Was ist ein "gutes" Leben?

Moderatoren: Hortensie, Eule, jules1976

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon streunerin » Fr 1. Jun 2018, 18:17

cindy sun hat geschrieben:
Du nennst ein gutes Selbstwertgefühl als wichtig. Da stimme ich dir zu, wobei ich denke, nur mit einem gesunden Selbstwertgefühl kann ich authentisch sein. Denn Authenisch sein bedeutet ja häufig gegen den Strom zu schwimmen.


Liebe Cindy,

die Grundhaltung sich selbst und anderen Menschen freundlich zu begegnen und nicht zu schaden, erscheint mir essentiell. Authentizität und mit sich selbst in einer guten Balance zu schwingen erfordert nach meiner Erfahrung eine möglichst tägliche, auch kritische Reflexion.
Dazu gehört durchaus ein gutes Maß an Disziplin, wodurch ich, wenn's gelingt, Freiheit von gesellschaftlichen und psychologischen Zwängen gewinne.

Wenn ich bemerke, dass ich auf der Stelle trete, empfinde ich es hilfreich mich meinen Kraftgedichten, die ich alle auswendig parat habe, zuzuwenden.

Eines davon ist dies

https://www.lyrikline.org/de/gedichte/stufen-5494

LG
Streunerin
Der geistigen Menschen höchste Leistung ist immer Freiheit, Freiheit von den Menschen, von den Meinungen, von den Dingen, Freiheit zu sich selbst.

(Stefan Zweig 1881 - 1942)
Benutzeravatar
streunerin
Hero Member
 
Beiträge: 727
Registriert: Di 2. Aug 2011, 16:09

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon streunerin » Fr 1. Jun 2018, 18:37

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:
So kam beispielsweise raus, dass es mich sehr anspricht, wenn ich eine grundsätzliche Art von Offenheit und Interesse an anderen Menschen vorfinde und nicht nur ein ständiges Kreiseln um sich selbst.
Oder auch wenn mir jemand eine Neugier und Bereitschaft für sich verzweigende, nicht so eingefahrene Gedanken und Ideen entgegenbringt.
Oder auch ganz wichtig und wertvoll ist mir, wenn man mir authentisch und geradlinig begegnet.



Liebe Anima,

hier stimme ich Dir aus ganzem Herzen zu, Dein Text fühlt sich für mich sehr gut an. Mich macht es glücklich, wenn man mir authentisch und geradlinig begegnet.
Ist mir letzte Woche mit einer ganz fremden Frau passiert. Wir begegneten uns beim Hundespaziergang im Wald und es entwickelte sich eine wunderbar achtsame Unterhaltung.
In der Regel weiche ich oft aus, weil ich in der Natur sehr gerne meinen eigenen Gedanken nachgehe und nicht zugetextet werden möchte. Dann ist es nämlich mit meinem "guten Leben" vorbei und ich fange an zu leiden.

LG
Streunerin
Der geistigen Menschen höchste Leistung ist immer Freiheit, Freiheit von den Menschen, von den Meinungen, von den Dingen, Freiheit zu sich selbst.

(Stefan Zweig 1881 - 1942)
Benutzeravatar
streunerin
Hero Member
 
Beiträge: 727
Registriert: Di 2. Aug 2011, 16:09

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 2. Jun 2018, 12:21

streunerin hat geschrieben:Ist mir letzte Woche mit einer ganz fremden Frau passiert. Wir begegneten uns beim Hundespaziergang im Wald und es entwickelte sich eine wunderbar achtsame Unterhaltung.

Hey, streunerin,
ach, du bist das also neulich im Wald gewesen, als ich mit meinem Hund dort unterwegs war! icon_winkle _sprint_


Und hallo an alle, :-)

ich habe kürzlich von einer guten Bekannten erfahren, dass sie momentan drei Amsel-Babys aufzieht, die ihre Eltern verloren haben. Ziemlich mühselig das Ganze, alle halbe Stunde mit der richtigen Futtermenge füttern, ständig wiegen müssen, ob sie’s gewichtmäßig richtig packen und so. Trotzdem blüht sie bei dieser Aufgabe richtig auf, erlebt ihre Schmerzen nicht mehr so stark, ist besserer Stimmung als sonst. (Ich muss dazu erwähnen, sie ist kein zwanghafter Gutmensch!)

