Parlow, Zart besaitet

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Re: Parlow, Zart besaitet

Beitragvon Parzival » Mo 7. Jul 2014, 14:52

Hallo Amnesius,
mir ging es ganz genauso, nur dass ich schon bei der Hälfte aufgehört habe, weil ich von dem Parlow-Stil zu genervt war.
Hier in der Leseecke sind ja schon einige andere interessante Bücher vorgestellt worden. Ich habe in das Buch von Elaine Aron reingelesen und fand es sehr informativ. Auch das habe ich leider nicht zuende gelesen, was aber gar nicht an der Qualität des Buchs lag. Ich hoffe, ich finde mal noch dafür etwas Ruhe und Zeit bei Gelegenheit.
Wenn du Lust hast, kannst du hier ja mal noch andere Büchern vorstellen?
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Re: Parlow, Zart besaitet

Beitragvon herzblut » So 11. Jan 2015, 17:52

Amnesius schrieb:
Momentan lese ich ein anderes Buch zu dem Thema aus dem selben Verlag, dass sich auch recht oft auf Parlow bezieht. Mal schauen wie das so ist. Ich habe es gerade erst begonnen und urteile halt immer erst am Ende eines Buches oder auch Filmes und nicht zu Beginn ^^


es ist der Verlag seiner Lebensgefährtin.
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Re: Parlow, Zart besaitet

Beitragvon Waldgeist » Fr 29. Jan 2016, 19:16

Zart besaitet

das Buch habe ich heute zu Ende durchgelesen. Gerade zu ironisch, dass ich aus einem Buch erfahre, wieso ich ein langsamer Leser bin... Diese Zeilen schreibe ich in erster Reihe um das Gelesene zu verarbeiten und nicht um das Buch zu kritisieren.

Da ich ein naturverbundener und nicht gläubiger Mensch bin, empfand ich die evolutionsbezogene Betrachtung und die Vergleiche mit der Natur sehr einleuchtend. Ohnehin bin ich immer geneigt auf die Beweggründe hinter den Handlungen zu schauen. Und aus der Perspektive eines wachsamen Schamanen, haben viele vergangene Erlebnisse und meine eigene Reaktionen darauf einen Sinn bekommen.

Die unterbewussten Hintergrunde von Selbstzweifel habe ich heute im Griff, doch die Beschreibung eines chaotischen Klassenzimmers, erfühlt von chaotischen Verhalten anderer Schüler (S.17), hat mich unerwartet in meine längst vergessene Kindheit zurückversetzt und dabei sehr traurig gestimmt. Hätte ich mir doch all die unnötigen Sorgen erspart. Hätte mich bloß jemand auf das emotionsgeladene Rudelverhalten der Gruppe hingewiesen, anstatt zu sagen, wieso ich nicht so lebhaft und emotionslos wäre... Wie oft bin ich als Kind voller Verwirrung erstarrt, habe mich verkrochen oder bin aus Wut vor Ausweglosigkeit dieser Welt übergreiflich geworden... Hätte ich doch diese verlorene Zeit lieber für meine persönliche Entwicklung investiert, anstatt sich ständig anzupassen und sorgen zu mache, wieso alles anders kommt...

Sehr einleuchtend waren die Kapitel zur Wahrnehmung und Vorstellungskraft. Nicht ganz einverstanden war ich jedoch mit der Erklärung, das HSP's nicht mit schnellen Entscheidungen umgehen können. In meiner beruflichen Tätigkeit bin ich täglich mit kurzfristigen Entscheidungen und vielen Änderungen konfrontiert und kann diese gut meistern. Sicherlich sind dazu Erfahrung und gute Fragetechniken notwendig, aber gerade mit der fachlichen Kompetenz können viele HSP glänzen. An dieser Stelle fing ich mit dem Autor auseinander zu driften. Es schlich sich das Gefühl ein, dass die HSP anders sein müssen, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Herr Parlow unterstreicht zwar an diversen anderen Stellen, dass HSP nicht weniger Wert sind, aber Sie bleiben durch Ihre besonderen Eigenheiten dennoch anders und müssen sich in der Gesellschaft integrieren/ arrangieren.

Nun ich habe aber das Gefühl, dass ich mich nicht integrieren/ arrangieren, sondern vielmehr die Gesellschaft beeinflussen möchte. Nicht wie im Buch öfter angeführt, aus karitativen Motiven, sondern weil die Gesellschaft für Vieles in dieser Welt nicht empfänglich (um nicht blind zu sagen) ist! Und wenn jemand eine schnelle Entscheidung haben will, kriegt er diese auch, nur nicht ohne sich die Risiken anzuhören. Wie oft hat schon jemand für Sie entschieden und Sie mussten die Folgen schweigend ausbaden?! Wenn also jemand sagt, dass PSP sich nicht oder auch nicht gut schnell entscheiden können, dann ist es nur eine Ausrede für einen unfähigen oder überreizten Manager, wie z.B. auch - "das haben wir schon immer so gemacht" oder "wie lange befassen Sie sich schon mit der Materie, ich weis es besser" und hat nicht mit Risikomanagement oder Chancenbewertung nichts zu tun...

Auf der Seite 75 misst der Autor den HSP eine größere Rolle bei der künstlerischen, geistigen und wissenschaftlichen Entwicklung zu. (Leider ohne Beispiele oder Studien anzuführen, den zumindest den wissenschaftlichen Teil würde ich eher den Hochintelligenten als HSP zuschreiben.) Diese Fortschritte wären sicherlich nicht zustande gekommen, hätten unsere Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller unbeirrt ihren eigenen Weg vertreten. Ich bin der festen Überzeugung, dass kein HSP sich anpassen oder in seiner Entwicklung ausbremsen lassen darf. Lediglich die Bewertung der sensiblen Wahrnehmung sollte von Kind auf anders erlernt werden. Wenn ein HSP seine Rolle in der Gesellschaft bereits als Kind begreift, muss er nicht schmerzvoll tausend Tode erleiden, bevor er zu dieser Erkenntnis kommt. Er würde weder seinen Selbstwertgefühl bei jedem noch so kleinen Fehler verlieren oder sich von der Gesellschaft zum Gutmensch abstempeln lassen!

Dass viele Hochsensible auch Spätentwickler sind, entspricht auch meiner Beobachtung. Nur das Sie eben länger brauchen um ihr Instrument (stellvertretend für sensibles Nervensysteme und komplexes Denken) zu stimmen, kann ich nicht ganz annehmen. Als HSP bin ich viel mehr damit beschäftigt die Instrumente anderer zu stimmen und verliere mich selbst bzw. eigene Bedürfnisse aus dem Blickwinkel. Alleine diese Ablenkung bzw. ständige Verstimmung der Umgebung ist für mich der Grund für verzögerte Persönlichkeitsentwicklung.

Durchaus hilfreich fand ich die Ansätze für Selbstmanagement. Einige davon hatte ich bereits für mich selbst entdeckt. Jeder HSP hat diverse Tricks auf Lager, ansonsten würde er die auf einen einen geradezu einstürzende Welt nicht heil überstehen. Interessant und verwirrend zugleich fand ich zunächst den Vergleich eines HSP mit einem Kleinkind, zumindest bis ich auf der Seite 150 folgendes las - "Und wenn wir hochsensiblen Menschen unseren Kleinkindkörper als Personifizierung unseres speziellen Wesenzuges, der Anlage zur HSP, akzeptieren, so nehmen wir uns selbst in unserer Eigenheit an. Wir anerkennen unsere besonderen Bedürfnisse, die in den Augen vieler Menschen - vielleicht auch unserer eigenen - als infantil gelten mögen. Wir nehmen die Verantwortung an auf diesen Schwachen und in mehrfache Sinne schutzlosen Anteil unseres Selbst zu achten und für ihn zu sorgen." Hier wurde ich mir der Parallele zu Sigmund Freud Theorie des psychischen Apparats bewusst. Da ich diese für mich bereits entdeckt habe, war mir die Idee mit dem Kleinkindkörper so vertraut. Ja, natürlich haben auch die HSP einen Kindheits-Ich, einen Erwachsenen Ich und einen Über- Ich wie auch alle anderen Menschen! Und nein, das Kindheits-Ich von HSP ist keinesfalls schwach. Das Kindheits- Ich, stellvertretend für eigene Bedürfnisse, wird bei HSP weniger wahrgenommen, weil das Über-Ich stellvertretend für äußerlichen gesellschaftlichen Einflüsse die Wahrnehmung überlagert. Das vermittelnde Erwachsenen- Ich, stellvertretend für Persönlichkeit, die die Bedürfnisse des Kleinkinds mit der Erwartungshaltung der Gesellschaft koordiniert ist dabei, entweder ständig überstimmuliert und außer Betrieb oder nimmt sich erst gar nicht die Zeit eigene Bedürfnisse zu berücksichtigen, weil die Gesellschaft meint schnelle Entscheidungen treffen zu müssen und nicht auf HSP Rücksicht nimmt. Daher kann es nicht nicht richtig sein, sich zu einem Kleinkind zu reduzieren. HSP sollte stets anstreben, die nötige Zeit für Entscheidungen, Verarbeitung von Gefühlen und Kommunikation zu nehmen, auch wenn die Gesellschaft geneigt ist diese "einzusparen".

Oder meint ihr, es würde sich noch eine einzige Person auf der Erde finden, die unserer globale wirtschaftliche, natürliche und gesellschaftliche Situation als zukunftsorientiert, naturverbunden oder menschlich bewerte?! Überlegt euch doch wieviele Entscheidungen Ihr heute aus vermeintlichen Dringlichkeit getroffen habt! Erinnert euch 1-2 Jahre zurück und wägt ab, ob solche spontane, vermeidlich ausweglose Entscheidungen heute Sinn machen?!

Viel mehr ist es die Aufgabe eines HSP zu verstehen, was einer Entscheidung im Wege steht, um diese ausräumen zu können, während andere Menschen dazu neigen die Zeichen zu verdrängen oder zu übersehen und sich dadurch ins Unglück zu stürzen. Genau dafür hat die Natur die HSP mit scharfen Sinnen und komplexen Verstand ausgerüstet. Damit wir die restliche Herde zumindest von der Gefahr warnen und frühzeitig durch bedachte, vielseitige Planung Risiken vermeiden.

Abschließend möchte ich mich nichts desto trotz bei Herrn Parlow dafür bedanken, dass er mich mit seinem Buch in das Thema HSP umfasend eingeführt hat. Abgesehen von wenigen abweichenden persönlichen Wahrnehmungen konnte ich jedem Kapitel seines Buches folgen und habe bereits in den letzten Tagen eine deutliche Verbesserung meiner Lebensqualität erfahren. Alleine die Selbsterkenntnis bzw. das Wissen um die Gründe der abweichenden Wahrnehmung lassen mich viele Situationen in weniger extremen Licht erträglicher erscheinen.

Ich hoffe dass mein Beitrag als eine persönliche (derzeitige) Perspektive wahrgenommen wird und keine Welle von richtig oder falsch Wertungen auslöst.

Freundliche Grüße

Waldgeist
Waldgeist
 

Re: Parlow, Zart besaitet

Beitragvon Lucia » So 14. Feb 2016, 22:45

Auch ich habe das Buch gelesen bzw. gerade zu verschlungen, langsam und in kleinen Happen. Es war so ziemlich das erste, das mir in die Hand gefallen ist als ich anfing mich mit dem Thema zu beschäftigen. Und mir hat es sehr geholfen mich selbst besser zu verstehen. Ich habe aber nur das im Kopf behalten, was mir wichtig war und hilfreich ist.
Inzwischen habe ich mir auch das Original von Elain Aaron nebst Handbuch zugelegt, eindeutig mehr Arbeitsbuch als leichte Einführungslektüre.
Lucia
 

Re: Parlow, Zart besaitet

Beitragvon Libellchen » Do 20. Okt 2016, 18:38

Ich habe nur die ersten 4 kostenlosen Kapitel gelesen und fand es als Einstieg in das Thema Hochsensibel und als Bestätigung sehr informativ.
Vorher hatte ich das Buch "Hochbegabt und Hochsensibel" gelesen. Das war wesentlich umfangreicher.
Liebe Grüße
Libellchen
Libellchen
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Re: Parlow, Zart besaitet

Beitragvon Marco1985 » Do 3. Aug 2017, 12:58

Hallo.

Ich lese gerade das Buch und bin fast durch.

Es ist sicherlich nicht das beste Buch zum Thema Hochsensibilität und viele Sätze sind umständlich geschrieben.
Auch ist mir öfters aufgefallen, dass der Autor HSP als unentbehrlich für diesen Planeten betrachtet und quasi als Heilige beschreibt, die eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen haben, um diesen Planeten zu retten.
Widersprüchlich dazu schreibt er, dass HSP dazu neigen können, aufgrund ihrer sensorischen Aufnahmefähigkeiten, sich selbst besser und intelligenter als 'normale Menschen' zu empfinden.
Das Buch von Stefanie Stahl Das Kind in dir muss Heimat finden beschreibt in vielerlei Hinsicht genau das, was Parlow mit seinem Konzept 'Kleinkindkörper' erklären will. Wobei das Buch von Stefanie Stahl alle Menschen ansprechen soll.
Das innere Kind ist stellvertretend für alte und unbewusste Prägungen aus der Kindheit, und der Kleinkindkörper vertritt die unbewusste Empfindsamkeit von hochsensible Menschen. So sehe ich das.
Ich glaube, für mich persönlich ist es sehr wichtig zu wissen, dass da einerseits in gewissen Situationen mein inneres Kind mit seinen alten Prägungen zum Vorschein kommt, wenn es um Werte und Meinungsverschiedenheiten geht. Anderseits ist da dieser Kleinkindkörper, der auf gewisse Reize wie Lärm und allgemein auf viele Eindrücke überreagiert. Denn viel Lärm stellt ja für mich keine direkte Bedrohung dar und es ergibt keinen Sinn, darauf überempfindlich zu reagieren. Von daher kann es vielleicht doch sehr hilfreich sein, auch mit dem Konzept Kleinkindkörper zu arbeiten.

Liebe Grüße, Marco
Marco1985
 

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