aktuelle Situation in Deutschland

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aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 22. Sep 2018, 10:07

Hallo zusammen,

nach dem aktuellen ARD-Deutschland-Trend überholt die AfD die SPD und wird mit 18% zweitstärkste Kraft. Es ist die Rede davon, dass sie in Ostdeutschland sogar stärkste Kraft wird.
Das lädt vielleicht schon mal zum Nachdenken ein, was da vor sich geht, oder nicht?

Was könnten die Gründe für diese Entwicklung sein?

Ist doch komisch, dass es dazu gekommen ist, da es in meinen Augen eigentlich keine rationalen Gründe dafür gibt:
die deutsche Wirtschaft läuft so gut wie noch nie, die Flüchtlingszahlen sind deutlich zurückgegangen, die Demokratie in ihren Grundprinzipien funktioniert nun bereits seit Jahrzehnten, und die GroKo arbeitet vermutlich inhaltlich sogar besser als ihr derzeitiger Ruf es glauben lässt. Und die AfD bringt doch außer lautem Geschrei über immer dasselbe Thema seit ihrem Einzug in Bundes- und Landtage gar nichts zustande.

Also bleibt die Frage nach irrationalen Gründen:

Ich vermute mal, dahinter steckt ein sehr menschliches Gefühl, das sich immer stärker und immer dominanter werdend in den Vordergrund geschoben hat: ANGST.

- Das Bild der GroKo vermittelt Unsicherheit, das verursacht sie selbst, aber sie wird auch durch eine aggressive Pöbelei von rechts vor sich hergetrieben.
- Angst und Unsicherheit vor dem Fremden, Anderen, vor der Globalisierung: Die Themen Migration, Flüchtlinge, Asyl, Sicherheit sind Dauerbrenner in der Medien- und Politiklandschaft, die alles andere an wichtigen politischen Themen überlagern. Und Rückzug in den Nationalismus befördern.
- Ein überemotionalisierter Sprachgebrauch und rhetorische Tabubrüche, die in der Politik salonfähig werden, schüren Ängste und Aggression.
- Die Selbstdarstellung der AfD und Konsorten als Opfer des Establishments fördert die Rechtfertigung von wütendem bis hasserfüllten Protest.

Bis hierhin mal meine Gedanken dazu, denn ich finde diese Entwicklung erschreckend. Wie geht es euch damit?

Viele Grüße! :-)
Anima
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Träumerle » Sa 22. Sep 2018, 11:38

Hallo Anima :-)

Deine Statistiken zu lesen ist in der Tat erschreckend. Zumal ich sagen muss, bin ich Befürworter der SPD und würde diese nach heutigem Stand bei der nächsten Bundestagswahl - denn dann bin ich bereits volljährig - wählen. Wie jemand oder vor allem so viele eine solch extremistische Partei wählen können, ist mir ein Rätsel. Man kann den Wählern nur nichts vorwerfen, denn jeder hat das Recht auf eine freie Wahl ohne Einschränkung seiner Entscheidung. Ich persönlich mache mir weniger Gedanken über das Warum, viel mehr beschäftigt mich die Frage, welche Ausmaße der politische Überflug der AfD mit sich ziehen wird.

Eine solch polarisierende Partei, die sich in keine Koalitionen begeben möchte, kann ganz viel Unruhen in unserem Land auslösen. Keine andere Partei spaltet das Volk so sehr in seinen Meinungen. Auch bin ich mir nicht sicher, ob die AfD wirklich mit fairen Mitteln handelt, denn deine Frage, wie sie so viel Zustimmung erhalten konnten, ist der springende Punkt. Es kann hierzulande immer wieder zu Protesten, Demonstrationen und vielleicht sogar zu Schlimmerem kommen, wenn sich daran nichts ändert. Das West-Ost-Gefälle ist ja besonders hart und kann den Westen und den Osten unnötig gegeneinander aufspielen, dabei sind wir gerade mal seit knapp 30 Jahren wiedervereinigt. Ihren Umgang mit Flüchtlingen, aber auch ihre Ziele und Ansichten in anderen politischen Bereichen finde ich fast schon unmenschlich.

