Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

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Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

Beitragvon Pachyderme » Fr 24. Jan 2014, 12:35

Hallo zusammen.

Mittlerweile habe ich mich ein wenig in dieses Forum eingelesen und mir diverse Erlebnisberichte und Probleme, welche hier geschildert werden durch den Kopf gehen lassen.
Ich muss sagen, ich bin bestürzt über die massive Einschränkung der Lebensqualität, welche offenbar einige der Schreibenden aufgrund ihrer Konstitution hinnehmen müssen. Verwirrung und Depression bis hin zu körperlichen Symptomen scheinen fast alltäglich zu sein.
Ich habe zwar auch mit so einigen negativen Auswirkungen eines allzu offenen Geistes zu kämpfen, aber im Vergleich geht es mir schon fast beschämend gut.

Das eigenartige ist, dass einige der hier geschilderten Probleme und Unannehmlichkeiten mir persönlich zwar aus früheren Zeiten wohlbekannt sind, ich sie aber mittlerweile überwunden oder zumindest unter Kontrolle gebracht habe. In der Tat ist mir beim Lesen mancher Erfahrungsberichte erst wieder bewusst geworden, dass ich einstmals selbst genau die gleichen Eindrücke und Auswirkungen erlebt habe, dies aber schon fast vergessen hatte.
Als erstes Beispiel sei hier das Phänomen genannt, ein Konzert oder eine Theateraufführung nicht in Ruhe ansehen zu können, weil sich das Lampenfieber, die ureigenste Versagensangst der Schauspieler oder Musiker direkt auf das eigene Empfinden überträgt. Und, zu allem Überfluss, aufgrund der eigenen Unfähigkeit Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können, scheint sie sich auch noch zu potenzieren! Also sitzt man in seinem engen Stuhl, den Angstschweiß auf der Stirn, krallt sich in die Armlehne und leidet prophylaktisch für die Menschen auf der Bühne mit, bis das Spektakel endlich vorüber ist. Entspannte Abendunterhaltung für’n A…llerwertesten.

Wie gesagt, das war bei mir früher auch so, ist mittlerweile jedoch auf ein Minimum herabgesunken.
Da bleibt die Frage: Wie ist das geschehen?
In meinem Vorstellungs-Thread wurde gar die Hoffnung geäußert, von mir etwas lernen zu können. Das ist zwar sehr schmeichelhaft, aber ich weiß nicht, ob ich dieser Rolle gerecht werden kann. Sollte es aber von Vorteil für den ein oder anderen hier sein, so schildere ich an dieser Stelle gern, was ich in meinem Leben getan und geändert habe und welchen Einfluss auf mein persönliches Geistesleben ich darin vermute und stelle das zur Diskussion.
Das wird wohl schon wieder in dem ein oder anderen längeren Text münden, aber ich werde mich redlich bemühen diesen so unterhaltsam und so wenig egozentriert wie möglich zu halten.

Also noch mal zum oben bereits genannten Thema ‚Mitleiden mit Vorführenden’.

Seitdem ich seinerzeit im Metal ‚meine Musik’ gefunden hatte, wollte ich immer auch selbst in eine Band, auf der Bühne eigene Lieder spielen, hart, laut und energiegeladen und dafür bejubelt werden. Und das trotz aller Hemmungen, aller Ängste, die mich schon immer plagten wenn es darum ging, öffentlich etwas vorzutragen.
Schließlich, ich war vielleicht 14 Jahre alt, lernte ich Bass zu spielen und zog mit meiner ersten Band um die Häuser. Der allererste Auftritt war eine Überwindung, zittrige Hände, Angstschweiß, der Kreislauf zu Fuß. Aber nach den ersten zwei Liedern ließ es sich richtig gut an. Das Selbstvertrauen wuchs, das Lampenfieber sank von Auftritt zu Auftritt. Gute Zeit! Doch dann kam unser (nicht umsonst) letztes Konzert…
Es war eine größere aber immer noch lokale Veranstaltung. Wir spielten vor bekannten Gesichtern, vielen Mitschülern aber noch mehr völlig unbekannten Menschen, die mit kritischen Augen und Ohren unsere Darbietung begutachteten.

