Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

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Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon Velvet » Mi 22. Mai 2019, 09:15

Hallo Ihr,
ich war mir nicht sicher, in welches Forum ich den Thread stellen sollte, denke aber, dass Frage und Thema an sich eher in die philosophische Ecke passen könnten.

Ich möchte noch voranstellen, dass zumindest mein Ausgangstext als Aufhänger für mein Anliegen von Eulenküken handelt, die es nicht geschafft haben, flügge zu werden. Ich habe alle Details zwar weggelassen, aber selbst ohne ist es traurig und ich möchte Bescheid gesagt haben, dass nichts Erfreuliches folgt.




Ich habe seit ca. März diesen Jahres, über eine Live-Webcam ziemlich regelmäßig, die Vorgänge in einer Bruthöhle eines Waldkauz- Pärchens in Estland beobachten können. Fünf Eier wurden gelegt, alle Küken schlüpften nacheinander. Das letzte starb relativ schnell, wovon auszugehen ist aufgrund der Entwicklungsstufe im Vergleich zu seinen größeren Geschwistern.

Im Lauf der letzten 3 Wochen ungefähr starb dann auch das zuvorletzt geschlüpfte Küken an Nahrungsmangel. Die Eltern kamen immer seltener und brachten kaum noch Futter.
Die drei verbleibenden Küken wuchsen dennoch und entwickelten sich gut. Nach und nach blieb die Versorgung durch die Eltern immer öfter und über lange Zeiträume hinweg völlig aus. Die letzten 4/5 Tage kamen sie gar nicht mehr...
Kurz: gestern morgen ist das letzte Eulenküken vor aller Augen qualvoll verendet.

Zur WebCam, in Estland stationiert, gehört ein Forum, in dem sich die Beobachter austauschen können und wohl für Ornithologen (unter deren Führung verschiedene Cams und auch Foren laufen, soweit ich es verstehe) fast minütlich dokumentieren, was in den Bruthöhlen vor sich geht.
Dort entbrannte in den letzten Tagen nun die Diskussion darüber, ob man (Mensch) sich hätte einmischen und wenigstens dem letzten Küken eine Chance geben sollen. Oder ob man akzeptieren muss, dass es ein natürlicher Vorgang ist, der überall geschieht und dem wir als Beobachter nun zufällig beiwohnen, uns aber nicht einmischen dürfen.

Habt ihr eine Meinung dazu? Mich lässt das nicht los, ich war tiefbewegt über dieses ganze Geschehen im Eulennest und grübele über die Frage, hätte Mensch eingreifen und helfen müssen?
Zuletzt geändert von Velvet am Do 23. Mai 2019, 05:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon Pferdefreundin » Mi 22. Mai 2019, 16:22

Hallo Velvet.
Das ist wirklich mal eine schwierige und fast Philosophische Frage.

Der Mensch greift (finde ich) ziemlich oft in die Natur ein. Meist mit keinem guten Ende.
Wenn also die Kamera dort nicht wäre und es niemand gesehen hätte, wäre trotzdem das Selbe passiert.
Anderer Seits ist der Mensch mit hoher Wahrscheinlichkeit daran Schuld, dass die Eulen- Eltern nicht genug Futter fanden.
So gesehen müsste der Mensch die negativen Folgen seines Handelns mit Positiven Handeln ausgleichen. U72( _%_

Es ist also die Frage: Warum die Eltern kein Futter brachten?
Wenn sie dieses nicht bringen wollten, da sie in der Aufzucht ihrer Jungen keinen Sinn sahen (Krankheit spürten). Ist es gut gewesen sich nicht ein zu mischen.

Wenn sie ihre Jungen aber nicht füttern konnten, weil sie kein Futter fanden. Wäre ein eingreifen vertretbar.

Alles ganz schön deprimierend. big_cry2
_wol_ Gedanken verloren.
'paint# _flov_ Kreativität gefunden.
Genießt die Natur

LG
Eure Pferdefreundin

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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon Velvet » Do 23. Mai 2019, 06:15

Hallo Pferdefreundin,

vielen Dank für deine Gedanken :).

