Sind wir alle ein wenig gestört?

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Sind wir alle ein wenig gestört?

Beitragvon Fallenangel » So 25. Nov 2018, 14:03

Hallo ihr lieben,

In letzter Zeit sind mir ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen, die ich gerne mit euch teilen würde.
Ich setze mich des öfteren mit psychischen Krankheiten auseinander, besonders mit Persönlichkeitsstörungen. Da ich mich durch die Symptome gerne mal in Sachen hineinsteiger und dann manchmal vergesse wo vorne und hinten ist (Hypochondrie), versuche ich das nun einzuschränken.

Dabei sind mir aber immer wieder Gedanken durch den Kopf gegangen und durch das Lesen von verschieden Beiträgen über verschieden Symptome und Züge ist mir aufgefallen: Jeder von uns trägt emotionale instabile Züge in sich oder sogar manische, paranoide usw...

Der Charakter formt sich aus allen diesen Zügen, manche neigen in Situationen zu paranoia, manche weinen in Situationen schneller, manche neigen zu impulsiven Handlungen weil sie eine Fantasievolleidee umsetzen wollen, die man ja auch glatt wieder als manisch bezeichnen könnte.

Ich finde es hochinteressant wie der Charakter sich formt und welche Charakterzüge wir haben, ob positive oder negative. Manchmal denke ich darüber nach woher könnten gewisse Charakterzüge kommen, aus welchen Situationen musste ich lernen und was machen diese Charakterzüge heute mit mir.

Was ich sehr schade finde ist, dass eben manche Menschen stärker Ausprägungen haben, in gewissen Bereichen, auf Grund traumatischer oder anderweitigen Situationen die eine Auswirkung hatten auf das Seelenleben des jeweiligen Menschen, dass dies dann gleich als Störung betitelt wird.

Oft kommen ja noch diese Vorurteile: ' Sensible Menschen sind Gutmenschen und da muss man aufpassen was man sagt' oder gar ' Heulsuse'
Oder bei Menschen die schneller laut werden: ' Borderline Gefahr'
Menschen die Ideenreich sind und viel Fantasie: ' Du springst ja nur von einem Thema zum anderen. Du bist ja manisch.'

Warum lassen wir diese Menschen nicht einfach leben und ausprobieren? Ja, es gibt kranke Menschen, deren Persönlichkeit und Seelenleben sehr gelitten hat, aber auch diese Menschen verdienen eben eine Chance, ohne dabei diese Menschen zu verurteilen oder in eine Schublade zu stecken.

Was würden wohl für wunderbare Ideen entstehen, wenn man einen kreativen Menschen einfach mal machen lässt? Ohne ihn in eine Rolle stecken zu wollen? Oder ihm vorzugeben was er zu tun und lassen hat?

Besonders in der Schule hat man so viele Vorgaben an die man sich halten muss, so viele Aufgaben die keinen Freiraum lassen und viele Lehrer die durch kreative Einwände durcheinander kommen.

Ich glaube teilweise, dass wir in unserer Gesellschaft noch viel zu tun haben, damit wir die besonderen Eigenschaften eines Menschens welche natürlich immer individuell sind stärken bzw. fördern können. Auch Hochsensible Menschen haben jeweils ganz andere Ausprägungen, es gibt nicht den einen hochsensiblen oder den perfekten Menschen. Nein wir scheinen alle in verschiedenen Farben.
Fallenangel
Neuling
 
Beiträge: 6
Registriert: Fr 24. Aug 2018, 02:09

Re: Sind wir alle ein wenig gestört?

Beitragvon hs_positiv » Di 27. Nov 2018, 10:12

Hallo Fallenangel,

deinem Beitrag kann ich kaum folgen, da sich so viele Fragen auftun. Mir ist nicht klar, worauf du damit hinaus willst. Möchtest du, dass die Menschen sich an Abweichungen der Norm orientieren und diese als Maßstab nehmen?
Fallenangel hat geschrieben:In letzter Zeit sind mir ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen, die ich gerne mit euch teilen würde.
Ich setze mich des öfteren mit psychischen Krankheiten auseinander, besonders mit Persönlichkeitsstörungen. Da ich mich durch die Symptome gerne mal in Sachen hineinsteiger und dann manchmal vergesse wo vorne und hinten ist (Hypochondrie), versuche ich das nun einzuschränken.

