Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

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Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon selpie » Do 3. Nov 2016, 18:47

Hallo zs.,

einer Idee von Yamina1501 folgend, würde mich interessieren, wie ihr es seht, ob man mit HSP eher im Beruf unglücklich oder/und überfordert ist? Wenn ja, warum? Wenn nein, auch warum?

Was meint ihr?

(Ich selbst bin zwar auch unglücklich im Beruf, aber eher unterfordert.)
Gruß, S.
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon Sonnenblume31 » Fr 4. Nov 2016, 09:00

Hallo selpie,

ich bin auch unglücklich im Beruf und auch unterfordert wie du. Ich denke eher, dass es damit zu tun hat, dass man sich nichts zutraut-also ein Selbstwertproblem, das auch einige HSP haben.
Meine Stelle läuft bald aus und ich bin gerade auf Stellensuche. Immer wieder lese ich mir die Anzeigen durch und denke, dass bekommst du sicherlich nicht hin.
Wo arbeitest du denn?
Lg
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon selpie » Fr 4. Nov 2016, 10:32

Sonnenblume31 hat geschrieben:und auch unterfordert wie du. Ich denke eher, dass es damit zu tun hat, dass man sich nichts zutraut-also ein Selbstwertproblem, das auch einige HSP haben


Hallo Sonnenblume,

ist es wirklich so, dass wenn man sich unterfordert fühlt, dass es am Selbstwertproblem liegt? Oder wie meinst du das?

Was ich schon gut nachvollziehen kann, ist, wenn man was nicht hinbekommt, dass das Selbstwertproblem drunter leidet. Andererseits denke ich dann immer irgendwann, dass ich halt im falschen Job tätig bin, was meist auch stimmt. Der Job passt dann nicht zu meinen HSP-Fähigkeiten, weswegen ich vermutlich auch ständig Probleme mit meinen Chefs habe, denen es nur drum geht, dass man für sie und ihr Geld tätig ist. Aber eine große Ausnahme gab es bei mir: Leider wurde die Firma von der Konkurrenz aufgekauft und ich musste gehen :-( Der Stelle "weine" ich noch immer hinterher....

Ich arbeite in einem großen Konzern.

Gruß, Selpie.
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert ? HSP typisch?

Beitragvon EarlGrey » Fr 4. Nov 2016, 11:42

ich bin zwar nicht sonnenblume aber ich meine dass ich mich unfordert fühle wenn ich einem job ausführen muss wo ich meiner begabung und den daraus resultierenden besonderen interessen und bedürfnissen nicht nachkommen kann. dies hat mE schon etwas damit zu tun dass ich aufgrund mangelnden selbswertgefühl nicht in der labe bin mich entsprechend meines potentials zu vermarkten...
Die erste Tasse netzt Lippen und Kehle.
Die zweite stärkt das dürre gewordene Fleisch.
Die dritte verscheucht die traurige Einsamkeit.
Die vierte Tasse durchdringt Dein ganzes Innere.
Bei der fünften bist Du geläutert.
Die sechste ruft Dich in die Regionen der Unsterblichkeit.
Die siebente Tasse, so Du zum Munde führst,
läßt frische Lüfte Dein Haupt umsäuseln
und Deinen Geist zum kühnen Fluge sich erheben.

Dichter Lo Tung (T'ang Dynastie)
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon Sonnenblume31 » Fr 4. Nov 2016, 13:57

Hey selpie,

ich bin mir da ganz sicher...es gibt dazu ein gutes Buch von Stefanie Stahl (Selbstwert). Da steht es drinnen, dass aus mangelndem Selbstwertgefühl genau das passiert was wir hier beschreiben. Wir könnten definitiv mehr, aber trauen es uns nicht zu. Das bedeutet wiederum, dass wir nicht unsere Möglichkeiten ausschöpfen und uns langweilen, was wiederum zu bore-out führen kann. Ich weiß aber im Moment nicht wie man da rauskommt. Man muss definitiv riskieren auch ganz runter zu fallen, falls es dann doch schief läuft. Nur komisch, dass ich bisher alles geschafft habe, das ich wollte (Abi, Ausbildung, Studium und Jobs), aber es wird dennoch nicht besser vom Gefühl her. Gehts euch auch so? Seid ihr auch introvertiert?
lg
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon selpie » Sa 5. Nov 2016, 18:34

Sonnenblume31 hat geschrieben:Wir könnten definitiv mehr, aber trauen es uns nicht zu. Das bedeutet wiederum, dass wir nicht unsere Möglichkeiten ausschöpfen und uns langweilen, was wiederum zu bore-out führen kann. [...] Man muss definitiv riskieren auch ganz runter zu fallen, falls es dann doch schief läuft. Nur komisch, dass ich bisher alles geschafft habe [...] Gehts euch auch so? Seid ihr auch introvertiert?
lg



Hallo Sonnenblume,

das ist ein interessanter Aspekt in deiner Argumentation, wenn man zunächst annimmt, dass es am Selbstwertgefühl liegt, dass man nichts riskiert und seine Möglichkeiten nicht ausschöpft (das finde ich plausibel) . Aber obwohl man viel geschafft hat UND Zuvertrauen haben müsste, es dann doch NICHT dazu führt, dass man mehr Selbstwertgefühl hat - das finde ich dann irgendwie wieder unplausibel. Denn warum sollte das Selbstwertgefühl nicht gestärkt sein durch das was man alles geschafft hat? Oder reichen die Erfolge nicht?

