Meine Arbeit macht mich krank

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

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Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon songbird86 » So 24. Feb 2019, 16:19

Hallo Leute,

ich möchte von meiner aktuellen beruflichen Situation erzählen.

Vor 6 Monaten hab ich, 32 jung, nach 15 Jahren das erste Mal meinen Job gewechselt. Erst Teilzeit, nach 2 Monaten schon Vollanstellung.

Ich kann mich glücklich schätzen: kurzer Arbeitsweg, sehr viel Geld, 35h-Woche, netter Chef, nette Kollegen, lockerer Umgang und sicherer Job.

Das Problem: ich habe bereits nach kurzer Zeit gemerkt, dass ich immer total im Eimer bin, obwohl ich weniger arbeite als früher. Es ist, als lebe ich nur noch, um zu arbeiten. Ich werde erst am Wochenende oder im Urlaub produktiv und sobald die Arbeit wiederkommt, ist alles wieder beim Alten. Ich mache nicht mehr so viele Sachen wie früher, die mir Spaß gemacht haben. Ich habe es auf die neuen Eindrücke geschoben, weil ich noch nie in einer anderen Firma gearbeitet habe. Und ich muss gegen 6 Uhr aufstehen. Überhaupt nicht meine Uhrzeit.

Ich bin Sachbearbeiter im Verkauf und sitze zentral in einem Büro mit 5-7 Leuten. Um mich herum: Radio, Flur, vor mir Arbeitskollege, die anderen Kollegen hinter mir bzw. vor mir hinter einer Trennwand. Und das Telefon. Und Kollegen, die sich unterhalten und laut lachen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht witzig finden würde, aber es ist einfach mega anstrengend.

Es wird immer schlimmer.

Im Januar musste ich das erste Mal meine Kollegin offiziell vertreten und hatte entsprechend mehr zu tun. Zu der Zeit fing ich an, pflanzliche Beruhigungstabletten mit Lavendel zu nehmen, da ich nach z. B. unangenehmen Telefonaten immer total fertig war. Ich kriege Schweißausbrüche, friere, hab Herzrasen... Mit den Tabletten bin ich etwas entspannter geworden.

Da meine Kollegin 1-2 Wochen später für 3 Tage auf einer Geschäftsreise war und mir auch noch ein Meeting bevorstand, hab ich 2 Tage Urlaub genommen, weil ich so fertig war. Als ich wiederkam, war ich wieder alleine in der Zentrale und meine Entspanntheit dahin.

Wie viele Abende, vor allem am Sonntag, hab ich einfach geschluchzt wie ein kleines Kind, weil ich nicht mehr arbeiten will. Oder ich bekomme im Auto eine halbe Panikattacke und muss mir das Heulen verkneifen, bevor ich auf den Parkplatz fahre.

Ich glaube, ich bin einfach nicht gemacht für die Position, obwohl mir manche Arbeiten Spaß machen (z. B. Aufträge eingeben, Kunden- und Artikeldaten pflegen, Emails schreiben...). Aber ich sitze zentral und bin eine immer ansprechbare Person. Ich verliere immer den Faden, wenn mich bloß ein Kollege irgendwas fragt und mache es dann falsch oder doppelt (nicht zu Lasten der Firma). Ich finde es ja gut, dass in der Firma viel miteinander kommuniziert wird, aber ich möchte nicht in Meetings gehen und dann in meiner Abteilung davon berichten. Mich macht der Gedanke einfach nur fertig. Ich möchte einfach nur im Hintergrund meine Arbeit machen. Von mir aus auch für weniger Geld. Als ich mich auf die Stelle beworben habe, dachte ich nicht, dass es so schlimm werden würde. Ich habe mich selbst einfach noch nicht gekannt. Jetzt habe ich das Gefühl, nicht ich selbst zu sein.

Rückblickend war ich bei meiner alten Stelle eher auf mich alleine gestellt, durfte vieles selber machen wie ich will und ich stand auch bei Kunden nicht so im Vordergrund, das hat dann eher die Chefetage gemacht.

--

Seit letzter Woche Donnerstag komischer Schlafrhythmus, Übelkeit und hab deswegen weniger gegessen. Seit Sonntag flaues Gefühl im Magen. Nach 2 Tagen fiel mir auf, dass es mir schlechter geht, wenn Magen leer, also dachte ich an eine Gastritis. Mittwoch früher nach Hause gegangen, Donnerstag zum Arzt und krank schreiben lassen. Ich soll Säureblocker nehmen und nächste Woche wiederkommen.

Heute ist Sonntag und es geht mir das erste Mal viel besser. Aber nun muss ich morgen wieder arbeiten und ich könnte echt heulen. Ich hab natürlich auch Angst, dass das mit meinem Magen mal ernster wird, z. B. Geschwür.

Es ist, als wolle mein Körper mich warnen.

Das einzig Logische wäre, mein Problem bei den Kollegen oder meinem Vorgesetzten vorzustellen.
Ich habe aber wahnsinnige Angst, das anzusprechen. Wie kriege ich das ins Rollen?
Dann ändere ich etwas und dann ist nichts mehr, wie es mal war.
Es ist peinlich und jeder weiß Bescheid oder fragt noch Wochen später, was dann los sei.
Es ist unfair, den anderen Kollegen gegenüber, die vllt auch nicht alles wollen, aber nichts dazu sagen (z. B. zu Meetings oder Messen gehen).

Ich habe schon daran gedacht, zu kündigen, aber das ist mir genau so unangenehm wie das Ansprechen meines Problems. Und wenn ich keine Arbeit habe, habe ich obendrein das Problem, überhaupt Arbeit zu finden und mir würde zudem das Arbeitsamt im Nacken sitzen.

Ich habe schon überlegt, welche Jobs eher was für mich wären, wo ich im Stillen etwas Produktives machen könnte. Zu meinen Hobbies zählt der Computer und Zeichnen, aber Zeichnen kann ich nicht auf Knopfdruck, das ist immer sehr viel mit meiner Laune und Gefühlen zum Bild verbunden. Ich finde es okay, wenn man etwas arbeitet, was nicht unbedingt zu den Hobbies zählt.

Ich denke schon, dass ich in den paar Monaten bereits Pluspunkte sammeln konnte und mich die Kollegen auch mögen. Es würde auch von selbst anbieten, weniger Geld haben zu wollen. Wenn ich aber zu viele Dinge aufzähle, die mir nicht passen, könnte es sein, dass ich gefragt werde, wozu ich dann eigtl noch da bin. Ich möchte ja gerne noch einen Sinn erfüllen.

Ohne mich zu kennen, was haltet ihr davon?
Ist der Job total unpassend für mich und ich sollte ganz gehen?
Wie soll ich mich verhalten? Ich will nicht schon wieder krank geschrieben werden...

Ich beschäftige mich auch viel damit, was für Jobs zu Introvertierten und Sensiblen passen. Ich habe sogar einen langen Onlinetest mit einem Berufematching gemacht/gekauft, aber so wirklich schlauer davon bin ich jetzt auch nicht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir ein bisschen helfen könnt oder einfach nur nette Worte hättet. :)

LG
songbird
Zuletzt geändert von songbird86 am So 24. Feb 2019, 20:27, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon fee » So 24. Feb 2019, 20:00

Heeeee songbird,

du klingst sehr verzweifelt. Als ein paar nette Worte mag ich dir eine Yogi–Teebeutel–Weisheit da lassen:
manchmal verschwindet alles Komplizierte, wenn ein neuer Morgen erwacht...

