Ist positives Denken naiv ?

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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon Braunbär » Mo 16. Jan 2017, 20:58

Hallo hmmm,

ich praktiziere schon lange das positive Sprechen - ich hab das mal im Arbeitskontext kennen gelernt (keine negativen Wörter im Kontakt mit Kunden verwenden: Lösung statt Probleme, etc.), und auch unter Psychologen ist es verpönt - genau, weil das Gehirn das Wörtchen "nicht" ausblendet.

Ich finde auch, es schafft mehr Bewusstsein, diesbezüglich umzudenken. Es fällt bei mir auch bspw. unter konstruktive Kritik. Zu sagen, was einem alles nicht passt, ist einfach. Aber Alternativen schaffen, anbieten? Das ist doch die Kunst.

Anstatt zu sagen: Meine Nachbarn sind zu laut. Hilft es mir, darüber nachzudenken, hui, als ich so alt war, war ich genauso feierfreudig und habe meine Nachbarn damals garantiert auch genervt. Letztendlich können sie auch in der Küche rocken, ich will es nur im Schlafzimmer ruhig haben, ansonsten sollen sie doch feiern. Das spricht sich viel besser an, auf diese Weise. Und fühlt sich auch besser an.

"Ich bin voll genervt, weil ihr so chaotisch seid" - wäre es möglich, dass wir erst unsere Punkte auf der Agenda abarbeiten, danach dürft ihr eurer Kreativität gern freien Lauf lassen.

hmmm, du sprichst das was interessantes an, weil wenn ich so nachdenke, fällt mir auf, dass es "weg vom Opfersein führt". Es macht aktiv, es hat auch etwas Verbindendes, oder? Ich bekomme dadurch eine positivere Grundeinstellung, die ich alleine durch profane Affirmationen nicht erreichen könnte. Vom Kontext losgelöste positive Affirmationen sind für mich eher im Bereich naiv anzusiedeln. 647&/

Liebe Grüße
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon hmmm » Di 17. Jan 2017, 14:27

Hey Braunbär! :)

Freut mich, dass du damit bewusst Erfahrungen gemacht hast und das sogar anwendest.
Auch Deine Beispiele dazu finde ich gut, verdeutlichen mein Bild von diesem Thema. Dabei merke ich, dass ich solche Beispiel wirklich gerne lese, wenn du noch mehr bewusst abrufen kannst, gerne, bzw. jede.r hier ist eingeladen solche verbildlichende Beispiele zu bringen.

Klingt gut, das mit dem Wegführen vom Opfer sein, ist auch nur logisch irgendwie, das Opfer Sein löst sich dadurch auf natürliche Art und Weise auf, es existiert nicht mehr. Die Verbindung empfinde ich als sehr harmonisch und ich glaube momentan, dass diese Verbindung, bzw. das Bindende an sich, erstens zu einem selbstbestimmten Leben führt und zweitens wenn "alle" Menschen das tun würden zu einer "besseren" Welt im universalen Sinne führen kann.

GLG!
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon cindy sun » Di 17. Jan 2017, 22:49

Hallo Braunbär und hmmm, ich finde eure Antworten spannend, auch wenn positives Denken für mich ganz persönlich etwas anderes ist.
Für mich bedeutet das, an das Gute zu glauben. Für mich heißt das, darauf zu vertrauen, dass ich das, was ich wirklich brauche, auch bekomme. Auch wenn das längst nicht immer das ist, was ich meine zu brauchen oder was ich mir wünsche.
Es gelingt mir lange nicht immer, dieses Vertrauen zu haben. Aber wenn ich es schaffe, gibt mir das ganz viel Gelassenheit.
Manchmal bekomme ich zu hören, das sei naiv. Ich finde das nicht. Ich finde es eine gute Lebenseinstellung. Hätte gerne öfter und mehr davon 647&/


Schönen Abend noch, cindy
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon hmmm » Di 17. Jan 2017, 23:25

Hey Cindy! :)

hmm, somit hätten wir nun hier im Angebot "Positives Denken", "Positives Sprechen" und "Positives Glauben". Ich unterscheide Glauben und Denken nochmals. Glauben entsteht aus intuitivem "Denkfühlen" und Vertrauen, Selbstvertrauen. Was ist schon naiv, wenn es um Intuition geht oder Glauben oder um Selbstvertrauen. Auf Naiv folgt bei mir immer Naund...

GLG!
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon tiffi » Mi 18. Jan 2017, 06:45

Hallo,
früher war ich da eher skeptisch,
wenn man es so unbezogen sieht und als Wunschdenken,
und wenn man denkt, was man einmal denkt und glaubt ist Gesetz (auch Opferperspektive)

Heute denke ich, dass es durchaus Mittel und Wege gibt, und auch das positive Denken (genauer
betrachten, verstehen, einen Aspekt im Auge oder ein Ziel oder eine Brille) ein Mittel ist,
das hilfreich sein kann.

Selbst glaube ich ja schon an die konstruktivistische Wahrnehmung, und dass man dem ganzen
schon eine Richtung gibt, wie man was aufnimmt und interpretiert.
Und dass man da seinen Rucksack auch mithat und schon eine Schiene fährt.
gebaut aus dem Besten Wissen von damals, wie Dinge auf einen wirkten.

So gesehen ist meine aktuell gebaute Wahrheitssicht auch nicht das weiseste und beste,
und ein bewusst prüfen oder einen neuen Aspekt bewusst einfließen lassen (sollte realistisch und
bezogen sein, weniger Phantasiedenken), kann ja nicht schaden.

Also , ich denke, positives Denken kann für mich stimmig angewandt auch ein Werkzeug sein,
kein komisches Ding und kein Wundermittel.
tiffi
 

Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon Braunbär » Mi 18. Jan 2017, 09:15

cindy sun hat geschrieben:Hallo Braunbär und hmmm, ich finde eure Antworten spannend, auch wenn positives Denken für mich ganz persönlich etwas anderes ist.
Für mich bedeutet das, an das Gute zu glauben. Für mich heißt das, darauf zu vertrauen, dass ich das, was ich wirklich brauche, auch bekomme. Auch wenn das längst nicht immer das ist, was ich meine zu brauchen oder was ich mir wünsche.
Es gelingt mir lange nicht immer, dieses Vertrauen zu haben. Aber wenn ich es schaffe, gibt mir das ganz viel Gelassenheit.
Manchmal bekomme ich zu hören, das sei naiv. Ich finde das nicht. Ich finde es eine gute Lebenseinstellung. Hätte gerne öfter und mehr davon 647&/


Schönen Abend noch, cindy


Hallo Cindy,
dieses positive (Grund-?) Vertrauen hätte ich auch gern. Das find ich auch überhaupt nicht naiv, dafür gibt es zu viele Beispiele, dass es funktioniert. Wobei ich glaube, dass es manche Menschen verwechseln mit Verantwortung abgeben. Darüber lässt sich viel sinnieren und diskutieren.

Unter positiven Denken verstehe ich, dass ich ein negatives Gefühl zu einer bestimmten Sache habe und es mir bewusst mit einer positiven Denkweise überdeckele. Ich finde es viel wichtiger, sich die negativen Gefühle anzuschauen, verdrängen und abspalten rächt sich meist eines Tages gewaltig.

Später gern mehr dazu, jetzt muss ich los ...

Liebe Grüße
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon cindy sun » Mi 18. Jan 2017, 18:56

hmmm hat geschrieben:somit hätten wir nun hier im Angebot "Positives Denken", "Positives Sprechen" und "Positives Glauben". Ich unterscheide Glauben und Denken nochmals.

Hi hmmm, so differenziert habe ich das noch nie gesehen. Aber da ist schon was dran, finde ich.
Doch ich denke schon, dass ich auch positiv denke. Glaube ich zumindest. Nein, tue ich schon auch.
Womit ich zu Braunbär komme.

Braunbär hat geschrieben:...dieses positive (Grund-?) Vertrauen hätte ich auch gern. Das find ich auch überhaupt nicht naiv, dafür gibt es zu viele Beispiele, dass es funktioniert. Wobei ich glaube, dass es manche Menschen verwechseln mit Verantwortung abgeben

Hallo Braunbär,
dieses positive Vertrauen bezieht sich bei mir auf Sachen und Gegebenheiten, an denen ich nichts ändern kann. Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass ich z.B. Hilfe bekomme, jemanden Bestimmtes zum Reden, wenn bei mir die Luft brennt und ich abladen muss. Genauso kann ich inzwischen aber auch akzeptieren, wenn dem nicht so ist, dass es dann nciht so wichtig war, wie ich es den Moment empfunden habe. Weiß nicht, ob ich das verständlich machen kann, was ich meine. Im Nachhinein ergibt auch das seinen Sinn.
(Nebenbei bemerkt, dieses positive (Grund-?) Vertrauen habe ich auch erst die letzten Jahre gewonnen. Für die Gründe dafür bin ich mittlerweile dankbar)

Womit ich zum positien Denken komme. Doch ja, ich denke schon positiv.
Für Vergangenes, hier auch Schweres, fällt mir das am leichtesten. Da kann ich doch oft sagen, war gut, dass es so gekommen ist.
Für die Gegenwart denke ich auch. Allerdings da gibt es schon Einschränkungen, wobei ich mich bemühe.
Für die Zukunft fällt es mir schwer. Da habe ich Probleme, mir selbst zu glauben. Nur der Gedanke reicht da nicht. Da brauche ich dann den positiven Glauben und auch meine Gedanken in die Richtung lenken zu können.

Ich finde positives Denken hat ganz viel mit Dankbarkeit zu tun und Demut wohl auch.

@ tiffi,
deine Gedanken finde ich auch interessant und kann dir in einigem zustimmen.


Liebe Grüße, cindy
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon Braunbär » Mi 18. Jan 2017, 21:25

cindy sun hat geschrieben:Ich finde positives Denken hat ganz viel mit Dankbarkeit zu tun und Demut wohl auch.

Liebe cindy sun,
der Satz ist ganz ganz stark. Unterschreib ich sofort.

Mich würde sehr interessieren, wie du dieses Grundvertrauen gewonnen hast, da würde ich mich auch sehr gern auf den Weg machen. Würde mich sehr freuen, wenn du davon schreiben magst.

Liebe Grüße
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon cindy sun » Mi 18. Jan 2017, 22:18

Braunbär hat geschrieben:Mich würde sehr interessieren, wie du dieses Grundvertrauen gewonnen hast, da würde ich mich auch sehr gern auf den Weg machen. Würde mich sehr freuen, wenn du davon schreiben magst.


Liebe Braunbär,

Es gibt unter anderem einen Satz, der mich begleitet und der lautet

Alles hat seine Zeit und alles hat seinen Sinn, auch wenn ich ihn jetzt noch nicht verstehe.

Diese Sicht hilft mir vor allem in aktuellen Situationen. So lange ich im Rückblick sagen kann, ich habe etwas aus einer schwierigen Situation gelernt, ich bin daran gewachsen, dann war es doch gut, so wie es war. Auch wenn ich das den Moment selbst oft anders sehe.
Aber im Nachhinein....

Liebe Grüße, cindy
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Re: Ist positives Denken naiv ?

Beitragvon schwarz » Do 19. Jan 2017, 12:48

Hey Ihr Lieben,

bei Eurem Dialog hier fällt mir doch glatt mal wieder Thomas D ein:

https://www.youtube.com/watch?v=b8GIJzd1ghw

So...oder? _hj7_

Beste Grüße
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