Nun: Bei der Amsel handelt es sich mitnichten um eine bedrohte Tierart, im Gegenteil - die Amsel ist eine der häufigsten und bekanntesten Vögel in Europa. Kommt es jetzt noch auf die drei zusätzlichen Amseln an? Lohnt sich ein solcher Aufwand? Sie fressen ihr womöglich später die Beeren und Kirschen im Garten weg. Sie leben nur ein paar Jahre, wenn sie überhaupt überleben.
Und im großen Weltgeschehen ist doch eine solche Aktion geradezu vollkommen lächerlich.

Und doch hält sie das Ganze offensichtlich für eine „sinnvolle“ Aufgabe für ihr gutes Leben.
(Und nur ganz nebenbei: ich kann sie auch noch verstehen. _nüxweiss_ )

Aber wie kann das angehen:
Auf einer abstrakten Ebene scheinen so viele Dinge völlig sinnlos - und auf einer konkreten gleichzeitig voller Sinn???
Woran liegt das? _gruebel_

Ich grüße euch und wünsche ein schönes Wochenende! :-)
Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon streunerin » Sa 2. Jun 2018, 13:03

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:
streunerin hat geschrieben:ach, du bist das also neulich im Wald gewesen, als ich mit meinem Hund dort unterwegs war! icon_winkle _sprint_


Ja, und es wärmt mir jetzt noch das Herz, als Du Dich, nachdem wir uns schon verabschiedet hatten, umdrehtest und mir zuriefst: "Das war jetzt so schön!"

LG
Streunerin
Der geistigen Menschen höchste Leistung ist immer Freiheit, Freiheit von den Menschen, von den Meinungen, von den Dingen, Freiheit zu sich selbst.

(Stefan Zweig 1881 - 1942)
Benutzeravatar
streunerin
Hero Member
 
Beiträge: 727
Registriert: Di 2. Aug 2011, 16:09

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon cindy sun » So 3. Jun 2018, 15:27

streunerin hat geschrieben:Wenn ich bemerke, dass ich auf der Stelle trete, empfinde ich es hilfreich mich meinen Kraftgedichten, die ich alle auswendig parat habe, zuzuwenden


Liebe Streunerin, da habe ich auch meine Quellen. Ich habe es nicht so mit Gedichten vor allem nicht auswendig, dafür aber einen großen Schatz an gesammelten Sprüchen und Weisheiten und Sprücheheften (Wozu dann auch "Die Quelle" gehört). Und natürlich Bibelverse, allem voran die Psalmen, außerdem Kirchenlieder aber auch andere Musik.

LG, cindy
.
Ich bin nicht egoistisch - ich passe nur auf mich auf! _yessa_

--- Ich nehme mein Leben zu dem Preis, den es mir gekostet hat und noch kosten wird. --- H.G. Nobis
Benutzeravatar
cindy sun
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 4775
Registriert: Fr 4. Jan 2013, 14:07
Wohnort: im Nordwesten

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » So 3. Jun 2018, 22:29

cindy sun hat geschrieben: (Wozu dann auch "Die Quelle" gehört).


Hallo cindy sun,

du sprichst ja hier deinen Strang „Die Quelle“ an. Dort ziehst du die Schlussfolgerung, dass es dir um die Bedeutung von Selbst- und Nächstenliebe geht. Das finde ich ein sehr komplexes und mehrdimensionales Thema, das mich schon lange interessiert, und darüber könnte man sich sicher „tiefgründig“ austauschen, oder nicht?

Da ich es, wie oben erwähnt, sehr schätze, geradlinig miteinander umzugehen, frage ich jetzt einfach mal geradlinig :-) :

Wo bespricht man dieses Thema jetzt am besten deiner Meinung nach:

Hier könnte es gut her passen, da man es sicher mit persönlichen, grundlegenden Anschauungen für ein 'gutes Leben' verknüpfen kann.
(Aber das wolltest du vielleicht nicht? War ja kürzlich schon mal mit einem anderen Strang genauso, dass du da deine Rabbi-Geschichte lieber separat gehalten hast?)

Also besser in deinem „Quelle“-Strang? – Aber bei dir weiß ich tatsächlich nicht, ob dir da oder auch überhaupt an zusätzlichen oder vielleicht auch anders gelagerten Gedanken liegt.

Oder natürlich kann es auch sein, dass du (z. B. mit mir) darüber gar nicht sprechen möchtest.

Oder du hast einen früheren Strang erwähnt, in dem das Thema schon mal aufgebracht wurde?

Alles völlig o. k. für mich, gib mir einfach Bescheid!

Viele Grüße :-)
Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon cindy sun » Di 5. Jun 2018, 11:24

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:Hallo cindy sun,

du sprichst ja hier deinen Strang „Die Quelle“ an. Dort ziehst du die Schlussfolgerung, dass es dir um die Bedeutung von Selbst- und Nächstenliebe geht. Das finde ich ein sehr komplexes und mehrdimensionales Thema, das mich schon lange interessiert, und darüber könnte man sich sicher „tiefgründig“ austauschen, oder nicht?


Hallo Anima,

du fragst gradlinig, und so möchte ich dir auch gradlinig antworten.

das ist bestimmt ein sehr interessantes Thema, über das man sich sicher tiefgründig austauschen kann und könnte. Nur möchte ich das nicht im in meinem Strang "Die Quelle".
Wenn du findest, dass das hierher passt, kannst du die Frage gerne anstoßen. Ich werde dann bestimmt mitlesen.

Selbstliebe/Nächstenliebe war nicht direkt das Thema, in irgendeinem Faden wurde aber mal der Bogen dahingehend geschlagen. Ich weiß nur nicht mehr in welchem. Letztes Jahr irgendwann meine ich.


Und was die Rabbi-Geschichte angeht. Die stand für mich nicht zur Diskussion.


Viele Grüße, cindy
.
Ich bin nicht egoistisch - ich passe nur auf mich auf! _yessa_

--- Ich nehme mein Leben zu dem Preis, den es mir gekostet hat und noch kosten wird. --- H.G. Nobis
Benutzeravatar
cindy sun
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 4775
Registriert: Fr 4. Jan 2013, 14:07
Wohnort: im Nordwesten

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mi 6. Jun 2018, 09:48

Hallo cindy,

danke für die Antwort und Grüße!

Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon Adama » Do 14. Jun 2018, 14:38

Oh, das Leben lohnt sich schon, man darf nur nicht vergessen, darüber nachzudenken! Allein das Wunder bewußtsein, zu sehen, zu hören ... morgens um viere halb fünfe werden die "Pipsmätze" wach und zwitschen und trällern ... was unterhalten die sich?? Und: ich kann das hören, wahrnehmen! Wenn man darüber nachdenkt, was man in diesem Packet "Leben" alles so feines drin hat, unbeachtet zur Seite geschoben, da drin rumgekramt um was zu suchen, wo man nicht mal weiß wonach man eigentlich sucht ... wer macht sich schon großartig Gedanken darüber, warum ein Wald riecht, wie er riecht? Wird man sich darüber bewußt, stellt sich eine gewisse Euphorie ein, was man alles geschenkt gekriegt hat ... die wuselnde, hektische Welt einer Stadt ist nur Puppentheater. Das überlagert den Blick, verstellt ihn, blockiert ihn ... und dann wird man unzufrieden. In so einer dunklen Phase hat man des Umstandes und Fähigkeit des Bewußtseins über sich selbst keinen Zugriff. Man sagt, der Mensch ist sich am Tag im Durchschnitt nur 5 Minuten lang, seiner selbst wirklich bewußt. Den Rest funktioniert er nur wie ein Roboter, der mit Lochkarten gefüttert wurde.

Ein gutes Leben ist (für mich) moralisch ethisch anständig zu sein und ohne Mangel zu leben. Letzteres ist für viele (auch für mich!) unmöglich denn alles, was man hat oder nicht hat, ist abhängig von Geld. Geld ist das Blut des irdischen Lebens. Wenn Du kein Geld hast iss alles scheiße, "Leben schmeckt scheiße". Die Kunst über diese Klippe, Abgrund hinweg zu kommen, die muß man jeden Tag aufs neue lernen! Du kannst alles Geld der Welt haben aber wenn Du taub bist, hört Du die Vögel nicht. ;) Hörst Du die nicht, bist Du unzufrieden, dunkel im Geist. Ist eine Art Symbiose.
Adama
 

Re: Was ist ein "gutes" Leben?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Fr 15. Jun 2018, 20:48

Hallo Adama,

ich kann das auch so ähnlich sehen, wie du geschrieben hast.

Aber was ist das für eine Realität, mit der wir unser Bewusstsein füttern?

Heute ist das Kätzchen einer Freundin vom Auto überfahren worden, sehr schlimm, sie hing sehr an dem Tier.
Nachdem ich es erfahren habe, habe ich bei meinem Hundespaziergang ein halbes Dutzend leuchtend blaue Falter übers Wasser flitzen sehen. Sie waren so schnell, ich konnte nur immer dieses ungewöhnlich leuchtende Blau aufblitzen sehen, vielleicht waren es auch Libellen. - Aber es war zauberhaft in diesem Licht-und-Schattenspiel.

Du schreibst von den Piepmätzen, wie schön es ist, sie zu hören.
Aber dann gibt es auch Legebatterien, in denen Hühner eingepfercht und unter Qualen Eier produzieren müssen, das ist vor Ort ganz sicher nicht schön anzuhören.

USW ...

Die Realität erscheint mir wie ein Kaleidoskop, eine kleine Drehung weiter, und es entstehen ganz neue Muster: hässliche und wunderschöne in steter Abfolge – das ist verstörend.

Und darin jetzt ein ‚gutes‘ Leben zu leben, wie geht das ...

------------------------------------------------------------------------------------

Ach so, das obige Thema Selbst- und Nächstenliebe ist bei mir zwischendurch etwas untergegangen, aber vielleicht interessiert es ja noch.

Nur so viel: Ich bin weder kirchenhistorisch bewandert noch bibelfest, aber ich bin im christlichen Kulturraum aufgewachsen; insofern, nehme ich mal an, ist der Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ Allgemeingut.

Ich finde ja, dass dieser Satz einiges an Interpretationsspielraum bietet, so simpel er sich doch eigentlich anhört. Da ist ein Nächster und ein Selbst – und diese werden mit dem Auftrag der Liebe verknüpft. Spielen diese Aspekte eine Rolle, wenn man ein „gutes“ Leben führen möchte? – Ich glaube schon.

In den Jahrhunderten/-tausenden des christlichen Moralverständnisses war die Interpretation von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (wie ich vermute) vor allem darauf ausgerichtet, Menschen darauf hinzuweisen, einen Schwerpunkt auf die Nächstenliebe zu setzen. Es wurde vielleicht vorausgesetzt, dass der Mensch ohnehin - vor allem aus biologischen, überlebenstechnischen Gründen – zuallererst auf sich selbst schaut.

Hat sich diese Auslegung irgendwann verändert? – Nach meinen Beobachtungen ist das so. Die strikte Einseitigkeit des Gebots der Nächsten-Liebe wurde meiner Ansicht nach in den vergangenen Jahrzehnten revidiert. Das „Wie dich selbst“ (also die Selbst-Liebe) ist zunehmend ins Bewusstsein gerückt.

Ist das so? Und wenn ja, welche Wirkungen können solche Werteverschiebungen oder -veränderungen haben?

An alle viele Grüße und ein schönes Wochenende! :-)
Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 974
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

VorherigeNächste


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Philosophische Fragen und Gedanken

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron