Immer weniger Gewalt in der Welt ...

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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Anima (Lufthauch) » So 23. Dez 2018, 12:11

Hallo, :-)

alice.d hat geschrieben:Auch objektiv betrachtet - ohne jetzt auf Zahlen einzugehen - muss man schon feststellen, dass in letzter Zeit die Welt sich zum Positiven entwickelt hat.

Kennt ihr den schwedischen Professor Hans Rosling?
Der ist ein genialer Statistik-Erklärer und hat diesen Satz von alice mit Zahlen und Fakten untermauert.

Er zeigt auf, wie wir Verzerrungen in unserer Weltsicht entwickeln durch fehlerhafte, d. h. nicht faktenbasierte, Informationsquellen:

wir stellen fehlerhafte Zusammenhänge hinsichtlich der Vergangenheit her, denken in nicht-repräsentativen, vorgefassten Denkweisen, nehmen das Negative aufmerksamer wahr als das Positive (vermutlich evolutionär begründet), verallgemeinern und ziehen voreilige Schlussfolgerungen und nehmen auch höchst-selektive Darstellungen in den Medien, die in der Hauptsache außergewöhnliche (negative) Ereignisse berichten, in uns auf.

All das verursacht in uns die negative Intuition „alles wird immer schlimmer auf der Welt“.
Er begründet nun mit Fakten: „Die meisten Dinge verbessern sich“, wenn man es denn realistisch und global betrachten würde.

Hier ein interessant-lustiger Link dazu:

„How not to be ignorant about the world“:

https://www.ted.com/talks/hans_and_ola_ ... ipt#t-3215

Also: Warum nicht auch mal von (faktenbasierten, aber wohlgemerkt nicht schöngeredeten!) Verbesserungen sprechen, auch wenn es immer noch furchtbare Dinge gibt? – Ich könnte mir vorstellen, dass das doch von Vorteil sein mag, um das „Gute“ in der Zukunft auch weiter und weiter zu entwickeln …

In diesem Sinne euch allen frohe Weihnachten! :-)

Anima
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Do 2. Mai 2019, 18:40

Hallo, :-)

zum Strang-Thema hier habe ich vor ein paar Tagen mal wieder einen interessanten Artikel in der ZEIT gelesen, geschrieben von einem Strafrechtsprofessor:

https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-0 ... ettansicht

Objektive Zahlen der Kriminalstatistik belegen, dass die Zahl der Gewalttaten zwar heute deutlich niedriger ist als vor 20 Jahren. Aber die meisten Menschen sind vom Gegenteil überzeugt, nämlich, dass es immer mehr Gewalt gibt. (Oder wie wird das hier im Forum eingeschätzt?)

Als Gründe für das Sinken von Gewaltkriminalität führt der Autor an:
In einer alternden Gesellschaft nimmt die Kriminalität ab.
Es gibt einen kollektiven Lernprozess, in dem nach den Schrecken des 2. Weltkriegs und der Nazi-Diktatur Gewalt weniger geduldet und Gewalt immer mehr geächtet wurde/wird.
Es gibt ein wachsendes gesellschaftliches Gewicht von Frauen und eine zunehmende gesellschaftliche Ablehnung von Gewalt gegen Frauen und Kinder.
Die Bedeutung von gewaltfreiem Umgang miteinander ist gestiegen angesichts dessen, dass gemeinsame Anstrengungen und Problemlösungen zur Rettung des Planeten notwendig sind.

Kurzes Zitat aus dem Artikel zu letzterem:
"Und obwohl die Nachrichten voller Meldungen sind von kriegerischen Konflikten und Massakern, sagen uns einige nüchterne Zahlen, dass die Menschheit tatsächlich immer gewaltabstinenter wird. Zum Beispiel die Zahl derer, die in Kriegsgefechten sterben. 1950 lag sie pro 100.000 Menschen noch bei 22 Toten – und war 2010 auf einen Wert deutlich unter eins gesunken. Er ist zwar danach noch einmal gestiegen, vor allem aufgrund des Krieges in Syrien. Aber nicht mehr über die Zahl von zwei Toten hinaus; also auf nicht einmal ein Zehntel dessen, was 1950 zu verzeichnen gewesen war."
Quelle: www.zeit.de, Gastbeitrag von Tonio Walter

Ich denke mir, das erlebt man tatsächlich gefühlsmäßig ganz anders, nicht wahr?