Leider weiß man nicht die Gründe dafür, warum das Nest verlassen wurde. Es liegt ziemlich nah an menschlichen Siedlungen, man hört des öfteren Motoren/Traktorgeräusche und auch Stimmen. Man kann da nur spekulieren.
In einem anderen Waldkauzbrutkasten wurde von den Eltern ein Küken aufgezogen, das vermutlich einen Hüftschaden hatte und nicht richtig laufen/stehen konnte. Die Betreiber der Web-Cam entschieden sich nach einigem Für und Wider es zu entnehmen, zu behandeln und im Anschluss wieder auszuwildern. Ich war sehr erleichtert darüber.

Ich sehe es wie du, der Mensch greift an allen Stellen massiv und mit der größten Selbstverständlichkeit ins natürliche Gleichgewicht ein und das- wenn überhaupt- selten zum Nutzen von Flora und Fauna. Nicht wirklich etwas läuft unter seiner Anwesenheit noch natürlich ab. Diesem Elend ansichtig zu sein und sich auf die natürlichen Vorgänge zu berufen finde ich irgendwie zynisch.

Viele Grüße
Velvet
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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon Moondream » Do 23. Mai 2019, 07:29

Hallo Velvet,

mich hat dein Eingangspost sehr nachdenklich gemacht. Wollte eigentlich gestern schon was dazu schreiben, ist aber irgendwie untergegangen.

Velvet hat geschrieben:Ich sehe es wie du, der Mensch greift an allen Stellen massiv und mit der größten Selbstverständlichkeit ins natürliche Gleichgewicht ein und das- wenn überhaupt- selten zum Nutzen von Flora und Fauna. Nicht wirklich etwas läuft unter seiner Anwesenheit noch natürlich ab. Diesem Elend ansichtig zu sein und sich auf die natürlichen Vorgänge zu berufen finde ich irgendwie zynisch.


Das hätte ich nicht besser ausdrücken können.

Meine erste, gefühlsmäßige, Reaktion war: Selbstverständlich hätte man da helfen sollen!

Auf der anderen Seite: Ja es ist letzlich ein natürlicher Vorgang, wie er ständig in der Natur abläuft. Und wir wissen ja nicht, warum da passiert ist, welcher Sinn letztlich vielleicht dahintersteckt. Das ist auch richtig.

Aber auf der anderen Seite sehe ich es aber genauso wie du. Der Mensch greift sowieso permanent in die Natur ein, und das fast immer im negativen Sinne zum Nachteil der Natur. Das aktuelle Insektensterben und Artensterben im allgemeinen ist ja in diesem Umfang mit Sicherheit auch keine natürlicher Vorgang, sondern nur dem Raubbau an den natürliche Ressourcen unseres Planeten geschuldet.

Also ja, warum sollte der Mensch, wenn er die Möglichkeit dazu hat, nicht auch mal im positiven Sinn eingreifen?

Hab übrigens gestern oder vorgesten im Fernsehen gesehen, das Natürschützer ein Nest (ich glaube es waren Schwäne) auf eine schwimmende Plattform umgesetzt haben, das es drohte vom Hochwasser überschwemmt zu werden. Ich fand das sehr gut und es hat mich berührt, dass es zum Glück auch immer wieder Menschen (leider zu wenige) gibt, die freiwillig Mühe auf sich nehmen, um unsere Natur zu schützen und zu erhalten.


LG
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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon sol » Do 23. Mai 2019, 18:20

Hallo Velvet, so nah mit Webcam beobachtet, schmerzt die Auslese in der Natur, the survival of the fittest. Es schmerzt ja schon beim Lesen. Und ich finde keine allgemeingültige Antwort. Ich weiß, dass je mehr Junge eine Tierart bekommt, z.B. Meeresschildkröten, desto mehr hat die Natur dies eingerichtet, weil das Heranwachsen so lebensgefährlich für die Tausende von kleine Meeresschildkröten ist, die plötzlich alle gleichzeitig aus dem Sand des Strandes krabbeln und zum Meer eilen auf bereits lebensgefährlichem Weg.

Ich weiß auch, dass die Schönheit der in Ruhe gelassenen Natur, ihre Balance, auf der Auslese beruhend, zu fressen oder gefressen zu werden, funktioniert. Dann ist Sterben Nahrungsein für andere Raubtiere (Eulen sind selber Raubtiere und klauen in Nestern) oder Aasfresser oder Bakterien und Würmer und Milben und Pilze. Dann ist Sterben einfach Veränderung in andere Daseinsformen, denn kein einziges Atom geht verloren.

Und während die kleinen Eulenjungen sterben, frisst die Eulenmama eine Mäusemama.

Wir Menschen sind Hüter der Erde und Natur - eigentlich! Klar, dass wir uns vor Raubtieren schützen, die uns lange Erdenzeit jagten. Klar, dass wir selber oben an der Nahrungskette sitzen wollen wie jedes Raubtier. Klar, dass wir mit Medizin, Technologie und Wissenschaft uns die Krankheiten und das frühe Sterben vom Leib schaffen wollen.

Aber nachhaltig und nicht, indem wir die Naturgesetze ignorieren, denen wir niemals entkommen können.

Liebe Grüße! sol _flöwer_
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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon streunerin » Do 23. Mai 2019, 18:42

Wäre ich Kamerabetreiber, hätte ich nicht zuschauen können, ich hätte mich um die Jungen gekümmert.

Wenn in meinem Garten junge Vögel aus dem Nest gefallen sind und ich erkennen kann, dass die Eltern nicht mehr füttern, bringe ich die Piepmätze auch zum aufpäppeln zu einem Experten.
Der geistigen Menschen höchste Leistung ist immer Freiheit, Freiheit von den Menschen, von den Meinungen, von den Dingen, Freiheit zu sich selbst.

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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon fee » Fr 24. Mai 2019, 00:43

Konkret die Frage beantworten kann ich nicht spontan. Was mir aber spontan einfiel, ist eine Doku über Tschernobyl, die ich vor einigen Jahren sah. Dort wurde über die danach von Menschen nicht weiter berührte Flora und Fauna berichtet. Es hieß, dass sich diese tatsächlich von dem Unglück soweit "erholt" hatte, dass neues Leben entstanden ist insoweit, dass Tiere, die - ich erinnere mich leider nicht mehr ganz genau - schon als ausgestorben galten oder fast ausgestorben sind, dort "in Ruhe" sich fortpflanzen konnten. Die untersuchte Umgebung dort, also die Tiere und Pflanzen waren gesund, eben nicht verstrahlt.

Ich führe das hier an, weil diese Katastrophe eben durch das bittere Eingreifen des Menschen in die Natur geschehen ist. Durch das danach brach liegen und nicht weitere Eingreifen konnte sich die Natur fern von Menschenhand entfalten.

Hoffe, das führt jetzt nicht zu weit vom Thema ab.

Liebe Grüße von der fee :)
und mein Leben ist sehrwohl ein Ponyhof...
... kann ich ja nix dafür, wenn das da draußen nicht wahrgenommen wird.
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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon Velvet » Fr 24. Mai 2019, 16:40

Hallo ihr alle :),

ich freu mich sehr über eure interessanten Beiträge und Überlegungen zu meiner Frage, vielen Dank dafür.

Irgendwie bin ich erleichtert, dass die Tendenz in euren Antworten eher zu Hilfe und zum Eingreifen geht.
Ich bin grundsätzlich niemand, der die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten idealisiert und habe allein durch´s Beobachten vieler Tier-und vorrangig Vogel-Cams über Jahre hinweg viel dazugelernt. Vor allem darüber, was die Art der natürlichen Auslese betrifft, den unerbittlich und gnadenlosen Kampf ums Überleben, das- aus menschlicher Sicht- mitleid-und gefühllose, instinktive Tun und Lassen in der Tierwelt.