Ich glaube nicht so sehr, dass es primär am Selbstwertgefühl liegt, wenn man nichts riskiert, denn sonst hätte man das alles was du aufzählst nicht gemacht. Gleichwohl kann ich mich natürlich vertun. Ich glaube, dass Selbstwertgefühl zwar ein wenig über diese Erfolg gefüttert wird, es aber mehr in der je aktuellen JETZT- oder VOR-KURZEN oder WAS-BALD-AUF-MICH-ZUKOMMT-Situationen liegt, mit denen ich vielleicht gerade Probleme gehabt habe (und noch über sie nachdenke) oder potentielle Probleme auf mich zukommen sehe. Es braucht vielleicht eher die ganz kleinen Erfolge für HSPler eben; nicht-HSPler können vielleicht länger von großen Erfolgen zehren. Denn wenn ich drüber nachdenke, geht mir das genauso wie dir, ich habe so viel geschafft - und erfolgreich (aber ein paar Misserfolge waren auch dabei - jetzt meldet sich wieder der kleine HSP-Schweinehund ;-).

Danke für den tollen Tipp mit dem Buch, ich lese mir das mal durch (gleichwohl ich laut Inhaltsverzeichnis noch Bedenken habe, dass es viel seine eigene Erfahrungen sind und wenig auf Forschung basiert; aber mal sehen - ich will offen sein. Es kann ja trotzdem alles richtig sein.)

Ich finde das mit dem Selbstwertgefühl und der Selbstwirksamkeit ein sehr spannendes Thema, ich versuche mal mehr darüber rauszufinden. Danke dir sehr für deinen Hinweis. danke2

Was hältst du von meinen Überlegungen? [*]
Gruß, Selpie.

(Übrigens riskiere ich mal wieder gerade beruflich einen Sprung ins kalte Wasser - ich mag bald nicht mehr zählen wie oft ich das schon gemacht habe. Aber vermutlich muss es so sein, dass die Sprünge und nicht die Aufenthaltsdauer zählen.)
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon Sonnenblume31 » So 6. Nov 2016, 18:35

Hallo Selpie,

ja genau, das denke ich auch. Man weiss schon, dass man alles bisher geschafft hat, aber es hilft in dem Augenblick auch nicht weiter. Es sind immer wieder neue Hürden. Bei mir ist es weniger die Angst vor Theoretischen Dingen, eher das praktische in der Arbeit. Bei mir ist es eher Jobbedingt, dass ich denke, ich schaffe es evtl. nicht was Arbeitgeber von mir verlangen. Und damit verbunden ist die Bewertung der Arbeitgeber/des Chefs. In meinem jetzigen Job schaffe ich es, aber wenn ich an die nächste Stelle denke, dann graut es mir. Was machst du denn gerade beruflich bzw. veränderst du dich gerade?
lg
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon Saxo » So 6. Nov 2016, 23:30

Hallo,

ich sehe das nicht so. Meine Frau ist noch stärker HSP als ich. Sie hat auch das typische Problem mit großer Lärmempfindlichkeit und schneller Müdigkeit durch die vielen Reize, die während des Tages einströmen. Sie kommt im Beruf prima zurecht. Bei jeder neuen Stelle, ist sie gleich beim Chef hoch angesehen. Sie macht einfach eine Arbeit, die sie größtenteils für sich alleine macht. Sie hat wenig Interaktion mit anderen Leuten. Wenn ein HSP in einer Werbeagentur arbeitet und dort dem Kunden und dem Chef gegenüber eine ganz tolle Type mimen müsste, wäre das genau der falsche Beruf. Sich einen Beruf aussuchen, in dem man vieles alleine tut. Das ist aus meiner Sicht der SChlüssel.

Gruß, Saxo
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon selpie » Mo 7. Nov 2016, 17:00

Sonnenblume31 hat geschrieben: veränderst du dich gerade?

Ja, ich versuche einen Job zu finden, den Saxo beschreibt...
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Re: Beruflich? Unglücklich und überfordert? HSP typisch?

Beitragvon selpie » Mo 7. Nov 2016, 17:08

Hallo Saxo,

Saxo hat geschrieben:ich sehe das nicht so

Mir ist nicht ganz klar, worauf du dich mit "das" beziehst

Aber im Grunde gebe ich dir 100% Recht. Das wäre eine Lösung:
Saxo hat geschrieben:sich einen Beruf aussuchen, in dem man vieles alleine tut. Das ist aus meiner Sicht der SChlüssel.


Nur muss man ihn finden. Das ist nicht so einfach, da heutzutage Teamfähigkeit und Flexibilität gefragt ist. Ich habe bereits zweimal die Stelle gewechselt und bin immer vom Regen in die Traufe geraten, obwohl ich vorher versucht habe rauszufinden, wie der Job läuft. Das Resultat war - negativ formuliert: Teamfähigkeit (Also ständig für andere ansprechpar zu sein) und Flexibilität (Ständig einen neuen Kunden, um den man sich kümmern muss).

Nun bin ich wieder auf der Suche...

Also - alles nicht so einfach, wie du es schreibst. Aber die Richtung oder Weg, den du beschreibst ist genau richtig. Danke für den Hinweis. Muss ich mir mal noch genauer überlegen, wie man das bei einem Bewerbungsgespräch herausbekommt.

Gruß, Selpie.
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