Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

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Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Trinity » So 28. Aug 2011, 10:46

Bitte höre , was ich nicht sage !




Lass Dich nicht von mir narren .

Lass Dich nicht durch das Gesicht täuschen , das ich mache .

Denn ich trage tausend Masken - Masken , die ich fürchte abzulegen .

Und keine davon bin ich .




So tun als ob ist eine Kunst , die mir zur zweiten Natur wurde .

Aber lass Dich davon nicht täuschen , um Gottes willen ,

lass Dich von mir nicht narren .

Ich mache den Eindruck , als sei ich umgänglich ,

als sei alles sonnig und heiter in mir ,

innen wie außen ,

als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel Kühle ,

als sei ich ein stilles Wasser und als könnte ich über alles bestimmen ,

so , als brauche ich niemanden .

Aber glaube mir nicht , bitte glaube mir nicht !


Mein Äußeres mag sicher erscheinen , aber es ist eine Maske .

Darunter ist nichts Entsprechendes .

Darunter bin ich wie ich wirklich bin :

Verwirrt , in Furcht und alleine .

Aber ich verberge das .

Ich möchte nicht , dass es irgendjemand merkt .

Beim bloßen Gedanken an meine Schwäche bekomme ich Panik

und fürchte mich davor ,

mich anderen überhaupt auszusetzen .

Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken ,

hinter denen ich mich verbergen kann :


Eine lässige, kluge Fassade , die mir hilft etwas vorzutäuschen ,

die mich vor dem wissenden Blick sichert , der mich erkennen würde .

Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung .

Ich weiß es ;

wenn er verbunden wäre mit Angenommenwerden ,

mit Liebe .

Das ist das Einzige , das mir die Sicherheit geben würde ,

die ich mir selbst nicht geben kann :

Dass ich wirklich etwas wert bin .


Aber das sage ich Dir nicht .

Ich habe Angst davor .

Ich habe Angst ,

dass Dein Blick nicht von Annahme und Liebe begleitet wird .

Ich fürchte , Du wirst gering von mir denken und über mich lachen –

Und Dein lachen würde mich umbringen .

Ich habe Angst ,

dass ich tief drinnen , in mir selbs t , nichts bin ,

nichts wert .

Ich habe Angst ,

dass Du das siehst und mich abweisen wirst .

So spiele ich mein Spiel , mein verzweifeltes Spiel :

Eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen .

Ich rede daher im gängigen Ton oberflächlichen Geschwätzes .

Ich erzähle Dir alles , was wirklich nichts ist und nichts von alledem , was wirklich ist ,

was in mir schreit ;
deshalb lass Dich nicht täuschen von dem , was ich aus Gewohnheit rede .

Bitte höre sorgfältig hin und versuche zu hören ,




was ich nicht sage ,

was ich gerne sagen möchte ,

was ich um des Überlebens willen rede ,

und was ich nicht sagen kann.




Ich verabscheue Versteckspiel .

Ehrlich !

Ich verabscheue dieses oberflächliche Spiel , das ich da aufführe .

Es ist ein unechtes Spiel .


Ich möchte wirklich echt und spontan sein können , einfach ich selbst ,

aber Du musst mir helfen .

Du musst Deine Hand ausstrecken ,

selbst wenn es gerade das Letzte zu sein scheint , was ich mir wünsche .


Nur Du kannst diesen leeren , toten Glanz von meinen Augen nehmen .

Nur Du kannst mich zum Leben rufen .

Jedes Mal , wenn Du freundlich und sanft bist und mir Mut machst ,

jedes Mal wenn Du zu verstehen suchst ,

weil Du Dich wirklich um mich sorgst ,

bekommt mein Herz Flügel –

sehr kleine Flügel , sehr brüchige Schwingen , aber Flügel !

Dein Gespür , Dein Mitgefühl und die Kraft des Verstehens

hauchen mir Leben ein .

Ich möchte , dass Du das weißt .
Ich möchte , dass Du weißt , wie wichtig Du für mich bist ,

wie sehr Du aus mir den Menschen machen kannst , der ich wirklich bin –

wenn Du willst .

Bitte , ich wünschte , Du wolltest es .

Du allein kannst die Wand niederreißen hinter der ich zittere .

Du allein kannst mir die Maske abnehmen .

Du allein kannst mich aus der Schattenwelt aus Angst und Unsicherheit befreien –

Aus meiner Einsamkeit .

Übersieh mich nicht.

Bitte – bitte , übergeh mich nicht !



Es wird nicht leicht für Dich sein.

Die lang andauernde Überzeugung wertlos zu sein , schafft dicke Mauern .

Je näher Du mir kommst , desto blinder schlage ich zurück .

Ich wehre mich gegen das , wonach ich schreie .



Aber man hat mir gesagt , dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall .

Und darin liegt meine Hoffnung .

Bitte , versuche diese Mauern einzureißen ,

mit sicheren Händen aber mit zarten Händen :

ein Kind ist sehr empfindsam .





Wer ich bin , magst Du fragen ?

Ich bin Jemand , den Du sehr gut kennst .

Denn ich bin Jedermann , den Du triffst ,

jeder Mann und jede Frau ,

die Dir begegnen .
Trinity
 

Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Sarina » So 28. Aug 2011, 11:49

Danke! eine so tief bewegende Geschichte, ich kenne diese Zeilen nur mit einem anderen Ausgang

lieben Gruß
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Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Zeitreisender » So 28. Aug 2011, 16:00

Ich grüße dich Trinity,

und ich grüße dich aus tiefstem Herzen, denn du hast das meine erreicht, zum Schwingen gebracht, es will mir fast aus der Brust springen.
Was für wunderschöne und tiefe Worte, welch poetisches Offenbaren der Verletzlichkeit, der Sehnsucht, die fühlbare Angst vor der Angst, und das gradezu flehende Schutzbedürfnis eines zerbrechlichen Herzens.
Es ist für mich unerheblich, ob die Zeilen aus deiner Hand geflossen sind, oder einer anderen Seele entsprangen, wichtig ist, dass du dich darin wieder zu finden scheinst.
Da möchte ich mein historisches Schwert nehmen, um für dich mein Leben einzusetzen. Merkst du, wie es mit mir durchgeht?
Ganz tolle Worte, danke.

ZR
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Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Trinity » So 28. Aug 2011, 16:05

Hallo Sarina

Ja? Gibt es sie noch mit einem anderen Ausgang? Wie geht sie denn dann aus?

Ich hätte gern noch einen Autor darunter geschrieben, denn ich habe sie mir nicht selbst ausgedacht.
Aber ich habe verschiedene Autoren gefunden, di sie verfasst haben sollen...
Darum habe ich mich entschieden, einfach "nur" die Zeilen hier einzustellen.

Ich habe sie mal von einem Lehrer im Unterricht bekommen (Erzieherin, Pädagogik).
Ich lese sie hin und wieder. Doch immer, schon seit dem 1. Mal rührt sie mich zu Tränen...
Wenn wir uns doch nur alle so behandeln und fallen lassen könnten.
Was wäre die Welt für ein wunderbarer Ort?!

herzliche Grüße,

Trinity icon_winkle
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Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Trinity » So 28. Aug 2011, 16:31

und ich grüße dich aus tiefstem Herzen, denn du hast das meine erreicht, zum Schwingen gebracht, es will mir fast aus der Brust springen.
Was für wunderschöne und tiefe Worte, welch poetisches Offenbaren der Verletzlichkeit, der Sehnsucht, die fühlbare Angst vor der Angst, und das gradezu flehende Schutzbedürfnis eines zerbrechlichen Herzens.
Es ist für mich unerheblich, ob die Zeilen aus deiner Hand geflossen sind, oder einer anderen Seele entsprangen, wichtig ist, dass du dich darin wieder zu finden scheinst.
Da möchte ich mein historisches Schwert nehmen, um für dich mein Leben einzusetzen. Merkst du, wie es mit mir durchgeht?
Ganz tolle Worte, danke.

Oh, noch eine Antwort... _10_

....mhhhh.... *schnief* Danke!!

Ich muß grad seelig lächeln... und weiß gar nicht, was ich sagen soll! _knüddel_

Ja! Wie schon zuvor gesagt, ich liebe diese Worte auch sehr.
Nein, sie sind nicht von mir, und gerechter Weise wollte ich (wie oben geschehen) noch etwas zum Verfasser sagen.
Aber sie rühren mich so 100%ig an, dass sie mich und mein Sehnen zu kennen scheinen.

Manches ließt man 1x und es genügt und verschwindet im Unterbewustsein.
Wenige Worte lese ich, nach Bedarf, immer und immer wieder.
Sie fügen sich dann neu wieder in den jeweiligen momentanen Bezug ein.
Von sehr Wenigem würde ich mir wünschen, alle Menschen würden es lesen (und verstehen).
So von diesen Worten, die mich jedes Mal wieder sehr ergreifen... wub

Es ist schön, dass diese Worte das in dir auslösen. Ich wünschte, ich hätte Menschen um mich, die ihr historisches Schwert tatsächlich ziehen würden.
Denn auch wenn ich mir leider diese gräßlichen Masken zu eigen gemacht habe um in dieser Gesellschaft (über)leben zu können, würde ich mir so gern Menschen wünschen, die sagen:" Du mußt nicht alleine kämpfen. Ich bin bei dir und schütze dich jetzt!..."

Bemerkenswert ist das historische Schwert noch in dem Zusammenhang, dass ich mich tatsächlich sehr für diese Zeit interessiere. (Mittelalter, Kelten, Wikinger) ...

Nunja.. freüde
Trinity
 

Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Kleine Seele » So 28. Aug 2011, 16:54

Wow was für Worte.Sie berühren einen bis in die Seele.Mein Herz schlug schneller als ich es gelesen hab.Ich kann nur sagen.Wow genial. _10_ _10_
Manchmal sind Worte mehr Wert als alles Gold der Welt!
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Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Sarina » So 28. Aug 2011, 17:00

Hallo Trinity,

als ich diese Geschichte vor langer Zeit im Netz fand, hab ich nur noch geweint. Ich hab es einmal in meinem Leben erlebt wie es sich anfühlt, wenn 2 Menschen bedingungslos zu und hintereinander stehen, sich gegenseitig schützen, beschützen, immer für einander da sind und verstehen. Der wissende und erkennende Blick in beiderlei Richtung. Das fehlende Gegenstück wie in einem Puzzle, nur zusammen ein Ganzes. Ich hab es wohl nur selbst so empfunden _nüxweiss_

Mich brachte erst Recht das Ende was ich las zum weinen, es fühlte sich erneut nach innerem Alleinsein an. Heute denke ich ein wenig anders, nur man selbst kann sich wirklich erkennen und kennen, sich akzeptieren und annehmen wie man ist, versuchen dazu zu stehen, so schwer es auch ist.

Hier das Ende welches ich fand, der Autor ist auch mir umbekannt, stand nicht dabei.

Die lang andauernde Überzeugung, wertlos zu sein, schafft dicke Mauern.

Je näher Du mir kommst, desto blinder schlage ich zurück.

Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie.

Aber man hat mir gesagt, daß Liebe stärker sei als jeder Schutzwall, und darauf hoffe ich.

Wer ich bin, willst Du wissen?

Ich bin jemand, den Du sehr gut kennst und der Dir oft begegnet.

Ich bin Du selbst.

Schau in den Spiegel: nur Du kennst Dich wirklich.

Niemand kann so ehrlich zu Dir sein wie Du selbst.


ganz liebe Grüße
Sarina, die das Ende deiner Geschichte viel schöner findet und darin eher Hoffnung findet _yessa_
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Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Trinity » Mo 29. Aug 2011, 16:55

Danke kleine Seele u. dank dir Sarina

Hmm... Ich habe in "Zart besaitet" davon gelesen, dass HSP dazu neigen sich dem Gegenüber stärker verbunden zu fühlen als umgekehrt.
Ich finde es mit meinen heutigen Hintergrundinformationen logisch/verständlich, dass wir das tun. Wer aufgrund tieferer Verarbeitung von mehr oder stärkeren Sinneseindrücken das Gefühl hat, richtig anzukommen und zu lieben (oder Freund zu sein etc), nimmt wahrscheinlich alles 10x stärker wahr.
(und projeziert das auf den andern.. )

Ich habs selbst auch schon manchmal erlebt. Ernüchternd und enttäuschend um so mehr ists dann, wenn ich feststellte, dass es einseitig ist.
Zumindest in der Stärke, wie ich mich anfangs oft aufreibe, wirds für mein Gegenüber nicht einfach, all die Sehnsüchte zu erfüllen.
Aber ich geb ja die Hoffnung auf so eine richtige Seelenverwandtschaft nicht auf... _dans_
Trinity
 

Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Mobucy » Sa 14. Jul 2012, 23:01

Wow...wie tiefgreifend...

Gefällt mir sehr!
Und es kommt mir ziemlich vertraut vor...

Doch einreißen kannst nur du allein diese Mauern.
Nur du kannst sie aufstellen und nur du die fallen lassen.
Doch Gründe dafür kann “er“ dir geben.
Wie alles im Leben leicht gesagt...wie soll man die schließlich einreißen, wenn man sie doch will?!
Dunkles Labyrinth...

Liebe Grüsse!
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Re: Masken - Bitte höre, was ich nicht sage!

Beitragvon Cassy5 » Mo 13. Aug 2012, 19:54

Mich ergreifen deine Worte sehr. _10_ danke nun weiß ich wie ich es nächstes mahl ausdrücken soll wenn ich versuche es jemandem zu erklären.

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