Gedichte

Selbstgeschriebenes, Bücher, Buchvorstellungen etc.

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Re: Gedichte

Beitragvon Lorenz » Mo 14. Mär 2016, 18:59

Gleich mal etwas sehr Intimes von mir. Ich schrieb es, nachdem ich eine depressive Phase mit Suizidgedanken überwunden hatte.

Das Ende?

Töte mich, versetz' mir den Gnadenstoß,
was kümmert dieses Leben.
Wie sehr drängt es mich nach dem Ende bloß:
Los, es ist schon vergeben!

Des finalen Stillstands pure Schönheit
ergreift und durchrüttelt mich.
Schon seh ich den Gang in die Ewigkeit:
Los, nun überwinde dich!

Was hält dich ab, oh edler Sensenmann,
vertrau in deine Stärke!
Walte deines Amtes, fang endlich an:
Los, greif einen der Särge!

Was zieht durch deine Miene, Ewiger,
die bange Angst vor Schuld?
Teufel auch, ich wähnte dich mächtiger:
Los, es schwindet die Geduld!

So erbitte ich dich zum letzten Mal
das Sein aus mir zu saugen.
Doch nein. Dein Mut ist von zu kleiner Zahl:
Los, geh mir aus den Augen!

Wirkung und Macht erfuhr ich gerade,
durch dich, werter Reflektor.
Denn, so manch ich auch im Kummer bade,
stets steige ich frisch empor!
Lorenz
Full Member
 
Beiträge: 180
Registriert: Sa 12. Mär 2016, 06:14
Wohnort: Bodensee

Re: Gedichte

Beitragvon nebelkraehe » Do 24. Mär 2016, 18:11

(fühlt sich komisch an, so etwas intimes wie in schweren Momenten entstandene Worte zu teilen - aber ich mach mal.)

ein Kampf
der keiner ist
wie soll ich
denn
gewinnen?

ein Gegner
unsichtbar und
erträumt
fordert mich auf,
zum Streit

doch sehe
ich hin
ist niemand
da.

>allein ist nicht
einsam<
nebelkraehe
 

Re: Gedichte

Beitragvon Seelenheim » Fr 25. Mär 2016, 15:00

angekommen/angenommen (schöne zukunftsmusik)

nicht mehr größer sein müssen als ich bin
nicht mehr kleiner sein müssen als ich bin

nicht mehr lauter sein als ich kann
nicht mehr leiser sein als ich will

die rastlosigkeit stirbt aus
substanz kann sich bilden und vermehren

und all das hier bei mir
-aus der mitte entspringt ein fluß-
Seelenheim
 

Re: Gedichte

Beitragvon sfg » Do 31. Mär 2016, 12:38

Ihr Lieben,

hier ein Gedicht von mir,
von einer syrischen Freundin zudem
bestmöglich ins Arabische übersetzt:

Sphärenwechsel (deutsche Version)

Endlich sind wir dorthin vorgestoßen
wo so viel Reicheres noch liegt,
wo in der Stille wilde Winde tosen
und sich der Bambus dennoch niemals biegt.

Wo Bilderstreifen Horizonte überfluten,
in Augenblicken für die Ewigkeit,
die schlimmsten wiegen wie die guten,
trotz Überlänge, eine Nichtigkeit.

Hier können Adlerschwingen jeden tragen
der voll beladen weiter nicht mehr kann,
im Sturzflug durch die Nebelschwaden -
hört man Schweigen, getragen von Gesang.

Momentaufnahmen in Gebirgszugsketten
werfen Schreckensschatten bis ins Tal,
dank Vogelperspektive wirkt das Becken
selbst durch die Dunkelheit sakral.

Sonnenstrahlen schieben sich auf Hügel
bis in des Berges schroffen Schoß,
zum Abschied hebt der Adler seine Flügel,
und lässt uns dann entschlossen los:

Im freien Fall, ganz ohne aufzufallen,
geben wir uns selbst und alles auf,
ungezwungen, doch so nah an allem,
wachsen wir weit über uns hinaus...




Das Gedichte habe ich vor einigen Tagen
auch als Lyrik/Spoken-Word-Video auf YouTube gestellt,
vllt. gefällt es ja dem ein oder anderen

https://www.youtube.com/watch?v=AxSOkIxG8ds



Übersetzung ins Arabische
von: Asmaa Absi, Weil am Rhein, 2016

اخيراً بِتنا نتقدم في هذا الإتجاه , حيث مازال يكمن فيه الثراء
حيث تثور الرياح البرية الهادئة . ومع كل الذي يحدث ترى نبات
الخيزران صامداً مقاوماً لاينحني

وحيث فاض الأفق بلمح البصر مشكلاً اجمل صورة للخلود
حيث العدالة بين الخير والشر على الرغم من الاختلاف العميق بينهما,
يالها من تفاهة...

وحيث ترى النسر محلقا عالياً في السماء محملاً بثقل كبير
على جناحيه جيئةً وذهاباً, ثم لايلبث أن يتعب عند مرور موجة
ضباب.. كموسيقى هادئة

وتلك اللحظات حيث تلقي سلاسل الجبال بظلالها على الوادي..
حينها يتفرغ الطائر لعبادته في هذه الاجواء الروحانية المظلمة

وحيث تلقي اشعى الشمس بخيوطها على سفوح الهضاب
لتتخذ من سفوح الجبال المنحدرة مقراً لها
ثم لايلبث ان يفرد النسر جناحيه معلناً بذلك مغادرته المكان
بقرارٍ صارمٍ غير قابل للعودة..

وبالعودة لحالتنا الحرة التي خلقنا عليها والتي يجب أن نكون عليها جميعاً
ليس من أجل لفت الانتباه ولكن محبةً بطبيعتنا وسجيتنا ..
بالطبع عندها سنكون متساويين مع جميع البشر.
sfg
 

Re: Gedichte

Beitragvon Dreaon » Do 14. Jul 2016, 00:08

smgp*
Finde es interessant, so ein Gedicht von dem Autor auch mal gelesen zu bekommen - manchmal hab ich Probleme sowas "richtig" zu lesen und in ein Gedicht hinein zu finden.
Vielen Dank dafür, gefällt mir.


Nach langer Zeit war ich gestern auch mal wieder in Stimmung für ein Gedicht. Das werde ich evtl. noch weiter überarbeiten, möchte es aber gerne schon einmal mit euch teilen.


Ich

Ich liebe, ich lebe
Ich wachse, ich strebe
... und was ich hier gebe,
ist mein ganzer Sinn.

Ich weiß und ich mache
Ich spiele, ich lache
... so wie ich entfache,
das Feuer in mir.

Ich träume, ich treibe
Ich geh' und ich bleibe
... mit dem was ich schreibe,
bin ich auch hier.

Ich denke, ich heiße
Ich pflücke, zerreiße
... und in dieser Scheiße,
verlier' ich mich gern.

Ich könnte, ich sollte
Ich will ja und wollte
... doch in mir, Revolte,
da komm' ich nicht mit.

Ich zweifel', ich frage
Ich weiß nicht, ich wage
... mich nicht




Ich änder', ich drehe
mach's neu und ich sehe,
wie auch das Leben,
sich ändert im Fluss.

Ich will und ich kann
Ich pack' da mit an
nur so kommt man weiter
und nah an sich dran
Benutzeravatar
Dreaon
Full Member
 
Beiträge: 103
Registriert: Di 11. Jun 2013, 23:54
Wohnort: NRW

Re: Gedichte

Beitragvon Seelenheim » Do 14. Jul 2016, 20:32

Also mir macht es Spaß, das Gedicht zu lesen.
Seelenheim
 

Re: Gedichte

Beitragvon Markus » So 11. Sep 2016, 16:16

..hier ein Gedicht von mir anno 2004^^ geschrieben:

Sanfte Rückkehr.

Wenn Morgens wieder
allmählich erstes Licht die Form verstärkt,
während draußen Stille -
bald Bewegungen bemerkt,
wollen Seelenvögel lautlos schwebend,
ihre Körper neu beziehen,
müssen um zu wachsen, miteinander weiter spielen.

Gleich wird Dein erstes Denken,
Materie, Zeit und Raum,
wieder Bühne, Schicksal lenken -
füllt sich Deine Interpretation des Lebens,
in den von Dir erfahrenen Traum.

Jetzt warte einen Augenblick -
noch bist Du leicht, kannst jetzt verstehn´,
was wach Dich schwer erreicht:
das diese Welt viel wirklicher,
die unsere, alltägliche umgreift.
Markus
 

Re: Gedichte

Beitragvon Maxx » Sa 24. Sep 2016, 22:21

Memento

Sieh meine Hände

Sie haben Narben
und Blut

Kann es nicht ungeschehen machen

Liebste...

Bitte Dich
mir zu verzeihen
vielleicht...

Wenn Du verstehen kannst
was gewesen ist


Ich weiß jetzt
dass ich verloren war

Doch ich wurde wiedergeboren
in endlos langen Kämpfen
in denen ich meine Schuld
abtrug

Nichts ist
wie ich es ersehnte

Und doch liebe ich alles mehr
als früher

Und will Dich an meiner Seite
und die Zeit teilen
die bleibt
Kleide Dich in Liebe..., denn wir sind alle - nackt.
Benutzeravatar
Maxx
Rat der Weisen
 
Beiträge: 3317
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 00:18
Wohnort: Sachsen-Anhalt

Lethargie

Beitragvon gedankenqual » Sa 15. Okt 2016, 20:32

Der Herbst
geht unter
die Netzhaut

Hinter
trüber Ferne
schläft die Zeit

© gedankenqual
gedankenqual
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 67
Registriert: So 27. Dez 2015, 00:19

Re: Gedichte

Beitragvon Maxx » So 23. Okt 2016, 19:44

Dein Herz

werd ich dir nehmen

es essen
vor deinen Augen

Dich erkennern
Dich annehmen
und verurteilen

und auffangen
wenn Du es willst

Dann
Hand in Hand

nur Gefühle - keine Worte

gehen wir gemeinsam
ein Stück des Weges

oder vielleicht mehr...
zu zweit
Kleide Dich in Liebe..., denn wir sind alle - nackt.
Benutzeravatar
Maxx
Rat der Weisen
 
Beiträge: 3317
Registriert: Fr 3. Dez 2010, 00:18
Wohnort: Sachsen-Anhalt

VorherigeNächste


Ähnliche Beiträge

Gebete, Sprüche und Gedichte
Forum: Religion und Spiritualität
Autor: Igel
Antworten: 697
gedichte aus meinem leben
Forum: *Literatur
Autor: Anonymous
Antworten: 0
Zwei Gedichte...
Forum: *Literatur
Autor: Anonymous
Antworten: 0
Gedichte von Emily Dickinson
Forum: *Literatur
Autor: Seepferdchen
Antworten: 2

Zurück zu *Literatur

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron