Zwei Gedichte...

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Zwei Gedichte...

Beitragvon towritelove » Fr 20. Jun 2014, 03:32

(1)

DUNKLER ZAUBER

Und manchmal dann überkommt mich eine Traurigkeit,
Blick verklärt - sehe nicht, wie weit.
Die Zweifel beginnen, mich zu jagen;
schreie in den Wind eintausend Fragen.
Bunte Worte in graue Schleier gehüllt,
Enttäuschung steigt, Hoffnung fällt.
Und im Schatten der Welt
fangen die Geister an zu schweben,
während ich aufhöre zu leben.
Ausdruckslos scheinen die leblosen Seelen
den Rest des Kristalls der Welt zu stehlen.
Tief liegendes Schwarz zeigt seine Macht,
entsetzliche Wesen des Grundes erwacht.
Zeigen sich in ihrer Pracht,
fliegen, wandern durch die Nacht.
Schleiche leise durch ihre Mitte,
doch sie fühlen jeden meiner Schritte.
Im Kreise des Feuers erheben sie sich,
undeutliche Klänge verfolgen mich.
Versuche, sie zu fassen, doch scheitere dort,
wo die Musik flieht an einen anderen Ort.
Sie zieht mich mit und Wehren so leer,
versunken im Tiefblau zwischen Himmel und Meer.
Umgeben von Kälte und Formen aus Eis,
Atmosphäre hier wie Schnee so weiß.
Reiße mich los,
Anstrengung groß.
Laufe durch die verlassene Welt
bis mein Schrei an Bäumen zerfällt.
Zweige verformen sich zu einem Tor,
die Blätter bilden einen schaurigen Chor.
Erinnerung wage, war schon mal dort;
möchte bleiben, doch viel mehr fort.
Umgebung scheint mir so vertraut,
die Feen der Wälder erschreckend laut.
Tanzen umher und es erklingen
verwirrende Stimmen, die Melodien dunkler Farben singen.
Fühle mich im Rauschen des Windes verloren,
Gedanken denken so verworren.
Versuche, den Klängen zu entfliehen,
doch lassen sie mich nicht freiwillig ziehen.

Weiße Federn umgeben mich
wie Strahlen der Sonne, legen sich
um meinen Körper wie ein Tuch;
es scheint, als verblassen die Konturen des Fluchs.
Sie tragen mich hinauf zum Licht,
dessen diamantene Schönheit versteckt sich nicht.
Der dunkle Zauber nun weit entfernt;
doch weiß ich, dass er den Weg zu mir niemals verlernt.


(2)

SCHATTENWELT

Gesichter gezeichnet mit Narben der Zeit,
verzweifelte Suche hinaus aus Einsamkeit.
Zu viel Druck, zu viel Schmerzen des Lebens,
das Streben nach Glück scheint hier vergebens.
Welt vetritt die falschen Ideale,
zu Boden gehen - tausende Male.
Kraftaufwand, alles nur noch ein Kampf,
mit unsichtbaren Wesen, verborgen im Nebeldampf.
Irgendwann aufhören, aufgeben, geschlagen;
zurück bleibt Leere, zu viel ertragen.
Zu viel gehört, zu wenig gesehen;
fällt schwer, über brennendes Feuer zu gehen.
Hinabsteigen in die stygsche Flut,
Depression war nie tragbar, doch steht uns so gut.
Die Erde geschmückt durch lachende Wörter,
doch reglose Seelen im finsteren Körper.
Mensch muss mechanisch agieren,
verboten, sich in seinem Reich zu verlieren.
Erwartungen so hoch an die Person,
Resultat Wahnsinn - was macht das schon.
Wird alles gesagt und nichts gemacht,
Hoffnung verliert sich im Blau der Nacht.
Doch Massen werden beruhigt, Worte von Revision,
wie sie alles wissen durch reine Intuition.
Die Nacht ein entzückender Zufluchtsort;
keine Gedanken, fliegen zu den Träumen dort.
Fliegen - ein Wunsch, der sich nie erfüllt,
doch so vielen Hunderten von uns gefällt.
Reden verlernt, hört ohnehin niemand zu,
jeder einzelne braucht schließlich selbst seine Ruh'.
Souveranität dort hinter'm schneebedeckten Berg,
Egoismus das neu erschaffene Werk.
Sonst offenbar kein Vorankommen denkbar;
der Wert des Einzelnen durch Schleier unklar.
Schon traurig, wenn man die Welt so betrachtet,
anhand der Grundwahrheit derart verachtet.

Dort hinten im Dunkeln ein Schattenmädchen,
schlendert umher zwischen all den Lädchen.
Gedanken partiell mit Trübsal bedeckt,
durch gewagten Optimismus in der Brust versteckt.
verzaubert durch die kleinen Wunder der Welt,
doch nichts, was sie lange an diesem Ort hält.
Phänomene suchen in greifbarer Nähe,
um nicht in die eigenen Schatten zu sehen.
Versucht zu tanzen, über die Dächer der Stadt,
Miene manchmal entzückt, dann erschreckend matt.
Für andere eine Sonnenkönigin,
mit strahlendem Lächeln und tiefem Sinn.
Legt Tragik ab, um and're zu stärken,
bereit beizustehen mit verschiedenen Werken.
Doch tief im Herzen mit all den Fragen,
ein Hoffen auf dessen Weiterschlagen.

Blick schwenken, dort ein junger Mann,
verloren und ohne jeglichen Plan.
Zwischen einem endlosen Schwarm schwarzer Raben,
um ihn herum Millionen bunte Farben.
Berauschende Bilder einer besseren Welt,
in der sich jeder gerecht verhält.
Aufgegeben, den Weg aus der Sucht,
entstanden aus der Manie nach Flucht.
Träume zertrümmert, Blick verklärt,
Balsam verloren, alles verkehrt.
Trinkt weiter seinen blutroten Wein,
Intention besteht, bald im Himmel zu sein.

Und ganz hinten sitzt ein weiterer Mann,
hat Jahre auf sich, weiß, was er kann.
Doch rückblickend Fehler, die er getan,
Vielleicht im reizenden Jugendwahn.
Mängel, die bis heute bestehen,
weiß einfach keinen Ausweg zu gehen.
Niemand dort, niemand zum reden.
Nur der eine, heftiges Beten.
Bitten um Vergebung, Veränderung,
zugleich Antrieb und neuen Schwung.
Doch tief im Innern sehr frustriert,
trotz dass er Worte des Glücks verliert.

Wovon also sollen wir träumen, so wie wir sind?
Es wäre besser,
wären wir manchmal noch Kind.
Spielen auf Wiesen, Lachen im Wind.
Jemand da, der aufpasst,
und Tränen verklingen geschwind.
towritelove
 


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