Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

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Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Träumerle » Do 2. Jan 2020, 14:23

Hallo liebe Vieldenker :-)

Falls jemand Lust auf noch mehr philosophische Brainstormings hat - in den letzten Tagen und Wochen habe ich mir (gerade den Feiertagen geschuldet) Gedanken um die Vor- und Nachteile von jeweils Seelenverwandten und biologisch Verwandten, sprich der eigenen Familie gemacht. Denn beide Arten von Menschen spielen im eigenen Leben eine entscheidende Rolle, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Die biologischen Verwandten sind (mehr oder weniger) das eigene Fleisch und Blut, die Menschen, von denen man abstammt, denen man so gesehen seine Existenz zu verdanken hat. Gerade, weil man sie sich nicht aussuchen kann, sind sie etwas sehr Besonderes. Um den Begriff Seelenverwandtschaft will ich mir aber nicht die Finger wund tippen, heißt: Jeder soll seine eigene Definition von Seelenverwandtschaft haben dürfen und erst recht selbst festlegen, welche Menschen er unter seine Seelenverwandten zählt. :-) Mir geht es also nicht darum, was Seelenverwandtschaft ist, viel mehr möchte ich mit euch die beiden Personengruppen gegenüberstellen und vergleichen.
Dazu eine sich daraus ergebende Bonusfrage: Kann eine Person zu beiden Gruppen gehören? Kennt ihr sogar vielleicht eine solche Person?

Fairerweise hier einmal meine erdachten Vorteile beider Gruppen (welche natürlich nur rein auf meinen Beobachtungen basieren):

Seelenverwandte

- Verbindung basiert mehr auf emotionaler Ebene
- verstehen deine Probleme / Sorgen, nehmen dich ernst
- geben dir die Möglichkeit, authentisch zu sein
- tauchen viel öfter in deinen Gedanken auf
- werden öfter in Gedichten / Zeichnungen ausgedrückt
- man beginnt schneller, sie zu vermissen
- komplette Hingabe, wirklich alles für sie zu tun
- keine Angst vor möglichen Konflikten
- empfänglicher für deren Stimmung

Biologisch Verwandte

- viel mehr gemeinsame Erlebnisse
- Tatsache, dass du von diesen Menschen abstammst
- können in der Praxis besser helfen
- Verbundenheit seit Geburt an
- füllen v. a. frühe Kindheitserinnerungen
- sind spontaner erreichbar
- vielfältigere gemeinsame Erlebnisse möglich
- stehen für die Heimat / kindliche Geborgenheit
- geben mehr Feedback zu deiner Person

Was fällt euch noch an Punkten ein und wie beurteilt ihr, welche Personengruppe in welcher Lebenssituation die Geeignetere ist? Gibt es vielleicht sogar doch eine Einigung, wer "wertvoller" ist?
Ich würde mich freuen, wenn sich jemand an diesem Thema beteiligen würde und wünsche allen einen schönen Nachmittag.

Liebe Grüße,
Träumerle :-)
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Iwie » Do 2. Jan 2020, 20:08

Huhu _Mij_

Spannendes Thema.
Ich mache es mir erstmal leicht und kommentiere mal recht einsilbig, was ich so oder so sehe ;-)

Träumerle hat geschrieben:Fairerweise hier einmal meine erdachten Vorteile beider Gruppen (welche natürlich nur rein auf meinen Beobachtungen basieren):

Seelenverwandte

- Verbindung basiert mehr auf emotionaler Ebene - nicht nur
- verstehen deine Probleme / Sorgen, nehmen dich ernst - ja
- geben dir die Möglichkeit, authentisch zu sein - ja
- tauchen viel öfter in deinen Gedanken auf - ja
- werden öfter in Gedichten / Zeichnungen ausgedrückt - weder noch ;-)
- man beginnt schneller, sie zu vermissen - ja
- komplette Hingabe, wirklich alles für sie zu tun - ja - aber warum nicht andersrum auch? (s.u.)
- keine Angst vor möglichen Konflikten - ja
- empfänglicher für deren Stimmung - empfänglichER - aber bei mir nicht nennenswert