Warum nehmen wir trotz der realen Fakten an, dass alles immer schlimmer und gewalttätiger wird und die Gesellschaft immer mehr verroht?
Der Autor sieht die Ursachen darin, dass es eine gestiegene Sensibilität gegenüber allen Formen der Gewalt gibt, man nimmt daher Gewaltereignisse viel stärker wahr und reagiert auch emotional stärker darauf. Das wird zusätzlich durch selektive Wahrnehmung und fehlerhafte Erinnerungen an eine „bessere“ Vergangenheit verstärkt wie auch durch die selektive Berichterstattung in den Medien, wo sich eben mehr Auflage machen lässt mit dramatischen Kriminalitätsentwicklungen als mit Informationen zu positiven Entwicklungen.

Fazit des Autors, und ich finde, man könnte das tatsächlich so sehen:

"Auf einem sinkenden Schiff fühlt man sich nicht so wohl wie auf einem Dampfer, der den richtigen Kurs hat. Außerdem blockiert ein solches Untergangsempfinden Energien und Ideen, während das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, Kraft und Innovationen freisetzt. Sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen, die Fortschritte macht, ist ungleich motivierender als einem Niedergangssyndrom anzuhängen. Zumindest mit Blick auf die Kriminalitätsentwicklung gibt es für dieses Syndrom keinen Grund."
Quelle: www.zeit.de, Gastbeitrag von Tonio Walter

Oder doch ein anderer Gedanke: bringt es vielleicht auch Vorteile, Dinge (auch entgegen den Fakten) pessimistisch sehen zu wollen/müssen?
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Moondream » Di 14. Mai 2019, 08:59

Hallo Anima,

interessanter Artikel. Insbesondere finde ich die letzten beiden Abschnitte 'Das Dilemma der Medien' und 'Die Gefahren einer falschen Wahrnehmung ' wichtig und aufschlußreich. Diese Punkte werden in vielen anderen Artikeln zum Thema oft ganz weggelassen oder nur sehr oberflächlich am Rande erwähnt.

Ich sehe es ganz oft in meinem Umfeld, dass entgegen aller objektiv nachprüfbaren Fakten, viele Menschen zutiefts von einer ständigen steigenden Kriminalität und einer großen Bedrohung überzeugt sind. Sachliche Argumente werden dabei stets angezweifelt und scheinbare (aber oft nachprüfbar falsche) Argumnente als Gegenbeweis angeführt.

Ich frage mich schon lange, warum das so ist.

Zum einen sicher, das fast allemenschend ie Vergangenheit verklären. Man erinnert sich nun mal lieber an die positiven Dinge/Erfahrungen, die dann natürlich in den Erinnerungen übermäßig präsent sind. Die negativen Dinge werden meist verdrängt und geraten in Vergessenheit.

Aber ich denke, dass da gegenwärtig zumindest 2 weiter Faktoren eine große Bedeutung haben.

Zum einen die mittlerweile überpäsenten Medien aller Art, die selbst die kleinste Gewalttat aufgreifen, medial ausschlachten und gern auch aufbauschen um mehr Zuhörer/Leser/Zuschauer anzulocken. Da muß man sich angewöhnen, die Dinge zu hinterfragen und selbst in den richtigen Kontext zu setzen. Ansonsten wird man offenbar wirklich leicht von dieser Geahren- und Terrorhysterie angesteckt.

Und dazu passt dan indirekt auch der aus meiner Sicht wichtigste Punkt.
Ich denke dass diese Kriminalitätsangst und Terrorhysterie in gewissen Grenzen auch politisch gewollt ist und von daher auch zusätzlich befeuert wird.
Angst macht bekanntermaßen gefügig und manipulierbar. Und damit kann man zusätzliche (aber eigentlich unnötige) Polizeibefugnisse und ausufernde Überwachung scheinbar sehr gut begründen und druchsetzen.
Zum Glück hat das in Deutschland (noch) nicht die ausufernden Maße angenommen, wie in anderen Ländern Europas und den USA. Aber der Trend dahingehend ist deutlich erkennbar.
Und davor habe ich, ehrlich gesagt, viel größere Angst als vor der angeblich so hohen Kriminalität. Nämlich vor dem damit einhergehenden Abbau der bürgerlichen Freiheiten und einem schleichenden Übergang zu einem Überwachungsstaat. (Kleine Anmerkung: ich bin in der DDR aufgewachsen und kann die Folgen von Überwachung durchaus beurteilen. Und über die heutigen Möglichkeiten hätte sich das MfS sicher wahnsinnig gefreut.)
Ich liebe meine Freiheit und möchte diese keinesfalls für eine scheinbar höhere Sicherheit eintauschen. Ich möchte so leben und denken wie ich es für richtig halte, nicht wie eine (mögliche) konformistische Gesellschaft mir gern vorschreiben möchte.