Nur in einem Punkt muss ich dieser Partei leider Recht geben: Deutschland quillt über vor Flüchtlingen. Zusammen mit Schweden nehmen wir fast alle nach Europa kommenden Migranten auf, auch wenn die Zahl sinkt. Was ist mit den anderen 26 EU-Staaten? Die helfen uns einfach zu wenig und ich finde, die Verteilung auf ganz Europa sollte besser funktionieren. Im Gegensatz zur AfD finde ich, jeder Flüchtling hat ein Recht auf eine Bleibe in einem sicheren Land, aber es gibt ja nicht nur Deutschland und Schweden. Das ist dann aber wiederum eine Sache der EU.

Kurz gesagt, was die AfD macht: Druck ausüben. Druck auf die Wähler, auf ganz Deutschland, sodass man sich fast schon zu einer Wahl genötigt fühlt. Die anderen Parteien gehen mit ihrer Wahlwerbung deutlich feinfühliger um und allein das macht für mich alle anderen Parteien schon ein Stück weit sympathisch. Ohne die AfD würde Deutschland nichts fehlen und es wäre auf jeden Fall mehr politische Harmonie gewährleistet.

Soweit meine Gedanken dazu.

Ein schönes, windiges Wochenende :-)

Liebe Grüße,
Träumerle
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Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
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~Träumerle :-)
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon jules1976 » Sa 22. Sep 2018, 13:59

Bitte besonders bei der Brisanz des Themas die Quellen für oben genannte Zahlen und Statistiken nennen!
Respekt elefant2
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 22. Sep 2018, 14:38

Hallo,

hier noch die Quellenangaben:

a) Deutschlandtrend: AfD liegt im Osten erstmals vor der CDU
https://www.welt.de/politik/deutschland ... r-CDU.html
(06.09.18)

b) Deutschlandtrend: AfD erstmals zweitstärkste Partei im Bund
https://www.tagesschau.de/inland/deutsc ... -1381.html
(21.09.18, also von gestern)

Gruß :-)
Anima
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Träumerle » Sa 22. Sep 2018, 14:50

Hab auch noch was gefunden in Bezug auf die europaweite Verteilung der Asylbewerber:
https://www.tagesschau.de/multimedia/bi ... n-101.html
https://correctiv.org/echtjetzt/artikel ... en-zahlen/

LG
Träumerle
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Chrissie » So 23. Sep 2018, 07:26

Meiner bescheidenen Meinumg nach sprechen die Politiker der AfD die wichtigsten Ängste einer Nation an: Heim, Familie und die "gesellschaftlichen Normen".
Unter Heim fällt für mich Kultur und Identität. Als Bedrohung nehmen sie dafür die Islamisierung des Westens und die Flüchtlinge.
Unter Familie fällt unter anderem die Ehe und die Beziehung Mann und Frau. Hier gelten als Bedrohung die queer Bewegungen.
Unter gesellschaftliche Normen fallen für mich das Geschlechterbild. Bedroht wird dies durch die Einführung des dritten Geschlechts und die wachsende Zahl transidenter Menschen und deren Forderung auf anpassen des TSG (Transsexuellengesetzes, was ja eh in vielen Teilen nicht mehr gültig ist dank BGH).

Hinzu kommt, dass die Politiker der AfD durch ihre teils ungehobelten und rüden Ansprachen die Menschen ansprechen, die durch welche Gründe auch immer einen niedrigeren Bildungsstand haben (was sie nicht besser und auch nicht schlechter macht als die mit höherer Bildung).
Viele Politiker der AfD strahlen Charisma aus, dass viele einfach mit sich reißt.
Charisma ist meiner Meinung nach ein extrem gefährlicher Wesenszug. Eingesetzt im richtigen Moment kann er eine ganze Nation in Aufruhr versetzen.

