Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

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Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon cindy sun » Mo 30. Apr 2018, 10:31

Die Geschichte fiel mir beim Lesen dieses Threads ein, wo es ja u.a. auch darum geht.


Der Weltverbesserer oder Wie kann ich die Welt verbessern?

Der Rabbi von Alexander fasste einmal einen wichtigen Beschluss. Da die Erde voller Streit und Leid war, beschloss er, gleich am nächsten Tag damit zu beginnen, die ganze Welt zu verbessern.
Als er aufstand, erschien ihm das geplante Projekt doch etwas zu hochgestochen, und er beschloss, nur das Land, in dem er lebte, in Ordnung zu bringen. Alsbald jedoch erschien ihm auch dies eine zu schwere Aufgabe. Vielleicht genügte es, so dachte er, wenn ich meiner Heimatstadt zu einer besseren Moral verhelfe. Oder die Gasse, in der ich lebe, oder wenigstens das Haus, in dem ich wohne, besser mache.
Als der Rabbi einsah, dass es ihm wahrscheinlich nicht einmal gelingen werde, seine Familie zur Besserung zu bewegen, fasste er den endgültigen Beschluss: „Also muss ich halt mit mir selbst beginnen.“

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Re: Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 30. Apr 2018, 12:11

Hallo cindy, :-)

warum hast du denn deine Geschichte nicht in den Thread hineingeschrieben???
Das passt doch super in das philosophische Anliegen dort!

Liebe Grüße
Anima
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Re: Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon cindy sun » Mo 30. Apr 2018, 15:52

Hallo Anima,

ich fand die Geschichte zu schade, um sie in dem Thread zu posten, wo sie dann im Laufe der Diskussion für andere, die dort nicht lesen, untergeht.
Aber du kannst sie ja gerne verlinken.


Übrigens, die Geschichte stammt aus einem meiner Sprüchehefte und hat eigentlich gar keine Überschrift. Diese habe ich ihr gegeben, weil jeder ja Thread einen Titel benötigt.

Liebe Grüße, cindy
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Re: Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon Jamania » Mo 30. Apr 2018, 16:54

Hallo cindy sun,

ich finde die Geschichte schön, aber für mich ist sie irgendwie nur eine Seite einer Medaille und ich frage mich, ob es z.B. Amnesty International gäbe oder die Ärzte ohne Grenzen oder Greenpeace, wenn nicht Menschen auch über diese persönliche Grenze hinaus gingen und ob das so erstrebenswert wäre.

Da es sich ja um ein religiöses Beispiel handelt könnte ich es noch so sehen, dass das "sich bessern" sich rein auf moralische Erziehung bezieht und dann, ja, würde ich zustimmen, da sollte jeder auf sich selbst schauen, der erhobene Zeigefinger ist schon fies...
Oder doch nicht...?
Schließlich erziehen wir ja auch Kinder und beeinflussen damit andere Menschen, was richtig und falsch in unseren Augen ist, so jung sie auch sind.

Oder wir treffen politische Entscheidungen, die sich z.B. darauf beziehen, inwieweit wir als Gesellschaft Missstände tolerieren wollen/dürfen.

Und hängt nicht doch das eine auch ganz eng mit dem anderen zusammen?
Also dass sich erst dort, wo man nach außen geht, sich mit seiner Meinung offenbart und mit der anderen auseinandersetzt, vielleicht überhaupt was bewegt?
cindy sun hat geschrieben:Als der Rabbi einsah, dass es ihm wahrscheinlich nicht einmal gelingen werde, seine Familie zur Besserung zu bewegen, fasste er den endgültigen Beschluss: „Also muss ich halt mit mir selbst beginnen.“
[/i]

Ich muss gestehen, dass ich einen Rabbi/Priester/Imam sogar noch mehr in die Pflicht nehmen würde, seine Vorstellungen vom besseren Leben auch nach außen zu tragen und sich darum zu bemühen, dass es auch anderen als ihm gut oder besser geht. _gruebel_
Meiner Meinung nach sollte bei Religionen genau da der Schwerpunkt drauf liegen, aber es gibt ja auch durchaus die, die den Schwerpunkt auf stille Einkehr und spirituelle Vervollkommnung legen.
Persönlich habe ich damit auch kein Problem, aber in Religionen werden ja Regeln für alle aufgestellt, da finde ich auch, dass sich im Gegenzug um "alle" gekümmert werden soll.
(Soviel nur zum Rabbi-Bezug)

Viele Grüße,
Jamania
Zuletzt geändert von Jamania am Mo 30. Apr 2018, 17:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon Source » Mo 30. Apr 2018, 17:32

Liebe Cindy Sun,

danke für diese Geschichte. Ich sehe es so wie der Rabbi: die anderen kann ich nicht ändern, aber mich selber. Und vielleicht inspiriere ich meine Mitmenschen damit und bringe sie so indirekt dazu, sich zu ändern. Ich für meinen Teil kenne einige Menschen, die meinen schon vorhandenen Veränderungswunsch wachsen lassen haben und mir gezeigt habe, in welche Richtung ich mich verändern möchte.