Und wie das Ganze funktioniert, sieht man aktuell zum Beispiel in den Ländern, in denen Möchtegernautokraten wie Erdogan, Orban oder auch ein Donald Trump das Sagen haben. Und auch in Deutschland gibt es durchaus politische Kräfte die fröhlich in dieses Horn tuten, vora allem die AfD und zum Teil auch CDU/CSU. Hier wird die (scheinbar hohe) Kriminalitäts- und Terrorgefahr gern angeführt um immer stärkere Überwachung, Ausweitung der Befugnisse von Polizei und Geheimdiensten und zunehmende Beschränkung der Grundrechte und Freiheiten zu fordern und zu verargumentieren.

darum hier die auch heute noch aktuellen Zitate von Benjamin Franklin:
"They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety."
und
"Sell not virtue to purchase wealth, nor liberty to purchase power."

Ich persönlich denke, das die mittel- und langfristigen Gefahren für unsere Gesellschaft durch diese Falschwahrnehmung der Kriminalitäts- und Terrorgefahr größer ist, als viele denken.

Was meint ihr dazu?

LG
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Calmo » Di 14. Mai 2019, 11:40

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Objektive Zahlen der Kriminalstatistik belegen, dass die Zahl der Gewalttaten zwar heute deutlich niedriger ist als vor 20 Jahren. Aber die meisten Menschen sind vom Gegenteil überzeugt, nämlich, dass es immer mehr Gewalt gibt. (Oder wie wird das hier im Forum eingeschätzt?)


In den Kriminalitätsbeiträgen aus den Mediatheken ist deutlich entnehmbar, dass es nicht die Anzahl der Gewalttaten ist, sondern die Brutalität (einzelner) Taten, auch bei "kleinen" Delikten, die zunimmt bzw. gestiegen ist. Das prägt sich stark ein.

Beim Terrorismus ist es ähnlich. Mittlerweile gibt es mehr sogenannte "weiche Ziele", d.h. Zivilisten als Opfer anstatt Politiker oder Wirtschaftpersonen (Stichwort RAF), die den Staat repräsentieren und zu welchen der Zuschauer noch eine gefühlte Distanz hat als zu "unschuldigen Zufallsopfern" auf der Straße. Typisches Bsp.: homegrown terrorism

https://www.bpb.de/politik/extremismus/ ... eitsrisiko
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Lampe » Di 14. Mai 2019, 14:48

@Calmo: Wenn Du Dich schon nur auf den "homegrown terrorism" beziehst, dann darfst Du auch nicht die anderen beiden Formen des (gewalttätigen) Extremismus neben dem Islamismus verschweigen, die da sind: Rechtsextremismus, Linksextremismus.

Sonst könnte man nämlich den Eindruck kriegen, dass da jemand speziell eine gewisse Volksgruppe, pauschal alle muslimischen Ausländer, an den Pranger stellen will. Es ist ja grade Wahlkampf ...

Calmo hat geschrieben:In den Kriminalitätsbeiträgen aus den Mediatheken ist deutlich entnehmbar, dass es nicht die Anzahl der Gewalttaten ist, sondern die Brutalität (einzelner) Taten, auch bei "kleinen" Delikten, die zunimmt bzw. gestiegen ist. Das prägt sich stark ein.


Was genau meinst Du mit "den Kriminalitätsbeiträgen aus den Mediatheken"?
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Moondream » Di 14. Mai 2019, 15:58

Calmo hat geschrieben:In den Kriminalitätsbeiträgen aus den Mediatheken ist deutlich entnehmbar, dass es nicht die Anzahl der Gewalttaten ist, sondern die Brutalität (einzelner) Taten, auch bei "kleinen" Delikten, die zunimmt bzw. gestiegen ist. Das prägt sich stark ein.


