"Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon cindy sun » Fr 30. Mär 2018, 11:10

Velvet hat geschrieben:Es gibt Dinge, die mein Befinden beeinflusst haben, für die ich nicht (mehr) die Verantwortung übernehme. Geschehnisse für die ich nichts konnte und ich keinerlei Möglichkeiten hatte, mich ihnen zu entziehen. In diesem Kontext war es für mich sehr heilsam, die Verantwortung denjenigen zurückzugeben, die sie tatsächlich und ganz allein hatten.


Hallo Velvet,
dem stimme ich voll und ganz zu. Leider bin ich für meinen Teil noch nicht ganz soweit wie du, auch wenn ich es mir wünschen würde.


@ all
Obwohl mir noch ganz viele, zu viele Gedanken zu dem Thema gemacht habe, von denen viele sogar in Richtung der letzten Beiträge gingen, möchte ich mich hier dennoch zurückziehen. Das hat nichts mit einem von euch zu tun, sondern einzig und alleine mit mir und meinem Kopf, der sich in das Thema verbeißt und nicht wieder loslässt. Und das tut mir nicht gut.

In diesem Sinne wünsche ich euch auch weiterhin einen guten Austausch.


Liebe Grüße, cindy
.
Ich bin nicht egoistisch - ich passe nur auf mich auf! _yessa_

--- Ich nehme mein Leben zu dem Preis, den es mir gekostet hat und noch kosten wird. --- H.G. Nobis
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon atemlos » Fr 30. Mär 2018, 20:47

Ahoi _cre_
Da jetzt doch noch (indirekt) ein paar Leute Interesse an meiner hier gestellten/aufgeworfenen Frage gezeigt haben, werd ich noch was dazu schreiben. Ursprünglich hab ich mir eingebildet, dass das Viele interessieren könnte/müsste. All jene die sich schnell oder leicht verletzt fühlen, oder ein großes Schutzbedürfnis vernehmen, Veränderung oft als problematisch empfinden usw. usf. Die Klientel eines Forums zum Thema HS scheint das aber offensichtlich kaum zu tangieren. floet Egal. Für mich persönlich war und ist das jedenfalls relevant bzw. eine Überlegung wert; und eventuell ist es das ja auch für die Sender/Botschaft/Empfänger-Kiste? Hoffentlich hält die Philosophie Ecke das aus..
Fortsetzung folgt.. Bild
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Velvet » Sa 31. Mär 2018, 05:51

... _grinsevil_
Zuletzt geändert von Velvet am So 1. Apr 2018, 05:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Jamania » Sa 31. Mär 2018, 07:01

Hallo atemlos, _Mij_

ich fühle mich jetzt mal "frei" auf deine Frage einzugehen.
Ein wenig allerdings wieder mit der Befürchtung, dass durch meine eher kritische Haltung dem Konzept gegenüber und den Beobachtungen, die ich mehrheitlich darin gemacht habe, der Strang dann wieder in Richtung Abstellgleis zu fahren beginnt oder von Demonstranten gestoppt wird. icon_winkle

Die lautstark skandieren, dass Kritik zwar erlaubt ist - nur eben nicht SO, wie gerade kritisiert wird - anders natürlich jederzeit, aber wie das "anders" auszusehen hat, da sind mir bis jetzt nur immer idealisierte Pauschalplätze entgegen gekommen....
Ein Widerspruch, der sich für mich nur schwer auflösen lässt _gruebel_

Also:
atemlos hat geschrieben:Wieviel Schutz und Pflege braucht den ein gesunder und agiler Verstand? Was genau soll hier geschützt werden? Und vor was muss man es schützen? _gruebel_

Auch wenn ich die Frage allgemein gestellt hab; hier ein Beispiel um sie vielleicht greifbarar zu machen: Jemand meldet sich in einem Forum zum Thema HS an und empfindet die Notwendigkeit sich vor Inhalten die sich damit auch mal kritisch/offen auseinander zu schützen. Hm! Was gilt es hier zu schützen? Und vor was genau soll es geschützt werden?
Liebe Grüße _bee_

Das erste, was mir dazu einfällt, ist, dass wohl niemand, der sich HS zuordnet denkt, er hätte keinen gesunden und agilen VERSTAND.
Im Gegenteil, oft wird das ja genau als eins der wesentlichen Merkmale von HS aufgeführt: zu viel denken, zu tief denken, sich die "richtigen" Gedanken" machen, für sein intensives Denken von anderen als komisch gesehen oder sogar verurteilt zu werden.

Es wird für mich also meist davon ausgegangen, dass man es kann und auch sehr gut macht.
Und, dass man die "richtigen" Gedanken hat, es gibt da momentan eine sehr scharfe Trennlinie, was das angeht, finde ich.

Was dann geschützt werden soll, sind die GEFÜHLE (eben dadurch, dass bestimmtes nicht gedacht (vom Empfänger) und schon gar nicht gesagt (vom Sender) werden darf).
Aus dieser Grundhaltung heraus werden Botschaften dann bestimmt und Verhalten angepasst.
Was für das eigene Gefühl unbequem ist, dem darf sich der Verstand dann einfach nicht stellen, denn das Gefühl hat oberste Priorität.
Und zwar das eigene, aber aus Fairness auch das aller anderen, also wird das, auf das der Verstand zugreifen dürfte, noch mal reduziert.

Es hat heutzutage (in bestimmten Kreisen) einen merkwürdig erstrebenswerten Stellenwert im Gefühlsleben angegriffen oder "beschädigt" zu sein oder auch nur "an allem zu leiden".
Es wird nicht mehr pauschal verlacht oder als schwach verurteilt, wie das mal der Fall war, glücklicherweise!
Aber nicht nur ist es normal geworden, was gut wäre, sondern ist dort schon so was wie eine Auszeichnung geworden.
(In anderen Kreisen dagegen, mal als Beispiel Fußball mit der Depressionsgeschichte von Enke) merkt man, wie sich immer noch die alte Denke von Schwäche und Versagen zäh hält)

Diese Gefühlshoheit wird oft versehen mit dem Nimbus nicht abgestumpft (wie die anderen, die nicht leiden) zu sein oder feinsinniger auf Ungerechtigkeit zu reagieren oder eben sich mehr Gedanken zu machen als diejenigen, die anscheinend zufrieden leben (das könnten sie ja nicht sein, wenn sie mal darüber nachdenken würden, wie schlecht alles ist) oder eine profundere Lebensschule als diejenigen, die "normal" sind durchlaufen zu haben _%_

Alles auch individuell möglich, aber speziell in HS-Kreisen habe ich oft so was wie einen regelrechten Leidens-Wettkampf festgestellt, in dem genau das auch die Währung war mit der man dem Club überhaupt beitreten konnte.

Also Fazit für mich: wo gesundes und agiles Denken sein dürfte, könnte für mich ein großer Spielraum sein, was andere Ideen, Denkweisen und auch Auseinandersetzung angeht.
Deshalb sehe ich in HS-Kreisen das (kollektive) Denken oft als nicht sehr gesund an, weil das Gefühl es mit dem übergroßen Raum, den es für seine Empfindlichkeiten in Anspruch nimmt, an allen Ecken und Enden zurechtstutzt in eine passgenaue Form.
Und die verurteilt, sich empört und sanktioniert, wenn aus dieser Form auch nur ansatzweise ausgebrochen wird.

Danke für deine Frage, ich finde sie wirklich spannend!
Ich hoffe, sie passt noch ins Thema, wie ich sie beantwortet habe _gruebel_ und möchte noch einmal betonen, dass es mir um eine wahrgenommene GRUNDHALTUNG bezogen auf bestimmte Kreise, eben hier speziell HS (könnte aber auch Feminismus, Bildungswesen, etc. nennen) geht.
Was der Einzelne in seinem Leben alles mitgemacht hat, kann und will ich nicht analysieren, in Frage stellen oder bewerten.

Viele Grüße,
Jamania
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Seestern » Sa 31. Mär 2018, 08:46

Velvet hat geschrieben:
Ja, das ist die logische und emotionale Konsequenz. Ich für mich habe allerdings beschlossen, mich trotzdem weiterhin zu bemühen für andere offen zu sein, denn damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Die Sender-Empfänger-Konstellation sehe ich als eine Dynamik oder Interaktion.



Ja! Das sehe ich auch so. Da würde man sich ja selbst so viel nehmen, wenn man aus solchen Begegnungen auf alle weiteren schließt. Und wie du sagst, es sind Extreme, von denen wir gerade reden. Und, je mehr Erfahrungen man mMn im Zwischenmenschlichen sammelt, angenehme wie auch unangenehme, um so selbstsicherer und eben auch offener/angstfreier und dementsprechend vorbehaltloser kann man anderen Menschen gegenübertreten. :-)


Moin Velvet und alle!

Dann habe ich dich vor diesem Zitat erst etwas falsch verstanden. Jetzt sehe ich es genauer. :-)

atemlos hat geschrieben:Wieviel Schutz und Pflege braucht den ein gesunder und agiler Verstand? Was genau soll hier geschützt werden? Und vor was muss man es schützen? _gruebel_

Auch wenn ich die Frage allgemein gestellt hab; hier ein Beispiel um sie vielleicht greifbarar zu machen: Jemand meldet sich in einem Forum zum Thema HS an und empfindet die Notwendigkeit sich vor Inhalten die sich damit auch mal kritisch/offen auseinander zu schützen. Hm! Was gilt es hier zu schützen? Und vor was genau soll es geschützt werden?


Die Gegenteile zu "gesund" und "agil" wären vielleicht "krank" und "träge". Klingt eher unangenehm und das möchte keiner sein, denn gegen psychische Erkrankungen oder bei Belastungsstörungen gibt es (leider) noch viele Vorbehalte. Nehmen wir mal ein, jemand mit ein PTBS, für die er nichts kann, wird durch bestimmte Gefühle getriggert, da sie ihn an zuvor geschehene unangenehme Lebensabschnitte und Emotionen erinnern. Also ist eine logische Konsequenz, sich vor diesen Erfahrungen zu schützen.Ob es auf Dauer funktioniert, ist die Frage, denn das RL ist ja auch kein sicherer Raum.

Wenn jemand Texte über Hochsensibilität liest, findet er sich vielleicht in Aussagen wieder, dass man durch Hochsensibilität weniger psychisch belastbar sein kann. Eine weitere Information wäre das "tiefe" Denken:
Jamania hat geschrieben:Das erste, was mir dazu einfällt, ist, dass wohl niemand, der sich HS zuordnet denkt, er hätte keinen gesunden und agilen VERSTAND.
Im Gegenteil, oft wird das ja genau als eins der wesentlichen Merkmale von HS aufgeführt: zu viel denken, zu tief denken, sich die "richtigen" Gedanken" machen, für sein intensives Denken von anderen als komisch gesehen oder sogar verurteilt zu werden.

Heißt das nun, dass ein von PTBS Betroffener das "tiefe" Denken als den Trigger interpretiert, den es zu vermeiden gilt, da genaueres Nachdenken und Erinnerung daran unangenehm ist? So könnte man diese beiden kleinen allgemeinen Aussagen über Hochsensibilität interpretieren. Der Interpretationsspielraum ist so riesig und die Beschreibungen könnten in verschiedenen Kombinationen auf jeden Menschen zutreffen, behaupte ich etwas gewagt.

Man könnte "tiefes" Denken auch anders auf Hochsensibilität beziehen. Man bekommt mehr mit und verarbeitet mehr, aber es muss nicht unbedingt heißen, dass die Gedanken lähmen, sondern dass sie jemanden schnell voran bringen und zu guter Intuition oder Entscheidungsfähigkeit führen. Dass tiefes und häufiges Denken automatisch ausbremst, habe ich so in Texten über Hochsensibilität nicht verstanden. Ich kenne jemanden, der in seinen Fachgebieten sehr tief und schnell denkt und gleichzeitig gesellschaftliche Strömungen detailliert wahrnimmt, obwohl er es nur intuitiv macht und dazu kaum Wissen hat.

Oder heißt Intuition und genaue Wahrnehmung automatisch, dass man eher das Böse im Menschen und auf der Welt wahrnimmt? Kann man auch so interpretieren... _nüxweiss_

Viele Grüße :-)
Seestern
 

Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 31. Mär 2018, 10:02

Hallo zusammen, :-)

SORRY atemlos,
jetzt schreiben wir hier alle schon, obwohl du noch nicht mal richtig den Mund aufgemacht hast. Vermutlich sind deine Fragen einfach ein klasse Ansatz, der inspiriert! icon_winkle

Von mir ein kleines Zitat vorweg, das ich hier schon ziemlich oft gelesen habe:

Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk,
und der rationale Verstand ein treuer Diener.
Wir haben eine Gesellschaft erschaffen,
die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat.

(Albert Einstein)

Dem ersten Teil kann ich uneingeschränkt zustimmen, dazu gleich mehr.

Dem zweiten nicht mehr so, da ich den Eindruck habe, dass das Gefühl/die Intuition (nach dem Leben von Einstein) ca. in den letzten 20 Jahren ein angemessenes und ordentliches Revival erfahren hat, man hat das Geschenk aus dem Vergessen geholt. Das ist auch gut.

Jetzt zum ersten Teil: ich sehe es mittlerweile so, dass es wenig Sinn macht, einen treuen Diener gegen ein heiliges Geschenk auszuspielen oder umgekehrt, da sie uns mit ihren Diensten und Geschenken gemeinsam weiterbringen können (oder auch nicht). Deshalb würde ich auch beides jetzt mal zusammenfassen – als „Diener“ für die Lebensführung.

Ich würde mal behaupten, dass dieser Denk-Fühl-Diener von Natur aus eher mal vorsichtig und misstrauisch darauf bedacht ist, seinen Herrn vor Unbill zu beschützen, das ist seine Aufgabe. Und dazu tut er auch alles, was ihm zur Verfügung steht, oft mit gutem Erfolg zur Sicherung des physischen und psychischen Überlebens.

Aber was passiert, wenn der Diener herrschsüchtig und arrogant wird, und nun meint, er habe immerzu mit all seinen Schutzvorkehrungen, seinen Bedenken und Katastrophenszenarien recht? Er installiert Alarmanlagen, Schutzzäune, Minenfelder um Grundstück und Haus seines Herrn, schafft Kampfhunde an, die er auf jeden vermeintlichen Eindringling abrichtet. Und was passiert, wenn der Herr ihn so gewähren lässt?
Jeder Gast oder Bote oder unbescholtene Mitmensch kann nun von den Haus-Kameras als Feind identifiziert werden, der "übergriffig" die Hausgrenzen überschreiten und dem Ego Schaden zufügen will.

Nein, mit einem solchen Ego-Diener möchte ich nicht leben müssen, dem würde ich freundlich danke sagen und ihm dann trotzdem nicht erlauben, all diese überkandidelten Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Zu viel interessanter/wichtiger Input von außen könnte mir da doch entgehen ...
Ich hoffe, ich bin jetzt nicht wieder total am Thema vorbei?! [*]

Viele Grüße von Anima (Wortwolke icon_winkle )
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon atemlos » So 1. Apr 2018, 10:00

Hallo nochmal, spät aber doch..
Vorweg: Stört mich gar nicht (im Gegenteil), dass jetzt doch noch ein paar Sichtweisen dazugekommen sind. Hab ich mir schon durchgelesen. _yessa_

Wie ich bereits sinngemäß schrieb, wenn die Flut kommt und wir am Strand liegen bleiben, hat unser Körper ein Problem. Ich hätte zwar gerne Kiemen, hab ich aber nicht. So, was kann man denn nun so einem Verstand antun? Darum nochmal die Frage:
atemlos hat geschrieben:Wieviel Schutz und Pflege braucht den ein gesunder und agiler Verstand? Was genau soll hier geschützt werden? Und vor was muss man es schützen? _gruebel_

Was wäre, wenn ein gesunder, erwachsener Verstand gar keine Wartung und auch keinen Schutz braucht? Wenn man 'klar bei Verstand' ist (pun intended), bezieht man sich doch auf die Realität, oder nicht? Ich bin ein Freund der Wahrheit; u.a. deshalb weil sie weder meines Glaubens bedarf, noch Eures, noch von einem fiktiven Gott, dem Papst oder sonst einem Guru sanktioniert werden muss. Mit der Realität kann man auch nicht verhandeln und sie braucht auch keine Extrabehandlung – im Sinne von Schutz! Die Wahrheit kann man sich anschauen, sie dekonstruieren, analysieren, sezieren, wieder zusammensetzen, drauf spucken, rumtrampeln, sie besudeln, leugnen, teilen, diskutieren etc. Die Wahrheit hält das aus!

Also wann immer von einem verlang wird, dass man irgendwelche Symbole, Inhalte, Meinungen, etc. schützen, nicht hinterfragen, blind respektieren, mit Demut und Samthandschuhen zu behandeln hat, ist die Wahrscheinlichkeit meiner Erfahrung nach hoch, dass es sich dabei um nicht viel mehr wie Schwachsinn handelt! Denkt mal drüber nach; vielleicht wenn ihr das nächste Mal vorm Pfarrer kniet und den corpus christi in die Futterluke geschoben bekommt (weil gerade Ostern ist), oder wenn Menschen vor einem Stück Stoff salutieren oder sich vor einem Buch verneigen.

Ich frage mich: Was kann man einem Verstand, der mit der Realität klar kommt, der fähig ist sich mit dem was ist, zu arrangieren 'an den Kopf werfen', im Sinne von aus dem Gleichgewicht bringen, Schaden zufügen, verletzen etc.? Was genau? Böse Wörter? Lügen? Blasphemische Ideen? Eine Division durch Null vielleicht? Unbekanntes? Ein zu bunt gemaltes Bild? Akt-Skizzen in der Mensa etc.? Hm, ookay, mit allen Staffeln 'Sex And The City' geht vielleicht was.. _anonym_

Könnte es sein, dass es vielmehr der neurotische, illusionierte, "gläubige" Verstand ist, der so fragil erscheint? Genau genommen ist es auch nicht der Verstand an sich, sondern das was ihn neurotisch macht (verzerrte Wahrnehmung, Glaubenssätze, etc.), was ständig Bestätigung und Schutz braucht um es zu erhalten! Man lebt in permanenten Konflikt mit der Realität. Die Wahrheit, andere Meinungen, Argumente und nicht selten auch die Menschen welche sie aussprechen werden dann zur Bedrohung. Ja sogar andere/fremde Illusionen können dann zur Gefahr werden; eben alles was das eigene wackelige Glaubensgerüst antastet/destabilisiert. Um die kognitive Dissonanz die aus diesem Konflikt resultiert zu bewältigen, "muss man sich schützen", was die bekannten Gebärden hervorbringt. Technisch gesehen "beschützt" man seine Illusionen von denen man sich abhängig gemacht hat; und lebt in dem Sinne isoliert, in der eigenen Scheinwelt, ..'am Leben vorbei' sozusagen. Da ist es natürlich sehr angenehm sich mit Gleichgläubigen zu umgeben, also Menschen welche die gleichen/ähnliche Illusionen zum Davonlaufen nutzen. Kommt man dann noch auf die Idee das zu institutionalisieren, kanns wirklich eklig werden. _nüxweiss_

Also ich finde nicht, dass ich mich hier im Forum (oder sonstwo) verstandesmäßig irgendwie schützen müsste oder gerechtfertigt Schutz einfordern könnte/sollte. Die Wahrheit kann einem niemand wegnehmen, weil sie echt ist. Was ist, ist! Was ich hier durch Austausch, Diskussionen, Denkanstöße etc. mit Anderen sehr wohl verlieren könnte, sind meine Illusionen, meine Ignoranz, ..und ich persönlich finde das gar nicht so schlecht. _köss_ Insofern wäre auch ein Online-HS-Echo-Chamber, eine HS-Glaubensgemeinschaft zum Kuscheln für mich wenig interessant (und ich traue mich auch zu behaupten, dass man damit niemanden einen Dienst erweist). Natürlich fühle auch "ich mich" zweitweise angegriffen (ich zähle mich selbst zu den Illusionierten!), aber statt ... wie früher, versuche ich mir dann erneut meine eigene Frage zu stellen, mit oft recht interessanten Einsichten.

Probiert es mal aus. Mich würde es nicht überraschen wenn es euch überrascht was dabei vielleicht rauskommt. _läch_ Natürlich auf eigene Gefahr..
MfG Bild
atemlos
 

Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Lylia » Mo 2. Apr 2018, 06:59

Velvet hat geschrieben:"Der Empfänger bestimmt die Botschaft"

Ja, wer denn sonst?


Sehe ich etwas differenzierter: nicht nur der Empfänger bestimmt die Botschaft, sondern vor allem auch der SENDER, denn er schickt sie ja an andere Personen. Wenn jemand z.b einen rüpelhaften Ton anschlägt und das auch so kommuniziert, liegt es definitiv am Sender wie das bei anderen Menschen "ankommt".

Täte ich es nur so sehen, dass quasi der Empfänger alleine Schuld ist, wie er etwas aufnimmt, rechtfertigte das ja jegliche respektlose Behandlung nach dem Motto: Bist ja selber Schuld, wenn du es so negativ wahrnimmst, ne, das ist mir zu unreflektiert.

Klar gibt es auch sehr subjektive Wahrnehmung und Interpretation von aufgenommenen Worten und manchmal liegt es auch am Empfänger, wenn dieser vieles "in den falschen Hals bekommt", aber dennoch ist man für seine Art Botschaften zu senden, schon auch eigenverantwortlich.

Merke: Nicht immer sind die "anderen" an allem Schuld, das muss man sich auch mal klar-werden, ansonsten gilt für mich dieser Spruch: Du haben seltsame Wahrnehmung. *yoda*

* Bitte den Humor im Post beachten * _grinsevil_
"Eine traurige Seele kann einen schneller töten als jeder Krankheitskeim."
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Jamania » Mo 2. Apr 2018, 07:48

Hallo atemlos, :-)
atemlos hat geschrieben: Wenn man 'klar bei Verstand' ist (pun intended), bezieht man sich doch auf die Realität, oder nicht?

Sind wir das denn mehrheitlich?
Also klar bei Verstand?

Nicht im Sinne von neurologisch eingeschränkt, sondern auf unser Leben bezogen.
Kommt unser Verstand damit klar, dass wir als Verbraucher jede Kaufentscheidung prüfen müssen wie ein Experte, um eine "richtige" zu treffen?
Kann er jedes Formular mit hoch entwickelten linguistischen Fähigkeiten analysieren, um sich nicht selbst zu schaden.
Verliert er bei ärztlicher Hilfe niemals den Überblick darüber, was diese beinhaltet, egal, wie schlecht er sich fühlt...
Das alles wird von ihm erwartet, ja noch viel mehr:
er soll in der nun globalisierten Welt auch politische Entscheidungen treffen und verstehen, erkennen welche Informationen ihn weltweit dabei manipulieren oder informieren.

Ich glaube, dass diese Vielfalt vor allem eins gebracht hat: Unsicherheit, Angst, Misstrauen.
Alles Dinge, die uns eher unangenehm sind, in der Masse manchmal sogar unerträglich.

Wir werden "erzogen" dass Vielfalt etwas tolles ist, werden zu "mündigen" Menschen und Bürgern erklärt, die Verstand haben und Entscheidungen treffen können und sind total überfordert.
Wir trauen uns das aber nicht zu sagen, sondern stürzen uns auf "einfache" Botschaften, machen sie zu Tatsachen und Wahrheiten.
Hauptsache eine Meinung!
Wir wollen "durchschaubare" Sender und verherrlichen die, die wir dafür halten, werten das, was unser Bild von ihnen ins Wanken bringen könnte, schnell und heftig ab und WOLLEN klare Strukturen und "Wahrheiten".
Und wollen als Empfänger die Botschaften bestimmen können, um unser Bild von uns selbst als mündige Menschen nicht ins Wanken zu bringen.
Wollen uns damit zu jemandem machen, der den Durchblick hat - was für eine Scharade!
atemlos hat geschrieben:Ich bin ein Freund der Wahrheit; u.a. deshalb weil sie weder meines Glaubens bedarf, noch Eures, noch von einem fiktiven Gott, dem Papst oder sonst einem Guru sanktioniert werden muss. Mit der Realität kann man auch nicht verhandeln und sie braucht auch keine Extrabehandlung – im Sinne von Schutz! Die Wahrheit kann man sich anschauen, sie dekonstruieren, analysieren, sezieren, wieder zusammensetzen, drauf spucken, rumtrampeln, sie besudeln, leugnen, teilen, diskutieren etc.

Ich glaube, ich weiß was du meinst mit "Wahrheit" und "Realität" und stimme dir zu, dass es nicht hilft, sich Konzepte zu suchen, die einfach nur Linderung versprechen und sie als Wahrheit auszugeben.
An unserer Religion haben wir uns abgekämpft und es auch geschafft ihr maßregelndes Verhalten zu zügeln.
Das war aber wohl kein Lernschritt, sondern nur ein Kampf gegen "eine" Institution, denn die Mechanismen tauchen in neuer Form auf und werden genauso übernommen - sieht man ja gut am Esoterikmarkt.
atemlos hat geschrieben:Also wann immer von einem verlang wird, dass man irgendwelche Symbole, Inhalte, Meinungen, etc. schützen, nicht hinterfragen, blind respektieren, mit Demut und Samthandschuhen zu behandeln hat, ist die Wahrscheinlichkeit meiner Erfahrung nach hoch, dass es sich dabei um nicht viel mehr wie Schwachsinn handelt!

Ja, genau das sehe ich auch so.
Es wurde sich abgearbeitet und ich dachte, dass es verstanden ist.
Ist aber wohl nicht so, wenn nur das Sujet getauscht wird.
Wenn die katholische Kirche bekämpft wurde und sich dann neuen Konstrukten zugewandt wird, in denen man sich so verhält wie die, die man so lange genau deshalb bekämpft hat. _gruebel_
atemlos hat geschrieben:Ich frage mich: Was kann man einem Verstand, der mit der Realität klar kommt, der fähig ist sich mit dem was ist, zu arrangieren 'an den Kopf werfen', im Sinne von aus dem Gleichgewicht bringen, Schaden zufügen, verletzen etc.?

Durch Instabilität!
Kenne ich von mir selbst, es macht verletzlich nicht zu wissen, wie man zu was steht, was man für Gefühle produzieren soll und wie man sich anschließend verhalten soll.
Im kleinen, von Mensch zu Mensch - fast unerträglich, wenn man sich nah ist und nicht weiß, wie jemand zu einem steht, wie man selbst zu ihm steht...
Wenn alles klar ist, wunderbar, wenn nicht gräbt und kratzt unser Verstand noch mit dem kleinsten Löffel, bis er todmüde ist. (Das auszuhalten ist etwas, dem man sich stellen und das man sich erarbeiten muss, das es zu üben gilt - alles viel zu aufwändig heutzutage) icon_winkle

Jetzt übertrag das auf andere Situationen - ich bin krank, mein Arzt kann mir keine Lösung präsentieren, hat noch nicht mal großes Interesse daran.
- Ich soll wählen und kann noch nicht mal ansatzweise durchschauen, was das alles beinhaltet, wenn ich jemandem meine Stimme gebe...
Ist mein Verstand wirklich in der Lage die "Wahrheiten" und "Realitäten" zu erkennen, die hinter allem liegen?

Ja, ich stimme dir zu: für mich liegt die Lösung auch nicht darin, sich einfache Strukturen zu suchen, die zwar hanebüchen sind, aber auf der Oberfläche in mir für Ruhe sorgen und mit denen man sich so einschanzt, dass nichts anderes mehr Raum hat und jeder, der sie in Frage stellt oder kritisiert mein Feind wird.

Die Sender-Empfänger-Geschichte ist für mich einfach eins der wesentlichen Symptome dieser Unsicherheit, die vermieden und geleugnet werden soll.
Denn sie wird in den meisten Fällen dazu benutzt sein eigenes Gefühl zu dieser neuen Ordnungsinstanz zu machen, die Sicherheit geben soll und der sich alles andere unterzuordnen hat.
Dann ist Ruhe und man fühlt sich sicher, geschützt von sich selbst und im Einklang mit sich und der Welt.

Was spricht dagegen, ist doch wunderbar?
Nur eins, dass sich auch unser Gefühl verdammt täuschen kann und mit zu wenig oder falschem Einsatz des Verstandes fehl geleitet wird und dass wir dieser Möglichkeit kaum noch Raum geben. _nüxweiss_

Euch noch einen schönen Ostermontag :-)
Jamania
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 2. Apr 2018, 08:32

Hallo zusammen, :-)

na, atemlos, hast du die Philosophieecke mit radikalen Thesen gerockt? – Gut. icon_kidra

Klingt sogar so, als würde ein gesunder, agiler Verstand eben gerade besonders dadurch gepflegt, dass man ihn eben nicht schützt – meint hier: vor anderen und kritischen und relativierenden Ansichten, Meinungen, Auffassungen, vor neuen, auch ungemütlichen/unbequemen/desillusionierenden Inhalten. _yessa_

Und was würde das dann mit der Ausgangsthese bzgl. Empfänger machen? – Tatsächlich: er bestimmt die Botschaft – und zwar kann das entweder im Sinne von Offenheit und Durchlässigkeit sein, was Verknüpfungen/Veränderungen begünstigt oder im Sinne von Abwehr (zum Ego-Schutz), was Abstoßungen/Bestandswahrung begünstigt. Und tatsächlich: auf diese Haltungen haben ein Sender oder „die Wahrheit“ letztlich wohl kaum Einfluss.

Hier also eine interessante Diskussionserfahrung für mich:
Der Ausgangssatz war mir aus zwei Gründen unsympathisch – a) ich kann Phrasen nicht leiden, b) die Begründungen für den Satz kamen für mich nur aus der Ego-(Schutz)-Ecke („auf sich hören“, „bei sich bleiben“ …) – mag ich (bekanntermaßen) auch nicht.

Eben (der außer Rand und Band geratene "Denk-Fühl-Diener"):
Jamania hat geschrieben:Denn sie wird in den meisten Fällen dazu benutzt sein eigenes Gefühl zu dieser neuen Ordnungsinstanz zu machen, die Sicherheit geben soll und der sich alles andere unterzuordnen hat.
Dann ist Ruhe und man fühlt sich sicher, geschützt von sich selbst und im Einklang mit sich und der Welt.
Was spricht dagegen, ist doch wunderbar?
Nur eins, dass sich auch unser Gefühl verdammt täuschen kann und wir dieser Möglichkeit kaum noch Raum geben.


Aber: für mich nun die Anknüpfung, dass auch die Offenheit für neue Botschaften/Informationen ja selbstverständlich durch den Empfänger bestimmt wird … muss man ja erst mal draufkommen … hat bisschen gedauert … )/898u

@ Lylia: gut, dass du das noch dazu geschrieben hast: icon_winkle
Lylia hat geschrieben:* Bitte den Humor im Post beachten *


An euch alle beste Grüße! :-)
Anima
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