Ist das Ausleben von HS Luxus?

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Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon neko » Do 17. Jan 2019, 14:28

Einige Fragen geistern mir durch den Kopf.

Nicht jede HSP kann seine HS nach der Erkenntnis ausleben. Ist ein Ausleben von HS ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten können?

Nicht alle HSP können sich leise Wohnungen in ruhiger Umgebung leisten. Andere müssen einen belastenden Job ausüben um nicht arbeitslos zu sein. Manche HSP sind nicht vermögend und können sich keinen entsprechend entlastenden Lebensstil leisten. Selbst etwas ändern kann man nur bis zu einem bestimmten Punkt, nicht jeder kann sich einfach so eine Auszeit nehmen.

Was denkt ihr darüber?
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon Träumerle » Do 17. Jan 2019, 18:34

Hallo neko :-)

Eine gewisse Form von Luxus ist das Ausleben (dürfen) der HS für mich persönlich auf jeden Fall und mir tun all die HSP's leid, die das gar nicht können. Als Vorteil würde ich weniger Reize und dementsprechend weniger Reizüberflutungen nennen, dann noch eine vermutlich allgemein glücklichere Lebenshaltung. Zweifellos wünscht sich das doch so ziemlich jeder, dass man seine HS ausleben darf und die anderen akzeptieren das noch, ist das nicht herrlich? Es ist natürlich nicht unter materiellem Luxus, sondern unter ideellem einzuordnen und gerade deshalb etwas echt Kostbares. Wer seine HS im Alltag eher verstecken muss, hat es vielleicht schwieriger, aber das macht einen, wie ich finde, nur stärker und mutiger. Hingegen sollten die HSP's, die diesen Luxus genießen, diesen Luxus aber auch zu schätzen wissen und vor allem auf Situationen vorbereitet sein, die mal außerhalb ihres gewohnten Bereiches sind, in denen sie dann auch mal das durchmachen, was andere HSP's ständig erleben. Was man meiner Meinung nach nicht sollte, ist es, sich hinter diesem Luxus zu verstecken und Däumchen zu drehen, denn es gibt immer zwei Seiten der Medaille. So sollte man auch auf schwierige Situationen, in denen es darauf ankommt, seine HS etwas beiseite schieben zu müssen, halbwegs vorbereitet sein, damit man als Luxus-HSP nicht zu schockiert von der vorherrschenden Situation ist.

Ich selbst sehe mich da als Mittelding und kenne Fälle, in denen ich meine HS nutzen und sogar gut gebrauchen kann, aber eben auch v. a. Stresssituationen, wo es viel zu erledigen gibt, oder Veranstaltungen, Reisen etc. mit eben viel Trubel. Und ich kann da nur sagen, am Gesündesten ist es, wenn man beide Seiten kennt. Das Auslebendürfen ist erstmal ein Bedürfnis einer jeden HSP und wenn sie es darf, ist sie normalerweise glücklich. Das Nichtauslebendürfen ist in meinen Augen aber auch ein wichtiger Bestandteil des Lebens, da man a) das Auslebendürfen somit mehr zu schätzen weiß und b) auch mal lernt, mit Herausforderungen und weniger einfachen Situationen umzugehen, was meiner Ansicht nach zur Lebenserfahrung einer jeden HSP dazugehört. Es ist einfach eine Sache des Umgangs mit dem Luxus, und der richtige ist für mich selbst ein dankbarer, genießerischer, wenn ich meine HS frei entfalten darf.

Das ist jetzt meine persönliche Meinung - von anderen kann sie natürlich auch sehr abweichen. :-)

Liebe Grüße,
Träumerle
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon fee » Do 17. Jan 2019, 22:37

Hallo neko,

neko hat geschrieben:Einige Fragen geistern mir durch den Kopf.

Nicht jede HSP kann seine HS nach der Erkenntnis ausleben. Ist ein Ausleben von HS ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten können?

Nicht alle HSP können sich leise Wohnungen in ruhiger Umgebung leisten. Andere müssen einen belastenden Job ausüben um nicht arbeitslos zu sein. Manche HSP sind nicht vermögend und können sich keinen entsprechend entlastenden Lebensstil leisten. Selbst etwas ändern kann man nur bis zu einem bestimmten Punkt, nicht jeder kann sich einfach so eine Auszeit nehmen.