Vorweg: Was schief gehen konnte, ging schief!
Unser neuer Gitarrist war erst anderthalb Monate dabei, hatte also nicht viel Zeit gehabt, sein Set einzustudieren, verpasste daher dauernd seine Einsätze und verspielte sich.
Unser Sänger/Keyboarder war gerade in der Grundausbildung beim Bund, hatte sich nur für diesen Abend frei machen können und seit zwei Monaten nicht mehr mit uns geprobt und auch an sich kaum seine Stimme trainieren oder seine Texte und Noten rekapitulieren können. Folglich krähte er sich aufs schaurigste einen zurecht, verspielte sich und vergaß mitten im Lied die Worte.
Dem Saxophonisten brach das Blatt im Mundstück und er hatte keinen Ersatz dabei, weshalb er nach dem halben Auftritt nur noch in der Ecke stehen und das Elend als Zuschauer betrachten konnte.
Mir selbst riss die E-Saite. Und wer schon mal die ‚Stahlseile’ gesehen hat, die man auf einen E-Bass schnallt weiß, dass das nichts Alltägliches ist. Zudem hatte irgendwer unbemerkt das Ersatzinstrument vom Bühnenrand entfernt und im Backstageraum deponiert, der dummerweise auf der anderen Seite der Halle lag. Also musste ich von der Bühne springen, mich durchs Publikum kämpfen, das gleiche nochmals in der Gegenrichtung, diesmal mit dem neuen Bass in der Hand, zurück aufs Podest klettern, kurz vor dem eigenen Solo wieder in den Song einsteigen – nur um festzustellen, dass das Ersatzinstrument völlig verstimmt war.

Kurz und gut: Hätten wir uns an diesem Abend mit je einer Katze im Arm auf die Bühne gestellt und die armen Tieren rhythmisch an den Schwänzen gezogen… Die hierbei entstehenden Geräusche wären vermutlich musikalisch anspruchsvoller gewesen als alles, was wir tatsächlich vorbrachten.

Es war ein Fiasko, vermutlich das peinlichste, was ich je erlebt habe (abgesehen von der Idee, vor dem Teakwon-Do Training Chili con Carne zu konsumieren, aber das ist ein anderes Thema).
Ich musste dieses Desaster erst mal verdauen und über die Blamage und die Häme in der Schule hinweg kommen.
Aber: Ich kam drüber weg. Ich machte weiter, war mit neuen Bands unterwegs und irgendwann habe ich dann sogar auf ‚Wacken’ gespielt und bin auf mehrwöchige Touren gegangen. Und ich konnte es genießen!

Im Nachhinein betrachtet war aber das peinliche Katastrophen-Konzert das beste, was mir damals passieren konnte. Ich habe kein übersteigertes ‚Mitleid’ mehr, wenn ich vor einer Bühne oder sonstigen Vorführung stehe. Ich kenne das Gefühl, sowohl die guten Seiten, als auch die schlimmsten.
Und ich weiß, letztere bringen einen nicht um. Ein vermasselter Auftritt ist nicht das Ende der Welt, man bekommt nicht das Wort ‚Versager’ auf die Stirn tätowiert und einige Zeit später kann man sogar drüber lachen und hat noch dazu eine Geschichte zu erzählen.

Ich weiß noch nicht, wie Ihr das seht, aber vielleicht ist manchmal die Konfrontation mit einer Situation, welche man von außen als schrecklich für die Beteiligten erlebt, der Weg zur eigenen ‚Heilung’.
Wenn ich weiß, wie ich selber darin reagieren würde, erfahre, dass es nur den Moment ruiniert, nicht aber die Existenz, wenn ich mir genau vorstellen kann, was in den Beteiligten vorgeht, dann läuft das eigene Mitleid nicht mehr Amok sondern hat Fixpunkte an denen es sich orientieren kann und die es nicht mehr überschreitet, wodurch das eigene Gemüt nicht mehr über Gebühr involviert und strapaziert wird.

