Die Quelle

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Die Quelle

Beitragvon cindy sun » Sa 2. Jun 2018, 16:27

Ich finde diesen Text noch schöner als das Original "Die Schale der Liebe" von Bernhard von Clairvaux, das daem Verfasser als Grundlage diente.
Seit ich mich immer öfter verhalte, wie im Text beschrieben, werde ich als egoistisch bezeichnet. Dass es sich dabei um Selbstfürsorge handelt, wird gerne abgetan, denn da steckt ja das Wörtchen "Selbst" drin und das ist "böse".

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Die Quelle


Wenn ich es mir zur Aufgabe mache, anderen, die Durst haben, Wasser zu geben, dann brauche ich eine Quelle mit sauberem Wasser.

Ohne Quelle bleibt mein Vorhaben eine verrückte Idee.

Und wenn ich eine Quelle habe, die sehr klein ist, so, dass sie gerade für mich reicht, kann ich anderen kein Wasser geben. Ich brauche das Wasser für mich selbst. Es sei denn, ich nehme in Kauf, selbst Durst zu leiden, mich zu opfern und zu verdursten.

Nur wenn ich eine große reichliche Quelle habe, kann ich anderen etwas davon abgeben. Reiche Quellen führen aber nicht immer gleich viel Wasser. Es gibt Trockenzeiten, da ist nur wenig Wasser da. Darauf muss ich achten. Wenn meine Quelle wenig Wasser hat, muss ich denen, die zu mir kommen, sagen: „Geht weiter – ich kann euch nichts abgeben!“

In Wasserreichen Zeiten muss ich sorgfältig mit meiner Quelle umgehen. Ich darf nicht zulassen, dass Leute kommen und meine Quelle verschmutzen. Ich kann auch nicht dulden, dass Leute sich für immer an meiner Quelle niederlassen, um sich von mir versorgen zu lassen.

Wenn mein Wasser nicht mehr ausreicht, wenn meine Quelle versiegt, dann muss ich bereit sein, mich selbst wieder auf den Weg zu machen, um bei anderen um Wasser zu bitten.

Ich muss dann meine Rolle des Gebenden wandeln und wieder zu einem Menschen werden, der sich Hilfe holt, weil dies notwendig ist. Nur wenn ich das kann, selbst um Wasser bitten, ist es mir möglich, den Leuten, die zu mir kommen zu sagen: „Hier ist mein Wasser, löscht euren Durst und dann geht weiter und sucht euch eure eigene Quelle!“

Ich kann erzählen, wie man Quellen finden kann und, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen.

Laufen musst du aber alleine!


Verfasser unbekannt,
ich weiß nur, dass er aus der Suchtkrankenhilfe stammt
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Re: Die Quelle

Beitragvon streunerin » Sa 2. Jun 2018, 16:35

Danke, liebe Cindy! _thum_

Wunderschön Dein Text, ist ein Blutdrucksenker, ähnlich wie meine Fellnase, wenn sie sich an mich kuschelt.

Man könnte Deinen Text verkürzen: „nur ein eindeutiges und klares NEIN macht erst ein ganzes Ja möglich“

LG
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Zuletzt geändert von streunerin am Sa 2. Jun 2018, 16:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Quelle

Beitragvon Source » Sa 2. Jun 2018, 16:42

Das ist eine tolle Analogie, Cindy Sun. _yessa_ Danke dafür!

Anschaulicher kann man wohl kaum ausdrücken, warum Selbstsorge so wichtig ist, warum im Grunde jeder zuerst auf sich und dann auf andere achten sollte.

LG, Source
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Re: Die Quelle

Beitragvon cindy sun » So 3. Jun 2018, 14:21

Hallo ihr beiden

für mich ist das eine Auslegung des Gebots "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst".
Ich kann andere nur lieben, wenn ich mich selbst liebe, aus der Fülle eben.
Aber das ist ein anderes Thema, zu dem es, glaube ich, schon irgendwo einen Thread gibt, wo das angeschnitten wurde.

Schönen Sonntag noch, cindy
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Re: Die Quelle

Beitragvon Source » Mo 4. Jun 2018, 12:46

Hallo Cindy,

ich finde, du hast Recht, "die Quelle" ist eine passende Auslegung. Allerdings hängt das Gebot der Nächstenliebe als doppeltes Gebot mit einem weiteren zusammen, dem Gebot, Gott zu lieben. Da bin ich raus :-) und achte weiterhin auf meine Quelle.

LG, Source
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