Meine Arbeit macht mich krank

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon mika1983 » Mi 13. Mär 2019, 11:18

songbird86 hat geschrieben:Hallo mika,
Es geht also immer um dieses im Mittelpunkt stehen und ansprechbar sein. Und so eine Art Lampenfieber, weil ich Angst habe, mich zu blamieren.


Hallo Songbird,

ich weiß was du meinst und ich kenn mich mit Ängsten wahrlich aus.
Lampenfieber ist aber sehr gut kontrollierbar und man kann über kurz oder lang in den Griff bekommen. (bei meiner Existenzangst ist das schon was anderes)

Blamieren an sich wirst du dich auf der Arbeit niemals. Keiner in der Gruppe wird ausnahmslos alle Themen kennen und die haarklein wiedergeben können. Wenn du auf eine Frage keine Antwort weißt, kannst du schlichtweg antworten: "oh, das weiß ich gerade nicht, aber lassen Sie mich das nochmal recherchieren, ich melde mich bei Ihnen". Ein Trick, den ich auf einem Kongress gelernt habe. Du musst dir immer wieder sagen: "ich kann nicht alles wissen!" Dies gibt dir Selbstvertrauen und die Gewissheit, dich nicht zu blamieren, auch wenn du einmal etwas nicht weißt. Auch, wenn dich jemand auch Fehler im Protokoll anspricht, kannst du sagen, "oh, dieses Detail habe ich wohl nicht mitbekommen, wie war das nochmal? ich nehme es dann nachträglich auf."
Etwas Fleiß erfordert es, eine eine sehr gute Taktik, sich ein gewisses Grundrauschen an Informationen anzueignen. Ich nenne es auch gerne "gefährliches Halbwissen". Es muss ausreichen, eine Frage so hüllenhaft zu beantworten, dass keiner mehr tiefer bohrt. Es kostet zwar Kraft und Mut, auch wenn man als Hochsensibler immer alles wissen und können und korrekt beantworten will, aber manchmal kommt man einfach nicht drum herum andren auch einfach mal etwas vorzu"täuschen". Mal ganz davon abgesehen, dass es in eurem Team bestimmt auch Leute gibt, die auf manchen Themen blank sind. Bestes Beispiel hierfür sind Politiker. Reden stundenlang ohne etwas zu sagen.

Dadurch verschaffst du dir Zeit, und lenkst dich selbst davon ab, über Blamage nachzudenken.

Probiers mal im Kleinen Kreis aus :)

Auch wenn viele davon abraten, ein paar grundsätzlichen Ideen und Ansätze (positiv gemeint) in NLP (also definitiv nicht die Extremausprägung davon) helfen ungemein.
Da gibt es ein Büchlein "NLP für Dummys", fand ich recht witzig zu lesen, und es gibt ein Paar Tipps für sich selbst im Umgang mit anderen.

Alles Gute,
mika
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon fee » Mi 13. Mär 2019, 12:21

_reib_ smgp*

Noch eine kurze Frage dazu, was ist NLP?
und mein Leben ist sehrwohl ein Ponyhof...
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon mika1983 » Mi 13. Mär 2019, 12:37

fee hat geschrieben:Noch eine kurze Frage dazu, was ist NLP?


Das Neuro-Linguistische Programmieren (kurz NLP) ist eine Sammlung von Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung psychischer Abläufe im Menschen, die unter anderem Konzepte aus der klientenzentrierten Therapie, der Gestalttherapie, der Hypnotherapie und den Kognitionswissenschaften sowie des Konstruktivismus aufgreift.


Es geht darum Menschen zu manipulieren. Einfachstes Beispiel sind rhetorische Fragen. Leider wird es in erster Linie aber dazu benutzt zu Verkaufen, zu Betrügen oder mit Pseudo-Kursen Geld zu scheffeln. Davon nehme ich entschieden Abstand. Aber ich finde, man kann Teile daraus auch positiv für sich selbst nutzen.

Zum Beispiel klingt der Satz: "Ich muss heute putzen" wesentlich besser, wenn man sagt "Ich will heute putzen".

Bezüglich der Sinneswahrnehmung hat es mir schon öfter geholfen, Menschen, die Dinge auditiv wahrnehmen, ich aber "visuell" sehe, auf ihrer Wellenlänge abzuholen. Das erleichtert Gespräche ungemein. Auf Wikipedia und im Netz findet man einige Infos dazu.
Aber ich betone es nochmal, mir geht es rein um die Grundlagen oder Ideen hiervon, nicht um das komplette umpolen von Verhaltensmustern, in eine eher fragwürdige Richtung.
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Moondream » Mi 13. Mär 2019, 15:30

Hallo Songbird,

songbird86 hat geschrieben:Es geht also immer um dieses im Mittelpunkt stehen und ansprechbar sein. Und so eine Art Lampenfieber, weil ich Angst habe, mich zu blamieren. Daraus resultiert dann, dass ich mich sorge, mir nicht alle Informationen merken zu können oder was vergesse (sowohl beim Zu hören als auch beim Selber erzählen ).


Im Grunde kenne ich das auch, auch wenn mein Ängste wahrscheinlich bei weitem nicht so stark sind wie bei dir.
Ich komme beruflich manchmal nicht darum Vorträge oder Schulungen zu geben oder (das ist für mich das schwierigste) ein Meeting zu leiten.
Und ich habe oft vorher auch Lampenfieber und sorge mich darum, ob ich das auch alles richtig machen kann und werde.

Trotzdem mach mir das manchmal sogar Spaß, aber nur wenn ich bstimmte Voraussetzungen erfüllt habe:

- es sollten keine zu großen Gruppen sein. Mit Gruppengrößen <= 10 Personen komme ich meist gut zurecht.
- ideal ist, wenn ich die beteiligten Personen gut kenne und vorher einschätzen kann (dabei hilft mir meine Sensibilität wahrscheinlich sogar)
- ich muss gut vorbereitet sein und/oder mich in dem Thema wirklich sicher fühlen. Solange ich dabei das Gefühl habe ich 'kontrolliere und lenke' das Ganze, funktioniert das meistens sehr gut. Sobald ich das Gefühl bekomme, dass ich die 'Kontrolle' über die Situation verliere, kann das Ganze aber auch leicht ins Gegenteil abrutschen. Ich fange dann auch mal an mich zu verhaspeln, und dann auch mal Panik zu bekommen und an mir und meinen Fähigkeiten zu zweifeln.
- und wie mika1983 auch schrieb, versuche ich dann über allgemeine Floskeln und 'Halbwissen' das ganze erst mal so vage wie möglich zu beantworten (nach meiner Erfahrung reicht das meist aus, weil der Fragende davon meist noch weniger Ahnung hat als ich floet). Oder einfach zuzugeben das ich es gerade nicht weiß und erst mal recherchieren muss. (Das fällt mir ehrlich gesagt immer besonders schwer, weil ich irgendwie immer den Zwang habe alles richtig machen und alles relevante wissen zu müssen. Was eigentlich Unsinn ist. Aber das geht anscheinend vielen Hochsensiblen so.) Aber das kann man in gewissen Grenzen auch erlernen.

Das zugrunde liegende Problem kenne ich schon seit der Schulzeit von mündlichen Prüfungen (da hatte ich schon immer ziemlich Bammel davor und hab lieber 3 schriftliche als ein mündliche Prüfung gemacht.)
Der Punk ist (zumindes bei mir) dabei folgender:
Solange ich die Prüfung 'kontrolliere', idealerweise als Monolog über die gesamte Prüfungsdauer klappt alles super. Da ist dann für mich fast so, als ob ich allein im Raum bin. Sobald ich den Faden verliere und zu viele Gegenfragen kommen, ist das ganze Wissen manchmal wie weggeblasen und ich fühle mich wie ein Trottel beim Verhör. Deshalb habe ich mir über die Jahre antrainiert, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass ich die Kontrolle über das Gespräch verliere. (Wohl unbewusst, denn da? ich sehr wahrscheinlich Hochsensibel bin, habe ich erst vor einigen Wochen langsam für mich realisiert).

Und trotzdem fühle ich mich dabei nur in kleinen Gruppen (so 2 bis maximal 6 Personen ) wohl und kann mich dort ungestört entfalten. Und in solchen kleinen Gruppen kann man diese Strategien und Techniken auch immer wieder üben.

Und manchmal ist der Job auch wirklich der Falsche (kann ich jetzt bei dir nicht beurteilen). Mein vorheriger Job hat mich tatsächlich krank gemacht und in eine Depression getrieben. Jetzt arbeite ich seit 13 Jahren in einer anderen Firma und trotz Großraumbüro (ja, das ist manchmal auch sehr anstrengend), ist es durch ein ganz anderes Arbeitsklima, vernünftige und tolerante Vorgesetzte und nette Kollegen eine ganz andere Welt in der ich mich wohlfühle. Vorher war ich ständig gehetzt und überfordert, obwohl mir der Job als solcher eine riesen Spaß gemacht hat. Aber das Arbeitsklima dort hat mich letztlich kaputt gemacht. Mein jetztiger Job hat aber gezeigt, das es auch anders geht, trotz meiner Sensibilität. Und meine Fähigkeiten werden hier ehrlich geschätzt, ganz anders als vorher. Dort war ich nur eine Ressource die möglichst effizient und gewinnbringend genutzt werden sollte, hier fühle ich mich als Mensch.

