Pandemien

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Re: Pandemien

Beitragvon DesdiNova87 » Mi 25. Mär 2020, 18:20

Da mehrere nochmal die Testpraxis angesprochen haben, seit heute empfiehlt das RKI die Kriterien für eine Testung zu lockern:

Das staatliche Institut änderte derweil seine Kriterien, nach denen mögliche Verdachtsfälle auf Covid-19 getestet werden. Das Kriterium, dass Menschen in Risikogebieten gewesen sein müssen, entfalle ab sofort. In solch einer Pandemie ergebe es irgendwann keinen Sinn mehr, nach einzelnen Gebieten zu unterscheiden, sagte Wieler zur Begründung.


Das ist wohl nur folgerichtig, ist doch ein nicht unerheblicher Teil Deutschlands inzwischen selbst Risikogebiet.

Auch wird nochmal betont, dass das Virus auch jüngeren Menschen sehr gefährlich werden kann:

Wieler warnte, dass auch jüngere und gesunde Menschen "sehr schwer" erkranken können - "es können auch Jüngere daran sterben".


https://www.tagesschau.de/inland/pandemie-101.html

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Re: Pandemien

Beitragvon Lampe » Do 26. Mär 2020, 07:02

Hier weiterführende Informationen zu den geänderten Kriterien für die Durchführung eines Tests auf Covid-19:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... SARS-CoV-2

Gemäß dieser Seite und auch des darin verlinkten Flussschemas würde ich von nun an einem Covid-19-Test unterzogen werden ab Erkältungssymptomen oder schlimmer, weil ich einer Risikogruppe angehöre (Bluthochdruck).

@Iwie:

Dein Bruder könnte gemäß der geänderten Testkriterien einem Covid-19-Test unterzogen werden, auch wenn er keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, weil er "akute resipatorische Symptome jeder Schwere" zeigt. Es hängt in seinem Fall nur davon ab, ob es eine "hinreichende Testkapazität" gibt (siehe hierfür das oben verlinkte Flussschema). Deswegen sollte er sich unter Hinweis auf die geänderten Testkriterien an seine Ärzte bzw. an die 116 117 öder ähnliche Telefonnummern wenden.

Zum von @Anima bereits erwähnten Antikörper-Test hier entsprechende Infos:

Wichtiger Bluttest für symptomlose Corona-Fälle

Ein neuer Antikörper-Test spürt auch symptomlose Covid-19-Fälle auf und liefert Modellierern und Regierungen realistischere Zahlen.


https://www.heise.de/newsticker/meldung ... 86959.html
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Re: Pandemien

Beitragvon Iwie » Do 26. Mär 2020, 11:02

Danke für Eure Infos _rosegirl_
Ich habs mal weitergeleitet. Ist ja seine Entscheidung.
Mir ging es letztlich eben auch nicht drum, ob konkret mein Bruder getestet wird, sondern darum, dass es für das zu schützende Umfeld und das Umfeld des Umfelds schwierig ist.
Mein Gedankengang war jetzt konkret ausgehend von der Dunkelziffer.

Niemand sagte, dass es einfach sei - ist mir auch klar.
Dieses Beispiel zeigt mir jetzt einfach auch ganz konrekt auf, WIE kompliziert das alles ist und was da alles reinspielt.
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Re: Pandemien

Beitragvon Lampe » Do 26. Mär 2020, 13:45

Hi Iwie,

Iwie hat geschrieben:Danke für Eure Infos _rosegirl_


Gern geschehen.

Iwie hat geschrieben:Mir ging es letztlich eben auch nicht drum, ob konkret mein Bruder getestet wird, sondern darum, dass es für das zu schützende Umfeld und das Umfeld des Umfelds schwierig ist.


Das war mir klar ;-)

Iwie hat geschrieben:Dieses Beispiel zeigt mir jetzt einfach auch ganz konrekt auf, WIE kompliziert das alles ist und was da alles reinspielt.


Ja, da hast Du Recht.

Viele Grüße

Lampe
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Re: Pandemien

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 28. Mär 2020, 12:44

Hallo Lampe und alle, :-)

Lampe hat geschrieben:Mehr Wissen kann beruhigend wirken, weil man dann meint, man hätte wegen dieses Wissens eine gewisse Situation in gewisser Weise unter Kontrolle. Nur kann es in Bezug auf die Corona-Krise sein, dass auch mehr Wissen nicht zur Beruhigung führt.

Ja, das stimmt. Beim Wissen liegt meiner Erfahrung nach oft beides sehr nah beieinander: zum einen durch Faktenwissen wenigstens Klarheit und damit eine gewisse Sicherheit – aber: durch das vermehrte Wissen des Problematischen dann doch auch sehr beunruhigende, verunsichernde Gefühle.
Nicht umsonst heißt es ja: sapere aude = „Wage (!) es, weise/wissend zu sein.“ icon_winkle

Und genauso ist das ja auch in der Corona-Krise: Ohne das sich ständig erweiternde Wissen der Wissenschaften zu diesem Virus-Geschehen und seinen Auswirkungen wären wir, da bin ich mir sicher, in dieser Situation komplett aufgeschmissen. Gleichzeitig ist es allerdings auch so, dass die Analysen der Wissenschaften gerade nicht dazu verhelfen, uns zu beruhigen. - „Kontrolle“ ist also ein wankelmütiges Ding!

(So ist das übrigens auch in Hinblick auf die Klimakrise, die jetzt angesichts der unmittelbaren Corona-Bedrohung weitgehend aus dem Blick gerät.)

Lampe hat geschrieben:Weil das Mehr an Wissen in diesem Fall eventuell bedeuten kann, dass die Katastrophe nur noch schlimmer wird.

Mein Gedanke dazu: ist es nicht ein heftiges Dilemma, letztlich zwei Katastrophen gegeneinander abwägen zu müssen? Auf der einen Seite eine extreme Gesundheitsbedrohung für Zig- oder Hunderttausende von Menschen in Deutschland – und auf der anderen Seite massive Einschränkungen von Bürger- und Freiheitsrechten (durch Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren, Berufsausübungsverbote etc.?). Beides ist katastrophal.

Und doch halte ich es für sinnvoll, wie momentan vorgegangen wird: Die Leute müssen über das Corona-Szenario eben nicht beruhigt, sondern aufgeklärt werden (s. o. Wagemut für Wissen!), dann kann man sie mitnehmen in die Richtung, die jetzt einfach notwendig ist.
Einen Abbruch oder eine Lockerung der Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt, nach gerade mal einer Woche, wie von einigen gefordert, könnte ich nicht nachvollziehen; ich denke nicht, dass man jetzt schon statistisch valide Effekte aus den getroffenen Interventionen ersehen kann.
Und außerdem braucht man unbedingt einen weiteren Zeitvorsprung, um neben den verstärkten Vorkehrungen in den Kliniken und der Beschaffung von Schutzausrüstung, auch die bereits bestehenden Testkapazitäten weiter massiv auszubauen, was man eben auch nicht einfach so und hopplahopp aus dem Boden stampfen kann.

Was noch die erwähnte Dunkelziffer angeht, wird jetzt hoffentlich bald eine Studie an einer repräsentativen Stichprobe gemacht, damit man mal realistisch weiß, um wieviel Prozentpunkte man die jetzige Rate der erkannten/gemessenen Infektionen erhöhen muss.

Liebe Grüße
Anima
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Re: Pandemien

Beitragvon Blackhills » So 29. Mär 2020, 12:33

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Re: Pandemien

Beitragvon Träumerle » So 29. Mär 2020, 18:45

Und hier eine Übersicht der Verteilung auf jeden einzelnen Landkreis, bzw. jede einzelne Stadt Deutschlands:

https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/ ... andkreise/
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
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Re: Pandemien

Beitragvon Lampe » Mo 30. Mär 2020, 08:55

Hi Anima :-)

Anima hat geschrieben:... die Klimakrise, die jetzt angesichts der unmittelbaren Corona-Bedrohung weitgehend aus dem Blick gerät.


Weil die Klimakrise im Gegensatz zum Corona-Virus als eine konkrete, im Hier-und-Jetzt stattfindende Bedrohung empfunden wird (von den allermeisten Menschen; es gibt aber, nebenbei gesagt, auch Leute aus dem links- und rechtsextremen Meinungsspektrum, die diese konkrete Gefahr leugnen und stattdessen behaupten, dass unsere Regierung diesen Virus nur als Vorwand nehme um eine Diktatur in Deutschland zu errichten. Diese letztgenannten Leute sind nicht nur eine Gefahr in gesundheitspolitischer Hinsicht, sondern auch eine Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung).

Die Klimakrise hingegen wird von vielen Menschen nicht als Bedrohung empfunden, weil das Klima nicht innerhalb von ein paar Wochen oder Monaten in einen Zustand gerät, der für die gesamte Menschheit gefährlich wird.

Der Mensch denkt kurzfristig, in der Regel nicht über die Zeit der eigenen Lebenserwartung hinaus. Deswegen empfindet er den Klimawandel nicht als Bedrohung. Und heizt den Klimawandel munter weiter an. Das ist leider mein Eindruck, den ich von vielen meiner Mitmenschen mittlerweile habe.

Anima hat geschrieben:Mein Gedanke dazu: ist es nicht ein heftiges Dilemma, letztlich zwei Katastrophen gegeneinander abwägen zu müssen? Auf der einen Seite eine extreme Gesundheitsbedrohung für Zig- oder Hunderttausende von Menschen in Deutschland – und auf der anderen Seite massive Einschränkungen von Bürger- und Freiheitsrechten (durch Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren, Berufsausübungsverbote etc.?). Beides ist katastrophal.


Ja, das ist ein Dilemma. Die Ausgangsbeschränkungen und die "soziale Distanz" (besser: körperliche Distanz) sind aber notwendig, um unser Gesundheitssystem vor einer möglichen Überlastung zu schützen und somit die Todesrate im Vergleich zu der festgestellten Zahl der Infizierten so niedrig wie möglich zu halten.

Irgendein Mediziner, der im Deutschlandfunk letzte Woche interviewt wurde, der machte folgende Rechnung auf, so weit ich mich erinnern kann:

1. 60-70% der Bevölkerung werden sich mit Covid-19 infizieren.

2. 6% der Infizierten bedürfen einer Behandlung im Krankenhaus auf der Intensivstation.

3. Bei einer Infizierung von nur 60% unserer Bevölkerung (82 Millionen) entsprechen diese 6% fast 3 Millionen, die auf den Intensivstationen behandelt werden müssten.

Es kann sein, dass der Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der Klinik in München-Schwabing, Clemens Wendtner, diese Rechnung im Interview im Deutschlandfunk aufgestellt hat. Das Interview mit ihm liegt leider nicht 1:1 verschriftlicht vor, sondern nur in zusammengefasster Form auf

https://www.deutschlandfunk.de/covid-19 ... id=1114546

Dort steht: "Intensivbehandlung für bis zu 6 Prozent der positiv Getesteten"

Diese 3 Millionen können natürlich nicht alle auf einmal auf den Intensivstationen behandelt werden. Deswegen muss die Zahl der Tage, in der sich die Zahl der festgestellten Infizierten verdoppelt, erhöht werden, damit sich die Geschwindigkeit, mit der sich die Zahl der Infizierten erhöht, verlangsamt. Und auch darum gibt es die Ausgangsbeschränkungen.

Das Robert-Koch-Institut nennt übrigens auch als zu erwartende Infizierungsrate in der Bevölkerung eine Spanne von 60 bis 70 Prozent:

Mit Blick in die Zukunft geht das Robert Koch-Institut von einer mehrjährigen Dauer der weltweiten Infektionen aus. "Wir gehen von einem Zeitraum von zwei Jahren aus", so Wieler. Man wisse, dass Pandemien in Wellen verliefen. Deren Geschwindigkeit kenne man aber nicht genau. Es werde Jahre dauern, bis der erwartete Infektionsanteil von 60 bis 70 Prozent erreicht sei.


https://www.rbb24.de/panorama/thema/202 ... -hoch.html

Das bedeutet wiederum, dass aufgrund der in Wellen stattfindenden Infizierungsrate der Bevölkerung besagte 6% = ca. 3 Millionen nicht zum gleichen Zeitpunkt intensivmedizinisch betreut werden müssten. Was in gewisser Weise beruhigend ist. Aber selbst eine Million Patienten, die zum gleichen Zeitpunkt intensivmedizinisch betreut werden müssten, würde unser Gesundheitssystem bei weitem nicht verkraften.

Da es zurzeit bekanntermaßen nur 28.000 Betten für die intensivmedizinische Betreuung in unseren Krankenhäusern gibt.

Anima hat geschrieben:Und doch halte ich es für sinnvoll, wie momentan vorgegangen wird: Die Leute müssen über das Corona-Szenario eben nicht beruhigt, sondern aufgeklärt werden (s. o. Wagemut für Wissen!), dann kann man sie mitnehmen in die Richtung, die jetzt einfach notwendig ist.
Einen Abbruch oder eine Lockerung der Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt, nach gerade mal einer Woche, wie von einigen gefordert, könnte ich nicht nachvollziehen; ich denke nicht, dass man jetzt schon statistisch valide Effekte aus den getroffenen Interventionen ersehen kann.


Das sehe ich auch so. Zusätzlich muss aber meiner Meinung nach auch das so genannte Dunkelfeld aufgehellt werden, dies durch repräsentative Antikörpertests in Teilen der Bevölkerung. Das hast Du ja auch weiter unten in Deinem letzten Beitrag geschrieben, @Anima, wie ich gerade sehe.

Anima hat geschrieben:Und außerdem braucht man unbedingt einen weiteren Zeitvorsprung, um neben den verstärkten Vorkehrungen in den Kliniken und der Beschaffung von Schutzausrüstung, auch die bereits bestehenden Testkapazitäten weiter massiv auszubauen, was man eben auch nicht einfach so und hopplahopp aus dem Boden stampfen kann.


Das sehe ich auch so.

LG

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Re: Pandemien

Beitragvon Blackhills » Di 31. Mär 2020, 18:59

https://www.youtube.com/watch?v=WF3SIoj1vtw

Genau das war das eigentliche Thema meines damals eröffneten Threads. Nichts draus geworden. Ich hab's bedauert.
Bleibt gesund.
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Re: Pandemien

Beitragvon wind-und-wellen » Di 31. Mär 2020, 19:21

Blackhills hat geschrieben:https://www.youtube.com/watch?v=WF3SIoj1vtw

Genau das war das eigentliche Thema meines damals eröffneten Threads. Nichts draus geworden. Ich hab's bedauert.
Bleibt gesund.


Was meinst Du damit, dass nichts draus geworden ist?

Bleibt gesund! _flöwer_


P.S.: Danke für den wunderbaren Link! wub
Liebe Grüße von wind-und-wellen

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