Erst gegen Ende eines Psychologiestudiums beschäftigt man sich mit der Differentiellen und Persönlichkeitspsychologie. Zunächst lernt man, was den Menschen "normal" macht. Wir Menschen neigen im Alltag dazu, besonders wenn uns etwas nicht passt, dem anderen eine besondere Charaktereigenschaft anzudichten, anstatt die Situation zu analysieren. Dieses Vorgehen führt in den meisten Fällen nicht zur Lösung, sondern macht alles Zwischenmenschliche noch komplizierter und genau das schürt Vorurteile - aber auch das ist ganz typisch Mensch.

Wenn man Partituren analysiert, fängt man auch nicht von hintenan. Man muss zuvor erst das Werkzeug kennen und sich Grundwissen aneignen, bevor man ganz oben einsteigt, daher wäre ich auf allen Fachgebieten vorsichtig, ganz am Ende einzusteigen...
Was du als Hineinsteigern in Symptome beschreibst, hat wohl mit dem ganz normalen confirmation bias zu tun und ist ganz typisch menschlich.

Fallenangel hat geschrieben:Ich finde es hochinteressant wie der Charakter sich formt und welche Charakterzüge wir haben, ob positive oder negative. Manchmal denke ich darüber nach woher könnten gewisse Charakterzüge kommen, aus welchen Situationen musste ich lernen und was machen diese Charakterzüge heute mit mir.

Was ich sehr schade finde ist, dass eben manche Menschen stärker Ausprägungen haben, in gewissen Bereichen, auf Grund traumatischer oder anderweitigen Situationen die eine Auswirkung hatten auf das Seelenleben des jeweiligen Menschen, dass dies dann gleich als Störung betitelt wird.


Warum? Wenn man weiß, wo eine Störung vorliegt, kann man sie ändern und etwas Positives daraus ziehen. Willst du, dass psychische Störungen als normal anerkannt werden, damit man nichts ändern muss? Psychische Störungen/Traumata können über Generationen weitergegeben werden und richten viel Leid bei den Betroffenen und deren Umfeld an.

Fallenangel hat geschrieben:Oft kommen ja noch diese Vorurteile: ' Sensible Menschen sind Gutmenschen und da muss man aufpassen was man sagt' oder gar ' Heulsuse'
Oder bei Menschen die schneller laut werden: ' Borderline Gefahr'
Menschen die Ideenreich sind und viel Fantasie: ' Du springst ja nur von einem Thema zum anderen. Du bist ja manisch.'

Na und? Dann gilt es zu lernen, damit umzugehen. Man kann doch nicht erwaten, dass die anderen, also die meisten, etwas ändern. Ändern kann man nur seine Haltung. Ich denke, dass der Schlüssel für Veränderung nicht irgendwelche Dritte sind, sondern der eigene Selbstwert.
Vorurteile gegen Nicht-Hochsensible sehe ich auch hier im Forum übrigens auch jede Menge. Es wird von den eigenen schlechten Erfahrung auf den Charakter irgendwelcher normalsensibler Dritte geschlossen, auch nicht gerade die feine sensible Art. icon_winkle

Fallenangel hat geschrieben:Warum lassen wir diese Menschen nicht einfach leben und ausprobieren? Ja, es gibt kranke Menschen, deren Persönlichkeit und Seelenleben sehr gelitten hat, aber auch diese Menschen verdienen eben eine Chance, ohne dabei diese Menschen zu verurteilen oder in eine Schublade zu stecken.

