Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Calmo » Do 16. Mai 2019, 11:11

Lampe hat geschrieben:@Calmo: Wenn Du Dich schon nur auf den "homegrown terrorism" beziehst, dann darfst Du auch nicht die anderen beiden Formen des (gewalttätigen) Extremismus neben dem Islamismus verschweigen, die da sind: Rechtsextremismus, Linksextremismus.

Sonst könnte man nämlich den Eindruck kriegen, dass da jemand speziell eine gewisse Volksgruppe, pauschal alle muslimischen Ausländer, an den Pranger stellen will. Es ist ja grade Wahlkampf ...


Ich denke nicht, dass ich irgendetwas muss, weil du mich hier in eine Rechtfertigunglage bringst und nicht von irgendwelchen Dritten, die du als "man" bezeichnest, abhängig bin. Wer soll "man" überhaupt sein? Muss ich mich aus irrationalen Ängsten hier jetzt rechtfertigen, kein Rechter zu sein? Weil andere über mich denken könnten, dass....
Ja, was denn überhaupt? Und was ist das eigentlich für eine Art, jemanden so ad hominem in einer Diskussion anzugehen?

Ebenso könntest du Moondream fragen, was er/sie die ganze zeit mit "den Medien", die uns angeblich mit Ängsten stark manipulieren, meint. Da fragst du aber nicht genauer nach - so als wäre es klar. Gehört ihr zusammen, dass du hier nicht nachbohrst?

Da du Moondream nicht fragst, frage ich selbst.

Moondream, was meinst du gemau mit "den Medien" die andere/Dritte und "uns" angeblich mit ihren eigenen irrationalen Ängsten stärker manipulieren als dich?
Jeder, der beruflich auch nur am Rande etwas mit Medien am Hut hat, lernt als erstes etwas über die üblichen Vorurteile und Verschwörungstheorien, zu welchen der Mensch neigt. Jeder glaubt nämlich, er sei besser und seriöser indformiert als Dritte, die nur BILD-Zeitung lese und Privatfernsehen schauen und populistisch denken. Das alles geht auf das Thomas-Theorem zurück. Man spricht anderen also Intellekt und Moral ab, obwohl Intelligenz noch immer mit einer Standardabweichung vom 15 normalverteilt ist und zu Manipulation immer noch zwei Parteien gehören. Andere sind nicht grundlegend dümmer, leichter durch angeblich irrationale Ängste manipulierbar oder schlechter informiert als ihr, Lampe und Moondream. Auch wenn Lampe dies mit seinen Einlassungen an meine Person, also ad hominem, scheinbar Glauben machen möchte, indem er/sie mich in eine Rechtfertigungsposition bringt. Dabei ist genau Lampes Duktus Manipulation, da jemand rhetorisch zur Rechtfertigung aufgefordert wird, in diesem Thread ich als Person. Da ich diese Doppelmoral in Diskussionen nicht mag, schreibe ich hier nichts mehr. (Vielleicht ist es sogar typisch hs, zu glauben, andere hätten weniger Durchblick als man selbst. Diese - vielleicht sogar überhebliche? - Haltung mir hier in vielen Diskussionen - auch hier!- nämlich schon oft begegnet, ist aber eine andere Baustelle. icon_winkle )
"Genereller sozialwissenschaftlicher Hintergrund des TPE ist das ,Thomas-Theorem‘, welches besagt, dass (korrekte oder falsche) Annahmen über soziale Tatsachen reale Konsequenzen haben (Thomas/Thomas: 1928: 572). Es ist also nicht (nur) entscheidend, welchen Einfluss mediale Inhalte tatsächlich auf Menschen ausüben, sondern vielmehr, welcher Einfluss medialen Inhalten unterstellt wird."

http://journalistikon.de/third-person-effekt/

Lampe hat geschrieben:Was genau meinst Du mit "den Kriminalitätsbeiträgen aus den Mediatheken"?


Mediatheken: Ard, ZDF. Beiträge aus "Aktenzeichen XY" und beispielsweise mit J. Rakers.