Ich weiß, dass wenn ich um ein Eulenküken weine, ich die komplette Szenerie wohl heillos fehlinterpretiere und mit menschlichen Emotionen überfrachte. Auch das kann, auf die Spitze getrieben, an der Tier-und Pflanzenwelt großen Schaden anrichten.

Nun lebt man ja aber weder im einen noch im anderen Extrem. Weder überlässt der Mensch der Natur ihre Gesetzmäßigkeiten und ihr Gleichgewicht, noch überbehütet und vermenschlicht er sie dermaßen, dass wildes Wachstum auf allen Ebenen ausgeschlossen ist. Es ist so ein Zwischending. Hier mal so, dort mal so und oft von allem ein bisschen. Und wir mittendrin, ja auch als Teil all dessen.

Im speziellen Eulenfall bin ich aber nach wie vor der Meinung, dass hätte geholfen werden müssen. Meinetwegen auch in der Form, dass das furchtbare Leiden verkürzt worden wäre. Einfach auch deshalb, weil wir als Zuschauer involviert und nicht unbeteiligt waren, Menschen sind, die nicht ausschließlich instinktiv leben und wir die Möglichkeit (Macht) gehabt hätten, Leid zu lindern oder zu beenden.

@Moondream

Mir begegnen auch ab und an solche Filme, in denen gezeigt wird, wie Menschen Tiere aus großer Not retten oder vorbeugend schützend handeln. Mich rührt so etwas sehr. Interessanter Weise sind die meisten Notsituationen aber erst durch Menschen entstanden oder provoziert worden. Im Fall der Schwäne ja eher nicht (...wobei Klimawandel?). Letztlich hätte man ja auch hier wieder der Natur ihren Lauf und das Nest überschwemmen lassen müssen.
Ich finde, dass genau auch dies das menschliche Sein ausmacht: die Fähigkeit zu Mitgefühl und eine daraus entspringende Hilfsbereitschaft ohne Eigennutz.


@sol

sol hat geschrieben:Ich weiß auch, dass die Schönheit der in Ruhe gelassenen Natur, ihre Balance, auf der Auslese beruhend, zu fressen oder gefressen zu werden, funktioniert. Dann ist Sterben Nahrungsein für andere Raubtiere (Eulen sind selber Raubtiere und klauen in Nestern) oder Aasfresser oder Bakterien und Würmer und Milben und Pilze. Dann ist Sterben einfach Veränderung in andere Daseinsformen, denn kein einziges Atom geht verloren.


Ja. Ich denke, das ist das Ideal und funktioniert nur unter der Prämisse, wie du auch schreibst, wenn die Natur in Ruhe gelassen wird. Ich kenne keinen Ort mehr auf der Welt, an dem die Existenz der Menschheit nicht Einfluss auf diese feine Balance nimmt und sie permanent zum Korrigieren zwingt. Und mittlerweile ist es ja so, dass natürliche Korrekturen vielerorts gar nicht mehr möglich sind, weil die Eingriffe des Menschen so übermäßig und schädigend sind/waren.


sol hat geschrieben:Wir Menschen sind Hüter der Erde und Natur - eigentlich!


Mir kommt da der Gedanke, dass die Erde/Natur gar keine Hüter bräuchte, gäbe es den Menschen nicht in der Form, in der es ihn heute gibt. Niemand beeinflusst und zerstört nachhaltiger das ökologische Gleichgewicht, als die menschliche Population. Da hat sich der Bock selbst zum Gärtner ernannt.


sol hat geschrieben:Aber nachhaltig und nicht, indem wir die Naturgesetze ignorieren, denen wir niemals entkommen können.


...weil wir ihnen selbst unterliegen. Ich sehe das Ignorieren dieser Tatsache als eine Hauptvoraussetzung dafür, sich selbst zunehmenden den Ast abzusägen, auf dem man sitzt.

@streunerin
Das find ich schön, dass du das machst. Und ich glaube, dass so was für viele andere Menschen zum Glück auch selbstverständlich ist. Gerade vor ein paar Tagen ist bei einem Nachbarn ein noch nicht flügges Falkenjunge unter dem Dachgiebel herabgefallen. Nachdem am Abend ersichtlich war, dass es wohl verletzt und von den Eltern unversorgt ist, fuhr der Nachbar es noch zu einer Hilfsstation.

@fee
fee hat geschrieben:Ich führe das hier an, weil diese Katastrophe eben durch das bittere Eingreifen des Menschen in die Natur geschehen ist. Durch das danach brach liegen und nicht weitere Eingreifen konnte sich die Natur fern von Menschenhand entfalten.

Hoffe, das führt jetzt nicht zu weit vom Thema ab.


Oh nein, ich mag das gern, wenn ein Thema sich verzweigt. Außerdem passt es sehr gut dazu.
Mich trösten solche Forschungsergebnisse und Beobachtungen, obwohl sie gegen die menschliche Einmischung sprechen. Es kommt wohl immer situativ darauf an, wie man sich persönlich entscheidet und wie Mensch sich insgesamt entscheidet, abhängig wohl auch davon, als wie schwer und vordergründig er seine eigenen Interessen und Bedürfnisse gewichtet.
Um´s Überleben geht es ja nicht wirklich mehr in der menschlichen Welt. Sonst würden wir uns nicht unsere eigenen Lebensgrundlagen entziehen.


Liebe Grüße an euch alle und ein erfreuliches Wochenende :)

Velvet
Zuletzt geändert von Velvet am Sa 25. Mai 2019, 08:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon streunerin » Fr 24. Mai 2019, 17:56

Vor Jahren hatten wir einmal einen sehr strengen Winter. Als ich morgens mit meinem Hund durch die tief verschneite Landschaft ging, entdeckte ich in der Ferne einen dunklen Fleck im Schnee. Der Fleck war dann ein ausgewachsener Mäusebussard, der mich ganz verängstigt ansah und beim Näherkommen fauchte. Äußere Verletzungen konnte ich nicht erkennen, er rührte sich aber nicht mehr von der Stelle.

Erst mal Hund anbinden und telefonieren, Fleisch organisieren. Nachbar lieferte Putenfleisch schön kleingeschnitten und nahm meine Fellnase mit nachhause. Es dauerte fast eine Stunde bis der Bussard mir vertraute und das erste Fleisch annahm. Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben, welches mich in diesem Moment durchflutete.
Spaziergänger kamen vorbei, meinten das Problem würde der nächste Fuchs lösen. Grrrr!!!
Nachdem der Bussard gestärkt war, traf auch schon mein Mann mit Lederhandschuhen und Transportkorb ein und dann brachten wir ihn zu einer Wildvogel-Auffangstation.
Ich würde das immer wieder so machen.


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Re: Hätte Mensch in die Natur eingreifen sollen?

Beitragvon sol » Fr 24. Mai 2019, 20:28

Hallo Velvet, ich merke, dass ich deine Themenfrage missverstanden habe. Ich dachte, es sei eine universelle Frage, festgemacht an dem einen Beispiel mit dem Eulennest.

Natürlich würde ich, (wenn mein Eingreifen nicht verhindern würde, dass die Euleneltern ihr Nest nicht mehr annehmen), die sterbenden Vogeljungen retten, auch wenn ich im Grunde dafür bin, der Natur ihren Lauf zu lassen. Aber beim Sterben zusehen könnte ich einfach nicht, dafür bin ich zu menschlich.

Ich dachte, mit der Frage ist unsere Entfremdung von der Natur gemeint, die so groß ist, dass wir uns nicht mal mehr als Teil dieser Natur sehen und, wie du schreibst, den Ast absägen auf dem wir sitzen.
In dem Sinne dachte ich, universell gesehen, dass die "Grausamkeit" der Natur in Sachen Sterben einen viel gesünderen Hintergrund und Kreislauf hat als unsere menschliche Grausamkeit, die vielleicht schwache Vogeljunge, die nicht lebensfähig sind, aufpäppelt und parallel dazu jeden Tag Tierarten aussterben lässt durch ihre unsägliche Ignoranz und Kaltblütigkeit.

Aber wie ich das lese, sind wir da alle einer Ansicht.

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