Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » So 22. Dez 2019, 10:24

Warum lässt Gott das alles zu?

Ich denke, es ist Zeit-, Sinn- und Energieverschwendung, sich über Gott zu ärgern oder ihn dafür zu belangen, warum er alles Miese auf der Welt zulässt – oder auch dafür zu beten, dass er endlich eingreift und alles gut machen soll.

Wenn es einen Gott gibt, dann hat er den Menschen ihr Schicksal und das Schicksal ihrer Erde wohl in deren eigene Hände gelegt.
Heißt, man muss sich tatsächlich selbst kümmern, ohne sich von Vorwürfen an eine höhere Macht ablenken zu lassen. Letzteres finde ich zwar verständlich, aber auch ein bisschen bequem. icon_winkle
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon exsitu » Mo 6. Jan 2020, 00:35

Rotgold hat geschrieben:Warum lässt Gott das alles zu?

Das ist wohl eine der ältesten Fragen der Menschheit.


Ich glaube aus verschiedenen Gründen nicht, dass das eine der ältesten Fragen der Menschheit ist.

Sie richtet sich an den einen Gott. Monotheismus ist eine vergleichsweise junge Erscheinung. Im Polytheismus erübrigt sich eine solche Frage, denn es ist klar, dass kein einzelner Gott, keine einzelne Göttin allmächtig und für alles Geschehen verantwortlich sein kann.

Monotheistische Götter sind eifersüchtige Götter, sie dulden keine Konkurrenz und verlangen im Allgemeinen von ihren Anhängern zu missionieren, ggf. auch mit Gewalt. So bringen sie selbst Leid in die Welt.

"Das alles" - Gewalttaten, Krankheiten, Schmerzen, Hunger und früher Tod waren für die Menschen früher unvermeidlicher Teil des Daseins. Wir dagegen leben warm, satt und trocken, abgesichert und behütet, gesund oder medizinisch versorgt, in jahrzehntelangem Frieden mit persönlichen Rechten und Freiheiten, und wir meinen: So soll es sein. Die Abweichung davon erscheint uns so unerträglich und inakzeptabel schlimm, weil wir zum Glück nicht mehr daran gewöhnt sind.

Der biblische Gott ist ein patriarchaler, autoritärer Gott, passend zur der damaligen Gesellschaft (und diese rechtfertigend). Ein Patriarch kann befehlen, strafen, Unterwerfung verlangen, darüber wundert sich niemand. Wir leben in anderen Verhältnissen, entsprechend ist heute eher die Vorstellung eines wohlwollenden, liebenden, verständnisvollen und verzeihenden Gottes üblich - der uns doch in Schutz nehmen soll vor allem Übel.

Ich meine also, der tiefere Grund für die Frage "Warum lässt Gott das alles zu?" liegt darin, dass das biblisches Gottesbild nicht zu unserer heutigen Realität passt. Zu unseren Werten, Welt- und Menschenbild, sozialen und politischen Verhältnissen.

Kein Wunder, dass sich heute Viele, die ein Bedürfnis nach Spiritualität haben, eher buddhistischen Vorstellungen zuwenden. Da gibt es keinen Gott, mit dem man hadern könnte oder müsste, stattdessen wird man angeleitet, dem Leid (wie allem anderen auch) mit Gleichmut zu begegnen. Und man zerbricht sich nicht den Kopf über Fragen, sondern lässt die Gedanken einfach ziehen.
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Orphée » Do 9. Jan 2020, 12:42

Hallo exsitu...

exsitu hat geschrieben:Ich glaube aus verschiedenen Gründen nicht, dass das eine der ältesten Fragen der Menschheit ist.

Sie richtet sich an den einen Gott. Monotheismus ist eine vergleichsweise junge Erscheinung. Im Polytheismus erübrigt sich eine solche Frage, denn es ist klar, dass kein einzelner Gott, keine einzelne Göttin allmächtig und für alles Geschehen verantwortlich sein kann.

Monotheistische Götter sind eifersüchtige Götter, sie dulden keine Konkurrenz und verlangen im Allgemeinen von ihren Anhängern zu missionieren, ggf. auch mit Gewalt. So bringen sie selbst Leid in die Welt.

"Das alles" - Gewalttaten, Krankheiten, Schmerzen, Hunger und früher Tod waren für die Menschen früher unvermeidlicher Teil des Daseins. Wir dagegen leben warm, satt und trocken, abgesichert und behütet, gesund oder medizinisch versorgt, in jahrzehntelangem Frieden mit persönlichen Rechten und Freiheiten, und wir meinen: So soll es sein. Die Abweichung davon erscheint uns so unerträglich und inakzeptabel schlimm, weil wir zum Glück nicht mehr daran gewöhnt sind.

Der biblische Gott ist ein patriarchaler, autoritärer Gott, passend zur der damaligen Gesellschaft (und diese rechtfertigend). Ein Patriarch kann befehlen, strafen, Unterwerfung verlangen, darüber wundert sich niemand. Wir leben in anderen Verhältnissen, entsprechend ist heute eher die Vorstellung eines wohlwollenden, liebenden, verständnisvollen und verzeihenden Gottes üblich - der uns doch in Schutz nehmen soll vor allem Übel.

Ich meine also, der tiefere Grund für die Frage "Warum lässt Gott das alles zu?" liegt darin, dass das biblisches Gottesbild nicht zu unserer heutigen Realität passt. Zu unseren Werten, Welt- und Menschenbild, sozialen und politischen Verhältnissen.

Kein Wunder, dass sich heute Viele, die ein Bedürfnis nach Spiritualität haben, eher buddhistischen Vorstellungen zuwenden. Da gibt es keinen Gott, mit dem man hadern könnte oder müsste, stattdessen wird man angeleitet, dem Leid (wie allem anderen auch) mit Gleichmut zu begegnen. Und man zerbricht sich nicht den Kopf über Fragen, sondern lässt die Gedanken einfach ziehen.

...und kurzerhand danke für diese Perspektive.



Gruß Dir/Euch :-)
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Re: Weltgeschehen - Ängste - warum lässt Gott das alles zu?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 8. Feb 2020, 13:31

exsitu hat geschrieben:Kein Wunder, dass sich heute Viele, die ein Bedürfnis nach Spiritualität haben, eher buddhistischen Vorstellungen zuwenden. Da gibt es keinen Gott, mit dem man hadern könnte oder müsste, stattdessen wird man angeleitet, dem Leid (wie allem anderen auch) mit Gleichmut zu begegnen. Und man zerbricht sich nicht den Kopf über Fragen, sondern lässt die Gedanken einfach ziehen.

Ich hege auch eine gewisse Sympathie für den Buddhismus.

Und es stimmt, es gibt in unserem Oberstübchen in der Tat viele dusselige und unnütze Fragen/Gedanken, die man gut und gern einfach vorbeiziehen lassen kann.
Und das stimmt auch, dass ein ruhiger Gleichmut für einen selbst etwas überaus Hilfreiches ist. Ja, vieles, was einem so wichtig erscheint, ist dann doch so überaus unwichtig, dass man sich wirklich nicht ernsthaft damit befassen braucht.

Allerdings kann ich dann aber doch darin nicht zustimmen, dass nun Gleichmut exakt die Antwort auf die drängenden Themen des Weltgeschehens unserer Zeit sein soll.

Der Buddha lehrte bereits vor über 2500 Jahren, dass das einzelne, isolierte Ich eine Illusion ist – und die ‚Befreiung‘ gerade darin besteht, die Vorstellung dieses getrennt existierenden Ich zu überwinden und Einsicht zu gewinnen, wie wir mit ALLEM untrennbar verbunden sind.
Auch Buddha selbst hat sich nie ausschließlich unterm Feigenbaum zum Meditieren für seine eigene ‚Befreiung‘ und seinen eigenen ‚Gleichmut‘ aufgehalten, sondern zeigte in seinem Handeln und in seinen Lehren, dass es ihm um heilsames Wirken sowohl gegenüber dem eigenen Leid als auch gegenüber dem Leid von anderen Menschen als auch gegenüber dem Leid der Mitlebewesen/Natur geht.

Wen es in diesem Zusammenhang vielleicht interessiert: Neuzeitlich trat der „Engagierte Buddhismus“, der sich aktiv für soziale, ökologische und globale Belange einsetzt, in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zunehmend in den Blick. So wurde ein Internationales Netzwerk Engagierter Buddhisten gegründet. Mehr dazu hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Internati ... Buddhisten

daraus:
„…Aus der Überwindung des isolierten Ego und dem Wissen um die gegenseitige Abhängigkeit der Dinge entsteht gegenseitiges Verstehen und Engagement für die gemeinsame Welt. Engagierter Buddhismus will zur Verwirklichung einer globalen, gewaltfreien und solidarischen „Kultur des Erwachens“ beitragen. Die Lehre des Buddha über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung bekommt angesichts der globalen Krisen, Abhängigkeiten, Herausforderungen und Leiden eine neue Aktualität…“


Wenn auch Fragen nicht an einen Gott zu richten sind, so denke ich doch, gibt es genug Anlässe und Gründe im Weltgeschehen, Fragen zu haben und sich diesen auch zu stellen.

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