"Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Jamania » Mo 2. Apr 2018, 09:07

Hi Anima, :-)
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Aber: für mich nun die Anknüpfung, dass auch die Offenheit für neue Botschaften/Informationen ja selbstverständlich durch den Empfänger bestimmt wird … muss man ja erst mal draufkommen … hat bisschen gedauert … )/898u

Ja für mich ist das auch eine "aufgeladene" Phrase, die mir eigentlich immer nur in diesem einen Zusammenhang entgegen gekommen ist und deshalb war es mir wichtig diese Perspektive aufzudröseln aus der ich drauf schaue.

Aber ich frage mich trotzdem, ob sich diese Phrase für die von dir zitierte Annahme/Interpretation, die sich ja mit der von Velvet deckt, so gut eignet oder ob diese Interpretationsleistung nicht eine ganz andere Formulierung verdiente? _gruebel_

Ich würde für mich unterscheiden zwischen Haltung und Botschaft, was das angeht, beides fließt ein, beides kann wieder hochkomplex sein und interagiert auch noch, also macht alles nur noch komplizierter.
Ich kann offen für jemanden sein, seiner Botschaft gegenüber aber nicht, umgekehrt natürlich auch - wird ja hier auch sehr häufig angebracht.

Manchmal bestimme ich auch weder die Haltung ihm gegenüber, noch die Wertung der Botschaft, manchmal kann und will ich Einfluss darauf nehmen, manchmal kommen noch mehr Unbekannte in die Gleichungen, die alles nur noch schwieriger machen (Situation, Umfeld, dritte Personen, ...)

Ist aber vielleicht nur Wortklauberei.
Mir stößt die Simplifizierung und der Absolutheitsanspruch der Aussage einfach auf, aber ja, vermutlich, weil ich die entsprechenden Erfahrungen gemacht habe.

Ich würde also sagen, dass ich den Sendern und ihren Gründen gegenüber eher offen bin, der Botschaft aber kritisch gegenüber stehe.
Bestimme ich dann die Botschaft?
Ja, tue ich.
Gebe ich den Sendern Raum - ja tue ich hier in diesem Fall.
Ändert das meine Wahrnehmung an der Botschaft, wie ich sie bisher gesehen habe?
Nein momentan noch nicht.
Ist das ein Beweis dafür, dass ich und nur ich alleine die Botschaft bestimme, sie für mich immer so war und so bleiben wird wie sie gerade ist?
Nein, für mich nicht.

Ich habe die Botschaft mal viel neutraler gesehen, fand sie relativ ansprechend und hilfreich für mein Leben als sie mir zuerst begegnete.
Dass ich sie jetzt nicht mehr so sehe, hat mit der intensiven Auseinandersetzung mit anderen zu tun gehabt, durch die ich anders drauf geschaut habe, mit mehr Informationen, ich habe mich für die Auseinandersetzung zwar entschieden, aber wie sich der Prozess in mir dann entwickelte, fand ohne meine bewusste "Bestimmung" statt (so zumindest mein Eindruck icon_winkle ).
Ich schließe auch nicht aus, dass ich z.B. in einem Umfeld, dass nur den Sender als Verantwortlichen abstempeln möchte, eine weitaus größere Tendenz hätte, mich auf die Empfängerverantwortung zu beziehen und das nicht im luftleeren Raum von mir entschieden würde, sondern WEIL der Sender mich beeinflusst, ob ich das dann möchte oder nicht.

Was ich, glaube ich zumindest, beibehalten werde, ist die Abneigung gegen den Absolutheitsanspruch dieser kurzen Aussage die für mich - auch durch die Wortwahl (bestimmen) - eben mit dickem Ausrufezeichen versehen ist und diesen hochkomplexen Vorgängen einfach überhaupt nicht gerecht wird.

Ziemlich interessant das ganze, nicht? _yessa_
_Mij_
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Zuletzt geändert von Jamania am Mo 2. Apr 2018, 13:39, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Lylia » Mo 2. Apr 2018, 10:20

@Anima

Klar, ist doch Ostern, da muss schon etwas Humor auch sein, Ernst habe ich im Alltag genug, da kann mal an den Feiertagen etwas nicht so ganz ernst gemeint sein, finde ich. Das Thema ist aber schon sehr interessant. _yessa_
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mo 2. Apr 2018, 12:30

Hallo Jamania, :-)

kurze Erklärung zu dem, was ich gemeint habe:
ich habe jetzt einfach mal versucht, etwas, was ich spontan als bescheuerte, verabsolutierte, simplifizierte Ego-Schutz-Phrase incl. Ausrufezeichen identifiziert habe, trotzdem mal in mein Haus zu lassen. icon_winkle

Und als sie drin war, habe ich angefangen, an der Phrase herum zu überlegen und sie in sich selbst zu relativieren. - Dabei kam raus, dass der erwachsene, gesunde, agile Verstand (aus atemlos‘ Fragen) natürlich auch ein Empfänger von Außenbotschaften ist. Allerdings ist der im Gegensatz zum Ego-Schutz-Empfänger in der Lage, diese Botschaften nach seiner Fasson „ich brauche mich davor ja gar nicht schützen“ in ganz anderer Art und Weise zu 'bestimmen‘, nämlich nach dem Motto: „sieh mal an, was haben wir denn da?“ statt „Hilfe, was nicht so denkt und fühlt wie ich, ist ein Übergriff auf mein sicheres Haus.“ - Genau diese jeweilige Empfänger-Haltung könnte doch womöglich zu nicht unerheblichen Teilen den Fortgang eines Austausches 'bestimmen'?
So würde beispielsweise ein Sender mit seinen anderen Ideen als der Empfänger sie hat, je nachdem auf welche spezifische Art dieser Empfänger-Haltungen er gerade trifft, nur Pech oder Glück haben, ob es zu Abstoßungen oder Verknüpfungen kommt?
(Weitere wichtige Parameter im interaktionellen Geschehen habe ich jetzt mal weggelassen.)

Jamania hat geschrieben:Aber ich frage mich trotzdem, ob sich diese Phrase für die von dir zitierte Annahme/Interpretation, die sich ja mit der von Velvet deckt, so gut eignet oder ob diese Interpretationsleistung nicht eine ganz andere Formulierung verdiente?
….
Was ich, glaube ich zumindest, beibehalten werde, ist die Abneigung gegen den Absolutheitsanspruch dieser kurzen Aussage die für mich - auch durch die Wortwahl (bestimmen) - eben mit dickem Ausrufezeichen versehen ist und diesen hochkomplexen Vorgängen einfach überhaupt nicht gerecht wird.


Da hast du natürlich vollkommen recht: Eine so ausgelutschte, bereits mit wenig Sinn überfrachtete Phrase taugt schon eher wenig für eine differenzierte Betrachtungsweise.
Deshalb: wäre doch super, neue Formulierungen für neue Interpretationen zu kreieren: spontane Ideen allerseits? 'paint#

Ich wünsche einen sonnigen Ostermontag! :-)
Anima
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Jamania » Di 3. Apr 2018, 06:52

Hallo Anima, :-)
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:ich habe jetzt einfach mal versucht, etwas, was ich spontan als bescheuerte, verabsolutierte, simplifizierte Ego-Schutz-Phrase incl. Ausrufezeichen identifiziert habe, trotzdem mal in mein Haus zu lassen. icon_winkle

Verstehe! _yessa_
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Genau diese jeweilige Empfänger-Haltung könnte doch womöglich zu nicht unerheblichen Teilen den Fortgang eines Austausches 'bestimmen'?

Ja, das sehe ich auch so.
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:So würde beispielsweise ein Sender mit seinen anderen Ideen als der Empfänger sie hat, je nachdem auf welche spezifische Art dieser Empfänger-Haltungen er gerade trifft, nur Pech oder Glück haben, ob es zu Abstoßungen oder Verknüpfungen kommt?

Absolut!
Und wenn der Empfänger auf dem Standpunkt steht, er habe das Recht das, was vom Sender kommt, uneingeschränkt selbst zu "bestimmen", dann hat man als Sender ziemlich schlechte Karten seinen Input unterzukriegen und mit daran zu schrauben, wenn es irgendwie nicht miteinander klappt.
Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Eine so ausgelutschte, bereits mit wenig Sinn überfrachtete Phrase taugt schon eher wenig für eine differenzierte Betrachtungsweise.
Deshalb: wäre doch super, neue Formulierungen für neue Interpretationen zu kreieren: spontane Ideen allerseits? 'paint#

Klingt gut, habe ich gerade mal versucht und sitze jetzt lachend vorm Bildschirm, weil ich an die Judäische Volksfront (oder Volksfront Judäas?) in Monty Python bei ihren Sitzungen denke.
Denn so ähnlich geht das gerade bei mir ab #bäh# , also:

Der Empfänger hat - im Normalzustand - tendenziell das Bedürfnis sein Innenleben in seinem aktuellen Entwicklungszustand zum Maßstab von Bewertungen zu machen. Das passiert nicht ausschließlich, sondern unter Einbeziehung von sowohl Botschaften als auch (Beziehungs)Status des jeweiligen Senders - mit dem Einfluss situativer, gruppenpsychologischer und hierarchischer Umstände - und durchaus abhängig von der bewussten oder unbewussten Entscheidung, für wie angemessen er jeweiliges Verhalten hält...

Bis hierhin bin ich schon mal gekommen _grinsevil_ , aber vermutlich müssen noch ein paar Relativsätze dran gehängt werden, weil ich wesentliches vergessen habe.

Viele Grüße erstmal, _Mij_
Jamania

P.S. Kann das sein, dass Beiträge hier ausgelagert wurden? _gruebel_
Wenn es ot geht oder wieder in die falsche Richtung, bin ich gerne bereit, zu korrigieren, aber ich muss es wissen, weil ich da anscheinend auch oft ein anderes Empfänger- und Senderohr habe, was Themen und ihre Ausdehnung angeht. icon_winkle
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon cindy sun » Di 3. Apr 2018, 10:52

Jamania hat geschrieben:P.S. Kann das sein, dass Beiträge hier ausgelagert wurden? _gruebel_

Nein, es fehlt nur mein Beitrag und den habe ich gelöscht.


Lese hier trotzdem gerne weiter und bin gespannt wie sich der Thread weiterentwickeln wird.

LG, cindy
.
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--- Ich nehme mein Leben zu dem Preis, den es mir gekostet hat und noch kosten wird. --- H.G. Nobis
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 3. Apr 2018, 20:24

Hallo! :-)

Jamania hat geschrieben:Klingt gut, habe ich gerade mal versucht und sitze jetzt lachend vorm Bildschirm, weil ich an die Judäische Volksfront (oder Volksfront Judäas?) in Monty Python bei ihren Sitzungen denke.


Du weißt aber schon, dass du mir jetzt dadurch einen sehr gewissen Ohrwurm in mein Empfänger-Ohr eingepflanzt hast, oder?

Und da rätsele und rätsele ich jetzt herum: _gruebel_

a) Habe ich als Empfänger da jetzt überhaupt was an der Botschaft zu bestimmen? - Immerhin dudelt das Ding in meinem Kopf rauf und runter, ohne dass ich darauf einen großartigen Zugriff hätte.
b) Hat nicht vielmehr die Senderin Jamania die Botschaft bestimmt, indem sie das Ganze (vermutlich wissentlich?! icon_winkle ) losgetreten hat?
c) Oder bestimmen wir beide als Empfänger + Sender die Botschaft, weil wir beide Monty Python und den Song kennen?
d) Oder bestimmt Monty Python die Botschaft?

Wo liegt denn hier mein Denkfehler? – Danke für Hinweise und viele Grüße an alle! floet
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Seestern » Di 3. Apr 2018, 22:16

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Da hast du natürlich vollkommen recht: Eine so ausgelutschte, bereits mit wenig Sinn überfrachtete Phrase taugt schon eher wenig für eine differenzierte Betrachtungsweise.
Deshalb: wäre doch super, neue Formulierungen für neue Interpretationen zu kreieren: spontane Ideen allerseits? 'paint#

Nach Ostern kreativ kr-eiern? 'paint# Habe ich das richtig verstanden? Ich kenne das posteiern. Oder auch als Synonym für die uralte Floskel "Ich bin ich!", die auch gerne benutzt wird, wenn Argumente auf der Sachebene knapp werden.

Jamania hat geschrieben:Das Werten ist aber genau der Punkt, um den es mir ging und das für mich die Keimzelle jeder Interaktion ist und deren Werdegang "bestimmt".
Und das meist vorgibt, wohin eine Reaktion gehen wird.
Es geht eben darum, dass der Empfänger die "Botschaft bestimmt", also "wertet" und das liegt eindeutig vor der "Reaktion", dem Handeln oder darauf Reagieren.

Das Werten ist zumeist nicht sach-, sondern personenbezogen. Ein Empfänger untersucht zunächst angebliche Charaktermerkmale eines fremden Gegenübers. Das wusste schon Aristotesles vor Schopenhauer, ein ziemlich alter Hut Komma also. iwikx

Jamania hat geschrieben:Die Sender-Empfänger-Geschichte ist für mich einfach eins der wesentlichen Symptome dieser Unsicherheit, die vermieden und geleugnet werden soll.
Denn sie wird in den meisten Fällen dazu benutzt sein eigenes Gefühl zu dieser neuen Ordnungsinstanz zu machen, die Sicherheit geben soll und der sich alles andere unterzuordnen hat.
Dann ist Ruhe und man fühlt sich sicher, geschützt von sich selbst und im Einklang mit sich und der Welt.

Neben Watzlawicks systemisch-interaktionalen Ansatz verfolgten Charles Bergers und Richard Calabreses eine eher praxisorientierte postpositivistische Linie. Bei Wikipedia steht dazu:

"It is one of the only communication theories that specifically looks into the initial interaction between people prior to the actual communication process." (https://en.wikipedia.org/wiki/Uncertain ... ion_theory)

Die Uncertainty ReductionTheory verhilft zu einem besseren Verständnis über das Verhältnis von intentionaler, zielgerichteter Kommunikation und interpersonalen Problemen und Zielen. Sie regt zum Nachdenken an, wie man in einer neuen interpersonalen Situation handeln könnte und gibt Vorschläge, wie man über ein erstes Zusammentreffen mit Personen denken "sollte" (und wie man dort Kommunikation sinnvoll einsetzen kann).
Sie beschreibt und erläutert, ist falsifizierbar, praktisch, historisch und interessant – ebenso wie die Grundfrage hier.

Doch ist sie, wie Watzlawicks, von Thuns und weiterer Autoren Theorien, an welchen man sich entlanghangeln kann, eine Hilfestellung und hat auch so ihre Nacht-Eile, kritisiert eine Nacht-Eule. Oder so ähnlich. [*]
Seestern
 

Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Velvet » Mi 4. Apr 2018, 05:50

...nur mal so ein paar Morgengedanken dazwischengeschrieben :)...


Mir wird immer deutlicher, warum die Ablehnung von Eigenverantwortlichkeit und jeglicher Art von Selbstfürsorge so groß ist.

Denn, wenn jeder für sich selbst sorgt, wer sorgt dann für mich?

Wen kann ich mit mir beschäftigen, wenn sich jeder um seine eigenen Belange kümmert?

Wer ist da noch zu manipulieren, wenn er bei sich selbst alles findet, was er braucht?

An wen kann ich mich hängen, wen kann ich an mich hängen, um meinen Hunger/Mangel zu stillen?

Wer nährt mich, wer gibt mir, wem gebe ich im Tauschhandel? Wer (ge)braucht mich, wen (ge)brauche ich?

Wen kann ich dann noch "kritisieren", mich über ihn empören, wer dient mir dann noch als Ablenkung von mir selbst?


Bei wem soll ich dann Aufmerksamkeit erregen? Gäbe es überhaupt noch einen Mittelpunkt, in den ich mich stellen könnte?

Bei wem fallen dann meine Forderungen überhaupt noch auf fruchtbaren Boden?

.
.
.

Ganz furchtbarer Gedanke, für mich allein die Verantwortung tragen zu sollen. Schuldzuweisungen und Gebarme über das Tun und Sein anderer würden automatisch wegfallen. Was soll man denn da den ganzen Tag machen? Für sich selbst sorgen? Bei sich bleiben? Sich gern haben? ..."Ich bin doch kein Egozentriker!" :D

...

Jeder sorgt für sich selbst. Keiner würde sich mehr für die Probleme, die andere mit sich selbst haben, zur Verantwortung ziehen lassen. Jeder wäre unabhängig. Es gäbe keine ständigen Verstrickungen, weil man meint, der andere wäre einem was schuldig.

Gemeinsamkeit entstünde nur noch aus gegenseitiger Sympathie, aus Frei- Willigkeit, im Hinblick auf gemeinsame Ziele, oder gar nur aus Gründen des Wohlfühlens miteinander.

Die Menschen wären zufrieden und ausgeglichen, weil die tägliche Suche nach Anerkennung, egal ob positiver oder negativer, sie nicht mehr zu den absurdesten Verrenkungen veranlasste. Und andere nicht mehr dazu veranlasst werden müssten.

Man hätte Zeit und Muße, sich den anderen anzusehen, aus reinem Interesse.

Man wäre innerlich aufgeräumt und würde nicht mehr sein eigenes, unbewältigtes Chaos jedem, der einem in die Quere kommt, vor die Füße schmeißen und sagen: "Hier, räum du das mal auf!"

Man könnte sich begegnen, ohne Liste in der Hand, was man voneinander braucht und will, was der andere zu tun und zu sein hat, damit man ihn akzeptieren könnte.

Schuldzuweisungen und Gebarme über das Tun und Sein anderer würden automatisch wegfallen. Kämpfe, Kriege, alles nicht mehr nötig. Jeder wär mit sich selbst im Reinen und hätte beide Hände frei, tatsächlich was zu tun und zu schaffen. _Für_andere, für die, die tatsächlich Hilfe bräuchten. Echte Hilfe, nicht die, an der meine Forderung, mein eigener Wunsch nach Bedürfnisbefriedigung und Aufwertung klebt wie heißer Teer...

uswusf...


Ganz furchtbarer Gedanke, für mich allein die Verantwortung tragen zu sollen-und das in meinem Alter!

Selbst zuständig für mein Wohl sein zu müssen, verantwortlich für das, was ich denke und fühle, dazu noch, was ich tue und lasse! Was für eine Arbeit, wie unangenehm...bis jetzt gings doch auch ohne...und das nicht schlecht ;).


Wirklich, eine ganz schreckliche Vorstellung und beängstigende Vision, die muss ja ungesund und krank sein. Und, sie kann nur aus der spirituellen Ecke kommen. Dort haben sich eh all die Irren hingeflüchtet, verbarrikadiert und schützen sich dort den ganzen Tag vor all den Dingen und Menschen, die ihnen diese fiese Verantwortung für sich selbst wieder entziehen wollen :D

...bitte den Humor im Text beachten, auch, wenn nicht mehr Ostern ist :D ... bisschen Spaß geht immer, bei der traurigen Welt, oder?! _möh_
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
Velvet
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Jamania » Mi 4. Apr 2018, 07:02

Hallo Velvet, :-) ,

ich wollte nur kurz (! *seufz* _grinsevil_ ) schreiben, dass ich deinen Beitrag super fand.
Und aus gegebenem Anlass kann ich mich gerade ein ganzes Stück in deine Richtung lehnen und kann ihn zumindest in Teilen so überspitzt sehen, wie du ihn geschrieben hast - einige Teile möchte ich aber dann dennoch ernst nehmen.
Velvet hat geschrieben:...Denn, wenn jeder für sich selbst sorgt, wer sorgt dann für mich?

Das allerdings finde ich eine berechtigte Frage, nicht aus der Ego-Ecke gestellt, sondern der von Gesellschaften?
Ja, was passiert, wenn alle sich ihre kleine Burg bauen und man nur noch nach innen, nicht mehr nach draußen schaut?

Du zählst viel auf, das wegfällt, wenn man nicht mehr auf andere schaut - und ich kann dir da aus vollem Herzen zustimmen: ich finde es super, wenn die Nachbarn sich nicht drum kümmern, ob ich samstags die Treppe putze oder ob ich es bis Ostern geschafft habe, dass mein Rasen gepflegt aussieht, dass meine kleinen Schrullen niemanden stören.

Aber es trifft eben auch zu, dass heutzutage oft nicht mehr auffällt, wenn Nachbarn versterben oder Menschen verwahrlosen, verzweifeln, vereinsamen...
Fällt das dann nur den Menschen nicht auf, die unempathisch oder karrieregeil sind?
Oder könnte das auch den Menschen nicht mehr auffallen, die nur noch ihr eigenes Innenleben im Fokus haben und damit beschäftigt sind, immer und überall heraus zu finden, ob sich etwas dabei gut anfühlt und sie es zulassen oder ob sich etwas nicht gut anfühlt und es deshalb abgelehnt werden muss?

Das ist mir sehr ernst, denn genau das finde ich oft das persönliche Dilemma von Introvertierten, das ich für mich auch sehr schwer aufzulösen finde.
Deshalb ist mir das Thema ernst, aber ich erkenne wohl noch den Humor, den du ausschließlich in die Richtung des überdrehten und alles aus dem außen fordernden Egos lenkst - für mich auch nachvollziehbar (wie gesagt, gerade aus sehr aktuellem Anlass, vielleicht meinen wir sogar denselben icon_winkle ).
Velvet hat geschrieben:...Ganz furchtbarer Gedanke, für mich allein die Verantwortung tragen zu sollen. Schuldzuweisungen und Gebarme über das Tun und Sein anderer würden automatisch wegfallen. Was soll man denn da den ganzen Tag machen? Für sich selbst sorgen? Bei sich bleiben? Sich gern haben? ..."Ich bin doch kein Egozentriker!" :D

Wie wäre es denn mit beidem zusammen? :-)
Bei sich bleiben und dabei lernen auf andere zuzugehen?
Schuld auf sich nehmen lernen, wo sie bei mir verortet werden muss oder nach dort abgeben, wo sie eben hingehört, wenn ich keine trage...
Für sich sorgen und bei sich bleiben und nach außen schauen und sich dafür interessieren, sich einmischen, teilnehmen und sich auch wieder zurück ziehen?

Ich finde das eine Riesenaufgabe, ich kann es nicht so, dass ich das Gefühl habe, ich wäre gut darin oder fühlte mich dabei ausgeglichen, oder wasweißich...
Rückzug ist bei mir Entspannung, Sicherheit, ich weiß wo ich stehe, wer ich bin - mit anderen sein kann schön sein, aber von der Persönlichkeitsstruktur finde ich es anstrengend wie Tauchen.
Ich muss ein wenig die Luft anhalten, von mir weg gehen, wenn ich mich auf andere einlasse, kann es nur ein kleines Stück, wenn ich es zu viel mache, verliere ich das Bewusstsein - so kommt es mir vor.

Sollte ich darum das Tauchen komplett lassen oder mir dieses kleine Stück weiter erobern?
Momentan glaube ich das zweite. _gruebel_
Ich denke, dass es sowohl für mich gut ist, ich denke auch, dass ich anderen so etwas zu geben habe.
Aber nur mit einer stabilen Mitte, einem gesunden Empfinden dafür, wie viel oder wenig machbar ist.
Und das ist nicht statisch, habe ich gemerkt, sondern hat auch mit Übung zu tun, mit Erfahrungen, denen mein "innerer Lehrer" mich aussetzt, der mir öfter mal einen Stoß geben muss, damit ich das tue.
Mein inneres Kind setzt sich lieber mit Malbuch in die Ecke und chillt, das kann ich verwöhnen wie ich will, da kommt nix Neues. icon_winkle
Velvet hat geschrieben:...Jeder sorgt für sich selbst. Keiner würde sich mehr für die Probleme, die andere mit sich selbst haben, zur Verantwortung ziehen lassen. Jeder wäre unabhängig. Es gäbe keine ständigen Verstrickungen, weil man meint, der andere wäre einem was schuldig.

Und genau DAS ist die Verherrlichung, bei der sich mir die Haare sträuben!
Ja, ich weiß, Humor, Überspitzung - und dennoch...
Ist genau das nicht die Grundhaltung, das man selbst mit nur seinem Innen, seinen Befindlichkeiten im Fokus "innerlich aufgeräumt" wäre, während andere einem alles wieder durcheinander schmeißen und man es deshalb (weil sie einen so destabilisieren) nicht schafft ein gutes, stabiles, gesundes Leben zu führen?
Und in wessen Verantwortung liegt das letztendlich?
Heißt das nicht eigentlich Verantwortung abgeben, weil es anstrengend sein könnte, auch mit unangenehmen Erfahrungen und Misserfolgen verbunden, während man seinen Kern weiter stabil halten muss?

Wie gesagt, ich schreib das jetzt nicht aus luftiger Höhe, sondern es ist meine Lebensaufgabe:
Was, wenn ich nach außen schauen kann, das Außen mit mir sein darf und ich dennoch innen stabil wäre und ein gutes und gesundes Leben führen könnte?
Wäre das nicht das auf das es sich hinzuarbeiten lohnt?
Für mich ist es das.

Viele Grüße, _Mij_
Jamania
Zuletzt geändert von Jamania am Mi 4. Apr 2018, 08:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Der Empfänger bestimmt die Botschaft" !?

Beitragvon Source » Mi 4. Apr 2018, 07:38

@ Velvet: Danke für deinen humorvollen und treffenden Beitrag smgp*
Viele Grüße
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