"Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

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"Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon herzblut » So 8. Dez 2013, 17:45

Hallo Ihr Lieben,

Dieses Thema widme ich Fabian90, der mir mit seinem thread:
"Vereinigung zur Abschaffung des Mensch-seins" die gedankliche Vorlage hierfür geliefert hat.

Auch gab es manchen Dunkelmann,
Des Kunst man nirgends lernen kann,
Der sich ganz dreist und ungeniert
Mit leerem Beutel etabliert:
Wie Kuppler, Spieler, Parasiten,
Quacksalber, Diebe und Banditen,
Falschmünzer und andre Arbeitsscheue,
Die es verstehn, mit großer Schläue
Aus ihres simplen Nächsten Mühen
Gehörigen Profit zu ziehen.
Nur solchen zwar man "Schurken" schalt,
Doch
war's
auch, wer als ehrlich galt;
Es gab kein Fach und Amt im Land,
Wo Lug und Trug ganz unbekannt

aus Mandelvilles "Der unzufriedene Bienenstock"


Hallo Ihr,
ich möchte über das nebulöse Wort "Das Böse" philosophieren!

schaut man, welche anderen Wörter es für Bösartigkeit noch gibt, findet man die ganzen Abgründe des Menschseins:

Arglist, Bösartigkeit, Gemeinheit, Niedertracht, Niederträchtigkeit, Rachsucht, Schadenfreude, Schlechtigkeit, Übelwollen, Unverschämtheit, Böswilligkeit, Niedrigkeit, böse Absicht, böser Wille, Bosheit,
Abscheulichkeit, Gehässigkeit, Hinterlist, Ruchlosigkeit, Scheinheiligkeit, Schurkerei, Brutalität, Hinterhältigkeit, Roheit, Gemeinheit

Dazu möchte ich fragen: hat nicht jede dieser Eigenschaften ihre Wurzel in menschlicher Kleinheit?

Arglist als Täuschung, um von sich und seiner Kleinheit abzulenken, um sich materiell wertvoller zu machen?
Gemeinheit aus narzisstischem Egoismus, um ander klein zu machen?
Gehässigkeit, um sich größer und unverwundbar zu machen?
Brutalität aus der Triebhaftigkeit des Reptilienhirns ( Hypothalamus), um vor anderen Männchen als Männchen, und Weibchen als Weibchen zu dominieren?
Ruchlosigkeit, um es der Welt heimzuzahlen, das man selbst verletzt wurde?

Das sind alles Ideen, wie seht ihr das?

Was hat eurer Meinung die Ver-Sexung der Gesellschaft mit der Antisozialen Entwicklung der Welt zu tun?

Entwicklen wir uns gar zu animalischen Wesen zurück, indem wir immer weiter den Vogel Pfau in uns
fördern ( z.B. durch Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken?)

Wie seht ihr die Rolle der Hochsensibilität in dieser Sache.
Sind Hochsensibler weniger Böse durch Empathie oder gar Altruismus?
Fördert Psychotherapie das Ego in die falsche Richtung?

Liebe Grüße, herzblut
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Re: "Das Böse" allein gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon Grognak_theBarbarian » So 8. Dez 2013, 17:56

Ich kennen noch Böses aus Angst.
Viele denken im Sinne einer Selbstverteidigung gegen die Böse restliche Welt, ohne zu merken, dass sie dadurch eben selbst ein Abbild dieses Gedankens werden.

Präventivschläge, Rache, Abgrenzung,....
~ Grog

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Re: "Das Böse" allein gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon herzblut » So 8. Dez 2013, 18:06

ist Angst aber nicht ein Trieb? Gute Frage, der Refklex wird auch im Hypothalamus ausgelöst -
Angriff oder Flucht!

Imsofern hast du Recht, es ist eine weitere große Triebfeder smasz
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon ja » So 8. Dez 2013, 19:15

Hallo ihrs,


‚böses‘
ist immer menschendefiniert und eine frage der (vorherrschenden) moral.

Das Leben an sich hat keine Moral.

Und was für den einen böse ist wirkt vielleicht nur auf den ersten blick so und ist eine frage der perspektive.


(Nur als gedankliche spielerei:
ist es böse das der mensch die umwelt zerstört? Für das einzele individum das vielleicht dabei sein hab und gut oder gar sein leben verliert ist das ganz bestimmt böse.
Aber das leben sieht es vielleicht so, umso eher der mensch ausgestorben ist umso besser und die nächste entwicklungsstufe kann anrollen ...)


Ein sehr spannendes thema herzblut! Ich bin sehr gespannt auf die weiteren gedankengänge!!!


Es grüsst gerne,
ja.
weniger ist mehr

-------------------------------------------------------------------------------



+ ja ist im März 2017 nach langer schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen +
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon Jamania » So 8. Dez 2013, 19:38

Mein brainstorming schließt ein wenig an ja's Gedanken mit der Perspektive an und greift herzbluts Aspekt der zunehmenden Selbstdarstellung auf:

Böse wäre für mich das, was aus purem Eigennutz und ohne Skrupel zum Schaden anderer (oder Tiere oder Umwelt) führt.
Aber wenn es dafür Gründe gibt, dass der Mensch so reagiert?
Also die schlimme Kindheit, das Trauma, etc...?

Ich merke, dass ich da zumehmend intoleranter werde, wenn ich diese Richtungen wahrnehme (früher war ich da offener, ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob das jetzt realistischer oder fatalistischer ist) _gruebel_

Auf HS bezogen, dann auch zwei entgegengesetzte Richtungen, in die ich tendiere: HS, wo sie für mich positiv gelebt wird, wäre:
breite Differenzierung, die sich eher den vielen Facetten stellt, die nun mal auftreten, wenn eigene Interessen mit dem Außen kollidieren, daraus folgend eine Unfähigkeit, zu viel wegzulassen oder zu schönen, damit das Eigenbild schön und sauber bleibt...

oder

als Opferhaltung, eine höhere kreative Leistung im Wahrnehmen (oder Konstruieren) von Gründen, warum das Verhalten als solches evtl. böse "wäre", aber die Gründe es verständlich machen - also: als HSP wurde ich immer ....., darum benehme ich mich jetzt so, aber das ist die Schuld der anderen, die meine HS verkannt, verlacht, ignoriert haben.
Jamania
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon herzblut » So 8. Dez 2013, 19:50

Antwort auf das posting von ja, Jamania und ich haben uns überschnitten:

hmm, so ganz mag ich da nicht mitgehen.

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind unter keinem Betrachtungswinkel positiv zu sehen
z.B. Kindesmissbrauch. Auch die Massentötungen von Hunden in Rumänien derzeit, die Ausspähung
durch Institutionen um Kontrolle zu erlangen.

Wobei es in allen Fällen gleichermaßen geht, ist Macht.

Und diese Macht im Kontext mit dem, was ich als menschlich Böse ( unhuman) bezeichne
kann unendliches Leid über andere bringen.

Was aber, wenn derjenige, der es tut, es wie in den Synonymen zu Bösartigkeit definiert ist,
mit vollem Bewusstsein tut.

Einerseits sind es Triebe und niedere Instinkte - andererseits kann man sich steuern, es gibt Moral, die über
die ganze Welt - schon durch die großen Weltreligionen - nach gleichen Werten definiert ist.

So gibt es die 10 Gebote und daraus resultierend die 7 Todsünden

Die Todsünde zerstört die Liebe im Herzen des Menschen durch einen schweren Verstoß gegen das Gesetz Gottes. In ihr wendet sich der Mensch von Gott, seinem letzten Ziel und seiner Seligkeit, ab und zieht ihm ein minderes Gut vor.
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P6I.HTM
im Christentum.

Die 5 Silas im Buddhismus

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Die Fünf Silas (Pali "Sittlichkeit, Tugend", skrt. śīla) sind die sittlichen Übungsregeln des Buddhismus.

Ich gelobe, mich darin zu üben, kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen.
Ich gelobe, mich darin zu üben, nichts zu nehmen, was nicht freiwillig gegeben wird.
Ich gelobe, mich darin zu üben, mich keinen anstößigen sexuellen Freuden hinzugeben.
Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und wohlwollend zu sprechen.
Ich gelobe, mich darin zu üben, keine berauschenden Substanzen zu konsumieren, die den Geist verwirren und das Bewusstsein trüben.
http://anthrowiki.at/F%C3%BCnf_Silas

10 gebote des Islam

d kommentiert.

Setze Allah keinen anderen Gott zur Seite …
Und dein Herr hat bestimmt, … dass man die Eltern gut behandeln soll.
Lass deinem Verwandten sein Recht zukommen, ebenso dem Bedürftigen und dem Reisenden; aber handle nicht verschwenderisch.
Tötet nicht eure Kinder aus Furcht vor Verarmung …
Nähert euch nicht der Unzucht. (andere Übersetzung: dem Ehebruch)
Tötet nicht den Menschen, den Gott für unantastbar erklärt hat, es sei denn bei vorliegender Berechtigung.
Nähert euch nicht dem Besitz des Waisenkindes, es sei denn zu seinem Besten, bis es seine Vollkraft erreicht hat.
Erfüllt eingegangene Verträge … und gebt volles Maß, wenn ihr messt.
Verfolge nicht das, wovon du kein Wissen hast …
Wandle nicht hochmütig (andere Übersetzung: unbekümmert) auf Erden umher.

( die ich nur am Rande bemerkenswert find, sie mir kulturell gerade eine Tür zum Verständnis geöffnet haben)

die Dharmas im Hinduismus


Jeder Hindu kann die „sechs Feinde“ aufzählen: kama (weltliche Begierden) krodha (Zorn), lobha (Gier, Geiz), moha (Verblendung, geistige Dunkelheit), mada (Hochmut) sowie matsarya (Eifersucht und Neid). Deutlich erinnern diese Übel an die „sieben Todsünden“ der Katholiken und an die Drei Geistesgifte der Buddhisten.

Quelle Wikipedia

ja schrieb:
‚böses‘
ist immer menschendefiniert und eine frage der (vorherrschenden) moral.


ich denke, das Böse ist nicht definiert durch Menschen, es ist als Teil von Menschen festgeschrieben -
und was den Begriff ausmacht, ist meines Erachtens, dass das Böse niemandem nutzt.

Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.

Albert Einstein


Und weil das Böse in uns so Übermächtig ist, würde ich sogar soweit gehen, dass das Gute im Menschen aus Ohnmacht
oftmals entweder überläuft oder sich in Depressionen oder Wahn verliert.

warum hat das Böse denn soviel Macht?

Ist das was heute "cool" heißt, nicht eigentlich eine Hinkehr zur Unmenschlichkeit und Kälte?

lg, herzblut
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon Jamania » So 8. Dez 2013, 20:01

Hmmh, ja, DAS BÖSE als Antichrist lässt sich schön verdammen und bedarf auch keiner Relativierung.

Aber wo fängt DAS BÖSE an?
Die Mitte, in der es keimen kann und nicht alles mit Größe und Macht wegfegt, ist das, was mich interessiert.
Das Andere bräuchte für mich keine Diskussion, auch keine Relativierung, da hast du Recht.

Hmmmh, vermutlich ein Definitionsproblem: ich siedele das Böse in jedem an als Funken, als Verführung, die nicht ausgelebt werden muss, aber in Fällen ausgelebt wird und dann ist es spannend zu sehen, wie ich (oder andere) damit umgehen mit dem was getan oder unterdrückt wird...
Vielleicht richtet es nicht den Schaden an, den ein Mensch mit absolut böser Absicht anrichtet, vielleicht aber auch schon...
Ab wann ist es böse _nüxweiss_ , bin mir gerade nicht sicher...
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon herzblut » So 8. Dez 2013, 20:48

Huhu Jamania, schnell zwischendurch

Das Böse = Antichrist meine ich aber nicht, ich meine "Das Böse im Menschen / auf der Welt durch Menschen"

ein anderes Böse kann ich mir gerade nicht vorstellen, als an den Menschlichen Charakter gebunden?
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon Jamania » So 8. Dez 2013, 21:16

_Mij_ Ich versuch mich gerade dem Thema anzunähern... hatte nur kurz mal Gedanken gepostet und bin mir immer unschlüssiger, ob ich richtig verstanden habe, welchen Aspekt du hier ansprechen wolltest....

Ja, das Böse im Menschen meine ich auch.
Aber ab wann ist es "das Böse"?
Nur wenn jemand mit allerbösester Absicht auch Schlimmes tut?

Oder fängt es schon da an, wo böse Absichten da sind, aber nicht gelebt werden.
Und macht es da einen Unterschied, ob sie durch sozialen Zwang nicht gelebt werden oder durch eigene Kontrolle und Zurückhaltung?

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich es festmachen kann am Schaden der angerichtet wird (sprich die Gelegenheiten die sich bieten - da wäre eben Macht die ultimative) oder an der Intention, die u.U. aber gar keinen Schaden anrichtet.

Ich warte jetzt mal ab, was ihr so weiter postet, vielleicht wird es für mich dann klarer

Spannendes Thema jedenfalls freüde
Jamania
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Re: "Das Böse" für sich gibt es nicht, nur Triebe & Egos

Beitragvon herzblut » So 8. Dez 2013, 21:45

Nur wenn jemand mit allerbösester Absicht auch Schlimmes tut?


Ich würde meinen, wenn jemand aus purem Egoismus Grenzen anderer niederrennt

da die (sexuelle) Triebbefriedigung auch ein Einzelinteresse ist, rechne ich das mit dazu.

Zum Beispiel "geiz ist geil" auf dem Textilsektor, hier ist meines Erachtens jeder Käufer Täter und Anstifter.

Da ich damit beruflich zu tun habe, finde ich es unfassbar, wie gierig die Menschen nach Mode und Status
sind, obwohl null echte Bedürftigkeit vorliegt - womit ich wieder zu meiner These schwenke

dass Geltungssucht und kleines Ego uns zum "Schwein" werden lassen.

Bin auch gespannt auf andere bzw. weiterführende Sichtweisen icon_winkle

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