Ein anderer Grund für den Erfolg der AfD ist meines Erachtens die deutsche Kultur an sich.
Aus historischer Sicht konnte sich in Deutschland nie so etwas wie Nationalstolz, wie z.B. in Frankreich, entwickeln. Aufgeteilt unter Adel und Klerus wurden in jedem Hoheitsgebiet die Menschen unterjocht und zum gehorsm erzogen. Die Revolution in Deutschland wurde niedergeschlagen, da sie nur in einzelnen Teilen stattfand und jedes Bistum oder Fürstentum sich quasi selbstregierte.
Nicht wie in Frankreich, das schon immer Zentral regiert wurde.
Also konnte der "Deutsche" nicht lernen was es heißt, sich als eins gegen jemanden zu erheben. Immer schon wurde er geführt, was sich in das genetische Gedächtnis der "Deutschen" eingebrannt hat. Von einer Generation zur nächsten weitergegeben.
Was vermutlich auch der Grund für die Kluft zwischen Ost und West erklären könnte.
Und dann wenn alles scheinbar aus dem Ruder zu laufen scheint und die "Führung" sich uneins und unsicher wirkt, kommt jemand mit Charisma daher und lockt mit seinen Worten und schürt die Ängste. Schon laufen ihm die meisten nach, weil er strahlt etwas aus und er/sie versteht ja das Volk.

"Die Geschichte wiederholt sich nicht. Sie bleibt nur gleich." Werner Schneyder

Wie schon Eingangs gesagt das ist alles meine Meinung und die ist nicht der Wahrheit letzter Schluss. Sie basiert auf Beobachtungen, Fakten aus der Geschichte, Vergleichen mit anderen Kulturen und sehr viel Interpretation. Für eine Diskussion meiner Meinung/Theorie bin ich jederzeit zu haben.

Enden möchte ich mit einem Zitat von Heinrich Heine:

"Denk ich an Deutschland in der Nacht.
Dann bin ich um den Schlaf gebracht.
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen."

Viele Liebe Grüße

Chrissie
"Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust." aus Goethes Faust
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Rauhnacht » So 23. Sep 2018, 09:01

@Chrissie

Die AfD hat insbesondere Zulauf aus der Mittelschicht (also höhere Bildung), da die Menschen dort sich von den Migranten bedroht fühlen. Die sozial Schwachen sind zumeist Nichtwähler und werden vom Programm der AfD auch nicht sonderlich angesprochen. Die Mittelschicht bekommen sie, indem sie Verlustängste schüren.
(https://www.zeit.de/politik/deutschland ... sa-umfrage)


Deutschland hatte, so wie alle europäischen Nationen (oft noch heute) bis 1918 und dann in pevertierter Form ab 1933-1945 Nationalstolz/Nationalismus. Gerade im Kaiserreich war das sehr ausgeprägt. Im Mittelalter wurde keines der europäischen Länder zentral regiert (auch Frankreich). Gerade Mitteleuropa war in eine unzahl kleiner Königreiche, Herzogtümer etc. zersplittert. Nationalstolz/Nationalismus konnte deswegen auch erst richtig aufkommen, als sich "Nationalstaaten" bildeten.

(https://www.zeit.de/kultur/2018-08/patr ... ttenkultur)


Auch das "geführt" werden ist kein Sonderfall für Deutschland. Der Stärkste führt, das kannst du auch in kleineren Gruppen von Menschen beobachten. Nach einer Weile kristallisiert sich dort auch immer ein "Anführer" heraus. Genau so verhält es sich auch für größere Gruppen (z.B. ein Königreich), weswegen es früher auch immer wieder zu Kriegen kam.

(https://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/06 ... hierarchie)

Mit dem Gedanken "Immer schon wurde er geführt, was sich in das genetische Gedächtnis der "Deutschen" eingebrannt hat." würde ich sehr aufpassen, das geht rhetorisch in Richtung der Äusserungen der Rechten. Genetisch lässt sich kein Gedankengut in den Menschen einbrennen, wir kommen als unbeschriebenes Blatt zur Welt. Durch Erziehung/Gesellschaft/Indoktrinierung können wir, insbesondere in jungen Jahren, geprägt werden. Wenn ein Kind in einer Familie aufwächst, wo die Eltern Mitglieder der NPD sind, werden sie auch Gedankengut/Einstellungen/Weltbild dementsprechend übernehmen.
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Anima (Lufthauch) » So 23. Sep 2018, 10:15

Hallo zusammen,
hallo Träumerle, :-)

Träumerle hat geschrieben:Zumal ich sagen muss, bin ich Befürworter der SPD und würde diese nach heutigem Stand bei der nächsten Bundestagswahl - denn dann bin ich bereits volljährig - wählen.

1güt (Wenn die Regierung bis dahin hält) die können, so denke ich, sicher jede Stimme gebrauchen!
Als ich das erste Mal gewählt habe, war das auch die SPD, seither war ich nie Nichtwähler, aber immer wieder Wechselwähler je nach Sachlage.

Träumerle hat geschrieben:Wie jemand oder vor allem so viele eine solch extremistische Partei wählen können, ist mir ein Rätsel. Man kann den Wählern nur nichts vorwerfen, denn jeder hat das Recht auf eine freie Wahl ohne Einschränkung seiner Entscheidung.

Genau, das ist ein demokratisches Grundrecht - wohl auch unter der Annahme, dass die Demokratie es aushält, wenn demokratie-zersetzende Gruppierungen sich zur Wahl stellen. Dass die solche Höhenflüge erleben, also WEIT über die 5%-Hürde kommen, ist nach meiner Meinung ein echter Unglücksfall. Und kann man nicht ignorieren, was das mit der Demokratie macht.

Träumerle hat geschrieben:Nur in einem Punkt muss ich dieser Partei leider Recht geben: Deutschland quillt über vor Flüchtlingen. Zusammen mit Schweden nehmen wir fast alle nach Europa kommenden Migranten auf, auch wenn die Zahl sinkt. Was ist mit den anderen 26 EU-Staaten? Die helfen uns einfach zu wenig und ich finde, die Verteilung auf ganz Europa sollte besser funktionieren.

Das ist der Gedanke, den die AfD weidlich ausschlachtet, um Angst zu schüren.
Dabei finde ich es auch durchaus richtig, sich mit dem Migrationsthema vertieft zu befassen, es ist schließlich eine enorme gesellschaftliche Frage, wie man damit umgehen soll – da hilft keine emotionale Polemik von wegen „Grenzen auf“ oder „Grenzen dicht“, sondern ein möglichst sachlicher Umgang, auch auf der Grundlage von Daten und Fakten (Danke dir deshalb auch für die aufschlussreichen Links! :-) ).


Hallo Chrissie, :-)

ich freue mich, dass du ins Forum gefunden hast!
Und über deinen interessanten Beitrag.
Chrissie hat geschrieben:Meiner bescheidenen Meinumg nach sprechen die Politiker der AfD die wichtigsten Ängste einer Nation an: Heim, Familie und die "gesellschaftlichen Normen".

Ja, das sehe ich auch so: Angst ist das Kapital, mit dem die AfD wuchert. – Es geht wohl darum, mit Hilfe von Angst zu spalten, Konflikte zwischen Gruppen zu schüren, bestimmte Gruppen auszugrenzen, aus Anmaßung Identitäten zu definieren, an die sich angepasst werden muss, ansonsten erfolgt Sanktionierung von einer auf die andere Gruppe.
Was könnte das Ziel eines solchen Vorgehens der Spaltung sein? – Divide et impera/ „Teile und herrsche“? (Funktioniert leider immer wieder: im Großen, wie im Kleinen.)

Chrissie hat geschrieben:Ein anderer Grund für den Erfolg der AfD ist meines Erachtens die deutsche Kultur an sich.

Das ist bedenkenswert.
Und doch ist mein Eindruck: bis jetzt hat unsere Demokratie (bis auf ein paar Ausreißer) in ihren Grundfesten durchaus funktionieren können. Hast du die Vermutung, dieses „genetische Gedächtnis“ hat all die Zeit im Hintergrund gewirkt und bricht jetzt erst so richtig – zu (un)passender Gelegenheit - auf?

Oder was geschieht denn da jetzt?
Nach meiner Anschauung wird man sich da eher weniger Gedanken um die extremistischen Außenränder machen müssen, da sind die ewig unverbesserlichen Unzufriedenen am Werk, aber was ist mit der sogenannten Mitte der Gesellschaft? Da gibt es offensichtlich nicht unerhebliche Teile, die sich von der AfD angesprochen fühlen, warum? Wo liegen denn da die Ängste und Unsicherheiten, die in diesem Ausmaß geweckt werden konnten?
Hat Rauhnacht ja auch schon was dazu geschrieben.

Ich habe in dem Zusammenhang noch was Passendes gelesen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 28663.html

Die Befragten gaben an, dass sie trotz der Wahrnehmung einer guten ökonomischen Entwicklung eine tiefgreifende Verunsicherung hinsichtlich der politischen Stabilität der Bundesrepublik empfinden. Das sei in großen Teilen der Bevölkerung der Fall. Es werde so gesehen, als habe sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland verschlechtert, 67% sehen eine Schwächung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Euch noch einen schönen Sonntag! :-)
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon DesdiNova87 » So 23. Sep 2018, 12:26

Ich kann die Einschätzung nicht teilen, dass die Große Koalition eine gute Arbeit macht. Nebenbei bemerkt, wenn man das absolute Wahlergebnis ausrechnet, regiert die Große Koalition nur mit 40,7% aller möglichen Stimmen (CDU 25,1%, SPD 15,6%). Schade, das so viele auf die Stimmenabgabe verzichten und dann solche absurden Regierungen zustande kommen. Demokratisch finde ich es nicht.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article168983338/Das-ehrliche-Wahlergebnis-der-Bundestagswahl.html

Verstehen kann ich manche Nichtwähler allerdings schon, denn was soll die Stimme schon groß ändern? Politik und Wirtschaft spielen sich ohnehin die Bälle zu, wie sie wollen. Selbst wenn eine ernstzunehmende Opposition die Macht übernehmen würde, würden dann halt diese von den Lobbyisten umgarnt werden.

Deutschland ist auch 100% von den USA abhängig. Das gibt keiner gerne zu, aber wir haben es bei dem Iran-Deal zuletzt wunderbar mitansehen können. Den Deal selbst will ich jetzt gar nicht zur Diskussion stellen, das ist dann wieder ein komplett anderes Thema.

Aber was haben unsere deutschen und EU-Politiker getönt, "wir" werden weiter mit dem Iran handeln, unabhängig von der Entscheidung der USA. Tja, in der Realität sieht es anders aus, und jeder der sich mit Außenwirtschaft beschäftigt hat das auch genau so kommen sehen. Die iranischen Unternehmen sind auf die schwarze Liste der USA gekommen, und jedes deutsche Unternehmen welches mit gelisteten Unternehmen Handel treibt, landet selbst auf der Liste der Amerikaner. Dann ist Feierabend. Das kann sich kein deutsches Unternehmen leisten, und das wissen die Politiker auch, wollen aber die selbstbestimmten Europäer mimen für das Wahlvolk.

Es gibt viele Punkte die für mich die derzeitige Regierung absolut untragbar machen. Um nur einen aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen, die Regierung hat ernsthaft überlegt, ob sie sich an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf Syrien beteilligt, wobei der wissenschaftliche Dienst des Bundestages schon den letzten Angriff ohne deutsche Beteiligung als völkerrechtswidrig klassifiziert hatte:

Für Alexander Neu, in dessen Auftrag sich der Wissenschaftliche Dienst mit dieser Frage beschäftigte, ist die Expertise "eine Ohrfeige für die Bundesregierung". Diese unterstütze "einen gravierenden Völkerrechtsbruch und trägt damit selbst zur Erosion dieses Regelwerkes bei", so Neu. Die Bundeswehr müsse als erste Konsequenz sofort aus der Region abgezogen werden.


https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-angriff-gutachten-101.html

Hervorzuheben auch, in dem Artikel wird genannt, dass die Bundeswehr ohnehin nicht in der Lage sei sich zu beteiligen aufgrund der schlechten Materiallage.

Und jetzt ein paar Monate später soll die Bundeswehr plötzlich für einen Einsatz bereit sein? In Niedersachsen brennt seit Monatsanfang ein Feuer, dass selbst vom Weltall aus zu sehen ist, ausgelöst durch Raketen der Bundeswehr. Vielleicht sollte man sich erstmal um sowas kümmern, bevor man woanders völkerrechtswidrig bombadiert. Den Einsatz der Bundeswehr gegen den syrischen Staat gibt auch das Grundgesetz gar nicht her. Aber wenn jemanden schon das Völkerrecht nicht interessiert, braucht man vermutlich mit dem Grundgesetz gar nicht erst kommen. Wo ist da der Aufschrei in der Bevölkerung??

Nee, also für mich ist diese Regierung schlichtweg nicht ernst zu nehmen. Dafür braucht es weder Ängste, noch eine AfD, um die Inkompetenz der Regierenden zu erkennen und ich kann die Politikverdrossenheit vieler Mitmenschen gut verstehen.

Meiner Ansicht nach ist die derzeitige Polarisierung der Gesellschaft genau das Wunschziel, ganz nach dem Motto "teile und herrsche", und von daher verweigere ich es, mich auf eine der beiden Seiten zu stellen und dann auf die andere einzukloppen.
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Re: aktuelle Situation in Deutschland

Beitragvon Anima (Lufthauch) » So 23. Sep 2018, 19:04

Hallo DesdiNova,

du hattest ja mal erwähnt, dass du Historiker bist.
So war ich schon gespannt, was du wohl schreibst, als ich deinen Namen gesehen habe. Ich dachte, dass du vielleicht einige erhellende Überlegungen aus der historischen Perspektive zur Entwicklung der aktuellen Situation in Deutschland anstellen würdest.
Na ja, aber auch das andere habe ich mit Interesse gelesen.

Eine Lobhudelei über die GroKo gibt es von mir nicht und auch kein Widerspruch bei deinen genannten Punkten (z. B. Syrien) und auch nicht hinsichtlich des Maaßen-Debakels. Da sind zu viele Sollbruchstellen.
Allerdings finde ich auch, dass die Alltagsarbeit der Regierung völlig durch die Seehofer-AfD-Themen zerkocht wird
und außerdem:
DesdiNova87 hat geschrieben:Schade, das so viele auf die Stimmenabgabe verzichten und dann solche absurden Regierungen zustande kommen. Demokratisch finde ich es nicht.

Ja eben, und das würde also auch heißen: Politikverdrossenheit zahlt sich nicht aus im demokratischen Prozess.
Aber klar, meckern geht natürlich immer: gehe ich zur Wahl, nervt mich, was dabei rauskommt, gehe ich nicht zur Wahl, nervt es mich auch.

Aus deinem „welt“-Link wird ja auch noch ersichtlich, dass der Anteil der Nichtwähler 2017 gesunken ist und davon vor allem die AfD profitiert hat. Und da heißt es weiter, dass 99 % dieser AfD-Wähler befürworten, dass die Partei den Einfluss des Islam in Deutschland und den Zuzug von Flüchtlingen verringern will. Und für 85 % ging es um Protest gegen die herrschende Politik. Also was könnten da – jetzt mal nur versuchsweise interpretiert - für emotionale Motive drinstecken? – Vielleicht Angst vor „Überfremdung“ (1993 Unwort des Jahres) und Wut auf die da oben, die alles falsch machen?

So stellt sich doch die Frage, ob eine Versachlichung von wichtigen politischen Themen nicht sinnvoller wäre als dieses aus dem Bauch raus nach Gefühlen Kreuz-und-Quer-Getriebene, das sich hier zeigt - mit der AfD und ihren Wechselwirkungen im gesellschaftlichen und politischen Geschehen.
Was sagt denn die Geschichte über die Folgen aus, wenn Gesellschaften sich zunehmend „emotionalisiert“ haben? Gibt es dazu Erkenntnisse? Und könnte man daraus Rückschlüsse auf die aktuelle Situation hier in Deutschland ziehen? – Wenn du darüber irgendwas weißt, das würde mich wirklich interessieren, DesdiNova, ich danke dir im Voraus.

An alle viele Grüße! :-)
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