Viel Spaß beim Diskutieren!
"Erziehung ist eine Zumutung, Bildung ein Angebot."

Niklas Luhmann
Calmo
Neuling
 
Beiträge: 27
Registriert: Sa 30. Mär 2019, 16:47

Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Moondream » Do 16. Mai 2019, 13:49

Hallo Calmo,

zunächst erst einmal find eich es gut, das du Dinge hinterfragst. Das ist nämlich meiner Erfahrung nach nicht selbstverständlich.

also.
Calmo hat geschrieben:Moondream, was meinst du gemau mit "den Medien" die andere/Dritte und "uns" angeblich mit ihren eigenen irrationalen Ängsten stärker manipulieren als dich?

Ich meine hier mit Medien natürlich nicht nur die klassischen Medien (Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen) sondern natürlich auch die neuen Medien wie Facebook, Youtube e.t.c.
Und es geht (bei den meisten Medien) eher darum, dass negative Meldungen über Kriminalität, Gewalt e.t.c. oft sehr präsent und reißerisch aufbereitet und vermarktet werden. Dadurch erscheint das ganze überpräsent und bedrohlicher. Irgendwie scheint das bei den meisten Menschen besser anzukommen und bereitwilliger aufgenommen zu werden als die schnöde und sachliche Realität. Ich sehe da bei den Medien nicht mal unbedingt eine böse Absicht und schon gar keine Verschwörung. Es geht letztendlich um Marktanteile und viel Geld, da kann die Wahrheit schon mal etwas verbogen werden, z.B. von der Bildzeitung ist das ja hinlänglich bekannt.
Am stärksten traue ich da noch den öffentlich-rechtlichen. Auch dort passieren Recherchefehler und zuweilen sind die Berichte von persönlichen Meinungen der Reporter eingefärbt, schließlich arbeiten dort ja auch nur Menschen. Aber es fehlt der Druck Gewinn zu machen.

Aber:
Ganze, selbst an sich ganz harmlose Meldungen, werden oft von anderen Medien (dazu zähle ich auch die neuen Medien) aufgegriffen, weiter dramatisiert (manchmal auch komplett verfälscht) und verbreitet.
Mal als extremes Beislpiel: https://www.swp.de/politik/inland/die-fake-nacht-von-dortmund-23288109.html.

Und Ende letzten Jahres gab es eine Studie (finde ich auf die Schnelle nicht, war u.a. bei Heise zu lesen), die zu der recht interessanten Erkenntnis kam, das solche reisserischen Falschnachrichten in sozialen Medien etwa 4 mal häufiger geteilt und auch geglaubt werden, als die eher langweilige Wahrheit.
Und da sehe ich bei den Medien ein große Verantwortung, der nicht alle immer gerecht werden. Natürlich hat jeder von uns auch eine gewisse Verpflichtung die Dinge zu hinterfragen, sich ein eigenes Bild zu machen und nicht einfach Dinge unreflektiert nachzuplappern. Du machst das ja offenbar genau so wie ich. Das da eventuell unterschiediche Ansichten und Schlußfolgerungen daraus entstehen ist dabei ja absolut positiv zu sehen. Nur so kann man seine eigene Ansicht reflektieren und weiterentwickeln. Meiner Erfahrung nach hinterfragen leider viel zu viele Menschen solche Dinge aber eben nicht.

Und ja, die Zusammenhänge sind oft sehr komplex. Und da hakt dann der Populismus mit seinen scheinbar einfachen Lösungen und Antworten ein. Aber das ist eigentlich schon ein anderes Thema.

Vielleicht noch ein anderes Beispiel:
Wenn man die Medien (und die Äußerungen einiger, insbesondere konservativer bis rechter, Politiker) in den letzten Jahren verfolgt hat, so entsteht leicht der Eindruck, dass wir in Europa und Deutshcland vor einer terroristischen Bedrohung ohne Beispiel stehen und in den letzten Jahren Europa duch nie dagewesene Terroranschläge erschüttert wurde. Und früher war sowieso alles besser. Wirklich? Man kann das natürlich einfach glauben, oder selber recherchieren.

dann könnte man z.B. das finden:
https://www.watson.ch/wissen/schweiz/982459207-terror-in-europa-und-der-schweiz-seit-1970-diese-fakten-sollte-man-kennen

Und genau da versagen Medien und Politik grandios. Man greift die aktuellen und tatsächlich auch furchtbaren Anschläge der letzten Jahre auf, berichtet sehr dramatisch darüber, aber vermeidet es, diese in die richtigen Zusammenhänge zu setzten und zu erklären. Hält man die Menschen etwa für zu doof komplexe Zusammenhänge zu erkennen und zu bewerten?

Bei den Medien sehe ich da nur ein Versagen, sei es aus Faulheit, Zeitmangel, Gewinnorientierung oder fehlendes Vertrauen in das Verständnis der Menschen. Zumindes bei den öffentlich rechtlichen und den meisten Privaten.

Bei der Politik sehe ich dagegen durchaus Kalkül. Schließlich lässt isch unter dem Deckmantel 'Terrogefahr' eine Einschränkung der Bürgerrechte und immer stärker Überwachung gut begründen und Konformismus durchzudrücken.

https://www.grin.com/document/171414

Und nein, Lampe und ich gehören nicht zusammen, vielleicht haben wir nur zu einigen Dingen eine ähnliche Meinung.


LG
Moondream
Zuletzt geändert von Moondream am Do 16. Mai 2019, 13:52, insgesamt 1-mal geändert.
Nur, weil es viele tun, muss es nicht richtig sein. Nur, weil es wenige tun, muss es nicht falsch sein.
Benutzeravatar
Moondream
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 79
Registriert: Fr 1. Mär 2019, 14:47
Wohnort: Halle/Saale

Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Moondream » Do 16. Mai 2019, 13:52

hab ich grade noch gefunden, eine Schöne Doku die mal aufzeigt, wie manipulation ( auch in den Medien) funktioniert.

https://youtu.be/0obDIkEDUtU
Nur, weil es viele tun, muss es nicht richtig sein. Nur, weil es wenige tun, muss es nicht falsch sein.
Benutzeravatar
Moondream
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 79
Registriert: Fr 1. Mär 2019, 14:47
Wohnort: Halle/Saale

Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Fr 17. Mai 2019, 08:47

Hallo Moondream,

Moondream hat geschrieben:auch ich finde die aktuelle Situation ( Die Esakalation USA - Iran, aber auch generel die Situatuon im Nahen/mittleren Osten und den aufkommenden Handelskrieg USA-China) als sehr bedrohlich, aber ich versuche auch immer die Fakten und Hintergründe zu verstehen um mir eine eigenes Bild zu machen.
Natürlich hat das alles auch Auswirkungen auf uns, aber man sollte diese auch sachllich und ohne Panikmache benennen. Und das vermisse ich zur Zeit in den Medien und auch bei vielen Politikern.


Ich favorisiere auch, wenn’s irgend geht, Besonnenheit und Vernunft - statt Angstmache, Panik, Hysterie und Paranoia mitzumachen. Von daher ja auch das Strangthema.
Nicht gleich auf emotionale Züge aufzuspringen, bringt natürlich viel Zweifelei und Hinterfragen mit sich. Einfache Antworten sind mir in der Regel eher suspekt.
Dass man tunlichst nicht alles so glauben kann/soll, was einem so serviert wird, sieht man ja auch in deinem aufschlussreichen Link „Im Land der Lügen“, wie Daten und Statistiken durch Fehlinterpretationen zum Nutzen von verschiedensten Interessengruppen eingesetzt und verzerrt dargestellt werden. (Sehr sehenswert. :-) )
Ja, finde ich gut, mit zu bedenken, was immer mal so hinter dem Wust an Informationen steckt! S. o. „wem nützt’s“ ist eine oft erhellende Frage, um nicht Fehlinformationen und Trugschlüssen aufzusitzen.

Die interessante Anmerkung, die Calmo mit dem Third-person-effect angesprochen hat (die Wahrnehmungsverzerrung: andere seien stärker von den Medien beeinflusst als man selbst), braucht man ja nicht außer Acht zu lassen. - Es ist sicher richtig, wenn man versucht, als first-person (d. h. ohne Vergleich mit anderen) im Informationsdschungel kritisch zu bleiben.

Insgesamt betrachtet, denke ich mal, man rekurriert am besten auf unabhängige, neutrale Institutionen (in deinem Link wurde ja beispielweise die Cochrane Collaboration genannt, die wissenschaftliche Grundlagen im Gesundheitssystem bewertet), die Daten sichten und nicht durch Abhängigkeiten vorbelastet Informationen vermitteln.

Das betrifft in meinen Augen viele Dinge, z. B. auch: Wie sieht es mit den Spannungsfeldern Klimawandel-Leugner vs. Klimawandel-Hysterie aus oder auch Verharmlosung einer rechtsextremen Gefahr vs. Panik vor der rechtsextremen Machtübernahme?
Sollte man sich auch da in seinen Einschätzungen auf so viel Faktenwissen wie möglich stützen und das Moralisch-Emotionale nicht allzu sehr in den Vordergrund stellen?

Schönen Tag! :-)
Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 921
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Immer weniger Gewalt in der Welt ...

Beitragvon Moondream » Mo 20. Mai 2019, 21:50

Hallo Anima,

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Das betrifft in meinen Augen viele Dinge, z. B. auch: Wie sieht es mit den Spannungsfeldern Klimawandel-Leugner vs. Klimawandel-Hysterie aus oder auch Verharmlosung einer rechtsextremen Gefahr vs. Panik vor der rechtsextremen Machtübernahme?

Ich verfolge das ganze aufmerksam, versuche mir eine möglichst faktenbasierte Meinung zu bilden und in meinem Umfeld bei Diskussionen eher die vermittelnde Rolle einzunehmen. Leider sehe ich oft, besonders in diversen Foren (z.B. bei Heise), das gerade bei den o.g. Themen sofort die beiden extremen Lager die Kontrolle über die Diskussion übernehmen, sich mit teilweise unterirdischen Ausdrücken gegenseitig niedermachen und so die gemäßigten Töne übertönen und quasi niederschreien. Das macht mich oft betroffen, da so eine vernünftige Diskussion um das eigentliche Thema meist schnell abgewürgt wir und statt Fakten schnell ideologische Dogmen diskutiert werden.


Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Sollte man sich auch da in seinen Einschätzungen auf so viel Faktenwissen wie möglich stützen und das Moralisch-Emotionale nicht allzu sehr in den Vordergrund stellen?

Ich denke ja. Oder zumindest mehrere Quellen heranziehen und vergleichen, idealerweise von seriösen Medien oder unabhängigen Institutionen. Und vor allem sollte man auch immer versuchen das Ganze unter Ethischen Gesichtspunkten zu bewerten. Die emotionale und moralische Komponente ganz auszuklammern geht nicht, wir sind alle Menschen und jeder hat moralische und emotionale Werte die er da mit einbringt, das geht gar nicht anders. (ausser man ist ein Vulkanier oder ein Androide :-) ). Trotzdem sollte man immer bedenken das Moral (auch die eigene) im Gegensatz zur Ethik nicht absolut, sondern sehr variabel ist.


Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Nicht gleich auf emotionale Züge aufzuspringen, bringt natürlich viel Zweifelei und Hinterfragen mit sich. Einfache Antworten sind mir in der Regel eher suspekt.

Das ist richtig, aber ich bin schon immer jemand der dinge gern infrage stellt und anzweifelt. Und einfache Antworten sind einfach of zu schön oder auf den ersten Blick zu angenehm um real zu sein... _%_

LG
Moondream
Nur, weil es viele tun, muss es nicht richtig sein. Nur, weil es wenige tun, muss es nicht falsch sein.
Benutzeravatar
Moondream
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 79
Registriert: Fr 1. Mär 2019, 14:47
Wohnort: Halle/Saale

Vorherige


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Philosophische Fragen und Gedanken

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron