Warum wird man Misanthrop?

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Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon Fallout_Boy » Fr 13. Feb 2015, 04:55

Das ist eine Frage, dich mich schon seit sehr langer Zeit beschäftigt. Als leidenschaftlicher Philantroph konnte ich es mir nie erklären, warum einige Menschen sich als Misanthrop sehen. Ausgeschlossen sind jegliche, die der Menschheit schlechtes wünschen. Nach nun so vielen Jahren der nicht-liebe und meinen "Bemühungen" dieses zu ändern, kann ich diesen nun voll und ganz nachvollziehen. Da möchte man seinen Mitmenschen im handeln und sprechen absolut nichts schlechtes, und doch wird man so behandelt, als wäre man menschlich nicht Tragbar und bekommt Sätze vorm Latz geknallt, die so unglaublich sind, das sie niemand glaubt wenn man sie weiter erzählt. "Glaub ich nicht...", "Ach komm hör auf rumzuspinnen...", "na wenn du meinst...", "das entspringt nur deiner Phantasie.", "du bist nichts, du kannst nichts und du wirst nichts!" und der Höhepunkt, "du wirst niemals glücklich werden!". Und das waren bei weitem nicht alle. Viele habe ich mit meiner direkten Art (Axt) provoziert, andere viele wurden mir zu teil, weil ich zur falschen Zeit am falschem Ort war. Besonders was habe ich für eine negative Ausstrahlung, dass mich wildfremde Menschen beleidigen, mit denen ich nicht mal ein wort gewechselt habe? Eine ganz schön miese offensichtlich. Mein streben nach Liebe versuche ich nun schon seit 2 Jahren zu beenden, da ich es ja "nicht verdient habe geliebt zu werden" und ich das auch glaube. Trotz alle dem ist mir bewusst, dass man noch oberflächlicherweise den Kontakt halten kann. Aber gerade wenn man sich oberflächlich Verhält, wird mir für Gefühlskalt und Arrogant abgestempelt und das ist die größte Verletzung und Beleidigung die es gibt. Wenn man jedoch seine Gefühle offenbart, werden sie getreten, gehauen, bespuckt, gebissen, beritzt, bemalt und zerkleinert, auch wenn man sie lange genug für sich behalten hat. Was nun machen, wenn man der Liebe hinter rennt, im Berufsleben nur angegriffen wird, da man ja eine Mimose ist, keine Familie hat und viel zu schüchtern ist um zu flirten? Und Pillen kommen nicht infrage. Eine schlechte Farce.........letztes Jahr meinte eine Dame, nachdem wir circa 20min geredet haben, ich sei der Hammer, mich will sie heiraten. Das hat sie aber nur so gesagt. Und ich Esel renne der Mohrübe hinterher.....nee nee nee.......Gefühle kann man nicht abstellen und Hoffnung ist ein Gefühl. Die einzige Lösung dieses Gefühl auszulöschen, ist die Menschenflucht, die Misanthropie. So gerne hätte ich Familie und Liebe und Kinder gehabt, ein Kind konnte ich ja wenigstens schon Zeugen :) :( , aber das was man am meisten begehrt, bekommt man nicht. So ist das Leben bzw viele Menschen. Wenn sie wisse sie habe die Macht jemanden negativ zu beeinflussen, dann tuen sie es auch. Jeder sieht das Leben als Spiel und so verhalten sich die aller meisten auch. Der Menschheit wünsche ich definitiv nichts schlechtes, denn es gibt genug andere, die es nicht so sehen und verhalten. Die Misanthropie wird für die nächsten 70 Jahre mein Leben sein.
Bevor ich Zyniker werde, werde ich Misanthrop!

Euch allen wünsche ich nur das Beste vom Besten,
denn nur das hat jeder einzelne Mensch auch verdient.

Over and out
Fallout_Boy
 

Re: Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon Equilibrium » Fr 13. Feb 2015, 06:30

Bestürzend zu lesen, was du erlebst und verständlich, aber traurig, dass du so ein Menschenbild entwickelst.

Womöglich ist es für dich interessant zu erfahren, dass ich z.B. die Wirklichkeit völlig anders erlebe, ich erfahre Hilfsbereitschaft, Vertrauen & Liebe von anderen Menschen. Ich weiß nicht, was du anstellst/ausstrahlst, so behandelt zu werden. Ich glaube, jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt und wir machen den Fehler zu glauben, wir wären alle in einer einzigen. Ich glaube unser Sein entsteht stark durch Einflüsse unserer Eltern & Vorfahren und ich kann mir nicht helfen, anzunehmen, dass du auch aus früheren Leben etwas übernommen haben musst, dass dich die Welt nun so erleben lässt. Ich habe in meinem Leben beobachtet, dass wenn ich meine Einstellungen ändere, mein Umfeld darauf reagiert und die Welt tatsächlich verändert. Ich will damit nicht sagen, dass du Schuld daran bist, denn unsere Muster suchen wir uns nicht aus, sondern dir Mut machen und dir sagen, dass ich erlebt habe, dass soetwas nicht so bleiben muss und veränderbar ist.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du erlebst, wie liebevoll und warmherzig die Welt sein kann.

Mitfühlend verbleibe ich
Equilibrium
Findet euch selbst, seid ihr selbst, folgt euren eigenen Eingebungen und Impulsen, nichts und niemand anderem. Zerstört alle Bilder, die ihr euch von euch selbst, von den anderen und von den Rollen der Geschlechter gemacht habt, und vertraut dem Wildwuchs eurer eigenen Natur.
Safi Nidiaye


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Re: Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon derKleine » Fr 13. Feb 2015, 10:09

Ich selber sehe ich mich eigentlich als Philanthrop. Zwar habe ich - wie die meisten Menschen - auch Ablehnung und Hass erlebt, aber ich versuche dann in der Regel, dies als Einzelfälle zu sehen. Außerdem beschäftige ich mich mit Themen wie Psychologie, Soziologie, etc., mit deren Hilfe ich mir zu erklären versuche, weshalb Menschen (und Menschengruppen) immer wieder dazu neigen, andere auszugrenzen oder zu hassen.

Somit sehe ich solche Sachen als Phänomene der menschlichen Psyche, die Menschen zum Teil erfassen können, wenn bestimmte Bedingungen, Situationen und Erlebnisse (auch die Erziehung) zusammen kommen.

Glücklicherweise erlebe ich auch immer wieder das Gegenteil: freundliche, hilfsbereite und sympathische Menschen. Und ich versuche so gut es geht, mich überwiegend in deren Gesellschaft aufzuhalten. Somit neige ich zu der Ansicht, dass der Mensch das Zeug zur Menschlichkeit hat, aber man könnte sich mal überlegen, welche Mechanismen zu negativen, ausgrenzenden, diskrimierenden, hassenden Verhaltensweisen führen, um in Zukunft vielleicht eine insgesamt menschlichere Welt schaffen zu können.
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Re: Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon Velvet » Fr 13. Feb 2015, 11:07

Hallo Fallout_Boy,

ich wünsche dir, dass du einen anderen Weg finden kannst um dich vor Verletzungen zu schützen, als ein Misanthrop zu werden. Ich kann deine Gedankengänge gut verstehen denke aber, dass Misanthropie letztlich nur dich selbst am unglücklichsten macht. Menschen zu hassen schließt dich selbst ja mit ein, da du nun mal einer bist. Und, es macht dich absolut unempfänglich dafür, wonach du eigentlich suchst: Liebe und Anerkennung dessen, wer und was du bist.

Ich glaube, Gefühle kann man nicht "auslöschen", aber man kann sie beeinflussen mit dem, was man- vor allem über sich selbst- denkt. Wenn du dich für den Hass entscheiden möchtest, gibst du ihm viel Raum, den er auch aus-nutzen wird. Und gerade das ist es ja, dem du auszuweichen versuchst. Meine Erfahrung ist, je liebevoller ich in mich selbst sehen kann und vor allem meinen eigenen Maßstab setze, Urteile von außen nicht mehr so persönlich nehme (niemand kennt dich besser als du selbst), fällt es mir leichter, mit der Verschiedenartigkeit der Menschen auszukommen. Und um deine Eingangsfrage aus meiner Sicht zu beantworten: Sie werden zum Misanthrop, weil sie sich selbst nicht wertschätzen und annehmen können und vergeblich, zunehmend frustriert und schmerzhaft im Außen suchen, was sie nur in sich selbst finden können.

Alles Gute wünsch ich dir!
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Re: Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon Sabo » Sa 14. Feb 2015, 07:42

Sollte man Misantroph werden,weil die Welt unfair ist. Weil Menschen lügen, egoistisch sind und sich am Leid andere ergötzen oder es aus purer Feigheit ignorieren?
Sollte man Misantroph werden, weil einen das Leben nur mit Füssen tritt und dem arrogantem Nachbar alles zugeworfen wird?
Hmm ich denke nicht, weil Misantrophie eine Form von Verallgemeinerung, aber wir Menschen sind dafür viel zu unterschiedlich.
Es gibt viele Menschen die es nicht verdient haben, einfach aus Prinziep gehasst zu werden. Individueden die ein Gegenstück zu dem hässlichem Wesen des Menschen bilden, welches wir so oft im Alltag sehen.

Vieleicht bist du aber auch gerade in einem Schwarzen Loch, was verständlich ist. Es ist auch verständlich in diesem Schwarzen Loch bleiben zu wollen,weil auch Resignation eine Form von Zufriedenheit ist. Aber vergiss nicht, dass du in diesem Loch die Welt wie sie ist,nicht sehen kannst. Und wenn du nun schon eine ganze Weile in diesem Schwarzem Loch bist und die Kraft nicht findest wieder aufzusteigen, gib nicht auf, gib nicht auf wie es schon viele zu viele gemacht haben.
Erinnerst du dich an den Typen der aufgegeben hat? Nein,ich tu es auch nicht, niemand erinner sich an ihn.
Der Segen und Fluch eines Skeptikers ist der Zweifel an sich selbst.
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Re: Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon Velvet » Sa 14. Feb 2015, 10:20

Sabo hat geschrieben:
...weil auch Resignation eine Form von Zufriedenheit ist.


Das find ich einen guten Gedanken.
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Re: Warum wird man Misanthrop?

Beitragvon Sonnensumpf » Di 17. Feb 2015, 00:02

Ich denke das Dasein als Misanthrop ist nur eine kurze Phase, auf die eine Phase der erneuten Selbstfindung folgt. Aus neuen Erkenntnissen und EIndrücken folgen neue Perspektiven und Wege, die man mehr oder weniger erfolgreich beschreitet und danach kann es erneut zu Misanthrop-Phasen kommen, worauf eine Phase der Besinnung/Selbstfindung/Erkenntnis folgt..usw.
Je länger man lern- und experimentierfreudig bleibt und Erlerntes behält, desto geringer ist die Gefahr, in irgendeiner Phase steckenzubleiben. Irgendwann stumpft dann die Empfindung bei mehrmals erlebten Situationen ab und negatives wird dann nicht mehr so schlimm empfunden, wie ein paar Jahre / Erlebnisse vorher.
Misanthrop ist man also nicht als Dauerzustand, weil man mit der Gesellschaft nicht zurecht kommt.
Selbst scheinbar ausweglose Situationen sehen etwas später schon ganz anders aus..vorausgesetzt,
man arbeitet an sich, denkt selbst nach, versucht selbst etwas..und wenn dann noch passende Hilfe wie hier im Forum geboten wird, geht es weiter..

Warum wird man M.? DIe Frage stellt sich mir nicht, denn:
Keiner käme umgekehrt auf die Idee, mir wegen Hilfsbereitschaft zu entgegnen: "Oh, danke. Sie sind aber ein Philanthrop!"
Misanthrop fällt in einer einigermaßen anspruchsvollen Diskussion eher mal, wenn dem Gegenüber die Argumente ausgehen, oder selbiger beleidigt ist, weil der Schnorrveruch (nicht aus Not, manche machen das aus Gewohnheit) mit einem klaren "NEIN!" ins Leere läuft.
"Nazischwein" oder "Frauenhasser/Misogyn" kann man ja schlecht sagen, wenn es nur um eine Zigarette geht.
In der Geschichtsschreibung könnte man etliche Misanthropen aufzählen. Da passt der Begriff für ein Herrschaftsleben voller Misgunst, Tricksereien, Gier und Grausamkeiten.
smuup Da sind ja Gründe. ...aber davor steht Herrschaftsleben. Solange man keine Millionen hat und nur für sich behält, oder Tausende Menschen ins Verderben stürzt, ist Misanthrop irgendwie übertrieben.
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