LG
Moondream
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon fee » Mi 13. Mär 2019, 15:49

Hallo mika,

vielen Dank für deine Erklärung :-)

Ich verstehe, was du meinst und diese Techniken in positiver Art nutzt. Durch eine Kommunikationsschulung durch meinen Job konnte ich die Streitqualität zu Hause verändern (positiv). Streiten gehört in Beziehungen dazu, jedoch kann man dies auch „netter“ icon_winkle
Was ich sagen will, dass ich es gut finde, im gesunden Sinne solche Techniken anzuwenden ohne seinen eigenen Vorteil dabei heraus zu schlagen. — arg, ich finde, jedes Wort hier könnte gerade zweideutig verstanden werden und hinterfragt.... weil ein Vorteil für sich selbst ist es ja, sich besser in z.B. dem Arbeitskontext zu fühlen oder einen Konflikt (im härstestn Fall) nicht Zahn um Zahn auszutragen..... naja, ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass meine Worte so verstanden werden können wie ich sie meine... puh.

Viele Grüße von der fee _Mij_
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon songbird86 » Di 19. Mär 2019, 03:59

Vielen Dank für eure Tipps. Und keine Sorge, ich habe gleich verstanden, was du mit dem, ich nenne es jetzt mal, "positiven Manipulieren von Menschen" meinst, mika. Ich werde mir das alles noch einmal genauer auf der Zunge zergehen lassen, wenn ich nochmal vor so einer Meeting-Situation stehe.

Heute war ein ganz grauenvoller Tag und ich weiß noch nicht mal warum. Es ist auf Arbeit nichts Schlimmes passiert, ausser dass ich einen Fehler gemacht habe (über den ich mich einfach selber geärgert habe, aber ich habe jetzt keinen auf'n Deckel bekommen oder so).

Heute fühlte sich alles so fremd an. Als wäre ich nicht ich selber. Als wäre das alles nur ein Traum.

Mir hat das alles solche Angst gemacht, dass ich die ganze Zeit den Tränen nahe war. Erst als meine Mutter mir einen Besuch abgestattet hat und mit mir geredet hat, wurde das alles erträglicher.

Und dann habe ich wieder gemerkt, wie bescheuert meine Sorgen eigtl sind.
Ich habe ein sorgenfreies Leben: ich habe einen sicheren Job, eine Eigentumswohnung, ich werde mal Immobilien erben... Aber ich bin trotzdem so unglücklich in meinem Job, weil ich mich darin so verkehrt fühle. Mir geht es, seitdem ich dort arbeite, so seltsam! Ich bin immer müde*, ich verpenne den ganzen Abend, mache kaum noch Dinge, die mir sonst Spaß gemacht haben, kann mich zu nichts motivieren... Die letzten Tage geht es mir auch körperlich immer wieder total komisch. Wobei am Wochenende immer wieder alles ganz gut ist.

Und wenn ich an's Kündigen denke, bin ich die Sorgen vllt erstmal los, aber ich muss ja auch für die Zukunft etwas Sicheres finden? Ich denke schon jetzt immer daran, wenn meine Mutter mal stirbt. Wie geht es mir dann erst??? Ich bin zwar gerne alleine und ich habe auch überhaupt kein Verlangen auf eine Beziehung, aber ich merke, dass ich eine Art Bezugsperson brauche. Ich habe solche Angst, irgendwann mal alleine dazustehen... Ich habe zwar wenige gute Freunde, aber die haben schon Kinder und ihr eigenes Ding oder sind weit weg...

* = Das mit der Müdigkeit: ich habe schon daran gedacht, ob ich eine Mangelerscheinung habe, aber ich lasse regelmäßig Blutbilder machen inkl. Vitamin D und B12. Ich kümmere mich um Vitamin D (das Problem hat ja eh fast jeder), seit letztem Jahr nehme ich auch wieder vermehrt B12 (weil mein Wert erstmals im unteren Bereich kurz vor einem Mangel ist) und ich habe seit meiner Jugend wohl eine Eisenaufnahmestörung (Hämoglobin ist immer super, Folsäure sieht auch gut aus, aber der Ferritinwert geht einfach kaum hoch und viele Eisenpräparate vertrage ich sehr schlecht). Trotzdem ging es mir nie so komisch wie jetzt gerade. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Müdigkeit nicht an einem neuen Mangel liegt.

