Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon izmi » Do 7. Mär 2019, 09:59

Arbeitskraft ist teuer, vor allem in einem Hochlohnland wie Deutschland. Natürlich versuchen Arbeitgeber, davon wenig zu benötigen und/oder sie so billig wie möglich zu bekommen. Wenn da moralische Grenzen verletzt werden, sagt das viel über den Zustand in einem Land aus. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass das auf breiter Fläche der Fall ist. Eher schon: die Jobs, die gut bezahlt sind, sind eher nicht die, die gleichzeitig nett und angenehm sind. Außerdem: Bildung lohnt sich, auch heute noch. Und Engagement wird belohnt, mehr denn je.

Als Arbeitnehmerin muss ich mich halt immer fragen, was ich will: Spaß? Geld? Macht? Knifflige Aufgaben? Nette Kollegen? Einen tieferen Sinn meiner Tätigkeit? Alles gleichzeitig wird nicht gehen, aber generell kann ich da schon wählen - auch in späteren Jahren. Wechseln war nie so leicht wie im Moment, eigentlich in alle Branchen werden Leute gesucht.

Ich selbst habe mich mit 48 entschlossen, wieder angestellt zu arbeiten und nur noch nebenbei selbständig zu sein, eine Entscheidung mit der ich sehr zufrieden bin. Dafür mache ich halt mehr trockene Büroarbeit, man kann halt nicht alles haben.
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon Golbin » Sa 9. Mär 2019, 19:10

Hallo,

Meiner Meinung nach gibt es kein Schwarz oder Weiß, sondern eine Mischung und viele Jobs dazwischen.

Ich selbst arbeite als EDVler in einer EDV-Firma. In Zeiten wirtschaftlicher Anspannung, besonders um die Krise 2009, wurde auf jede Stunde geschaut, nur abrechenbare Arbeit wurde geschätzt. Als es aufwärts ging, wurden zunächst die Strukturen beibehalten. Als Folge gab es eine hohe Fluktuation. Das ist in einer Branche, die von BIldung und Knowhow lebt, äußerst negativ. Es wurde erkannt und vieles geändert. Überstunden gibt es trotzdem mal, Breitschaften auch (ich bin da derzeit nicht betroffen). Wenn man weiß wofür es ist und das es begrenzt ist, kann ich das gut aushalten.

Was Handy angeht, habe ich zwei, eine dienstliches und ein privates. Das dienstliche bleibt in der Firma bzw. wird auf Dienstreisen nach Arbeitsende ausgestellt. Wird ein Kontakt außerhalb meiner Arbeitszeit benötigt, kann mir das sagen, dann nehme ich es mit und lasse es an. Auch hier gilt: Als Einzelfall kein Problem. Die Nummer meines Privathandys kennt nur eine Kollegin. SIe hat sie noch nie benutzt. Bei ihr bin ich sicher, dass sie es auch nur dann macht, wenn sie es für absolut unerlässlich hält. Genau wegen dieser Einschätzung und Haltung hat sie die Nummer.

Ansonsten ist meiner Meinung nach der Druck dort hoch, wo der Arbietnehmer leicht austauschbar ist. Da kann der Druck auch gut erzeugt werden. Paketdienst ist hier, wieder mal, ein gutes Beispiel. Autofahren und Pakete tragen können halt viele. Knowhow wird wenig benötigt. Traurig finde ich den Zustand dort, wo sich der Arbeitnehmer um Menschen kümmert, wie im Pflegedienst. Da ist es sehr schade und andere Länder, vor allem die skandinavischen zeigen, wie es besser geht.

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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon Lylia » Sa 13. Apr 2019, 12:29

Hallo @Stoffel

Ja, leider musste ich auch feststellen, dass der Mensch gegen Geld aufgerechnet wird, was mir besonders auffällt, wenn es um Flüchtlinge und andere Bedürftige geht, dasselbe bei z.b Hartz 4, da wird berechnet was der Mensch kostet und gejammert, wie teuer er/sie doch seien. Ich verstehe, zwar, dass es nicht unerheblich ist, sicher müssen Dinge auch finanziert werden können, aber ich finde, dass bei vielen die solche Berechnungen lauthals vertreten aber auch Neid und Missgunst deutlich erkennbar sind.

Ich mag Menschen nicht, die einem Hartz 4 Bezieher oder Flüchtling das benötige Geld und damit das Essen nicht gönnen, denn jeder hat ein Recht darauf finde ich, am Leben zu bleiben. Beruflich werden Menschen mehr denn je nur noch als Kostenfaktor gesehen, denn wer wird zuerst abgestossen, wenn eine Firma einsparen will/muss ? Der Arbeiter, nicht etwa andere Kostenfaktoren, wie zu teure Dienstleistungen/Produkte oder Räumlichkeiten, nein der Mensch ist dann verzichtbar.

Ich finde es sehr "kalt" und es macht das Arbeiten nicht gerade motivierend oder das Leben lebenswert, wenn nur noch die Kohle überall im Vordergrund steht, hier muss sich dringends etwas ändern, finde ich.
"Eine traurige Seele kann einen schneller töten als jeder Krankheitskeim."
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon Weltfremder » Mo 2. Sep 2019, 03:09

Im Kapitalismus sind Menschen ein unnötiger Kostenfaktor, das ist schlichtweg ein Fakt. Wir bräuchten am besten ein anderes Wirtschaftssystem.

Ich denke, in der Zukunft wird sich dieses Thema dadurch gewissermaßen erledigen, dass man früher oder später ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen muss, es soll schließlich jeder zweite Job durch die Digitalisierung verlorengehen. Viele neue Jobs werden da auch nicht dazukommen. Hoffentlich wird sich dann endlich mal der Unmut der Bevölkerung deutlich zeigen, vielen geht es einfach noch zu gut und sie wählen aus Tradition weiterhin die "Volksparteien". Wenn man aber mal 20-30 Millionen Arbeitslose hier hat, dann kann die Politik nicht so weiterwurschteln wie bisher, dann müssen die da oben sich mal Lösungen überlegen.

Vor allem müssten die Leute auch mal für ihre eigenen Interessen eintreten und dementsprechend wählen. Die allermeisten Leute hier im Land sind abhängig beschäftigt (Arbeitnehmer) oder eben Rentner. Das spiegelt sich in der Politik aber kaum wieder, hier werden die Interessen ganz anderer Leute vertreten, die in der Bevölkerung eine kleine Minderheit sind, für das Gros der Bürger gibt es nur ein paar Peanuts. Schäuble hat z.B. vor ein paar Jahren damit geprahlt, das Kindergeld um sage und schreibe einen Euro(!) erhöht zu haben. Wie großzügig von ihm...
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon DesdiNova87 » Mo 2. Sep 2019, 11:54

Weltfremder hat geschrieben:Im Kapitalismus sind Menschen ein unnötiger Kostenfaktor, das ist schlichtweg ein Fakt.


Das ist doch Unsinn. Menschen sind im Kapitalismus als Konsumenten und Arbeitskräfte vonnöten. Mit Tieren würde der Kapitalismus nicht funktionieren, siehe "Animal Farm" von George Orwell icon_winkle

Jedem wirtschaftlichen Prozess liegt immer ein Bedürfnis zugrunde, und dieses ist stets menschlich. Das ist der Antrieb, der letztendlich neue Produkte auf den Markt bringt, und den Fortschritt bringt. So hat z.B. das menschliche Bedürfnis nach Mobilität und Unabhängigkeit das Fahrrad und das Kraftfahrzeug hervorgebracht.

Weltfremder hat geschrieben:Wir bräuchten am besten ein anderes Wirtschaftssystem.


Sicher ist der Kapitalismus kein perfektes System, aktuell gibt es aber keine funktionierende Alternative...
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon Weltfremder » Di 3. Sep 2019, 02:03

Das mag sein, aber Arbeitskräfte sind ein Kostenfaktor, den es im Kapitalismus zu minimieren gilt. Die Maxime ist maximaler Gewinn, und das geht auf Kosten der Arbeitskräfte. Personal sparen, Lohn niedrig halten, etc.

Es gibt auch Formen des Kapitalismus, die noch halbwegs human sind, z.B. der "rheinische Kapitalismus" - zu dem sollten wir wieder zurückkehren.

Der Kapitalismus ist sich aber zunehmend selbst im Weg, nur leider denken Unternehmer so weit nicht. Denn, in der Tat, wenn es fast nur noch Arbeitslose gibt, die dann von Hartz IV oder was auch immer leben müssten, geht natürlich auch jede Menge Kaufkraft verloren. Das sollte zu einem Umdenken führen, so wie jetzt kann es auf Dauer nicht weiter gehen. Auch geht kein grenzenloses Wirtschaftswachstum, an das Christian Lindner glaubt. Wenn jedes Land auf dem Niveau der Industrieländer wäre, wäre fast alle Ressourcen schon aufgebraucht usw.
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon DesdiNova87 » Mi 4. Sep 2019, 00:29

Weltfremder hat geschrieben:Das mag sein, aber Arbeitskräfte sind ein Kostenfaktor, den es im Kapitalismus zu minimieren gilt.


Ja, nur geht es halt auch nicht ganz ohne Menschen, das wollte ich verdeutlichen. Höchstens wie bei Matrix in so einer Art Maschinenwelt, aber da gibt es in dem Sinne auch keinen Konsum.

Weltfremder hat geschrieben:Die Maxime ist maximaler Gewinn, und das geht auf Kosten der Arbeitskräfte. Personal sparen, Lohn niedrig halten, etc.


Nicht alle Unternehmen im Kapitalismus haben maximalen Gewinn als Ziel. Vor allem Unternehmen, die der Allgemeinheit dienen, z.B. Krankenhäuser. Dort steht die Versorgungssicherheit an erster Stelle. Doch auch wenn das Ziel nicht maximaler Gewinn ist, wird auch dort versucht Kosten zu sparen, das stimmt schon.

LG DesdiNova87
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon Weltfremder » Sa 7. Sep 2019, 01:50

Krankenhäuser sind meistens ja auch keine Unternehmen (zum Glück), sie gehören für gewöhnlich zu der jeweiligen Kommune oder zu anderen Trägern, die nicht gewinnorientiert ausgerichtet sind. Also mit Unternehmen meine ich Arbeitgeber/Wirtschaftssubjekte/Institutionen, die gewinnorientiert arbeiten. Zwar wird auch versucht bei den staatlichen Kliniken einzusparen (was an unserem System mit den Fallpauschalen liegt), aber bei den privaten Krankenhäsuern und Pflegeheimen geht es um Gewinnmaximierung anstatt um bloße Kostendeckung; und nicht um den Menschen, der soll dort nur ordentlich blechen. Dementsprechend sind dort auch die Arbeitsbedingungen schlechter.
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon Lampe » So 8. Sep 2019, 06:04

Der Ärzte-Appell: Gegen das Diktat der Ökonomie in unseren Krankenhäusern

Viele Ärzte und Ärztinnen erleben im Krankenhaus unlösbare Konflikte. Sie sollen Patienten heilen - und mit ihnen Gewinne erzielen. Ein System, das krank macht. Im stern fordern sie: Rettet die Medizin!


https://www.stern.de/gesundheit/aerzte- ... 76008.html
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Re: Sind Menschen nur noch ein unnötiger Kostenfaktor ?

Beitragvon DesdiNova87 » So 8. Sep 2019, 13:10

Gesetz zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und zur Regelung der Krankenhauspflegesätze
(Krankenhausfinanzierungsgesetz - KHG)


§ 1 Grundsatz

(1) Zweck dieses Gesetzes ist die wirtschaftliche Sicherung der Krankenhäuser, um eine qualitativ hochwertige, patienten- und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen, qualitativ hochwertig und eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern zu gewährleisten und zu sozial tragbaren Pflegesätzenbeizutragen.[...]


https://www.gesetze-im-internet.de/khg/KHG.pdf
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