Vom Umgang mit Worten

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Vom Umgang mit Worten

Beitragvon Argus » Do 29. Nov 2012, 01:03

Hallo Ihr

Worte, wie gehen wir (die meisten Menschen?) damit um, mit welcher zu erwartenden, erfahrenen Wirkung?
Was können wir tun, um einige (unbewusst nicht-dienlichen) Wirkungen auf uns (insbesondere HSP), durch eine Betrachtung aus einer anderen Sicht, zu verändern?

Einige Beispiele für Fragen, welchen ich aus meiner persönlichen Erfahrung, wie immer ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit, hier nachgehen will, schlagen doch manche Worte, auch oftmals ganz unbewusst, „durch“, nicht nur auf den Magen oder weiter unten. ;-)

Dazu, grundsätzliche Gedanken, Erinnerungen.
Es kann im Leben, sehr nützlich sein, sich daran zu erinnern. Es mag einigen Worten die Schärfe nehmen, sie „verdaulicher“ zu gestalten, zumal schon viele im (unbedachten?) Gebrauch bereits „ausgelutscht“ sind.

Ein Wort, bezeichnet (zeichnet!), beschreibt etwas, ist zunächst nur ein Wort, ein Synonym. Wer das Wort Tee kennt, muss noch lange keinen Tee kennen, gar alle Arten probiert haben, weiß vielleicht nicht wie (vielfältig) er vorkommt, schmecken kann, trotzdem kann man das Wort täglich hunderte Mal gebrauchen! Hmm?

Man kann jedes Wort mit einem genormten 20-Fuß-Überseecontainer vergleichen, welcher heutzutage auf jedem (größeren?) Warenumschlagplatz (Hafen, Güterbahnhof, etc.), und zwar weltweit zu finden ist.
Sie werden zum Transport der unterschiedlichsten Inhalte benutzt, genau wie Worte.
Und weiter?

Außen sehen sie sich ähnlich, manche auch durch die Aufschrift oder Lackierung, auf den ersten Blick sogar gleich aus. Aber die Container haben es „in sich“, der (sehr unterschiedliche!) Inhalt zählt, alles andere ist „nur“ eine Hülle.

Lade ich in einem fernen Land in einen Container mit der Aufschrift „Südfrüchte“ Bananen ein und im Zielhafen (Hamburg?) Bananen aus, ist alles in bester Ordnung. Oder?

Lade ich hingegen Bananen in denselben Container hinein, am Zielhafen aber Orangen aus, könnte sich jemand daran stören, warum eigentlich, steht doch immer noch „Südfrüchte“ drauf, ist doch alles korrekt?

Nun, selbst wenn ein konkreter Inhalt in scheinbar gleiche Hüllen (Container) z. B. Werkzeug eingeladen und ausgeladen wurde, evtl. Werkzeug sogar darauf geschrieben steht, kann die „Sortierung“ doch eine ganz andere sein.


Ein Blick in Räume verschiedener Haushalte, welche allgemein gleich bezeichnet werden, kann das deutlich machen, z. B. Küche, Wohnzimmer, etc.  icon_winkle Wir denken gar nicht darüber nach, insbesondere bei den „Schlossbesichtigungen“, nach einem Einzug, Umbau, auch wenn wir vielleicht neugierig sind, wie diese wohl eingerichtet sind. _gruebel_

Aber wie gehen wir (oftmals?) mit Worten um, wir „schauen“, auf die Hülle, „wissen“, wie die Küche, das Wohnzimmer aussieht (stellen es uns lediglich vor, ohne es uns anzusehen) sind uns selten über den tatsächlichen Inhalt, im jetzt(!) bewusst. Von Umgang mit unserer jeweiligen Sprache hier noch gar nicht zu schreiben.

Sendet jemand (A) Edelsteine in einem Container, kann es schon mal passieren, dass der Abholer (B) mit einem 40-tonner Kipper-Lkw auffährt, um die „Steine“ abzuholen.
Achtung!
Jeder kann dabei A oder B sein.


Dann und wann, kann es hilfreich sein, sich eine Wortherkunft, den derzeit „üblichen“ Gebrauch anzuschauen oder einem Wort mal genauer auf die Buchstaben zu schauen, denn wir befüllen viele Worte selbst, im Laufe eines Lebensalters gelegentlich sogar unterschiedlich.

Viel wichtiger erscheint es mir allerdings, die „fremd befüllten“ Worte smop nicht achtlos zu gebrauchen, zu übernehmen, sonst leben wir schneller als uns lieb ist, das Leben unserer Großeltern, Eltern, Nachbarn, Politiker, Geistlicher, Ärzte, Erzieher oder was auch immer, jedenfalls nicht unser eigenes.

Ein schönes Beispiel hierfür, ist das Wort „normal“, ich habe mir vorgenommen, noch darauf einzugehen.

Genug der Vorrede, steige ich ein:

Wie häufig höre ich davon, dass es Hochsensiblen angeblich an Selbstbewusstsein mangelt. Ach, tut es das?

Die mir bekannten Hochsensiblen sind sich sehr wohl ihrer selbst, sowie ihrer jeweiligen Lage bewusst, haben allerdings seltener den Mut, damit nach außen zu gehen, es auszuleben oder wenigstens zu zeigen.
Ist hier die Diskrepanz im allgemeinen (unbedachten?) Sprachgebrauch, in dem dieses Wort benutzt wird, zu finden?

Liegt es daran, dass HSP etwas gespiegelt wird, was ihrem Selbstbewusstsein nicht gerecht wird. Das Bild der nicht-Hochsensiblen Außenwelt, nicht zu dem was sie innen bewusst spüren, passen will?

Verhält es sich nicht gerade in einer sensiblen Außenwelt (z. B. beim Spaziergang in der Natur) so, dass das, was wir bewusst spüren, einfach passt, stimmig ist?

Ich meine ja.

Wer, wenn nicht Hochsensible, hat so ein Bewusstsein für sich, hört ständig (mehr?) in sich hinein, als es mitunter „gut“ ist? Wer spürt sehr deutlich, oft mit Körperreaktionen, wie man sich in bestimmten Situationen >fühlt<, denkt, handelt, versucht es zu deuten, einzuordnen, gelegentlich(?) durch ein gezieltes Verhalten sogar zu vermeiden? Oder es genauso gezielt, zu suchen, es zu „brauchen“?

Welcher Mensch denkt beispielsweise schon morgens beim Aufstehen, öfter an den Busfahrer, welcher immer im gleichen Bus sitzend, mit einem „grauenhaften“ Rasierwasser und dem komischen Blick, an dem man vorbei muss, vor allem >an die Reaktion seines Körpers< darauf, ist sich ihnen sehr bewusst?
>Fühlt< sich sofort, rundum in Ordnung, wenn etwas Angenehmes, nur schon zu erahnen, in Sichtweite ist?
Oder, oder.

Sich manchen Situationen bewusst nicht, oder gerade bewusst gewachsen >fühlen<, ist eine Form von Selbstbewusstsein, man kann auch blind hinein stolpern. (Ist doch noch nie was passiert, ach?)

Ich denke, fehlendes Selbstbewusstsein, wird hier mit fehlendem Selbstvertrauen und /oder mit fehlendem Selbstwertgefühl verwechselt.
Welches gleichzeitig das, nach außen leben (und damit zeigen), von Selbstbewusstsein verhindert.
Wird doch in unserem allgemeinen Sprachempfinden eine selbstbewusst auftretende Person oftmals mit Stärke und (einen Hauch von) Extravertiertheit gleichgesetzt?

Über Stärke verfügen sehr viel mehr Hochsensible als man glaubt, als ihnen vielleicht selber bewusst ist, wenn überhaupt, fehlt hier ein wenig Selbstbewusstsein? Ein (genauerer) Blick auf die Situationen von Hochsensiblen im Alltag, insbesondere im Arbeitsleben (oftmals in engen Hierarchien), nicht jeder ist zunächst in einer selbstverantwortlichen Tätigkeit, kann das zeigen.

Wie viel mehr Stärke (und Kraft) gehört dazu, den mittlerweile selbst für nicht-Hochsensible (Stichwort: Burnout) bereits ganz normalen Wahnsinn, als HSP, welche ihn wesentlich tiefer durchschaut, einigermaßen heil zu überstehen?
Sehr viel mehr!

Während das Selbstbewusstsein anscheinend schon in frühester Kindheit voll da ist, verlieren HSP, nach meinen Beobachtungen, sehr häufig mit zunehmenden Alter das Vertrauen und das Wertgefühl für sich selbst, scheinbar ein „Lern- oder Anpassungsprozess“ in einer Welt der nicht-Hochsensiblen, für nicht-Hochsensible. Aber selbst darüber sind sich anscheinend viele HSP bewusst, lässt es einige verzagen!

Nicht wenige(?) sind sich ihres Bewusstseins für sich klar, aber vertrauen aus unendlich vielen „unangenehmen“ Erfahrungen nicht mehr auf das, was sie fühlen, handeln häufig, gegen das eigene so vertraute Gefühl (oft zu ihrem persönlichen Nachteil), halten sich, aber und abermal, irgendwie nicht für wertvoll genug, dagegen aufzubegehren.

Die Wurzeln dafür, dürften häufig in der Kindheit und Jugend liegen, sind zu Automatismen (Glaubenssätze werden zu Handlungsmustern) geworden.
Die gilt es heute aufzustöbern, übrigens auch bei Selbstbewussten Menschen, deutlich zu machen, nur dann kann man sie verändern! Dabei kann, jeder offene (und doch zunächst vorsichtige) möglichst persönliche Austausch mit (einer) anderen hochsensiblen Person(en) eine Hilfe sein, ähneln sie sich doch in vielen Lebensgeschichten.

Übrigens soll das nicht heißen, dass alle HSP so sind, das sollte klar sein, eine Bandbreite ist bei allen Menschen vorhanden.

Hochsensible sind sehr wertvoll für jede Gesellschaft, haben eine Aufgabe, das scheint nicht nur die Geschichte zu zeigen, sondern auch die Gegenwart, einige Menschen, insbesondere in „westlichen“ Gesellschaften, haben das noch nicht erkannt, benutzen aber Zuhause sensible Gas- und Rauchmelder (und vertrauen ihnen!).

Ach, ach was!?!


Bis hierher erst mal

Argus
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon ja » Do 29. Nov 2012, 09:30

Guten morgen argus!

ich liebe worte!
schön das du einen thread dazu aufgemacht hast!
ja ich denke auch jedem wort wohnt macht innne (haben die christen perfektioniet in dem sie gott die schöpfung durch das wort - "am anfang war das wort ..." entstehen haben lassen)

persönlich übe ich gewisse worte aus meinem aktiven wortschatz zu streichen bzw. sehr achtsam zu benutzen. unglaublich was sich da alles ändert. zum beispiel MUSS, müssen tut man nur aufs klo icon_winkle oder kann und will, kannst oft sage ich ich kann nicht - dabei wäre ich will nicht viel ehrlicher oder haben wir eine sehr militarisierte sprache, ganz viele begriffe und redewendungen kommen aus dem bereich da versuche ich genau hinzuschauen/hören was ich so sage ...


übende grüsse,
ja.
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon oceanna » Do 29. Nov 2012, 20:57

Hallo

Seit Wochen beschäftige ich mich mit verschiedenen Triggermechanismen und auch,was in diesem Fall HS von Nicht-HS unterscheidet und das erscheint mir wirklich kompliziert .

Sind es nun die Worte,worauf wir reagieren,die Assoziation,die ein Wort weckt,oder die Art und Weise,wie es von welcher Art von Mensch ausgedrückt wird oder vielleicht alles zusammen ?

Wisst ihr in jedem Fall warum ihr in einer bestimmten Situation gereizt reagiert oder ist euch das selber ein Rätsel ?
Viele Reaktionsmuster sind ja auch unbewusst.

Manchmal habe ich die allerbeste Motivation und jemand reagiert verärgert und ich weiss dann,dass es nicht wirklich an mir liegt .
Umgekehrt reagiere ich auf spezifische Situationen auch sehr emotional und meine Umgebung hat keine Ahnung warum eigentlich.

Nur wenn man die Mechanismen genau versteht ,kann man sie eventuell verändern .


@Argus:
Eine klitzekleine Bitte an dich,bitte nicht falsch verstehen .
Ich mag deine Beiträge,da sie sehr detailliert und gut durchdacht sind ,nur ist es schwierig auf solch lange Beiträge zu antworten.
Wenn du sie vielleicht etwas kürzer fassen und am Ende ein paar eindeutige Fragen formulieren könntest oder einen ganz bestimmten Punkt herausarbeitest,welcher dir am wichtigsten ist ?
Ich würde gerne mal eine schöne Diskussion mit dir führen und andere bestimmt auch .

Liebe Grüsse _Mij_
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon Elektra » Do 29. Nov 2012, 21:26

Ich finde Worte auch sehr wichtig!! Und die genaue Bedeutung derer. Denke auch schon mal viel nach über Worte. Mit dem Müssen hab ich mich auch schon mal näher befasst und muss meiner Vorrednerin vollkommen zustimmen! Man redet so oft vom Müssen dabei hat das in den meisten Fällen nichts mit Müssen zu tun. Unsere Gesellschaft legt uns dieses Müssen aber auch oft auf, mit dieser Leitungsgesellschaft. Da meint man oft wirklich es ginge ums Müssen. Wenn man sich dann aber mal richtig damit beschäftigt, merkt man das es eigentlich nur mit einem gesellschaftlichen oder äußeren druck zusammen hängt.
Ich versuche auch in Unterhaltungen meine Worte sehr genau auszuwählen. Eben auch wegen der Macht der Worte. Ich versuche schon immer ehrlich zu sein aber mit einer gewissen Diplomatie, um niemanden auf den Schlips zu treten. Das ist aber bisweilen schon ganz schön anstrengend. Aber ich wünsche mir doch oft, dass mehr Leute das so machen würden.
Und ich liiiiebe Worte, wenn sie so genau gewählt sind, wie in Zitaten oder Gedichten. Wenn dann ganz wenige Worte für so viel stehen. Da hab ich einen richtigen Faible für. Ich mag es, mich möglichst genau auszudrücken.
Worte können doch Fluch und Segen sein und ich finde es schade, wenn so leichtfertig damit umgegangen wird.
Der Sensible hat es immer schwerer im Leben - dafür lernt er auch mehr.
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon oceanna » Fr 30. Nov 2012, 10:09

Ich hab Worte auch immer geliebt,mit ihnen zu spielen,jonglieren,die Reaktion bestimmter Worte auf Menschen zu beobachten.

Das Problem mit der zu vorsichtigen Wahl von Worten sehe ich darin,dass es auf Kosten der eigenen Authentizität gehen kann.
Wenn ich meine starken Gefühle in Worte übersetze ,kann das für andere vielleicht übertrieben wirken und doch drücke ich ja nur meine Lebensrealität aus .
Inwiefern hat man also das Recht auf unbeschränkten Selbstausdruck ?

Bei der Beschreibung anderer Menschen oder bestimmter Situationen würde ich zustimmen,dass etwas Mässigung angebracht ist.

Freundliche,positive Worte möchte ich gerne ohne Einschränkung benutzen können,doch selbst damit kann man anecken.

Liebe Grüsse _flöwer_
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon ja » Fr 30. Nov 2012, 10:38

Hallo ihrs,

... Freundliche,positive Worte möchte ich gerne ohne Einschränkung benutzen können,doch selbst damit kann man anecken. ...

schrieb oceana.
Ich würde sagen gerade damit eckt man gerade an. Positives ist für manche menschen nicht bzw. kaum zu ertragen.
Meine these
A – es grenzt aus: über negatives kann man länger reden, mitleid zeigen und sich vielleicht mit lösungswegen beschäftigen
B – es eignet sich nicht zum energie-diebstahl, man kann an so einer klaren person nichts absaugen
_flöwer_
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon Argus » Fr 30. Nov 2012, 15:01

Hallo oceanna!

Zitat:
"Ich hab Worte auch immer geliebt,mit ihnen zu spielen,jonglieren,die Reaktion bestimmter Worte auf Menschen zu beobachten."

Könnte von mir stammen icon_winkle
Danke für die Erinnerung!

Ist es nicht auch der (mehr oder weniger erfolgreiche?) Versuch, Gleichgesinnte, gleich Veranlagte zu "entlarven" (oder eben nicht), zumindest (irgend)eine Wellenlänge zu ermitteln? Für mich ist es das, früher unbewusst, heute sehr bewusst, jeden Tag, oft verbunden mit einer "speziellen" Art von Humor.


Übrigens: Lange Texte sind meine Achillesferse, ich kann (scheinbar) nicht anders, denke ich doch in Bildern. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, kann ein Bild 1000 Worte ersetzen, umgekehrt "brauche" ich auch 1000 Worte um ein(!) Bild zu beschreiben. Habe immer den Eindruck nicht genug Hintergrund-info rüberzubringen, um mich verständlich zu machen. Jahrelanger Umgang mit nicht-Hochsensiblen. icon_winkle

Befinde ich mich ausschließlich unter HSP /HSM, ist das nicht erforderlich, wie mir die jeweiligen Kommentare, Antworten und Rückmeldungen zeigen. Verfügen sie anscheinend alle(?) über einen mindestens sehr ähnlichen Zeichen-, Wissens-, Erlebnisvorrat und Erfahrungsschatz. _läch_
Hier >lesen< aber vielleicht nicht nur HSP.

Also bitte ich um Nachsicht.

@ja

Diese These kann ich stützen, doch ecke ich, gefühlt, mein ganzes bisheriges Leben (in diesem Körper) an, außer unter HSP, mit denen mir das (noch?) nicht wirklich passiert ist, egal wie ich mich verhalte, dann doch lieber "vorbereitet", denn die Reaktionen sind oftmals gleich, so vorhersehbar, sind meist darauf aus, persönliches "Leid" zu erschaffen! (das ist ja schrecklich, furchtbar, provokativ, böse, arogant, wie auch immer, Hauptsache Leid)

Übrigens auch Worte über die und ihren unbewussten(?) Gebrauch man mal genauer nachdenken könnte. _läch_

Das verschafft mir den Zeitvorsprung, welchen ich aufgrund meiner genialen nichtvorhandenen Spontanität, offensichtlich brauche und dem Gegenüber die Möglichkeit, in persönliches Leid zu verfallen. Habe ich mir doch mittlerweile einen überschaubaren Reaktionsvorrat angelegt, und wenn mir dann "spontan" was davon einfällt... icon_winkle

Argus
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon oceanna » Sa 1. Dez 2012, 15:22

Hallo Argus

Ich mag diese Detailtiefe auch sehr ,besonders wenn es um zwischenmenschliche Fragen geht .
Da kann ich die wiedersprüchlichsten Thesen in einem Beitrag unter bringen und dann noch mal 20 verschiedene Fragen dazu .
Mir macht diese Komplexizität Spass ,doch sind andere damit vielleicht überfordert .

Also habe ich mir angewöhnt lieber etwas mehr Themen aufzumachen,damit auch all die Details zur Sprache kommen und nicht untergehen.
Viele Nicht-HSP sehen auch nicht den Sinn in komplexen Fragestellungen und Synthesen während es für uns ein alltäglicher Bestandteil des Denkens darstellt.

Dadurch,dass wir jedes Thema schon so tief durchdacht haben,bevor wir es öffentlich machen sind wir auch keine so einfachen Gesprächspartner.
Da kommt dann einer und sagt :Wenn du sowieso schon alles besser weist,warum willst du unsere Meinung dann überhaupt hören ?

Also ist man ständig auf der Suche nach hochwertigen Gesprächspartnern ,die einem Dinge beibringen können ,die man selber noch nicht durchdacht hat.

Vielleicht haben HSP eher eine Lehrfunktion ?
Doch dann besteht wieder die Frage genau wie wir unsere Erfahrungswelt den anderen verständlich machen können.

Liebe Grüsse _Mij_
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon Argus » So 2. Dez 2012, 22:31

Hallo!
@ oceanna » Do 29. Nov 2012

Ein sehr interessanter Aspekt, wie ich finde, hier meine (bisherigen) persönlichen Erkenntnisse.

Zitat:
„Sind es nun die Worte,worauf wir reagieren,die Assoziation,die ein Wort weckt,oder die Art und Weise,wie es von welcher Art von Mensch ausgedrückt wird oder vielleicht alles zusammen ?“

Kurz:
Alles zusammen, in verschiedenen Kombinationen oder auch einzeln, je nachdem, ganz besonders, wenn Gefühle oder gar Emotionen im „Spiel“ sind. Worte können hier eine entscheiden Rolle spielen, aber vermutlich ist der, zugewiesene Inhalt, sowie der Gesamtzusammenhang, in dem wir sie speichern, extrem entscheidender.
Selbst einige(?) n-HSP erinnern sich beispielsweise an ihren ersten Kuss, vielleicht ausgelöst, durch ein Musikstück oder den Geruch von Räucherstäbchen oder was immer.

Lang:
Menschen sind ständig auf Empfang, nehmen pausenlos (HSP dabei deutlich mehr?) Daten auf, hierbei kann ich für mich, in den Auswirkungen erkennen, dass diese Informationen parallel verknüpft werden, mit bekanntem (Unbewusstem und bewusstem), oftmals an der bewussten Wahrnehmung vorbei, denn ich kann mich häufiger nicht erinnern, woher ich so manche Information habe.

Dabei erfolgt die Aufnahme unabhängig von Alter oder Wachzustand, anders sieht es hier bei den Möglichkeiten der Reflektion darauf aus, die beispielsweise einem Kind (je nach „Alter“) nur sehr bedingt, wenn überhaupt zur Verfügung stehen. Die Aufnahme ist aber dieselbe!
Eine bewusste (spätere) Reflektion ist, soweit ich weiß, die Grundlage einer Therapieform, bei psychologischen Symptomen, auf tiefenpsychologischer Basis, man möge mich ggf. korrigieren.

Ist diese Verknüpfung, egal in welchem Lebensalter erfolgt, kann jeder Anteil dieser Verknüpfung andere Anteile, mal mehr, mal weniger, direkt hervorbringen. Oftmals mit allen Parametern /Einzelheiten, Stimmlage, Geräusch, Geruch, Farben, im Paket, ganz entscheidend: Gefühl meist mit Emotionen verbunden sind offensichtlich immer(?) dabei.

Für mich ist es nicht das klassische „sich erinnern“, sondern es ist, einmal ausgelöst, schlagartig parat.
Und es fühlt sich persönlich für mich oftmals so an, als wäre ich in zwei Situationen (nehme sie als eine wahr?) gleichzeitig, in der realen seiend und der assoziierten fühlend, oder umgekehrt.

Da kann man als Erwachsener plötzlich 6 Jahre alt sein und der Situation, diesem gefühlten Alter angemessen, völlig hilf-, sprach-, oder tatenlos gegenüberstehen.

Übrigens: Das wird wiederum gespeichert, erinnert, vielleicht ein Grund dafür, sich gefühlt (im Nachhinein) weniger über die Situation, als vielmehr über seine spontane Hilflosigkeit, zu ärgern. (Bringt aber erst mal nichts) _%_

In dem viel größeren Vorrat an „wahrgenommenen“ (und oftmals negativ bewerteten?) Situationen, in der offenbar sehr viel stärkeren Rolle, welche die (nicht nur eigenen) Gefühle, mehr noch, die Emotionen, bei der Aufnahme, sowie der „Wiedergabe“ spielen, sowie in dem Detailreichtum, scheint mir der deutlichste Unterschied in der Wirkung bei HSP und n-HSP.

Jeder (noch so kleine) Parameter einer Verknüpfung, kann anscheinend bei Hochsensiblen eine sehr viel umfassendere Assoziation hervorrufen, sind wir doch auch im inneren Empfinden, wahrnehmen nach innen, also dem „Abspielen“ wesentlich sensibler.

Zitat:
„Wisst ihr in jedem Fall warum ihr in einer bestimmten Situation gereizt reagiert oder ist euch das selber ein Rätsel ?“

Bei mir sehr unterschiedlich, obwohl ich mittlerweile viele „Standardsituationen“, ihre Auslöser, für mich erkannt habe. Da, insbesondere emotionsgeladene, gefühlsbestimmte Situationen in mir, wie in vielen (allen?) Hochsensiblen nachhallen, wie ein angeschlagener asiatischer Gong von 3 Metern Durchmesser, über Stunden, Tage, Wochen oder länger, komme ich schon oft später „spontan“ auf eine klare Sicht der Fakten.

Es hilft mir nicht immer wirklich, ist die Situation Geschichte, die Beteiligten oft nicht mehr erreichbar. Und wenn, wissen sie oft schon nichts mehr davon.
Und doch kann es sehr dienlich sein sich, wenn es denn so sein sollte, auch im Nachhinein, ohne sich zu belügen, also nach Fakten, ganz egoistisch, >für sich< zum „Sieger“, zu erklären, denn das Unterbewusstsein hört immer mit, speichert und speichert und...

In einer dem Unterbewusstsein passenden, uns, dem Bewusstsein meist sehr unpassenden Situation stellt es das Gespeicherte zur Verfügung. Hmm?

Zitat:
„Viele Reaktionsmuster sind ja auch unbewusst.“

Genau darum. Aber es gilt für mich, die Glaubenssätze, welchen den Verhaltens-, Reaktionsmustern zugrunde liegen, aufzuspüren, dabei hilft mir auch der offene Austausch mit HSP.

- Trennung -

Zitat:
„Also habe ich mir angewöhnt lieber etwas mehr Themen aufzumachen,damit auch all die Details zur Sprache kommen und nicht untergehen.“

Sehe ich prinzipiell ähnlich, aber…

Da nach meinem Empfinden alles mit allem verbunden ist, alles übergreifend betrachtet werden sollte (muss?), habe ich den Eindruck, dass dabei vieles, weil (vielleicht damals?) im anderen Thema besprochen, jetzt nicht betrachtet wird, es „untergeht“ in der Masse der Daten. Zumal ich (besonders) bestrebt bin, mich, den Initiator respektierend, an die jeweilige Überschrift zu halten. Mir fällt es schwer, viele Themen, mit der nötigen Aufmerksamkeit, gleichzeitig zu beobachten.

Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Ich bin aber noch zu „neu“ hier, um das für mich beurteilen zu können.

Zitat:
„Vielleicht haben HSP eher eine Lehrfunktion ?“

Ich würde es so sehen, aber noch einen Schritt weitergehen(?), haben sie vielleicht die Funktion zu erinnern?


Wie sagt Fahrradhändler Iwan:
„Kommt Zeit, kommt Rad“ icon_winkle

bis denne

Argus
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Re: Vom Umgang mit Worten

Beitragvon oceanna » Mo 3. Dez 2012, 21:17

Hallo Argus

Nur eine Kurzantwort,die Familie ruft.

Wie meinst du das ,dass HSP die Aufgabe haben zu erinnern ? Mit welchem konkreten Ziel ?

Die Assoziazionsketten,von denen du sprachst,die durch ein winziges Detail ausgelöst werden können ...kennst du Techniken,womit man das anhalten kann oder Möglichkeiten der Andersprogrammierung ?
Bei schlechten Erfahrungen ,wie Traumata,ist es einfach nicht denkbar,wieder und wieder detailliert alles erleben zu müssen.

Diese Mehrfachperspektiven,die du erwähntest kenne ich auch,jüngeres Ich und älteres Ich,beide mit ihren spezifischen ganz berechtigten Ansprüchen.
Verstandes-Ich ,Gefühls-Ich ,die nicht immer an einem Strang ziehen wollen,sich aber eine Person teilen müssen,oder so...

Das mit der unbewussten Aufnahme von Informationen finde ich auch interessant,das könnte man noch vertiefen.

Bis bald _hello_
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