Natürlich kann (und will) man nicht jedes Erlebnis teilen. Aber vielleicht hilft es, bei Gelegenheit doch mal über den eigenen Schatten zu springen und sich selbst zu überwinden, auch wenn es im ersten Moment weh tut.
Vielleicht macht es auch einen Unterschied, wie man im Nachhinein mit so einer, allzu oft ungeplanten Empfindung umgeht. Ob man dann das Erlebte zulässt und ganz bewusst auch auf andere reflektiert, um so eine Art ‚künstlichen Emotionsfilter’ zu erschaffen.

Mich würde interessieren: Wie seht Ihr das? Habt Ihr schon eigene vergleichbare Erfahrungen gemacht? Wie seid Ihr dann damit umgegangen?
Pachyderme
 

Re: Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

Beitragvon NaffNaff » Fr 24. Jan 2014, 16:19

Hallo Pachyderme


Also ich hatte immer großen Respekt vor meinen Bass-Saiten^^. Vielleicht zuviel...ich hab jedenfalls schnell wieder aufgehört damit. _läch_

Dein Gang durch die Menge...hin und zurück...erinnert mich an einen meiner schrecklichsten Gänge. Ich habe damals Packete ausgeliefert und eines mußte in die JVA in der Nähe von Mannheim. Statt es einfach am Eingang abzugeben sollte ich durch das halbe Gelände bis zur Arztstation (es war ein medizinisches Produkt). Also Quer durch den Innenhof wo alle Insassen mich beobachten konnten.
Ich füge zusammen...ich bin eine Frau, war damals 25, hatte eine lange, goldblonde Naturwuschelmäne bis zum Steß und habe vermutlich bis dahin noch nie solche Ausdrücke gehört und Angebote bekommen. Mein Gang war gespickt mit Pfeiffkonzerten und Zurufen aus den vergitterten Fenstern, dessen Inhalt ich jetzt besser nicht wiedergebe. 647&/

Als ich mein Paket abgegeben hatte überlegte ich kurz mich dort auf Station in die Toilette einzuschließen um dem unweigerlich folgenden Rückwegsgemetzel zu entgehen. Der leitende Arzt versuchte mich zu beruhigen. Also ging ich los...mit hochrotem Kopf, zitternd. Unter dem Gegröhle hörte ich ein "fetter Arsch" herraus. Ich drehte mich um..scheiß auf den roten Kopp...und entgegnete: "Du wärst doch froh wenn du überhaupt einen Arsch zu fassen bekommen würdest. Ich hab heut Abend Sex...und du ???". Komischerweise gefiel das den anderen und die kompletten Hinterfronten der 2 Blöcke lachten den Typen aus und machten sich lustig über ihn (dabei waren sie doch in der selben Situation...strange). Als ich da draußen war war ich wie unter Schock.

Konfrontation ist das einzige was man tun kann. Nur, niemand sieht diese Arbeit, niemand bemerkt diese Belastung. Und so versteht auch niemand warum man dann manchmal bei anderen Dingen keine Kraft mehr hat. Vor allem wenn die Konfrontationen eben keinen Erfolg bringen. Das höhlt, saugt aus. Wundert aber auch nicht wenn man sich selbst kaum loben und gute Leistung anerkennen kann.

LG

PS: Ich war damals total schockiert das ich da rein sollte. Ich dachte das würden die Sicherheitsbestimmungen in einer JVA (vor allem für MÄNNER) niemals zulassen. Heute würde ich dem Eingangspersonal auch genau das entgegenen und mich ehrlich gesagt wohl auch beschwehren. Ich glaub die wollten den Jungs mit mir einfach bissel Unterhaltung bieten. Verstehe aber nicht warum das kein Entlassungsgrund ist...denn sonst hätten die das sicher nicht gewagt.
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Re: Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

Beitragvon Pachyderme » Fr 24. Jan 2014, 17:50

NaffNaff hat geschrieben:Dein Gang durch die Menge...hin und zurück...erinnert mich an einen meiner schrecklichsten Gänge. Ich habe damals Packete ausgeliefert und eines mußte in die JVA in der Nähe von Mannheim. Statt es einfach am Eingang abzugeben sollte ich durch das halbe Gelände bis zur Arztstation (es war ein medizinisches Produkt). Also Quer durch den Innenhof wo alle Insassen mich beobachten konnten.
Ich füge zusammen...ich bin eine Frau, war damals 25, hatte eine lange, goldblonde Naturwuschelmäne bis zum Steß und habe vermutlich bis dahin noch nie solche Ausdrücke gehört und Angebote bekommen. Mein Gang war gespickt mit Pfeiffkonzerten und Zurufen aus den vergitterten Fenstern, dessen Inhalt ich jetzt besser nicht wiedergebe.


Das kann man nicht vergleichen, denke ich. Denn gegen Dein Erlebnis ist eine kurze Hast durchs Publikum, mit Verlaub, ein Dreck. Respekt, NaffNaff. Ehrlich: Respekt! Gerade als Frau.

Allerdings kenne ich auch ähnliche Situationen wie diese. Und mit der Reaktion hast Du alles richtig gemacht, denke ich. Richtiger als ich bisweilen.
Du hast allen Insassen (bis auf einen natürlich) gerade durch Deinen Konter eine unerwartete aber willkommene Abwechslung zum grauen Gefängnisalltag und was zum Lachen gegeben, Stärke gezeigt und Dir selbst dadurch auch noch Respekt verschafft. Und das über Deine Anwesenheit hinaus, denn der eine, der Deinen Zorn abbekommen hat, durfte sich wahrscheinlich noch Tage danach Hohn und Spott anhören. Und womit? Mit Recht!

Was die Sicherheitsvorkehrungen und das Verhalten des zuständigen Personals angeht, Dich dieser Situation auszusetzen, so hege ich allerdings ebenfalls starke Zweifel, daß das zulässig war. Bin selber bei einem Kurierdienst und sofern ich weiß werden unsere Fahrer in der Sicherheitsschleuse oder am entsprechenden Lieferanteneingang abgefertigt.

Was mich interessieren würde: Wie hat sich dieses Erlebnis denn auf Deinen weiteren Weg ausgewirkt? Hat es Dich stärker gemacht oder abgehärtet, quasi wie 'Hornhaut auf der Seele'?
Pachyderme
 

Re: Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

Beitragvon NaffNaff » So 26. Jan 2014, 14:23

Hallo Pachyderme


Ich war damals bei der Trans O Flex (kurz TOF genannt). Und eben weil ich als Zuhörer die Geschichte an dieser Stelle anzweifeln würde. erzähl ich sie nicht so oft. Ich muß aber auch sagen das der Arzt und das Personal dort auf Station (oder wie man das nennt) nicht gerade wirkten als ab das was ungewöhnliches sei. Naja...man könnte sagen es war halt Mitte der 90er, aber das war nicht, wie viele Jüngere glauben, tiefes Mittelalter. ^^ Also das war da auch schon wirklich seltsam.

Nein, außer der bereits bestehenden Erkenntnis das man manchmal zurückschießen muß und das mir das unendlich schwer fällt ist da nicht viel bei rumgekommen. Der rote Kopf war der Beweis meiner Niederlage für mich. Es enttarnte mich als beschämt udn schwach. Da wurden ja auch Fragen geschrien und ich weis, ich werde rot auch wenn die Antwort noch so oft nein ist und das als JA gewertet wird. Was das für Fragen waren überlass ich deiner Fantasie^^. Für mich reicht das als Totalniederlange...leider. Auch wenn ich jetzt denke das es quatsch ist. Man hat halt das Idealbild vor sich...so zu antworten und dabei cool und entspannt zu sein. Und was mach ich...tue das Wesentliche aber lass es nicht gelten weil es nicht perfekt dargebracht wurde. Früher glaubte ich das dies rein eine Sache der Depression und mangelndes Selbstbewußtsein ist, aber heute komme ich immer mehr davon ab (auch weil Fachleute das bemerkten). Natürlich ist es mangelndes Selbstbewußtsein, aber ich fürchte das dies sich nicht wie üblich entwickelte sondern zu einem sehr hohem Anteil aus einer extremen Unsicherheit enspringt die durch die Art meiner Wahrnehmung entsteht. Also die HS typische Wahrnehmung (intensiv, alle Möglichkeiten abdecken und am Ende zuviele Möglichkeiten haben, dadurch Instinktmeldungen überlagern, wieso-weshalb-warum und Frustration weil keine Auflösung in Sicht ist weil die Wahrnehmung auch keine Chance zum Selbstbetrug bzw Wegdenken gibt).