Sind in dem Unternehmen vielleicht noch andere Stellen frei, die mehr zu dir passen würde? Oder könntest du wieder in Teilzeit arbeiten, um so mehr Regenerationszeit zu haben, um dich dann in Ruhe nach was passenderem umzuschauen? Wie ist denn die Situation zwischen dir und deinem Chef? Kannst du mit ihm/ihr dadrüber sprechen auch wenn du davor zurückgeschreckst? Ich finde, manchmal hilft es, die Situation auszusprechen, um etwas zu verändern. Denn so, wie du es jetzt schilderst, hälst du es ja nicht für immer aus.....

Viele Grüße von der fee :-)
und mein Leben ist sehrwohl ein Ponyhof...
... kann ich ja nix dafür, wenn das da draußen nicht wahrgenommen wird.
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon songbird86 » So 24. Feb 2019, 20:43

Hallo Fee!

fee hat geschrieben:manchmal verschwindet alles Komplizierte, wenn ein neuer Morgen erwacht...

Das stimmt tatsächlich ab und zu.

fee hat geschrieben:Sind in dem Unternehmen vielleicht noch andere Stellen frei, die mehr zu dir passen würde?

Als ich mich beworben habe, wurde eigtl gar nicht gesucht. Es hat sich durch Kontakte und weil man sich vorher kannte so ergeben. Jedoch fehlen in meiner Abteilung zur Zeit 2 Plätze durch längerfristige Krankheit, weshalb ich da gut reinpasse. Diese Personen sind auch schon etwas älter, weshalb sicher auch bald Nachfolger gesucht worden wären.

fee hat geschrieben:Oder könntest du wieder in Teilzeit arbeiten...

Daran dachte ich auch, aber wenn ich meine Kollegin mal vertreten soll, wäre es sicher angebrachter, wenn ich auch öfter da wäre. Vllt könnte man anstatt 1-2 Tage ganz zu fehlen, jeden Tag kommen, dafür früher gehen...

fee hat geschrieben:...um dich dann in Ruhe nach was passenderem umzuschauen?

Meine Idee, als ich noch in Teilzeit war, war ja tatsächlich mal, mir eine Geschäftsidee zu überlegen (da ich dann ja Zeit hatte), um mich mit irgendeinem Hobby selbstständig zu machen. Leider habe ich bis heute keine Idee, nicht mal, um das als Nebenjob zu haben.

fee hat geschrieben:Wie ist denn die Situation zwischen dir und deinem Chef? Kannst du mit ihm/ihr dadrüber sprechen auch wenn du davor zurückgeschreckst?

Ich verstehe mich gut mit denen, aber ich kann absolut nicht einschätzen, wie die das aufnehmen und wie ernst sie das nehmen (aka "Stell dich nicht so an"). Ich weiß ja auch noch gar nicht, wie ich das kompakt erzählen kann. Ich hatte ja schon heute bei diesem Posting Probleme. Hab sogar eben noch irgendwas editiert (war aber ein Tippfehler :D).

fee hat geschrieben:Ich finde, manchmal hilft es, die Situation auszusprechen, um etwas zu verändern.

Das stimmt, aber wie bringe ich den Stein ins Rollen?
Ich hoffe ja insgeheim, dass ich Leute in Sorge versetze und sie mich dann fragen, was los ist. Aber ich glaube, ich verstecke das so gut, dass keiner das auch nur ansatzweise ahnt (mein Chef meinte letztens zu jemandem, dass genau so jemand wie ich noch gefehlt hat (also positiv :D)).

Oder es gibt manchmal Situationen, da ist man mit jemandem alleine und dann fragen die so als Lückenfüller: "Und? Wie gefällt es dir hier?" Aber darauf kann ich ja auch nicht ewig warten...

---

Kann man nach 6 Monaten schon solche Anforderungen stellen?
Selbst wenn ich das Gefühl habe, dass sie sehr zufrieden mit mir sind und ich immer viel zu bescheiden bin?
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Elise » Mo 25. Feb 2019, 13:57

Liebe songbird,

ich kann dich total verstehen, es ging mir vor kurzem ähnlich..unter Tränen habe ich mir eingestanden, dass ich in der Postion, in der ich tätig war, nicht richtig bin, bzw. dass ich für diese Postion zu weich bin. Ich liebe das Unternehmen von ganzem Herzen, deswegen tat es mir umso mehr weh es zu verlassen, aber wäre ich da geblieben, dann wäre ich sehr sicher zerbrochen. Ich hatte bereits nach wenigen Wochen schon so starke körperliche Schmerzen, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte - als hätte mein Körper sich geweigert sich diesen Umständen weiter zu untersetzen. In diesen Tagen habe ich geweint wie ein Schlosshund und alle meine Pläne über Board werfen müssen, aus Liebe zu mir selbst und es war die richtige Entscheidung, auch wenn ich das Unternehmen immer noch genauso liebe.

Wir müssen bereit sein uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, was auf uns wartet.

Ich bin eigentlich immer ehrlich zu mir selbst und höre jederzeit auf mein Herz, auch wenn ich manchmal etwas Zeit brauche mir etwas einzugestehen. Unser Leben hier ist nur ein Wimpernschlag unserer Unendlichkeit. Man kann jederzeit alte Wege verlassen und neue einschlagen, egal wie alt man ist und egal in welchen Umständen man äußerlich verfangen ist und welchen Verpflichtungen man sich verschrieben hat. So lange und so sehr man auch versucht krampfhaft an der äußerlich geglaubten Perfektion festzuhalten und man seinen Verstand stets brutal über sein Herz drückt, so ist es wahrscheinlich der schönste Moment, wenn man all die Masken, die geglaubte Perfektion, seine Pläne, seine Vorstellungen und vor allem seinen Verstand fallen lässt und sich endlich voll und ganz zu sich selbst bekennt und nach langem Warten zu seinen Gefühlen steht. Auch wenn in dem Moment alles Äußerliche zerfällt, ist dies der Beginn seiner neuen Freiheit, die Freiheit zu sich und seinem wahren Ich zu stehen. Das ist Selbstliebe und Selbstrespekt in einem. Man stellt sich fortan die Frage wer bin ich, was liebe ich, was brauche ich, was will ich wirklich..und vor allem was will mein Herz wirklich...der Verstand kann einem genau sagen, was man äußerlich braucht, damit alles logisch und rational ist und funktioniert und vielleicht hat man den Weg zu seinem Herzen schon so abgestumpft, dass man seinem Verstand in der Hinsicht sogar auch glaubt..mir kommen die Tränen wenn ich das schreibe...aber irgendwann meldet sich diese Sehnsucht in seinem Herzen so sehr, dass es einen in die Knie zwingt und man sich nicht mehr länger etwas vormachen kann und will...man beginnt endlich auf sein Herz zu hören und erreicht das Leben, das ganz anders ist, als man es sich vorgestellt hat, aber das einem genau das gibt, was man wirklich von ganzem Herzen braucht. Vielleicht ist es verrückt, abenteuerlustig, mutig, way too much out of your comfort zone und vielleicht viel zu schön, um wahr zu sein...aber wenn man wirklich ehrlich zu sich selbst ist und diesen Entwicklungsschritt geht, dann ist man eines Tages der glücklichste Mensch auf Erden.

Ich weiß nicht, ob dir das hilft...aber ich wünsche dir, dass du das Richtige für dich findest und deinen Herzensweg gehst, auch wenn man damit erstmal voll auf Risiko setzen muss...die Sicherheit kommt nach dem Sprung :)
Elise
 

Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Natty » Di 26. Feb 2019, 00:04

songbird86 hat geschrieben:Ich bin Sachbearbeiter im Verkauf und sitze zentral in einem Büro mit 5-7 Leuten. Um mich herum: Radio, Flur, vor mir Arbeitskollege, die anderen Kollegen hinter mir bzw. vor mir hinter einer Trennwand. Und das Telefon. Und Kollegen, die sich unterhalten und laut lachen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht witzig finden würde, aber es ist einfach mega anstrengend.

Hallo songbird86,
das klingt alles schon vom Lesen her mega anstrengend! Und dann noch so früh aufstehen! Das kann ich gut nachvollziehen, daß das für Dich nicht dauerhaft auszuhalten ist und Dich aussaugt!

Wenn Du offen zugibst, daß Du das alles nicht packst, dann muß Du damit rechnen, daß sie Dich von dem Job entfernen wollen. Womöglich wirst Du auch von Kollegen abwertend behandelt. .. Das KANN alles sein. Muß aber nicht! Wäge ab, ob Du diese Risiken einzugehen wagst und Dich offenbarst.

Ich persönlich für mich würde da sehr vorsichtig sein, mit solchen Offenbarungen. (Es kommt auf die Firmenkultur und die Persönlichkeiten in der Firma an.) Ich würde statt "ich schaffe das nicht" dem Chef sagen, "Ich möchte ungern so auf Dauer arbeiten. Ich habe einige Vorschläge um auf Dauer effizienter arbeiten zu können: Ich würde besser in der ruhigeren Ecke des Büros ohne Radio sitzen. Zeitweise könnte ich mich mit einem Kollegen am Telefon abwechseln, so das jeder mal eine längere Zeit zum konzentrierteren Arbeiten hat. (Vorher mit Kollegen absprechen.) ... usw.

Du solltest dem Chef gleich mit Vorschlägen kommen und ihm die positiven Seiten dazu aufzeigen. Nicht einfach zu ihm gehen und sagen, "ich kann das und das nicht, ich ertrage das nicht, ich schaffe das so nicht mehr".Mit Änderungsvorschlägen, die die Effizienz eines Mitarbeiters erhalten oder gar steigern kommt ein Chef am ehesten klar. Aber mit einem Mitarbeiter der kommt und nur sagt, "ich schaffs nicht" hat er ein riesen Problem.

Wenn Dir überhaupt keine Veränderungsvorschläge einfallen und Du keinerlei Zukunft auf dieser Arbeitsstelle siehst, dann würde ich mich notfalls (immer wieder) krank schreiben lassen, so wie Du es benötigst, um nicht chronisch oder ganz schlimm krank zu werden und ganz schnell anfangen "aus gesicherter Position" nach einer anderen Stelle zu suchen. Der Arzt kann Dich notfalls bis ca. ein Jahr krank schreiben, bevor Dich die Krankenkasse zwangsweise aus dem Krankengeld rausschmeißt.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Liebe Grüße
Natty
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon songbird86 » Di 26. Feb 2019, 01:10

Elise hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob dir das hilft...aber ich wünsche dir, dass du das Richtige für dich findest und deinen Herzensweg gehst, auch wenn man damit erstmal voll auf Risiko setzen muss...die Sicherheit kommt nach dem Sprung :)

Hallo Elise,

das hast du wirklich sehr toll geschrieben. Ich musste mir den Text noch mehrmals durchlesen, weil ich ihn so schön fand. Vllt hilft es mir ja irgendwann mal. :)

Natty hat geschrieben:Du solltest dem Chef gleich mit Vorschlägen kommen und ihm die positiven Seiten dazu aufzeigen. Nicht einfach zu ihm gehen und sagen, "ich kann das und das nicht, ich ertrage das nicht, ich schaffe das so nicht mehr".Mit Änderungsvorschlägen, die die Effizienz eines Mitarbeiters erhalten oder gar steigern kommt ein Chef am ehesten klar.

Hallo Natty,

danke auch für deine Antwort. Das ist mir auch, wenn auch etwas verschwommen, im Kopf herumgeschwirrt, nachdem ich diesen Thread eröffnet und noch weiter darüber nachgedacht habe. Es ist aber gut, eine Bestätigung zu bekommen, dann geht es besser ins Hirn. :)

Ich hatte heute schon im Büro eine Idee, welche Arbeit ich meiner Kollegin abnehmen könnte. Eine Idee, was den Arbeitsplatz angeht, habe ich aber absolut noch nicht...

Eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, aber mich stört, dass ich schon so fest verankert und integriert bin. Meine Kollegin und ich vertreten uns gegenseitig. Wenn ich nun ankomme, dass ich woanders sitzen oder gar weniger arbeiten möchte, könnte das problematisch werden. Ich weiß nicht, was passiert, wenn man mich da so "rausreisst". Ich will auch nicht, dass mein Wunsch nach Veränderung einen weiteren, ganz neuen Mitarbeiter beinhaltet. Das wäre fatal, weil ich alleine dann nicht mehr ausreiche.

Mir tut das alles so leid! Ich will doch einfach nur in Ruhe arbeiten, aber auch nicht alles durcheinander bringen...

Mich macht es so fertig, dass in dem Job einfach alles stimmt und es mir trotzdem so schlecht geht. Was würde ich bloß machen, wenn ich so richtige Probleme mit doofen Kollegen und zu viel Überstunden hätte...
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Natty » Di 26. Feb 2019, 08:24

Ein Kollege von mir hat immer wieder so große Lärmschutz-Kopfhörer auf, wie sie auf Baustellen verwendet werden. Das Telefon sieht man ja trotzdem klingeln.

Vielleicht mit Ankündigung an die Kollegen und Chef auch eine Möglichkeit?

LG Natty
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Eisvogel » Di 26. Feb 2019, 19:49

songbird86 schreibt:
Das Problem: ich habe bereits nach kurzer Zeit gemerkt, dass ich immer total im Eimer bin, obwohl ich weniger arbeite als früher. Es ist, als lebe ich nur noch, um zu arbeiten. Ich werde erst am Wochenende oder im Urlaub produktiv und sobald die Arbeit wiederkommt, ist alles wieder beim Alten. Ich mache nicht mehr so viele Sachen wie früher, die mir Spaß gemacht haben. Ich habe es auf die neuen Eindrücke geschoben, weil ich noch nie in einer anderen Firma gearbeitet habe. Und ich muss gegen 6 Uhr aufstehen. Überhaupt nicht meine Uhrzeit.

Ich bin Sachbearbeiter im Verkauf und sitze zentral in einem Büro mit 5-7 Leuten. Um mich herum: Radio, Flur, vor mir Arbeitskollege, die anderen Kollegen hinter mir bzw. vor mir hinter einer Trennwand. Und das Telefon. Und Kollegen, die sich unterhalten und laut lachen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht witzig finden würde, aber es ist einfach mega anstrengend.


Du könntest es mal als Poduktionshelfer im Holz-, Metall- oder Elektrosektor probieren. Man hat dort oft einen eigenen Arbeitsplatz ganz alleine an seiner Maschine und die ganze Zeit Ruhe durch den hochwertigen Gehörschutz. In vielen Produktionshallen arbeitet jeder für sich seine 35 - 40 Stunden und in den Pausen wird nicht viel gequatscht. Sehr viele Introvertierte arbeiten an Maschinen. Wenn man Spätschicht hat, muss man so gegen 14 Uhr herum beginnen und kann bis in die Puppen pennen. Bei Frühschicht muss man nicht gegen 6 Uhr beginnen, sondern ist dann längst bei der Arbeit, da viele Firmen schon um 5:30 beginnen. Für den Tageshrythmus ist dieses System sehr ausgeklügelt und es fällt idR leichter, wenn man schon um 6:00 dabei ist und viel früher zu Bett geht und aufsteht. Freitags bei Spätschicht hat man oft schon nach etwa 6 Stunden Schluss und kann dann entspannt ins Wochenende. Viele Zeitarbeitsfirmen bieten diese Jobs an, man kann angeben, ob man ganz entspannt auch mal Nachtschicht schieben will und man ist ruck-zuck vermittelt, selbst ohne Berufsausbildung. In vielen Firmen gibt es mehr als Mindestlohn, wenn man detailgenau und kreativ (wie HSP) arbeitet und/oder länger dabei ist.
Viele finanzieren sich so ihr Studium oder umgehen ALG2, wenn sie in ihrem Beruf gerade nichts bekommen, und man kann an zwei freien Tagen ganz entspannt lernen und die Freizeit genießen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, über Zeitarbeit sofort etwas zu bekommen. Manche ZA haben sogar einen Fahrdienst und man wird von Tür zu Tür gebracht, wenn man kein Auto hat.
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon mika1983 » Mi 27. Feb 2019, 15:51

Liebe(r) songbird,

ohne Dich zu kennen, kann ich alles bis aufs kleinste Detail nachvollziehen.
Auch ich liebe meinen Job, nur das Umfeld ist der absolute Horror.
Morgens mit Bauchweh, Herzrasen, Angstgefühlen, teilweise auch mit Übergeben, zur Arbeit - Willkommen in meiner Welt.

Auch bei mir wird das Gefühl noch verschlimmert, da ich nicht ohne weitere Folgen kündigen kann. Neben den o.g. Problemen ist das "eingesperrt" sein fast noch schlimmer.
Unverschämtes Verhalten und eine gewisse Art von Ausnutzung, sowohl von Kollegen als auch von Vorgesetzten kommmen ebenfalls noch dazu.

Tatsächlich nehme ich Blutduck senker und Beta-Blocker um den Tag einigermaßen zu überstehen.

Ich habe allerdings im Laufe der letzten 5 Jahre herausgefunden, dass ich Angst zumindest manchmal überwinden kann, in dem ich einfach ganz ganz fest daran glaube, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Dass ich eben nicht eingesperrt bin. Ich versuche einfach alles um mich herum zu ignorieren, dem ganzen einfach keine Aufmerksamkeit zu schenken. Leider bleibt das aber auch nicht ohne Kritik. Verbesserungsvorschläge sind auch bei uns nicht gewünscht, weil sie zum einen keiner versteht und zum anderen auch nicht wirklich umsetzbar sind.

Halte weiter deine Augen nach neuen Jobs auf. Eines Tages tut sich eine neue Tür auf.

Was mir in der schlimmen Zeit immer geholfen hat, waren laaaange Spaziergänge im Wald. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze sie. Grün heilt.
Und wenn dir die Arbeit soviel Kraft raubt, verzichte auf alles was laut ist. TV, Handy, Zeitungen, Facebook usw.
Es bringt dir auch der Sport nichts, wenn du ihn mit 200 Puls machst und im Kopf nicht frei bist.


Du bist nicht alleine damit. Lass dir das einen Trost sein.

LG,
mika
Talente finden Lösungen - Genies entdecken Probleme.
mika1983
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Re: Meine Arbeit macht mich krank

Beitragvon Stoffel » Mi 27. Feb 2019, 18:12

mika1983 hat geschrieben:
Was mir in der schlimmen Zeit immer geholfen hat, waren laaaange Spaziergänge im Wald. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze sie. Grün heilt.
Und wenn dir die Arbeit soviel Kraft raubt, verzichte auf alles was laut ist. TV, Handy, Zeitungen, Facebook usw.
Es bringt dir auch der Sport nichts, wenn du ihn mit 200 Puls machst und im Kopf nicht frei bist.


Du bist nicht alleine damit. Lass dir das einen Trost sein.

LG,
mika


Das grün heilt, merke ich täglich. Ich könnte inzwischen ohne meine tägliche Stunde laufen gar nicht mehr zu mir finden. Für den Fall, daß mein Kopf beim Laufen zu arg am Rad dreht, und es schlimmer wird als besser, habe ich immer einen Podcast dabei. Der lenkt mich dann sowiet ab, daß ich runterkommen kann.
Wissen macht krank, nix wissen auch, ist aber nicht so stressig
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