Welche Mediatheken ? Ist das wirklich belegbar? Ich habe den Eindruck das es sich dabei auch eher um eine gefühlte Zunahme der Brutalität gibt. Natürlich gibt es einzelne, zum Teil auch sehr brutale Taten, aber das ist meiner Ansicht kein neues Phänomen. Und meiner Meinung nach sind viele solcher Beiträge zudem auch eher schlecht recherchiert, oft sehr reißerisch aufgemacht und überdramatisieren die Lage gern. Es geht dabei auch oft um Einschaltquoten und Klickzahlen und 'bad news' verkaufen sich nun mal besser, das sollte man immer im Hinterkopf haben. _gruebel_

Natürlich gibt es Kriminalität und Gewalt schon immer und wird es immer geben. Leider. Aber derzeit sehe ich da stellenweise eine Art kollektive Hysterei, die durch nichts gerechtfertigt ist. Sachliche Vorsicht und Aufklärung wäre das sicher besser, verkauft sich aber schlecht.

Und ich verlasse mich da nicht nur auf unsere Medien und Hörensagen sondern habe z.B. auch die Kriminalitätsstatistik und einige entsprechende Studien (z.B. Dunkelfeldstudie) gelesen.

Calmo hat geschrieben:Beim Terrorismus ist es ähnlich. Mittlerweile gibt es mehr sogenannte "weiche Ziele", d.h. Zivilisten als Opfer anstatt Politiker oder Wirtschaftpersonen (Stichwort RAF), die den Staat repräsentieren und zu welchen der Zuschauer noch eine gefühlte Distanz hat als zu "unschuldigen Zufallsopfern" auf der Straße. Typisches Bsp.: homegrown terrorism


Auch hier wird die aktulle Situation aus meiner Sicht oft überdramatisiert (Wen wundert's? Schließlich lassen sich so Überwachung und Ausweitung der Polizei- und Geheimdienstbefugnisse wunderbar begründen. Und die Nachrichten verkaufen sich so auch besser.)

Wenn man aber mal etwas zurückschaut, findet man leicht heraus, dass in den 70er bis frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts deutlich mehr Menschen in Mitteleuropa jährlich durch Terroranschläge ums Leben gekommen sind, als in den letzten 10 Jahren. Und auch da gab es schon reichlich unschuldige Zufallsopfer. Also auch nichts wirklich Neues. Letztendlich ist die Terrorgefahr für uns persönlich (ich spreche hier von den Menschen in Europa und Deutschland) objektiv geringer als vor 40 Jahren. Auch wenn die gegenwärtige Terrorhysterie uns etwas anderes glauben machen will. _%_

guckstduhier https://www.watson.ch/wissen/schweiz/982459207-terror-in-europa-und-der-schweiz-seit-1970-diese-fakten-sollte-man-kennen
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mi 15. Mai 2019, 19:40

Danke, Moondream, für die Denkanstöße und auch für den Link zur Terrorismusstatistik. :-)

Natürlich ist jede Gewalttat und jeder Terrorakt eine/r zu viel, und jede auch wiederkehrende bedrohliche Situation (aktuell USA – Iran) mit real angstauslösenden Gefühlen verbunden.

Aber ich finde auch, dass Fakten helfen können, zu überprüfen, inwieweit an den Gefühlen jeweils etwas dran ist oder auch nicht.

Und das sehe ich wie du auch als eine sehr interessante Frage an:
Moondream hat geschrieben:Und dazu passt dan indirekt auch der aus meiner Sicht wichtigste Punkt.
Ich denke dass diese Kriminalitätsangst und Terrorhysterie in gewissen Grenzen auch politisch gewollt ist und von daher auch zusätzlich befeuert wird.
Angst macht bekanntermaßen gefügig und manipulierbar. Und damit kann man zusätzliche (aber eigentlich unnötige) Polizeibefugnisse und ausufernde Überwachung scheinbar sehr gut begründen und druchsetzen.


Genau diese Frage: Cui bono, wem nützt’s? Wem nützt das „Geschäft“ mit der Angst? – Menschen überhaupt Angst vor irrealen, bzw. übersteigert dargestellten Gefahren einzujagen, finde ich per se schon mal übel, aber das als Manipulationsstrategie für die eigenen Zwecke zu verwenden, macht es eher noch übler.
Somit könnte die durchaus notwendige Abwägung von Sicherheitsaspekten gegenüber Freiheitsrechten dann mittels einer übertriebenen Angst-„Argumentation“ in eine Schieflage gebracht werden, die dem Bürger schlussendlich mehr Nach- als Vorteile beschert ...

Und worin ich bei der Methode der Fakten-Verzerrung auch noch einen längerfristigen Schaden sehen würde, ist folgendes:
1. Übertriebene Darstellungen, die vielleicht vorerst noch nicht so sehr ins Gewicht fallen mögen, könnten den Boden für noch weitergehende falsche und polarisierende „Informations“-Verläufe, incl. Verschwörungstheorien und Transport von Feindbildern, bereiten.
2. Werden Informationen als übertrieben oder gar als fake news aufgedeckt, glaubt man vielleicht irgendwann gar nichts mehr von offiziellen Stellen (Polizei) oder offiziellen Berichterstattern (Medien) oder Funktionsträgern (Politik) und wendet sich anderen, wenn auch noch viel irrationaleren „Informations“-Kanälen zu, die dann Menschen in ganz undemokratische Richtungen beeinflussen könnten. _gruebel_

Viele Grüße! :-)
Anima
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Moondream » Do 16. Mai 2019, 07:55

Hallo Anima,

auch ich finde die aktuelle Situation ( Die Esakalation USA - Iran, aber auch generel die Situatuon im Nahen/mittleren Osten und den aufkommenden Handelskrieg USA-China) als sehr bedrohlich, aber ich versuche auch immer die Fakten und Hintergründe zu verstehen um mir eine eigenes Bild zu machen.
Natürlich hat das alles auch Auswirkungen auf uns, aber man sollte diese auch sachllich und ohne Panikmache benennen. Und das vermisse ich zur Zeit in den Medien und auch bei vielen Politikern.

Anima hat geschrieben:Und worin ich bei der Methode der Fakten-Verzerrung auch noch einen längerfristigen Schaden sehen würde, ist folgendes:
1. Übertriebene Darstellungen, die vielleicht vorerst noch nicht so sehr ins Gewicht fallen mögen, könnten den Boden für noch weitergehende falsche und polarisierende „Informations“-Verläufe, incl. Verschwörungstheorien und Transport von Feindbildern, bereiten.
2. Werden Informationen als übertrieben oder gar als fake news aufgedeckt, glaubt man vielleicht irgendwann gar nichts mehr von offiziellen Stellen (Polizei) oder offiziellen Berichterstattern (Medien) oder Funktionsträgern (Politik) und wendet sich anderen, wenn auch noch viel irrationaleren „Informations“-Kanälen zu, die dann Menschen in ganz undemokratische Richtungen beeinflussen könnten. _gruebel_


Ich denke das passiert aktuell schon an vielen Stellen.

Bei diesen Überlegungen fällt mir immer wieder ein (schon etwas älterer aber eigentlich immer noch brandaktuller) Song ein. Und das gilt nicht nur für 'America':

https://www.youtube.com/watch?v=Ee_uujKuJMI

(der Text leider an 2 stellen auf Youtube zensiert...) _gruebel_

Die Medien (ich meine da nicht nur klassischen Medien, auch Facebook und Co. haben da mittlerweile einen nicht zu vernachlässigenden Einfluß, denke ich) verbreiten eine Kriminalitäts und Terrorhysterie ( "... Don't want a nation under the new media, And can you hear the sound of hysteria?, The subliminal mind-fuck America...").
Und viele ganz normale Menschen fallen darauf rein und verbreiten das ganze unreflektiert ( "...Now everybody do the propagand And sing along to the age of paranoia..."). Und genau das verstärkt die Wirkung zusätzlich noch erheblich. Die Objektive Wahrheit und die Fakten, die ja oft ganz trivial und langweilig sind, gehen darin dann irgenwann unter.

Das ist eine Entwicklung die ich derzeit an vielen Stellen sehe und sehr bedenklich finde.

LG
Moondream
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Lampe » Do 16. Mai 2019, 08:11

Hi Anima

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:2. Werden Informationen als übertrieben oder gar als fake news aufgedeckt, glaubt man vielleicht irgendwann gar nichts mehr von offiziellen Stellen (Polizei) oder offiziellen Berichterstattern (Medien) oder Funktionsträgern (Politik) und wendet sich anderen, wenn auch noch viel irrationaleren „Informations“-Kanälen zu, die dann Menschen in ganz undemokratische Richtungen beeinflussen könnten. _gruebel_


kannst Du mal ein Beispiel für übertriebene Mitteilungen/Fake News durch die Polizei geben? Ich kann mir darunter nichts vorstellen.

LG

Lampe
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Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Do 16. Mai 2019, 09:14

Hi Lampe,

nur kurze Info bzw. Verweis auf meinen verlinkten Artikel von oben
https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-0 ... ettansicht

siehe Abschnitt: "Das Dilemma der Polizei".

O. k. so?

LG
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