Weil der Mensch so ist. Es ist normal, dass wir in Schubladen einteilen. Die Bibliotheken stehen voll mit Forschung dazu. Diese Themen werden verinnerlicht, bevor man sich mit Persönlichkeitspsychologie befasst.
Leben und leben lassen finde ich auch gut, aber warum sollte ich einen eindeutigen Narzissten nicht in seine Narzissmusschublade stecken? Wenn sein Selbstwert stark wäre, dürfte es ihn nicht kratzen? Ebenso ungerne umgebe ich mich mit Menschen mit Borderline-Zügen. Es ist ist egal, wie ich den Menschen einteile, wichtig ist, was mir guttut und wenn ich sehe, dass jemand diese Züge hat, gehe ich. Warum muss ich jedem Menschen eine Chance geben? Es reicht doch, wenn man nebeneinander herlebt ohne sich zu behindern.
hs_positiv
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 64
Registriert: Fr 24. Aug 2018, 16:24

Re: Sind wir alle ein wenig gestört?

Beitragvon hs_positiv » Di 27. Nov 2018, 10:12

Fallenangel hat geschrieben:Was würden wohl für wunderbare Ideen entstehen, wenn man einen kreativen Menschen einfach mal machen lässt? Ohne ihn in eine Rolle stecken zu wollen? Oder ihm vorzugeben was er zu tun und lassen hat?


Setzt du die oben beschriebenen Menschen nun mit kreativen Menschen gleich, je auffälliger die psychischen Abweichungen von der Norm, desto kreativer? _%_
Welche wunderbaren Ideen? Kreative Menschen zeichnen sich durch ihre hoche intrinsische Motivation aus und nicht durch die gesellschaftliche Anerkennung.

Fallenangel hat geschrieben:Besonders in der Schule hat man so viele Vorgaben an die man sich halten muss, so viele Aufgaben die keinen Freiraum lassen und viele Lehrer die durch kreative Einwände durcheinander kommen.


Dass das Bildungssystem im Keller ist, ist bekannt und viele Lehrer beklagen es. Sie beklagen aber auch, dass die Schüler sich nicht mehr lange am Stück konzentrieren können und dies hat gewiss wenig mit mangelnder Kreativität zu tun sondern auch mit mangelnder Leistungsfähigkeit. Soll dieser Mangel nun mit "Kreativität" wett gemacht werden?

Fallenangel hat geschrieben:Ich glaube teilweise, dass wir in unserer Gesellschaft noch viel zu tun haben, damit wir die besonderen Eigenschaften eines Menschens welche natürlich immer individuell sind stärken bzw. fördern können. Auch Hochsensible Menschen haben jeweils ganz andere Ausprägungen, es gibt nicht den einen hochsensiblen oder den perfekten Menschen. Nein wir scheinen alle in verschiedenen Farben.


Wie soll es praktisch umgesetzt werden? Die Norm soll sich an Minderheiten wie den "Kreativsten" oder auch Leistungsschwächsten orientieren, da Leistung in einigen Kreisen ja verpönt ist? Was kreativ ist, messen z.B. Kreativitätstests an Kunst- oder Musikhochschulen. Daneben muss man aber auch andere Fähigkeiten mitbringen, Kreativität und Fähigkeiten alleine reichen nicht. Man kann es schön an begabten Musikern sehen. Sie müssen auch Leistung in Form von Übung im praktischen und intellektuellen Bereich bringen und können sich doch nicht durch gesellschaftliche Anerkennung auf ihrer Kreativität=Potenzial ausruhen und eine hohe Erwartungshaltung an Dritte oder Veränderung durch außen an den Tag legen. Kreativität wird auch in IQ-Tests festgestellt, indem man komplexe Dinge sich durch eigens konstruierte "Eselsbrücken" innerhalb kürzester Zeit merkt oder erklärt bzw. abstrahiert. In der Kreativitätsforschung spielt die Fähigkeit zur Problemlösung oder zu Problemlösungsstrategien eine zentrale Rolle, was wiederum auch viel mit Leistungspotenzial der Menschen zu tun hat.

_nüxweiss_
hs_positiv
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 64
Registriert: Fr 24. Aug 2018, 16:24



Ähnliche Beiträge


Zurück zu Philosophische Fragen und Gedanken

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron