erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

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Re: erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

Beitragvon Annina » Do 11. Apr 2019, 16:52

Ja, das kenne ich auch, es ist wirklich zum Verzweifeln. Ich bin auch so oft mit großer Hoffnung zu einem neuen Arzt/ Heilpraktiker/ Coach/ Kunsttherapeut was auch immer (mit und ohne HSP-Bezug) gegangen und mit einem ganz schweren Gefühl im Magen wieder nach Hause, weil ich sofort wusste: "wieder nichts :-( "
Aber so wie Velvet es genannt hat: auch in mir lodert(e) der unbedingte Wille nach seelischer Genesung. Ich wusste irgendwie doch, dass es anders sein kann/muss. So bin ich also doch immer noch einmal mit neuer Hoffnung losgezogen und habe einen neuen Anlauf gewagt.
Bei "richtigen" Therapeuten war ich zugegebenermaßen nur 2 Mal, das hat mir gar nicht zugesagt... Dort hatte ich das Gefühl, ich soll in ein Schema F reingequetscht werden und nach Plan B abarbeiten... Komische Sache... als würde ich gar nicht gesehen werden, als ob es nur darum ging, wie es gewöhnlich wäre... ... nee, genau das brauchte ich ja eben nicht schon wieder ;-)
Bei den beiden spürte ich es direkt bei der ersten Sitzung ganz deutlich: hier geht es wirklich nur um mich! Sie hören mir zu. Sehen mich! Ein sehr heilsames und stärkendes Gefühl. Ich drücke euch von Herzen die Daumen, dass auch ihr auf solche Menschen trefft. Ich bin bei "ausgestiegenen" Schulmedizinern und einer Kunsttherapeutin "gelandet" und bin den Damen wirklich sehr dankbar.
Annina
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Re: erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

Beitragvon Velvet » Do 11. Apr 2019, 22:08

Hallo und einen schönen Abend :),

habt alle vielen Dank für eure lieben Rückmeldungen, das hat mich sehr gerührt.

@qqbi

Ja, den passenden Therapeuten zu finden ist wahrscheinlich nicht so einfach. Wartezeiten muss man da sicher von vorn herein in Kauf nehmen. Zum Glück hat man ja die kostenfreien 5 Probesitzungen. Zum einen können die auch schon was bewirken, zum anderen kann man da gut gucken, ob man zueinander passt.

Ich denke, was auch sehr wichtig ist, ist, dass man ziemlich konkret für sich formuliert hat, was man dort eigentlich will und an Hilfestellungen erwartet. Ich hatte meistens vor einer Sitzung Themen und viele Fragen, über die ich dort reden und sie beantwortet wissen wollte. Somit bin ich eigentlich aus keiner Stunde herausgegangen, ohne etwas mitzunehmen und wieder ein kleines Stück weiter gekommen zu sein.

Ich hatte sicher auch Glück, gleich beim ersten Versuch eine sehr angenehme und vertrauenswürdige Therapeutin vor mir sitzen zu haben.

Ich wünsche dir und allen anderen, die danach auf der Suche sind, dabei auch ganz viel Glück :)
Und, du kannst mich gern fragen, ich kann dir aber keine Antwort versprechen. ;)

@cindy sun

Das freut mich, Hoffnung sollte man immer und überall sammeln und sie nie wieder verlieren :)

@Annina

Ich finde in deinem Beitrag auch einige Ähnlichkeiten zu mir, wie z.B. der Zustand, in dem ich jedes mal von meinen Eltern nach einem Besuch wieder weggefahren bin…oder das Zulassen und sich selbst erlauben, diese und jene Gefühle und Gedanken gerade zu haben, egal in welcher Intensität. Nichts vor sich selbst zu verbergen und auch viele Erwartungen loslassen zu können.
Für mich war es, als müsste ich neu Fühlen lernen. Meine Gefühle neu bewerten lernen. Da war vieles, bei dem ich nochmal von vorn anfangen musste. Aber es hat sich in allem gelohnt.

Ich freu mich sehr für dich, dass du in diesen beiden Frauen so eine große Unterstützung gefunden hast, die nun schon so sicht-und fühlbare Ergebnisse für dich hat. Was für eine Erleichterung, wenn man nach und nach die Lasten ablegen kann, die man sein ganzes Leben mitschleppt, ohne sich ihrer überhaupt bewusst werden zu können.

Ich finde toll, dass du so viel geschafft hast und wünsche dir von Herzen, dass es auf deinem Weg immer weiter geht!

Liebe Grüße euch allen,
Velvet
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
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Re: erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

Beitragvon Lylia » Sa 13. Apr 2019, 13:29

Velvet hat geschrieben:
für mich ist dieses Thema ein zutiefst emotionales, vor allem als Kind, das von seinen Eltern vor die grausame Wahl gestellt wurde: Wir und unser Wohl, unsere "Wahrheiten", unsere Spielregeln, unsere Vorstellungen von dir oder du und das, was du tatsächlich bist und gedenkst, uns damit "zuzumuten".


Hallo Velvet :-)
Sorry, wenn ich mal hier reingrätsche aber ich möchte dazu auch so einiges sagen: Ich finde mich so dermaaßen hier in deinem Beitrag wieder, es ist unglaublich, bisher dachte ich, ich sei die Einzige die so empfindet und wäre ein Alien...

Kein Kind, auch kein erwachsenes, verlässt „einfach so“ sein Elternhaus. In meinen Augen ist es das furchtbarste, was Eltern ihren Kindern antun können, sie dazu zu zwingen, ihr Elternhaus ohne Rückkehr zu verlassen. Und das tun Kinder nur aus dem einen Grund: um weiterleben zu können.
Wer sich selbst vor dieser Wahl hat stehen sehen müssen, weiß sicher, wovon ich rede.


Richtig, auch ich tat es nicht einfach so, dass ich mit 16 das Leben auf der Strasse sogar meinem lieblosen Elternhaus vorzog. Ich musste psychisch wie menschlich überleben was nur ging, indem ich mein Heil in der Flucht suchte.

Ja, warum wohl können Kinder den Kontakt nur notgedrungen aufrechterhalten, wenn überhaupt?


Bei mir waren es: Wut, Hass, Traurigkeit und grosses Misstrauen und vor allem die Herzlosigkeit meiner Familie die alle nur an sich dachten und wir Kinder hatten immer nur zu "parieren".

Sollte es nicht so sein, dass das Zuhause ein gern betretener Zufluchtsort ein Leben lang für ein Kind bleibt? In dem es sich immer willkommen geheißen fühlt, so, wie es ist? In dem es Wärme erfährt, Zuneigung, Respekt?


Das wäre der Normalfall, ja aber leider war es bei mir z.b nicht ansatzweise der Fall, Drohungen, Erpressungen, harte Strafen und auch Gewalt spielten eine Rolle und noch schlimmer war die völlige Ignoranz persönlicher Wünsche und keinerlei Geborgenheit.

Ein Ort, an dem man nicht emotional manipuliert wird, in Abhängigkeiten gehalten und erpresst wird, um Nähe zu erzwingen, Dankbarkeit für die selbstverständlichsten Dinge abzuringen, sich das Schweigen über die Familiengeschichte erkauft wird, die Liebe und Loyalität zu seinen Eltern schamlos und ohne Gnade ausgenutzt wird?


Manipulationen wurden übelst ausgeübt, so hatten wir als Kinder für Selbstverständlichkeiten wie Kleidung, Essen und ein Bett auch stetig dankbar, gehorsam und vor allem kadavergehorsam zu sein, eigene Meinung oder gar etwas Wiederstand wurde unverhältnismässig hart geahndet und damit sollte es ausgetrieben werden, ich ertrug dies nicht und ging.

...wie viele Kinder kommen nach Hause und und würden hinter jede meiner Fragen ein Ausrufezeichen setzen können? Oder wenigstens hinter ein paar?


Ja, ich bin eines davon, wenn auch jetzt erwachsen, muss ich dir zustimmen.

Es wird vor allem, und das ist das Fatale, über die wirklichen Verantwortlichkeiten geschwiegen. Sich geweigert, (jedenfalls ist das meine Erfahrung, wie alles, was ich hier darüber schreibe), sie endlich von seinem Kind zu nehmen- selbst, wenn es darunter zusammenbricht- und sie für sich selbst, als Eltern anzuerkennen und anzunehmen.


Nicht immer: Mein Vater gab dies im Alter zu und entschuldigte sich mehrmals bei mir für die harte und lieblose Kindheit, ich verzieh ihm und dann verstarb er aber leider, wir wollten "alles wieder gut machen" aber es war uns nicht vergönnt... big_cry2

Zu meiner Mutter habe ich heute keinerlei Kontakt mehr, denn sie sieht nichts ein und denkt, sie habe nichts falsch gemacht.

Für einige „verlassene“ Eltern wäre eine ehrliche und schonungslose Selbstbetrachtung, ein Anzweifeln ihrer Kompetenz und ein eingestehen so mancher Unfähig-und fertigkeiten DER Schlüssel, ihr Kind wieder in die Arme nehmen zu können. Leider sind da die eigenen Schutzwälle so hoch und undurchdringlich, dass es dabei bleibt: sie wurden verlassen und nicht: sie haben ihr Kind verlassen…


Mir wurde auch Kontaktabbruch vorgeworfen aber über sich selber mal nachdenken? leider Fehlanzeige.
Gut, dass du den Beitrag hier im Thema erstellt hast, ich danke dir dafür. :-)

Liebe Grüsse: Lylia
"Eine traurige Seele kann einen schneller töten als jeder Krankheitskeim."
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Re: erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

Beitragvon Calmo » So 14. Apr 2019, 08:55

Hallo zusammen,

interessante und bewegende Beiträge.
Leider finde ich in den Mediatheken und auf anderen Portalen einen Beitrag zu verlassenen Eltern nicht mehr. Durchdie Sprache und die Betonung konnte man bei fast allen Elten eine egomanische, verdeckt-narzisstische bis uneinsichtige Haltung herauslesen. Sie haben sich als Opfer dargstellt, obwohl aus den Beiträgen der Kinder recht eindeutig erkennbar war, dass die Kinder die Opfer in einer unintakten Familienkonstellation sind.

Mir bennnen dennoch Gedanken auf der Seele und ich möchte niemanden damit zu nahe treten, sondern verstehen, was Hochsensibilität mit vielen Indizien zu Posttraumatischen Belastungen zu tun haben soll.
Leidet ein Hochsensibler mehr darunter als jemand ohne hohe Sensibilität? Oder wird man hochsensibel durch eine unintakte Familie?

Ich vermute, die Autoren und Psychologen mit den Themen Hochsensibilität meinen damit nicht eine Überempfindlichkeit durch (Mikro-) Traumata, denn es wäre schlicht unverantwortlich. Jemand, der in Pädagogik und Psychologie kaum bewandert ist, würde sich demnach vielleicht sogar einbilden, sein Leid wäre normal und sogar etwas Außergewöhnliches, das nicht therapiert werden braucht. Damit würde sich ein Betroffener selbst schaden.
In der Fachliteratur zu Pädagogik und Psychologie im Pädagogikstudium finden sich bei euren Beschreibungen Verweise auf Traumata, Posttraumatsche Belastungen aber keine Hinweise auf Hochsensibilität. In der Schule hatte ich Pädgogik und wir haben uns mit dieen Themen später auch im Studium auseinandergesetzt.

Freie Therapieplätze können die Krankenkassen nennen oder die Kassenärztliche Vereinigung.

@sissipha
In einem anderen Beitrag schreibst du, du bist Psychotherapeutin. Hier stellst du eingangs Fragen zum Grundstudium und Dingen, die man bereits im Pädagrundkurs in der Schule lernt, Kindheit unter narzisstischen Eltern usw... Könntest du erläutern, was du meinst? Du bist doch vom Fach, oder doch nicht?

11590502nx46300/wissenschaft-und-forschung-f12/hochsensibilitaet--zusammenhaenge-t10088-s20.html
sissipha hat geschrieben:Ich weiß um meine Hochsensibilität seit etwa 25 Jahren und kenne die "Geschichte der Medizin und der ganzheitlichen Ansätze und die schwierige Suche... nach....ich weiß nicht genau was.... ziemlich gut, da ich als Psychotherapeutin gearbeitet habe und selbst.
Zuletzt geändert von cindy sun am So 14. Apr 2019, 12:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Linkfunktion korrigiert
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Re: erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

Beitragvon Velvet » Mi 17. Apr 2019, 05:42

Hallo Lylia,

da hast du einen schwierigen Weg hinter dich bringen müssen. Danke für´s Erzählen. Wenigstens konnte dein Vater dann doch noch seine Verantwortung übernehmen und dich zumindest teilweise- so hoffe ich- damit entlasten.

Alles Gute weiterhin für dich!
Velvet

@Calmo

Calmo hat geschrieben:Leidet ein Hochsensibler mehr darunter als jemand ohne hohe Sensibilität?


Nein. Ich halte nichts davon, das eine mit dem anderen Leid zu vergleichen. Wie kommst du denn auf diese These?
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Re: erwachsene Kinder - Eltern, Nähe oder Distanz?

Beitragvon Lylia » Mi 17. Apr 2019, 22:58

Velvet hat geschrieben:Hallo Lylia,

da hast du einen schwierigen Weg hinter dich bringen müssen. Danke für´s Erzählen. Wenigstens konnte dein Vater dann doch noch seine Verantwortung übernehmen und dich zumindest teilweise- so hoffe ich- damit entlasten.

Alles Gute weiterhin für dich!
Velvet


Ich danke dir für deinen lieben Worte hier. :-)
"Eine traurige Seele kann einen schneller töten als jeder Krankheitskeim."
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