Was denkt ihr darüber?


Ich finde nicht, dass eine HS–Person, die ihr Leben so gestalten kann, wie es ihr gefällt und sie sich wohl fühlt, impliziert, dass sie HS auslebt. Viele Menschen wissen ihr halbes oder dreiviertel und wie lange auch immer Leben lang nicht, dass sie HS sind. Trotzdem haben sie sich ihren Bedürfnissen hin eine Basis geschaffen, um sich wohl zu fühlen oder zufrieden zu sein oder sich gut zu fühlen. Oder sie sind dabei. Oder träumen davon wie es sein könnte und versuchen vielleicht sogar ihre Träume in die Realität umzusetzen. Das ist meiner Meinung nach kein Ausleben sondern sein Leben gestalten bzw. einfach nur leben.

Weiterhin ist es ja nicht so, dass es allen HSPs schlecht geht oder sie permanent ausschließlich unter HS leiden. Und was ist mit den Personen, die normalsensibl oder wenigsensibel sind, sich trotzdem z.B. ihre Wohnung so gestalten, wie sie es gerne haben, z.B. im Grünen? Sind ja nicht alle, die in einer ruhigen Umgebung leben zwingend HSP.

Ist es immer automatisch Luxus, wenn etwas z.B. materiell ist wie eine ruhige Wohnung, die vielleicht mehr Miete kostet, als die Wohnung über dem U–Bahnschacht, die dazu noch an der Hauptverkehrsstraße gelegen ist unmittelbar neben dem Schulgebäude, indem mehrere Schulen zusammengefasst sind und nicht schallschutzisoliert, unsaniert und — keine Ahnung was noch — im Partyviertel liegt? Ist es so, dass eine Person, die auf materiellen Luxus verzichtet, gleich so leben muss, dass sie im schäbigen Umfeld ihre Basis hat?

Luxus ist individuell. Etwas, was du als Luxus empfindest kann für mich unnützlich sein und damit von mir nicht mal Beachtung erhalten.

Ist es nicht eher Neid, die These aufzustellen, dass jemand, der sein Leben seine persönlichen Wünschen, Träumen hin gestaltet, im Luxus lebt? Und ist es nicht vielleicht Neid, weil jemand anderes das Leben einer anderen Person bewertet, vielleicht dieses Leben führen möchte, der anderen Person, es aber nicht kann?

Tatsächlich macht mich deine Frage sogar ärgerlich und beim Schreiben merke ich gerade, wie brastig ich gerade werde. Sehr interessant, darüber nachzudenken, warum ich das grade so empfinde...

... mag vielleicht daran liegen, dass ich mir mein Leben so aufgebaut habe, wie es mir passt, wie es mir gefällt und ich sehr glücklich bin. War alles jedoch, bevor ich mich neu kennenlernen durfte. Ich habe viel und hart dafür gearbeitet (in vielerlei Hinsicht und nicht nur Arbeit=Job), um an dem Punkt im Leben zu stehen, an dem ich jetzt bin. Ich bin der Meinung, dass jede Person, zumindestens in der industrialisierten, westlich geprägten Welt, Möglichkeiten und Chancen im Leben bekommt, Träume in Realität zu verwandeln. Das alles, ohne „über Leichen zugehen“. Und es mag daran liegen, dass es mich ärgerlich macht, da ich weiß, was ich dafür getan habe — würde ich auch wieder so tun auch wenn manches weniger schön war — und ich mir von niemandem absprechen lasse, dass es z.B. Luxus ist oder ich etwas Auslebe. Ja, ich koste mein Leben in vollen Zügen, darf aber jedes Wesen auch! Und ich lasse mir das nicht absprechen.....

So neko, jetzt würde mich jedoch noch interessieren, wie du deine eigene Fragen beantwortest, denn du hast ja nur gefragt, nicht jedoch deine Meinung bekannt gegeben. ;)

Und versteh mich bitte nicht falsch, ich bin nicht ärgerlich auf dich, sondern sind das meine Gefühle zu diesem Thema.

Also, herzliche Grüße und vielen Dank auch für das Thema!

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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon sol » Fr 18. Jan 2019, 00:43

Hallo neko, ich kann mir nicht aussuchen, ob ich mein HS lebe oder nicht. Ich bin in so vielen Sinnesbereichen hochsensibel, dass ich mir von Kleinauf in unbewusster Selbstregulation Schonräume des Rückzugs suchte und manche Aktivitäten meiden lernte, weil die Überreizung sonst richtig stark brannte und schmerzte.

So bestimmte mein HS auch meine Interessen und meine Berufswahl, nicht nur in Sachen Vermeidung von Überreizung, sondern auch im Sinne von Tiefgang zu mich tief berührenden Themen, die ich dann erst in wissenschaftlichem Beruf erforschte und später in therapeutischem Beruf wieder erdete und umsetzte.

Es ist schon in einem reichen Land wie Deutschland wunderbar, Interessen und Begabungen nachgehen zu können, ganz unabhängig von HS. Das ist sicherlich in dem Sinne ein Luxus.

Schonräume zu finden war überlebensnotwendig. Dass ich den Raum hatte, sie selber zu finden, verhinderte, dass ich vor Erschöpfung und Überreizung krank wurde.

Jedes Mal nämlich, wenn beruflich oder familiär keine Zeit zum Rückzug blieb, endete das in einer Erschöpfungsdepression.

Jetzt, mit fast 60 Jahren, lebe ich ein Leben, das erst gar nicht zur Überreizung und Erschöpfung führt und in dessen Schonräumen ich auch entspannt meinen Interessen nachgehe neben leichteren Alltagspflichten. Das ist ein Luxus im Vergleich zu allen, die dies nicht können. Das ist aber auch das, was mich vor Depressionen schützt. Es ist also auch gesundheitlichch nötig.

So ist es ein Luxus verglichen mit denen, die trotz Depressionen ständig weiter überfordert und ausgebrannt werden. Also im Grunde kein Luxus, sondern schlimm genug, dass viele krankmachend leben müssen.

Und ich sehe da noch einen Aspekt.

Als ich Jahrzehntelang nur ahnte, aber nicht ernst nahm und auch nicht umfassend begriff, HSP zu sein, fiel mir natürlich schon unangenehm auf, wieviel Zeit ich zurückgezogen mit Lesen und Schreiben verbrachte, um wieder fit und ausgeglichen zu werden und dass ich nur halbtags arbeiten konnte ohne krank zu werden.

Da gingen mir schon auch Gedanken wie "Luxusweichei"oder "Wohlstandsdegeneriert" durch den Kopf, denn ich verstand es ja selber nicht.

Seit ich von meinen HS und ADHS weiß und mir deren Bedeutung erarbeitet habe, sehe ich natürlich genau das Gegentei: Wie zielstrebig und wie schmerzvoll und unermüdlich ich trotz meiner Belastbarkeitseinschränkungen im Alltag blieb in Beruf, Familie und Freizeit.

Also unterm Strich: Nein, ich lebe keinen HS-Luxus aus gemessen an meiner HS-Biografie, aber es ist sehr schlimm, dass viele Menschen krankmachend leben müssen bzw. ohne ihren Interessen und Begabungen nachzugehen.
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon izmi » Fr 18. Jan 2019, 08:34

Hm ausleben, komisches Wort...klingt so wie ein Hobby.

Ich versuche halt, mein Leben so zu arrangieren, dass ich halbwegs klarkomme. Das ist schon schwierig genug.
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon neko » Fr 18. Jan 2019, 12:59

Hallo Ihrs,

vielen Dank für Eure Antworten, ich lasse sie erst mal so stehen.

Verärgern wollte ich übrigens niemanden und mir ist auch klar, dass die Wortwahl etwas schwarz-weiß erscheint. Habe mich allerdings absichtlich kurz gefasst um zu lesen, was die unterschiedlichen Meinungen und Erfahrungen sind, die Ihr damit verbindet. Mir ist klar, dass "Luxus" auf eine sehr gesteigerte Lebensqualität hinweist und es auf die Vergleichsweisen ankommt. Wäre vielleicht besser gewesen, ich hätte es schon in der Überschrift in Anführungen gesetzt - ich weiß es nicht.

Es ist mir übrigens auch klar, dass Gesellschaftskritik sehr oft andere verärgert. Darüber kann man sehr viel lesen und mir selbst ist es auch schon passiert, wenn ich Fragen über das Schlagwort Eigenverantwortung oder die Frage nach Chancengleichheit gestellt habe. In politischen Diskussionen kommt dann sehr schnell die Neiddebatte (argumentum ad hominem), anstatt Fakten zu diskutieren. Wichtig finde ich für mich Gesellschaftskritik trotzdem, auch wenn ich damit das Risiko eigehe, anderen auf die Füße zu treten. Neid ist zunächst ein neutraler Begriff und etwas ganz anderes als Missgunst. Bei Wikipedia sind die Unterschiede sehr gut beschrieben.

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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon fee » Fr 18. Jan 2019, 15:57

Hallo neko,

schade, dass du unsere Antworten erst einmal so stehen lassen möchtest. Schade finde ich es auch, dass du meine Fragen an dich dann wohl auch erst einmal nicht beantwortest, oder? Ich kann deinen Verweis Richtung Gesellschaftskritik nicht ganz nachvollziehen. Verstehe ich es richtig, dass du kritisch gegenüber den Menschen bist, die sich ein Leben, das deiner Ansicht nach luxuriös ist, stehst? Dann ganz konkret die Frage an dich mit bitte um Antwort: warum soll es mir weniger gut gehen, wenn es dir aus deiner Sichtweise nicht so gut geht, wir mir?

Auch den Verweis an Wikipedia verstehe ich nicht so ganz.

Viele Grüße von der fee
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon izmi » Fr 18. Jan 2019, 16:41

Ja, ich hatte jetzt auch auf eine angeregte Diskussion gehofft und komme mir jetzt ein bisschen veralbert vor.
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon neko » Fr 18. Jan 2019, 22:13

Hallo fee,

ich wollte hier zunächst nicht genau antworten, da ich neugierig auf die Ansichten anderer bin. Ich dachte, der philosophische Bereich eignet sich, damit man ein bisschen alltags- und laienphilisophisch diskutieren kann. Ich selbst habe bisher wenige Philosophen gelesen und kenne mich mit Richtungen eher grob aus, lese jedoch viel aus allen möglichen Gebieten und bin sehr neugierig, was den Menschen ausmacht. Momentan bin ich auf Jobsuche und muss mich auf mehrere Vorstellungsgespräche vorbereiten, daher ist meine Freizeit hier etwas eingeschränkt und ich muss zugegeben Prioritäten setzen, da ich meine acht Stunden Schlaf und weitere Rituale brauche. Es war nicht das primäre Ziel, Leute zu verärgern, sondern tiefgrünndig über soziale menschliche Bedürfnisse zu diskutieren. Mit dieser Offenheit bin ich bisher im Leben immer ganz gut weitergekommen und Tiefsinnigkeit soll HSP schließlich auszeichen. Um Dir genauer zu antwortenlasse ich mich nun auf Deine Anliegen ein.

fee hat geschrieben:Hallo neko,

schade, dass du unsere Antworten erst einmal so stehen lassen möchtest. Schade finde ich es auch, dass du meine Fragen an dich dann wohl auch erst einmal nicht beantwortest, oder?
Bestimmt. Eingan habe ich Dir ja Gründe genannt, warum. Ich habe auch gar nicht gesagt, dass ich gar nicht antworten werde. Manchmal brauche ich eine Zeit, um Gedanke zu ordnen um treffend und adäquat zu antworten. Zudem beschäftigt mich gerade noch Träumerles Posting.

fee hat geschrieben:Ich kann deinen Verweis Richtung Gesellschaftskritik nicht ganz nachvollziehen. Verstehe ich es richtig, dass du kritisch gegenüber den Menschen bist, die sich ein Leben, das deiner Ansicht nach luxuriös ist, stehst?
Nein, so schwarz-weiß sehe ich es nicht. Ich versuche, mich an wissenschafttlichen Fakten sowie alltäglichen Erfahruingen zu orientieren und habe weiter oben zugegeben etwas kurz zu erklären versucht, dass ich pauschalisiere, um diese Diskussion anzustoßen, da mich Menschen und Erfahrungen interessieren. HSP sollen neben Hochbegabten schließlich sehr kritisch, daher empfand ich es als passend. Mich interessieren politische Themen, denn viele Dinge sind politisch bedingt, dass der Mensch Über- oder sogar hochsensibel wird oder ist. Bei Mensa ist das auach immer mal Thema, je nachdem, wer die Gesprächspartner so sind.

fee hat geschrieben:Dann ganz konkret die Frage an dich mit bitte um Antwort: warum soll es mir weniger gut gehen, wenn es dir aus deiner Sichtweise nicht so gut geht, wir mir?


_%_ Sorry, ich kenne Dich doch gar nicht. Wir beide vergleichen uns hier doch nicht. Deine direkte Frage hilft mir zwar und ich finde so eine direkte Kommunikation sehr hilfreich, aber ich komme mir auch ein wenig unter Druck gesetzt vor.
Auch mir geht es vergleichsweise gut, da ich alles habe, dwas mir wichtig ist:

- eine intakte Beziehung mit einem hochsensiblen Mann, der glücklicherweise ebenfalls nie einen Kinderwunsch hatte
- zwei großartige Katzen
- gute Chancen auf einen neuen (möglicherweise unterbezahlten Job)
- eine Eigentumswohnung, die ich gerne gegen ein Tiny House tauschen würde
- einen kleinen Freundeskreis mit (kritischen, hochsensiblen und "normalen") Personen jeglicher Couleur
- Eltern, die mich mehr emotional gefördert haben anstatt finaziell, obwohl sie es gekonnt hätten
- gute bis sehr gute schulische und berufliche Leistungen, eine Klasse übersprungen, Promotion mit 31

Einige paar Freundinnen sind hochsensibel und -intellektuell, obwohl sie von Haus aus nicht so viel Förderung erhalten haben wie ich. Da war die Kohle knapp und andere, die aufgrund ihrer Herkunft keine Sorgen haben, heirateten einen Mann, der finanziell noch mehr hat. Auch die mag ich und man setzt sich auseinander, sonst wären wir nicht befreundet. Ich arbeite eherenamtlich bei der "Die Tafeln". weil mich unser System interessiert und ich Bedürftigen gelöfen möchte. Zwar finde ich auch, dass "Die Tafeln" sehr kritisch zu betrachten sind, da sie nichts mit Eigenverantwortung und Förderung zu tun haben, sondern geschichtlich betrachtet lediglich auf Zeiten zurückgreift, in welchen "Reiche" herablassend den "Armen" etwas von ihrem angeblich hart erarbeitetem Lebensstil zurückgegeben haben. Ich denke immer mal wieder darüber nach, ob es sinnvoll ist, dort direkt zu helfen, oder ob ich damit ein eher spaltendes System unterstütze.

Das alles hält mich nicht davon ab, gesellschaftskritisch zu sein. Im Gegenteil, ich denke, Leute denen es gut geht haben umso mehr diese Verantwortung für alle zu tragen. Aber das ist lediglich meine persönliche Haltung, die ich anderen auch nicht aufdrängen möchte. Für mich schließt sich Fürsorge für andere nicht durch eigenes Glück und Erfolg aus.

fee hat geschrieben:Auch den Verweis an Wikipedia verstehe ich nicht so ganz.


Du hast das Neid-Thema ins Spiel gebracht. Ich kann mich nur wiederholen. Es ist für mich in vielen tiefergehenden Diskussionen ein argumentum ad hominem, also ein Totschlagargument, um von gesellschartlichehn Fakten abzulenken. Neid wird hier eher als etwas Missgünstiges und Negatives angesehen, um dem Disskussionspartner zu diskreditioeren oder schweigend zu stellen, da sprachlich selten differenziert wird. Daher war es mir wichtig, darauf einzugehen. Mit dem Thema hatte ich schon mal zu tun.
Neid kann sehr inspirierdend sein, da Neider sich oft sehr anstrengen, dasselbe zu erreichen wie der Beneidete. Natürlich kommt es dabei auf den Weg an, aber es muss nicht heißen, dass der Neider den Beneideten ableht wie bei der Missgunst. Neidische Menschen sind nach der Definition nicht missgünstig aus einer eigenen (prekären) Situation heraus, sonder sie könenn daraus Positives schöpfen.

Ich hoffe, so konnte ich es genauer darstellen.

Da ich gerade sehr schnell denke tippe, bitte ich um Nachsicht wegen der Schreibfehler.

VG
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Re: Ist das Ausleben von HS Luxus?

Beitragvon sol » Sa 19. Jan 2019, 14:16

neko hat geschrieben:Einige Fragen geistern mir durch den Kopf.

Nicht jede HSP kann seine HS nach der Erkenntnis ausleben. Ist ein Ausleben von HS ein Luxusgut, das sich nur wenige leisten können?

Nicht alle HSP können sich leise Wohnungen in ruhiger Umgebung leisten. Andere müssen einen belastenden Job ausüben um nicht arbeitslos zu sein. Manche HSP sind nicht vermögend und können sich keinen entsprechend entlastenden Lebensstil leisten. Selbst etwas ändern kann man nur bis zu einem bestimmten Punkt, nicht jeder kann sich einfach so eine Auszeit nehmen.

Was denkt ihr darüber?




Hallo neko,
danke für die Präzisierung deiner Ausgangsfrage! Jetzt verstehe ich auch den gesellschaftskritischen Untergrund, wie du ihn gemeint haben könntest: Ist ein Ausleben unserer HS (statt des Unterdrückens unserer HS) also ein Ausleben, das für uns HSP häufig not-wendig wäre, um nicht unter Überreizung dauerhaft stark zu leiden bis hin zum Krankwerden - ist dieses Ausleben unserer HS eigentlich in unserem persönlichen Umfeld, beruflich und privat, möglich oder ist es wie ein Luxusgut nur wenigen Wohlhabenden möglich?

Ja, eine bittere Frage für mich, denn nach langer langer Zeit erst begriffen zu haben, wer ich eigentlich bin und was ich eigentlich brauche, um gesund leben zu können, kam ja nicht von ungefähr.
Hoch sensibel zu sein war in meiner Familie, in meinem Freundeskreis und in Schule, Uni und Beruf sowie im Leben als Familienmutter gar nicht gefragt.

Das gehörte zu dem Bereich, den meine englischsprachige Schwiegerfamilie dem großen Bereich "PYT" Pull Yourself Together, also "Reiß dich zusammen", der im Übrigen für weite Teile der Psychologie und Psychiatrie aus ihrer Sicht gilt, zuordnete und meine Herkunftsfamilie wie auch mein Berufsumfeld auch.

Ich musste erst krank werden, damit mein Umfeld begriff, dass es um mehr ging als irgend eine Spinnerei und verwöhnte Empfindklichkeit. Nein, stimmt nicht! Ich musste mich erst weigern, trotz chronischer Erschöpfungsdepression so weiter zu machen wie zuvor und ich musste stur dabei bleiben und den Kontakt fast auf Null schrauben. So sieht´s bei mir aus.

Luxus?

Seit den 90er Jahren kam noch die Tempoerhöhung und Ressourcenorientierung der Globalisierung und Digitalisierung in der Arbeitswelt dazu (ich bin keine Gegnerin beider Prozesse, hier geht´s mir nur um die negativen Aspekte, die ich gerade nannte), ein Gift für viele HSP.

Aber nicht nur HSP! Krankmachende Arbeitsbedingungen sind längst ein gesellschaftliches Problem geworden und wie stark die in das Familienleben hineinwirken und Kinder schon unter Stress setzen und zu Entwicklungsstörungen führen und Chaos in den Familien, so dass es immer mehr Sozialpädagogen in den Schulen braucht.

Wieviel schwieriger für HSP!

Ich bin fast eine Seniorin und kann mir den "Luxus" erlauben, nicht mehr krankmachend zu leben. Aber viel zulange ging das nicht und viel zu viele Menschen mit 2 und 3 Jobs können das nicht, ob HSP oder nicht.

Ich bin dankbar, dass ich es jetzt kann, die entsprechenden Lebensumstände vorhanden sind. Und ich bin entsetzt über die Tatsache, dass Gesundbleiben im Beruf wirklich zu einem Luxusgut gesamtgesellschaftlich zu werden scheint, für HSP erst recht.

Ich muss aber noch eine persönliche subjektive Anmerkung machen: Verständnis für HS habe ich in wohlhabenderen Familien weit weniger gefunden als in weniger wohlhabenderen und auch in meiner Vergangenheit in den "goldenen Wohlstandsjahren" der Republik war "Reiß dich zusammen" der Haupttenor in meinem Umfeld und in meiner Biografie.
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