Biologisch Verwandte

- viel mehr gemeinsame Erlebnisse - bei den anderen nicht?
- Tatsache, dass du von diesen Menschen abstammst - klar
- können in der Praxis besser helfen - nö
- Verbundenheit seit Geburt an - kommt drauf an, wann man seinen Seelenverwandten trifft
- füllen v. a. frühe Kindheitserinnerungen - s. Punkt davor
- sind spontaner erreichbar - nö
- vielfältigere gemeinsame Erlebnisse möglich - nö
- stehen für die Heimat / kindliche Geborgenheit - nö - also nicht mehr als Seelenverwandte - bei mir eher weniger
- geben mehr Feedback zu deiner Person - nö - mein Seelenverwandter kann da knallhart sein und trifft immer auf den Punkt
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon DesdiNova87 » Do 2. Jan 2020, 23:23

Hi Träumerle,

Dir erstmal ein Frohes Neues Jahr _wav_

Ist schon spät, daher erstmal nur eine kurze Antwort:

Träumerle hat geschrieben:Dazu eine sich daraus ergebende Bonusfrage: Kann eine Person zu beiden Gruppen gehören? Kennt ihr sogar vielleicht eine solche Person?


Ja, ich habe mehrere Verwandte, die ebenfalls Seelenverwandte für mich sind. Die Chance darauf steigt wahrscheinlich mit einer großen Sippe _yessa_
- Mein jüngerer Bruder
- Mein Vater
- Mein Onkel väterlicherseits

Gerade die Bindung zu meinem jüngeren Bruder (habe auch einen älteren Bruder, deshalb die Unterscheidung) ist sehr eng, wir unternehmen privat sehr viel zusammen und sind in die Freundeskreise des jeweils anderen integriert. Kürzlich hat er mir beim Feiern gesagt, ich sei nicht nur sein Lieblingsbruder, sondern gleichzeitig auch sein bester Freund. Das war natürlich ein fettes Kompliment, worüber ich mich sehr freue.

Ich habe mir schon manchmal gewünscht, dass mein älterer Bruder in ähnlicher Weise für mich da wäre. Schwierige Phasen gab es in meinem Leben genug. Das Desinteresse unseres großen Bruders an uns beiden ist schon ziemlich groß, aber er gehört trotzdem zur Familie und es ist wohl seine Art.

Mit der engen Bindung gehen (allgemein) allerdings auch immer Schattenseiten mit ein. Die enge Bindung zu einer Person kann dazu führen auch Leid oder Unrecht zu fühlen, was dieser Person zugefügt wird. Aber so ist das wohl nunmal im Leben, es gibt nichts was wirklich perfekt ist _#)_

So, ab in die Kiste _müh_
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Velvet » Fr 3. Jan 2020, 06:25

Hallo Träumerle,

ich wünsch´dir auch noch ein gutes neues Jahr vorab :)

Deine Gegenüberstellung von Seelenverwandten und biologischen Verwandten sähe bei mir komplett anders aus. Zumal ich das auch nicht so auseinander dividieren oder abgrenzen könnte. Fand ich interessant zu lesen, wie du das machst :)

Mit Menschen, mit denen ich gern zusammen bin und sie mit mir, verbindet mich hauptsächlich eine breite emotionale Übereinstimmung. Auf so einer Basis ergeben sich dann solche Aspekte wie, dass ich mich geborgen bei ihnen fühle, wir viel Zeit miteinander verbringen dementsprechend gemeinsame Erlebnisse haben, sie erreichbar für mich sind, ich mich in sie einfühlen möchte... etc.

Es gibt daneben auch Menschen, denen ich mich auf seelischer Ebene sehr verbunden fühle und die mir am Herzen liegen, zu denen ich aber sehr wenig Kontakt habe und ihn auch nicht unbedingt brauche, um diese Verbundenheit spüren zu können.

Dann gibt es noch die, die biologisch verwandt mit mir sind. Besonders zu meinen Geschwisten habe ich da wohl eine unzerstörbare Herzensbindung, auch, wenn ich darüber hinaus keinen Kontakt zu ihnen habe, weil unsere Charakterformen es einfach unmöglich machen.

Und zwischen all dem (und noch dazwischen ;) ) gibt es in meinem Leben Menschen, die ich mal so auf der Straße treffe, wir beide merken, dass wir uns sympathisch sind, es da etwas Vertrautes und Verständnisvolles zwischen uns gibt, ohne das wir uns schon lange oder eingehend kennen. Und wann immer wir uns zufällig treffen, ist das dann schön und angenehm zwischen uns.

Für mich persönlich ist es leider so, dass ein großer Teil meiner biologischen Verwandtschaft, fremder und gegensätzlicher als ich, nicht sein könnten. Ich finde das sehr traurig, ist aber mittlerweile akzeptiert von mir mit der Einsicht und Erfahrung, dass Wasser unbedingt dicker sein kann als Blut :)

Liebe Grüße
Velvet
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Träumerle » Fr 3. Jan 2020, 16:04

Hallo ihr drei,

danke für die Antworten und die Neujahrswünsche. :-) Euch auch ein frohes, gesundes, glückliches 2020!

@Iwie, es handelt sich ja bloß um meine Erfahrungen mit meinen Mitmenschen. Klar, dass du ein komplett anders besetztes Umfeld und daraus resultierend auch andere Erfahrungen hast. Eine komplette Übereinstimmung wäre ja schon ein gewaltiger Zufall und deswegen kann ich natürlich von niemandem verlangen, dass er das alles genauso sieht. Gerade bei den Seelenverwandten bist du ja doch meist meiner Meinung. :-) Um noch ein paar Punkte zu erläutern; statt emotionaler Ebene hätte ich auch 'irrational' sagen können. Das Verhältnis mit biologisch Verwandten kann für mich ein durchaus sehr festes sein, aber es bleibt eben rational, während ich bei Seelenverwandten irrational fühle, ich weiß selbst nicht genau, wieso, aber diese Personen wirken durchaus faszinierend auf mich und ich kann diese Verbindung nicht logisch, gar nicht mal mit Worten allein erklären.
In Gedichten und Zeichnungen drücke ich die Dinge aus, die mich am meisten beschäftigen, bewegen und berühren. Und das sind in den meisten Fällen die Seelenverwandten.
Wieso ich für Seelenverwandte wirklich alles tun würde? Ich weiß es nicht (irrationale Ebene icon_winkle ) und klar, auch für biologisch Verwandte habe ich bereits viel getan, was (zumindest in deren Augen) gar nicht mal nötig war. Aber irgendwo liegt meine Grenze, sodass ich meine 100% nie überschreiten kann. Für Seelenverwandte wäre ich wohl bereit, die 100% zu brechen und aufgrund dieser ohnehin gedanklichen Hingabe eben diese Hingabe auch in die Praxis zu verlagern.
"Viel mehr gemeinsame Erlebnisse" - da werden die Meinungen, wie schon angedeutet, auseinander gehen, denn es kommt stark darauf an, wie lange man seine Seelenverwandte kennt, wie weit weg sie wohnen usw. Der eine sieht sie täglich, der andere ist für den Kontakt auf moderne Kommunikationsmittel angewiesen. Dafür können einige Erlebnisse mit Seelenverwandten sich deutlich intensiver anfühlen als solche mit biologisch Verwandten.
Zumindest, wenn man noch zu Hause wohnt, sind die biologischen Verwandten, genauer gesagt, die Eltern, ja die Hauptverantwortlichen für dein Leben. Durch sie wird vieles geregelt, vom Essen bis zu den Geburtstagsgeschenken. Das meinte ich mit dem Helfen in der Praxis, wenn es zugegeben auch etwas blöd von mir formuliert war.
Die anderen Punkte sind eh bei jedem unterschiedlich, viel mehr sollte meine persönliche Liste ein Beispiel sein, mehr ja nicht.

