Was du hast, ES hat irgendwann dich

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Was du hast, ES hat irgendwann dich

Beitragvon ominöses_Ich » Do 14. Feb 2013, 23:47

Produkt meiner heutigen nächtlichen Denkprozesse, zum teilen. Was soll man hier in der Klinik auch machen, wenn man nicht schlafen kann( gestern, Di früh Mandel OP )

Fakt: alles was wir uns anschaffen, aufbauen, bekommen und wünschen. wir müssen uns drum kümmern um es zu pflegen/erhalten, evtl eingrenzen oder? Aber wie?
Wissen wir, was wir da tun, worauf wir uns einlassen..? Ist es nicht alles nur ein "Rollentausch?" Wer gehört wem?

Als Kind hatte ich, z.B...
.. spielzeug. jetzt lasse ich mich stundenlang von der glotze berieseln (von stupiden browser games, spielkonsolen und diverser vergleichsware mal abgesehn..)
.. taschengeld. jetzt hat das geld mich. ohne moos nix los.
.. fantasie. jetzt bin ich vollkommen gefangen im netz verschrobener fantasie. der erwachsene nennt es !Wahn"
.. jede menge bekannte/freunde der familie, regelmäßige treffen in großem rahmen. jetzt bin auf dem besten wege einer sicheren sozialphobie.
.. wünsche. sie haben mich insofern, eingewickelt, dass ich zu lange in einer traumwelt gelebt habe und jetzt in der realität mich nicht zurechtfinde. ich kann mir sogar wünschen nicht anwesend zu sein (sollte man als erwachsener nicht mehr tun , verlor mein job wegen "arbeitsverweigerung" , steht zumindest auf der kündigung. dissoziation kommt da anstelle so blöd.)
.. und ich hatte oft mal angst. jetzt hat die angst mich an der hand, und lässt mich nicht mehr gehen wohin ich will...

kennt ihr das..?
ominöses_Ich
 

Re: Was du hast, ES hat irgendwann dich

Beitragvon Vanille » Sa 16. Feb 2013, 02:18

ominöses_Ich hat geschrieben:Als Kind hatte ich, z.B...
.. spielzeug. jetzt lasse ich mich stundenlang von der glotze berieseln (von stupiden browser games, spielkonsolen und diverser vergleichsware mal abgesehn..)
.. taschengeld. jetzt hat das geld mich. ohne moos nix los.
.. fantasie. jetzt bin ich vollkommen gefangen im netz verschrobener fantasie. der erwachsene nennt es !Wahn"
.. jede menge bekannte/freunde der familie, regelmäßige treffen in großem rahmen. jetzt bin auf dem besten wege einer sicheren sozialphobie.
.. wünsche. sie haben mich insofern, eingewickelt, dass ich zu lange in einer traumwelt gelebt habe und jetzt in der realität mich nicht zurechtfinde. ich kann mir sogar wünschen nicht anwesend zu sein (sollte man als erwachsener nicht mehr tun , verlor mein job wegen "arbeitsverweigerung" , steht zumindest auf der kündigung. dissoziation kommt da anstelle so blöd.)
.. und ich hatte oft mal angst. jetzt hat die angst mich an der hand, und lässt mich nicht mehr gehen wohin ich will...

kennt ihr das..?



Hallo ominöses_Ich _flöwer_

Das klingt nach Gedanken, die ich manchmal vor dem Schlafengehen habe und deswegen dann auch noch Stunden im Bett liege, und deshalb nicht einschlafen kann... ^^'' Habe große Familienansammlungen schon immer nicht leiden können und oft vermieden, lag aber daran, dass sich da alle was vorgeheuchelt haben und keiner wirklich gerne da war.

Ich möchte dir nicht zu Nahe treten, aber kannst du das mit der Traumwelt ein bisschen näher ausführen? Zur Dissoziation neige ich nicht, ich kann es dafür zB noch gut genug kontrollieren. Wenn meine Gedanken am wandern sind und ich in dem Moment auch realisiere, was ich mir wünsche, überlege ich mir im nächsten Moment schon, ob ich darauf hinarbeiten möchte und kann. Aber mir hat geholfen, meine Lebenseinstellung generell zu verändern, mit wenig zufrieden zu sein und mein Glück nicht von Dingen abhängig zu machen, von denen ich zwangsläugig abhängig bin. Wie von dem lieben Geld zum Beispiel... Das sind bei mir dann immer Ohnmachtsgefühle, wenn mir bewusst wird, wie viel Sicherheit man eigtl braucht und wie wenig frei man sein Leben letztlich gestalten kann. Aber das, was man wirklich will und was einem möglich ist, darauf sollte man aufbauen, finde ich. Zum Beispiel gute Freundschaften zu pflegen, sich ab und zu was zu gönnen und versuchen, seinem Leben einen eigenen Sinn zu geben (schwierigste Aufgabe überhaupt >.<). An manchen Tagen scheint mir die Sonne aus dem A**** und an anderen kommen mir dann solche Gedanken, wie du sie beschrieben hast. Habe dann auch oft das Gefühl, dass mir die Zeit wegrennt... _%_ Das ist auch so ein Faktor, die Zeit. Ich finde Zeit ist das wertvollste und unkontrollierbarste, was wir haben... Macht mich verrückt eh, und ich muss jetzt schlafen... _grin_

Mit den Gedanken ging es mir irgendwann so schlecht, dass ich meine Einstellung einfach ändern musste. Jetzt sind sie viel seltener da und ich verwende meine Energie lieber darauf, so viel in die Realität umzusetzen, wie ich möchte, mir möglich ist und was mich glücklich macht.

Das ist so schön wub :

"It’s dark because you are trying too hard. Lightly child, lightly. Learn to do everything lightly. Yes, feel lightly even though you’re feeling deeply. Just lightly let things happen and lightly cope with them. I was so preposterously serious in those days, such a humorless little prig. Lightly, lightly – it’s the best advice ever given me…So throw away your baggage and go forward. There are quicksands all about you, sucking at your feet, trying to suck you down into fear and self-pity and despair. That’s why you must walk so lightly. Lightly my darling, on tiptoes and no luggage, not even a sponge bag, completely unencumbered." (Aldous Huxley)

gutenacht
“Das merk­würdige Paradox des Lebens ist:
Erst wenn ich mich akzeptiere, so wie ich bin, kann ich mich ändern.”
(Carl Rogers)
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Re: Was du hast, ES hat irgendwann dich

Beitragvon ominöses_Ich » Sa 16. Feb 2013, 23:14

Hallo Vanille _Mij_ ,
hab lieben Dank für deinen Beitrag, deine soo weisen Worte, die mir Mut gemacht haben, mich nicht hinter meiner Negativbrille verstecken zu müssen.. leichter durchs Leben zu gehen.. mit weniger auszukommen und sich das im Leben herauszupicken, was wirklich befriedigend ist.. Man muss sich eben immer daran erinnern lassen, danke2


Vanille hat geschrieben:Ich möchte dir nicht zu Nahe treten, aber kannst du das mit der Traumwelt ein bisschen näher ausführen? Zur Dissoziation neige ich nicht, ich kann es dafür zB noch gut genug kontrollieren.


Um mit den Worten Picasso´s einzuleiten: Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen. Wirklichkeit wird erfunden, nicht ge-funden, oder?
Auch "meine Realität" ist nicht einzig, nicht unveränderbar, sondern ich kann sie gestalten wie ein Bild. Realität für jedes Individuum immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung. Hm, in mir war schon immer ein starker Drang erkennen zu wollen, was außerhalb meiner Erlebniswelt liegt.
Immer war da der Gedanke, die Flucht aus der Realität, die ich ich oft beengend fand. Familie, Schule, Pflichten- Ich brauchte statt dessen Raum und Weite um mich herum- auch im Kopf. Ein stetiges Wunschdenken, und Gedankenreisen.. ich erinnere mich, wie ich als kleines kind oft nicht einschlafen konnte, mir vorstellte von Sanitätern weggetragen zu werden, mir auf seltsame Weise wünschte "tot" oder errettet zu sein , warum auch immer war früh diese vorstellung da, über nacht in ein anderes leben zu reisen. Ich stellte mich im Bett wie tot, regungslos, minutenlang. Aber das bedürfnis nach den erlösenden Rettern die mich wegtragen wurde nie gestillt..
Immer wenn alles zu schrill und bunt wurde, half eine Art selektive Wahrnehmung, alles störende blendete ich aus, "tat so" als sei ich weggetreten, nicht ansprechbar, "ach, träumt sie wieder".. Ich suchte Ordnung, Halt und zugleich Flucht. Ich war der Überzeugung, meinen wegwandernden Gedanken einfach hinterherzugehen und sich wenn immer möglich vor der "WELT" drüken zu können.
In kreativem wahn, (geschichten schreiben, malen, klavier spielen, Wolkenfiguren finden, mit tieren reden) fühlte ich mich ungestört frei.. kreativität ist immer mehrdimensional, ohne Gesetze und Logik. Das gefiel mir. Seit ich denken kann wollte ich immer nur ausbrechen , entrückt werden, wie auch immer.
Ichbin wohl auf diesem Planeten noch nicht angekommen...suche Novalis "blaue Blume"...

Während im Realismus der Beobachter die Welt gleichsam von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet, (sich beobachtend nicht als Teil der Welt sieht) weist der Radikale Konstruktivismus darauf hin, dass dieser Standpunkt nicht eingenommen werden kann: Der Beobachter ist immer Teil der Welt und hat immer einen subjektiven Standpunkt und beeinflusst so immer auch die Beobachtung selbst.
Erst spät erkannte ich: Es sind also nicht die Dinge die wir vorfinden, die uns beunruhigen, sondern wie wir sie bewerten...

(kein plan ob ich dein vorsichtiges nachfragen beantworten konnte.. smuld )

lg
ominösi (spitzname hat Maggie hier "erfunden", gefällt ;-), übernommen)
ominöses_Ich
 

Re: Was du hast, ES hat irgendwann dich

Beitragvon Vanille » Do 21. Feb 2013, 22:53

Erstmal Entschuldigung, dass ich verspätet antworte... ;\ Habe den Beitrag schon aufgerufen, hatte aber jedes Mal ne "Matschbirne" und wollte lieber konzentriert antworten.


ominöses_Ich hat geschrieben:Immer war da der Gedanke, die Flucht aus der Realität, die ich ich oft beengend fand. Familie, Schule, Pflichten- Ich brauchte statt dessen Raum und Weite um mich herum- auch im Kopf. Ein stetiges Wunschdenken, und Gedankenreisen..



Du hast das sehr gut beschrieben und gerade dieses Zitat empfinde ich haargenau so! Ich finde, dass es auch was sehr gesundes an sich hat, dieses Bedürfnis zu haben, ja, überhaupt zu erkennen, dass man diese Bedürfnisse in sich trägt. :) Immerhin merkt man, dass man mit der Situation um sich herum nicht zufrieden ist und schafft sich eine Art "sicheren Ort" im Kopf, oder?


Wie gesagt, ich war auch mal an dem Punkt, als mir das Angst machte und ich es damit übertrieben hatte. Deswegen ist ein Ausgleich von diesen Gedankenreisen und der Auseinandersetzung mit der Realität wichtig, glaube ich.


Freut mich, dass ich dir mit meinem obigen Beitrag ein bisschen Ruhe geben konnte und wünsche noch einen schönen Abend :)
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Re: Was du hast, ES hat irgendwann dich

Beitragvon Maggie123 » Do 21. Feb 2013, 23:26

Hallöchen Ominösi, hallöchen Vanille,

mit Herzpuckern habe ich eure wundervollen Worte gelesen. Danke dafür! danke2

Auch ich träume immer wieder, ich sei tot und warte auf eine Rettung,
bloß bei mir kommt keiner.
Hoffentlich kommt bei euch jemand ... , jedenfalls wünsche ich euch starke und
wunderbare Arme, die euch liebend umfangen, die euch den Seelentrost geben,
den ihr so schmerzlich vermisst.

Ich finde meinen Trost in der Natur und freue mich auf den Frühling, der auf leisen
Sohlen naht. _floating_heart
Manchmal vermag uns ein durch den Asphalt brechendes Blümlein die tägliche Frage
nach dem Sinn des Lebens eindrücklicher und überzeugender zu beantworten, als eine
ganze Bibliothek philosophischer Schriften.

"Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken."
(Novalis)

Danke euch für eure lieben und klugen Worte!

Liebe Grüße von Maggie _wol_

Bild
Pax!
Maggie123
Gold Member
 
Beiträge: 391
Registriert: Mi 19. Dez 2012, 20:44

Re: Was du hast, ES hat irgendwann dich

Beitragvon ominöses_Ich » So 24. Feb 2013, 14:29

Maggie123 hat geschrieben:... jedenfalls wünsche ich euch starke und
wunderbare Arme, die euch liebend umfangen, die euch den Seelentrost geben,
den ihr so schmerzlich vermisst. (...)
Manchmal vermag uns ein durch den Asphalt brechendes Blümlein die tägliche Frage
nach dem Sinn des Lebens eindrücklicher und überzeugender zu beantworten, als eine
ganze Bibliothek philosophischer Schriften.


Liebe Maggie
danke für deine lieben Zeilen. Diesen Seelentrost wünsche ich auch dir.
_bee_ Eine Hummel hat sich zum Glück noch nie die Frage gestellt, warum sie fliegt. Der Mensch hält sie für zu dick.. laut Berechnungen...
Und von der Philosophie wird man nicht satt, im Gegenteil. Es ist eine endlose Suche voller Irrwege mit nur noch mehr Fragen.

Ich sehne mir den Frühling auch so sehr herbei.
Wenn die unbunte leblose Winterwelt vergeht, öffnet sich auch wieder mein Herz für das Leben- wie eine Knospe.
Wenn die Sonne wieder wärmend lacht, man sich weniger Sorgen macht.

Lasst euch bei Sonnenschein, einfach mal so von der Guten Laune in ihre Tasche stecken!

Liebe Grüße
das Ominösi
ominöses_Ich
 



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