Andererseits bin ich auch dickköpfig und will einfach nicht einsehen, dass sie Welt eben so ist, wie sie ist und sich manche Dinge nie ändern werden. Wenn ich Glück habe fällt mir in solchen Momenten dieser Spruch ein, den du sicherlich auch kennst:

"Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."
(Reinhold Niebuhr)

Liebe Grüße
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Re: Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 30. Apr 2018, 17:39

cindy sun hat geschrieben:Hallo Anima,
ich fand die Geschichte zu schade, um sie in dem Thread zu posten, wo sie dann im Laufe der Diskussion für andere, die dort nicht lesen, untergeht.


O. k., alles klar.

Über die Interpretationen der Geschichte kann man ja hier genauso sprechen. Hoffe, das ist auch so von dir gewünscht?
cindy sun hat geschrieben:Als der Rabbi einsah, dass es ihm wahrscheinlich nicht einmal gelingen werde, seine Familie zur Besserung zu bewegen, fasste er den endgültigen Beschluss: „Also muss ich halt mit mir selbst beginnen.“


Ich frage mich, was der Rabbi mit "Selbst-Besserung" gemeint haben mag.
So kann ich mir nicht vorstellen, dass es ihm dabei schlicht um eigene Nabelschau ging, darum, nicht mehr über den eigenen Tellerrand zu sehen, nicht mehr seinen Horizont zu erweitern u. ä. - Und wenn es ihm um all das tatsächlich nicht ging, konnte es nach meiner Anschauung auch nicht ausbleiben, dass er doch zwangsläufig auch wieder all das mit einbeziehen und mit in Augenschein nehmen musste, wovon er sich zuerst einmal abgewendet hatte.

Ich finde dazu ein wundervolles Zitat aus einem meiner gaaaanz alten Lieblingsbücher (Robert M. Pirsig: "Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten."):

"Einfach eine Zeitlang mit der Maschine leben, sie betrachten, wie man eine Angelschnur betrachtet, und Sie können sich darauf verlassen, über kurz oder lang werden Sie so sicher wie das Amen in der Kirche ein leichtes Rucken spüren, eine kleine bescheidene Tatsache, die schüchtern anfragt, ob Sie an ihr interessiert sind. Das ist das Prinzip, das dafür sorgt, daß die Welt nicht stehenbleibt. Man muß sich für sie interessieren."

Viele Grüße an euch! :-)
Anima
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Re: Der Weltverbesserer - Wie kann ich die Welt verbessern

Beitragvon Jamania » Di 1. Mai 2018, 06:29

Hallo Anima und alle, :-)

ich bin ja eigentlich kein so großer Freund von Zitaten und Co.
Für jeden Zustand, für jede Geisteshaltung gibt es eins (für den entgegengesetzten dann ein anderes), das die eigene Haltung als "die Wahrheit" durchbringen soll.
Meist sind sie ganz toll formuliert und sollen die eigene Meinung auf den Punkt bringen, die aber nicht alleine, sondern lieber mit der Autorität eines Schriftstellers oder Gelehrten dahinter an den Mann gebracht werden soll.

Aber hier muss ich doch mal revidieren: _grinsevil_

DAS finde ich in seiner Unaufdringlichkeit und seinem alltagstauglichen Pragmatismus einfach nur großartig: :-) :-) :-)

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Ich finde dazu ein wundervolles Zitat aus einem meiner gaaaanz alten Lieblingsbücher (Robert M. Pirsig: "Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten."):

"Einfach eine Zeitlang mit der Maschine leben, sie betrachten, wie man eine Angelschnur betrachtet, und Sie können sich darauf verlassen, über kurz oder lang werden Sie so sicher wie das Amen in der Kirche ein leichtes Rucken spüren, eine kleine bescheidene Tatsache, die schüchtern anfragt, ob Sie an ihr interessiert sind. Das ist das Prinzip, das dafür sorgt, daß die Welt nicht stehenbleibt. Man muß sich für sie interessieren."


Danke dir!

Viele Grüße, _Mij_
Jamania
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