@DesdiNova87: Das freut mich, dass du gleich mehrere Seelenverwandte in deiner Familie hast! _thum_
Und alles Kerle, auch interessant. Ich z. B. kann mit dem anderen Geschlecht viel leichter Seelenverwandtschaften eingehen (was wohl daran liegt, dass ich mit jenem generell besser klarkomme und eine gewisse weibliche Seite in mir trage). So ist jeder verschieden und ich finde es toll. :-)

Diese Schattenseiten kenne ich zur Genüge und die Empathie mit Seelenverwandten ist nochmals ein anderes Level, das stimmt. Das tut innerlich furchtbar weh, wenn diese Menschen leiden, egal, wie gut es dir selbst gerade geht. Stichwort: Emotionale Abhängigkeit. Darum aber habe ich auch einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt meinen Seelenverwandten gegenüber, um sie bloß von allem Bösen fernzuhalten (was natürlich nicht immer möglich ist). Geht dir das auch so?

@Velvet, wie definierst du genau die erste Gruppe an Menschen, die du beschreibst? Im zweiten Absatz kann ich dir auf Basis meiner Erfahrung insofern übereinstimmen, dass ich auch längst nicht nur in Momenten des Kontaktes diese Verbundenheit spüre. Allerdings, wie im Eingangspost erwähnt, kommt dann schnell ein Gefühl des Vermissens auf - gerade in einsamen oder traurigeren Phasen.
Die Bindung zu deinen Geschwistern hört sich sehr interessant an, nur wie definiert man diese? Vielleicht als eine indirekte Seelenverwandtschaft? Oder gibt es einen besseren Begriff?
Das Phänomen, in der eigenen Familie ein wenig außen vor zu sein, habe ich hier schon sehr oft gelesen. Gerade dann sind Seelenverwandte doch umso wichtiger - eben als eine emotionale "Ersatz"familie.
Auf jeden Fall sieht das bei dir ja doch ziemlich kunterbunt aus. :-)

Generell: Ich bin ein großer Familienmensch. Immer schon gewesen. Besuche meine Großeltern einmal die Woche, genieße Familienfeste im kleinen Rahmen und komme mit den meisten generell gut klar. Lange Zeit war dies die einzige Form von Menschen, unter denen ich mich wirklich wohlgefühlt hatte. Als, und das ist noch gar nicht so lange her, Seelenverwandtschaften in mein Leben traten, erkannte ich, dass es noch eine andere Form von wichtigen Menschen gibt. Mittlerweile möchte ich weder die eine, noch die andere Kategorie missen.

Sind ja ziemlich verschiedene Antworten bisher, und das ist ja auch selbstverständlich, aufgrund individueller Lebensgeschichten.

Liebe Grüße und schönes Wochenende,
Träumerle :-)
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon DesdiNova87 » Fr 3. Jan 2020, 20:19

Hi Träumerle,

Träumerle hat geschrieben:@DesdiNova87: Das freut mich, dass du gleich mehrere Seelenverwandte in deiner Familie hast! _thum_
Und alles Kerle, auch interessant. Ich z. B. kann mit dem anderen Geschlecht viel leichter Seelenverwandtschaften eingehen (was wohl daran liegt, dass ich mit jenem generell besser klarkomme und eine gewisse weibliche Seite in mir trage). So ist jeder verschieden und ich finde es toll. :-)

Diese Schattenseiten kenne ich zur Genüge und die Empathie mit Seelenverwandten ist nochmals ein anderes Level, das stimmt. Das tut innerlich furchtbar weh, wenn diese Menschen leiden, egal, wie gut es dir selbst gerade geht. Stichwort: Emotionale Abhängigkeit. Darum aber habe ich auch einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt meinen Seelenverwandten gegenüber, um sie bloß von allem Bösen fernzuhalten (was natürlich nicht immer möglich ist). Geht dir das auch so?


Ich glaub das ist eher Zufall, dass es in der Familie eher die Männer sind, mit denen ich mich verbunden fühle. Bzw. habe ich halt nur Brüder und keine Schwestern.

Unter meinen Freunden sind Damen und Herren gemischt, von denen ich manche als Seelenverwandte bezeichnen würde.

Ich persönlich glaube nicht daran, dass das Geschlecht so eine riesige Bedeutung hat. Du schreibst du hast auch eine weibliche Seite; ich hingegen bin der Überzeugung, dass alle Menschen alle "Seiten" in sich tragen, und dass letztendlich mehr von außen vorgegeben wird, was als männlich und weiblich gelten soll. So produzieren z.B. auch beide Geschlechter die Sexualhormone Testosteron und Östrogen, wenn gleich auch in unterschiedlichen Mengen.
In letzter Instanz sind wir selbst gefragt, ob wir uns einer Kategorisierung einfach so unterordnen oder einen befreiten Geist haben.
Für mich sind Dinge wie Geschlechterdenken nichts anderes als Schranken im Kopf der Menschen. Viele setzen sich freiwilig in einen abgegrenzten Käfig, statt sich einfach so auszuleben wie sie sind.

In gewissen reaktionären Kreisen (namentlich katholische Kirche icon_winkle ) wurde ich auch manchmal als jemand mit weiblichen Eigenschaften dargestellt, für die ich mich schämen sollte. Das habe ich aber nicht getan, in dem Wissen, dass die anderen nur neidisch darauf sind, dass ich genug Selbstbewußtsein habe, mich zu geben, wie ich bin. Auf lange Sicht hat mir das dort viel Respekt eingebracht.

Zu deiner Frage mit dem Beschützerinstinkt, den habe ich natürlich auch. Mir wurde schon oft gesagt, dass man sich in meiner Gegenwart sicher fühlt. Für mich ist das selbstverständlich, dass man Schaden von Mitmenschen abhalten will, an erster Stelle stehen dabei Menschen, die mir viel bedeuten.
Die Einsicht, dass diese Sichtweise eben nicht Allgemeingut ist und es Menschen gibt die sich am Leid anderer erfreuen und es befördern, war eine sehr lehrreiche Lektion in meinem jungen Leben.

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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 4. Jan 2020, 10:08

Hallo Träumerle,

ich war schon gespannt auf deinen neuen Philo-Strang. :-)

Aber komisch eigentlich: über diese Frage habe ich noch nie intensiv nachgedacht, ich meine über das „vs.“ – Ich finde/fand es eigentlich immer schön und wertvoll, beides zu haben.

Puh, bin ich erleichtert, dass du geschrieben hast, ich muss jetzt nicht erst definieren, was für mich der Begriff „Seelenverwandtschaft“ heißt ... _gruebel_

Deine Liste zu den engen Bluts-Verwandten kann ich im Wesentlichen auch so unterschreiben.
Und bis auf eine Ausnahme hatte ich das Glück, in der Familie liebevolle und unterstützende Menschen bei mir zu haben, mit denen ich mich auch sehr nah verbunden fühle.

Zu deiner Liste der Merkmale von Seelen-Verwandten, die ich ansonsten auch in Vielem auf mich zutreffend finde, kann ich aus meiner Erfahrung als für mich noch speziell wichtig ergänzen:

- man hat viel Spaß zusammen, weil ähnlicher Humor
- man kann auch mal miteinander rumfrotzeln, ohne dass es gleich beleidigte Leberwürste oder den erhobenen Zeigefinger gibt
- man teilt ähnliche Interessen und ähnliche Themen
- man lässt sich gegenseitig in Ruhe, wenn man diese braucht
- man kann auch mal Disharmonie miteinander aushalten, ohne dass es feindselig wird

Wenn vieles davon und auch von deiner Liste erfüllt ist (und dabei gibt es dann auch noch Prioritäten und Gewichtungen, aber die erspare ich dir/euch icon_winkle ), fühle ich mich immer ein Stückchen näher dran an der Seelenverwandtschaft zu bestimmten Menschen - bis hin zu ganz nah. :-)

Deine Frage hat mich noch zu einer weiteren weitergeleitet: ob es vielleicht bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gibt, die mir „seelenverwandte“ Menschen besitzen? – Bei denen, die mir viel bedeuten, habe ich da allerdings keine Zusammenhänge gefunden. Ob jetzt jemand hochsensibel ist oder nicht, ob introvertiert oder extravertiert, ob ängstlicher oder mutiger … das alles spielt irgendwie weniger eine Rolle, denn die oben genannten Punkte sind davon dann doch nicht wirklich zwingend abhängig, wie ich das für mich festgestellt habe.

Liebe Grüße :-)
Anima
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Träumerle » So 5. Jan 2020, 14:37

Hallo DesdiNova,

klar, ich weiß, was du meinst. Yin und Yang, oder auch Animus und Anima (nicht zu verwechseln mit der Userin :-) ). Das ist ja auch noch mal so ein tolles philosophisches Thema, also korrigiere ich mich mal kurz: Ich lebe meine weibliche Seite ein wenig stärker aus als die männliche Durchschnittsperson (was Vor- und Nachteile hat).
Also ist dein Beschützerinstinkt wirklich intensiver gegenüber Seelenverwandten als bei solchen, die zwar biologisch, aber nicht seelisch mit dir verwandt sind? _gruebel_ Meiner Familie traue ich trotz diverser vergangener Ereignisse durchaus zu, auf sich selbst aufzupassen, wobei ich, wenn es nötig wird, sofort eine verteidigende Rolle einnehme. Aber ich traue ihnen viele Dinge im Alleingang zu, während ich um Seelenverwandte fast schon im Vornherein eine schützende Decke legen wollen würde, die sie von sämtlichen potenziellen Gefahren abschirmt. Also etwas mütterlich. icon_winkle

Hallo Anima,

wieso wusste ich, dass du dich einschalten würdest? _läch_ Es freut mich jedenfalls sehr.

Und sicher ist es schön, beides zu haben, was ja trotzdem ein Vergleichen und darüber Nachdenken nicht ausschließen muss, oder?

Ja, der ähnliche Humor ist ein guter Ansatz. :-) Da würde ich auch sagen, ist der von Seelenverwandten weitaus äquivalenter zu meinem als der von einigen Familienmitgliedern, die meinen Humor nicht mal wirklich verstehen. Ähnliche Interessen und Themen sind mit das Wichtigste, eine unverzichtbare Basis für diese Seelenverwandtschaft. Die restlichen drei Punkte von dir kann ich nicht bestätigen, da fehlen mir die Erfahrungen (wobei ich davon ausgehe, dass diese eigentlich auch zutreffen sollten). Also kannst du im Beisein von Seelenverwandten auch mal ein wenig deine hemmungslose, "freche" Seite zeigen?

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Deine Frage hat mich noch zu einer weiteren weitergeleitet: ob es vielleicht bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gibt, die mir „seelenverwandte“ Menschen besitzen?


Sehr interessante Überlegung! Das Thema ist ja allgemein sehr erfahrungs-bezogen. Richtige Meinungen lassen sich schwer aneinanderstellen, viel mehr kommt es auf das Erlebte des Einzelnen an. Erstmal braucht man für diese Frage vielleicht eine ordentliche Zahl an charakterlich unterschiedlichen Seelenverwandten. Und untereinander sind z. B. meine Seelenverwandte auch durchaus verschieden, wenn auch viele Parallelen zu erkennen sind. Mit das Wichtigste aber ist und bleibt, dass diese Menschen eine komplette Offenheit mir gegenüber und eine absolute Bereitschaft, sich auf mich auch auf tieferen Ebenen einzulassen, vorweisen, was ich bisher bei den wenigsten Menschen erlebt habe. Aber sicher, dagegen spielen Dinge wie die Ernährungsweise, die Einstellung zu gewissen Dingen und natürlich auch die Herkunft überhaupt keine Rolle.
Bei der Introversion/Extraversion würde ich dir zustimmen, bei der HS hingegen nicht (was nicht auf meiner Meinung, sondern eben auf meinen Erfahrungen beruht). Wenn du sagst, so ziemlich jeder Charakter kann deine Seele erobern, dann glaube ich dir das gerne und frage mich eher, ob ich nicht einfach einen Tunnelblick habe. Aber jetzt, wo du es sagst... eine Seelenverwandte von mir ist beispielsweise ganz klar HSS, ich hingegen gar nicht.

Und es scheint, als hättet ihr doch mehrere Personen, die ihr zu den Seelenverwandten zählt, ich hingegen nicht mal eine Handvoll. Da könnte man ja nochmal überlegen, wie wählerisch man in puncto Seelenverwandtschaft sein sollte. Ich fürchte, ich setze die Messlatte in dem Bereich gar zu hoch... andererseits macht die Tatsache, dass es trotzdem Menschen, wenn auch sehr wenige, gibt, die selbst da herankommen, diese Selenverwandtschaften auch noch mal so besonders machen. Beides kann ja eine erfüllende Form sein.

Liebe Grüße,
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon DesdiNova87 » So 5. Jan 2020, 21:24

Träumerle hat geschrieben:Und es scheint, als hättet ihr doch mehrere Personen, die ihr zu den Seelenverwandten zählt, ich hingegen nicht mal eine Handvoll. Da könnte man ja nochmal überlegen, wie wählerisch man in puncto Seelenverwandtschaft sein sollte. Ich fürchte, ich setze die Messlatte in dem Bereich gar zu hoch... andererseits macht die Tatsache, dass es trotzdem Menschen, wenn auch sehr wenige, gibt, die selbst da herankommen, diese Selenverwandtschaften auch noch mal so besonders machen. Beides kann ja eine erfüllende Form sein.


Es muss nicht die einzige Erklärung dafür sein, aber da sie naheliegend ist, finde ich sie erwähnenswert: Ich glaube wir sind alle ein gutes Stück älter als du, und hatten damit auch einfach rein rechnerisch viel mehr Möglichkeiten, Seelenverwandte zu treffen.
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Re: Seelenverwandte vs. biologisch Verwandte

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Di 7. Jan 2020, 21:15

Hi Träumerle, :-)

Träumerle hat geschrieben:Und sicher ist es schön, beides zu haben, was ja trotzdem ein Vergleichen und darüber Nachdenken nicht ausschließen muss, oder?

Ja, das stimmt.
Und auch aus Rückblick auf meine Zeit in deinem Alter denke ich, dass es völlig normal und richtig ist, dass man sich in dieser jugendlichen Lebensphase damit befasst, sich von der Herkunftsfamilie langsam zu lösen. Schon auch, indem man die Familie in ihren Vor- und Nachteilen abwägt und in Vergleich setzt zu den Menschen, denen man außerhalb der Familie begegnet - und zu denen man sich dann eben auch immer mehr zugehörig fühlen kann oder sie dann auch in ihrer Art als seelen-verwandt erkennen mag. – Das ist eine Zeit des Aufbruchs nach draußen, und wie schön, wenn man da auf Menschen trifft, mit denen man so besondere Übereinstimmungen findet.

Und ja, ich kann DesdiNovas Mathematik nachvollziehen: mehr Zeit – mehr Menschen – mehr Gelegenheiten für spezielle Menschen. – Also: es gibt in dieser Hinsicht gute Gründe für Optimismus. :-)

Träumerle hat geschrieben:Die restlichen drei Punkte von dir kann ich nicht bestätigen, da fehlen mir die Erfahrungen (wobei ich davon ausgehe, dass diese eigentlich auch zutreffen sollten). Also kannst du im Beisein von Seelenverwandten auch mal ein wenig deine hemmungslose, "freche" Seite zeigen?

Also bei dem Punkt „Ruhe“ hätte ich jetzt vermutet, dass dir das auch so geht.

Und die beiden anderen Punkte:
mir ist es „seelenverwandt“, wenn meine Beziehungen sich zwar durch Tiefgang auszeichnen, aber nicht nur: ich brauche auch die Leichtigkeit, das Unernste, das Spielerische, Ironische, um auch Nicht-nur-Leichtes immer mal wieder leicht nehmen zu können. JA, ganz toll, wenn das mit jemandem gelingt: „sieh mal an, eine verwandte Seele!“ :-)

Liebe Grüße
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