Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Hier möchten wir in Diskussionen und Erfahrungsberichten zusammenfassen, wie bereichernd oder erschwerend HS im Alltag von Schule, Studium und Beruf ist.

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Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon jeannie » Fr 26. Jun 2015, 07:44

Hallo,
ich bin mehr oder weniger durch Zufall (oder durch höhere Führung?) hier gelandet. Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich HSP bin. Jedenfalls bin ich extrem empfindlich in bestimmten Situationen, nehme mir Dinge viel zu sehr zu Herzen. Auch andere Punkte aus diversen Tests treffen - leider - zu. Daher jetzt auch meine aktuellen Fragen.

Ich bin seit über 20 Jahren selbstständig, weil ich es leid war, mir von anderen Leuten Vorschriften machen zu lassen. Begonnen als Schreibbüro. Den ganzen Tag zu tippen war mir irgendwann zu langweilig. So habe ich mit Webdesign angefangen. Mache ich bis heute, dazu noch Lektorat, weil ich halt recht gut im Deutschen bin. Mein Hauptproblem in allen Bereichen ist, dass ich meine Dienstleistungen nicht verkaufen kann. Ich bin einfach nicht der Verkäufer-Typ. Also nehme ich momentan vermehrt Schreibarbeiten an, die mich tierisch langweilen und auch nerven, da ich Regeln einhalten muss, deren Sinn ich nicht nachvollziehen kann und die teils auch falsch sind.

Alles Punkte, die auf HSP nach den Tests zutreffen.

Seit ca. drei Jahren beschäftige ich mich vermehrt mit Tieren in Not (habe selber einen Hund und zwei Katzen). Das Elend, das ich dabei entdeckte, hat mich teils tage- und nächtelange nicht mehr losgelassen. Und es potenziert sich alle paar Tage aufs Neue. Meine Idee, im Tierschutz tätig zu werden, passt nur leider überhaupt nicht in meine Lebenssituation, da ich aufgrund der schlechten Umsätze - zu wenige Kunden - extrem aufs Geld schauen muss. Ich weiß auch nicht, ob ich das nervlich durchhalten könnte. Aber mit Sicherheit werde ich einen zweiten Hund aus dem Tierschutz zu mir nehmen. Ist zwar nichts im Verhältnis zu dem, was mit Tieren auf dieser Welt getrieben wird, aber für den einen ist es alles, ein schönes Zuhause und Liebe zu bekommen.

Ich habe das dringende Bedürfnis, beruflich etwas wirklich Sinnvolles im Leben zu machen. Tippen, Webdesign - ist nicht wirklich meine Welt. Lektorat macht noch am meisten Spaß. Dadurch wird die Welt ein wenig besser - Rechtschreibung und Interpunktion werden ja immer mieser, sogar in Fachtexten.

Ich habe einfach keine Idee - und teils vor lauter sinnlosen und schlecht bezahlten Arbeiten gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Hier im Forum wurden ja schon einige Berufe genannt. Aber mit meinen 50 Jahren brauche ich (noch dazu ohne Abitur) kein Psychologie-Studium anzufangen. Das Schwierigste ist ja auch: In jeder Selbstständigkeit muss man an Kunden kommen. Und genau bei der Akquise scheitere ich extrem. Ein Angestelltenverhältnis wiederum kommt für mich überhaupt nicht mehr infrage.

Vielleicht hat jemand noch einen Gedanken für mich? Danke schon mal!
jeannie
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon jules1976 » Mo 29. Jun 2015, 16:39

Hallo jeannie!

Kennst Du Clickworker? Das ist mir spontan in den Sinn gekommen, als ich Deinen Beitrag las - wenn man die Zeit hat und in Text schreiben gut ist, kann man da glaub ich, ein bißl was dazuverdienen.

Auch Tierschutzvereine und andere Organisationen sind gut vernetzt - bei Facebook gibt es so einiges- meine Schwester ist da sehr aktiv und kümmert sich um Windhunde- einige malen Bilder von ihren Tieren, machen Schlüsselanhänger aus Fell etc.

Vielleicht ist da was für Dich dabei? Ich hab den Eindruck, da braucht man erst mal kein großes Kapital.

Und zudem ist es doch auch schon wunderschön, dass Du einer oder zwei Hundeseelen ein gutes zu Hause bietest!