So, ich leg mich wieder hin. _müh_

Edit: Das war eine Lüge, ich bin immer noch wach (04:13). Mein Wecker klingelt um 6. Shit...
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songbird86
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Velvet » Di 19. Mär 2019, 07:12

Hallo songbird86,

ich lese hier immer mal rein und es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht mit deiner Arbeit. Mir stellt sich gerade die Frage, worauf du wartest? Auf eine ernsthafte Krankheit, einen totalen Zusammenbruch? Willst du dir nicht lieber, bevor es dazu kommt, konstruktiv helfen/helfen lassen? Vielleicht kannst du dich erst einmal krank schreiben lassen? Wenn du einem Arzt dein Befinden so schilderst wie uns hier, wird er das sicher tun.
Dann könntest du ernsthaft, ausgeschlafen und in Ruhe überlegen, wie es weitergehen soll?

Ich wüsste nicht, woraufhin sich momentan deine Lage bessern und deine psychische und physische Konstitution stabilisieren sollte? Vielleicht würde es dir helfen, mit einem Therapeuten/in mal konkret zu schauen, worauf deine Problematiken gründen und mit seiner fachlichen Hilfe wirkliche neue Wege für dich zu suchen und auszuprobieren? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gut für dich ist, wenn du einfach immer so weiter machst. Nimm deine schlechte Verfassung und dein Leiden ernst und gestehe dir ein und zu, dass du mit all dem überfordert bist. Das ist nichts Schlimmes und kein Makel.

Nichts und niemand ist es wert-und schon gar keine Arbeitsstelle und sei sie noch so toll- , dass du dich und deine Gesundheit restlos ruinierst. Und so, wie sich dein Erzählen für mich liest, tust du das gerade. Was würdest du deiner besten Freundin/deiner Mutter raten, wenn sie in deiner Situation wäre?

Alles Gute wünsch´ich dir!
Velvet
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
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Velvet
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon songbird86 » Di 19. Mär 2019, 10:48

Hallo Velvet,

danke für deine Worte. Du hast wirlich recht!

Ich habe heute Nacht/Morgen tatsächlich daran gedacht, mich einliefern zu lassen. Also in so ne Tagespflege, wo man Abends wieder nach Hause geht. Aber als ich die ganzen schlechten Bewertungen der jeweiligen Kliniken gelesen habe, ist mir ganz anders geworden. Vllt belasse ich es einfach dabei, mal wieder einen Therapeuten aufzusuchen (ich war 2009-2011 schon mal, aber wg. meiner Geschlechtsidentität). Das, was ich jetzt habe, ist ja wieder irgendwas anderes Akutes.

Übrigens drücke ich mich so vor dem Krankschreiben und Kündigen, weil ich meinen Vater nicht enttäuschen will (weil er mir ein bisschen geholfen hat, den Job zu kriegen) und weil ich einfach immer denke, dass alle denken, sich wg. Depression krank schreiben zu lassen, sei keine richtige Krankheit, dass man nur keine Lust hat zu arbeiten, dass man sich bloß anstellt... Das kenn ich nämlich schon (von mir selbst und auch von anderen).

So, nun muss ich wieder los. :)
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songbird86
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon DesdiNova87 » Di 19. Mär 2019, 12:16

Hi Songbird86,

ich habe mich bisher noch nicht zu Wort gemeldet, aber deinen Strang hier von Anfang an mitverfolgt. Viele andere haben ja schon super Ratschläge gegeben, z.B. den letzten Post von Velvet solltest du dir zu Herzen nehmen, spätestens jetzt wo alles immer schlimmer wird.

songbird86 hat geschrieben:Übrigens drücke ich mich so vor dem Krankschreiben und Kündigen, weil ich meinen Vater nicht enttäuschen will (weil er mir ein bisschen geholfen hat, den Job zu kriegen) und weil ich einfach immer denke, dass alle denken, sich wg. Depression krank schreiben zu lassen, sei keine richtige Krankheit, dass man nur keine Lust hat zu arbeiten, dass man sich bloß anstellt... Das kenn ich nämlich schon (von mir selbst und auch von anderen).


Mir ist jetzt schon öfters aufgefallen, dass du dir wahnsinnig viel Gedanken machst, was andere Leute denken mögen. Ganz direkt heraus gesagt, du kannst weder wissen was andere Leute denken, noch kannst du es beeinflussen. Und manchen Leuten kann man es sowieso nie recht machen, da kannst du dich auch noch so sehr anstrengen.

Ich lese momentan folgendes Buch, was sich für Menschen die sich zu viel Gedanken machen sehr gut eignet:
"The Life-Changing Magic of Not Giving a F**k - How to stop spending time you don't have doing things you don't want to do with people you don't like" von Sarah Knight (https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID44128622.html)

Bei dir fängt es im kleinen an, wie bei den Meetings, wo du dir einen Riesen Kopf darum machst, das du ja alles richtig mitschreibst und übermittelst, um die anderen zufrieden zu stellen.

Aber auch im Großen, wie jetzt mit dem Krankschreiben. Es geht deine Arbeitskollegen doch gar nichts an, aus welchem Grund du krankgeschrieben bist. Deshalb steht auf der Bescheinigung für den Arbeitgeber ja auch nicht die Diagnose drauf.

Und auch wenn dein Umfeld eine Diagnose wie Depressionen nicht ernst nimmt, dann ist doch das deren Problem, du weißt es doch schließlich besser. Was verändert sich also für dich, wenn die anderen darin keine Krankheit sehen? Genau, nichts ändert sich dadurch.

Und du machst dir Gedanken deinen Vater zu enttäuschen, weil er dir geholfen hat an den Job zu kommen. Geht dein Vater davon aus, das du ein Übermensch bist, der niemals krank wird? Sicherlich nicht. Gerade im Moment sind sehr viele Leute krank. Es geht ja erstmal nur um eine Krankschreibung, etwas total gewöhnliches und alltägliches.

Natürlich ist es oft angenehm den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und sich irgendwie durchs Leben zu schlängeln ohne irgendwo anzuecken. Aber früher oder später kommt wohl jeder in eine Situation, in der man für sich selbst einstehen muss.

Also mein Ratschlag daher, gehe alles etwas lockerer an und achte auf deine Bedürfnisse. Diese den (vermeintlichen) Bedürfnissen anderer unterzuordnen, das wird auf Dauer nicht gut gehen.

LG DesdiNova87
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Source » Di 19. Mär 2019, 13:41

Hallo Songbird,

ich habe auch immer mal wieder in diesen Thread mitgelesen und schreibe nun etwas, weil ich das untenstehende wirklich alarmiernd finde:

songbird86 hat geschrieben:Heute fühlte sich alles so fremd an. Als wäre ich nicht ich selber. Als wäre das alles nur ein Traum.


Du scheinst völlig erschöpft zu sein, weil du ständig etwas tust, was du eigentlich nicht willst und was auch dem widerspricht, was dir wichtig ist. Das zieht dir offenbar viel Energie ab, die du für anderes gebrauchen könntest. Sicherlich würde es fast jedem so gehen.

Ich stelle jetzt mal eine gewagte Vermutung an- bitte korrigiere mich, wenn du es anders siehst: Dazu kommt aber anscheinend noch, dass du immer schon das getan hast, was dein Vater von dir erwartet hat. Früher musstest du das, weil du als Kind abhängig von ihm gewesen bist. Heute musst du das nicht mehr. Wenn ich richtig liege hast du nie gelernt, deine eigenen Bedürfnisse zu spüren und deine eigenen Interessen zu vertreten. Stattdessen hast du dich an dem orientiert, was dein Vater, später auch dein soziales Umfeld und die Gesellschaft an Erwartungen an dich gerichtet haben.

Was du über die Wahrnehmung deiner Umwelt als irreal und das dir selber Fremdsein schreibst hört sich für mich nach einer starken Entfremdung von dir selber und der sozialen Welt an, die wohl aus dieser starken Orientierung an den Erwartungen anderer herrührt. So wie jetzt funktionierst du eine zeitlang. Nun bist du offenbar an einen Punkt gekommen, wo sich langsam eine Krise (im Sinne einer Entscheidung) abzeichnet, denn so geht es sicherlich nicht ewig weiter. Ich denke, dass dir Unterstützung durch andere Menschen auf jeden Fall helfen kann, mit dir selber und deinen Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. Dabei ist es mMn nicht so wichtig, ob dir nun Therapeut hilft oder ein Freund. Allein wird es sicherlich schwer, aus diesem Schlamassel herauszukommen. Dafür drück ich dir auf jeden Fall die Daumen :-)

Liebe Grüße
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