merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

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merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon Der Koala » Do 19. Okt 2017, 00:19

Hey,
Ich hatte öfters in meinem Leben das Gefühl, dass alles 'unecht' ist.
Dass ich gar nicht wach bin, dass es ein Traum ist. Dass nicht ich handle, sondern jemand anderes und ich nur zusehe.

Mit 15 gab es eine Situation, die mir sehr Angst gemacht hat. Ich musste nachts ca 3 Kilometer vom Bahnhof nachhause laufen. Damals haben wir mitten im nirgendwo gewohnt, es gab auf der Strecke genau 1 Straßenlaterne, so ländlich war es.
An diesem Tag hatte ich Starke schmerzen und auf meine bitte mich abzuholen hat meine Mutter nur genervt reagiert und sich geweigert.
Nach ca 1,5km musste ich einen Bahnübergang überqueren, Schranken und ähnliches gab es nicht. Und wie in Trance bin ich den Weg entlang gegangen, blieb irgendwann stehen, sah den Zug kommen, Sah dass ich auf dem Gleis stand und erst als der Zug nur ca 200m entfernt war, bin ich 'wach' geworden und vom Gleis gelaufen.
Ich hab das zwar gesehen und gehört - aber es war so unwirklich, wie ein Traum.

Zurzeit geht es mir sehr stark so, wenn ich fahre. Besonders nachts. Ich hab das Gefühl, nicht ich fahre. Ich habe das starke Bedürfnis in den Graben zu fahren, einen Unfall zu bauen - um wach zu werden.
Autofahren traue ich mich mittlerweile nicht mehr. Zu groß ist die Angst, meine Mitfahrer in Gefahr zu bringen, sollte ich doch mal dem Bedürfnis nachgeben.
Ich bin auf einen Motorroller umgestiegen. Mit 50km/h wäre der Schaden nicht so groß, wie mit 100km/h.
Auch mit dem Roller bin ich unaufmerksam, fühle mich so als würde ich träumen. Geschwindigkeitsbegrenzungen beachte ich kaum - ich KANN nicht langsam fahren, ich fahre ja nichtmal wirklich selbst. Ich sehe ja nur zu.
Vor 2 Wochen hätte ich an einer Kreuzung beim linksabbigen fast einen Fahrradfahrer überfahren. Ich bin rechtzeitig "aufgewacht" um stehenzubleiben, aber ich war geschockter als der Radfahrer.

Jetzt weigere ich mich so oft es geht, zu fahren, besonders wenn jemand auf dem Roller mitfährt. Es ist eine solche Anstrengung wach zu bleiben, ich bin nach 10 Minuten fahrt todmüde vor lauter Konzentration.


Kennt das jemand von euch? Habt ihr irgendwelche Tipps?
Tabletten die mich fahruntauglich machen nehme ich seit ein paar Monaten nicht mehr, also glaube ich nicht, dass es daran liegt.
Muss ich damit zum Arzt? Oder wäre Psychiater (der aber mega unfreundlich ist) besser?
Ich hab Angst davor nicht ernst genommen zu werden


(Ich hoffe es ist ok dass ich es hier poste, war nicht sicher ob das irgendwo reinpasst)
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon Retrospektiva » Do 19. Okt 2017, 07:33

Guten Morgen Koala.

Vielleicht magst Du Dich im Netz zum Thema Depersonalisation und zum Thema Derealisation informieren.

Das, was Du beschreibst, kenne ich von mir auch. Ich bin damit zum Arzt gegangen. Zum Psychiater.

Schau doch mal bei Jameda, ob es in Deiner Nähe einen Psychiater gibt, der gute Bewertungen hat.
Alternativ gibt es auch die Möglichkeit Dich telefonisch beraten zu lassen, was nun zu tun ist.

Alles Gute Dir!

Gruß aus München.

Retro _#)_
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon DesdiNova87 » Do 19. Okt 2017, 11:14

Der Koala hat geschrieben:Kennt das jemand von euch?


Ich habe früher schonmal so Erlebnisse gehabt, inzwischen hat sich das aber gelegt. Retrospektiva hat schon die Fachbegriffe für solche Zustände genannt.

Der Koala hat geschrieben:Habt ihr irgendwelche Tipps?


Bei mir sind diese Erlebnisse damals gehäuft aufgetreten, als ich nicht nur von den Außenanforderungen (Studium) her Stress hatte, sondern auch privat ein einziges Chaos herrschte, ich also nicht zur Ruhe kommen konnte.

Daher nach wie vor mein dringlicher Rat, dass du etwas an deiner Wohnsituation änderst. Du brauchst unbedingt einen Rückzugsraum für dich, damit du mal richtig zur Ruhe kommen kannst und deine Akkus aufladen kannst!

Psychiater, sicher eine Möglichkeit. Aber ich würde erstmal zu einem Psychologen gehen und sehen was auf sprachlicher/therapeutischer Ebene möglich ist, bevor du dir Medikamente einwirfst. Aber aus meiner Sicht kann der Psychologe oder auch Psychiater nur unterstützend wirken, du musst erst Ordnung in dein Lebensumfeld bringen, diese Aufgabe kann dir keiner abnehmen (wohl aber unterstützend wirken).
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon Der Koala » Do 19. Okt 2017, 17:57

Hallo Desdi.

Das mit der Wohnsituation kann gut der Grund dafür sein - aber das ist nicht so leicht.
Eine Wohnung zu suchen und ggf nach ein paar Wochen wieder ausziehen weil die Kostenübernahme dann doch geregelt ist, ist mir zu viel Stress - trotz Betreuerin.
Das ganze lässt mich in der Luft hängen, Alternativen habe ich nicht viele.
Psychologen gibt es kaum welche in der Umgebung und die Wartelisten sind ewig. In der Psychiatrie ginge das schneller, damit hab ich auch gute Erfahrungen gemacht, aber mein stolz verhindert dass ich mich dazu durchringen kann. Auch wenn meine Freunde mir das wärmstens empfehlen.

Ansprechpartner hab ich eigentlich keine, nur eine Freundin die aber selbst in der Psychiatrie ist und da vermutlich noch eine Weile bleiben wird.
Und in meiner Familie und verwandschaft bin ich das schwarze Schaf das keiner haben will (so betrachtet ist es kein Wunder dass das meine Psyche angreift).

Ich hab mich aber auch schon bei dem Gedanken ertappt, dass ich den nächsten Flieger nehme und wieder ins Ausland gehe und dort irgendwo unterkomme. Aber an der Umsetzung und dem Geld scheitert es da.


Allerdings fällt mir da etwas anderes ein, vielleicht kennt sich ja jemand hier damit aus:
Was sind denn mögliche Kostenträger für eine therapeutische WG bzw betreutes Wohnen? Kann man da irgendwas machen, damit das schneller geht?
Meine Betreuerin ist zwar dahinter aber irgendwie meint jedes Amt, dass sie dafür nicht zahlen


Danke übrigens für eure antworten :)
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon schwarz » Do 19. Okt 2017, 19:56

Was sind denn mögliche Kostenträger für eine therapeutische WG bzw betreutes Wohnen? Kann man da irgendwas machen, damit das schneller geht?
Meine Betreuerin ist zwar dahinter aber irgendwie meint jedes Amt, dass sie dafür nicht zahlen


Hi Koala,

wo steht was über Deine aktuelle Wohnsituation? (beim Querlesen nix gefunden)
Haste ne gesetzliche Betreuung oder in welcher Form?
Welche Ämter habt Ihr denn schon abgeklappert?
In der Regel werden solche Maßnahmen vom Landesamt für Soziales bezahlt, wenn der Antrag denn durchgeht. Hat Deine Betreuerin einen solchen Antrag schon gestellt?
Würdest Du denn eher in ne therapeutische WG oder in`s BW wechseln wollen? Ersteres ist von der Finanzierung immer weniger möglich (ambulant vor stationär), zweiteres wäre dann wohl ne ambulante Eingliederungshilfe, da Du für`s BW fast schon zu alt sein könntest...das wiederum kann Dir sicher das Jugendamt beantworten.

Drück die Daumen!
Beste Grüße
schwarz

PS: Hab`s gefunden...das liest sich so als stünde schon fest, dass Du in eine Wohngruppe kannst?
schwarz
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon Träumerle » Do 19. Okt 2017, 21:25

Hallo Koala,

ich bin mal vor einem Monat in einen trance-ähnlichen Zustand gefallen. Dieses komische Gefühl (neutral), welches ich dabei hatte, kann ich weder beschreiben, noch zuordnen. Völlig fremd ist mir das also nicht. War aber ein einmaliges Erlebnis bisher.

Wenn das mehrmals und so intensiv vorkommt, dass es dich gar in Gefahr bringt, dann würde ich zum Psychologen gehen oder mich zumindest im Internet informieren - auf einer seriösen Seite, versteht sich - im harmlosesten Fall könnten das ja vielleicht Auswirkungen von Stress sein? Immerhin schafft Stress es auch, uns körperlich krank zu machen, dann müsste es psychisch doch erst recht gehen? Da du aber wirklich momentan festhängst, könnte das eine Art "Störung" sein, die sich aus deiner aktuellen Situation heraus entwickelt hat. Wurde ja auch bereits genannt.

Ich kenne mich leider nicht mit der Frage und ihrer Antwort aus, die du vorhin gestellt hast, aber ich finde, emotionale Unterstützung ist auch wichtig. Und deswegen sage ich es nochmal: Du kannst mir gerne jederzeit eine PN schreiben, wenn du wieder einen besonders schlimmen Tag hattest, ich bin gerne für dich da iwikx .

Ich hoffe stark, dass für dich eine schnelle Lösung gefunden wird! _klp_

LG Träumerle
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon Rakete » Do 19. Okt 2017, 21:41

Hi Koala,

das Gefühl habe ich ständig, bzw. fühle mich selten so richtig da.
Zudem ist mir dauernd schwindlig, das ist wirklich ätzend.
Irgendwie fühlt sich das an wie wenn man irgendwo zwischen der Matrix" sich aufhält.
Mittlerweile denke ich auch, dass es der Stress ist, von außen und von innen. Und ich hätte gerne mehr
Rückzugsmöglichkeiten, ist aber nur selten möglich.
Zudem schlafe ich nicht richtig, ich bin morgends nach dem aufstehen müder als wenn ich Abends ins Bett gehe.
Ich habe jetzt noch einen Termin in einem Schlaflabor, die wollen sich das ansehen.

Autofahren kann ich auch nur schnell, sonst wirds mir zu langweilig, und ich
verliere mich in Tagträumen und passe nicht mehr richtig auf.

LOL, an den Flieger habe ich auch schon gedacht, zack, einfach weg!
Aber ob das die Lösung ist?

Mein sehnlichster Wunsch ist Ruhe, und mal richtig ausschlafen.

Maik
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon Der Koala » Fr 20. Okt 2017, 13:56

@schwarz
Über meine Wohnsituation hab ich im Forum für Jugendliche unter sich beschrieben. Es ist halt nicbt so leicht hier.
Eine Gesetzliche Betreuung habe ich seit Juni, sie klappert die Ämter ab, stellt Anträge etc aber nach meinem Wissensstand ist es meine letzte Ärztin aus der Psychiatrie die da die falschen Papiere weiter gibt an die Kostenträger oder die Epikrisen falsch schreibt. Vielleicht auch absichtlich, da wir uns so gar nicht verstanden haben.

Es steht definitiv fest, dass ich in eine betreute WG für junge Erwachsene mit seelischen Problemen hinkomme, der Platz ist sogar schon frei und es muss nur noch geklärt werden, wer die Kosten trägt. Krankenkasse zahlt nicht, Rentenversicherung auch nicht, ich weiß nicht bei wem sie noch einen Antrag gestellt hat.
Es ist ambulant, geht mindestens für 1 bis 1,5 Jahre und mit Therapien.


@Träumerle
Danke für das Angebot, ich hoffe ich kann das mal in Anspruch nehmen, nur meistens sende ich geschriebene Nachrichten doch nicht ab :/
Körperliche Symptome durch Stress hatte ich mein Leben lang immer wieder (oder umgekehrt auch Stress durch Schmerzen) und eigentlich klar, dass das auf die Psyche schlägt.
Wenn ich zuhause bin, ist das 'wegtreten' eigentlich harmlos, meine Familie hat sich daran gewöhnt dass ich manchmal nicht zuhöre und Sachen vergesse obwohl ich mich anscheinend am Gespräch beteiligt habe.
Meine Angst ist eher davor, dass ich beim fahren einfach so in den Graben fahren könnte um 'aufzuwachen'

@Rakete
Mit schlafen habe ich eigentlich keine Probleme. Ich könnte ständig schlafen, bis zu 20 Stunden am Tag (das nimmt mir aber meine Familie übel wenn ich mitten im Wohnzimmer auf der Couch schlafe).
Das ist sozusagen eine Schutz Funktion. Wenn ich schmerzen habe, Stress, Angst, sogar wenn ich ziemlich stark glücklich bin fährt alles runter bevor ich explodiere und schlafe dann.

Als ich mitbekommen habe dass meine Mutter handgreiflich gegenüber meiner Schwester wurde bin ich sogar ohnmächtig geworden.


Ich rede mir jetzt einfach ein, dass ich Anfang November wieder in die Psychiatrie gehe, somit von zuhause wegkomme, andere psychisch instabile Leute um mich habe und die Ärztin vielleicht dazu bringen, den papierkram zu erledigen


Ihr helft mir hier viel weiter, danke dafür
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Re: merkwürdiges Gefühl / alles 'unecht'

Beitragvon schwarz » Fr 20. Okt 2017, 18:00

Schon mal gut, dass Du jemanden zur Seite hast, die sich auskennt.
Die Klärung der Kosten dauert leider immer am längsten. _%_
Hm...aufgrund Deines Alters und Deiner momentanen Situation Zuhause, könnte vielleicht doch noch beim Jugendamt was gehen?
Und falls das auch an dieser einen Ärztin liegt...ginge nicht auch ein Wechsel?
Und...bis zur WG nochmal in die Psychiatrie...spricht ja offensichtlich auch nix dagegen, oder?
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