Liebe Grüße Jules1976
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Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon Franzi » Sa 4. Jul 2015, 06:19

Hi,

insoweit es mir Deine Situationsschilderung einsichtig macht, bis Du mit Deinen Gegebenheiten zur Zeit ziemlich unzufrieden, was Deine Arbeit als Lektorin anbelangt ist mir eingefallen, womöglich erstreckt sich Deine besondere Sensibilität auch auf das Erfassen künstlerischer Schreibweisen, hast Du schon mal daran gedacht, als Ghostwriterin zu fungieren? Diese Arbeit ist anspruchsvoller als Abtippen oder Lektorieren und wird nicht so schlecht bezahlt, jedenfalls kann man davon leben und braucht sich nicht derart abzurackern, dass man nicht einmal mehr die Muße hätte, Grundlegendes in seinem Leben in aller Ruhe zu überdenken.

Was den Tierschutz anbelangt, es ist schön, dass Du Deinem Hund wenigstens einen hündischen Gefährten zur Seite stellst und wahrscheinlich auch dieses Tier davon profitieren kann, ich weiß ja nicht, ob es bislang in einem größeren Hundeverband leben durfte oder ein Leben in sozialer Abgeschiedenheit zu fristen hatte. Der Hund ist ein Rudeltier und es ist menschlicher Hochmut und wiewohl führt es zu pervertierter Tierhaltung zu meinen, der Hundeverbandersatz Mensch wäre den Ausprägungen hochentwickelten hündischen Sozialwesens zur Genüge.

Ich arbeite seit vielen Jahren im Tierschutz und es bedarf keiner hohen Sensibilität, es zu sehen, ein Mensch, der sich zum Tier hingezogen fühlt, sollte seine Einstellung zum Tier gründlichen unter die Lupe nehmen, auf dass nicht allzu sehr am Tier vorbeigeliebt wird.

Wenn Du etwas für den Tierschutz tun willst, brauchst Du keineswegs vor allem Geld, das Auftun von Partnerschaften für Tiere z.B., Michael Aufhauser fällt mir da ein, er ist ernsthaft Interessierten auch gerne mal für Auskünfte gut und gerade weil es Dir im Geschäftlichen nicht so leicht fällt, an potente Kunden heranzukommen, könnte es womöglich ein für Dich nützliches Training in aller Unbeschwertheit einer Freizeitgestaltung sein, oder z.B. Aufklärungsarbeit betreiben, den Menschen die Augen in Sachen Nutztierzucht, Nutztierausbeutung und Nutztiermord öffnen…

Ich wünsche Dir alles Gute auf kommenden Wegen, vielleicht war etwas Anregendes für Dich dabei,

Servus, Franzi.
Franzi
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon jeannie » Mi 8. Jul 2015, 18:51

Hallo,

sorry, dass ich mich jetzt erst wieder melde. Ist gerade sehr viel zu tun. Ich möchte euch nur kurz danken für eure Anregungen. Mir geht so viel im Kopf herum, und ich muss gewisse Gedanken mit Gewalt aus meinem Kopf drängen, weil ich sonst wahnsinnig werde. Michael Aufhausers Werk ist schon ein endlich mal positiver Aspekt.

Als Autorin war ich bis vor zwei Jahren tätig; habe mich gerade wo neu beworben. Vielleicht geht es ja in die richtige Richtung.

Bei mir kommt noch dazu, dass ich dringend umziehen muss - aber mit großem Hund und allein als Frau ist es ja fast unmöglich, etwas zu finden. Es ist wirklich alles im Umbruch, und das ist gut so. Nur muss endlich etwas geschehen.

So, und jetzt kraule ich meine Kleine. Das gibt mir Kraft - und ja, ich versuche, ihre Bedürfnisse so gut wie möglich zu erfüllen und nicht an ihr vorbeizulieben (sehr schön formuliert, finde ich).

Ich halte euch auf dem Laufenden, wenn sich etwas tut. Danke euch!

Liebe Grüße
Jeannie
jeannie
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon Joern » Mi 8. Jul 2015, 20:07

Hi Jeannie

tja, als selber Selbstständiger und 5-Dekaden-plus kann ich Dich gut verstehen !
Auch in Deinem Berufs-"Frust" (oder Deinen Vorlieben) ist der HSP wieder zu erkennen.
Was mir sehr gut geholfen hat, war die Lektüre von Rohleder "Berufung für HSP".
Beruf und Berufung hängen nun mal sehr dicht zusammen - alles andere ist "nur" ein "Job".

