HSP bei Hunden

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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Mo 20. Jun 2016, 22:50

Bei der Beschreibung über HSP, welche physiologischen Ursachen es hat, fiel mir auf, das ich selbiges erst ein paar Monate früher über Border Collies gelesen hatte. Leider wurde diese Untersuchung nur an den Border Collies gemacht und nicht an den anderen Britischen Hütehunderassen. Wobei man beachten sollte dass Collie und Border Collie mal die selbe Rasse waren. Und den Bearded Collies eilt schon der Ruf voraus, dass sie extrem Geräuschempfindlich und sensibel sind.
Ich meine die Beschreibung, dass bei uns das Dopaminergessystem etwas anders funktioniert. Weniger Filter, mehr Neuronen die die vielen Reize zügig weiterleiten u.s.w. Ist bei den untersuchten Border Collies genau so. Leider finde ich diese Beschreibung gerade nicht im Netz...vielleicht fällt mir noch ein Stichwort ein unter dem ich schauen könnte, dann stelle ich den Link hier ein.
Auch die Verwechslung, sie wären Hyperaktiv (wird bei HSKindern ja auch gerne mit ADS verwechselt), sie sind einfach extrem Reizempfänglich. Sie sind aber auch sehr schnell Reizüberflutet und geraten unter Dauerstress, wenn die Besitzer glauben der Hund bräuchte wohl noch mehr Aktion. Heute weiß man, ja diese Hunde wollen ihr Potenzial an Leistungsfähigkeit ausleben , aber nicht täglich und nicht immer über mehrere Stunden. Sie brauchen dann auch lange intensive Ruhephasen.
Auch sind sie oft von Stadtlärm, viele Menschen, viele Hunde, Straßenlärm, u.ä. sehr schnell überreizt.
Sie müssen alle Geräuschempfindlich sein (kein anderer Hund nimmt leise Töne wahr, während er gerade voll im Trieb ist, und lässt sich von diesen leiten. Auch kein anderer Hütehund !) und sehr, sehr feinfühlig sein, nicht nur gegenüber der Schafe sondern auch indem sie quasi durch gutes Beobachten schon vorausahnen müssen was ihr Schäfer will.
Durch das veränderte Dopaminergessystem können sie wirklich sehr schnell süchtig nach Spielbällen werden.
Ich habe das nie geglaubt. Ich kenne Schäferhunde, Labradore die Ballverrückt sind. Das ist toll ! Zum arbeiten, als Belohnung nach dem Wildignorieren und, und, und....Seit dem wir einen Langhaarcollie in der Familie haben kenne ich den Unterschied ! Die Colliehündin ist gar nicht mal so aktiv, ist auch schon älter, aber hat man mit ihr morgens Ball gespielt, bekommt sie den nicht mehr aus dem Kopf, den ganzen Tag nicht mehr !
Zuletzt geändert von Bin auf meinem Weg am Mo 20. Jun 2016, 23:32, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Miau » Mo 20. Jun 2016, 22:56

Huhu
Gut Vorstellbar.

Meine Mama hat 2 Golden Retriever. Die ältere ist in vielen Sachen total unsicher und reagiert auf alles total Sensibel wohin gegen die Jüngere der beiden total souverän durchs leben geht. Ich habe zu ihr auch eine bessere Verbindung. Auch meine eine Katze ist sehr Sensibel. Sie merkt es sofort wenn mit mir etwas nicht stimmt. Auch sie reagiert sensibel auf veränderungen und kommt damit schwer klar.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Mo 20. Jun 2016, 23:05

Die Sensibilität fällt so richtig auf, bei Menschen die gerade richtig unten sind. Keiner merkt, dass es dieser Person (das kann jemand völlig fremdes sein !!!) psychisch gerade ganz dreckig geht. Die Colliehündin merkt es und rückt demjenigen nicht mehr von der Seite. Da kann man sie sogar mit ihrem Ball oder Lieblingskäse versuchen wegzulocken. Nichts! Sie schaut dann auch ganz ernst und beschäftigt.Sie bietet sich dieser Person ständig schon fast penetrant an. Das macht sie sonst nie, auch nicht bei ihren Bezugspersonen.

Bekommen hatten wir sie, weil sie die Bindung zu ihrem Besitzer abgebrochen hatte, sie fühlte sich unfair behandelt. Obwohl der nie grob zu ihr war. So etwas kannte ich vorher auch noch nicht von Hunden ! Und ich habe die letzten 20 Jahre so viel Hundeerfahrung gesammelt. Sie kann auch tatsächlich eingeschnappt sein. meist bilden sich das Besitzer nur ein, weil sie den Hund völlig vermenschlichen. Ist bei ihr aber wirklich so.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Mo 20. Jun 2016, 23:09

Hallo Miau,
habe auch so zwei schnurrende Exemplare. Die eine ganz, ganz fein und sensibel und die andere so richtig Bodenständig, die mag es wild und wüst, die kann man richtig fest durchknuddeln und sie findet es toll.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Mo 20. Jun 2016, 23:19

Golden Retriever. Mich hat es auch immer mehr zu den starken taffen Hunden hingezogen, die eher nach vorne als nach hinten gehen. Vielleicht weil Gegensätze sich anziehen ? Mittlerweile merke ich aber wie schön einfach und unproblematisch ein sensibler Hund zu führen ist. Solange die Geräuschempfindlichkeit nicht in hysterische Panik ausartet, wie bei unserem Border Mix, der in seinen ersten Jahren misshandelt wurde.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Di 21. Jun 2016, 04:18

Yeti,
Berner Sennenhunde zählen heute zu den sogenannten "Lagerhunden", nicht zu den Hütehunden . Sie lagern und bewachen ihren Hof. _läch_

Du hattest gefragt wie ich mich selber oder die Hunde runter bringe.
Also bei mir hilft es am besten, wenn ich zu Hause ganz alleine sein kann und absolut meine Ruhe habe. Leider hat man das nicht immer so wie man es bräuchte. Bin ja verheiratet. Ansonsten einfach mal eine Auszeit nehmen und mit den Hunden in Wald und Wiesen auf Entdeckungstour gehen. Wildwechseln nachlaufen, notfalls auf allen Vieren, klettern, Wildbegegnungen, dabei noch Pilze oder Kräuter mitnehmen wenn es passt...vor allem ohne dabei auf die Zeit achten zu müssen, ganz wichtig ! Oder mal eine Wanderung von bis zu 50 km. Wenn ich in Gesellschaft bin, muss ich zwischendurch oder spätestens bevor ich ins Auto steige (ist für mich auch stressig) alleine mit den Hunden raus um wieder zur Ruhe zu kommen.

Was die Hunde angeht, nach anstrengendem Training (Hüten, Suchen oder Agility) ´ne Stunde laufen, wo sie einfach nur Hund sein dürfen. Dann gehe ich auch nicht auf evtl. Erwartungshaltungen ein, signalisiere höchstens dass es jetzt nichts Spannendes bei mir gibt. So kommen wir alle runter.

Bei britischen Hütehunden ist es wichtig, dass sie von klein an lernen müssen, dass es Ruhezeiten gibt. Alles zu seiner Zeit. Zeit für Aktion, Lernen, Spaß und Sport und die restliche Zeit werden sie eben nicht bespaßt, sind nicht Mittelpunkt des Geschehens. Vor allem sollte nicht den ganzen Tag irgendein Familienmitglied den Hund zum Ball spielen auffordern ! Hütehunde lernen alles spielend leicht, kein Problem. Woran man bei den Briten wirklich konsequent arbeiten muss, ist das Nichtstun. smirl
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Yeti001 » Di 21. Jun 2016, 09:15



Hallo "Bin auf dem Weg"

Du scheinst Dich ja ziemlich gut auszukennen. Herzlichen Dank für Deine fundierte Antwort.

Welche Erfahrungen hast Du bezüglich "runterfahren" beim Hund? Gibt es bestimmte Anwendungen, Empfehlungen u.dgl.?

Ich habe mal einen Artikel gelesen...

http://www.svlg07.de/attachments/articl ... 20Hund.pdf

... was meinst DU dazu?


Lieber Gruss
Yeti001
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Di 21. Jun 2016, 14:04

Der Artikel ist sehr gut. Empfiehlt ja auch solche Sachen wie ich sie auch schon geschrieben habe. Ruhiger langer Spaziergang nach anstrengendem Training, ausreichend Ruhe und Schlafphasen, Kauen, ja stimmt, auch immer gut zum runter kommen bei Hunden, Pferden und Menschen. Wichtig ist es für den Besitzer überhaupt erst mal zu erkennen, wann es dem eigenen individuellen Hund zu viel wird. Auch in Situationen wo man so erstmal nicht dran denken würde z.B. Hundetreffen mit verträglichen Hunden.
Eindeutiger Test: Wenn ein sonst verfressener Hund kein Leckerchen annimmt, steht er definitiv unter Disstress, dann ist die Verdauung blockiert. Dann muss man den Hund erst Mal ganz aus der Situation rausnehmen. Nach einer Pause kann man sich stückweise so weit der Situation wieder annahen, wie der Hund es gerade noch gut ertragen kann.

Weitere spezielle Techniken braucht es nicht, damit Hunde herunter kommen. Normal sensible Hunde fahren von alleine runter wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, die hochsensiblen Hunde muss man oftmals ganz deutlich anweisen, dass sie sich auf ihren Platz legen und jetzt Ruhe ist. Auch bei Hunden gilt, die äußere Haltung beeinflusst die innere Haltung.

Ich lese aber zwischen den Zeilen, dass deine Hündin nicht nur HS ist sondern, dass da mehr ist. Schildere doch mal konkret für welche Situation du spezielle Techniken zum runter fahren suchst.
Normale HS Hunde sind eigentlich schon auch äußerst belastbar im passenden Umfeld.
Als Beispiel, ich habe ja auch einen Border Mix aus 3. Hand. Der wurde in seinen ersten Jahren schwer misshandelt. Ich habe noch 2 Hunde denen es ähnlich erging. Aber der eine ist normal empfindsam, bei dem merkt man nichts mehr von seiner Vergangenheit. Die andere ist so mittel sensibel, da merkt man auch fast nichts mehr von ihrer Vergangenheit, in ganz seltenen Situationen ist sie mal kurzzeitig irritiert. Aber ein HS der misshandelt wurde ist eine Katastrophe. Klar hat er sich auch geändert, er war ja blitzschnell in dem Modus, er müsse sein Leben verteidigen und ist buchstäblich an die Kehle gegangen. Er ist heute super lieb und hat Vertrauen, aber er verlässt sich nicht voll auf seine Menschen, was meine anderen Hunde immer machen/gemacht haben. Er ist völlig neurotisch, was Geräusche angeht. Also extremes Stresshecheln, schlottert am ganzen Körper und braucht lange um wieder runter zu kommen. Es bringt nichts das souverän zu ignorieren. Auch die anderen Hunde stören sich nicht an den Geräuschen und schlafen entspannt weiter oder gehen ihrer Beschäftigung nach (je nachdem wo und wann es gerade knallt oder donnert). Das alles hilft ihm nicht. Weil du nach Techniken gefragt hast, während der Sylvester Knallerei hilft es ihm wenn ich ihn sehr fest massiere. Von den Ohren bis zu den Hinterpfoten, alles richtig feste kneten, bis die Knallerei aufhört. Du kannst auch mal ein Körperband versuchen, hat bei meinem nicht geholfen, aber bei einigen hilft es.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Bin auf meinem Weg » Di 21. Jun 2016, 15:09

Ich muss mich korrigieren. [*] U72(
Ich habe den Bobtail vergessen, er wird ja auch als britischer Hütehund bezeichnet, hat aber ein ganz anderes Wesen. Nervenstark, dickköpfig, gelassen, aber beschützend. Er entstand aus kontinentalen Herdenschutzhunden mit britischen Hütehundschlägen. Deshalb hatte ich bei Hütehunden nicht gleich an den Bobtail gedacht.

Also trifft HS nicht auf alle sogenannten britischen Hütehunde zu. 647&/

Nur auf Border Collie, Lang- und Kurzhaar Collie, Bearded Collie die alle drei den gleichen Vorgänger hatten, den Welsh Sheepdog und auf jeden Fall auf den Shetland Sheepdog, wo auch viel Collie und Border Collie drin stecken.
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Re: HSP bei Hunden

Beitragvon Yeti001 » Do 23. Jun 2016, 13:58



Hallo "Bin auf meinem Weg"

Du hast in Deinen Antworten schon sehr gut geschildert, wie Du Dich und die Hunde runterfährst. Danke!

Was meine erwähnte HS-Hündin betrifft, so ist diese schon vielen Jahren tot. Damals konnte ich mit ihrer Veranlagung nichts anfangen. Mittlerweile ist das Thema HS für mich generell sehr wichtig. Ganz besonders im Zusammenhang mit Stress, Leistungsbereitschaft bzw. -einbusse, physiologischer Stressreaktion u.dgl.! Letztere läuft ja grossteils unbewusst ab. Beim Tier genauso wie beim Menschen.

Was mich besonders interessiert sind natürlich auch die Folgen, die daraus entstehen können, wie z.B. Angst, Furcht, Aggression oder Erstarrung (Freezing).

Was sagst Du zum folgenden Artikel - gilt natürlich nicht nur für Hunde…

http://www.wuff.eu/wp/stress-beim-hund- ... essfolgen/

Lieber Gruss
Yeto001

.S.: Was meinst Du mit dem Körperband?
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