Reizüberflutung im Beruf

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

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Reizüberflutung im Beruf

Beitragvon FreieSeele » Mo 5. Sep 2016, 15:41

Wie bekommt Ihr wieder für Euch positive Gedankengänge nach einer innerlichen negativen Reizüberflutung im Job?
FreieSeele
 

Re: Reizüberflutung im Beruf

Beitragvon the_pilgrim » Di 6. Sep 2016, 08:09

Schmusebär hat geschrieben:Wie bekommt Ihr wieder für Euch positive Gedankengänge nach einer innerlichen negativen Reizüberflutung im Job?

Um das zu beantworten, muss ich ein bisschen ausholen.

Jeder Mensch bekommt durch Erziehung und Erfahrungen ein mentales Glaubensgerüst, an dem er*sie sich entlang hangelt. Es bestimmt unser Denken und Handeln, bewusst oder unbewusst. Viele dieser Glaubenssätze sind nicht sonderlich konstruktiv, manche sogar destruktiv.

Reizüberflutung ist etwas, das passiert, es ist weder negativ noch positiv, es ist etwas, das psychisch anstrengend ist. Wer sich körperlich verausgabt, ist hinterher kaputt und braucht eine Pause, mit psychischer Verausgabung verhält es sich ähnlich. Eine Reizüberflutung als negativ zu betrachten wäre in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass ein Automatismus in Gang gesetzt wurde, der wegen des eigenen Weltbilds eine Beurteilung der Situation als negativ einstuft und somit das Gedankenkarussell in Gang gebracht hat.

Beispiel: ich werde von jemandem beschimpft oder beleidigt, welche Worte benutzt werden ist dabei egal. Ich kann nun empört oder beleidigt reagieren und mich angegriffen fühlen. Ich kann statt dessen aber auch hinterfragen, ob ich mich unpassend benommen oder geäußert habe. Wenn nicht, dann habe offensichtlich nicht ich ein Problem, sondern die andere Person. Ich bin nur zur falschen Zeit am falschen Ort und bekomme Wut ab, die die Person an jemandem auslässt. Das ist unschön, aber nicht weiter tragisch, jede*r hat mal einen schlechten Tag.

Wenn ich mich unangemessen benommen habe, kann ich mich entschuldigen und/oder anbieten, es wieder gut zu machen. So oder so kann ich die Angelegenheit schnell hinter mir lassen (egal, ob ggf. die Entschuldigung angenommen wird oder nicht).

Negative Gedanken sorgen üblicherweise dafür, dass ich statt dessen die Begebenheit immer und immer wieder im Kopf durchspiele. Ich rege mich auf, dass ich beschimpft wurde. Ich empöre mich und gehe im Geiste verschiedene Erwiderungen durch, die entweder rechtfertigend, abwehrend, zurückschlagend oder entschuldigend sind. Damit kann sich das Gehirn stundenlang beschäftigen.

Nun zur Antwort auf die Frage. Ich habe gelernt, diese Mechanismen zu erkennen und gedanklich darauf zu reagieren. Mein Gehirn gerät nicht mehr in diese Spirale, denn ich kann mich dagegen entscheiden. Wenn man das gelernt hat, ist es sehr leicht. Das geht durch Therapien, NLP und/oder positive Affirmationen.

Alternativ ist Sport bzw. Bewegung eine gute Möglichkeit, das Gehirn zur Ruhe kommen zu lassen. Joggen klappt für mich gut, es geht aber auch alles mögliche andere, Spazieren gehen (mit Wut im Bauch geht man automatisch eher im Stechschritt, bis man sich beruhigt hat), Boxen, Hausarbeit, Holz hacken, Gartenarbeit,...

Gerade Spazieren gehen gibt neue Energie, wenn man psychisch erschöpft ist.

LG,

the_pilgrim
Zuletzt geändert von the_pilgrim am Di 6. Sep 2016, 20:23, insgesamt 1-mal geändert.
the_pilgrim
 

Re: Reizüberflutung im Beruf

Beitragvon Vita83 » Di 6. Sep 2016, 09:49

the_pilgrim hat geschrieben:Reizüberflutung ist etwas, das passiert, es ist weder negativ noch positiv, es ist etwas, das psychisch anstrengend ist. Wer sich körperlich verausgabt, ist hinterher kaputt und braucht eine Pause, mit psychischer Verausgabung verhält es sich ähnlich. Eine Reizüberflutung als negativ zu betrachten wäre in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass ein Automatismus in Gang gesetzt wurde, der wegen des eigenen Weltbilds eine Beurteilung der Situation als negativ einstuft und somit das Gedankenkarussell in Gang gebracht hat.


Hmmm....ich persönlich verstehe unter Reizüberflutung etwas anderes.Wenn Reizüberflutung herrscht, dann bewerte ich nicht viel, denke nicht viel. Außer "FLUCHT"... Was du dort beschreibst würde ich als Bewertungssystem bezeichnen. Das spielt auch eine sehr große Rolle bei uns allen hier denke ich... also auch nicht fehlplaziert, beschreibt nur eine andere Reaktion.
Ich reagiere z. B. sehr empfindlich wenn viele Geräusche/Lärm auf einmal herrschen. Bei mir auf der Arbeit (Behinderteneinrichtung), wenn die eine wieder nur Schreit, die anderen mir was erzählen wollen und dementsprechend lauter werden um die Schreie der anderen Person zu übertönen und wenn dann z. B. noch das Telefon klingelt... dann ist bei mir schon lange "ERROR" auf die Stirn geschrieben. soakes Andere behalten den Überblick - ich höre nur noch schmerzhaften Lärm und würde am liebsten raus rennen.
Anderes Beispiel: Wenn ich im dunkeln Auto fahre und es regnet. Überall bunte Lichter (Ampeln, Werbung, etc.) dann die Scheinwerfer, und in jeder Pfütze spiegelt sich irgendein Licht. So viele Eindrücke auf einmal - ist mir zu viel. Ich werde unsicher und versuche bei solchen Situationen möglichst nicht auto zufahren. Obwohl ich eigentlich eine sehr sichere und geübte Autofahrerin bin. Aber in solchen Momenten herrscht bei mir Reizüberflutung.

LG
VITA
Vita83
 

Re: Reizüberflutung im Beruf

Beitragvon Hortensie » Di 6. Sep 2016, 18:01

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Re: Reizüberflutung im Beruf

Beitragvon the_pilgrim » Di 6. Sep 2016, 20:21

@Vita83, ich habe mich darauf bezogen:
Schmusebär hat geschrieben:nach einer innerlichen negativen Reizüberflutung im Job?
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