Und "nur" machen HSP's nur sehr ungern und unmotiert.
Egal ob in Job oder in anderen Kontexten.
Joern
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon jeannie » Fr 10. Jul 2015, 12:31

@Jörn: Ich habe im Internet eine 13-seitige Leseprobe des Buchs gefunden. Sehr interessant, das mit dem Neugeborenen-Ich. Genau so fühle ich mich manchmal. Und ja, Waschzettel kratzen und Polyacryl-Pullover, auch wenn es nur 10 % Anteil an der Faser sind, treiben mich in den Wahnsinn. Nur die Speckröllchen habe ich nicht _yessa_ Ich denke, das Buch werde ich mir besorgen. Danke für den Tipp!

Edit: Buch bestellt. Und was mir gerade noch einfällt: Ich bin so ein Mensch, der sich unheimlich dran ergötzen kann, wenn sich etwas schön anfühlt beim Berühren oder Darüberstreichen. Also bestimmte samtige Papiersorten, die Oberflächen mancher Dinge, die sich so halb stoffig anfühlen. Oder das Schreiben auf ein bestimmtes Papier (Stichwort Moleskine). Das ist vermutlich auch ein Zeichen von HSP?
jeannie
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon TalaNegu » Fr 17. Jul 2015, 19:16

Das mit dem Buch hört sich gut an...werde ich mir wohl auch bestellen, Hat es Dir geholfen? Das Thema Arbeit/ Beruf ist ein ziemlich schwieriges Thema für mich, bin auch selbstständig, und mache so dies und das, was sich gerade anbietet, mein Lieblingsjob ist Schulklasssen auf dem Bauernhof begleiten (Lernort Bauernhof), aber leben kann ich davon nicht, also ich verdiene nicht genug und bekomme zusätzlich noch Unterstützung vom Amt. Manchmal würde ich am liebsten einfach eine Ausbildung machen und einen "normalen" Job machen, hatte mich sogar nach längerer Überlegung entschieden eine Erzieherausbildung zu machen, habe aber schon das zweite Jahr keinen Platz in der Schule bekommen, was ich wiederum als Wink des Himmels oder was/ wem auch immer sehe, das es das nicht ist, aber was dann? Habe schon einige Jobideen durchdacht, aber immer gab es einen Haken, meine Schulbildung reicht nicht aus, die Ausbildungsstelle/ Schule ist zu weit weg oder so umfangreich, das ich es nicht mit meinen Kindern unter einen Hut kriege, die die halbe Zeit bei mir leben. Ohh, sorry, jetzt habe ich weit ausgeholt...LG TalaNegu
TalaNegu
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon jeannie » Mo 20. Jul 2015, 12:51

Ich habe jetzt die ersten 60 Seiten gelesen und bin erstaunt, was alles auf mich zutrifft. Von daher: Ja, das Buch hilft mir sehr, allein schon, um mich selber besser zu verstehen. Wir brauchen das Lob, die Anerkennung, aber auch die Freiräume während der Arbeit. Nur so als Stichworte. Da bin ich guter Dinge, eine Idee für meine Zukunft herauszufiltern. Aber noch ist es nicht so weit.
jeannie
 

Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon schwarz » So 23. Aug 2015, 12:22

Manchmal würde ich am liebsten einfach eine Ausbildung machen und einen "normalen" Job machen, hatte mich sogar nach längerer Überlegung entschieden eine Erzieherausbildung zu machen, habe aber schon das zweite Jahr keinen Platz in der Schule bekommen, was ich wiederum als Wink des Himmels oder was/ wem auch immer sehe, das es das nicht ist, aber was dann?


Hallo TalaNegu,

fühlt es sich an wie ein Wink des Himmels?

Beste Grüße schwarz iwikx
schwarz
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Re: Selbstständig und im Umbruch - aber wohin?

Beitragvon Oilean » Sa 29. Aug 2015, 16:49

Hey Jeanie :)

Deine Situation kenne ich ziemlich gut :)

Bei mir ist das Berufsbild das Gleiche. Auch ich verdiene meine Brötchen mit dem Schreiben (als freier Journalist, Autor und im PR-Bereich), arbeite daneben aber vor allem im sozialen Bereich, vorwiegend mit Kindern, aber auch in anderen Bereichen, die mir Sinn zu machen scheinen.
Ich war vor ein paar Jahren an einem ganz ähnlichen Punkt - und quasi gezwungen, eine Lösung dafür zu finden. Ich kenne auch die schreibende Branche in all ihren Facetten - und ihre Probleme - natürlich aus eigener täglicher Anschauung ganz gut. :)

Ich denke, ich geb dir hier einfach mal einige meiner Überlegungen mit - vielleicht ist ja etwas dabei, was dir nützen kann.

Soweit ich das hier sehe, teilt sich das ja so grundsätzlich in drei Bereiche:

1) Der Brötchen-Job, das Schreiben - das manchmal elendslangweilig ist, kaum befriedigt und einen ständigen Krieg mit den komischen Wünschen noch komischerer Kunden (jaaaa :) ) bedeutet. Und oft einfach einen Unwillen, sich überhaupt hinzusetzen, weil es üüberhaupt keinen Sinn zu machen scheint. Und weil oft Dinge gefordert werden, die man überhaupt gar nicht tun mag.

2) Der Wunsch, was SINNVOLLES anzufangen mit seinem Leben, Dinge zu tun, die etwas besser machen, die das Leiden lindern, und eine üble Situation verbessern. Wegschauen ist keine Alternative (sehe ich auch so und kann ich auch nicht und möchte ich auch gar nicht können). Das Gefühl haben, etwas zu tun. Seine Zeit dafür zu verwenden, dass woanders etwas besser wird - anstatt seine Zeit dafür zu ver(sch)wenden, eigentlich sinnlose Dinge zu machen, die am Ende niemandem wirklich nützen.

3) Deine Zweifel an dir selbst, das Gefühl der Überforderung ab und an, und so eine Unsicherheit, wo genau der Weg weitergeht. Du kannst zwar ziemlich genau fühlen, was du nicht möchtest, aus dem Rest wird aber auch noch kein Plan, und du fühlst dich jetzt oft genug im Stress und im Zweifel.
Triffts das so ungefähr? :)

Mal ganz zu Anfang zu Punkt 3)

Wenn du dir nicht ganz so sicher bist, ob das alles wirklich HSP ist, ist das nicht schlimm, glaub mir. Es geht gar nicht so sehr darum, Dinge tatsächlich in Schubladen zu stecken, weil dir am Ende die Schublade nichts nützt. Rein theoretisch käme auch ADHS/ADS je nach Symptomlage in Frage, glaube ich aber nach dem, wie strukturiert sich dein Beitrag sich so liest, jetzt mal eher nicht, jetzt mal so als Med gesprochen. Im Grunde würde beides - jegliche Art von Diagnose - aber eh nichts ändern. Es gibt keine "festgelegten Heilungswege" und braucht oft auch gar keine.

Es ist viel wichtiger, dass DU persönlich mit dem arbeitest, was du hast und was du an dir entdeckst. Das ist bei jedem Menschen ohnehin anders, du bist in jedem Fall - wie alle anderen auch - einzigartig. Und damit gibts auch für jeden einen anderen Lösungsweg. Sieh einfach, das was ist - und versuche darauf und auf dich Rücksicht zu nehmen. Eine Überforderung mit der Informationsflut, mit langweiligen, monotonen und sinnlosen Tätigkeiten und Schwierigkeiten aus einer Vielzahl von Möglichkeiten seinen Weg herauszufinden, ist auch gar keine "Krankheit" im eigentlichen Sinn... sondern schlicht einmal ein zutiefst menschliches Problem.
Mach dir also mal nicht allzu große Sorgen darüber, in welche Schublade du passt. Du bist sowieso am Ende IMMER deine eigene Schublade. :)

also dann mal zu 1)

Unter Schreibbüro verstehe ich jetzt am besten - Schreibdienst wie Transkription - oder Schreiben im Sinne von "Texten" (wie das heute so schön heißt), also Texteproduktion auf Auftragsbasis?

Eigentlich im Grunde sogar einerlei. Wenn du schreiben kannst, kannst du schreiben. Gutes Deutsch scheint als Lektorin ja kein Problem zu sein. Das sind mal die Aktiva auf der schreiberischen Seite. Dazu kommt, wie ich dem Beitrag entnehmen kann, auch noch Webdesign. Eigentlich ne sehr gelungene, sinnvolle Kombination.

Was das Schreiben und den schreibenden Beruf angeht: Soweit ich das überblicke (und ich hab schon ein paar viele Kunden gehabt, in den letzten Jahren) ist das, was verlangt wird (an Texten jedenfalls) in der Mehrzahl nicht besonders sinnstiftend. Das trifft sowohl die inhaltliche, als auch die stilistische Seite. Die Web-Publikationsbranche (ich nenn die jetzt mal alle so) versucht dabei, "Stil" auch völlig neu zu erfinden.

Soweit ich das von journalistischen Vorgaben her beurteile, liegt das noch etwa ein Drittel under den Vorgaben für die Bild-Zeitung: maximal 12 Wörter pro Satz, Kommata sind böse (und mehr als eins pro Satz geht schon mal gar nicht), völligen Verzicht auf Modalpartikel und Konjunktionen werden ersatzlos gestrichen (sind ja alles angeblich "Füllwörter") und das Ganze liest sich am Ende wie ein wenig talentierter Fünftklässler-Aufsatz. Das ist angeblich "guter Stil im Netz". Am liebsten natürlich sowieso gleich Listen, weil die Menschen Texte eh nur noch "scannen", und für ganze Sätze eh schon zu blöd sind (klar, und das fördern wir auch noch).

Ich hab mir mal den Spass gemacht, einen Text in der sogenannten "einfachen Sprache" (für geistig Behinderte und sprachlich Eingeschränkte) zu verfassen. "Stilistisch" fand man ihn in weiten Teilen "eigentlich recht gut". Zum Kotzen, ehrlich gesagt. Aber nun mal eben eine Tatsache.

Schlimmer sind noch die inhaltlichen Anforderungen. Weiterführende Gedanken und Schlüsse sind sehr unbeliebt. Denken ist nicht erlaubt, und das sollen die Leser auch nicht (mögen sie auch nicht, sagt man). Texte sollen ja "informieren" (möglichst über das, was die meisten Halbgebildeten eh schon wissen). An deinem Wissen, an deinem Verstand, sind die meisten nicht interessiert. Was es zu wissen gibt, steht eh schon im Netz, Klaub's einfach zusammen, und schreibs nochmal. Das was G*** ausspuckt, ist das, was Leute am meisten suchen (sagt man dir) und das reicht auch völlig. Mehr ist unnötig.

Dass das nicht befriedigend sein kann, versteht sich von selbst. Ist es für mich auch nicht. Es ist aber, wie gesagt, einfach eine Tatsache. Deine Gedanken, dein Wissen, deine Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen und Dinge zu erkennen, interessieren in der auftraggebenden Branche in den meisten Fällen niemanden.

Am Ende ging es - für mich - nur um eins: EFFIZIENZ.

Ich habe das Glück, immer wieder Aufträge zu finden, die wenigstens insoweit Sinn machen, dass der Inhalt vielleicht noch irgendjemandem nützt. Wichtig war für mich immer: was brauche ich an Einnahmen - und wie komme ich schnell und möglichst schmerzlos und ohne mich allzusehr zu verbiegen daran. Und: wie gebe ich dem Ganzen noch wenigstens ein bisschen Sinn.

Beim Schreiben zu bleiben, lohnt durchaus. Man KANN damit durchaus gutes Geld verdienen, ohne sich allzusehr zu verbiegen, in vernünftiger Zeit. Schreiben kann sogar Sinn machen UND Geld bringen. Außerdem macht Schreiben ortsunabhängig. Dafür lohnt's in verschiedene Richtungen zu denken.

#1 Plattformen - die nehmen dir praktisch die gesamte Akquise ab, zahlen dir pünktlich dein Geld, und mit etwas Effizienzoptimierung kommst du oft auf gut 20 - 25 Euro die Stunde (wenn du's richtig machst).

#2 Übersetzungen - sind eine schmerzlose Sache. Für Übersetzer ohne Studium werden in Deutschland in den meisten Fällen rund 3,5 - 6 Cent pro Wort bezahlt. Da man grundsätzlich nur in die Muttersprache übersetzt, sind vor allem Deutschkenntnisse wichtig. Englisch-Deutsch ist eine sehr gesuchte Kombi, mit vernünftiger Software und etwas Übung schafft man gut 6.000 - 8.000 Wörter pro Tag. Kann ich aus der Praxis sagen, da ich für einen Freund immer wieder ein bisschen die Übersetzungs-Agentur mit-manage.

#3 Eigene Web-Projekte. Sind nicht so schwierig. Im Grunde sind die paar SEO Dinge, die man wissen muss, recht schnell erlernt. Dazu kommt, dass - das übersehen die meisten - vor allem der Inhalt und deine eigene Mission zählen. Auch wenn die "SEO-Profis" dir immer wieder erklären, dass der Inhalt nebensächlich ist, stimmt das nicht. Es gilt wie überall in der Journaille: "Und wer nichts zu sagen hat, der möge besser schweigen". Gute Blogs werfen heute oft leicht bis zu 3.000 - 5.000 Euro monatlich ab, dazu kommt, dass dir die VG Wort praktisch ein Dauergehalt zahlt, das von Jahr zu Jahr mehr wird und auch gut als Altersvorsorge dienen kann. UND hier fängt es auch an, Sinn zu machen - da du Dinge tun kannst, die per se Sinn machen.

#4 Bücher. Online-Publishing und E-Book-Herstellung sind heute ein Kinderspiel. Das geht praktisch vom Textverarbeitungsprogramm aus, oder kostenlos bei diversen Dienstleistern. Der Verdienst ist dabei von vielen Faktoren abhängig, dafür bringt ein einmal veröffentlichtes Buch aber über Jahre laufende Einnahmen. Auch die VG Wort zahlt hier wieder, allerdings in der Regel nur einmalig.

#5 Magazine und PaidContent. Das ist erst langsam im Kommen, ist meines Erachtens bei entsprechender Qualität aber eine gute Alternative zu werbefinanzierten Projekten. Blendle hat mit seiner Beta einen guten Weg eingeschlagen, finde ich, muss man aber noch abwarten. Für die Zweitverwertung von Artikeln aber sicherlich nicht schlechte Möglichkeiten.

Lass dich erst mal nicht verwirren, von der Fülle dieser Möglichkeiten. Ich hab das hier nur mal grob angerissen, da das sonst ganz sicher den Rahmen sprengt. Es geht gar nicht darum, ein schreiberisches Imperium aufzubauen - sondern vielmehr für dich selbst herauszufinden, was IN DEINEM FALL die höchste Effizienz bringt, dir am meisten sinnvoll erscheint, und auch Spaß macht.

Wenn du Lust hast, schreib mir einfach mal ne PN oder ne Mail, oder wir quatschen im Chat mal ne Runde. Ich kann dir dann zu den einzelnen Dingen auch ein paar Seiten und ein paar Infos geben, und dir ein wenig aus der Praxis erzählen, wie das so funktioniert, wenn du magst. Das meiste ist viiiel weniger kompliziert als es klingt. :)

zu Punkt 2) der SINN

ja, das ist die Frage, die jeden empfindenden Menschen bewegt. Nur die fremdgesteuerten Holzklötze brauchen keinen Sinn, weil deren alleiniger Sinn es ja ist, komplett fremdgesteuert zu sein. Das die Holzköpfe grob geschätzt ungefähr 80 Prozent unserer Welt ausmachen, ist halt leider das Trauerspiel dabei.

Mir hat sich die Sinnfrage eigentlich mein Leben lang konsequent gestellt. Mir war schon als Kind klar, dass ich etwas tun möchte, um Menschen zu helfen, und ihnen ein bisschen Einsicht in ihrer anscheinend schrecklichen geistigen Dunkelheit zu vermitteln. Als Sechzehnjähriger bin ich mit ner Menge Bücher über Psychotherapie herumgelaufen, und mich hat vor allem die Frage beschäftigt, wie man Menschen zu Einsicht verhelfen kann, OHNE sie zu manipulieren. Ich hab viel von Rogers gelesen, damals, und die Claudia Maus (*grins* was für ein süßer Name) hat mir sehr die Augen geöffnet. Nach und nach bin ich dann auch auf ein paar andere Dinge gestoßen, hab manches wieder verworfen, einiges behalten. Ich hab dann Medizin studiert, nur um festzustellen, dass der Beruf SO ganz sicher nicht mein Ding ist. Ich hab für mich gesehen, dass die Probleme ganz woanders liegen, und dass es einfach nicht darum gehen kann, ein paar Schrauben anzuziehen. Dazu kam dann auch meine persönliche Geschichte, die meine Sinn-Suche und den Drang nach Sinn noch ziemlich intensiviert hat. Eine lange Geschichte, wenn du magst, kann ich sie dir ja mal erzählen. :)

Im Moment sieht mein Leben so aus, dass ich selber noch ein paar Projekte auf dem Schirm hab, die mir wichtig sind, und die ich auch einkommensseitig ein bisschen mehr verwirklichen möchte - obwohl das nicht der Hauptzweck ist. Daneben hab ich ein paar Auftraggeber gefunden, mit denen ich ein paar wenigstens ansatzweise sinnvolle Projekte verwirkliche, und sie versuche dazu zu bewegen, auch noch den einen oder anderen Schritt weiter zu machen. Nette Leute, und immerhin zahlen sie ohne viele große Sorgen für meinen Lebensunterhalt.

Mein auf weiter Strecke wichtigstes Ziel: So wie es deins ist, die Tiere zu schützen, ist es meins, die Kinder zu schützen. Wer eine bessere Welt will, muss anfangen den Kindern Werte mitzugeben. Ich hab erkannt, dass ich mich vor allem an die wenden muss, die mit Kindern arbeiten - denn das ist am effizientesten. Wenn die erkennen, was notwendig ist, wird wirklich etwas besser. (Das ist oft eine nervenzermürbende Sache, aber es hat da und dort Wirkung). Mir ist klar, dass ich nicht die Welt ändern kann - aber ich kann Wege finden, Bewusstsein zu schaffen - für Werte, für Gewaltfreiheit, für Nachdenken und für Infragestellen. Mehr kann ich nicht beeinflussen. Ich lebe was ich vertrete, und ich vertrete ausschließlich, was ich persönlich lebe.

Daneben gibts noch ein paar andere Dinge, aber das sprengt hier schon mal wieder den Rahmen. :)

Ich bin finanziell eigentlich relativ bedürfnislos, möchte mir in ein paar Jahren ein kleines Häuschen bauen in Schweden, und mich so weit wie möglich nur noch eigenen Projekten widmen - soweit der Plan. Vielleicht auch ein offenes Haus betreiben, das ist im Moment noch nicht so klar. Ich reise viel, bin viel unterwegs, und habe in den letzten Jahren für mich auch den Zauber des Minimalismus und des digitalen Nomadentums entdeckt. Und ich hab für mich auch erkannt, wie viel ich persönlich in meinem Leben streichen kann, und dabei einen echten Gewinn erlebe. Plötzlich ist die Überforderung weg, und der Weg wird immer klarer.
Ein guter Tipp sind auch die "Seven Habits" - ich hab nur festgestellt, dass sie im Grunde viel zu viel Gedankengewurschtel erzeugen, und gerade für sensible Menschen einfach unnötig kompliziert sind. Ich hab meinen eigenen Weg und ein paar Tools gefunden, die mir helfen, einen klaren Weg zu strukturieren - wenn du magst, schick ich dir dazu mal ein wenig. Oder du liest einfach mal das Buch :)

so, und zum Ende noch mal ein paar Tipps, die ich meine, dir geben zu können:

1) Wenn du Menschen dazu bewegen willst, etwas zu tun, und Tiere zu schützen, ist es meines Erachtens nach am Wichtigsten, dass du Bewusstsein schaffst. Den Menschen ist nicht bewusst und auch schnurzegal, wenn Tiere leiden (ist es ja in den meisten Fällen traurigerweise sogar bei den eigenen Kindern, bei Tieren erst recht). Was mir da so spontan aus dem Ärmel kommt, wäre: die Intelligenz der Tiere.

Das ist ein irre spannendes Thema, weil die Forschung in den letzten Jahren deutlich erkennt, dass Tiere über eine viel höhere Intelligenz, über ein klar strukturiertes Denkvermögen und Problemlösevermögen, und in sehr vielen Fällen auch über ein Bewusstsein verfügen. Und zwar nicht nur Primaten, sondern auch ganz einfache, niedrige Tierarten - wie etwa Raben. Ich denke mir, das ist ein spannendes Thema, das Menschen auch fesselt - und am Ende dazu führt, dass sie Tiere mit einem anderen Bewusstsein sehen. Es ist neu, kaum bekannt, und faszinierend. Und durch die Faszination wirst du wahrscheinlich mehr Bewusstsein und Motivation schaffen, auf die Tiere zu achten, als mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger. Ist nur mal grade so ein Schnellschuss von mir, aber ich denke als Idee vielleicht schon mal ganz brauchbar. Material hab ich hier, wenn du mal ein bisschen lesen möchtest. :)

2) Hab keine Angst davor Neues zu lernen. Schreiben ist ein Prozess der Informationsverarbeitung und Kommunikation. Das bedeutet, dass man ständig etwas neues erfährt, verarbeitet, umsetzt und anderen mitteilt. Daran ist nix Schlimmes.

Zu einem Psychologiestudium würd ich dir jetzt auch nicht raten (ich hab eins, und es hilft dir um Menschen zu helfen in der Summe seiner Teile praktisch gleich gar nichts). Es geht nicht um "äußere Qualifikationen" (die interessieren nur die Leute, die eh in Scheinwelten leben). Es geht um "innere Qualifikationen", um Dinge, die du wirklich kannst und verstehst, und die nützlich sind. Hab keine Angst davor, mal was nachzulesen, nachzufragen, oder in Erfahrung zu bringen (was du ja, wie ich einschätze, durchaus tust). Das führt auch zu mehr Wissen und Verständnis und hilft dir WIRKLICH - während äußere Qualifikationen keinerlei Bedeutung für das haben, was du tatsächlich kannst. Und deine Aktiva, das was du bereits kannst, was du bist, und was du möchtest, ist eigentlich schon eine ganze Menge. HSP ist dabei deine wichtigste Gabe - denn es hilft dir herauszufinden, welche exakten Fähigkeiten du brauchst.

3) Es geht immer wieder um zwei Dinge: einerseits darum, einen Plan zu haben, und andererseits darum, so viel wie möglich EFFIZIENT zu tun - das heißt, das was du wirklich erreichen willst, mit dem geringstmöglichen Aufwand so zielgerichtet wie möglich zu erreichen. Je mehr Zeit du in Überlegungen in diesen beiden Punkten investierst, desto mehr wird dein Leben wirklich DEIN Leben, und desto schneller wirst du deine Ziele erreichen. Halt dich nicht mit Äußerlichkeiten auf, und nicht damit, was Menschen denken. Geh neue Wege, tu was du spannend findest, was sich gut anfühlt... die Welt da draussen versteht eh das Zehnte nicht, das bedeutet aber nichts. Du darfst deine eigenen Werte haben, und die gierige, fremdgesteuerte Welt da draussen, die meist ersatzlos enthirnt rumläuft, muss das nicht verstehen. Es ist oft ein Zeichen von Intelligenz, nicht mitzumachen. :) Damit kannst du schon viel erreichen. Und du kannst lieben, was du tust, und das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, glücklcih zu sein. :)

4) Überfordere dich nicht. DU bist das Maß aller Dinge, aller Pläne und aller Aufgaben. Es kommt auf dich an, zuallererst. Du musst keine fremden Vorgaben erfüllen, sondern allein DEINE. Setz dir deine Ziele, und setz sie so, dass du dich nicht überfordern musst. Du hast die Macht und die Kontrolle in deinem Leben. :) Ich arbeit grade an einem Buch, das den Bereich berührt, und auch auf HSP Rücksicht nimmt (obwohl die Dinge immer für ALLE Menschen gelten, nur HSP spüren die Auswirkungen von Fehlern einfach klarer und deutlicher). Wenn du magst, kann ich dir mal ein paar von den Weisheiten rüberschicken, die sich bisher bewährt haben.

Ich hoff, meine Gedanken haben dir ein wenig weitergeholfen. Wie gesagt, wenn du magst, schreib mir einfach ne PN oder ne Mail unter oileanach@zoho.com :) würd mich freuen, so unter Kollegen *grins* :)

mal alles Liebe, und lass dich nicht unterkriegen. Das Leben ist spannend und bietet IMMER eine Million Möglichkeiten. Auch für dich. :)
Oilean
 

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