"Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Seestern » So 25. Mär 2018, 12:10

Velvet hat geschrieben:
Reagiert ihr dann trotzdem auf den bloßen Wortlaut, oder schwingt in eurer Reaktion auch das tatsächliche Gefühl mit, was die Worte in euch auslösen?

Löst nicht jede Aussage ganz individuelle Empfindungen aus? Verknüpft man sie nicht automatisch mit z.B. dem, der sie sagt, dem jeweiligen Kontext, dem, was einem in ähnlicher Form schon mal begegnet ist? Kurz: Liest man nicht immer zwischen den Zeilen und versteht, was einem möglich ist zu verstehen, auf Basis dessen, wie man geprägt, sich entwickelt, gelernt, erfahren hat?


Hi!
Manchmal schwingen Gefühle mit, aber ich versuche mich möglichst auf der Sachebene zu bewegen. Es gab da auch mal eine Theorie von Schulz von Thun, aber das bekomme ich nicht mehr so genau hin.

Bei den individuellen Empfindungen sehe ich es auch so, nur sollte es nicht Überhand nehmen, denn es kann sonst zu Schwierigkeiten kommen. Nehmen wir mal an, jemand wurde aufgrund seines Lebenslaufes durch ein sehr schlechtes Menschenbild geprägt. Die Grundhaltung wird auch bei sachlichen und vielleicht sogar positiven Botschaften nicht nur skeptisch, sondern vielleicht auch übervorsichtig sein. Ich kenne das von einer ehemaligen Freundin, mit welcher ich jahrelang immer wieder Kontakt hatte, dann wieder über längeren Zeitraum nicht. Bei ihr ist einiges im Leben schiefgelaufen und sie ist immer im Wachsamkeits- oder Angriffsmodus. Leider hat sie sich durch ihr eigenes übervorsichtiges Verhalten immer mehr ins soziale Abseits begeben. Immer mehr Freunde und Bekannte haben sich zurückgezogen, da sie hinter allem etwas Negatives vermutete. Über sich selbst behauptet sie, sie sei besonders sensibel. Auf eine gewisse Weise ist sie es auch, aber sie verschreckte durch ihre unberechtigten Negativunterstellungen über die Jahre hinweg sehr viele Leute und ihr ist gar nicht bewusst, wie verletzend sie sein kann. "Austeilen aber nicht einstecken können" würde man es vielleicht bezeichnen. Daher habe ich den Kontakt zu ihr ganz abgebrochen. Es war mir irgendwann einfach zu extrem und einseitig.
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Velvet » So 25. Mär 2018, 16:33

Hallo Jamania :),

ich fasse mich mal ein bisschen kürzer jetzt, wahrscheinlich könnten wir sonst noch tage- und kilometerlang so schreiben.

Ich kann dir gar nicht mehr zur Thematik sagen, ich habe das Gefühl, mich nun nur noch wiederholen zu können.

Zu allem und jedem wird es immer negative wie auch positive Auslegungen/Aus-Lebungen geben. Und dann noch die, die dazwischen liegen in all ihren Nuancen.

Ich kann deine Position und dein persönliches Anliegen, deinen Fokus aufs Thema nachvollziehen, sehe vieles ähnlich wie du, vieles anders, über manches mache ich mir weniger, über einiges mehr Gedanken als du.

Ich glaube, wir verarbeiten unsere Erfahrungen und Beobachtungen im Leben auf sehr unterschiedliche Weise, schlussfolgern und argumentieren verschieden, nutzen Begrifflichkeiten so subjektiv, wie sie uns halt eingeprägt sind.
Dein Lebensfazit bis hier her ist ein anderes als meines, so wie dein Weg dazu ein anderer war als der meinige.

Da könnten wir jetzt noch viele Beispiele nennen und kämen wohl immer wieder am selben Punkt raus, mit den gleichen Erkenntnissen und den selben Möglichkeiten der Verhakelung darin. Wie ganz normale Menschen halt ;).

Ich habe mich echt gefreut, mit dir auf dem Hügel zu stehen, zu erzählen und einander die Aussicht zu beschreiben. Für mich ist das schon viel, bei all dem, was da permanent schieflaufen kann und halt auch läuft.

Das würde ich jetzt gern so stehenlassen wie es steht und wie wir es zusammen dahin gestellt hatten.

Danke für deine Offenheit und die vielen Gedankenanregungen!

Viele Grüße :)


@Seestern:

Hallo und willkommen hier :)!
Danke für deinen Beitrag, ich antworte dir die Tage noch darauf.

_Mij_
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Jamania » So 25. Mär 2018, 17:29

Hi Velvet, :-)
Velvet hat geschrieben:Ich habe mich echt gefreut, mit dir auf dem Hügel zu stehen, zu erzählen und einander die Aussicht zu beschreiben. Für mich ist das schon viel, bei all dem, was da permanent schieflaufen kann und halt auch läuft.

Das sehe ich genauso und möchte mich auch noch mal bei dir für die Bereitschaft bedanken, in andere Richtungen zu schauen.
Velvet hat geschrieben:Das würde ich jetzt gern so stehenlassen wie es steht und wie wir es zusammen dahin gestellt hatten.

Na klar, alles gut. :-)
Velvet hat geschrieben:Danke für deine Offenheit und die vielen Gedankenanregungen!

:-)
Und viele Grüße zurück _Mij_
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Source » So 25. Mär 2018, 17:47

Hallo Velvet,

hier kommt meine Einschätzung zu der Frage, die am Anfang dieses Threads aufgeworfen wurde. Bestimmt der Empfänger die Botschaft? Ich würde sagen: ja, allerdings möchte ich noch ein paar Erweiterungen einfügen. Der Sender kann etwas dafür tun, das die von ihm gesendete Botschaft so ankommt, wie er es beabsichtigt. Und was nicht zu vernachlässigen ist: der für die Sendung gewählte Kanal sollte passen. Manchmal ist bspw. ein persönliches Gespräch besser als eine E-Mail, in anderen Fällen gilt das Gegenteil. Und in wieder anderen Fällen kann man nur über einen bestimmten Kanal miteinander kommunizieren, wie es hier bei uns der Fall ist. Und da bin ich froh um die Möglichkeit, Emoticons zu nutzen, um ein bisschen besser verstanden zu werden :-)

Letztlich bestimmt der Empfänger tatsächlich den Inhalt der Botschaft, die bei ihm ankommt. Dabei spielen sicherlich Schulz von Thuns "vier Ohren" eine Rolle, aber auch die Position im Raum, die ich dem Anderen gegenüber einnehme. Sie bestimmt meine Perspektive auf das Gesagte. Habe ich eine große Distanz zu dem Anderen und dem, was mir mitgeteilt wird? Hat es vielleicht keine Relevanz, dann kann ich es auch ignorieren - oder das Gegenteil, ist der Andere mir nah und extrem wichtig, was allein schon ein Grund ist, die Botschaft wichtig zu finden. Sehe ich mich deshalb dazu genötigt, zu antworten, um die Beziehung nicht zu belasten? Vielleicht habe ich auch den Eindruck, der Andere positioniert sich über mir, blickt auf mich herab. Wenn ich diese Positionierung ungerechtfertigt finde wird sich das auf meine Wahrnehmung der Botschaft auswirken. Oder das Gegenteil, in meiner Wahrnehmung sieht der Andere zu mir herauf. Am liebsten ist mir die Kommunikation auf Augenhöhe, weil dann solche Machtfragen eine geringere Rolle spielen.

All diese Positionierungen haben Auswirkungen darauf, was ich aus der Botschaft herauslese. Und das tolle an solchen Positionierungen und Perspektiven ist: sie sind veränderbar! Ich kann auf meinem Standpunkt beharren und eine immer gleiche Perspektive einnehmen. Wenn aber etwas geschieht, das mich zum Überdenken meiner Position bringt, dann kann ich meinen Standpunkt ändern. Manchmal zwingen äußere Ereignisse dazu, die Position zu ändern, und man wird sozusagen umplatziert. Ich finde solche Veränderungen (meistens icon_winkle) klasse und bin der Meinung, dass mir das hilft, mich zu entwickeln.

Okay, soweit meine Einschätzung zum Thema. Ich würde mich über Rückmeldungen freuen :-)

Liebe Grüße
Source
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Velvet » Mi 28. Mär 2018, 06:12

Zitat Seestern:
Bei den individuellen Empfindungen sehe ich es auch so, nur sollte es nicht Überhand nehmen, denn es kann sonst zu Schwierigkeiten kommen. Nehmen wir mal an, jemand wurde aufgrund seines Lebenslaufes durch ein sehr schlechtes Menschenbild geprägt. Die Grundhaltung wird auch bei sachlichen und vielleicht sogar positiven Botschaften nicht nur skeptisch, sondern vielleicht auch übervorsichtig sein. Ich kenne das von einer ehemaligen Freundin, mit welcher ich jahrelang immer wieder Kontakt hatte, dann wieder über längeren Zeitraum nicht. Bei ihr ist einiges im Leben schiefgelaufen und sie ist immer im Wachsamkeits- oder Angriffsmodus. Leider hat sie sich durch ihr eigenes übervorsichtiges Verhalten immer mehr ins soziale Abseits begeben. Immer mehr Freunde und Bekannte haben sich zurückgezogen, da sie hinter allem etwas Negatives vermutete. Über sich selbst behauptet sie, sie sei besonders sensibel. Auf eine gewisse Weise ist sie es auch, aber sie verschreckte durch ihre unberechtigten Negativunterstellungen über die Jahre hinweg sehr viele Leute und ihr ist gar nicht bewusst, wie verletzend sie sein kann. "Austeilen aber nicht einstecken können" würde man es vielleicht bezeichnen. Daher habe ich den Kontakt zu ihr ganz abgebrochen. Es war mir irgendwann einfach zu extrem und einseitig.



Hallo Seestern (ein schöner Nick :) ),

ich habe jedesmal, wenn ich über dieses Thema nachdenke, ein ähnliches Beispiel wie du es beschreibst, aus meinem Leben im Kopf. Danke für deine Schilderung, die, wie ich finde, die These des Threadtitels ja eher nochmal unterstreicht.

Der Umgang mit solchen Menschen ist extrem erschöpfend und aufreibend, vor allem, wenn sie einem nahestehen. Und mich hat er tatsächlich diese Ausschließlichkeit gelehrt, mit der ich behaupte, dass allein der Empfänger letztendlich darüber bestimmt und entscheidet, was er aus meiner Botschaft hört.

Das können die absurdesten Dinge sein, wenn der Empfänger, in deinem Beispiel deine Freundin, sich dessen sicher ist, das gehört/wahrgenommen zu haben, ist das so. Und man kann sich verausgaben mit Beteuerungen, nicht mal im Traum an das gedacht zu haben, was der andere da empfangen haben will, man hat keinerlei Chance, damit durchzudringen. Auf den Kopf kann man sich stellen, eher bestätigt man sie mit jedem Wort noch in ihrer schrägen und oft negativen Tendenz der Wahrnehmung, je mehr man sich erklärt und die Dinge geraderücken möchte. Das ist einfach nur zum Verzweifeln.

So kann ein völlig alltäglich gesagter Satz jederzeit und jederorts eine Katastrophe auslösen. Man geht wie auf einem Minenfeld, im schönsten Moment kann sich urplötzlich alles ins Gegenteil verkehren und in schmerzhafte und komplett sinnfreie Diskussionen ausarten.
Echt schlimm sind solche Erfahrungen, ich kann gut verstehen, dass du schlussendlich den Kontakt abgebrochen hast. Ich denke, das geschieht dann zwangsläufig aus purem Selbsterhaltungstrieb.

Ja, und genau solche und ähnliche Erfahrungen haben mich gelehrt, dass es reichen muss mir selbst klar zu sein, was ich abgeschickt habe, ich aber grundsätzlich null Einfluss darauf habe, was wie beim anderen ankommt und wie er es letztendlich interpretiert. Und dass ich auch im Nachhinein nicht immer eine Chance habe, mein tatsächliches Anliegen deutlich zu machen, wie du ja auch schreibst, wenn der andere vom empfangenen Inhalt der Botschaft absolut überzeugt ist.

Da bleibt dann leider nur, wieder seiner eigenen Wege zu gehen, weil diese permanenten Minenexplosionen alle Kraft und Aufmerksamkeit erfordern und letztlich für einen erfreulichen Umgang miteinander keinerlei Raum mehr bleibt. Das ist dann sehr traurig und frustrierend für alle Beteiligten...

Liebe Grüße!
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Velvet » Mi 28. Mär 2018, 06:16

Hallo Source, schön, auch deine Meinung zu lesen :).

Der Sender kann etwas dafür tun, das die von ihm gesendete Botschaft so ankommt, wie er es beabsichtigt.


Ja, da kann man unter einigen, auch von dir aufgezählten Möglichkeiten wählen, um das Missverständnispotenzial so gering wie möglich zu halten. Aber garantiert ist dann halt trotzdem nichts. Unter´m Strich und nach sämtlichen Bemühungen, Auswertungen und Modellberechnungen ;) im besten Falle beiderseits, ist und bleibt es der Empfänger, der sich für den Inhalt/die Deutung des Empfangenen entscheidet.

Und das tolle an solchen Positionierungen und Perspektiven ist: sie sind veränderbar! Ich kann auf meinem Standpunkt beharren und eine immer gleiche Perspektive einnehmen. Wenn aber etwas geschieht, das mich zum Überdenken meiner Position bringt, dann kann ich meinen Standpunkt ändern.


Ja, das sehe ich wie du. Und ich bin froh über diese Möglichkeit in mir.

Ich denke aber auch, dass manch´ anderer seine ganz eigenen und aus seiner Sicht berechtigten Gründe hat, an seiner Position festzuhalten und nicht jedem immer alle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Ich z.B. kann in einigen Dingen sehr flexibel sein, in anderen halte ich ganz fest an dem, was ich habe bzw. denke oder fühle ;).

Liebe Grüße :)
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Seestern » Mi 28. Mär 2018, 14:49

Velvet hat geschrieben:Der Umgang mit solchen Menschen ist extrem erschöpfend und aufreibend, vor allem, wenn sie einem nahestehen. Und mich hat er tatsächlich diese Ausschließlichkeit gelehrt, mit der ich behaupte, dass allein der Empfänger letztendlich darüber bestimmt und entscheidet, was er aus meiner Botschaft hört.

Hi Velvet,
das kann ich nachvollziehen. Ich denke jedoch auch, dass es neben weiteren Faktoren darauf ankommt, wie nah das Gegenüber steht. Es ist umso schwieriger sich von jemanden zu lösen, der einem sehr nah steht oder mit dem man aufwächst, also wenn sich vielleicht Eltern so extrem verhalten, dass das Kind in der Empfängerrolle hilflos zurückbleibt. Bei meiner ehemaligen Freundin war das wohl so, habe ja selbst vor etwa 20 Jahren schon die kalte emotionslose Atmosphäre in ihrem Elternhaus mitbekommen. Kinder übernehmen viele Verhaltensweisen von Erwachsenen und ich denke, es entstehen Teufelskreise, wenn das Kind zugleich unter den Eltern leidet, aber zugleich ähnliche Verhaltensweisen übernimmt und dann auf Dritte prallt, deren Botschaft fehlinterpretiert wird.

In der Bahn war einmal eine Mutter mit zwei Kleinkindern. Als eine verirrte Biene dort herumflog, weinte das kleine Mädchen und die Mutter begann wild und panisch nach der Biene zu schlagen. Was war passiert? Die Mutter bestärkte die Kleine in ihrer Angst. Man hätte das Problem anders lösen können, indem man ruhig bleibt, woanders hingeht und das Kind beruhigt. Ich vermute, das Kind wird die Angst vor "bösen" Bienen, die stechen könnten, übernehmen und vielleicht sogar weitergeben.

Dies Rechtfertigungsmodus, in welchen man als Sender manchmal fast schon hineingezwungen wird, kenne ich auch sehr gut.

Velvet hat geschrieben:So kann ein völlig alltäglich gesagter Satz jederzeit und jederorts eine Katastrophe auslösen. Man geht wie auf einem Minenfeld, im schönsten Moment kann sich urplötzlich alles ins Gegenteil verkehren und in schmerzhafte und komplett sinnfreie Diskussionen ausarten.
Echt schlimm sind solche Erfahrungen, ich kann gut verstehen, dass du schlussendlich den Kontakt abgebrochen hast. Ich denke, das geschieht dann zwangsläufig aus purem Selbsterhaltungstrieb.

Aus der Perspektive meiner ehemaligen Freundin war es so, dass sie sich aus Selberhaltung teilweise von Familie und sozialem Umfeld abgekapselt hat, aber zugleich nach ähnlichen Weisen als kommunizierte.
Aus meiner Sicht habe ich mich aus einem leichten Selbsterhaltungstrieb von ihr zurückgezogen, da Klärung nicht ging. Wäre sie eine Verwandte, stelle ich mir einen solchen Rückzug viel schwieriger vor. Ich habe jedenfalls nach meinem Anteil gesucht, warum ich mich immer wieder auf sie einließ, wenn sie direkt Kontakt suchte oder sie zuletzt zufällig traf. Ein Grund war, dass wir zufällig in derselben Stadt gelandet sind und beide wenig Kontakt zu anderen Leuten hatten, ich eher, ein paar wenige Freunde, die sich aber auch anders entwickelten als ich... Ich fühlte mich zeitweise etwas alleine und verloren, meine Freundin kannte ich schon von Früher aus der Schule... Dazu könnte ich noch mehr schreiben, doch vielleicht würde es den Rahmen sprengen.

Velvet hat geschrieben:Ja, und genau solche und ähnliche Erfahrungen haben mich gelehrt, dass es reichen muss mir selbst klar zu sein, was ich abgeschickt habe, ich aber grundsätzlich null Einfluss darauf habe, was wie beim anderen ankommt und wie er es letztendlich interpretiert. Und dass ich auch im Nachhinein nicht immer eine Chance habe, mein tatsächliches Anliegen deutlich zu machen, wie du ja auch schreibst, wenn der andere vom empfangenen Inhalt der Botschaft absolut überzeugt ist.


Ein bisschen anders sehe ich was du beschreibst, da es immer andere Konstellationen gibt und ich nicht von einer extrem schlechten Erfahrung auf andere schließe mag. Die ehemalige Freundin war auch eher ein krasses Beispiel, aber trotzdem eine sehr traurige Erfahrung, da sie ja auch sehr tolle Seiten hat. Es ist eine emotionales Dilemma, welches scheinbar schwer lösbar ist, selbst wenn man es logisch betrachtet nachvollziehe kann. Ich denke es kommt auch darauf an, wie oft und wie lange man als missinterpretierter Sender (absichtlich) missverstande wurde, denn so etwas prägt.

Velvet hat geschrieben:Da bleibt dann leider nur, wieder seiner eigenen Wege zu gehen, weil diese permanenten Minenexplosionen alle Kraft und Aufmerksamkeit erfordern und letztlich für einen erfreulichen Umgang miteinander keinerlei Raum mehr bleibt. Das ist dann sehr traurig und frustrierend für alle Beteiligten..

Ja, das ist die logische und emotionale Konsequenz. Ich für mich habe allerdings beschlossen, mich trotzdem weiterhin zu bemühen für andere offen zu sein, denn damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Die Sender-Empfänger-Konstellation sehe ich als eine Dynamik oder Interaktion.

Viele Grüße! _Mij_
Seestern
 

Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon cindy sun » Mi 28. Mär 2018, 16:41

Liebe Velvet und anderen hier,

mit großem Interesse habe ich den Thread hier verfolgt, und mich bei allen bedanken möchte, die hier so rege ihre Sichtweisen eingebracht haben. Besonders bedanken möchte ich mich aber bei dir Velvet, dass du das Thema eröffnet und ganz viel eingebracht hast. Ich konnte deiner Argumentation und deinen Ausführungen so gut folgen, weil deine Sprache, die bei mir ankam und weil sie mich nicht nur auf der Sachebene sondern auch auf der emotionalen Ebene erreicht hat, wahrscheimlich gerade deshalb.

Meine Gefühle zu dem Thema selbst waren anfangs eher ambivalent. Ein Teil von mir wollte dem zustimmen, der andere konnte es nicht. Doch nach den letzten Beiträgen von dir und Source bin ich zu der selben Einsicht wie du gekommen.

Der Empfänger bestimmt die Botschaft. Und sonst niemand.
Ich, und nur ich bestimme, wie ich mit dem Gesagten umgehe. Erst werte ich, dann reagiere ich, wobei das Werten oftmals unbewusst geschieht und von daher wohl dem Sender Verantwortung gibt. Trotzdem ist es meine ganz eigene Einstellung, wie ich mit einer Botschaft umgehe. Anders lässt es sich wohl auch nicht erklären, dass wenn ich 10 Personen dasselbe sage, dennoch fast alle ganz unterschiedlich darauf reagieren.

Und doch ist da noch immer ein verletzter Teil in mit, der das so nicht annehmen kann und möchte. Der einen Verantwortlichen sucht für sein Befinden. Aber das ist ja etwas, das hier bereits des öfteren von dir angeführt wurde.
Es sind viel Verständnis, Entgegenkommen und wohl noch mehr Geduld nötig, bis solch ein Mensch das für sich annehmen kann.


Nochmals danke, ich habe ganz viel gelernt.

liebe Grüße, cindy
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon atemlos » Mi 28. Mär 2018, 18:09

Hi
cindy sun hat geschrieben:.. Der Empfänger bestimmt die Botschaft. Und sonst niemand.
Ich, und nur ich bestimme, wie ich mit dem Gesagten umgehe. Erst werte ich, dann reagiere ich, wobei das Werten oftmals unbewusst geschieht und von daher wohl dem Sender Verantwortung gibt. Trotzdem ist es meine ganz eigene Einstellung, wie ich mit einer Botschaft umgehe. Anders lässt es sich wohl auch nicht erklären, dass wenn ich 10 Personen dasselbe sage, dennoch fast alle ganz unterschiedlich darauf reagieren.

Nur so am Rande, cindy: Und warum forderst du dann von Anderen, dass sie deine Meinung, egal wie dumm sie manchmal auch ist, uneingeschränkt zu respektieren haben? Ist das wieder dein selbstgerechter Doppelstandard? Oder filterst du vielleicht alle Botschaften, je nach dem wie es deinem Ego passt, egal ob es logisch/unlogisch, sinnvoll/un-sinnvoll ist? Kannst du diese Möglichkeit überhaupt in Betracht ziehen? Wie bestimmst du denn diese/meine Botschaft hier? _grin_ Kommt sie überhaupt an, dringt sie zu dir durch?

@all: Bei mir runzelt sich manchmal die Stirn, wie erwachsen und intelligent die Botschaften von Sätzen wie "Grübel nicht so viel..", oder "Sei nicht so sensibel.." hier im Forum meist bestimmt wird. _läch_ Woran das wohl liegt? Vermutlich ist das Strinrunzeln meine Bestimmung..

An die Möglichkeit, eine Botschaft einfach nur mal Botschaft sein zu lassen, haben hier wohl nur die wenigsten Empfänger gedacht, hm? Nur weil sich die meisten Menschen so dumm verhalten, bedeutet das noch lange nicht, dass das normal/gesund/sinnvoll ist! Auf der einen Seite über Konflikt jammern, auf der anderen Seite aber sehr wohl davon ausgehen/fordern, seine eigene Idiotie ausleben zu dürfen, ja sogar respekiert zu bekommen.
Huii, daraus soll man schlau werden? Bild Ich wünsche frohes Bestimmen _yessa_
atemlos
 

Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon cindy sun » Mi 28. Mär 2018, 20:24

Hallo atemlos,

ich habe mit der Frage gerechnet, denn die hätte ich mir im umgekehrten Fall wohl auch gestellt.
In Bezug zudem, was ich an anderer Stelle schrieb, muss das so wirken.

Nur ist es so, dass mir das, was du in deinem Beitrag von mir zitierst, erst heute klar geworden ist.
Und selbst wenn ich diese Einsicht für mich als stimmig akzeptiere, bedeutet das noch lange nicht, dass ich nun nie wieder emotional reagieren werde. Dafür gibt es noch zu viele verletzte Anteile in mir.
Aber ich weiß, dass es so ist. Und das ist für mich der erste Schritt in die richtige Richtung. Nun heißt es üben, üben, üben und dabei nicht die Geduld mit mir zu verlieren und vielleicht auch nicht mit meinem Gegenüber.


LG, cindy
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