Hornhaut...hm. Manchmal denk ich jetzt bekomm ich grad ein bisschen Hornhaut. Hmm..ja doch. Aber ich hatte auch letztes Jahr 2 herbe Rückschläge was das angeht. Ich bin aber in vielem mutiger und selbstbewußter geworden, trotz allem. Und ich habe festgestellt das ich besser relativieren kann und recht schnell (für meine Verhältnisse) aus der tiefsten Hölle wieder rauskomme...auch wenn alles nach dem Ende der Welt aussieht^^.

LG
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Re: Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

Beitragvon Pachyderme » Di 28. Jan 2014, 08:40

Ich glaube, ich kenne das Gefühl, das Du beschreibst, NaffNaff. Solche Erlebnisse scheinen einem auch auf ewig nachzulaufen, obwohl man richtig oder zumindest nicht falsch gehandelt hat. Einfach nur, weil man sich selber in der eigenen Rolle nicht gefiel.
Man hat das Gefühl, vor sich selbst versagt zu haben, im falschen Moment nicht die Person gewesen zu sein, die man eigentlich hätte sein wollen. Die Erinnerung kommt einem immer wieder hoch wie Sodbrennen und verätzt das Selbstwertgefühl.
Und das schlimmste ist: Fünf Erinnerungen an gleichwertige Situationen, in denen man mit sich und seiner Reaktion zufrieden war schaffen es nicht, diese eine unschöne Erinnerung aufzuwiegen oder gar zu überbieten. Im Gegenteil, sie scheinen dagegen sogar zu verblassen. Die Waagschale neigt sich immer in die negative Richtung. Obwohl man es besser wissen sollte und dies auch von anderen aufmunternd bestätigt bekommt, definiert man selber sich doch über die eigenen Mißerfolge und verdrängt die Siege.
Und auch wenn man weiß, daß es illusorisch ist, von sich selbst stets das "perfekte Verhalten" zu fordern, bleibt dieses Gefühl, 'Versager' auf der Stirn stehen zu haben.
Zumindest geht es mir bisweilen so. Habe zwar gelernt, mir dies nicht anmerken zu lassen, aber gerade in letzter Zeit bröckelt es da in der Fassade. Einer der Gründe, weshalb ich nun hier bin.
Pachyderme
 

Re: Meine Persönlichkeiten und ich - was man so erlebt...

Beitragvon Sonni » Di 28. Jan 2014, 15:58

Mit großem Interesse habe ich gelesen was ihr geschrieben habt, sehr tiefgründig, danke und iwikx

Auch ich hatte solche Erfahrungen, am meisten wohl schon in den Kinderjahren und vor allem in der Familie.
Zum überleben habe ich mir ein wirklich dickes Fell angeeignet, psychisch und immer wieder auch physisch.
So konnte ich Situationen meistern, die für mich im Inneren grenzwertig waren, kurz vorm Durchdrehen und Zusammenbrechen,
aber nach außen hat man mir wenig oder gar nichts angemerkt.

Mit den Jahren habe ich mehr und mehr versucht auch meine Schwächen, den Versager in mir anzunehmen.
Manchmal kann ich schon richtig damit spielen, ich merke dann das ich eine Rolle spiele, aber es kostet keine solche Kraft mehr, ich weiß ja das es eine Rolle ist.
Dazu habe ich auch "meinen besten, weisesten und liebsten inneren Freund " installiert, der akzeptiert einfach bedingungslos alles was ich so verzapfe.

Ich bilde mir ein, so immer mehr zu mir selber zu kommen, ohne Rücksicht auf die Meinungen von anderen.
Es hilft mir auch zu akzeptieren, das ich wohl einiges an Potenzial im Leben nicht gelebt habe, was immer ein harter Selbstkritik- Punkt war.

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 bleibt dieses Gefühl, 'Versager' auf der Stirn stehen zu haben.
dagegen hilft es, ich bin mir sicher.

herzlich Sonni
Sonni
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