auch nix mehr aus,
vielmehr im gegenteil ich spiele mit _10_
es ist doch ein herrliches gefühl sich in den wind zulegen und von ihm halten zu lassen ...






bei mir bedarf beides echt übung,
langsam werde ich sicherer darin und es wirkt (bringt mir sicherheit und erleichterung)
oft „rutsche“ ich in alte verhaltensmuster
und bin am leiden 1alie




übende Grüße,
ja.
weniger ist mehr

-------------------------------------------------------------------------------



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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Ronja » So 4. Sep 2011, 10:42

Hallo Nicky,

wie ich reagiert hätte kann ich dir nicht sagen aber es hätte gut sein können, dass ich genauso reagiert hätte. Den ich denke man weiß in so einem Moment erstmal nicht, wie man sich verhalten soll. Mir geht es oftmals so, dass ich anfange mich zu verteidigen.

Nun, ich würde sagen dass dieser Mensch einfach unzufrieden ist mit sich selbst. Nimm es nicht persönlich, das ist ganz wichtig für dich! Ich kann nur spekulieren.... Er ist ja auch eine andere Generation und ich kenne das von meinen Großeltern! Da war arbeiten das höchste Gut und vor allem in Ihren Augen war auch der künstlerische/musikalische Bereich das schlimmste was man je tun konnte.

Ich versuche zu verstehen was in solch einem Menschen vorgeht, dann kann ich besser damit abschließen. Ich weiß, dass es dir sicherlich erstmal emotional sehr nahe ging? Ich brauch bei sowas immer mehrere Tage bis ich das verdaut habe. Ich sehe so etwas auch als eine Prüfung für sich selber an, den vielleicht gibt es ja etwas dass du dabei selber lernen musstest? Vielleicht fehlt dir auch Selbstbewusstsein?

Ich hoffe du fühlst dich dabei nicht angegriffen? Den das will ich überhaupt nicht! Im Gegenteil, ich selber bewundere deinen Weg! Ich finde es Super dass du genau das tust was für dich am besten ist!

LG Lotta
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Idira » So 4. Sep 2011, 11:24

Hallo Nicky,

einen guten Rat, was Du in der Situation hättest tun können, habe ich leider nicht.
Denn ich selbst wäre in einem solchen Moment so fassungslos gewesen, dass es mir die Sprache verschlagen hätte.
Du hast ja immerhin etwas erwidert. Zwar vielleicht nicht die "perfekte" Antwort, aber andererseits, was ist denn die perfekte Antwort auf eine solche Unverschämtheit des Gegenübers?
Wichtig finde ich schon mal, dass Du die Demütigung nicht nur ertragen, sondern Dich wenigstens gewehrt hast.
In einem Bild gesprochen, kommt jemand mit einer Keule hinter dem Busch hervorgesprungen und prügelt auf Dich ein, ist es verständlich, wenn Du auch nur einfach den nächstbesten Gegenstand nimmst und Dich wehrst. Und sei es die neue Bratpfanne, die Du gerade eben im Geschäft gekauft hast.
Fakt ist: Niemand hat ein Recht auf dich einzuprügeln, auch nicht verbal!

Nun noch etwas spezieller das Thema wegen der eigenen Kunst attackiert zu werden.
Damit, liebe Nicky, müssen leider ALLE Künstler lernen zu leben.
Auch wenn dies für Dich jetzt sicherlich nicht angenehm ist zu hören, aber dies ist einfach eine Tatsache.
Ich kenne wirklich nicht wenige Kunstschaffende und egal wie bekannt und erfolgreich sie sind, sie müssen lernen mit Anfeindungen zu leben.
Es ist sehr traurig und hinterlässt ein Gefühl von ungerecht behandelt werden.
Aber es ist auch unabänderlich.
Wenn Du also in diesem Bereich tätig sein willst, wird das die Schattenseite davon sein und der Preis, den Du zahlen mußt.
Eine Künstlerin kann sich nur dafür entscheiden sich der Öffentlichkeit zu stellen und mit diesem bedauerlichen Sachverhalt zu leben oder dies nicht ertragen zu wollen und deshalb im stillen Kämmerlein zu bleiben.

Früher hatte ich an solchen Situationen ganz arg zu knabbern gehabt, insbesondere, da ich im Gegensatz zu Dir, vollständig sprachlos war.
Es ist mir auch heute noch nicht gleichgültig geworden, doch hilft es mir zumindest zu wissen, dass ALLEN Kolleginnen und Kollegen im Verband Deutscher Schriftsteller, die ich je gesprochen habe, im Laufe ihrer Karriere schon ähnliches widerfahren ist.
Dies ist natürlich nicht wirklich ein Trost, aber es relativiert für mich die Sache.

Ich wünsche Dir also, dass Du Dich - egal was da noch kommen mag - nie entmutigen läßt.

Liebe Grüße
Idira
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon DrKatZe » So 4. Sep 2011, 20:48

Nicky hat geschrieben:Hallo ihr Lieben,

Heute bin ich das erste Mal auf massive Ablehnung gestoßen.
Einer der Gäste auf der Feier-ein älterer Herr, der 32 Jahre älter ist als ich- hat mich auf's übelste beschimpft, dass ich wohl alles von meinen Eltern in den Allerwertesten gestopft bekommen würde, und gar nicht wüsste, was es bedeutet, für sein Geld arbeiten zu gehen.
Der kennt mich gar nicht, hat mich dort zum allerersten Mal gesehen.

Ich bin nun in eine Zwickmühle, wie ich das verarbeiten soll. Einerseits beschäftigt es mich, denn ich finde es sehr kränkend. Immerhin würde ich ja auch nicht so über jemanden urteilen, der ein anderes Leben führt als man selbst. Ich habe mich auch auf der gleichen Ebene, die ein sehr niedriges Niveau hatte, gewehrt. Doch ich denke, dass es falsch war. Eigentlich hätte ich ihm wahrscheinlich ins Gesicht lachen müssen. Aber ich wahr irgendwie auch sprachlos, weil der mich mit seinem Gequatsche so dermaßen "überfallen" hat.


Solch eine Situation kenne ich sehr gut. Regelmäßig in meiner Pubertätszeit hat mein Schwager mich nieder gemacht mit einfachen kurzen un dsehr wirkungsvollen Sprüchen. Wenn wir uns in Familie unterhalten haben und ich dann mal meinen Mund dazu aufgemacht habe, weil ich etwas beitragen konnte und wollte, wurde mir das durch ihn gleich zunichte gemacht, in dem er meine Aussage ins Lächerliche zog und hämisch dabei grinste. Ganz fies. Wie sehr habe ich mir in all diesen Situationen gewünscht, taff zu reagieren und cool irgendwas zu kontern. Nie ist es mir gelungen, so sehr ich es mir auch wünschte und fest vornahm. Es wollte nie etwas über meine Lippen kommen. Stattdessen war ich geplättet und verletzt, zog mich in mich zurück und oft liefen mir dann auch die Tränen haltlos über die Wangen. So viel Gemeinheit konnte ich nicht ertragen. Und ich frage mich auch heute noch, warum er das getan hat. Was habe ich an mir, dass er mich so schikanieren musste?

Liegt diese Reaktionslosigkeit oder selbst empfundenes falsch Reagieren vielleicht an den eigenen Selbstzweifeln, die in uns doch irgendwo ganz tief unten in der dunklen und dreifach abgeschlossenen Truhe unserer Seele schlummern, obwohl wir fest daran glauben, von uns selbst überzeugt zu sein? Was ist es, dass uns so aus der Fassung reißt in solchen Momenten? Ich denke mir, es muss etwas in mir drinnen sein, dass in diesem Moment der Attacke aus dem Ruder kippt und damit eine "richtige" Reaktion unmöglich macht.
Gib mir Kraft, zu verändern, was ich verändern kann, und die Gelassenheit, geschehen zu lassen, was ich nicht verändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. .Seneca.

Ich bin verantwortlich für das, was ich sage. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was du verstehst.
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Komma » Mo 5. Sep 2011, 10:45

hm.. was ist eine richtige Reaktion auf solch einen Übergriff?

Ich sehe das wie Idira , wenn nötig wird die nächste Bratpfanne genommen um sich zu wehren. Leider neigen HSP dazu sich verpflichtet zu fühlen auch solche Situationen zu analysieren und entsprechend richtig (was immer das ist) und ohne viel Streiterei zu lösen. Man fühlt sich schon wieder zuständig für alles und jeden , sogar für einen Menschen der gerade auf einen einprügelt..... _nüxweiss_

Inzwischen bin ich der Meinung dass man in solchen Situationen nur für sich selbst sorgen muss. Ich reagiere inzwischen vielleicht zu allergisch auf diese Art Mitmenschen und vertreibe sie mit den schlimmsten Beschimpfungen die mir gerade einfallen. Das Niveau ist mir in solchen Augenblicken herzlich egal. Hauptsache es wirkt. _bash_ icon_redface
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Lavendele » Mo 5. Sep 2011, 11:41

Liebe Nicky!

auweia...der Oberhammer schlechthin!! _knüddel_

Mir fällt dazu ein:

Da ich in einem Beruf tätig bin, in dem ich oft Seminare besuchen darf (Krisenmanagement etc.)
war das ein oder andere dabei, was auch fürs Privatleben durchaus angewendet werden darf.
In unserer Praxis haben wir Gottseidank solche Vorfälle bisher nicht gehabt...aber üben für den "Notfall" ist gar nicht so schlecht.
Da wurde uns als erstes vermittelt: persönliche Angriffe haben nichts mit unserer Person zu tun- meist steckt ein ganz anderer Grund dahinter....vielleicht wie JA es schon spekulativ geäußert hat.
Gut, in meinem Beruf ist es wohl die Angst, die die meisten Menschen irrational handeln läßt.
Als zweites wurde uns vermittelt: wer fragt sitzt am längeren Hebel..soll heißen, der, der grade austeilt- aus welchem Grund auch immer ist auf Krawall gebürstet und er will seinen Frust loswerden. Ich habe aber die Möglichkeit ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen und das sind Fragen...da diese Menschen in dem Moment ganz "außer sich " sind rechnen sie damit nicht..es sind Fragen wie: Warum beleidigen Sie mich jetzt, Warum werden sie so persönlich? In den allermeisten Fällen, kommen diese Menschen dann zur Besinnung. Sicher da gibts bestimmt noch Härtefälle, die das nicht abschreckt...da hilft nur noch umdrehen und den Ort des Geschehens verlassen.

Das mit dem belächelt werden für meine künstlerische Tätigkeit kenn ich auch....seit 2 Jahren nehme ich Gesangsunterricht und wenn sich die Gelegenheit ergibt singe ich auch- meist in kleinem Kreis und unter Freunden-da habe ich mir auch schon so einiges anhören dürfen...wie z.B.na da hat sie sich aber keinen Gefallen mit getan...oder hach, das kenn ich aber nicht, was Du da singst...sing doch mal AC/DC _bash_
oder wenn ich singe wird gequatscht oder einfach nicht hingehört, weil das iss ja nix was im Radio düdelt und dass man mitgrölen kann.
Mit meiner Gesangslehrerin- auch HS hab ich da oft drüber gesprochen und sie hat mich so manches Mal aufgebaut.
Obwohl sie eine super Jazzsängerin ist, geht es ihr immer noch mal so.
Sie sagt sich dann..wenn in einem Raum 100 Leute sind und 99 hören nicht hin, dann singt sie halt für den einen einzigen.
Diese ignoranten Menschen wissen gar nicht, was für ein Geschenk wir ihnen in dem Moment machen...
wir stellen uns dahin-zeigen Gefühl...setzen uns der Situation aus auch mal einen Ton nicht zu treffen.
Tja, wie Idira schon sagte...als Künster darf man noch so einiges lernen...und in der heutigen Zeit ist es so...als Künstler soll man doch bitteschön perfekt sein, dabei geht es doch darum, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen.

Uups nu bin ich wieder von Hölzken auf Stöcksken gekommen _grin_

Liebe Grüße Lavendele
So ist das Leben" , sagte der Clown und malte sich
mit Tränen in den Augen, ein strahlendes Lächeln ins Gesicht.
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Jaque » Mo 5. Sep 2011, 22:40

Hallo zusammen,

ich bin nach langer zielloser Reise (ich hab ewig studiert) irgendwann im Personalwesen gelandet. Anfangs war ich mit den Aufgaben ziemlich überlastet, mußte unglaublich viel lernen, ABER: Durch diese Arbeit und den ständigen Kontakt mit Menschen (die meist auch noch ein Problem haben) habe ich verschiedene Verhaltensweisen entwickelt, die mir sehr helfen. Auch im privaten Leben! Ich hatte auch einige Kommunikationsseminare und komme mit dieser Methode auch bei Menschen weiter, die mein doppeltes Jahresgehalt im Monat verdienen.
Wie Lavendele schon geschrieben hat: Wenn mich jemand, den ich womöglich garnicht kenne "anschnautzt", lasse ich das einfach mal geschehen. Ausreden lassen, bis die heiße Luft raus ist! Dazu gehört sicher ein wenig Übung, weil ich zumindest immer das Verlangen habe mich zu rechtfertigen, egal warum. Aber das bringt mein Gegenüber ja meist nur noch mehr in Wallung.
Ausreden lassen ist ganz wichtig. Ausserdem verunsichert das auch den Anderen. Er wird irgendwann selbst merken, wie lang und hitzig er sich da artikuliert hat und wird in einer Gruppe sofort einen Blick in die Runde werfen, um sich die Bestätigung der Anderen zu holen. Da du aber keine Miene verziehst und die Runde wahrnimmt, das die Anschuldigungen oder Beschimpfungen an dir abperlen, werden sie das Verhalten des Anderen missbiligen. Oder anders: Nicht in die Opferrolle drängen lassen! Sobald man sich darauf einlässt dagegen zu argumentieren, gibt man indirekt zu, dass der Andere Recht hat. Stell dir einfach vor der ist verrückt und weiss nicht was er da sagt! Und dann den Ball zurück spielen mit einer "Warum glaubst du das... "-Frage, also in Erklärungsnot bringen und schon wendet sich das Blatt. Wer fragt, gewinnt!

Ich neige auch gern offen vor meinen Kollegen dazu solche Menschen als meine Patienten zu bezeichnen.

DrKatZe hat geschrieben:
Was habe ich an mir, dass er mich so schikanieren musste?

Du hast dich in die Opferrolle drängen lassen. In der Wirtschaft und großen Unternehmen gehts leider (das ist meine Erfahrung) um Fressen und gefressen werden. Oder anders: Zeig eine verletzliche Stelle und alle (!) werden reinstossen! Das passiert mir leider auch noch oft. Solche Menschen brauchen den "Sündenbock", um sich selbst vor Augen zu führen: Mir gehts zumindest besser als dem! Ich kann dann auch nicht immer schlagfertig sein.

Mein Tip (sicher kein universelles Hilfsmittel, grad nicht bei Menschen die man häufiger sieht): Ignorieren. Aufs härteste! Das ist mehr Strafe, als gut kontern. Und bewußt Ablehnung signalisieren. Nicht falsch verstehen, auch ich bin ein wirklich harmoniesüchtiger Mensch, aber es ist unglaublich wichtig solchen Menschen deine Grenzen zu zeigen! Sonst wirst du dich immer wieder verletzen lassen. _reschpekt_

Ich hatte auch so einen Arbeitskollegen. Jeder kennt das... so kleine Sticheleien. "Na, wieder in der Küche... " oder "Ach, der Herr Blablabla..." mit abfälligem Ton. Gern auch wenn andere dabei waren. Ich hab das nie kommentiert. Er hat immer damit weitergemacht.
Irgendwann war mir das dann doch zu bunt, denn wie schon gesagt: Irgendwann wittern auch die anderen Haie das Blut!
Gleiche Szene, ich sitze in der Küche und rauche eine Zigartette. "Ah, der Raucher..." (als wär ich ein Vollidiot?!) Daraufhin hab ich, so das es auch alle hören konnten, sehr kühl und nüchtern zu ihm gesagt: " Das heisst "Guten Morgen"! Herr Blablabla." Ich hab ihn also vor versammelter Mannschaft selbst reflektiert, ihm seine Außenwirkung vorgehalten. Er war sichtlich pikiert und hat fortan nie wieder etwa in der Art zu mir gesagt. Viel zu groß auch die Angst, ich hätte mich beschweren können. Man muß nur einmal deutlich zeigen: Hier ist die Grenze und bitte "Sie"!

LG Jaque
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Nicky » Di 6. Sep 2011, 10:00

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Antworten!

Ich habe mich auch schon gefragt, was mich in diesem Moment so verletzt hat? War es vielleicht einfach die Tatsache, dass ich es ungerecht fand, so behandelt zu werden, obwohl ich immer alle Menschen mit Respekt behandle? Andererseits habe ich mir auch bewusst gemacht, dass das vielleicht tatsächlich eine Prüfung für mich war. Denn wenn ich jetzt schon resigniert hätte, würde ich wahrscheinlich "in der großen Welt" als Künstlerin kläglich untergehen.

Mittlerweile habe ich mich beruhigt. Auch wenn es oft Tage dauert, bis ich tatsächlich darüber hinweg bin.

Ich habe mir vorgenommen, dass ich sowas nicht mehr so dicht an mich rankommen lasse. Denn es bringt nichts!

Aber eure Methoden, die ihr mir hier aufgezeigt habt (Fragen stellen, ausreden lassen, usw.) sind für mich umsetzbar und ich denke, dass ich damit ganz gut fahren werde.
Immerhin habe ich mich schon innerlich darauf vorbereitet, öfter angefeindet zu werden, wenn ich meinen Weg weiter gehe.
Dazu kommt noch erschwerend hinzu, dass ich auf dem Dorf lebe, wo prinzipiell alle die etwas anderes tun (ganz egal was sie tun) , als die breite Masse, schräg angeguckt werden.

Na ja, aber das ist halt wohl das Päckchen, das man trägt wenn man seinen Weg gehen will.

Liebe Grüße

Nicky
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Re: Zu sich selbst stehen

Beitragvon Ronja » Di 6. Sep 2011, 15:26

Hallo Nicky,

laß dir doch mal diesen Spruch auf der Zunge zergehen, den das Dorfleben und die damit verbundenen Neider kenne ich nur allzugut. Vielleicht hilft es dir?

"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich`s völlig ungeniert"

Mir hilft das gelegentlich.... _grin_

Lotta
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